Berlin hat jetzt die atmende Ampel. Bei Grün geht’s locker weiter, bei Gelb wird übers Bremsen nachgedacht, bei Rot tatsächlich gebremst. Das Modell soll genauer sein als die bundesweite 35/50-Faustformel für die vertretbare Grenze der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Und strenger, damit reagiert wird, bevor es zu spät ist. Indikatoren sind die Reproduktionszahl R, die Zahl der Neuinfektionen und der Belegungsgrad der Intensivstationen. Im Moment ist Berlin in allen Punkten im grünen Bereich – bei R (0,79 versus 1,1 an drei aufeinanderfolgenden Tagen für Gelb und 1,3 für Rot) ebenso wie bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (5 versus 20 für Gelb und 30 für Rot) und der Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten (9% versus 15% für Gelb und 25% für Rot). Der Senat will wöchentlich berichten und die Limits bei Bedarf justieren.
Eine andere Frage ist, wer in ein paar Jahren überhaupt die Indikatoren berechnen kann: Viele Berliner Schüler verpassen so viel Stoff, dass das Schuljahr gleich bis Januar 2021 verlängert werden sollte. Der Landeselternausschuss griff jetzt diese Idee von Gymnasiallehrern auf, die beim Weiterdenken vor allem zeigt, wie ernst die Lage sein muss. Für viele Grundschulkinder hat das reguläre Schuljahr absehbar nur noch vier bis fünf Präsenztage; während der restlichen Zeit wird zu Hause gewurstelt oder auf die versprochenen Tablets für Benachteiligte gewartet oder auf den angekündigten Leitfaden der Bildungsverwaltung. Landeselternsprecher Norman Heise sagte dem CP, dass die Halbjahresverlängerung zumindest diskutabel sei, solange der Verwaltung nichts Besseres einfalle als der Verweis auf die Schulleitungen, die die Misere „eigenverantwortlich nach pädagogischem Ermessen“ managen sollen.
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Die Kita-Betreiber kommen sich vor wie im Kindergarten: Montagabend hatte ihnen die Bildungsverwaltung signalisiert, dass sie notfalls die Betreuung von Kindern systemrelevant beschäftigter Eltern reduzieren müssten, um auch anderen die Rückkehr zu ermöglichen. Dienstag folgte die Info (lfd. Nr. 13 übrigens), dass es so nicht gemeint war. Was fehlt, ist eine plausible Erklärung, wie die ausgeweitete Betreuung sich mit Infektionsschutz und deutlich reduziertem Personal (Faustregel: 20% Erzieher aus Risikogruppen + 10% Krankenstand) kombinieren lässt. Gleich zwei Trägerverbände klagten Dienstagabend, dass die Vorgaben mit zwei Tagen Vorlauf nicht umsetzbar seien und die Kommunikation der Verwaltung ein Desaster. Es kommentiert Regiermeister Michael Müller (via „Abendschau“): „Ich weiß, dass wir den Eltern und den Trägern, die da einen tollen Job machen, viel zumuten.“
Das Verwaltungsgericht hat mehrere Eilanträge gegen das Vermummungsgebot in ÖPNV und Geschäften abgewiesen. Laut dem Beschluss beeinträchtigt die Maske zwar das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, sei aber „nicht erkennbar ungeeignet“, die Verbreitung des Virus zu bremsen, solange das Robert-Koch-Institut als explizit zuständige Instanz nichts Wirksameres empfehle. „Mildere, gleich geeignete Mittel“ stünden aktuell nicht zur Verfügung; Gesundheitsschutz gehe vor Unannehmlichkeit. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt werden. Muss aber nicht.
