„wir aus dem Osten geh'n immer nach vorn“, sang Nina Hagen. „Schulter an Schulter für Eisern Union“. Und sie hat recht behalten: Am Abend ist dem 1. FC Union erstmals der Aufstieg in die Erste Fußballbundesliga gelungen – natürlich in der Relegation, alles andere hätte auch nicht gepasst zum Verein, für den Rückschläge fast schon zur DNA gehören, wie mein Kollege Julian Graeber kommentiert. Und auch wenn es kein „Extra-Tor“ gab; am Ende reichte ein einfaches 0:0 gegen den VfB Stuttgart, um Vereinsgeschichte zu schreiben. Endlich nicht mehr nach Aue oder Fürth reisen, stattdessen geht es nächste Saison nach München, Dortmund – und ins Olympiastadion. Wir sind Derby-Stadt!
Und damit geben wir den Ball ab und machen weiter mit einer Nachlese zur Europawahl:
Die könnte für Michael Müller der Anfang vom Ende sein. Zumindest wenn es nach Annika Klose geht, die einige Sozialdemokraten für die bessere Spitzendkandidatin für Brüssel gehalten hätten. Die Berliner Juso-Chefin forderte den Regierenden Bürgermeister am Abend auf, im nächsten Jahr den SPD-Vorsitz abzugeben und in einem geordneten Verfahren für einen personellen Wechsel zu sorgen. Zuvor soll Müller das sozialistische Wahldebakel auf den Bundestrend zurückgeführt und für einen Ausstieg aus der Großen Koalition plädiert haben. Und wie geht es in Berlin jetzt weiter? „Wir machen Politik auf Grundlage der letzten Wahlergebnisse“, sagte Müller in der „Abendschau“. Anm. d. Redaktion: Damit meint er wohl nicht die Europawahl.
13 Abgeordnete aus der schönsten Stadt der Welt gehen nach bzw. bleiben in Brüssel: auch CDU-Frau Hildegard Bentele, die bis zuletzt zittern musste. „Ich hab’s geschafft“, twitterte sie schließlich am frühen Montagmorgen, und dankte allen, „die an mich geglaubt haben“. In ihrem Bezirk Tempelhof-Schöneberg konnte die CDU das berlinweit stärkste Ergebnis einfahren: 36,5 Prozent gab’s zwischen Mariendorf und Marienfelde – rund um Daimler- und Werner-von-Siemens-Straße. Von solchen Zustimmungswerten kann die Union insgesamt nur träumen. Doch Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Schuldigen schon ausgemacht: die freie Meinungsäußerung im Netz, Stichwort Rezo-Video. „Regeln für den digitalen Bereich“ im Wahlkampf forderte sie bei einer Pressekonferenz am Montag. CP-Analyse: Politische Statements sind ab sofort nur noch per PDF erlaubt.
Die Berliner Grünen sind von ihrem eigenen Erfolg überrascht: Mit mehr als 20 Prozent hätte auch intern niemand gerechnet, sagt ein Abgeordneter. Das Ergebnis sei „jenseits von Gut und Böse“. Und es stellt die Partei vor Herausforderungen: Einerseits gibt es den klaren Auftrag, den Klimawandel effektiver zu bekämpfen. Andererseits will sie das bürgerliche Milieu nicht verprellen. Fest steht: Bei Verkehrswende und Umweltschutz ist in Berlin noch Luft nach oben. Eine Solarpflicht für Neubauten, wie die Grünen sie fordern, wird da kaum ausreichen. Die Fallhöhe für die Klimapartei wächst.
„Deutschland wählt sich grün und blau“ titelt der „Berliner Kurier“ heute. Tatsächlich hat in Brandenburg die AfD die Europawahl gewonnen (19,9 Prozent) und mit Sachsen dafür gesorgt, dass die Rechtspopulisten bundesweit ein zweistelliges Ergebnis erreichten. Dass die AfD auch bei der Brandenburger Kommunalwahl gut abschneidet und nach CDU und SPD den dritten Platz belegt, zeigt, dass das Europa-Votum kein Ausreißer war. Besonders der Süden und der Osten sind AfD-Land: die Kohleregionen.
