Wo endet Berlin? Bei den allermeisten Sharing-Fahrdiensten, egal ob Auto, Roller oder Fahrrad: am S-Bahn-Ring. „Wir haben gefühlt 25 Angebote durchforstet“, erzählt CP-Leserin Lena Müller aus Steglitz-Zehlendorf. „Alle außer Clever Shuttle – vielen Dank! – enden am Ring.“ Vor wenigen Monaten ist sie mit ihrem Partner und zwei kleinen Kindern zwei Kilometer (!) über die magische Grenze gezogen. Eigentlich sind sie überzeugte Fahrradfahrer und BVG-Nutzer, ein Auto haben sie nicht.
Damit sind sie in ihrer Kita tatsächlich die einzigen – und wissen jetzt auch warum. „Manchmal warte ich 40 Minuten auf meinen Bus“, klagt Müller. Gerade mit kleinen Kindern sind sie manchmal auf ein Auto angewiesen. Sie fragt sich: „Warum beschränkt sich die Sharing-Mobilität auf eine Zone, in der der öffentliche Verkehr sowieso stark ausgebaut ist und es bereits viele überzeugte Fahrradfahrer gibt?“ Und: „Warum kommt von der Politik nichts in die Richtung?“
Wie auf Kommando fordern die Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg und Harald Wolf jetzt, Anbieter von Mietfahrzeugen dazu zu verpflichten, ihre Dienste auch in den Außenbezirken anzubieten (Q: dpa). Zum Beispiel über ein Modell, das Sharing-Fahrzeuge in der Innenstadt nur dann erlaubt, wenn es auch außerhalb des Rings eine Mindestzahl von ihnen gibt. Funktionieren würde das allerdings, wenn überhaupt, nur mit den Gefährten, die an festen Stationen abgestellt werden.
Nach der Sommerpause wollen sie die Idee mit den rot-grünen Koalitionspartnern diskutieren. Die Unterstützung von Sven Kohlmeier ist ihnen schon mal sicher. Der SPD-Mann aus Kaulsdorf hatte gerade in der „Berliner Zeitung“ vorgeschlagen, Konzessionen nur zu vergeben, wenn die Firmen ihr Angebot über die ganze Stadt verteilen, und die grüne Verkehrssenatorin Regine Günther kritisiert („Speziell bei ihr sehe ich, dass sie den Blick auf die Innenstadt richtet.“).
Auch die 7,5 Millionen Euro, die der Senat in den Ausbau des Leihradsystems Nextbike steckt, dürfen nur im S-Bahn-Ring ausgegeben werden. So steht es im Vertrag vom 5. Juli 2016 – als der Verkehr noch in SPD-Verantwortung lag, als Teil des Superressorts für Stadtentwicklung und Bauen. Doch warum wurde der Vertrag nicht längst angepasst? Wegen der schleppenden Bearbeitung in den Bezirken, so dass auch in der Innenstadt noch sehr viele Stations-Genehmigungen ausstehen, heißt es aus der Verkehrsverwaltung auf Twitter: „Berlin halt.“
Mit einer besseren Anbindung des Stadtrands ist also so schnell nicht zu rechnen. Und so wird Lena Müller bald vielleicht zu den motorisierten Pendlerinnen gehören, die Regine Günther – verständlicherweise – eigentlich nicht haben möchte. Müller sagt: „Ich bin kurz davor, uns ein Auto anzuschaffen.“
Und damit geht’s frisch weiter mit unserer Sommerserie.
