Überwiegend sonnig bei bis zu 18°C und miserabler Luftqualität

Studis vergessen? Asta enttäuscht von EntlastungenLärm, Dreck, Rauch und Ratten: Lichtenberg schließt GrillplätzeErst Wein, jetzt Schoki: Kreuzberg stolpert ins nächste kulinarische Fettnäpfchen

Guten Morgen,

wir beginnen mit den Nachrichten aus der Nacht zum russischen Angriff auf die Ukraine: 

+ Das Hauptquartier der ukrainischen Luftwaffe in Winnyzja im Westen des Landes ist am Freitag mit mehreren russischen Marschflugkörpern beschossen worden. Ein Teil der sechs Raketen sei im Anflug abgeschossen worden, die übrigen trafen das Gebäude, teilte die Luftwaffenführung auf ihrer Facebook-Seite mit. Dabei sei „erheblicher Schaden“ an der Infrastruktur entstanden. 

+Die ukrainische Armee hat US-Angaben zufolge eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Cherson gestartet. Das nahe der von Russland annektierten Halbinsel Krim gelegene Cherson war als erste Großstadt der Ukraine nach dreitägiger Belagerung Anfang März von der russischen Armee eingenommen worden. 

+ Die britische Regierung hat weitere 65 Einzelpersonen und Unternehmen in Russland im Zusammenhang mit der russischen Invasion in die Ukraine mit Sanktionen belegt. Darunter sei auch das russische Rüstungsunternehmen Kronstadt als Produzent der bewaffneten Orion-Drohne und anderer unbemannter Luftfahrzeuge.

+ Kiew kauft offenbar Panzerabwehrwaffen aus Deutschland: Wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, wurden bei einem deutschen Rüstungskonzern 2650 Panzerabwehrwaffen bestellt.

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog auf tagesspiegel.de.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Fragt man Google, wie es dieses Jahr um den Heuschnupfen bestellt ist, fragt Google gegen: „Heuschnupfen oder Corona?“ Offenbar stellen sich viele gerade diese Frage. Auch türmen sich allerorten Service-Artikel, die erklären, wie man zwischen den beiden unterscheidet. Vom Virus zur Bettruhe gezwungen zu werden erscheint dabei wesentlich respektabler. Nicht, dass hier das Virus verharmlost werden sollte, keineswegs. Aber, sich einzugestehen, dass man die Kontrolle über sein Leben an Blumen verloren habe? Wieso haben Blumen eigentlich nicht längst die Reptiloiden und Bill Gates an der Spitze gängiger Verschwörungstheorien abgelöst? Vielleicht ja, weil es Ikebana gibt: Die Kunst des Blumenarrangements. Hier kontrolliert der Schönheitssinn die Blumen und nicht andersrum. Mehr zum Thema finden Sie hier, hier und hier

Samstagmittag – Wenn die Sonne scheint und alles grünt, blüht natürlich auch die Fahrradkultur auf. Wer sich informieren, ausstatten, beim Lastenrad-Rennen teilnehmen oder zuschauen oder beim Kaffee von einigen der stadtbesten Baristas nette Menschen für gemeinsame Ausfahrten kennenlernen will, ist dieses Wochenende bei der Radmesse Kolektif im Motorwerk, An der Industriebahn 12 in Weißensee, richtig.

Samstagabend – Und wer aller Lügen überdrüssig ist, geht um 19 Uhr ins Mote Studio. Dort wird dann die „Veritas Machine“ angeschmissen – eine lärmende, dynamische Schnittstelle aus zu einem Sprachsynthesizer neu zusammengeschweißten Tretnähmaschinen. Ja genau, Sprachsynthese aus Nähmaschinen – Text aus Textil, wenn man so will. Aber das ist längst nicht alles: Es geht hier um das Release von Lottie SebesVeritas Ventriloquist“ – einem Stück künstlerischer Forschung zum Thema Gender und Technik, das die Erinnerung an die Arbeit der Frauen im 19. und frühen 20. Jahrhundert wiedererweckt, deren Beine eben diese Nähmaschinen antrieben. Performances um 19 und 21 Uhr. Linienstraße 146.

Sonntagmorgen – Alt (Sufismus) trifft Neu (klingende Skulpturen aus dem 3D-Drucker): Zusammen gehen diese beiden ach so disparat scheinenden Welten auf eine Reise durch die Mystik der wohl spirituellsten Form des Islam, und zwar in der Kunst von Yara Mekawei. Eine Prise Musikwissenschaft und Philosophie lockert das thematische Gefüge, um im Anschluss an die Vergänglichkeit allen Seins zu erinnern: An diesem letzten Tag der Ausstellung ist das memento mori nämlich unausweichlich. 12 bis 19 Uhr in der daadgalerie (Oranienstraße 161), Eintritt frei

Sonntagmittag – Heute ist übrigens Welttheatertag. Und weil am Welttheatertag eben Welt und Theater besonders eng zusammenhängen, widmet das Deutsche Theater sein Programm dem Ge- und Nachdenken, sowie der Solidarität mit dem Akademischen Drama Theater in Mariupol, das am 16. März von einer russischen Bombe zerstört worden ist. Im Zweistundentakt beginnen ab 18 Uhr vier eigens dafür auf die Beine gestellte Produktionen. Eintritt je 5 Euro.

