Unser Berlin ist endgültig auf dem Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau. Bei der Stadtreinigung sind jetzt erstmals 15 Müllwerkerinnen im Einsatz, und die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat ihr Okay zum Frauentag als dem neuen, gesetzlichen Feiertag gegeben. Die Koalitionspartner von SPD und Linken waren ja schon im Vorfeld für den 8. März. Am Wochenende soll noch ein Landesparteitag der Grünen über die Feiertagsfrage entscheiden. Die Zustimmung gilt aber als sicher. Danach heißt es aber zacki zacki: Klappt es nicht 2019 mit frauen-frei, fiele erst 2021 der Feier- auf einen Wochentag. Dem Frauentag im kommenden Jahr folgt am 10. März übrigens gleich mal ein verkaufsoffener Sonntag (wegen Internationaler Tourismus-Börse) – so als Gruß aus der Senatsküche. Haltet durch, liebe Heldinnen an Kassen und Theken!
Den sog. Herren der Schöpfung, die sich über den neuen Feiertag ärgern, sei gesagt, dass ihn das sog. schöne Geschlecht wirklich verdient hat. Schließlich müssen Frauen das Elend der Welt bedeutend länger ertragen als Männer. Laut einer neuen Studie ist ihre Lebenserwartung nämlich fünf Jahre höher. Allerdings reichen die 83 Jahre, die neugeborene Mädchen in Deutschland derzeit vor sich haben, nur für den drittletzten Platz unter den 22 Staaten Westeuropas. Die etwas mehr als 78 Jahre bei den Jungs bedeuten gar das Ende der Liste. Ursache für das vergleichsweise kurze Leben (Schweiz: 86/82) ist das Arbeiten – der Verdauungsorgane. Laut der Studie ernähren sich die Deutschen zu ungesund. Hinzukommen hoher Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht. Dazu passt ja dann gleich mal der neueste Check der Stiftung Warentest aus Berlin: Sie hat 25 Sorten Schokolade geprüft und 21 für „gut“ und „sehr gut“ befunden.
Eindeutig mangelhaft ist ja der Zustand der Elsenbrücke über die Spree in Treptow (CP von gestern). Fast zehn Jahre sollen Planung, Abriss- und Neubau des 185 Meter langen Bauwerks dauern, weshalb sie woanders schon witzeln, dass Berlin den neuen Feiertag wohl wegen künftiger Brückentagehaben wollte. Es wird aber auch geschimpft, unter anderem beim ADAC, dass die Dekade aus Lenkradperspektive doch dekadent lang sei. Und Berlins FDP hat gleich mal die Bauzeit der Golden Gate Bridge (vier Jahre) und der Tower Bridge (acht Jahre) gegoogelt, um danach via Twitter übers lahme Berlin zu spotten. Allerdings vergingen von der Genehmigung bis zum Baustart in London nochmal zwei und in San Francisco sogar neun Jahre. So gesehen liegt Berlin doch noch ganz gut in der Zeit... Ach ja, der Senat erklärt die lange Frist damit, dass er eine Totalsperrung vermeiden will. Wobei der zu erwartende Sanierungs-Stau wohl auf dasselbe rauskommt.
Hilde Knefs „Ich hab‘ so Heimweh nach dem Kursfürstendamm“ wird für immer mehr Berliner zur bitteren Realität. Denn die Mittelschicht wird aus der City West vertrieben – sagt zumindest Oliver Schruoffeneger, der grüne Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Es fehle an bezahlbaren Wohnungen für diese Einkommensgruppe, schreibt er in einem Beitrag für den Tagesspiegel. „Die City West rutscht in eine mietenpolitische Katastrophe“. Wegen der enorm gestiegenen Bodenpreise könne niemand mehr kostengünstige Wohnungen bauen. Eine Zahl dazu hat er auch parat: Von den fast 7000 Sozialwohnungen, die seit 2014 in Berlin errichtet wurden, entstanden in der City West – genau 24. Außerdem gebe es verdächtig häufige Verkäufe von Eigentumswohnungen. „Spekulation und Geldwäsche sind hier die treibenden Kräfte“, klagt Schruoffeneger an. „Wem gehört Berlin“, fragt der Tagesspiegel deshalb auch im Rahmen seines gleichnamigen Rechercheprojekts – alle Infos finden Sie unter diesem Link.