Die coronabedingt leereren Straßen bringen Jungmänner mit Testosteronüberschuss zur Raserei – so zahlreich, dass die Polizei mittlerweile in Parkplatznot gerät, weil sie reihenweise Autos nach illegalen Rennen einkassiert und als Tatwerkzeuge oder Beweismittel oft monatelang aufbewahren muss: Die Sicherstellungsgelände in Marzahn und Schöneberg mit Platz für mehr als 550 Fahrzeuge (die dort auch aus anderen Gründen landen können) sind komplett ausgelastet. Aber es gelingt nur selten, die beschlagnahmten Fahrzeuge zum Wohle der akut schwindsüchtigen Landeskasse dauerhaft einzuziehen.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat beschlossen, dass sein Berliner Büroleiter Stefan Grieger 2021 Hauptgeschäftsführer werden soll und dass auch der DVR jetzt für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ist. Oder müsste die Nachricht eher lauten, dass der „unabhängige Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit“ (Eigendarstellung) bisher dagegen war? In der in „grünen“ Belangen eher unverdächtigen „FAZ“ hat Stefan Tomik mit großem Aufwand die verfügbaren Studien zum Für und Wider eines Tempolimits ausgewertet, damit endlich mal die Fakten sprechen statt wie bisher das Bauchgefühl der Stammtischgesellschaft. Klares Fazit: Abgesehen vom Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie und des ihr freundschaftlich verbundenen Bundesauspuffministers spricht wirklich alles fürs Limit.
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Kaum hat Mechthild Rawert das Erbe ihrer 2017 durch Wählervotum unerwartet beendeten Bundestagskarriere endlich abgewickelt, kehrt sie dorthin zurück: Die Sozialdemokratin aus Friedenau rückt für die gerade in bester SPD-Manier gekürte Wehrbeauftragte Eva Högl nach. Rawert übernimmt das Mandat bis 2021 und will dann nicht wieder antreten. Ihre Partei in Tempelhof-Schöneberg braucht den Platz bzw. bräuchte sogar zwei, nämlich für Michael Müller und für Kevin Kühnert. Müllers Nachfolge als SPD-Landeschef soll am 31. Oktober geregelt werden. Vielleicht kann das auserkorene Nachfolgeduo Giffey/Saleh zur Inthronisation mit dem Premierenflug vom BER abheben. Wahrscheinlich aber – es geht ja um die SPD – geht vorher noch irgendwas schief.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute in einer anderen Welt wäre mit (zu) großem Getöse in Schönefeld die Luftfahrtmesse ILA gestartet. In der Coronawelt fliegt sie zu 100% elektrisch zu den Endgeräten der Entscheidungsflugzeugträger und aller anderen Interessierten. Die von den Veranstaltern empfohlenen Hashtags können hier leider nicht veröffentlicht werden, nachdem Bill Gates sie bei der Rechtschreibprüfung abgewiesen hat.
Die Berliner Polizei bekommt an diesem Mittwoch neue Motorräder – die ersten fabrikneuen seit 2012. Hersteller BMW importiert sie aus seinem Werk in Spandau. Na dann: viel Freude am Fahren!
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In der neuen Folge des Tagesspiegel Checkpoint-Podcasts spricht Redakteurin Ann-Kathrin Hipp mit Matthias Rohde, Frontmann der Berliner Indie-Pop-Band „Von Wegen Lisbeth“, übers Musikmachen, Verliebtsein und Corona. Und darüber, was er als Regierender Bürgermeister als erstes umsetzen würde. Jetzt hören: Tagesspiegel.de, Spotify, Apple Podcasts.
Der DRK-Blutspendedienst registriert seit dem gelockerten Lockdown wieder deutlich mehr Bedarf an Blutkonserven, kann aber viele der gewohnten Zapfstellen – Schulen, Kitas, Sportstätten – weiterhin nicht nutzen, ebenso wenig den beengten Blutspendebus. Umso mehr freut sich der Dienst deshalb über jede/n, der/die zum Spenden in die BCC-Kongresshalle am Alex oder zur Zentrale am Hindenburgdamm 30A in Steglitz kommt – oder zu einer anderen der noch nutzbaren Außenstellen.
Die Fußgängerlobby läuft Sturm gegen die vom SPD-Landesvorstand beschlossene Gehweggastronomie (CP von gestern): Bei zwei Metern Restbreite würden Passanten quasi zum Verstoß gegen das Abstandsgebot gezwungen, erklärt der Verband FUSS e.V. Statt pauschal die Gehwege freizugeben, solle lieber „Pop-up-Gastro“ am Fahrbahnrand erlaubt werden: Tische und Stühle in freien Parklücken. Dann wären Fußgänger nicht aufs Entgegenkommen der Entgegenkommenden angewiesen. Flori, hol schon mal das Parklet!