Die Partei hat in Friedrichshain-Kreuzberg mehr Stimmen geholt als CDU und FDP zusammen (8,9 zu 8,3 %). Ein satirisch gutes Ergebnis für Sonneborn und Co.
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Fertigstellung in 2019
Gerade noch war das No.1 Charlottenburg eine Baustelle, nun füllt sich das zwischen Spree und Tiergarten gelegene Projekt mit Leben. Die ersten Eigentümer und Mieter sind bereits eingezogen, die Fertigstellung des Ensembles ist für 2019 erwartet. Die eleganten 2- bis 5-Zimmer-Apartments mit Wohnungsgrößen von ca. 39 bis 161 m² verfügen über bodentiefe Fenster, eine exklusive Ausstattung sowie Balkone oder Terrassen.
Hier erfahren Sie mehr…
Pass zu den sonstigen Berlin-Meldungen:
Wenn es in ein paar Jahren in Westend nach Marihuana riecht, könnte das daran liegen, dass aus dem Messe-Zombie ICC ein vollautomatisches Gewächshaus mit 13 Millionen Nutzpflanzen geworden ist. Das schwebt zumindest den Entwicklern von B:Grün vor. Oder doch lieber eine Biosphäre mit Naturwanderpfad unter einer gigantischen, transparenten Membranfolie? Mit Solarthermie, Photovoltaik und einem öffentlichen Park? Ein „In- und Outdoor-Funpark mit Erlebnisgastronomie“? Oder wird das ICC zum MICC: einem Mobilitäts-Innovationszentrum? Oder zum ICCC: einem Hub für zeitgenössische Kultur? Ideen für den alten Kasten gibt es jetzt genug, 13 Investoren haben Vorschläge eingereicht. Am 14. Juni will der Senat entscheiden, wie es weitergeht. Ein Konzeptverfahren könne noch in diesem Jahr starten, 2021 soll die Nutzung dann feststehen. Was es auch wird, alles ist besser als der Ist-Zustand.
Apropos Schrottimmobilien in Landeshand. Wie viele gibt es davon eigentlich, wollte der CDU-Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen wissen. Das kann der Senat so auch nicht sagen. „Vom Volumen her handelt es sich Stand Oktober 2018 um rd. 1,2 Mio. m²“, schreibt Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof (davon entfallen übrigens 252.424 m² aufs ICC!). „Mangels auswertbarer Datengrundlage“ könnten „detailschärfere Informationen im Rahmen der Beantwortung einer Schriftlichen Anfrage leider nicht gegeben werden“. Na gut, und wie sehen die so aus? „Die Gebäude sind ruinös, verwahrlost und teilweise schadstoffbelastet, jedenfalls zur Unterbringung von Menschen ungeeignet.“
Straßenkampf I: Ungeeignet für Radfahrer sind wiederum häufig Berlins Straßen, besonders da, wo gebaut wird. Auf der Oberbaumbrücke, deren Fahrbahnbelag seit gestern erneuert wird, ist die Baustellenführung so gefährlich, dass Radler in Richtung Kreuzberg jetzt absteigen und schieben müssen. Das war Polizei und Verkehrslenkung am Montag allerdings erst aufgefallen, als sie die Baustelle überprüften – und mit der Raser-Realität konfrontiert wurden. Das „ursprünglich geplante Mitfahren der Radfahrenden im Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr (bei reduzierter Geschwindigkeit)“ musste daher „untersagt werden“, teilte die Verkehrsverwaltung per Pressemitteilung mit. Und ab wann…? „Diese zusätzliche Anordnung gilt ab sofort.“ Verkehrsplanung trifft Straßenkampf.
