für das „Wall Street Journal“ ist Berlin die „Nachtclub-Hauptstadt der Welt“ – und weil die Clubs in einer „existenzielle Krise“ stecken, widmet das Hauptblatt der Weltwirtschaft der Stadt einen dramatischen Text: „Paris has the Louvre, London its royal palaces and Berlin its nightclubs“ – oder besser gesagt: Berlin hatte seine Clubs, denn seit Corona wummert hier nichts mehr (außer beim Corona-Rave im Urbanhafen).
Um die Clubs zu retten, will die Koalition sie jetzt als Kulturstätten anerkennen. Die Voraussetzung für den Status: ein „regelmäßiger Spielbetrieb und ein anerkanntes künstlerisches Profil“ mit „kuratiertem Programm, musikästhetischem Anspruch und raumgestalterischem Konzept“. Klingt ein bisschen nach Staatsoper auf der Museumsinsel und Senatsrock mit Stützstrumpf.
DJ Dieters rollende Disko hätte da jedenfalls ebenso wenig eine Chance auf Anerkennung wie ein avantgardistischer Aufstand gegen das Club-Establishment. Angie Pohlers schreibt im Tagesspiegel: „Die Clublandschaft lebt von ihren tektonischen Verschiebungen, von Schließungen, die eben auch Raum und Möglichkeiten für Neues bieten, vielleicht auch für eine neue Clubbetreiber-Generation und neue Konzepte. Hedonismus hat schließlich viele Gesichter.“
Und doch ist es jede Anstrengung wert, die Clubs zu erhalten – denn wenn sie gehen, tanzen dort, wo sie waren, nachts nur noch die Mäuse auf Bürotischen herum. Es kommentiert Lars Eidinger: „Erst wenn die letzte Party geräumt und der letzte Club geschlossen ist, werdet ihr merken, dass Berlin zu dem Kaff geworden ist, aus dem ihr gekommen seid.“ Und im Ohrensessel lässt es sich eben nicht so gut tanzen.
Übrigens: Falls Sie es noch nie geschafft haben, an Sven Marquardt vorbei zu kommen – das Wall Street Journal verrät da ein kleines Geheimnis: Burkhard Kieker, Chef von Visit Berlin, „occasionally helps famous visitors get into Berghain“. Aha. „Kieker + 1“ auf der Gästeliste, und schon läuft die Sache – jetzt müssen Sie nur noch berühmt werden.
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„Empathie ist eine große Kraft, aus der wirklich etwas erwachsen kann“, sagt Mo Asumang im Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ von Ann-Kathrin Hipp. Die Dokumentarfilmerin wirbt dafür, offen auf Menschen mit rassistischen Ansichten zuzugehen. „Es geht nicht um Argumente. Das hat nichts mit dem Intellekt zu tun, sondern ist eine rein emotionale Sache. Deshalb glaube ich, dass sich die Menschen begegnen müssen. Und die Politik muss das kapieren.“
Auch an diesem Wochenende demonstrierten wieder tausende Menschen in Berlin für eine solidarische Gesellschaft – mit verschiedenfarbigen, je drei Meter langen Bändern zogen sie eine neun Kilometer lange Kette vom Brandenburger Tor bis nach Neukölln. Anders als bei der „Black Lives Matter“-Demo am Wochenende zuvor hielten sich die Teilnehmer an die Abstandsregeln. Der Kommentar von Polizeisprecher Thilo Cablitz: „Vorbildlich“ – und das ist hier mal in doppelter Hinsicht zu verstehen.