In Berlin um die Welt: Bulgarien ist ein stolzes Land. Ganz besonders stolz sind die Bulgaren auf ihren Rakia. Den Schnaps, der klassischerweise aus Trauben gewonnen und in Wassergläsern serviert wird. Zur Vorspeise. Kein Grund, sich davon abschrecken zu lassen. Es gehört zum guten Ton, ganz langsam zu trinken – zu genießen. Begleitet wird das Hochprozentige von viel Salat: Schopska ist ein Muss (Büffeltomaten, Gurke und Schafskäse). Die Snejanka (bulgarisches Zaziki), „russischer Salat“ mit Mayonnaise, Kartoffeln und Erbsen und der köstliche Tomatenaufstrich Luteniza gehören ebenso auf den reich gedeckten Tisch. Auf ihre Küche sind die Bulgaren auch sehr stolz. Und noch eine Gemeinsamkeit hat die Speis mit dem Trank: Man konsumiert sie ganz langsam. Meist ist man nach einigen Stunden, mehreren „Wasser“-Gläsern und Vorspeisentellern bestens drauf und pappsatt, lehnt die Hauptspeise aus Höflichkeit aber dennoch nicht ab. Ein ganz normaler geselliger Abend. Auch ganz normal: Am nächsten Tag bereut man ihn ein wenig. Aber diese Abende machen Spaß, sie sind bulgarisches Lebensgefühl. Dafür muss man in Berlin nur in die Karl-Marx-Straße 226 in Neukölln, in die Mehana Balgaran. Der Rest ist ein Selbstläufer. Tägl. 10-24 Uhr, außer Sa 10-3 Uhr. Bulgarische Einwohner in Berlin: 30.282 (Stand: Ende Dez 2018).
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Massenflucht, Revolution und Mauerfall – daran erinnert das Abgeordnetenhaus von Berlin mit einer großen Open-Air-Sonderausstellung. Sie sind herzlich zur morgigen Ausstellungseröffnung auf dem Vorplatz des Abgeordnetenhauses eingeladen. Feiern Sie mit uns 30 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall. Weitere Infos finden Sie unter agh.berlin/1989expo
Sommeraktivität: Filmvorstellung „Mission Lifeline“ – Passt gerade leider sehr zur Diskussion über die „Sea Watch 3“: Unzählige Flüchtlinge ertrinken vor der libyschen Küste, der Dresdener Verein „Mission Lifeline“ rettet seit Herbst 2017 Menschen im Mittelmeer. Mit diesem Unterfangen und all seinen Problemen und Anstrengungen beschäftigt sich der Filmemacher Markus Weinberg in seinem Dokumentarfilm, der am heutigen Dienstag ab 22 Uhr im Freiluftkino Cassiopeia, Revaler Straße 99, gezeigt wird. Der Eintritt kostet 7,50 Euro.
Sommersport: House Running – Gib dir die Kante! Berlins Hochhäuser herunterzuklettern ist kein Teamsport, sondern was für Einzelgänger (im wahrsten Sinne des Wortes). Im Prinzip ist es simpel – wenn man nicht gerade unter Höhenangst leidet. Nach vorne kippen und senkrecht abseilen. Das geht zum Beispiel vom Andel’s Hotel (50 Meter) an der Landsberger Allee. Mehr Infos hier.
Jottwede (janz weit draußen): Wasserski in Petersdorf – Skifahren geht nur im Winter? Nichts da! Im Wake Park auf dem Petersdorfer See kann man zweigleisig auf Skiern, per Wakeboard oder - für Anfänger - kniend auf dem Kneeboard übers Wasser gleiten. Bei Bad Saarow gelegen, ist der See gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Von Berlin Ostkreuz mit dem RE1 in Richtung Cottbus Hauptbahnhof fahren, dann weiter mit dem Bus 430 nach Petersdorf, von wo es nur noch drei Minuten Fußweg sind. Für Anfängerkurse (zwei Stunden) zahlen Sie 45 Euro, das ganze Equipment gibt's auch zum Ausleihen.
