vor den Meldungen des Tages erstmal ein kurzer Blick auf das Thema der Woche – damit Sie vor lauter Mauer noch wissen, wo der Eingang ist, hier eine Auswahl der Events von heute:
Am Schlossplatz ersteht der Palast der Republik wieder auf, und in der Zionskirche spielt die „Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot“ (19 Uhr, Eintritt frei).
Am Brandenburger Tor lassen 30.000 „Visions in Motions“ vor dem Novemberhimmel die Gedanken fliegen, und auf tagesspiegel.de geht gleich unser großes Interview mit Walter Momper raus – da erzählt der Mann mit dem roten Schal, warum er von der Maueröffnung nicht überrascht war und welche Bedeutung in den entscheidenden Tagen Schrauben und Südfrüchte hatten.
In der Ex-Stasi-Zentrale läuft um 16 Uhr der experimentelle Dokumentarfilm „Radfahrer“ – er zeigt, wie der Fotograf Harald Hauswald jahrelang von der Stasi überwacht wurde.
Wie schwer es war, der DDR zu entkommen, ohne sein Leben zu riskieren (und warum man sich besser nicht gleichzeitig verliebte und einen Antrag auf ständige Ausreise stellte), beleuchten Tagesspiegel-Reporter Matthias Meisner und andere um 20 Uhr in der Insel-Buchhandlung in Prenzlauer Berg.
Und dann gibt es ja auch nochunseren „Sonderzug aus Pankow“: Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der „Berliner Zeitung“ und der BVG sind wir am Sonnabend, den 9.11. in der U2 mit einer „rollenden Redaktion“ unterwegs – Sie können dabei sein und mit uns diskutieren. Los geht’s um 10 Uhr, das genaue Programm finden Sie hier.
Außerdem möchte ich Sie auf unsere Checkpoint-Storys bei Instagram hinweisen – auch da geht’s mit einem Klick auf den Button audiovisuell um die Wendezeit (und um vieles andere mehr).
Im Tagesspiegelhaben wir heute übrigens den berühmten Schabowski-Zettel („sofort, unverzüglich“) zum Ausschneiden abgedruckt (hier zu sehen. Wichtiger Hinweis: bitte nicht mit der Schere am E-Paper herumschnippeln).
Mehr Tipps (mit und ohne Mauer) finden Sie weiter unten im Stadtleben.
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GRANDAIRE - The Penthouses. Nach über 30 Jahren entsteht zwischen historischem Klosterviertel und Alexanderplatz der erste neue Wohnturm in Berlin-Mitte und bildet auf 20 Geschossen den eindrucksvollen Auftakt für das zukünftige Stadtquartier entlang der Alexanderstraße. Alle Etagen stehen bereits im Rohbau und 90 % der Wohnungen sind vergeben. Nun startet der Verkauf der bis zu 305 m² großen Penthouses. Tel. 030 44353-130 www.grandaire.berlin
Matthias Jung von der „Forschungsgruppe Wahlen“ legt die CDU auf die Couch – sein Resümee nach der Tiefenanalyse:
„Wenn heute manche in der Union eine Vernachlässigung des Konservativen beklagen, vergessen sie, dass die Wählerschichten inzwischen einfach fehlen, die das als ihre politische Grundorientierung betrachten. Bezeichnenderweise reklamieren eine Vernachlässigung des Konservativen eher Journalisten und Publizisten, die sich außerhalb der Partei befinden und die ihren Befund oft bewusst in Abgrenzung zur mehrheitlichen Einstellung der Bevölkerung setzen, die sie gerne als ‚Zeitgeist‘ diffamieren. Die Meinung der Wahlberechtigten fällt eindeutig aus: Während 57 % aller Befragten mit dem realisierten Kurs der CDU einverstanden sind oder für eine noch weitergehende Modernisierung plädieren, fordern nur 33 % mehr traditionell-konservative Positionen der CDU ein. Bei Anhängern der CDU/CSU fällt dieser Befund fast identisch aus (61 % zu 35 %).“ (Q: „Springer Fachmedien“)
Der neue „Kita-Navigator“ des Senats ist zur Orientierung genauso gut zu gebrauchen wie ein Sextant unter Wasser – dem einen fehlen die Sterne, dem anderen die Plätze. Wer auf der Warteliste landet, hat jetzt aber immerhin was zu lesen: Das „Handbuch“ umfasst 32 Seiten. Wie Erzieherinnen und Erzieher programmiert werden können, steht da aber auch nicht – allein die Jobplattformdes Dachverbands der Berliner Schüler- und Kinderläden (DaKS) meldet gerade 226 unbesetzte Stellen.