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Der Themenraum wirft Fragen auf und erlaubt einen Blick auf die vielfältige Geschichte der Berliner Vergnügungskultur. Inwiefern hat das Vergnügen eine politische und eine soziale Dimension? Welche Freiheiten, welche Limitierungen erleben Kulturschaffende, die sich im Exil befinden? Wer darf sich wo vergnügen und wer bleibt außen vor? Zukünftig zu erleben im Humboldt Forum! Infos hier.
Straßenkampf II: Was Pankow seit fünf Jahren nicht schafft, weil Kindergeschrei einige Anwohner mehr stört als Autolärm, wird in Kreuzberg nun Realität: Nach den Sommerferien wird die Böckhstraße zwischen Grimm- und Graefestraße zur Spielstraße. Wow, ist das diese Verkehrswende, von der immer alle reden? Eher ein Wendchen: Das Experiment beschränkt sich auf mittwochs, von 10 bis 14 Uhr, und läuft zunächst zwei Monate. Während dieser Zeit dürfen dann aber auch keine Pkw im Streckenabschnitt parken. Es kommentiert SGA-Chef Felix Weisbrich: „Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Parkplatz im öffentlichen Straßenland“ (Q: „Abendschau“). In Mitte scheint das undenkbar: In der Bremer Straße in Moabit darf nicht mal auf dem Bolzplatz am Wochenende gespielt werden. Der Grund: „Lärmbelästigungen für die Anwohner“ (Beweisfoto hier).
Straßenkampf III: Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg lässt im Konflikt um die Begegnungszone in der Bergmannstraße nicht locker. Linke, SPD, CDU und FDP fordern den Abbau von Parklets und grünen Punkten zu Anfang August. Moment, hatten wir das nicht schon? Stimmt – doch weil der grüne Baustadtrat Florian Schmidt den Wunsch der BVV nicht umsetzen wollte, kontern die Verordneten jetzt mit einem Antrag, der den Bezirksamtsbeschluss aufhebt und ihren eigenen Beschluss von Januar wiederherstellt. Eine Evaluation der Testphase scheint dringend notwendig: Denn bisher schafft sie mehr Kollision als Begegnung – zumindest politisch.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Innensenator Andreas Geisel und Polizeipräsidentin Barbara Slowik haben gestern die Spaten geschwungen: für ein neues Trainingszentrum der Polizeiakademie in Ruhleben. Der Grund: Die vor vier Jahren vom RBB aufgedeckte Affäre um marode Schießstände, in denen Beamte giftige Dämpfe eingeatmet und sich die Gesundheit ruiniert haben. Mehr als 60 der 74 Schießbahnen wurden deshalb außer Betrieb genommen. Damit Berlins Polizisten wieder schießen üben können, werden neben der Anlage in Ruhleben vier weitere gebaut. Kosten: 200 Millionen Euro.
Er nennt es „Dossier“, die Staatsanwaltschaft eine „ehrverletzende Schmähschrift“: Der 73-jährige Hanjo Lehmann muss sich heute um 11 Uhr wegen Beleidigung und übler Nachrede vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. In einem 80 Seiten langen Pamphlet wirft er der Senatssprecherin Claudia Sünder vor, falsche Angaben über ihren Lebenslauf gemacht zu haben. Die allermeisten Beschuldigungen muss Lehmann nach Entscheidungen von Zivilgerichten bereits unterlassen.
Gibt es genügend Kinderärzte in der Stadt? Ja, wenn es nach der festgelegten Einwohner-Arzt-Verhältniszahl geht. Nein, wenn man Eltern befragt. Auch der Senat „teilt die Zweifel vieler Berlinerinnen und Berliner, ob eine angemessene pädiatrische Versorgung in Berlin derzeit flächendeckend vorhanden ist“ (Q: Antwort auf Anfrage von Hildegard Bentele, CDU). Bis Ende Juni soll der zuständige Bundesausschuss die entsprechende Richtlinie anpassen, damit sich mehr Kinderärzte in Berlin niederlassen können. Weiteres Problem: Von den vorhandenen Arztstellen im Kinder-und Jugendgesundheitsdienst der Bezirke sind berlinweit rund 19 Prozent nicht besetzt. Besonders übel sieht es in Spandau aus: Nur für 4,2 von 6,5 Stellen konnten hier Ärztinnen und Ärzte gefunden werden.