Die AfD hat offenbar noch immer nicht verdaut, dass im Frühjahr Zehntausende gegen ihre „Zukunft Deutschland“-Demo auf die Straße gegangen sind. Jetzt hat sich der Berliner Abgeordnete Hans-Joachim Berg beim Senat erkundigt, ob die Landesregierung das Bündnis „AfD wegbassen“- es hatte neben anderen zur Gegendemo aufgerufen – finanziell unterstützt hat. Antwort: „Der Senat hat keine Kenntnisse zur Finanzierung.“ Hinter dem Bündnis stand im Großen und Ganzen die Berliner Clubszene. Und an der hat Berg, Sprecher für Kultur seiner Fraktion, so seine Zweifel. Über mehr als 150 namentlich genannte Clubs, Künstlerkollektive und Partyveranstalter erkundigte er sich beim Senat, ob die vom Verfassungsschutz beobachtet würden. „Kultureinrichtungen dieser Art an den Maßstäben der Demokratieförderlichkeit zu messen, ist nicht Aufgabe des Senats“, belehrte ihn Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD). Vielleicht sollten die Clubs jetzt mal fordern, dass jemand nach dem Rechten sieht.
In der Verwaltung von Sozialsenatorin Elke Breitenbach hängt der Haussegen schief. Dieses Mal nicht wegen der Unterbringung von Obdachlosen (CP von gestern), sondern wegen der von Flüchtlingen. Mindestens 50 Heime arbeiten ohne Vertrag, dazu warnt der Personalrat im Landesamt für Flüchtlingsfragen vor dem Kollaps der Behörde. In einer Runde mit Heimbetreibern soll die Senatorin dem Vernehmen nach ihren Integrationsstaatssekretär und Parteifreund Daniel Tietze wegen der Probleme hart angegangen sein. In der Linkspartei munkeln sie nun schon über seine Ablösung. Problem nur: Den Job will aus der Partei keiner machen. Schon als es um die Besetzung des Chefpostens im Flüchtlingsamt ging, griff Breitenbach auf den CDU-Mann Alexander Straßmeir zurück (der jetzt aber auch in der Kritik steht). Ein Heimbetreiber mit Blick auf die Zustände: „Hätte nicht gedacht, dass ich mir noch mal die Zeit von Mario Czaja zurückwünsche.“ Der Senator von der CDU war Buhmann der Linken wegen der Lageso-Krise.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die East Side Gallery ist jetzt in festen Händen – in denen der Stiftung Berliner Mauer, zu der auch die Gedenkstätte in der Bernauer Straße gehört. Unter anderem soll es ein Besucherzentrum für das 1,3 Kilometer lange Baudenkmal geben. Hoffentlich weiß David Hasselhoff schon Bescheid.
Mit der BVG kann man sogar durch Baudenkmäler fahren. 101 ihrer 173 U-Bahnhöfe stehen unter Denkmalschutz. Gerade hinzugekommen sind 13 Stationen aus der Zeit von 1960 bis 1980, darunter einige wahre psychedelische Träume – wegen der wilden Farben.
Rot-Rot-Grün plant eine umfangreiche Schulgesetzänderung, die noch vor Weihnachten beschlossen werden soll. Unter anderem sollen Geschwisterkinder auch dann einen Platz an der Grundschule von Bruder oder Schwester bekommen, wenn der Bezirk die Einzugsgebiete verändert hat.
Vor einem Hostel in Mitte parken ständig Reisebusse in zweiter Reihe – und gefährden vor allem Radfahrer. Schon vor mehr als einem Jahr wurde das Bezirksamt von Bezirkspolitikern aufgefordert, mal was dagegen zu unternehmen. Erst jetzt gab es Bewegung – in Form eines Zwischenbescheids. Und in dem steht sinngemäß, dass alles erst mal so bleibt wie es ist, weil erst die Verkehrslenkung des Senats einschreiten muss. Es geht um etwa 25 Zentimeter mehr Platz für einen vernünftigen Busparkplatz.
In Mahlsdorf sind die Lichter ausgegangen – zumindest im Garten und am Haus der Familie Hoffmann, über die die „Berliner Zeitung“ berichtet. Jedes Jahr zu Weihnachten erstrahlte das Anwesen im Schein von hunderten Lämpchen. Dazu gab‘s Festdeko bis zum Abwinken. Doch weil Diebe das immer wieder als Aufforderung zum Einpacken sahen, haben die Hoffmanns nun aufgegeben.
Im Tierpark Friedrichsfelde deutet sich wieder Kleines an (nach Giraffenkind Ella): Eisbärin Tonja scheint trächtig zu sein. Nachdem sie seit März an Gewicht zulegte, hat sie sich nun in die Wurfhöhle zurückgezogen. Hoffentlich geht alles Knut.
Dagegen ist ein anderes Raubtier in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Im brandenburgischen Wiesenau (Oder-Spree) hat eine Frau mit ihrem Auto einen Wolf angefahren und getötet. Sie selbst blieb unverletzt. Laut Meldung des RBB war es der 17. getötete Wolf in diesem Jahr.
