Unser Dank geht heute zu Beginn dieser Woche an die freiwilligen Teilnehmer*innen des Experiments „Nachweis der Schwarmidiotie“ – Sie können jetzt nach Hause gehen: Das Robert-Koch-Institut vermeldet: Der R-Faktor (auf Datengrundlage geschätzt) steigt wieder und liegt jetzt seit zwei Tagen über dem kritischem Reproduktionswert 1.
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Und jetzt stellt euch mal vor, wir hätten eine Pandemie. 🤷♂️ pic.twitter.com/UtS2Xs0XxR
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Der Turm zu Babel wächst weiter. Die Straße ist eine Einflugschneise zum Feld. So sieht es aus, wenn Touris nach Neukölln kommen. Was kümmern mich die Anwohner. Und morgen wieder die Welt retten, wa? https://t.co/xyzZD5GVLB pic.twitter.com/yjFNCFBtDL
Vom Abstandsgebot war am Wochenende in Berlin nicht mehr viel übrig: Auf den Wegen entlang der Spree in Mitte drängten sich Spaziergänger, Jogger, Skater und Radfahrer eng aneinander vorbei, am Alexanderplatz trafen Shopper auf Spinner. Und auf den Straßen von Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain sah es trotz der Corona-bedingten Restriktionen vor vielen Kneipen fast so aus wie immer – in großer Runde wurde mit Flaschenbier angestoßen. Der einzige Unterschied: Niemand musste rein für die nächste Bestellung, der Gastwirt reichte den Nachschub durchs Fenster.
Ähnlich das Bild vor Imbissbuden und Schnellpizzerien – Nebeneffekt der Außer-Haus-Gastronomie: die neuen Müllberge auf der Straße. Das rasante Wachstum eines besonders eindrucksvollen Exemplars in Neukölln dokumentiert hier „Morgenpost“-Kollege Alexander Dinger.
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Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte dem Checkpoint am Sonntagabend: „Ich mache mir große Sorgen. Viele Leute sind zu unvorsichtig, denen ist nicht bewusst, wie gefährlich die Krankheit ist.“ Dennoch steht Berlin bisher verhältnismäßig gut da – wohl deshalb, weil z.B. frühzeitig die ITB abgesagt wurde und der Senat nach einem zwischenzeitlichen Zögern klare Einschränkungen verordnete. Von heute an ist auch die Reserveklinik auf dem Messegelände betriebsbereit. Aber es geht auch bei Medizinern die Sorge um, dass der Vorsprung verspielt werden könnte.

Eine Folge der Corona-Krise könnte die Stärkung des Gesundheitsstandorts Berlin sein – wenn sich die Politik einig wird. In der Hauptstadt ballen sich jetzt schon Top-Unis, Institute und Pharmaunternehmen, führende Corona-Experten wie Christian Drosten forschen in Berlin. In seinem Leitartikel schreibt Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner heute: „Die Rettung einer Airline kostet zehn Milliarden Euro. Was ist dann unsere gesunde Zukunft wert?“
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Holländischer Griff schützt Radfahrer
Unachtsam geöffnete Autotüren sorgen für schwere Unfälle mit Radfahrern. Richtig gemacht: Die Fahrertür wird von innen mit der rechten Hand geöffnet, der Blick geht nach hinten. So werden Radfahrer schneller gesehen. Ein Tipp von der Unfallkasse Berlin – Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung für das Land Berlin.
www.unfallkasse-berlin.de
Kehrt mit der Krise die Zeit der Kürzungen zurück? Finanzsenator Kollatz befürchtet neue Milliardenschulden und kündigt finanzielle Einschränkungen an – die Senatskanzlei hält (indirekt) dagegen: Der von den Müller-Vertrauten Christian Gaebler (CdS) und Robert Drewnicki (Referatsleiter „Politische Grundsatzfragen“) geführte Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf hat für die heutige Sitzung des SPD-Landesvorstands einen Antrag eingebracht, Tenor: Sparen ist „das falsch Signal“.