Einige der interessantesten Entwicklungen der modernen chinesischen Kultur finden in Peking statt – genau wie in Berlin, schreibt „The Atlantic“. Als Gründe für den chinesischen Exodus in die deutsche Hauptstadt nennt das Magazin die Visa für Freelancer, die Unterstützung großer chinesischer Künstler wie Ai Weiwei – und die günstigen Mieten. Und ja, der Artikel ist aktuell.
Die Anfrage 0546/V an Mitte-Stadträtin Sabine Weißler trägt eine klare Überschrift: „Das Grünflächenamt und seine wirren Antworten“ – es geht um die Verantwortlichkeiten bei der Pflege des verwahrlosten Engelbeckens, und die Antworten sind, na ja: siehe oben, eine Art Zugabe. „Uns ist nicht bekannt…“, „… nicht durch das Bezirksamt…“, „…ist ausschließlich das SGA zuständig“. Und genau so sieht es hier ja auch aus. Wahrscheinlich liegt’s daran, dass die Anfrage falsch adressiert war: „Das Grauflächenamt und seine wirren Antworten“ hätte es heißen müssen.
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2. Berliner Marketing Tag zu NEW WORK #BMT19
Gemeinsam mit der IHK Berlin organisierte der Marketing Club Berlin e.V. (MCB) die halbtägige Fachtagung im Mai 2019. In zwei Panels zu „New Work & Employer Branding“ und „Big Data – Daten im Dienst des Marketing“ sowie zwei Deep-Dive-Sessions tauschten sich die Fachbesucher zu aktuellen Trends aus.
Berlin darf nun doch seine Obdachlosen zählen. Nur nicht per App. Das hatte die Datenschutzbeauftragte verboten. Stattdessen sollen jetzt Studierende mit Klappbrett, Zettel und Stift an einem Tag in der zweiten Jahreshälfte Menschen ohne Zuhause nach Alter, Familienstand, Herkunft fragen – und danach, wie lange sie schon auf der Straße leben.
Zweimal binnen zwei Wochen hat ein 79-Jähriger aus Charlottenburg-Wilmersdorf Goldbarren an Trickbetrüger übergeben, die sich als Polizisten ausgaben. Insgesamt hat er so mehr als eine Million Euro verloren.
Als Fernsehente Schnatterinchen quasselte sie sich in die Herzen von Millionen Kindern: Die Schauspielerin und Sprecherin Friedgard Kurze lieh der Figur beim „Abendgruß“ des Sandmännchens ihre Stimme. Nun ist sie gestorben, in Berlin, wenige Tage vor ihrem 91. Geburtstag. Schnatterinchen aber lebt weiter. Der RBB hat kürzlich 13 neue Geschichten mit Pitti, Moppi und der kleinen Ente angekündigt.
Ohne Bollerwagen, aber mit (alkoholfreien) Getränken geht die Checkpoint-Laufgruppe am Vatertag in die nächste gemeinsame Runde. Dieses Mal mit doppeltem Debüt: Erstmals kommen wir nach Reinickendorf und erstmals werden wir – angeführt von Gerd Appenzeller – eine Walkinggruppe anbieten. Los geht es am Donnerstag um 11 Uhr in der Seidelstraße, Ecke Flohrstraße. In drei Gruppen (4 km Walken, 6 und 12 Joggen) geht es vorbei am Flughafensee und durch die Jungfernheide. Ein Auto für Wechselklamotten bringen wir wie immer mit. Sie sind herzlich eingeladen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir hätten schon vor 15 Jahren Schulen sanieren sollen, dann könnten wir uns jetzt auf den Ausbau konzentrieren.“
Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin, übt am Montagabend Selbstkritik bei einer Tagesspiegel-Diskussion in der Urania zum modularen Bauen in Berlin.