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Die Mauer ist seit 30 Jahren Geschichte. Zu diesem Anlass lädt die FDP Berlin herzlich zur #STADTPERSPEKTIVEN Diskussion mit Roland Jahn und Linda Teuteberg MdB in die Bundesakademie für Sicherheitspolitik ein, wo einst der Zentrale Runde Tisch tagte und die 2+4 Gespräche stattfanden. Wir wollen die Vergangenheit, aber auch Zukunftsperspektiven beleuchten. Infos zu Event & Anmeldung finden Sie HIER.
Die SPD konnte Berlins Kitas und Schulen auf einen weltweiten Spitzenplatz reformieren, die Arbeitslosigkeit besiegen, soziale Ungleichheit ebnen, die Rente sichern, das Alter vergolden und ein Pflegeparadies schaffen. Jetzt wendet sie sich der letzten noch offenen Aufgabe zu – Ex-Bildungsstaatssekretär Mark Rackles lädt ein zur Auftaktveranstaltung eines neuen, säkularen SPD-Arbeitskreises, das Thema: Sterbehilfe. Hoffentlich wird das nicht falsch verstanden.
Übrigens: Eine Sterbeurkunde beantragst du in Berlin bei den ortsüblichen Wartezeiten ja am besten kurz nach der Geburt, damit es am Ende keinen Ärger gibt – aber ein Grab bist du ruck zuck los, jedenfalls in Reinickendorf (wer will da auch schon beerdigt sein): Bei Checkpoint-Leser Gerhard Rassel vergingen vom Anruf auf den AB der Friedhofsverwaltung bis zum finalisierenden Rückruf gerade mal 15 Minuten, und schon war der Grabstätten-Exitus vollzogen – ein klarer Fall für die Rubrik „Amt, aber glücklich“.
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Schon gewusst? Vor 30 Jahren verpasste die Kanzlerin in der Sauna am Ernst-Thälmann-Park fast den Mauerfall. Auch heute noch können Sie die Zeit vergessen in den Saunen der Berliner Bäder-Betriebe – am besten mit der Sammelkarte für 30 Besuche zum Sonderpreis. Erhältlich vom 4. bis 10. November
an der Kasse aller Bäder!
www.berlinerbaeder.de
„Berlin didn’t want a Reagan statue, but it’s getting one anyway“, schreibt das „Wall Street Journal“ – Außenmister Mike Pompeo wird das 2,10 Meter große, bronzene Abbild des früheren US-Präsidenten am Freitag auf der Terrasse der amerikanischen Botschaft feierlich ins Amt einführen. Von seinem Standort aus kann Reagan den Platz einer seiner berühmtesten Reden überblicken („Mister Gorbachev, tear down this wall!“) – und er ist, wie das „WSJ“ süffisant anmerkt, teilweise auch „von der Straße aus zu sehen“.
„Wolfs-Angst in Berlin“, titelte gestern die „B.Z.“, nachdem in Gatow ein Schaf (in Ziffern: 1) totgebissen wurde. Heute zieht die „Berliner Zeitung“ groß nach: „Wolfsverdacht“. Und ganz klein heute in der „B.Z.“: „Schafsriss! Es war wohl kein Wolf“ – unter Verdacht steht jetzt ein Hund. Es kommentiert unser Gastautor Pluto: „Wuff“ (Übersetzung: „Auch Wölfe führen in Berlin ein Hundeleben“).