Wie schwierig es wird, das Geld zusammenzuhalten, zeigt auch ein Brief großer Berliner Hoteliers an Senat und Abgeordnetenhaus: „In dieser historischen Ausnahmesituation benötigen wir nicht rückzahlbare Zuschüsse als Ausgleich unserer Verluste. Der Tourismus ist Berlins Schlüsselindustrie – wir produzieren keine Autos, sondern die Gastfreundschaft, die Berlin in nur dreißig Jahren zu einer der beliebtesten Metropolen der Welt gemacht hat.“
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Yes, we’re open
Lee Mingweis Einzelausstellung 禮 Li, Geschenke und Rituale wird am 11. Mai erstmalig zu sehen sein und bis zum 12. Juli 2020 präsentiert. Die Öffnungszeiten werden bis 31. Juli 2020 erweitert: Der Gropius Bau ist von Samstag bis Mittwoch von 10:00 bis 19:00 sowie Donnerstag und Freitag bis 21:00 geöffnet; dienstags bleibt das Haus geschlossen.
Gaststätten und Hotels dürfen bald wieder (eingeschränkt) öffnen, aber wie sieht‘s mit den Fahrgastschiffen aus? In einer Mail an den SPD-Abgeordneten Robert Schaddach stellte Innensenator Andreas Geisel jetzt klar:
„Der Paragraf 1 der Eindämmungsverordnung lautet erneut ‚Jede Person hat die physisch sozialen Kontakte zu anderen Menschen auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.‘ Diese Passage wurde zunächst bis 4.6.2020 verlängert, d.h. es gibt weiterhin keinen Tourismus. Insofern ergibt sich für die Reedereien leider keine Veränderung.“
Für viele Kinder und Jugendliche heißt es heute: Es geht wieder in die Schule. Aber die Rückkehr verläuft ungefähr so geordnet wie Tetris spielen ohne System. Mit anderen Worten: Sie müssen nicht verstehen, was da für wen gerade läuft und was nicht. Und keine Sorge: Sie sind damit nicht allein. Fest steht bisher nur, was im Zeugnis der Bildungssenatorin stehen wird: „Sandra war stets bemüht.“ Einen Überblick der Situation an diesem Montag verschaffen Ihnen hier Susanne Vieth-Entus und Thomas Loy.
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Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute in einer anderen Welt hätten wir unser Projekt „Paralympics-Zeitung 2020“ gestartet – mit einem großen Willkommensbrunch. In dieser Welt schauen wir hoffnungsvoll aufs nächste Jahr: Tokio 2021 klingt doch auch ganz ok.
Oha… die BVG sucht „Partnermanagerin/Partnermanager für den Vorstandsstab Digitalisierung“, und zwar „schnellstmöglich“. Können die das denn nicht alleine? Zur Not mit Parship oder Tinder? Die Kennzahl der Ausschreibung lautet übrigens „3802- EX“ – offenbar kommt der oder die Neue für manche partnerschaftliche Angelegenheit schon zu spät.
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100 Jahre Groß-Berlin – welche Visionen gab es 1910 und welche 2020?
Machen Sie sich ein eigenes Bild mit Hilfe der Grundlagen, die wir in den beiden Büchern zusammengetragen haben.
Wasmuth & Zohlen – seit 1872 Verlag für Architektur, Stadtentwicklung, Archäologie, Kulturgeschichte, Kunst und Fotografie
wasmuth-verlag.de
Bei einer Pandemie gibt es nicht nur einen R-Faktor (Virusverbreitung p/P), sondern offenbar auch einen V-Faktor (Verwaltungsverbreitung p/V). Das zeigt z.B. folgende wichtige Veröffentlichung (AB 2599):
„Vereinbarung über die Beauftragung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. nach §§ 88 ff. SGB X zur Durchführung der Verwaltungsverfahren zur Umsetzung des Gesetzes über den Einsatz der Einrichtungen und sozialen Dienste zur Bekämpfung der Coronavirus SARS-Cov-2 Krise in Verbindung mit einem Sicherstellungsauftrag.“
Alles klar? Ok, dann weiter...
Edeka hat seine „Weißen Riesenbohnen“ neu etikettiert – die „Sorte Corona“ gibt’s jetzt auch ohne Corona, wie hier zu sehen ist.
Und hier ein dringender Warnhinweis für alle freilebenden Berliner Kater und Katzen: Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung will euch kastrieren! Die Ausschreibung ist raus, am 15. Juni geht’s los – bis zu 600-mal „Katzenkastration einschließlich Nachsorge“ sind dem Land Berlin immerhin 50.000 Euro wert.
Sensation: In Berlin gilt ab sofort der neue „Erlass über die Ermächtigung von Polizeidienstkräften zur Erteilung von Verwarnungen“ (veröffentlicht im aktuellen Amtsblatt). Also Achtung, wenn sie z.B. mit einer Angel durch die Stadt laufen – das kostet laut Verordnung 25 Euro.