Tweet des Tages
Servicetweet für @TspCheckpoint und @LorenzMaroldt zur Frage, wie oft sich der FBB-Aufsichtsrat trifft: Im Januar, März und Mai gab es bisher 4 Termine. Festgelegt sind außerdem Treffen für August, September und November. Das sind keine 10 aber immerhin 7 und keine 5 oder 6!
Stadtleben
Essen – Es gibt Hamburger, Burritos, Tacos, es gibt Ramen, Sushi und Miso, es gibt eigentlich so gut wie alle Speisen von Welt, die eben auch weltbekannt sind, irgendwo in Berlin zu kaufen. Wer aber nach den weltberühmten Fish & Chips aus England sucht, muss mit einer Enttäuschung rechnen. Die Suche nach dem „real deal“ führt viele Exilbriten hierzulande nämlich in eine „constitutional crisis“, denn zwischen den hiesigen Pommes mit Fischbeilage, die häufig auch mit der englischen Bezeichnung versehen werden, und den echten, liegen ganze Kartoffelschalen- und vor allem Malzessiggalaxien. Eine Adresse, bei der es aber ganz gut funktioniert, ist Der Fischladen in der Schönhauser Allee 128. Der Authentizitäts-Claim wird nicht zuletzt durch original britisches Tageszeitungspapier unterstrichen, in dem der Quick Fix von der Insel serviert wird. Mo-Sa 10-22 Uhr, So 13-22 Uhr, S-Bhf Schönhauser Allee
Trinken – Spielezeit im Fargo am Boxi. Erinnert sich noch jemand ans Rotwild? Auch die Nachfolgebar ist nach über zehn Jahren Betrieb nun alles andere als neu in Friedrichshain. Dafür ist sie etwas, was neue Bars nicht sind: alteingesessen nämlich. So fühlen sich auch alle Stuhl- und Sitzpolster hier an, die schlaff durchhängend und gelassen jeder Gentrifizierung trotzen. Die Getränkepreise sind auf Nachbarschaftsniveau, das Flair mit Referenz auf St. Pauli und Astra-Bier irgendwie norddeutsch. Und heute Abend ist Quiz-Time: Zum Fargo-Kneipenquiz dürfen sich Teams aus maximal sechs Personen online oder vor Ort anmelden – gern auch spontan in letzter Minute mit fremden Menschen. Beginn: 20 Uhr, Grünberger Straße 77, U-Bhf Samariterstraße
Berlinbesuch – Als Bob Dylan den Nobelpreis zugesprochen bekam, meldeten sich sogleich zahllose empörte Stimmen, die davon überzeugt waren, dass etwas, das derart populär war wie Dylan, einfach nicht gut genug sein konnte. Massenkompatibilität und Qualität stünden eben im Widerspruch, hieß es implizit. Oft genug mag das auch stimmen – umso mehr sollte man daher darauf achten, nicht für die Ausnahmen blind zu werden. Auch Leonard Cohen ist sicherlich so eine Ausnahme. Auch Tilman Rammstedt, Schriftsteller, Bachmann-Preisträger und ebenfalls Musiker, dürfte das ganz ähnlich sehen, widmet er doch den heutigen Abend einem der manchmal übersehenen Cohen-Alben „New Skin for the Old Ceremony“, das er ausführlich mit Texten, Bildern, Film- und Hörbeispielen vorstellt und von dessen Einfluss auf sein Leben er erzählt. Die Scheibe meines Lebens im Literaturhaus, Fasanenstraße 23, um 19.30 Uhr
