Tä-täää, tä-täää, tätää: Der Karneval streckt zwar schon seine Pappnase raus, doch die Koalitionsverhandlungen im Bund ziehen sich noch immer wie eine „Mainz bleibt Mainz“-Sendung. Dabei hatte sich doch die Union vorgenommen, bis zum Höhepunkt der sog. fünften Jahreszeit alles regeln zu wollen. Naja, ein bisschen ist ja noch Zeit, erst Donnerstag wird in einschlägig bekannten Gegenden Weiberfastnacht gefeiert.
Und damit steigen wir mit den Berlin-Meldungen in die Bütt:
Gesungen wird ja nicht nur beim Karneval, sondern bisweilen auch bei Parteien. „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘" – hoffentlich sind die 1500 Berliner textsicher, wenn sie als Neu-Genossen irgendwann mal den SPD-Evergreen trällern müssen. So viele sind seit Jahresbeginn nämlich in die Partei eingetreten. Ursache dieses Andrangs ist natürlich der anstehende Mitgliederentscheid über die Koalition im Bund. Besonders froh über die personelle Verstärkung sind die groko-kritischen Jusos. Denn die Hälfte der Neuen gehört zu ihnen, und bekanntlich ist auch Bundeschef Kevin Kühnert aus unserer Stadt. In der Berliner Parteiführung gehen sie fest davon aus, dass die Neuen auch nach dem Entscheid nicht wieder von der roten Fahne gehen. Das hätten die beiden Eintrittswellen (Schulz-Zug, Bundestagswahl) gezeigt. Dienstagabend, 18 Uhr, ist Ultimo – danach ist man zwar Genosse, darf über Groko aber nicht abstimmen. Bätschi!
Ein klassisches SPD-Thema ist die Mietenpolitik, nicht so ganz unwichtig für Berlin, wo die blanke Wohnungsnot herrscht. Glaubt man dem Mieterverein, dann war’s nicht so dolle für die Stadt, worauf sich die Sozialdemokraten (mit am Tisch: der Regierende Bürgermeister Michael Müller) und die Union geeinigt haben. Es gebe keine wesentlichen Verbesserungen beim Mietrecht, dazu nur ein bisschen Transparenz bei der Mietpreisbremse (die Vormiete muss künftig genannt werden), allerdings keine Strafe bei Missachtung der Bremse, kritisiert der Mieterverein – was das Ganze ziemlich sinnlos macht. Zwar dürfen Vermieter künftig nur noch acht statt elf Prozent der Modernisierungskosten und höchstens drei Euro pro Quadratmeter verlangen, dem Mieterverein ist das weiter viel zu viel.
Und die zwei Milliarden des Bundes für den Sozialen Wohnungsbau in den Ländern? Brächten laut Mietervertretern nur was, wenn es Investoren und preisgünstige Baugrundstücke gäbe (zur Zeit so reichlich vorhanden wie 120 Quadratmeter Altbau für 500 Euro warm). Kritik kommt von der Wohnungswirtschaft: Weniger Modernisierungsumlage bedeute weniger Investitionen. Was die Groko sonst mit Berlin so macht, gibt’s hier nachzulesen.