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Vom Berliner Nachtleben (ohne Clubs) lässt sich das allerdings nicht so ohne weiteres sagen. Sebastian Leber hat sich für den Tagesspiegel mal umgeschaut, wie es so läuft – hier ein Ausschnitt(Hinweis für Schulkinder: diesen Abschnitt bitte überspringen):
„Wer einen Überblick bekommen möchte, wie viele Corona-Sicherheitsregeln sich aktuell gleichzeitig brechen lassen, dem empfiehlt sich ein Besuch der ‚Paris Bar‘ in der Charlottenburger Kantstraße. Freitagabend tragen Kellner dort ihre Masken auf Kinnhöhe, bedecken weder Nase noch Mund. Der Barkeeper hält es genauso. Auf dem Bürgersteig sind die Tische teilweise so eng aneinandergereiht, dass Gäste Rücken an Rücken sitzen, die Mindestabstände werden systematisch unterschritten. Die Regel, dass Gäste Masken aufziehen müssen, wenn sie etwa auf die Toilette wollen, wird ebenfalls ignoriert. Dafür stehen sie dicht gedrängt auf dem Bürgersteig beieinander. Der Kellner füllt sogar den dort Stehenden ihre Gläser auf.“
Darauf ein Corona. Die Zahl der Neuinfektionen in Berlin steigt übrigens wieder, pünktlich zwei Wochen nach dem Club-Rave mit Abschusskundgebung vor dem Urbankrankenhaus. Die meisten Fälle werden aus Neukölln gemeldet. Auch dort war Sebastian Leber, mit unterschiedlichen Eindrücken kam er zurück. Während im „Silver Future“ alles nach Vorschrift läuft („Wir solidarisieren uns mit den Menschen, für die Corona lebensgefährlich ist“, heißt es dort auf einem Schild), stehen im „Kaduka“ die Gäste dicht gedrängt an der Theke, und die Keeper verzichten auf den Mundschutz. Eine Kneipe weiter wird nach Mitternacht ausgiebig getanzt – auch hinter der Theke machen alle mit. „Ist halt asozial“, sagt Kenneth vor dem nahegelegenen Späti. Und wie es im „Bierbaum III“ zuging, steht weiter unten im „Zitat“.

Zur Serie „Es gilt das Mobilitätsgesetz, außer in…“ – heute: die Schöneberger Hauptstraße. Hier gehört die Busspur in Anführungsstrichen geschrieben und mit dem Adjektiv „sogenannt“ versehen – irgendwer parkt hier immer falsch (und ist damit nie allein). Zuletzt hatten Bauarbeiter ihr genderneutrales Dixi-Klo darauf gestellt, aber statt die Busspur ordnungsgemäß umzuleiten, wurde sie per Schild für beendet erklärt. Trotz Beschwerden blieb das Klo einen Monat lang stehen, Busse und Radfahrer wurden zu riskanten Ausweichmanövern in den Autoverkehr gezwungen. Ein entnervter Pendler hat deshalb jetzt eine Fachaufsichtsbeschwerde bei Verkehrssenatorin Günther eingereicht. Mal sehen, ob sie da ankommt – oder vorher unter die Räder kommt.
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Tempelhof-Schöneberg könnte sich sowieso langsam von „TS“ in „PS“ umbenennen – trotz grüner Straßenamts-Stadträtin. Der spektakulärste Auftritt von Christiane Heiß bestand darin, am Wohnhaus des Regierenden Bürgermeisters ein paar Halteverbotsschilder zu errichten. Ansonsten fiel sie damit auf, die 18 Verwaltungsschritte bis zum Aufpinseln eines Zebrastreifens zu verteidigen (Dauer: drei Jahre): „Das o.g. Verfahren hat sich bewährt.“ Die SPD-Fraktion hat jetzt mal ausgerechnet, wann die Ziele des Mobilitätsgesetzes im Bezirk erreicht sind – das Ergebnis: „Bei Beibehaltung des jetzigen Tempos werden einige Radwege erst im Jahr 2547 fertig.“ Bis dahin haben wir also noch ein bisschen Zeit und können uns in aller Ruhe den nächsten Nachrichten zuwenden.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Auch der Gleisdreieckpark muss nach den nächtlichen Krawallpartys der vergangenen Wochen leider umbenannt werden: in Gleisdreckpark. Am Wochenende wurde die Polizei aus einer Gruppe von 500 Leuten heraus mit Flaschen und Steinen beworfen, zurück blieben Müllberge und „ein Teppich aus Scherben“ (Q: Anwohner).