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Sundays for Hong Kong - Was macht Hongkong so besonders und warum manifestiert sich gerade dort eine so dauerhafte Bewegung für Demokratie und Freiheit? Die Berliner Festspiele zeigen an ausgewählten Sonntagen im Gropius Bau selten gezeigte Dokumentar- & Spielfilme aus & über Hongkong und laden dazu ein, die Einzigartigkeit der Stadt & ihrer Bewohner*innen auf diesem Weg kennenzulernen. Der Eintritt ist frei.
Neun Gründe, warum Berlin kein bisschen deutsch ist, hat Rachel Stewart für die „Deutsche Welle“-Reihe „Meet the Germans“ entdeckt. Demnach sind wir chaotisch, hektisch, schmutzig, punkig, vielfältig, offen, unglaublich, ungläubig, ausschweifend, ungeregelt, links, vegan, verraucht (uff…) – aber wegen unseres „schäbigen Charmes“ (really?) auch absolut liebenswert.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Berlins mächtigster Politiker ist der Abgeordnete Christian Gräff – eben erst warnte er vor seiner eigenen Stadt („Ihr könnt hier nicht herziehen“), schon ist’s vorbei mit dem Bevölkerungswachstum (nur noch 0,2 % seit Jahresbeginn).
Die aktuelle Wartezeit auf eine Wartemarke im Standesamt Mitte (Parochialstraße) für einen Registrierungstermin: 8 Stunden. Die Wartezeit bis zur Ausstellung einer Geburtsurkunde. 7 Wochen. Die Geduld der Berlinerinnen und Berliner mit ihrer Verwaltung: Zum Glück für die Politik unendlich. (Q: „B.Z.“)
Die Cyber-Attacke auf zwei Berliner Oberschulen (CP von gestern) begann an einem Lehrer-PC. Anders als beim Kammergericht wurde aber nicht das ganze Netzwerk lahmgelegt – zurzeit sind dort laut ITDZ „Alternativen“ bei der Datenvermittlung im Einsatz.
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Wie hast du den 9. November 1989 erlebt? Im Auffanglager in Gießen, zu Hause im Bett, bei der Bundeswehr? Bei Readly findest du viele spannende Storys zum Mauerfall, z.B. in der aktuellen ZITTY und im TIME Magazine sowie im tip Berlin Readly Exclusive, nur bei Readly.
Jetzt entdecken, Lieblingsmagazine lesen und in Erinnerungen schwelgen.
Als „Hipster Food“, das selbst für London „a bit much“ ist, tauchten im vergangenen Jahr schwarze Backwaren auf. Wenn Sie mal sehen wollen, wie ein „veganes Kohle Croissant“ für 1,70 Euro aussieht – bitte sehr, „Spiegel“- Kollege Peter Wensierski hat hier welche am Bahnhof Südkreuz entdeckt. Spoiler: Sie sehen so aus, wie sie sich anhören – und wenn sie zu viele davon essen, bekommen Sie sicher grüne Haare. Guten Appetit.
„Die 11 härtesten Momente im Berliner Alltag“ hat Ilona Hartmann für „Mitvergnügen“ gesammelt – sehr schön ist Punkt 11 („Du hast endlich nette Leute kennengelernt. Leider ziehen sie nächste Woche zurück nach Köln.“), aber natürlich spricht mir gleich Punkt 1 direkt aus der Seele: „Du denkst, sie bauen in deiner Straße einen Street Food Market auf, aber dann sind es nur Dreharbeiten.“
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Weltweit engagieren sich junge Menschen verstärkt für ihre Rechte. 30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention fragen wir, wie dieses Engagement besser unterstützt werden kann. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Schutz vor staatlichen und nichtstaatlichen Übergriffen auf junge MenschenrechtsverteidigerInnen.
www.gruene-bundestag.de/termine
Weihnachten ist Glücksache – jedenfalls bei Union: Die Tickets für das große Stadionsingen am Tag vor Heiligabend werden in diesem Jahr verlost (am Freitag geht’s los, alle Infos hier).