Am Neuen See im Tiergarten gibt’s wieder Getränke – aber es hapert an der Rückgabe. CP-Leserin Astrid M. berichtet, dass sie auf der Suche nach einer Toilette vom Café ins nahe Luxushotel verwiesen wurde. Beim Café heißt es auf CP-Nachfrage, es gebe externe Toiletten für den Biergarten, während die im Restaurant geschlossen seien. Der Hotel- und Gaststättenverband bestätigt, dass Restaurants mit To-Go-Betrieb keine Notdürftigen einlassen dürfen. Wenn sie ab Freitag wieder öffnen, dann mit Toiletten – aber auch mit Abstandsregeln und noch vielen Unklarheiten. Immerhin versichern WC-Betreiber Wall und der Senat, dass die öffentlichen Toiletten trotz Corona in Betrieb seien. Übrigens auch zum Händewaschen.
Am Bahnhof Pankow wissen Gehbehinderte seit Wochen weder auf noch ab: Aufzug gesperrt, keine Arbeiten erkennbar, berichtet Tsp-Leser Ferdinand D. und klagt, die S-Bahn weise online noch nicht mal darauf hin. Was – Berlinkenner ahnen es – an ihrer Unzuständigkeit liegt, denn der Aufzug startet ja unten, wo die U-Bahn fährt, die mit der S-Bahn weder verwandt noch verschwägert ist. Wie die Sache ausgeht, klärt mein Kollege Christian Hönicke bis morgen für seinen Pankow-Newsletter.
Während die BSR coronabedingt acht Prozent mehr Hausmüll meldet, die Verpackungstonnen schon Tage vor der Leerung überquellen und der Wind den To-Go-Müll durch die Parks weht, hat der Senat am Dienstag das Abfallwirtschaftskonzept für die nächsten zehn Jahre beschlossen. Kernpunkte: 20 Prozent weniger Abfälle, Erhöhung der Recyclingquote für mineralische Bauabfälle von 47 auf 64 Prozent, Rückgewinnung von 2.600 Tonnen Phosphor p.a. als Dünger aus Klärschlammasche. Zusammengenommen soll das 250.000 Tonnen CO2 vermeiden, aber um (vsl. letztmalig) Xavier Naidoo zu zitieren: Dieser Weg wird kein leichter sein.
In den Potsdamer Platz Arkaden rollen statt der legendären Eiskugeln jetzt die Bagger: 22 Jahre nach der Eröffnung wird das Einkaufszentrum grundsaniert; nur Grundversorger wie dm und Rewe bleiben geöffnet. Neu eröffnen sollen die Arkaden 2022 – mit 90 statt zuvor 130 Geschäften und lokalkolorierter Fressmeile. Laut Eigentümer Brookfield hat auch das „Caffè e Gelato“ schon den neuen Mietvertrag unterschrieben.
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Vor lauter Corona wäre beinahe die 5. Verordnung zur Änderung der Beflaggungsverordnung an uns vorbeigeflattert, die die Innenverwaltung erlassen hat. Das Wichtigste in Kürze: In §1 Abs. 1 Nr. 1 „werden die bisherigen Buchstaben b und c die Buchstaben c und d“, denn unter b) wurde der Frauentag hinzugefügt. Unter e) steht nun der Tag der Befreiung, weshalb „die Buchstaben d bis i die Buchstaben f bis k werden“; j bis l werden m bis o, denn unter l) werden der Jahrestag der Novemberrevolution und Ausrufung der Republik, der Novemberpogrome und des Berliner Mauerfalls eingefügt. Außerdem unter n) nach den Wörtern „am Tag der Wahl“ die Wörter „der Bundespräsidentin oder“. Oder so.