Dazu (und zur Einstimmung auf die übernächste Meldung) gleich mal ein Überblick der Polizeimeldungen nur von Sonntagnachmittag: „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen beschädigt“, „Mit abgebrochenem Flaschenhals bei Übergriff zugestochen“, „Bei Auseinandersetzung geschossen“, „Gaststätte überfallen“, „Busfahrer rassistisch beleidigt“, „Homophober Angriff in Kneipe“, „Mann homophob beleidigt“, „Intensivmedizinische Behandlung nach Angriff“… usw.
Ok. Falls Sie sich auch haben verrückt machen lassen von der irrsinnigen Meldung, Berlin sei nicht nur die schönste, sondern auch die freundlichste Stadt Deutschlands – hier die Entwarnung: Das geht zurück auf die Bewertung von „Expedia“-Kunden, die sich nichts anders anzukreuzen trauten, weil sie auf den nächsten Rabatt hofften. Außerdem reichten über einen Zeitraum von zwei Jahren gerade mal 250 Stimmen, um in die Charts zu kommen. Ganz anders das Ergebnis einer „Travelbook“-Umfrage (87.000 Teilnehmer): Hier landete Berlin verlässlich als „unfreundlichste Stadt der Welt“ auf Platz 1. Fest steht jedenfalls: Berlin ist die einzige Stadt des Universums, die zugleich als freundlichste und unfreundlichste gilt. Und jetzt Schnauze.
Zur Aufgabe für Berlinkenner: Bitte übersetzen Sie das Wort „Beruhigungspille“. Na klar: „Modellkiez“. Einen solchen hatte die Politik (Regierender Bürgermeister, Verkehrssenatorin, Bezirksbürgermeister) der aufgeregten Stadtgesellschaft nach dem schlimmen Unfall in der Invalidenstraße versprochen. Doch modellhaft ist bis heute nur die Verteilung rot-rot-grüner Globuli – ansonsten passierte fast nichts. Außer natürlich, dass Planungsunterlagen nicht auffindbar waren, sich für die Finanzierung niemand zuständig sah, ständig Termine verschoben wurden…
„Das Projekt einer modellhaften Entwicklung des Invalidenkiezes ist abgesagt worden“, bestätigt die Verkehrsverwaltung. Und der Bezirk? Hat „bereits 2009 ein Verkehrskonzept für den Kiez realisiert“ und sieht „keinen weiteren Bedarf für eine prioritäre Gesamtbefassung“ – anderswo kracht es eben öfter (wenn auch nicht ganz so spektakulär). Und was jetzt plötzlich auch noch aufgefallen ist: Weder Bezirk noch Senatsverwaltung verfügt über „die personellen Ressourcen“ für ein solches Projekt. So eine Überraschung aber auch. Insofern tatsächlich ein typisches Berliner Modellprojekt.
Zurück in die Zukunft war einmal, in einigen Berliner Verwaltungen lautet die Parole zur heutigen Zeit „vorwärts in die Vergangenheit“. Kleines Beispiel gefällig? Bitteschön: Wenn Sie eine Mail an ein Amt schicken, kann es passieren, dass Sie statt einer Antwort erst einmal einen Brief zurück bekommen, mit der Aufforderung, einem unverschlüsselten Austausch zuzustimmen (lt. „Dienstanweisung“). Schuld ist natürlich der Datenschutz, der so allerdings vor allem die Behörden vor Kontakt mit dem Bürger schützt. Immerhin wird in der Dienstweisung festgehalten: „Der Zustand, nicht mailen zu können, ist nicht zeitgemäß und behindert die Abläufe.“
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Unter dem Motto „Erlebe Deine Hauptstadt! Willkommen zurück in Berlin“ werben unsere Tourismusvermarkter von „Visit“ für ein 4-Tage-Paket inklusive An- und Abreise, Hotelübernachtung, Welcome-Card mit kostenlosen BVG- und S-Bahnfahrten und 200 Rabattangeboten für 175 Euro. Also, wenn Sie partout keine Wohnung finden… nur die An- und Abreise alle vier Tage ist ein bisschen lästig.