Gästetickets für das Spiel von Union gegen den Effzeh aus Köln (8.12.) werden dagegen heute ab 10 Uhr verkauft – ich bin dabei (Anreise nach Köpenick am Spieltag ab Anleger Friedrichstraße mit dem Schiffchen).
In Berlin gibt’s ja nichts, was es nicht gibt – und deswegen gibt’s hier natürlich auch eine „faire Modenschau“, bei der alle Models gleichzeitig los… nein quatsch, bei der nur Kollektionen aus fair hergestellter und gehandelter Mode präsentiert werden, und zwar bei der Messe „Bazaar Berlin“ (Messe-Gelände, Infos hier).
Dass sich die Leute gegenseitig ins Krankenhaus prügeln – ok, geschenkt, das haben wir hier jeden Tag, das ist meistens kaum eine Meldung wert. Dass sich die Leute aber im Krankenhaus prügeln, ist die Ausnahme – gestern hat sie zugeschlagen, diese Ausnahme. Die Teilnehmer: 30 Mitglieder einer Großfamilie, die ihre Argumente muskulär austauschten. Der Ort: St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof. Das Sedativum: 60 Polizisten.
Der amtierende US-Präsident bekommt aus Berlin den härtesten Brief der Welt – auf einem Stück Originalmauer (hier zu sehen). Geschrieben haben ihn die Initiative „Die offene Gesellschaft“ und die „Falling Walls Foundation“ im Namen der Bürger Berlins.
Und wem das alles zu kriegerisch ist, dem empfehlen wir die Veranstaltung „Konstruktive Konfliktkultur"mit Militärbischof Franz-Josef Overbeck in der Konrad-Adenauer-Stiftung.
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Ursli & Toni Pfister laden als Cindy & Bert zur großen "Samstagabendshow" und nehmen uns mit in die Schlagerwelt der 1970er Jahre. Es wird pompös: Ein Fernsehchor und ein Fernsehballett unterstützen die beiden Verwandlungskünstler, musikalisch angefeuert und getragen von der Jo Roloff-Band.
06.11. - 05.01. | TIPI AM KANZLERAMT
Nachtrag zur Meldung „Mathe lernen mit dem Checkpoint – iPhone ist deaktiviert“: Vielen Dank allen Mitrechner*innen! Der Hinweis „In 26.097.778 Minuten erneut versuchen“ kommt auf Wiedervorlage in die rote Mappe für das Jahr 2069 – und zwar in 2.255 x 1012Sekunden (minus der Zeit seit Ersterscheinung, plus Schaltjahrzugabe).
Binärcode: 11000111000111000011100102
Primfaktorisierung: 2x7x23x81049
BER-Bauzeitenrechner: 3,85 Flughäfen (gültig nur in Berlin).
Übrigens: Es braucht nicht die Lufthansa und ihre streikenden Piloten (heute kein Flug von Tegel), um dem Wort „Flugscham“ in Berlin eine neue Bedeutung zu geben – dass schafft der so genannte Bodendienstleister „Wisag“ auch ganz allein.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Der Wedding ist wie ein Hund, der keine neuen Tricks mehr drauf hat…“
… sagt Rick Palm, der gemeinsam mit Maik Gerecke den Podcast „transphilosophisch“ produziert. Robert Klages von unserem Tagesspiegel-Newsletter „Leute“ traf die beiden im St. Oberholz – was sie dort getrunken haben und einiges mehr dazu steht hier.
Tweet des Tages
Puls bei Berliner*innen: Die BVG streikt mal wieder (65) – BER eröffnet erst 2030 (70) – Stadtschloss wird noch mal 50 Millionen Euro teurer (75) – Drogendealer im Görlitzer Park dürfen bleiben (75) – Jemand sagt zum Fernsehturm Telespargel und zum Pfannkuchen Berliner (180).