Hoch hinaus will die AfD-Fraktion in Reinickendorf: Sie fordert eine Seilbahn ins Märkische Viertel, vom S+U-Bahnhof Wittenau ins Zentrum. Sie haben richtig gelesen, eine SEIL-Bahn, keine U-Bahn, für die andere Kommunalpolitiker seit Jahren kämpfen. Die SPD ist empört und fragt: „Wo soll sich eine solche Bahn denn durch die Neubauhäuserschluchten schlängeln?“ Und: „Was soll für die Bürger im Märkischen Viertel denn die verkehrliche Verbesserung sein, wenn sie am U-Bahnhof Wittenau in eine enge Seilbahn-Gondel umsteigen statt in einen Bus?“ Der Checkpoint sagt: Höhenluft bekommt nicht jedem.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Michael Müller hat echt kein Glück. Eigentlich sollte sein Herzensprojekt, das solidarische Grundeinkommen, schon gestern starten. Doch erst heute wird der Senat eine dafür notwendige Verwaltungsvorschrift beschließen. Erste Langzeitarbeitslose können dann frühestens Anfang August eingestellt werden. 200 Millionen Euro stehen bis 2025 für 1000 erwerbslose Menschen bereit, die in Landesbetrieben, Senats- und Bezirksverwaltungen und bei freien Trägern beschäftigt werden und dort „gemeinwohlorientierte Aufgaben“ verrichten sollen.
Aber die Kritik reißt nicht ab. Die Arbeitsagentur sagt: Reguläre Arbeit könnte verdrängt werden. Die Grünen sagen: Arbeitslose könnten dequalifiziert werden. Die FDP sagt: Langzeitarbeitslose werden aufs Abstellgleis geschoben anstatt qualifiziert zu werden. Und die IHK sagt: Die Zielgruppe (Menschen, die ein oder zwei Jahre arbeitslos sind) sei auch für Unternehmen interessant, gehe ihnen durch das Grundeinkommen aber verloren.
Wurde die Senats-Pressekonferenz, die regulär erst wieder am 9. Juli stattfinden würde, extra für Müllers Grundeinkommen auf heute vorgezogen? Nein, heißt es aus Senatskreisen. Nächste Wochen wären zu viele Senatorinnen und Senatoren im Urlaub gewesen – und beschlussfähig ist der Senat laut Geschäftsordnung nur, wenn mindestens die Hälfte seiner Mitglieder anwesend ist. Die kurzfristige Terminänderung hinge auch damit zusammen, dass Ramona Pop ihren Urlaub für kommende Woche zu spät eingereicht habe – was diese wiederum verneint.
Auch um den Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 gibt es weiter Zoff im Senat. Der Plan, der Flächen für 200.000 neue Wohnungen aufweist, ist fertig – wird aber seit Wochen von der SPD-geführten Senatskanzlei blockiert. Der Grund: Er basiert auf der 2016 beschlossenen und 2017 aktualisierten Bevölkerungsprognose, die bereits überholt ist. Geht gar nicht, findet die SPD. Bausenatorin Katrin Lompscher aber sagt, der Plan würde angepasst, wenn eine neue Prognose vorliege. Klar ist: Der Step Wohnen hat es wieder nicht auf die heutige Tagesordnung der Senatssitzung geschafft, weswegen Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel den Sozialdemokraten gestern „Obstruktion“ vorwarf (Q: „Berliner Zeitung“). Nächster Termin: 23. Juli. Ein bisschen Abstand tut diesem Senat vielleicht ganz gut. Abkühlen, runterkommen, neu starten.
Berlin paradox: In der ganzen Stadt wird verzweifelt nach Grundstücken gesucht, doch die Vermarktung von Berlins größtem zusammenhängenden Industriegebiet verläuft auch im vierten Jahr noch schleppend. Erst zwei von 90 Hektar im Cleantech Businesspark in Marzahn – einer der „Zukunftsorte“ Berlins – sind vergeben, an eine Firma. Was der Bezirk jetzt beschlossen hat, lesen Sie heute im Newsletter meines Kollegen Ingo Salmen. Zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier.
Es ist der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Bis nach Berlin war das Feuer am Montag und auch noch in der Nacht zu Dienstag, zu riechen – obwohl es 200 Kilometer entfernt bei Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim brannte. Am Abend hatten sich die Flammen auf eine Fläche von 470 Hektar ausgebreitet, ein viertes Dorf wurde evakuiert. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung.