Falls Sie zufällig Querflöte studiert haben oder demnächst damit fertig werden: Die Musikschule Marzahn-Hellersdorf sucht Sie ab August für 6x45 Minuten pro Woche. Es muss allerdings montags sein, sonst kommt das Instrumentenkarussell aus dem Takt. Bewerbungen bitte an Frau Zauber, „Fachgruppenleitung Gesang (und Bläser in Vertretung)“.
Nachtrag zur Meldung bzgl. des vor dem jederzeit möglichen Wolf in Sicherheit gebrachten Rotkäppchen-Sektes (CP von gestern): „Aber Sie dürfen die Großmutter doch sowieso nicht besuchen“, schreiben Esther-Maria und Bernd K. Stimmt, aber wenn's gerade nicht anders geht, schmeckt Rotkäppchen auch ohne Großmutter.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Unseren gesamten Konsolidierungserfolg der letzten Jahre – 5 Milliarden Schulden abgebaut – haben wir jetzt eingesetzt für die Bekämpfung der Pandemie. Das ist schon bitter.“
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im RBB zu den Kosten der Coronakrise für Berlin.
Tweet des Tages
Aus der Mitte entspringt ein Stuss. #Verschwörungsfilme
Stadtleben
Koch- und Bestellkunst – Dieser vegetarische Rezepttipp von Jamie Oliver wird auf dem mittwöchlichen Küchengipfel von Susanne Leimstoll serviert: Röstkartoffel-Gurken-Salat. Wer auf ein Stück Fleisch nicht verzichten möchte, kann sich bei der Steakeria Satt und Selig die passende Beilage zum Salat bestellen. Ein 500 Gramm Entrecôte (25 Euro) oder ein 250 Gramm Hüftsteak (13,90 Euro) sollten als Sättigungsbeilage genügen. Gebraten wird täglich von 12 - 20 Uhr in der Carl-Schnurz-Straße 47, geliefert wird nur innerhalb Spandaus. Guten Hunger!

Kiezhelfer werden – Little Austria in Schöneberg: Vor sieben Jahren eröffnete das österreichische Restaurant Rüdiger’s zwischen KaDeWe und Nollendorfplatz. „Es hat fast vier Jahre gedauert, bis das Geschäft gut lief“, berichtet Inhaber Daniel Rüdiger. Er betreibt noch einen zweiten Gipfel im Bezirk, die Schöneberger Weltlaterne, seit 20 Jahren im Familienbesitz. Für beide Restaurants fallen monatliche Fixkosten von circa 50.000 Euro an. Sein Vermieter habe ihn in der Not geholfen und zwei Monatsmieten erlassen. „Das hat definitiv den Druck etwas erleichtert“, erzählt er. Damit der Schlagobers nicht zusammenfällt, kocht Rüdiger aktuell für das Abnehmportal eBalance Rezepte, die anschließend professionell fotografiert werden. Einige Schillinge bringt ihn auch der Take-away-Service im Rüdiger’s, wo derzeit Spargelliebhaber auf ihre Kosten kommen, die nach einer Wanderung auf dem Schöneberg zwischen 18 und 22 Uhr eine Stärkung suchen. Wer sich künftig seinen Wampen wieder im Sitzen vollschlagen möchte, kann das Rüdiger’s auch mit einem Gutschein unterstützen und erst später Spätzle essen. So können Sie auch andere Kiezläden unterstützten – eine Auswahl finden Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. (Foto: Pierre Wolter)
Das gesamte Stadtleben gibt‘s mit dem Checkpoint in der Vollversion.
Weinreise – Zum Bergsteigermahl fehlt neben Rüdiger’s Käsespätzle noch die passende flüssige Komponente. Die richtige Traube für den Fern-Österreicher ist selbstverständlich der Grüne Veltliner. Am besten aus dem DAC Weinviertel, dem größten Weinbaugebiet im Nachbarland. Da der Besuch derzeit flachfällt, liefert das Culinarium Bavaricum den Tropfen in die Berliner Stubn. Zwölf Versuchspakete (35-55 Euro) werden geboten, darin enthalten sind jeweils 6 verschiedenen Weine aus den Bergen Niederösterreichs. Wer nach dem Wandertag noch Abenteuer braucht, kann auch die passende Blindverkostung per Online-Tutorial ausprobieren. Wenn das keine Hüttengaudi ist.