Verboten ist auch „Unnötiges Betreiben eines lärm- oder abgaserzeugenden Motors“ (20–35 Euro). Das dürfte dann ja so ungefähr auf jeden abgaserzeugenden Motor zutreffen – bei dem Top-Angebot von Bussen, Bahnen, Radspuren, E-Scootern, Bierbikes, Rikschas und Kutschen in der Stadt.
Zur Bußgeldverordnung heute auch der Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“ (Teil I) – die Aufgabe: Das „Führen eines gefährlichen Hundes mit mehr als einem weiteren gefährlichen Hund“ kostet 35 Euro. Auch das „Führen von mehr als vier Hunden gleichzeitig“ kostet 35 Euro. Frage: Was kostet es, wenn ich fünf Hunde führe, von denen drei gefährlich sind? a) 35 Euro, b) 70 Euro, c) nichts (weil die ermächtigte Polizeidienstkraft ausgiebig, aber vergeblich in der Verordnung blättert, während Sie sich heimlich davonmachen)?
Teil II unser Kurses „Mathe mit dem Checkpoint“ wird heute präsentiert von der „Bild“. Eine aktuelle Schlagzeile lautet: „Exklusive Umfrage - Unzufriedenheit mit Merkel & Co. auf Rekordtief“. Die Aufgabe:
a) Wie zufrieden sind die Befragten mit Merkel & Co.? Bitte beschreiben Sie den Lösungsweg unter Zuhilfenahme der alten Regel „Minus mal Minus gleich Plus“.
b) Wie zufrieden ist der „Bild“-Chefredakteur mit dem Ergebnis seiner exklusiven Umfrage? Hinweis: Hier reicht das kleine 1x1.
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Das innige Verhältnis der Grünen zu Gewächsen führt jetzt sogar dazu, dass sie mit ihnen reden – so geschehen in der Wrangelstraße: „Wachse groß und stark, lieber Baum!“, ruft die Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz, die Gießkanne in der Hand, einem Hölzchen zu (hier zu sehen). Gemeint ist „ein junger Ahorn mit zarten Trieben“, den die Partei im Rahmen der „Kampagne Stadtbaum Berlin“ vor ihrem Büro hat pflanzen lassen.
Wie wirkungsvoll das Gießen von Straßenbäumen in regenarmen Zeiten ist, zeigt eindrucksvoll dieser kurze Film der „Abendschau“ (0:59 min).
Die Grünen riefen jedenfalls unter dem Motto „Berlin gießt“ zur „Sommerchallange“ auf und nominierten sich gegenseitig – in der Hoffnung, dass auch andere das Wasser laufen lassen. Am Sonntag machte dann sogar der Himmel mit.
Über die Bewässerungsfrage gibt‘s in der Koalition aber mal wieder so viele Meinungen wie Blätter am Klee (in der glücklosen Variante). Stefan Jacobs hat sich auf die Suche nach Nummer vier gemacht – hier sein Bericht.
Dass nicht immer große Fonds oder Privatspekulanten die Gentrifizierung vorantreiben, sondern mitunter der Staat, zeigt der Fall Julia Stoschek: Die Galeristin, deren Ausstellungen die Stadt gerne herausstellt, wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus ihrem Domizil in der Leipziger Straße verdrängt und schließt ihr Medienkunsthaus Ende 2022. Es gilt die alte Regel: Die Stadt wird immer ärmer, je reicher sie wird.
Florian Schmidt schreibt ein Buch: „Wir holen uns die Stadt zurück“ soll es heißen, und damit es so richtig einschlägt, erscheint es bei Ullstein in der Reihe „Enthüllung/Aufreger“. Allerdings braucht Schmidt, laut Verlag „früher Aktivist, heute erfolgreicher Baustadtrat“, noch ein ganzes Weilchen für die angekündigten 208 Seiten: Als Erscheinungstag wird der schnapszahlverdächtige „02.02.2022“ angegeben.