Willkommen in Berlin. Das Land wäre bereit, Geflüchtete der „Sea Watch 3“ aufzunehmen. Doch erst muss der Bund anfragen.
Einen Neustart gibt es auch in der Finanzverwaltung. Die Lücke, die Staatssekretärin Margaretha Sudhof – eine exzellente Juristin – reißt (CP von gestern), ist groß, sie zu füllen eine Herausforderung – vielleicht für Jan Stöß? Der frühere SPD-Chef wäre eine passende Besetzung: Er ist fachlich versiert und er kennt die Irrungen und Wirrungen der Berliner Landespolitik. Gerade ist Stöß wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Doch sein privater Lebensmittelpunkt ist Berlin geblieben: Er lebt mit seinem Partner in Schöneberg. Für den Parteilinken spricht auch, dass er sich erst kürzlich auf die Stelle eines Abteilungsleiters in der Finanzverwaltung beworben haben soll. Eine Anfrage meines Kollegen Ulrich Zawatka-Gerlach beantwortete Stöß gestern nicht. Das könnte auf ihn als neuen Staatssekretär hindeuten – oder auf einen Urlaub in anderer Zeitzone.
Mythos Bergmannstraße: Der AfD-Abgeordnete Frank Scholtysek wollte vom Senat Genaueres über die Kreuzberger grünen Punkte erfahren (z.B. zu deren Schichtdicke, Hitze- und Frostbeständigkeit). Antwort auf Fragen 1 bis 7: „Eine Beantwortung der Fragen kann aufgrund der nicht rechtzeitig eingetroffenen Rückmeldung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg nicht erfolgen.“ Weiterer Erkenntnisgewinn: Nach Aufpinseln der Punkte kam es in der Woche vom 24. zum 30. April in der Begegnungszone zu einem Unfall mit einer leichtverletzten Person. In den drei Jahren zuvor gab es insgesamt 157 Unfälle, davon einer mit Schwerverletzten.
Statt Mathe lernen mit dem Checkpoint gibt’s heute mal Spanisch lernen mit dem CP: BBC Mundo berichtet über den BER: Der Flughafen sei ein „trauma nacional“, also ein nationales Trauma (das war einfach) und „una forma de aprender cómo no hacer las cosas“: eine Art zu lernen, wie man die Dinge nicht machen sollte. Dann wird’s prophetisch: Es sind Milliarden geflossen, heißt es – „pero nunca se inauguró“: aber er wurde nie eröffnet.
Die Portoerhöhung bei der Post kommt für die Filialen anscheinend völlig überraschend. Im Postamt am Wittenbergplatz gab es am Montagmorgen nur noch zehn 10-Cent-Marken zu kaufen. Und die Briefmarke für 1,55 Euro (statt vorher 1,45 Euro) war gar nicht zu bekommen.
Genau 1865 Elektro-Fahrzeuge wurden bis Ende Juni bei der Wirtschaftsverwaltung beantragt und bewilligt. Sie fördert über das Programm Welmo („Wirtschaftsnahe Elektromobilität“) die Elektrifizierung von gewerblichen, gemeinnützigen und freiberuflichen Kraftfahrzeug-Flotten in Berlin. Wer ebenfalls umsteigen möchte, kann sich hier informieren.
Ende Juli wird die Sperrung des zentralen U-Bahneingangs Kudamm, Ecke Uhlandstraße ein halbes Jahr alt (Grund: eingestürzte Treppe). CP-Leser Alexander von Hohenegg meldet: „sichtbarer Baufortschritt: 0, gesichtete Bauarbeiter: 0“.
Happy Pride! Erstmals seit 10 Jahren weht die Regenbogenflagge wieder vor dem Roten Rathaus. Wegen der Bauarbeiten vor dem Gebäude war die bunte Fahne in den vergangenen Jahren am U-Bahnhof Nollendorfplatz gehisst worden. Mit ihr bekennt sich Berlin zu einer von Respekt getragenen Gesellschaft der Vielfalt – in der Homophobie, Transphobie, Hass, Gewalt und Intoleranz keinen Platz haben.