Eine Suchmeldung der Polizei: Das Präsidium will 80 Paar Motorradstiefel kaufen (Größe 36 bis 48) – vielleicht haben Sie ja noch welche übrig. Aber Achtung: Erwünscht ist die Ausstattung mit einem „atmungsaktiven Klimasystem“. Die Kollegen sagen Dankeschön.
Etwa 10.000 Kinder werden in diesem Jahr ohne ärztliche Untersuchung eingeschult – die Ämter sind anderswo mit Corona beschäftigt. Kleine Runde „Mathe mit dem Checkpoint“ gefällig? Ok, also dann: Was werden die Erstklässler damit statistisch gesehen in jedem Fall sein? Richtig: gesünder.
Der Bildungsverwaltung ist laut Amtsblatt übrigens gerade nicht nur der eine oder andere Schüler, sondern auch ein Gummistempel mit Landeswappen „in Verlust geraten“ – falls Sie ihn irgendwo herumspringen sehen (Kennzahl 84): Gönnen Sie ihm ein paar freie Tage, nach den Sommerferien ist ohnehin Schluss mit der „Schuldistanz“.
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Am Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen wollen wir heute aus gegebenem Anlass auch kurz älterer Bäume gedenken – denn alles Gießen nutzt ihnen nichts mehr. Sagt jedenfalls das Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg („Ob ich dann oben einen Eimer Wasser draufkippe, macht leider keinen großen Unterschied“, Q: „Berliner Zeitung“) Also schlussfolgert Bürgermeisterin Monika Herrmann: Sie sollten sich „auf die besonders bedürftigen Jungbäume fokussieren“. Tja, es gibt eben keine Generationengerechtigkeit. Aber da Bäume kein Corona bekommen, dürfen Sie die armen Alten ruhig mal umarmen.
Heute gibt‘s auf tagespiegel.de Teil 5 der Serie „Wenn die Gondeln Mundschutz tragen – eine italienische Reise mit Aline von Drateln“. Was die Berlinerin bei ihrer Roadtour mit Familie nach Venedig bisher erlebt hat, können Sie hier erfahren.
Unterwegs ist auch Derk Ehlert, Wildtierexperte der Umweltverwaltung – in der zweiten Folge der Video-Reihe „Wildes Berlin“ können Sie ihn hier auf den kleinen Teufelsberg begleiten. Und auch in unserer Checkpoint-Sommerserie werden Sie ihn wiedersehen – auf einer ganz besonderen Tour. Lassen Sie sich überraschen (aber packen Sie schon mal die Badehose ein)!
Mit der ortsüblichen Verspätung steht jetzt auch die Gewinnerin des Checkpoint-Busfahrerrätsels fest: Ein Exemplar unseres Buchs „Berlin in 100 Kapiteln, von denen leider nur 13 fertig wurden“ (Ullstein, 288 Seiten) geht an Samina Faizi – herzlichen Glückwunsch!
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ihr könnt gerne kuscheln, aber mit Abstand.“
Hinweis der Barkeeperin im Neuköllner „Bierbaum III“ an zwei Gäste, die sich gerade in die Namensliste eintragen. Thomas Wochnik hat „das neue Normal“ in Berlin für den Tagespiegel recherchiert, seinen Bericht finden Sie hier.