Aus der Reihe „BVG, aber glücklich“: Im 285er in Lichterfelde, die hintere Tür schließt mal wieder nicht. Ansage vom Fahrer: „Sie brauchen nicht mit der Lichtschranke zu flirten. Sie ist seit 11 Jahren glücklich mit dem Bus verheiratet“. (Q: „Berliner Liste“)
Eine andere Variante dieser Ansage, auch gerne verwendet (hier gehört von Checkpoint-Leserin Maja Brünau): „Nimm deinen Zuckerarsch aus meiner Tür!“ Auch geeignet als Beispiel für die berühmte Berliner Gastfreundlichkeit (siehe oben). Weitere Beiträge aus dem Berliner Nahverkehr nehmen wir gerne entgegen unter checkpoint@tagesspiegel.de
Eine Mitteilung der Polizei: „In Kreuzberg endete eine Geburtstagsparty für 12 von 22 Gästen erst nach verlorenem Versteckspiel. Unsere Kolleg. fanden sie hinter Vorhang, Sofa & Tür, im Kleiderschrank, unter Bett & Bettdecke, auf dem Balkon. ‚Gespielt‘ wurde ohne Erlösen & mit echten Anzeigen.“
Hertha-Investor Windhorst hat einen würdigen Klinsmann-Nachfolger für den Aufsichtsrat gefunden – es ist der große Fußball-Philosoph Jens Lehmann („Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.“). Ach, was könnte aus der Hertha heute schon geworden sein, wenn dort beizeiten jemand gewesen wäre, der gleich erkannt hätte, dass nur der gute, alte Jens („Ich glaube, dass ich in Wahrheit sehr bescheiden bin, aber“)… usw.
„Klappt es mit der Eröffnung des BER am 31. Oktober 2020“, hatten wir am Sonnabend (nochmal) gefragt. Der Trend ist klar, bei anhaltend hoher Beteiligung: „Ja, Lütke Daldrup eröffnet den BER pünktlich zu seinem Geburtstag“ sagen jetzt 61% (vor fünf Monaten waren es 53%), 31% sind weiterhin skeptisch (zu 38% im Januar).
Was ebenfalls wächst: die Begeisterung für den Flughafenchef. Checkpoint-Leserin Mareen Koch schreibt:
„Ich finde, ELD ist der allercoolste Hecht im Karpfenteich. Er hat den Ruf von Berlin und allen Berliner*innen gerettet - und ist und bleibt dabei herrlich unaufgeregt. Er sollte ein echt tolles Geburtstagsgeschenk bekommen. Nix pompöses, eher nachhaltiger. Einen Geldschein mit seinem Konterfei zum Beispiel. Oder das Regierungsterminal wird nach ihm benannt, vielleicht auch ein Flugzeug oder ein See oder Teich.“
Gute Idee! Gerne nehmen wir weitere Vorschläge unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen. Und vielleicht fangen wir demnächst schon mal mit einem Riesenposter als Checkpoint-Starschnitt an.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Über diese Straße verließ Goethe die Stadt schon nach wenigen Tagen, aber wir bleiben hier.“
Lutz Seiler beschreibt in seinem neuen Roman „Stern 111“ u.a. die Besetzerszene in Ost-Berlin Anfang der neunziger Jahre. Hier lässt Seiler den „Hirten“ sprechen, der sich mit seiner Ziege und einigen Anhängern der „Aguerilla“ in der Schönhauser Allee 20 eingerichtet hat.
Tweet des Tages
Wer hatte eigentlich die Idee, bei den Lockerungen mit den Schrauben anzufangen?
Stadtleben
Gibt‘s Nachtisch? Aus ihrer kleinen Küche in Friedrichshain versüßt Stacey Horn kalifornisch den Lockdown – mit Karamell und Curd, Fudge und Brownies. Bei so viel Zuckerschock bleibt die Frage nach dem Dessert rein rhetorisch: Per Onlineshop liefert „Got dessert?“ Gin-Marshmallows und Walnuss-Shortbread direkt in die unterzuckerten Homeoffices der Hauptstadt. Lieber Torte? Bis vor kurzem teilte sich Horn das Backblech mit Konditorin Koni Tonitz, besser bekannt als die „Tortendesignerin“: Sie stapelt Schoko-Biskuits, glasiert Donuts und kredenzt Kuchen am Stiel. Im Herbst zog Tonitz nach Hellersdorf, ihre Rezepte verrät sie seitdem in regelmäßigen Live-Workshops. Nächster Termin: Leichte „Letter Cakes“ am Donnerstag. Bis dahin geht’s hier zum Webshop – und zu mächtigem Mallorquinischen Mandelkuchen.