Stadtleben
Essen – Vorsicht: In Schöneberg wird am Sonnabend gekocht bis der Arzt kommt, bzw. steht der Mediziner Dr. Peter Rott gleich selbst am Herd. Der engagierte Hobbykoch serviert bei seinem vierten Pop-up-Dinner zusammen mit Jana Schumacher, leitende Köchin im Hotel Melia, herbstliche fünf Gänge von Garnele mit Pomelo und Sashimi-Makrele bis Gulasch mit Marone. Gesumino Pireddu aus dem „Tantris“ gibt den Maître alter Schule, die Weine kommen vom rheinland-pfälzischen Gut Disibodenberg. 19 Uhr, Naumannküche (Wilhelm-Kabus-Straße 36), Tickets kosten 99 Euro (alles inklusive), Reservierung unter Tel. 0171-611 48 44
Trinken bis zum Mauerfall – Ein Besuch der Kurpfalz Weinstuben lohnt morgen doppelt, denn am Vorabend des 9. November wird gastronomisch auf das deutsch-deutsche Verhältnis vor dem Mauerfall zurückgeblickt. Das Menü orientiert sich an dem, was Bundeskanzler Helmut Kohl 1987 dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker bei dessen Besuch in Bonn servierte. Wer wem reinen Wein eingeschenkt hat, ist nicht eindeutig überliefert, morgen aber werden aktuelle Jahrgänge ausgeschenkt, Buchautor Knut Bergmann referiert derweil über das Verhältnis von Wein und Staat, Protokoll und Politik (Sein Buch „Mit Wein Staat machen. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ eignet sich auch gut als Geschenk). Für die fast schon gastrosophische Rückblende (69 Euro all in) sind noch ein paar Plätze frei (Reservierung unter Tel. 030 8836664 oder reservierung@kurpfalz-weinstuben.de), los geht es um 19 Uhr in der Wilmersdorfer Straße 93 in Charlottenburg.
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Prof. Dr. Peter Dabrock, Deutscher Ethikrat, Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege und Kordula Schulz-Asche, MdB, diskutieren beim Tagesspiegel Fachforum Gesundheit am Dienstag, den 12. November zu „Apps – Robotik – KI. Wie smart ist die medizinische Versorgung?“. Melden Sie sich jetzt noch an!
Neu in Prenzlauer Berg – Während in Kreuzberg das Moviemento um seine Existenz bangen muss, hat am Wochenende auf dem ehemaligen Brauereigelände in der Straßburger Straße 55 eine neue Filmspielstätte mit dem etwas sperrigen Namen Kino & Bar in der Königstadt eröffnet. Ob die Öko-Verschalung aus Zirbelkiefer tatsächlich gesundheitsfördernd ist, wie meinem Kollegen Andreas Conrad versichert wurde, muss sich erst zeigen, aber das Kino hat noch ein anderes Alleinstellungsmerkmal: Es ist Studio und Spielstätte zugleich. Tagsüber sollen Postproduktionen und Filmabnahmen, auch Voraufführungen und Premieren realisiert werden. Wer mal sneaken möchte: Heute Abend steht Steven Sonderberghs „The Laundromat“(18 Uhr) auf dem Programm, um 20 Uhr dann „Berlin Beats“ im Rahmen des Interfilm Festivals. Tickets gibt es vor Ort für 9 Euro, Vorbestellungen sind per Mail möglich.