Tweet des Tages
Lieblingsmoment: dem Hund vor der großen Straße energisch ‚Stop‘ zurufen und ein gröliges Grüppchen schmierlappiger Hipsterdudes bleibt ganz brav wie angewurzelt stehen, bevor ihnen peinlich berührt wieder einfällt, dass sie ja jetzt in Berlin sind und nicht in Biberach.
Stadtleben
Essen – Tokio to go: Japanisches Streetfood drei Blocks vom Ku‘damm kredenzt das Gohan in Charlottenburg. Durchs winzige Fenster reichen die Köche Miso, Seetang und Ramennudeln – zum Lunch auf dem Sprung und zum Verputzen vor Ort. Feste Gerichte hat der Imbiss keine, stattdessen locken Monat für Monat vier neue Schalen. Frisch im Menü: Sosu Katsudon, panierte japanische Schnitzel auf Reis. Früh aufschlagen lohnt sich, denn wenn die Bowls verkauft sind, klappt das Gohan seine Läden zu. Checkpoint-Tipp: Tupperdose mitbringen – mit eigener Box gibt’s Umweltrabatt! Einmal Kimchi to go serviert der Koch für neun Euro, das japanische Wegbier gibt’s für zwei mehr dazu. Mo-Fr 12-17 Uhr, Wilmersdorfer Straße 70, S-Bhf Charlottenburg
Noch mehr Wasabi? Dann nichts wie hinüber in die Genuss-Redaktion: Kai Röger verrät, wie Fischbrötchen zu Gourmet-Burgern werden.
Nachtisch & Kaffee – Nach dem Lunch sausen wir weiter nach Mitte: Seit Ende Mai lädt das Chimney’s nach Ungarn. Bei Kronleuchtern, Stuck und Designertischen knabbern die Gäste an Zuckergebäck, genauer: an Baumstriezeln, dass einem schwindlig wird. Unser Favorit: Der Rainbow-Chimney, Striezel mit Erdbeeren, Streuseln und Vanille-Softeis (acht Euro). Wem das zu viel ist, der halbiert sein Dessert und schnappt sich einen der Mini Cakes. Aufgepasst, Herbivoren Berlins: Sämtlicher Zuckerschock ist im Chimney‘s vegan. Mit Eiskaffee, Flat White und Striezeln bewaffnet suchen sich Besucher einen Tisch im Freien – oder spazieren gen Zionskirchplatz. Mo-So 12-20 Uhr, Brunnenstraße 173, U-Bhf Rosenthaler Platz.
Das ganze Stadtleben gibt's mit Checkpoint-Abo.
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Der Sommer steht vor der Tür: Ersteigern Sie eines von über 300 Angeboten bei der Online-Auktion des Tagesspiegels. Einzigartige und exklusive Angebote verschiedenster Kategorien – bereits ab 1 Euro. www.tagesspiegel.de/auktion

Karten sichern – Shakespeare an der Spree: Es sollte eine große Eröffnung werden, Berlins hauseigenes Globe-Theater in Charlottenburg – doch dann kam Corona. Jetzt wird das Bauprojekt verschoben, und das, obwohl Berge von Balken schon lange bereitliegen. Christian Leonard hofft, dass seine Arena im nächsten Sommer Premiere feiern wird. Bis dahin bleibt das Ensemble (Foto) beweglich: Leonard hat sich kurzerhand die Bretter geschnappt, aus denen sein Theater errichtet werden soll – und daraus ein Provisorium in der Sömmeringstraße 15 gebaut. Bald startet die Saison, auf dem Spielplan: Shakespeares „Sturm“. „Das Stück eignet sich wie kaum ein anderes, auf die momentane Situation zu reagieren. Die Figuren sind orientierungslos und fragen sich, wie es weiter geht. Sie haben große Sehnsucht nach Begegnung, suchen nach neuen Formen des Miteinanders.“ Wenn am 23. Juli Prosperos erste Worte erklingen, gibt es keine klassische Bühne. Stattdessen sitzt das Publikum im Raum und wird virengemäß von allen Seiten bespielt: So halten Spielende und Zuschauer Abstand voneinander. Ob sich das Stück auch finanziell lohnt, weiß Christian Leonard derzeit noch nicht. Spielen will das Theater trotzdem, denn es will etwas bieten, der Berliner Kultur wieder Leben einhauchen. „Die persönliche Begegnung lässt sich durch keinen Stream dieser Welt ersetzen.“ (Foto: Elitza Nanova)
Klingt spannend? Wer das Globe Berlin unterstützen möchte, der klickt sich fix zur Spendenaktion. Tickets für den „Sturm“ (18 Euro) gibt es ab heute hier – oder beim Checkpoint: Wir verlosen 5x2 Freikarten für eine Vorstellung ab dem 23. Juli.