Was tun, wenn’s brennt? Diese Frage stellt sich derzeit die Freiwillige Feuerwehr in Tegel, weil ihr das Löschfahrzeug weggenommen wurde – von der Berufsfeuerwehr. Diese brauchte es in Pankow, wo ein Wagen ausgefallen war. Ersatz gab es nicht.
Mit einem menschlichen Turm könnten die Tegeler Feuerwehrleute zumindest obere Geschosse erreichen. Wie man die baut, wird in Kreuzberg gelehrt. Dort gibt es „Castellers“-Kurse. Menschentürme sind Tradition in Katalonien. Ein Video dazu gibt’s beim RBB zu sehen.
Nach 16 Jahren geht Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in den Ruhestand. Den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ hat er seine Lieblingsanekdote seiner Amtszeit erzählt. Und bei der geht es um die Wurst und einen Bundeskanzler: „Es gab eine Riesenwahlkampfveranstaltung auf dem Alten Markt, es herrschte sengende Hitze. Schröder kommt auf die Bühne, zieht erstmal die Jacke aus – ich gucke auf seinen Ärmel: alles rot. Da sage ich zu ihm, Gerhard, du musst unbedingt deine Ärmel hochkrempeln. Matthias Platzeck erzählte mir dann, dass Schröder vorher unbedingt noch zwei Currywürste essen musste – und dann hat er sich den Mund mit dem Hemdsärmel abgewischt!“
Sie sollen beim Besuch des früheren KZs Sachsenhausen im Sommer die Existenz von Gaskammern angezweifelt und die Verbrechen der Nazis relativiert haben: Mitglieder einer AfD-Reisegruppe, die von Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel eingeladen worden war. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat nun die Teilnehmer herausfinden können, weil Listen nicht mehr existierten. Sie hofft nun, die Aussagen genau zuordnen zu können. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Volksverhetzung durch Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust sowie Störung der Totenruhe.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Guten Abend, Sie befinden sich in der S-Bahn nach Ahrensfelde. Jede Haltestelle, die ich finde, werde ich mitnehmen. Viel Spaß auf unserem Abenteuer."
Durchsage in der S 7 am Mittwochabend, gehört von CP-Leserin Laura Klemens.
Tweet des Tages
"Enthüllt: Helene Fischer auch Mittelschicht."
Antwort d. Red.: Die Sängerin steht mit 28 Millionen Euro Jahreseinkommen auf Platz 8 der „Forbes“-Liste mit den bestverdienenden Musikerinnen der Welt – vor Britney Spears und Céline Dion.
Stadtleben
Essen & Trinken Fast könnte man es übersehen, das kleine Restaurant Enoteca Vecchio Mulino in Laufnähe des S-Bhf Lichterfelde West – ein Verlust für den genießerischen Gaumen, werden hier doch italienische Traditionsküche, Feinkost und ein breites Weinsortiment auf höchstem Niveau angeboten. Neben z.B. Reh-Miniburgern an Kürbis, Scamorza und Edelpilzen oder Jacobsmuscheln mit Topinambur und Safran (beides 13,90 Euro) lässt v.a. das Trüffelmenü die Gourmet-Herzen höher schlagen und gibt eine Vorstellung davon, was auf der heutigen Trüffelparty um 19 Uhr aufgetischt wird. Der Abend ist zwar schon ausverkauft – 1x2 Plätze konnten wir aber noch für Sie reservieren. Schreiben Sie uns bis 12 Uhr eine Mail, um bei den 5 Gängen mit Kreationen von Chefkoch Daniele Pasolini aus schwarzen und weißen Trüffeln dabei zu sein - die Plätze besorgen wir, die Rechnung übernehmen Sie (Kosten: 75 Euro p.P., exklusive Getränke). Drakestr. 36, Mo-Sa 17.30-22 Uhr
Zugegeben, beim Stichwort Geschenk angesichts von Minusgraden, saisonaler Kaufhaus- und Supermarktdekoration sowie Teelichtatmosphäre ab 16.30 Uhr nicht jetzt schon an Weihnachten zu denken - schier unmöglich. Die Gunst der Stunde nutzt man daher auch im „Käthe Wohlfahrt“ am Kurfürstendamm 225/ 226, Sparte Weihnachtsfachgeschäft, wo noch vor dem 1. Advent Weihnachts-Handwerkskunst live zu erleben ist: Von Freitag bis Sonntag können Sie sich anschauen, wie Weihnachtsfiguren, Pyramiden und Baumbehänge gefertigt werden. Ein Kalligraf, der den Schmuck individuell verziert, ist ebenfalls vor Ort. Fr/ Sa 11-17 Uhr, So 13-16 Uhr, U-Bhf Kurfürstendamm