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Zum Angebot
Büffelsafari – Raus aus dem Smog und rein in die Wiesen: Großstadtgeplagte fahren raus ins Tegeler Fließ. Über den Holzsteg durchs Moor, an Bächen entlang und an Reihern vorbei windet sich der Weg am Rande Berlins – seit Donnerstag erspähen Wandernde erneut die berlinbekannten Büffel, die zwischen Schilf und Birken grasen. Die Tiere kehren seit Jahren mit dem Frühling ins Fließ zurück, begrüßen Besucher und pflegen das Tal. Nichts wie hin? Wer neugierig ist, fährt nach Waidmannslust, flaniert entlang der Villen und biegt ein in den Sumpf, den genauen Weg entdecken Sie hier.

Kiezcafé retten und Longdrinks schlürfen – Eigentlich suchten die Gründerinnen der „Anzengruberin“ nur ein Gemeinschaftsbüro. Stattdessen unterschrieben sie den Mietvertrag für ein Neuköllner Ladencafé – antikes Klavier inklusive. Ein Kieztreffpunkt mit Co-Working-Space sollte es werden, mit Musik und Lesungen und Buchverkauf: ein Zufluchtsort für Digital Nomads, irgendwo zwischen Kneipe, Kaffeehaus und Hipster-Chic. Einen Monat nach der Eröffnungsparty musste die Anzengruberin schließen. „Das hat uns ganz schön getroffen“, schreibt Mitbegründerin Katharina Wiegmann: „Wir waren gerade dabei, eine Routine zu entwickeln und haben uns sehr darauf gefreut, ein Teil des Kiezes zu werden. Dass die Anzengruberin nun Zwangspause machen muss, bevor sie überhaupt richtig durchstarten konnte, macht uns schon traurig.“ Jetzt bleiben die alten Holzhocker leer, nur einige Arbeitsplätze im Café sind besetzt. Mitte April packten die Gründerinnen kurzerhand ihre Nähmaschinen aus, bastelten Kussmund-Masken und verkauften Cocktails auf der Straße: „Damit die Leute uns nicht vergessen“, sagt Wiegmann. Neben „Masken und Bloody Marys“ sind auch Taschen geplant, T-Shirts und ein Hausschnaps in der „Flachfrau“ – persönlich geliefert. Nach Corona soll das Café endlich richtig ankommen, Stammkunden finden, Kiezkneipe werden: „Wir wünschen uns, dass die Anzengruberin all das werden kann, was sie werden wollte.“
Für alle, die unterstützen möchten: Gutscheine für das Café – und andere Kiezläden – finden Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. Ab Freitagnachmittag öffnet das Café zaghaft wieder seine Türen und kredenzt fortan von Mi-Fr 9-22 Uhr und Sa 11-22 Uhr Cookies und Macchiato. Coworking-Desk gesucht? Für Arbeitsplätze in der Anzengruberin bitte hier entlang. (Foto: Paul Müller-Hahl)
Kunst gucken I – Ab heute öffnet die Berlinische Galerie ihre Glastüren und lädt zur Reise durch die Kontinente: Für ihre Serie „World Time Clock“ jettete Bettina Pousttchi acht Jahre lang durch die Zeitzonen – und fotografierte die Uhren der Welt. Der Zeitpunkt? Immer gleich: fünf Minuten vor zwei. Neben den Schwarz-Weiß-Bildern entdecken Gäste der Ausstellung „In Recent Years“ filigrane Fassadenkunst und Skulpturen aus Leitplanken und Fahrradständern. Gleich nebenan: Werke des Fotografie-Pioniers Otto Umbehr – Berlin-Porträts, Lichtpendel, Riesenkakteen. Zutritt zur Galerie gibt es nur mit Mundschutz und Abstand, die Besucherzahl wird begrenzt. Karten bekommen Sie für acht Euro hier – oder bei uns: Bis 12 Uhr verlosen wir 2x2 Tickets (einzulösen bis Ende Mai).
Kunst gucken II – Ein Fest trotz Lockdown: Aus den Höfen Pankows verlegt sich das Artspring-Festival 2020 pandemiegerecht ins Netz. Statt Konzert und Kino gibt es dieses Jahr Podcast und Livestream im World Wide Web statt in der Galerie. Kiezpoeten streamen Prosa, Gäste besuchen Ateliers per Klick – im Online-Debut lädt Patrick Thomas in die Welt des „#Aktivismus“: Per Stempeldruck lässt er Twitter-Feeds durch Zensurbalken blitzen und wilde Sträucher durch Barcodes ranken. Wie geht Kunst trotz Corona, wie wird Protest digital? Bis Mitte Juni erkunden Neugierige Pankows Kunstszene aus den eigenen Wänden – zur Online-Galerie geht es hier entlang.