Amt, aber glücklich in Steglitz-Zehlendorf: Mehrere Tage hat Lena Müller versucht, telefonisch beim Standesamt durchzukommen. Keine Chance. Daraufhin schrieb sie eine Mail mit ihren Fragen – und hatte acht Minuten später eine freundliche und detaillierte Antwort im Postfach. Sachen gibt’s. „Herzlichen Dank an das Team des Eheregisters im Standesamt Steglitz-Zehlendorf!“
Korrektur: Wer sich gewundert hat, warum das Dressing für Monika Herrmanns Wassermelonen-Schafskäsesalat mit Minze (CP von gestern) so sauer schmeckt: Es muss natürlich heißen, ein Esslöffel Zitronensaft und zwei Esslöffel Olivenöl (statt insgesamt drei Esslöffel Zitronensaft). War ja auch heiß vorgestern.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich hoffe, Sie hatten nicht das Gefühl an einem Tribunal teilgenommen zu haben.“
Mit diesen Worten übergab Frank Plasberg gestern Abend das Schlusswort von „hart aber fair“ an Uwe Junge, AfD-Rechtsaußen aus Rheinland-Pfalz, der die Befürworter der Willkommenskultur eines Tages, so wahr ihm Gott helfe, „zur Rechenschaft ziehen“ will und den die Redaktion eingeladen hatte, um ausgerechnet über rechten Terror zu sprechen. Zur Erinnerung: Mit Walter Lübcke sind nach Recherchen von Tagesspiegel und Zeit Online 170 Menschen seit 1990 Todesopfer rechter Gewalt geworden.
Tweet des Tages
„Berliner Symbiose: Tram Fahrer reicht dem Flaschensammler an der Haltestelle eine Flasche aus dem Fenster.“
Antwort d. Red.: Antwort von @BVGKampagne:
„Der Fernsehturm hat ausgedient, diese Szene ist jetzt das Wahrzeichen von Berlin.“
Stadtleben
Essen & Trinken – Ziemlich neu in Lichterfelde ist das Bhatura. Nicht so neu ist hingegen das Konzept, etwas als Restaurant, Café und Cocktailbar zugleich auszugeben. Kann das gut gehen? Wir hoffen, dass es das tut. Die Küche backt nämlich im echten Lehmofen, stellt eigene Currys her, die Zutaten sind allesamt frisch und die Preise geradezu bescheiden. Noch. Denn wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, welche feinen Nuancen hier einem einfach klingenden Paneer Jhalfreezi (8,80 Euro) oder dem linsenbasierten Daal Makhni (6,80 Euro) abgewonnen werden, sollte sich das rasch ändern. Und zwar mit Recht. Tgl. 11-22 Uhr, Fr & Sa bis 23 Uhr in der Siemensstraße 40, S-Bhf Lankwitz
Berlinbesuch – Es soll ja Leute geben, die meinen, den Berlinern mangle es an Kultur. Das Gegenteil wird ab heute bis zum Wochenende in den Prinzessinnengärten bewiesen: Dort werden nämlich feierlich die Tage der Klokultur begangen. Was nach billiger Pointe klingen mag, ist es mitnichten. Die eigentliche ist nämlich die: Eine der größten Errungenschaften der Moderne ist sicherlich die Hygiene – und ihre Geschichte ist noch lange nicht auserzählt. Es geht hier um menschlich-ökologische Kreisläufe und die ökologischen, politischen, kulturellen und technischen Seiten des Klos. 2.-6. Juli, 10-22 Uhr, gleich am U-Bhf Moritzplatz
Geschenk – Wer beim Designer Sample Sale (siehe CP von gestern) nicht fündig wird, hat auch beim Polish Designers Sale Gelegenheit, sich für besondere Anlässe in (eine) Schale zu werfen, die so schnell kein zweites Mal in der Stadt auftauchen dürfte: Im Quadrat Shop landet nicht nur das ein oder andere Stück direkt vom Catwalk auf dem Tisch, sondern eben auch einiges, was gar nicht erst dahin gelangt ist, aber Aufschluss über Trends aus unserem Nachbarland gibt. Tgl. bis Sonntag,11-21 Uhr in der Auguststraße 43