Nach dem Motto „gute Firma, schlechte Firma“ hat die Senatsverwaltung für Finanzen gerade die landeseigene Immobilienfirma Berlinovo mit Airbnb in aller Öffentlichkeit verglichen. Anlass war, dass immer wieder mal im CP stand, wie die Berlinovo mit möblierten Apartments Geld macht (die sie ja auch dem normalen Wohnungsmarkt zur Verfügung stellen könnte), während Privatleute das mit den eigenen vier Wänden nur sehr eingeschränkt dürfen. Die Frage der Zweckentfremdung stand, nun ja, im Raum, heftig dementiert von der Senatsseite. Dazu mal der unkommentierte Kommentar von Christian Gräff, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus: „Das Vorgehen der Senatsverwaltung für Finanzen ist ein unfassbarer Vorgang, der so wohl nur in Berlin möglich ist. Dass sich eine steuerverwaltende Behörde mit einer solchen Mitteilung in die Geschäftsmodelle zweier konkurrierender Unternehmen einmischt, ist ein unglaublicher Vorgang. Es wäre die Aufgabe von Berlinovo gewesen, sich gegen echte oder falsche Behauptungen zur Wehr zu setzen.“
Vom Immobilien- zum Drogenrausch: Wer hätte gedacht, dass auch mal Polizisten die Legalisierung von Cannabis fordern. „Unsere Probleme sind Alkohol und Tabak mit mehreren tausend Toten pro Jahr, nicht Cannabis“, sagt André Schulz, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Konsumenten müssten entkriminalisiert und die Prävention verbessert werden. Berlins Regierender Bürgermeister will sich da dagegen auf kein Joint Venture in Sachen Freigabe einlassen: „Ich sehe das persönlich sehr kritisch“, sagte er der dpa. Er selbst habe in seinem Bekanntenkreis miterlebt, dass Hasch „der Einstieg für härtere Drogen war“. Ganz passend dazu wird am heutigen Mittwoch eine Studie über den Drogenkonsum in der Berliner Clubszene vorgestellt. Mal sehen, ob danach noch jemand Hanf im Glück ist.
Telegramm
Wieder ist ein Mensch von einem Raser schwer verletzt worden. Ein PS-besoffener Poser bretterte mit seinem Wagen erst ein paar Mal den Lichterfelder Ostpreußendamm entlang. Dann ließ der 23-Jährige das Auto mit quietschenden Reifen mehrfach um sich selbst drehen. Der Wagen geriet auf den Fußweg, erfasste einen 75-jährigen Mann. Passiert ist das Ganze am Sonntagnachmittag. Die Polizei, die den Vorfall am Montag öffentlich machte, beschlagnahmte Führerschein und Auto des Rasers.
Keine Ahnung, ob Videokameras ein Mittel gegen Wahnsinn hinterm Steuer wären. Gegen Kriminalität könnten sie helfen – meint zumindest ein Bündnis um Ex-Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und Ex-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Es kämpft für mehr Videoüberwachung und hat einen Volksentscheid im Fokus. Objektiv gesehen hat die Initiative jetzt 20.000 Unterschriften gesammelt, womit ein Etappenziel auf dem Weg dorthin erreicht ist. Zuletzt war von 1000 Kameras die Rede.
Big Brother is nicht nur watching, sondern auch besuching you: Edeka startet zusammen mit einer Berliner Firma einen Lieferservice, der Lebensmittel nicht nur bis zur Wohnungstür, sondern auch bis dahinter liefert. Und es muss noch nicht mal jemand daheim sein. Ein elektronisches Zugangssystem soll das Schlüsselproblem lösen. Interessant wäre die Frage, ob sich damit auch botenskeptische Hunde bändigen lassen.
Nach Hatun Sürücü, die vor 13 Jahren von einem ihrer Brüder ermordet wurde, denen der westliche Lebensstil ihrer Schwester missfiel, wird eine Brücke in Neukölln benannt. Das Bauwerk führt die Sonnenallee über die künftige Verlängerung der Stadtautobahn A 100 nach Treptow.
Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt - ein kleiner Denkmalschutz. Damit kann sich das Stück DDR-Grenzsperre in Schönholz (Pankow) ab sofort schmücken, das vom Hobbyforscher Christian Bormann entdeckt wurde.
„Das muss kacheln“, haben sich die Berliner Bäderbetriebe gedacht und kürzlich neue Tarife eingeführt. Doch ausgerechnet Stammkunden empfinden manches als Schlag ins Wasser.