Kunstrasen (ein Tipp von „Ticket“-Kollege Ingolf Patz) – Immer wieder erreichen das Bundesumweltministerium Anfragen zu diesem Thema. Einerseits weiß es darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Mikroplastik-Beschränkung der EU nur um das zusätzliche Einbringen von Kunststoffgranulat geht, nicht um den Abriss von Sportplätzen. Puh! Andererseits freut sich das BMU darüber, dass die Ausstellung „how green is the grass?” ab heute wieder täglich von 10-18 Uhr geöffnet ist, für die das Ministerium mit dem Georg Kolbe Museum kooperiert. Herman de Vries, seit der Biennale in Venedig 2015 ein Star der Environmental Art, verwandelt Rasenstücke in sensible Grafik und Baumstümpfe in kraftvolle Installationen. Als Partner eines Bundesministeriums ist sich das Kolbe Museum seiner Vorbildfunktion bewusst. Von 10 bis 11 Uhr ist der Besuch der Corona-Risikogruppe vorbehalten, maximal fünf Personen dürfen sich dann in der Ausstellung aufhalten.
Gelebtes Gedenken – Ursprünglich wollten die Berliner Stolperstein-Initiativen mit geführten Rundgängen an den 75. Jahrestag des Kriegsendes erinnern. Damit Interessierte trotz Lockdown Gedenk-Spaziergänge begehen können, hat das Aktive Museum Berlin zwei seiner Routen veröffentlicht: Ein Rundgang schlängelt sich vom Mehringdamm quer durch die „Tempelhofer Vorstadt“, auf der zweiten Tour wandeln Gedenkende auf den Spuren der jüdischen Gemeinde des Winsviertels in Pankow. Mit jeder Straße stellt die Initiative die Schicksale ehemaliger Anwohner vor – und gibt Opfern ein Gesicht. Für eine lebendige Erinnerungskultur, jeden Tag, mit jedem Schritt.
Mit diesem Stadtleben wünscht Lotte Buschenhagen einen aufregenden Start in die Woche.
Berlin heute
Verkehr – Feuerbachstraße/Feuerbachbrücke (Steglitz): Sperrung zwischen Schöneberger Straße und Körnerstraße in beiden Richtungen, Fuß- und Radverkehr frei (bis Freitag).
Am Seegraben/B96a (Altglienicke): Auf Höhe Schützenstraße ist stadtauswärts nur ein Streifen verfügbar.
Sachsendamm (Schöneberg): Auf Höhe der A103 ist in beiden Richtungen nur eine Spur befahrbar. Auch in der Ausfahrt Sachsendamm (A103) ist nur eine Bahn frei, das Linksabbiegen ist nicht möglich (bis mogen Abend, 20 Uhr).
Magistratsweg (Staaken): Zwischen Spandauer Straße und Flottbecker Weg regelt eine Baustellenampel den Verkehr (bis Ende Mai).
A100: Nächtliche Sperrung des Tunnels Ortsteil Britz zwischen Gradestraße und Buschkrugallee in Richtung Neukölln, Umleitung ausgeschildert (22-5 Uhr, jeweils in den Nächten bis Donnerstag).
S-Bahn: Die S2 ist bis zum 24. Juni zwischen Blankenfelde und Priesterweg unterbrochen. Als Ersatz fahren mehrere Buslinien, Details finden Sie hier. Heute Nacht fahren zudem auf der S5 zwischen Warschauer Straße und Westkreuz keine Züge, bitte steigen Sie auf die Linien S3 und S9 um (22- 1:30 Uhr).
Demonstration – Vor dem Roten Rathaus demonstriert der Landeselternausschuss Kita Berlin mit einer „Stellungnahme des LEAK zur Kita-Notbetreuung“ (zehn Personen sind angemeldet_Ä, 14-14:30 Uhr). In der Stauffenbergstraße 1 in Tiergarten fordern 50 Protestierende „Keine bewaffneten Drohnen“ (11-13:30 Uhr, angemeldet durch die „Gruppen der Berliner Friedenskoordination“). An der Ecke Kirchstraße/ Teltower Damm in Zehlendorf findet eine „Mahnwache zur Einhaltung der Menschen- und Grundrechte“ statt, es treffen sich 49 Demonstrierende (16-18 Uhr). Am Brandenburger Tor fordern zwei Personen die „Anerkennung, Aufklärung und Erforschung von ME/CFS“ (13-16 Uhr). Vor
der türkischen Botschaft in der Tiergartenstraße 19-21 treffen sich 20 Teilnehmende zu einer Kundgebung mit dem Titel „Tod Ibrahim Gökcek (im Hungerstreik gestorben) und Polizeiangriffe an Cemevi in Istanbul-Gazi“ (17-19 Uhr).