Sonntagabend – Liebt sie ihn noch immer? Die Beziehung von Taylor Swift zu Jake Gyllenhaal hat jahrelang die Klatschspalten gefüllt. Dann gingen beide ihrer Wege, (genau wie Abermillionen anderer Menschen, aber gut). Seit letztem Jahr trenden bei Google beider Namen nun wieder im Verbund, weil sie einen alten Song über ihn („All Too Well“) spektakulär neu eingesungen (mit doppelter Länge von über zehn Minuten) und mit einem neuen Video bzw. Kurzfilm bedacht hat. Sind da etwa noch Gefühle im Spiel?, fragen sich seitdem Milliarden von Menschen. Ein stimmungsvolles Setting zum Nachdenken über eben diese Frage bietet heute Abend die Zionskirche: Eine Auswahl ihrer Songs (auch „All Too Well“) wird hier bei Kerzenlicht vom Raso Streichquartett aufgeführt. Ein ganz anderes, aber nicht minder geeignetes Ambiente, ist Gyllenhaals neuester Actionfilm Ambulance, der in englischer Originalfassung zum Beispiel um 19.45 und 23 Uhr im Cinestar Cubix am Alex (Rathausstraße 1) läuft.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Sie wolle mal wieder das Gefühl haben, lange zu reisen, sagte neulich Chantal, die Sau von Nebenan. Angesichts des angenehmen Wetters hier wolle sie aber zugleich auch gar nicht weit weg. Was also tun? Nun, wer pragmatisch denkt und seine Ausflugsziele nach Erreichbarkeit aussucht, verbringt bekanntlich viel Zeit in „Betriebsfahrt“, wo gefühlt jede zweite Bahn hinfährt. Allen Abenteuerlustigen, wie Chantal, empfiehlt sich dagegen der offiziell sowohl mit Bus und Bahn als auch mit Auto am schlechtesten zu erreichende Ort Brandenburgs, die kleine Stadt Premnitz. Die Anreise lohnt sich schon wegen der wunderbar waldigen und niemals überlaufenen Umgebung mit Highlights wie dem Wasserturm der ehemaligen Pulverfabriken, dem Gestüt Neuwaldeck, der Fachwerkkirche Milow oder der Bamme Bockwindmühle. Wer auf Reiseschwierigkeiten verzichten will, gehe zu Fuß oder radle einfach vom um die Ecke gelegenen Rathenow. Aber wieso einfach, wenn es auch schwer geht – ist das nicht sowieso das Motto aller Berliner Verkehrsteilnehmer:innen? Ich sage es Ihnen… und empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Der Abschied vom Faxgerät ist auch ein Abschied von einem guten Stück Berliner Verwaltungs-Lifestyle. Hannes Soltau (Abo) reflektiert das laaaaangsame Verschwinden.

Wir haben zwar schon an anderer Stelle subtil darauf hingewiesen, aber wir wollen doch sicher sein, dass Ralf Schönballs (Abo) Porträt des Urberliners wirklich niemandem entgeht.

Wenn ich groß bin, werd ich Ärztin, Astronaut, Feuerwehrfrau, Polizist – nö, sagten sich zwei Neuköllner Brüder schon im Kindesalter, und beschlossen, Wrestler zu werdenChristoph Kluge (Abo) träumt ihren Traum nach.

Wer die aktuellen Temperaturen noch zu kalt findet, träume sich doch nach jjjjjwd (janz, janz, janz…). Zum Beispiel in die Antarktis – so warm wie jetzt war es dort zu dieser Jahreszeit nämlich noch nie: Minus 11,8 Grad Ceslius sind über 40(!) Grad höher, als die dort übliche Durchschnittstemperatur. Was das auch für Berlin bedeutet, erklärt Jan Kixmüller

Wochen­rätsel

Gewonnen! „Hohe Team- und Kommunikationsfähigkeit“ sind für diese Arbeit „in operativer Verantwortung“ und „mit scharfen Waffen“, darunter auch „Gaskanonen“ Voraussetzung, Kenntnisse in Word, Excel und Powerpoint erwünscht. Ausgeschrieben ist hier natürlich die Stelle eine/r Mitarbeiter/in des/der
a) „Paw Patrol“ im Tierpark Berlin
b) „Airwolf Patrol“ des Bundesnachrichtendienst
c) „Bird & Wildlife Control“ am BER

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Endlich sagt’s mal jemand: „Es ist höchste Zeit, Sträuchern die Anerkennung zu verschaffen, die sie verdienen!“ Im Gegensatz zum „Sympathieträger Baum“ hätten Sträucher kein gutes, äh, Standing, schreibt der Naturschutzbund Berlin, sie würden zugemüllt, radikal beschnitten oder bedenkenlos gerodet. Das hat der Strauch nicht verdient. Deswegen startet der Nabu nun eine Kampagne für mehr Sträucher in Berlin, mit „Strauchsprechstunde“ und Exkursionen mit dem Titel „Schall und Strauch“. Kein Witz. Aber bevor Sie hier jetzt Strauchweh bekommen, beenden wir jetzt lieber den gedanklichen Gestrüpptease. Straucheln Sie nicht, wenn Sie am Wochenende durch die Landschaft wandeln.

Blühende Fantasie hatte heute Lotte Buschenhagen (Redaktion und Recherche), Kathrin Maurer hat die sprießenden Fehler rausgesammelt. Unsere Zweigstelle meldet sich hier wieder am Montag, dann aber wirklich mit wieder mit Lorenz Maroldt (lang wie ein Baum).

Bis bald!

Anke Myrrhe