Geschenk – Wer sich tagtäglich mit einem Fahrrad durch den Straßendschungel zu schlagen hat, hat schon genug um die Ohren. Das Gefährt, in dessen Pedalen man steht, sollte nicht durch irgendwelche Macken wertvolle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und von plötzlich aufgehenden Autotüren, abbiegenden LKWs, auf dem Radweg auftauchenden Fußgängerinnen, Schlaglöchern oder sich in Schlangenlinien fortbewegenden Freizeitradlern ablenken. Eine der bewährten Adressen der Stadt ist die Moabiter Werkstatt Velophil. Nicht nur eine Grundinspektion (119 Euro) lässt sich hier verschenken, sondern auch eine Ergonomieberatung (79 Euro), bei der das Fahrrad auf die körperlichen Eigenheiten der Fahrerin eingestellt wird. Die Wellnesskur fürs Rad bringt einen spürbar besser, sanfter und zuverlässisger durch die Saison – und entspannter, was im Straßenverkehr einen Sicherheitsbonus bedeutet. Alt-Moabit 72, U-Bhf Turmstraße
Last-Minute-Tickets – Das KM28 hat sich schnell zu einer der interessantesten Adressen der Stadt für im besten Sinne interessante Musik gemausert. Heute Abend ist das Quartett um die japanische Avantgarde-Pianistin Satoko Fujii zu hören, zu dessen Programm sich jede konkrete Prognose verbietet. Free Jazz, der dermaßen free ist, dass er jederzeit auch nach ganz anderen musikalischen Stilen, Gattungen, Epochen, vollkommen free from Jazz sozusagen, klingen kann – dabei jederzeit überzeugend und unter Hochspannung zwischen Einfühlungsvermögen und Intellekt gespannt. Genau so darf man sich das vorstellen. Karl-Marx-Straße 28, U-Bhf Hermannplatz
Noch Hingehen – Der Tiergarten mag so schnell nicht vergehen, ein bestimmter Blick auf das einst im Schatten der Mauer befindliche Niemandsland hingegen durchaus. Eben als solches hat es Michael Rutschky seit 1974 in Fotografien festgehalten. Der auch als Essayist bekannte Fotograf hat als Enkel von Stadtbildfotograf Max Missmann recht früh einen Blick für den Tiergarten abseits des vergnüglichen Zeitvertreibs entwickeln können, den der Großvater gern festhielt. Noch bis 9. Juni ist die Ausstellung „Tiergarten. Sequenz 1974–2004“ im Märkischen Museum zu sehen, Am Köllnischen Park 5, U-Bhf Märkisches Museum. Di-So 10-18 Uhr, Eintritt 7/ 4 Euro, mittwochs frei.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen guten Tag.
Prominent verraten
Das tägliche Fortbewegungsmittel des gesuchten Berliners ist sein Fahrrad. Nicht nur Dienstgänge können durch das Rad klimaneutraler gestaltet werden, findet er. Blockierte Gehwege und wild in der Gegend abgestellte Leihfahrräder ärgern den geborene Münsteraner hingegen sehr.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
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Berlin heute
Verkehr – Ab dem Vormittag wird die mittlere Spur der Heerstraße (Westend/ Spandau) bis zum 7. Juni nicht zur Verfügung stehen. Aufgrund eines Fußballspiels im Olympiastadion (Westend) um 11 Uhr besteht Staugefahr im Bereich der Heerstraße und Reichsstraße. Wegen eines Triathlons sind in Nikolassee der Kronprinzessinnenweg (zwischen Hüttenweg und Spanische Allee) sowie die Havelchaussee zwischen 7 und 12.30 Uhr gesperrt. Bei den Linien S3, S5, S7 und S9 besteht zwischen 22 und 1.30 Uhr kein Verkehr zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße.