Berlinbesuch – Der Bohei um die letzten Tage der DDR lenkt den Blick etwas ab von dem Leben vor dem Mauerfall. Wer sich dem Thema auf der gesellschaftlichen Mikroebene nähern möchte, findet in den Bildern von Helga Paris authentische Zeugnisse aus dem Alltag der 16 Millionen ehem. DDR-Bürger*innen. Ihre Fotografien sind bis zum 12. Januar in der Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen. Darunter auch bekannte Gesichter – aber schauen Sie selbst. Di-So 11-19 Uhr, 6 Euro Eintritt
Noch hingehen – Alles, was sich bewegt, induziert elektrische Ströme, die früher oder später auch in den Erdboden gelangen. Wie das klingt, können Sie noch bis zum 17. November im ZK/U in Moabit hören, wo der Künstler Raviv Ganchrow diese so genannten tellurischen Ströme mit seiner Installation „westhafen ground-electric“ einfängt. Do-So, 14-19 Uhr, Siemensstraße 27 (U-Bhf Birkenstraße oder S/U-Bhf Westhafen), Eintritt frei
Karten sichern – Zwei Personen, die in Berlin ähnlich omnipräsent sind wie derzeit Schabowski und Krenz, sind die Brüder Humboldt. Wie Wilhelm und Alexander als Kosmopoliten auch die Widersprüche ihrer Zeit verkörperten, zeigt ab dem 21. November eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Bevor sich alle wieder gleichzeitig drängeln: Hier können Sie Tickets bestellen und dann entspannt an der Schlange vorbeischlendern.
Verlosung – Unangepasst, ohne opositionell zu sein: Franziska Linkerhand, die Protagonistin in Brigitte Reimanns gleichnamigen Roman, ist Architektin in der Planwirtschaft, wird ausgebremst und bleibt dennoch idealistisch. Der Stoff hat in der DDR viele begeistert, gerade weil er den Zensoren missfiel (mehr zum Buch und über seine Autorin gibt´s hier im DT-Podcast). Im Westen weitgehend unbekannt (bis heute), bringt das Deutsche Theater „Franziska Linkerhand“ jetzt auf die Bühne. Die Inszenierung von Daniela Löffner ist im Dezember so gut wie ausverkauft (im Januar sieht es besser aus) – wie gut, dass wir zwei Freikarten für die Vorstellung heute Abend um 19 Uhr verlosen (bis 12 Uhr).
Last-Minute-Tickets – Und wer so gar nichts mit dem Mauerfall zu tun haben möchte heute Abend: In der Staatsoper stellt Alessandro Scarlattis Oratorium „Il Primo Omicidio“ den Zuschauern existentielle Fragen aus der Genesis. Muss auch mal wieder sein. 19 Uhr, Unter den Linden 7, Karten ab 12 Euro
Mit diesem Stadtleben wünscht Stefanie Golla einen erlebnisreichen Donnerstag.
30 Jahre, 30 Tage,
7. November 1989, 2 Tage bis zum Mauerfall – Die DDR-Regierung tritt zurück und die Justiz setzt ein Zeichen für die Opfer des politischen Regimes: Das Oberverwaltungsgericht beschließt, dass ein DDR-Häftling, der wegen „asozialen Verhaltens“ und öffentlicher Herabwürdigung „unter Missachtung staatlicher und gesellschaftlicher Symbolik“ zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden war, Häftlingshilfe erhält. Dem Mann war in der DDR „Arbeitsscheue“ vorgeworfen worden. Aber die gerichtliche Entscheidung revidierte das Urteil: Es gebe keinen Zwang zur Einordnung in „sozialistische Arbeitskollektive“, Schikanen müsse man als Arbeiter nicht hinnehmen, so die richterliche Begründung.
Regierungssprecher Wolfgang Meyer verkündet den Rücktritt des DDR-Ministerrates. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1107-030 / CC BY-SA 3.0 de
Berlin heute
Verkehr – Noch 47 Tage bis Weihnachten. Zeit, die ersten Buden aufzubauen: In Mitte wird die Spandauer Straße zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße deshalb in beiden Richtungen ab heute einspurig und verschwenkt (bis Mitte Januar). Am Abend verursachen die Konzerte von Seed und Airbourne Stau rund um die Max-Schmeling-Halle und die Columbiahalle. Dafür wird es nachts auf dem Stadtring (A100) Richtung Wedding ganz ruhig zwischen den AS Buschkrugallee und Gradestraße (Vollsperrung von 20-5 Uhr), und ab 19 Uhr eng auf dem südlichen Berliner Ring (A10) Richtung AD Potsdam zwischen AD Nuthetal und Werder wegen einer Nachtbaustelle (bis 5 Uhr). S-Bahn: Von 22 bis 1.30 Uhr fährt die S8 nicht zwischen Baumschulenweg und Treptower Park und auch die S9 fällt zwischen Baumschulenweg und Spandau aus – hier müssen Sie sich auf Ersatzverkehr und ausgeklügelte Umfahrungen einstellen.