Des Kaisers Möbel – (ein Kunsttipp von Birgit Rieger) Es ist wohl die persönlichste Kunstpräsentation, die es in Berlin gibt: Der Sammler Désiré Feuerle zeigt in einem ehemaligen Bunker am Halleschen Ufer 70 in Kreuzberg kaiserlich-chinesische Möbel und jahrhundertealte Skulpturen aus Südostasien. Es ist auch der Sammler selbst, der hier bestimmt, wie die Dinge präsentiert und etwa mit Aktfotografien von Nobuyoshi Araki kombiniert werden. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, zu wissen, was man vor sich hat. Es geht darum, Schönheit, Perfektion und Proportion zu erleben. Die Feuerle Collection fühlt sich der „Slow Art“ verpflichtet und das passt zufällig wunderbar zu den derzeitigen Corona-Abstandsregeln. Wer das erleben will: Zeitfenstertickets für 18 Euro sind online buchbar. Vorsorglich haben wir bereits 2x2 Freikarten für unsere Leser*innen organisiert – wer möchte?
Erinnerungsstütze – die haben die Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums im Industriesalon in Oberschöneweide (Reinbeckstraße 9) vorbereitet: Für die Fotoausstellung „Sternschnuppen“ haben sie die Stolpersteine von Treptow-Köpenick besucht und gemeinsam mit dem Fotograf Georg Krause in Szene gesetzt. Neben den Erinnerungssteinen werden Fotos der Häuser gezeigt, in denen die vom NS-Regime ermordeten Bewohner damals gelebt haben. Bis Sonntag wird zwischen 14 und 18 Uhr jedem die Ausstellung gezeigt, der seinen Mund-Nase-Schutz trägt und Abstand hält. Anmeldung und Eintritt sind nicht nötig, allerdings können nur zehn Personen gleichzeitig den Salon betreten. Macht aber nix, den die Wartezeit lässt sich durch einen Schaufensterbummel durch die angrenzenden Ateliers oder einen Take-away-Kuchen vom im Café Schöneweile an der Spree versüßen.
Lerngefängnis – Zu DDR-Zeiten Untersuchungshaftanstalt, heute Bildungsstätte: Der Lernort Keibelstraße von Verein Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e.V. liefert Schülern und Schülerinnen Einblicke in das Rechts- und Herrschaftssystem der DDR. Da derzeit weder vor Ort, noch mit den gewohnten Klassenkameraden erkundet werden kann, gibt es Online-Unterricht: Schüler ab der neunten Klasse können im virtuellen Klassenverband einen Zeitzeugen treffen und vor dem Computer gemeinsam die Geschichte des Gefängnisses erarbeiten – Gefängnisalltag inklusive. Anmeldungen und Auskünfte erteilen die Wärter der Keibelstraße per Mail. Wasser und Brot, statt Playstation und Cola.
Schwesterherz – (ein Tipp von „Ticket“-Kollegin Sandra Luzina) Beim Streaming ist die Schaubühne der Champion unter den Berliner Bühnen: Fast täglich werden Aufzeichnungen online gestellt (abrufbar ab 18.30 Uhr bis Mitternacht). Heute ist Peter Steins legendäre Inszenierung von Anton Tschechows „Drei Schwestern“ in einer Aufzeichnung des ZDF aus dem Jahr 1986 zu sehen – mit dem Dreigestirn Edith Clever, Jutta Lampe und Corinna Kirchhoff. Letztere feierte in der Rolle der jüngsten Schwester Irina ihr Debüt an der Schaubühne. Sie verkörpert beides: die Hoffnungen, den Aufbruchswillen der Jugend und eine frühe Ahnung von Vergeblichkeit. Im letzten Akt sinniert Edith Clever als die Älteste, Olga: „Warum wir leben, warum wir leiden... Wenn wir’s nur wüssten“. Ein Satz, der lange nachhallt.
Einen schönen Mittwoch wünscht Ihnen Nina Dworschak. Pfiad Eana!