Last-Minute-Tickets – Wer heute Abend auf schmutzige Gedanken kommt, wird sie nicht lange halten können angesichts des Großreinemachprogramms des Trios um Rieko Okuda (Klavier), Jon Nagel (Bass), Chris Hill (Drums) mit Gast Els Vandeweyer (Vibraphon). Dieser aufs Wesentliche reduzierte Jazz ist nämlich sowas wie die weiße Weste der Improvisationsmusik, auf der alle Unreinheiten besonders deutlich hervorstechen. Und weil Omen hier Nomen ist: „Cleaning Each Other“ ab 21 Uhr im Schlot, Invalidenstraße 117, U-Bhf Naturkundemuseum. Eintritt frei
Noch hingehen – Im Musikinstrumentenmuseum der Philharmonie soliert derzeit das Solisteninstrument schlechthin: Anlässlich des Jahres des Saxophons sind eben die Saxophone der Sammlung besonders in Szene gesetzt und mit reichlich Information garniert. Warum das Saxophon gar kein Blech-, sondern ein Holzbläser ist, welche kulturellen und politischen Geschichten in ihm stecken und wie es eigentlich funktioniert, erfahren Sie noch bis 7. Juli in der Tiergartenstraße 1 von 9-17 Uhr (Do bis 20, Sa & So ab 10 Uhr). U-Bhf Potsdamer Platz
Verlosung – Heute startet das Tech Open Air im Funkhaus an der Nalepastraße - bis Freitag diskutieren Experten aus Technologie, Kunst und Wissenschaft ihre Visionen einer zukünftigen Welt, mit über 120 Satellite-Events ist das Tech Open Air eines der größten interdisziplinären Tech-Festival Europas. Neu in diesem Jahr ist eine Kooperation mit dem Musikfestival Melt: Das Melt-Team gestaltet am morgigen Mittwoch, 3. Juli, das Musikprogramm der TOAxNight, das Tech Open Air wiederum wird beim Melt (19.-21. Juli in Ferropolis/ Gräfenhainichen) ein Tagesprogrammkuratieren. Wir verlosen bis 12 Uhr 3x2 Kombi-Tickets für Tech Open Air samt TOAxNight und Melt-Festival. Wer möchte?
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen guten Tag.
Prominent verraten
Zwar ist der Berliner der Woche nicht in der Bildenden Kunst beheimatet, künstlerische Bilder spielen in seiner Profession jedoch eine große Rolle.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
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Berlin heute
Verkehr – Auf der Straße Alt-Biesdorf (Biesdorf) steht zwischen Lötschbergstraße und Braunsdorfstraße nur Fahrstreifen zur Verfügung. Im Bereich Am Juliusturm und Zitadellenweg nahe der Zitadelle Spandau (Haselhorst) ist ab ca. 16 Uhr mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Demonstration – Gegen „Tierleid in der Bekleidungsindustrie“ demonstrieren Tierrechtler von PETA mit etwa 10 Teilnehmern anlässlich der Mercedes Benz Fashion Week in der Mauerstraße von 8.15 bis 9.45 Uhr. Am Potsdamer Platz versammeln um 18.40 bis 19.15 Uhr etwa 10 Teilnehmer unter dem Motto „Wir pfeiffen auf Stuttgart 21“ – die Kundgebung soll bis September täglich wiederholt werden.
Gericht – Gegen einen 34-Jährigen beginnt der Prozess wegen Vergewaltigung. Er soll seine frühere Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung geschlagen und sexuell misshandelt haben (12 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 306).