Siemens, zurückbleiben, bitte! Der Konzern ist mit seiner Beschwerde gegen einen Auftrag der BVG für den Bau neuer U-Bahnzüge gescheitert. Wegen akuten Wagenmangels gab es keine europaweite Ausschreibung. Jetzt geht der Streit womöglich in die nächste Instanz.
Auch so mancher Berliner kann keinen Zug vertragen – weil er an einer lauten Bahnstrecke wohnt. Bis zum 7. März läuft noch die Bürgerbeteiligung zum „Lärmaktionsplan an Eisenbahnstrecken“ des Bundes (gemeint ist sicherlich Anti-…).
Voll unter Öko-Strom gesetzt werden demnächst Berlins Tourismuswerber. Unter anderem für die Info-Center am Hauptbahnhof, Brandenburger Tor und Tauentzienstraße wird via Ausschreibung ein Energieanbieter gesucht.
Weil Wohnungseinbrüche härter bestraft werden steigen Einbrecherbanden jetzt vermehrt in Keller ein (und räumen sie auch leer). Laut „B.Z“ trifft es zur Zeit besonders die City West.
Auf eine Schule hatten es dagegen zwei Einbrecher abgesehen, die Dienstagmittag in Nikolassee festgenommen wurden. Alter der Täter: 13 und 14. Sofortstrafe: Übergabe an die Eltern.
„Bitte recht freundlich“ fordert die Lichtenberger CDU – von den Bürgern, wenn sie mit Ämtern zu tun haben. Anlass ist der zunehmend schlechte Umgangston in der digitalen Kommunikation.
Dem BER-Landkreis Dahme-Spreewald geht die Düse, nein, nicht wegen des Verkehrs am Himmel, sondern wegen des am Boden: Wegen der Kapazitätsverdopplung bis 2040 drohe der Verkehrsinfarkt auf den Zufahrtsstraßen, sagte Vize-Landrat Chris Hacker laut dpa.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Macht’s jut, Nachbarn.“
Abschiedsgruß des legendären „Abendschau“-Moderators Hans-Werner Kock in jeder Sendung.
Zitat
„Auf Wiedersehen, hoffentlich.“
Abschiedsgruß der neuen „Abendschau“-Moderatorin Eva-Maria Lemke in ihrer ersten Sendung am Montag.
Tweet des Tages
„Der Name 'Gesundbrunnen' in Berlin ist ein steter Quell der Irritation. Das ist, als wenn ein brandenburgisches Dorf 'Internetzugang' hieße.“
Stadtleben
Der Trend geht hin zur japanischen Nudelsuppe. Da passt es, dass der Food-Klassiker im Ramen x Ramen am Boxhagener Platz nun verschieden interpretiert wird: Mal kommt, neben den selbstgemachten Nudeln und landestypischen Gewürzen, Chicken Teryaki, mal Chashu-Schwein oder Rindfleisch in die dampfende Schüssel. Veganern bietet das stylish-urbane Asiarestaurant in der Gabriel-Max-Straße 2 eine extra Karte, Sake-Liebhabern ebenfalls. S/U-Bhf Warschauer Straße, tägl. 12-24 Uhr
Unweit des Rosenthaler Platzes eröffneten Julia Puestow und Julian Liebich 2015 das Superfoods & Organ Liquids. In dem monochrom-minimalistisch gehaltenen Store im Weinbergsweg 23 wird versiert mit Superfoods wie Quinoa und Chia hantiert, mixt man die Samen noch mit Birne, Grünkohl, Banane und Matcha, wird daraus der Kale Pears Smoothie. Ob der Green Hulk Smoothie einem Superkräfte verleiht, sei dahingestellt, mit Grünkohl, Spinat, Sellerie, Chlorella-Alge und Ingwer ist er aber definitiv eine vitaminreiche Wahl. Eine weitere Dependance gibt‘s in der Schlüterstraße 37 Charlottenburg (S-Bhf Savignyplatz), man kann sich aber auch online alles nach Hause bestellen. Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa 9-19 Uhr, So 10-18 Uhr