Berlin heute
Verkehr – BVG: Die U5 fährt von 22 Uhr bis kommenden Montag 3:30 Uhr nicht zwischen Frankfurter Allee und Alexanderplatz. Ersatzbusse oder die S-Bahn übernehmen in dem Zeitraum den Transport.
A10 (Südlicher Ring): In Richtung Potsdam (Magdeburg) sind tagsüber nur zwei Spuren zwischen Michendorf und Ferch frei.
Roßstraße (Mitte): In Richtung Engeldamm ist die Straße zwischen Wallstraße und Annenstraße bis Anfang Juli gesperrt. Fußgänger und Radfahrer haben Glück– für sie bleibt der Weg frei.
Joachim-Tiburtius-Brücke (Steglitz): In Richtung Filandastraße ist bis Donnerstag nur eine Spur frei. Außerdem kann nicht auf die A103 zum Kreuz Schöneberg abgebogen, sowie von der A103 in Richtung Schöneberg links Richtung Filandastraße gefahren werden.
Mühlenstraße/ Finckensteinallee (Zehlendorf): Die Fahrbahn ist in Richtung Hindenburgdamm zwischen Sundgauer Straße und Schottmüllerstraße verengt.
Kreuzung Erich-Weinert-Straße/ Scherenbergstraße (Prenzlauer Berg): Die Kreuzung ist ab 8 Uhr bis Mitte Juni gesperrt. Fußgänger dürfen passieren, Radfahrer schieben.
Olympischer Platz (Tiergarten): 50 Reisebusse fahren ab 11 Uhr über die Reichsstraße, Kaiserdamm, Bismarckstraße und Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor und anschließend die Strecke wieder zurück. Geplantes Ende: 15 Uhr.
Brandenburger Tor (Tiergarten): Um 12.30 Uhr fährt ein Auto-Korso vomBrandenburger Tor über die Scheidemannstraße, Heinrich-von-Gagern-Straße, Paul-Löbe-Allee, Willy-Brandt-Straße, Otto-von-Bismarck-Allee, Konrad-Adenauer-Straße, Luisenstraße, Invalidenstraße, Alt-Moabit, Paulstraße, Spreeweg, Großer Stern und Straße des 17. Juni. Geplantes Ende: 14 Uhr.
A11 (Reinickendorf):Der Tunnel Flughafen Tegel ist stadteinwärts von 21-5 Uhr gesperrt.
A 100 (Stadtring):Der Tunnel im Ortsteil Britz ist in Richtung Neukölln von 22-5 Uhr zwischen Gradestraße und Buschkrugallee gesperrt. Zum Ziel führt eine Umleitung.
Demonstration – Zwölf Teilnehmer*innen vom Lesben und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V. haben sich von 11-12 Uhr in der Friedrichstraße 204 verabredet. Sie demonstrieren im Vorfeld des internationalen Tages gegen Homophobie, Biphobie und Transphobie am 17. Mail gegen „Hasskriminalität und Häusliche Gewalt gegen LSBTI“. Von 7.30-9 Uhr und 11-13 Uhr demonstrieren 15 Personen vor dem Lessing-Gymnasium in der Schöningstraße 17 unter dem Motto „Kritische Bezugnahme auf die Schulöffnung“. Um 11 Uhr starten 50 Personen in 50 Reisebussen einen Aufzug am Olympischen Platz (Route siehe Verkehr), um auf das „Thema Tourismus und Erhalt der Arbeitsplätze in den Busbetrieben und Reisebüros“ aufmerksam zu machen. Ein ähnliches Anliegen verfolgt ein Autokorso des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. von 12.30-14 Uhr. Beginnend am Brandenburger Tor (Route siehe Verkehr) wird mit 50 Personen in 50 Wägen für einen Rettungsschirm demonstriert. Die Initiative Offene Nachbarschaft Hermsdorf – Glienicke trifft sich von 16-17 Uhr mit 30 Personen vor dem Rathaus Reinickendorf am Eichborndamm 213 um „gegen die geplante Sperrung der Elsestraße und Schildauer Straße“ zu demonstrieren.