Gericht – Eine Radfahrerin (32), die einen Fußgänger beschimpft und getreten haben soll, kommt auf die Anklagebank. Zum Streit sei es gekommen, weil sie beinahe den Hund des Mannes umgefahren habe. Im Prozess sei auch zu klären, ob die Frau zur Tatzeit schuldfähig war (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 739).
Unisport – Damit die Berliner Studierenden zwischen all den verpixelten Vorlesungen und ruckelnden Zoom-Seminaren noch fit bleiben, läuft auch in diesem Semester der Hochschulsport – online. Durchtrainierte melden sich zur #StudiChallenge an und erhalten tägliche Aufgaben per Mail – Normalsterbliche schwitzen beim Live-Pilates, Yoga und Volleyball (!). Ob das klappt und wie es um die studentische Motivation steht, verrät die UnAufgefordert, Studi-Zeitung der Humboldt-Uni: Auf ins digitale Bootcamp!
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Henning Boëtius (81), Schriftsteller (Pseudonym: Uwe Bastiansen) / Hansjürgen Garstka (73), Datenschutzexperte / Dieter Grimm (83), ehem. Bundesverfassungsrichter / Cillie Isringhausen (36), „Alles Gute zum Geburtstag von Beate und Hans-Dieter“ / Gerhard Klingenberg (91), österreichischer Schauspieler, Regisseur und Intendant / „Alles Gute für Gudrun Kluckhuhn von ihren Kladower Männern...“ / Guido Maria Kretschmer (55), Modedesigner / Sascha Lobo (45), Journalist und Netzexperte / Eva Menasse (50), Journalistin und Schriftstellerin / Frau Metin, „Die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag von Alpha Mitte“ / Thomas Oberender (54), Intendant der Berliner Festspiele / Nevio Passaro (40), Sänger, Songwriter und Produzent / Katrin Seidel (53), für die Linke im AGH / Wilfried Seiring (85), „Hoch soll er leben, der politische Kämpfer und Einmischer, der unaufgeregte Pädagoge, der engagierte Leserbriefschreiber. Danke für alles, Deine Familie“ / nachträglich: Christiane Nathusius (70), „Alles Gute von Micha, dem Teilzeitbauern“ / Barbara Scheffer, „Am 8. Mai alles Liebe zum Geburtstag“ / Ellen Weiß (80), „Lehrerin mit Leib u. Seele bis heute“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Katinka Beber, * 18. Februar 1959, Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg, „Mit Leidenschaft gelebt, geliebt, vermisst von uns allen. L'Chaim!“ / Holger Böken, * 23. November 1964 / Dipl. Ing. Ingrid Renate Diefenbach, * 20. Januar 1944, Architektin / PD Dr. phil. Heinrich Parthey, * 13. August 1936
Stolperstein – In der Belziger Straße 39 in Schöneberg erinnert ein Stolperstein an Lothar Herbert Frey (Jg. 1899). Der Tankwart lebte mit Frau, Töchtern und einer Untermieterin im Gartenhaus des Wohngebäudes. Am 3. Februar 1943 wurde Frey mit seiner Familie und sieben Nachbarn nach Auschwitz verschleppt, wo er heute vor 77 Jahren ermordet wurde.
Encore
Falls sie bisher skeptisch waren gegenüber den Verschwörungssektierern, die Angela Merkel für die Tochter von Ernst Stavro Blofeld halten und Bill Gates für eine Art Dr. Mabuse – diese letzte Nachricht hier könnte Sie ins Wanken bringen: Die Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg ist kaputt. Na, klingelt’s bei Ihnen? Freiheit? Kaputt? Corona? Das kann doch kein Zufall sein!
Auch kein Zufall ist es, dass morgen früh der nächste Checkpoint erscheint ohne Aluhut checkt dann hier für Sie Stefan Jacobs die Lage. Bleiben Sie gesund, bis dahin,