Mehr Kultur- und Kieztreffpunkte unterstützen Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite.
Wieder hinab – Hinein in den Untergrund! Seit wenigen Tagen tauchen Abenteurer wieder in die Katakomben der Stadt. Das Team der Berliner Unterwelten führt seine Gäste durch Bunker und Schächte, Keller und Ruinen – nach elf Wochen Pause. Post Shutdown geht es nun erneut hinunter, mit Masken, Abstand und kleineren Gruppen. Zu eng, zu dunkel? Wer in geschlossenen Räumen feuchte Hände bekommt, der klickt sich flott eine Tageslichttour: Ein Streifzug quer durch den Humboldthain ist seit Corona neu im Programm – garantiert ohne Zwielicht. Tickets gibt es ab 14 Euro, pro Tag starten bis zu 20 Touren. Ganz ohne rauszugehen entdecken Historiker die Trümmer virtuell: Per App gibt’s die Bunkerführung auch digital.
Neu in Biesdorf – Die Berliner Fotografin Christine Fenzl hat Jugendliche aus den Berliner Ost-Bezirken Marzahn, Hellersdorf, Lichtenberg und Hohenschönhausen porträtiert. Sie sind so jung, dass sie die Mauer nicht mehr selbst erlebt haben, für ihre Eltern hingehen war sie Alltag und Realität. Fenzl, die bei der für ihre unverblümten Fotografien bekannt gewordenen Künstlerin Nan Goldin als Assistentin gearbeitet hat, legt großes Gespür für diese Wendekinder an den Tag. Sie zeigt sie authentisch in ihrem häuslichen Umfeld, junge Menschen, die selbst im Zustand des Wandels begriffen sind – genau wie die Stadt. Zu sehen sind die Porträts seit gestern im Erdgeschoß von Schloss Biesdorf (bis zum 14. August). Alt-Biesdorf 55, tgl. außer dienstags 10-18 Uhr, Fr 12 bis 21 Uhr
Filmtipp – (ein Beitrag von Ticket-Kollegin Sandra Luzina) James Baldwin gilt als Vordenker der Black-Lives-Matter-Bewegung. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“ basiert auf dem Manuskript von Baldwins letztem, unvollendet gebliebenen Buch mit dem Titel „Remember this house“. Regisseur Raoul Peck ergänzt den Text mit einer Collage von Archivfotos, Filmausschnitten und Nachrichten-Clips. Der Film erzählt die „Geschichte der Gewalt“, die Martin Luther King Jr., Medgar Evers und Malcolm X das Leben kostete, er handelt aber auch von der Unsichtbarkeit von Schwarzen im Hollywood-Kino und von der Entstehung einer eigenen afroamerikanischen Identität. Der aufrüttelnde Filmessay, der auch von der umwerfenden Präsenz Baldwins lebt, ist heute noch verfügbar in der ARTE-Mediathek.