Universität – Christoph Grabenwarter ist Vizepräsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Professor für Öffentliches Recht, Völkerrrecht und Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Mitglied der Venedig-Kommission des Europarates. An der HU ist er heute zudem Vortragender zum Thema „Europäische Standards für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – Harter Kern und weiches Recht“. 19 Uhr, Unter den Linden 9, Raum 25E
Berliner Gesellschaft
Geburtstage – Amélie Gebhard, „Herzliche Glückwünsche an die allseits beliebte Maskenbildnerin!“ / Rainer Krawallo B. „Alles Liebe zum 70. wünscht Dir Deine Family!“ / Markus Löning (59), Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe (2010-2014) / Gert Neumann (77), Schriftsteller / Antje Pesch aus Zehlendorf-Kreuzberg / Iris Radisch (60), Journalistin, Autorin und TV-Moderatorin / Detlef Soost (49), Tänzer und Choreograf / Robert Thalheim (45) Theater- und Filmregisseur
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Margit Flamme, * 7. Oktober 1943 / Ilse Hanni Herrmann, * 5. Mai 1939 / Thomas Rothe, * 14. August 1955 / Dieter Strege, * 19. September 1943
Stolperstein – Karl Olbrysch (Jhg. 1902) lebte in der Goltzstraße 13 in Schöneberg. Als Mitglied der KPD wurde er 1933 in den Reichstag und in Friedrichshain zum Stadtverordneten gewählt, allerdings wurden gleich im Anschluss allen KPD-Mitgliedern die Mandate entzogen und auf die Nationalsozialisten übertragen. Als Kommunist wurde er von der Gestapo festgenommen, dann wieder unter der Bedingung auf freien Fuß gesetzt, in Zukunft Bericht zu erstatten. Olbrysch erfüllte die Bedingung nicht, zugleich aber verstieß ihn wegen der Zusammenarbeit mit der Gestapo auch die KPD, sodass er über Prag und Brünn nach Großbritannien floh, wo er wiederum als Feind interniert und über See in ein kanadisches Internierungslager geschickt wurde. Der Truppentransporter, auf dem er sich 1940 befand, wurde von einem Deutschen U-Boot torpediert. Olbrysch starb, wie der Großteil der Besatzung der „Arandora Star“, heute vor 79 Jahren.
Im Tagesspiegel
Kopfschmerzen, Schwindel und keine Abkühlung – der Sommer macht Obdachlosen in der Stadt besonders zu schaffen. Mit Bussen fahren Ärzte und Sozialarbeiter deswegen durch Berlin. Sie sagen: Hitze ist gefährlicher als Kälte.
Lesen Sie die Reportage von Frank Bachner heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Bevor ich Sie in den Tag entlasse, noch ein bisschen Tier-Content. Die AfD hat sich beim Senat nach den vier Kamerunschafen erkundigt, die neulich beschlagnahmt wurden, damit sie nicht als Ramadan-Festmahl des Remmo-Clans enden. Antwort der Justizverwaltung: Da wird noch ermittelt. Die vier Schafe sind aber nicht die einzigen Tiere – „die sich zur Schlachtung oder zum Verzehr eignen“ –, die in Berlin schon vor dem Tode bewahrt wurden: 2017 zwei herrenlose Schafe in Lichtenberg, 2015 sechs Hühner in Tempelhof. Und im Mai 2019 eine Wachtel in Marzahn-Hellersdorf. Da lachen ja die Hühner! Nein, die Kühe, zumindest in Jockgrim in Rheinland-Pfalz. Dort riefen kürzlich Ohrenzeugen wegen starken Lärms die Polizei. Die ermittelte, dass die Geräusche von einer Kuh-Herde stammten, die bis tief in die Nacht lautstark ihr Wiedersehen feierte, nachdem sie zuvor bei der Umsiedlung auf eine neue Weide getrennt worden war (Q: dpa).
Freuen können Sie sich schon heute auf Ann-Kathrin Hipp, die hier morgen wieder für Sie am Checkpoint steht. Einen guten Dienstag wünscht Ihnen,