Demonstration – Die Berliner Initiative „Legt den Leo an die Kette" erwartet etwa 250 Teilnehmer zur „Protestkundgebung Rheinmetall entrüsten, Waffenexporte stoppen“ von 9 bis 11.30 Uhr in der Stauffenbergstraße. 300 Teilnehmer versammelt der „Landesverband Freie Darstellende Künste in Berlin“ zum Thema „Nutzung von alternativen öffentlichen Räumen durch Akteure aus dem Kulturbereich" in der Karl-Marx-Allee 1 von 18.30 bis 20.30 Uhr. 200 Teilnehmer erwartet die Gruppe „Ni Una Menos Berlin“ am Pariser Platz von 17 bis 20 Uhr unter dem Motto „Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs als globaler Aufschrei“.
Gericht – Der Berliner Autor Hajo Lehmann muss sich wegen Verdachts auf üble Nachrede und Beleidigung verantworten. Hintergrund ist sein 79-seitiges „Dossier“ zum Lebenslauf der Senatssprecherin Claudia Sünder mit dem Vorwurf, sie habe ihre Biografie geschönt. Er habe ehrverletzende Behauptungen aufgestellt, deren inhaltliche Richtigkeit er nicht habe belegen können, so die Anklage (11 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Turmstraße 91, Saal 456).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Martin Buchwieser (30), Eishockeyspieler bei den Eisbären Berlin / Werner Gegenbauer / Ricarda Junge (40), Schriftstellerin / Regina Kneiding (66), Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales / W. Gerhard Steindorf / Michael Thalheimer (53), Regisseur am Deutschen Theater / George Turner (84), Rechtswissenschaftler, Gastprofessor an der HU, Kolumnist beim Tagesspiegel / Sebastian Urzendowsky (33), Schauspieler
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Horst Behrens, * 16. Dezember 1929 / Prof. Dr. Heinz David, * 5. Dezember 1931, ehem. Direktor des Instituts für Pathologie der Charité und ehem. Dekan der Medizinischen Fakultät der HU / Birger Wolfsen, Regierungsdirektor a.D
Stolperstein – Leo Fichtmann (Jhg. 1873) wohnte in der Albert-Einstein-Straße 15 in Adlershof. Der Schlosser und Steinmetz galt als entschlossener Kriegsgegner und linksradikaler Dissident, der eine direkte Demokratie ohne Staatsbürokratie und Parteien verfocht. Bereits 1933 hatten ihn die Nazis erstmals verschleppt und misshandelt. Nach dem Brandanschlag der Widerstandsgruppe um Herbert Baum im Lustgarten am 27. Mai 1942 wurde er mit anderen Unbeteiligten erneut verschleppt und heute vor 77 Jahren im KZ Sachsenhausen erschossen. Seine Frau Clara Fichtmann wurde am 18. Mai 1944 in Auschwitz ermordet.
Im Tagesspiegel
Von Marokko nach Calais: Sebastian Schipper erzählt in seinem Film „Roads“ die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen 18-Jährigen. Ein Gespräch über die Angst vor dem Thema Migration, die Lust am Autoklau – und wilde Pferde.
Lesen Sie das Interview von Christiane Peitz heute auf Seite 19 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Wir enden, wie wir begonnen haben: mit Gesang. „Der Mariannenplatz war blau, so viel Bullen waren da“, so beschreiben Ton Steine Scherben 1971 die Besetzung des Bethaniens musikalisch. Hätten sie sich damals auch nicht träumen lassen, dass der „Rauch-Haus-Song“ knapp 50 Jahre später, im Jahr 2019, einen Werbeslogan der Berliner Wasserbetriebe inspiriert. Die laden mit „Der Mariannenplatz wird blau und Berlin gleich mit“ zum 1. Tag des Berliner Trinkwassers mit Brunnenfest und mobiler Wasserbar, heute von 10 bis 18 Uhr. Zum feucht-fröhlichen Vergnügen fehlt nur ein Wasserwerfer der Polizei, findet Kollege Stephan Wiehler, Checkpoint-Fans unter anderem als Rio Reiser vom Tagesspiegel bekannt. Der wäre Ort und Anlass angemessen.
Kommen Sie trocken durch diesen Dienstag. Morgen verpasst Ihnen hier Anke Myrrhe eine kalte Dusche. Bis bald,