Last-Minute-Stream – Eine Seuche, so seltsam wie tödlich: Seit Mitte März sind die Verkaufszahlen der „Pest“ ins Astrale geschossen. Das Deutsche Theater spielt Camus bereits seit letztem November – lang vor Corona. In düsterem Minimalismus lässt Božidar Kocevski sterben, trauern und die Krankheit verfluchen, Städte abriegeln und Leben retten. Karten für die neue Frischluftfassung sind längst schon vergriffen, doch per Livestream gibt’s das Quarantäne-Stück virtuell: barrierefrei samt Bildbeschreibung. Gesendet wird ab 19 Uhr, über Spenden freut sich das Ensemble hier.
Last-Minute-Party – Das Torstraßenfest fiel dem Virus zum Opfer. Doch Berlin ist Berlin, weil es trotzdem tanzt: Ab 19 Uhr wird die Volksbühne zum Club, Pop und Punkrock gibt’s von gleich neun DJs der Hauptstadt. Feierabendsause! Reingeklickt und losgeraved.
Mit diesem Stadtleben wünscht Lotte Buschenhagen einen erlebnisreichen Montag.
Berlin heute
Verkehr – BVG: Der Ersatzverkehr auf den Linien U1 und U3 wird in dieser Woche auf den Streckenabschnitt Warschauer Straße – Hallesches Tor ausgeweitet. Der bisherige Ersatzverkehr bleibt bis April nächsten Jahres bestehen.
Gesamtes Stadtgebiet: Bis Freitag führt die Polizei in ganz Berlin verstärkt Verkehrskontrollen durch, diese dienen der Sensibilisierung im Verkehr.
Mitte: Im Zuge zweier Aufzüge (s. u.) kann es rund um das Regierungsviertel zu Verkehrseinschränkungen kommen (10-11 Uhr).
Eldenaer Straße/ Scheffelstraße (Friedrichshain): Sperrung zwischen Paul-Junius-Straße und Hermann-Blankenstein-Straße, Fuß- und Radverkehr frei (bis Mitte nächster Woche).
Schlesische Straße/ Köpenicker Straße (Kreuzberg): Sperrung auf Höhe Schlesisches Tor in Richtung Mitte, Fuß- und Radverkehr darf passieren (bis Ende Mai).
Ritterstraße (Kreuzberg): Aufgrund einer neuen Baustelle wird die Straße zwischen Alte Jakobstraße und Alexandrinenstraße in Richtung Prinzenstraße gesperrt, Fuß- und Radverkehr frei (bis Oktober).
Allee der Kosmonauten (Marzahn): Sperrung zwischen Boschpoler Straße und Eitelstraße in Richtung Rhinstraße, Fuß- und Radverkehr frei (bis Ende Juni).
Wuhlesteg (Marzahn): Der Fuß- und Radweg am Wuhleteich ist bis Mittwoch (17 Uhr) voll gesperrt, eine Umleitung erfolgt über die „Entenbrücke“. Gäste der Gärten der Welt nutzen die Eingänge Blumberger Damm und Eingang Nord oder fliegen per Seilbahn zur Ausstellung.
A111 (Reinickendorf-Zubringer): Wegen Wartungsarbeiten kommt es zwischen Am Festplatz und Waidmannsluster Damm/ Hermsdorfer Damm in beiden Richtungen zu nächtlichen Sperrungen (21-5 Uhr). Im Laufe der Nacht werden diese stadtauswärts bis zur AS Schulzendorfer Straße erweitert (0-5 Uhr).
Demonstration – Extinction Rebellion ist zurück: Unter dem Motto „Grüne Demokratie: Umwelt, Menschen, Tiere und Pflanzen“ ziehen 250 Aktivisten vom Bundestag zum Invalidenpark (10-11 Uhr). Dort treffen sie auf weitere 250 Klimaschützer, die vom Finanzministerium aus zum Park marschieren (10-11.30 Uhr). Sie protestieren für ein Klimarettungspaket. Des Weiteren hat XR-Sprecherin Annemarie Botzki nicht angemeldete Aktionen angekündigt. Vor der Bundesärztekammer am Herbert-Lewin-Platz treffen sich 100 Personen zu einer Kundgebung mit dem Titel „Blutreserven leer! Jetzt Diskriminierung stoppen“ (11-13 Uhr), Anmelder ist der Campact e.V. Vor dem Bundesrat demonstriert die Bauförderung Landwirtschaft unter dem Motto „Regionale Lebensmittel ermöglichen – Tierhaltung in Deutschland macht Sinn“, erwartet werden 50 Teilnehmende (8.30-12 Uhr).