Gericht – Einem 32-Jährigen, der in einem Treppenaufgang eines Wohnhauses einen Mann mit einem Hammer attackiert haben soll, wird der Prozess wegen versuchten Totschlags gemacht. Ein Nachbar habe schließlich eingegriffen und dem Opfer Zuflucht gewährt (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 217).
Heimuniversität – „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die Aussage der Höhner trifft derzeit auf vieles zu, Sprachen lernen beispielsweise. Die Sprach- und Kulturbörse der TU bietet passenderweise für alle Studis weltweit ab Anfang Juni Online-Kurse an. Zur Auswahl stehen neben den Klassikern Französisch und Spanisch auch exotische Töne in Finnisch oder komplexe Schriftzeichen in Arabisch. Anmeldungen sind noch bis 22 Mai möglich.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Claas (26), „At the end of a storm there's a golden sky. Die anderen 4 C's” / Hartmut Ebbing (64), kulturpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion / Georg Gafron (66), Journalist, ehem. Chefredakteur der B.Z. / Manuel Heide (65), ehem. für die CDU im AGH (1985-2016) / Tom (4?), „Lieber Tom auch Dir auf diesem Wege die herzlichsten Glückwünsche aus HH! Feiert schön zu zweit im Grünen“ / Walter Rasch (78), ehem. FDP-Schulsenator (1975-1981) / Dr. Christian Sell (42), „Holzbaumeister“ / Benjamin Völz (60), Schauspieler und Synchron-Sprecher
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Bernhard Gottschlag, * 21. April 1946 / Wolfgang Priebe, * 04. Juli 1940 / Christine Rawlinson, * 25. April 1958, Sachbearbeiterin in der Verwaltung des Deutschen Bundestages
Stolperstein – Karl Behrens (Jg. 1909) ist in Kreuzberg aufgewachsen und schloss sich 1929 der NSDAP unter Adolf Hitler an. 1931 trat er wieder aus und sympathisierte mit der KPD. Er lebte damals in der Huttenstraße 12 in Mitte, bevor er im Mai 1942 zum Militärdienst eingezogen wurde. Nur einige Monate später, am 16. September, wird er in Leningrad verhaftet und im Januar 1943 vom Reichsgericht zum Tode verurteilt. Am 13. Mai 1943 – heute vor 77 Jahren – wurde er in Plötzensee hingerichtet.
Encore
Wer möchte schon BR483/484 heißen? Eben! Nach dem gestrigen Aufruf ist die Namenssuche fürs neue S-Bahn-Modell ein gutes Stück weiter. Vielen Dank für Ihre Vorschläge! Frank S. findet, „diese neue Baureihe sieht aus wie ein Stullenbrett“. David W. sieht einen „Brotkasten, wegen der Form der Front“. Klaus H. schreibt: „Sieht aus wie Bernd das Brot. Also vielleicht Stulle – klingt auch nach Berlin.“ Marianne W. empfiehlt: „Ecke; Hintergrund ist die eckige Form und Ableitung von Icke“; so heißt die aktuelle U-Bahn der BVG. Drei fast gleichzeitig eingegangene Mails empfehlen „Gameboy“. Daneben rangieren „Corona-Express“ (Sven L.) oder „Coronaexpress (Franz K.); die gekoppelte Variante wäre für die separaten Doppelwagen geeignet, die in einem Wort geschriebene für die zu Halbzügen verbundenen Vierteiler. Sven L. schlägt außerdem Hoppelpoppel vor, worin wohl Kritik an DB Netz mitschwingt. Johannes B. favorisiert „Light Stripe“ oder „Pieper“. Jan-Christoph N. ist für „Fliewatüüt“, Anna-Sophie G. sieht in der Neuen dagegen „ganz eindeutig eine Hildegard. Hildegards sind hart im Nehmen, dufte und gesellig“. Vielleicht ist die ganze Namensfrage ein bisschen stulle.
Kommen Sie gut und geistreich durch den Tag! Morgen setzt Sie hier Ann-Kathrin Hipp auf die richtige Spur. Alles Gute,