Demonstration – Unter dem Motto „Betreuerprofessionalisierung verhindert. Danke, JuMiKo!“ demonstriert die Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener vor der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Mitte von 8.30-11 Uhr mit ca. 15 Teilnehmern. Campact protestiert an gleicher Stelle (13-15.30 Uhr) unter dem Motto „Hass im Netz“. Die 20 Teilnehmer haben eine Studie zum Thema Hatespeech dabei. Die Fan-Initiative „Lasst die Lindenstraße leben“ demonstriert von 14 bis 19 Uhr vor der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz mit einer Mahnwache gegen die Absetzung ihrer Lieblingsserie (15 Teilnehmer erwartet). Zur gleichen Zeit stehen rund 15 Menschen vor der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg für „Meinungsfreiheit und den Erhalt / die Erinnerung an das Grundrecht für das Gesamtwohl des Volkes“ ein.
Gericht – Einem Oberfeldwebel wird der Prozess gemacht, weil er einen Untergebenen entwürdigend behandelt haben soll. Alkoholisiert habe er einem Hauptgefreiten seiner Kompanie unsinnige Befehle erteilt und Gehorsam verlangt (11 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 863).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Celina Bostic (40), Sängerin und Songwriterin / Hartmut Fladt (74), Komponist und Musikwissenschaftler / Barbara Stehr, „Mittelpunkt der Familie. Alles Liebe wünschen Lutz, die Kinder und Carlotta“ / Daniel Tietze (45), Staatssekretär für Integration (Linke)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Hartmut Fest, * 17. August 1938 / Janna Jähnig, * 30. Mai 1939 / Jutta Petenati, * 27. September 1928 / Eleonore Raatz, * 25. April 1939
Stolperstein – Grete Borchardt, geboren am 7. November 1878, lebte in der Halskestraße 14 in Steglitz, als sie am 13. Januar 1942 vom Bahnhof Grunewald aus nach Riga deportiert wurde. Nur 15 von 1034 Personen aus diesem Zug überlebten den 2. Weltkrieg. Grete Borchardt war nicht unter ihnen.
Encore
Aus der Spambox: Eine PR-Agentur will mir zeigen, wie ich es mit meinem Startup „in die Medien schaffe“, ja, wie ich „die Medien begeistern“ kann. Besonders bemerkenswert ist auf der Ratgeberliste (u.a. „Welpenschutz nutzen“) Punkt 6: Immer herausstellen, „Auf so einen Chef können wir stolz sein.“ Na dann mal los – vielleicht schaffen wir es damit ja sogar in diesen Checkpoint (soll ja ganz gut sein).
Zum Schluss heute noch der Hinweis auf die Checkpoint-Website – hier finden Sie unsere gesamten Stadtleben-Tipps, schnell recherchierbar auf interaktiven Karten: „Essen & Trinken“, „Berlinbesuch“, „Geschenke“ und (in Berlin ganz wichtig) den Kultur-Count-down „Noch hingehen“ (bevor es zu spät ist). Außerdem: die kompletten „Berliner Schnuppen“ von Naomi Fearn und das Checkpoint-Archiv (wenn sie mal etwas wiederfinden müssen). Der Zugang ist exklusiv für Checkpoint-Abonnenten.
Morgen früh begrüßt Sie hier Stefan Jacobs, bis dahin,