Gericht – Weil er seine Stieftochter in 498 Fällen missbraucht haben soll, wird einem 45-Jährigen der Prozess gemacht. Das Kind sei zu Beginn der Taten zwölf Jahre alt gewesen (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704).
Heimuniversität – Zulassung, Wartesemester und Numerus Clausus: Furchtbar kompliziert? Wer das Wirrwarr des Studierens nicht zu bändigen weiß, löst die Verwirrung bei den inFUtagen. Bis zum 24. Juni dürfen Studienanfänger in Videos und Podcasts FU-Luft schnuppern – samt virtuellem Probehörsaal. Heute an der Reihe: Pädagogik, Psychologie, BWL und Jura. Alle Infos gibt‘s unter diesem Link, zum ganzen Programm bitte hier entlang.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Ingrid Ackermann, „Liebe Ingrid, wieder so ein wunderschönes Jahr mit Dir erlebt; und es kommen viele mehr dazu! Alles Liebe, Dein John“ / Hatice Akyün (51), Journalistin und Schriftstellerin, Tagesspiegel-Kolumnistin / Ingrid van Bergen (89), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Hagen Michael Kleinert (79), Physiker und Professor an der FU Berlin / Dagmar Weber (65), ehem. Lehrerin der Matthias-Claudius-Grundschule
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Rita Claus, * 4. November 1941 / Bettina Eggert, * 1. März 1962 / Prof. Eugen Eichhorn, * 1944, Dekan des Fachbereichs Mathematik, Physik und Chemie an der Beuth-Hochschule / Igor Luther, * 5. August 1942, Kameramann / Jörg Schröder, * 24. Oktober 1938, Verleger / Dr. Dr. Wilfried Wieck, * 28. Mai 1938, Forscher, Therapeut und Autor / Heidger Wierer, * 14. März 1940
Stolperstein – In der Trautenaustraße 9 in Wilmersdorf erinnert ein Stolperstein an Magdalene Bornstein (Jg. 1974). Magdalene wurde im August 1942 gemeinsam mit ihrem Ehemann Karl Bornstein, ehemals Forscher der Leopoldina, nach Theresienstadt deportiert. Zehn Monate später – heute vor 77 Jahren – wurde sie dort ermordet, auch Karl verstarb in Folge der unmenschlichen Bedingungen im Lager.
Encore
In einer anderen Welt wäre heute u.a. der „Tag der Macht des Lächelns“ – aber in Corona-Zeiten ist ja nicht zu erkennen, was hinterm Mundschutz los ist. Oder etwa doch? Das letzte Wort in dieser Angelegenheit (und das vorletzte in diesem Checkpoint) gehört Joseph von Eichendorff – er dichtete sich das so zusammen:
Schaust du mich aus deinen Augen
lächelnd wie aus Himmeln an,
fühl' ich's wohl, daß solche Sprache
keine Lippe führen kann.
Ob das stimmt, und was Corona mit der Liebe macht (und mit der Suche nach Sex), hat Nina Breher für den Tagesspiegel recherchiert. Ihren Bericht finden Sie hier.
Kommen Sie gesund in die Woche, schauen Sie einander tief in die Augen – und riskieren Sie lieber keine zu dicke Lippe. Morgen früh schaut Ann-Kathrin Hipp für Sie nach, was sonst noch so alles los ist in der besten Stadt der Welt. Bis dahin,