die hoffnungsfrohe Nachricht gleich zu Beginn: Das Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland wächst nicht mehr so „rasant“ wie in den vergangenen Tagen (RKI). Aber zugleich ist das eine gefährliche Nachricht: Die sich windende Kurve wird zur Schlange, der verbotene Apfel kurz vor Ostern zum faulen Ei. Jetzt wächst die Verlockung so exponentiell wie die Temperatur der Luft, plötzlich braucht es eine andere Widerstandskraft. Wir sind nicht dazu verurteilt, Covid-19 und die Folgen ergeben hinzunehmen. Aber wir sind auf Bewährung.
Der eigentliche Kampf dieser Tage aber wird zwischen Virologen und Volkswirtschaftlern geführt. Eine interdisziplinäre Gruppe des „Instituts für Wirtschaftsforschung“ will Industriebetriebe, Unis, Schulen und Kitas schon bald wieder öffnen. Gesundheitsexperten warnen dagegen dringend davor, die Auflagen und Kontaktbeschränkungen zu früh zu lockern. Der Gesellschaft steht nach dem großen Sprung in den sicheren Stillstand ein langer Balanceakt zurück ins Leben bevor.
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Auch die Polizei muss ausbalancieren, was ihr die Politik als zusätzlichen Corona-Ballast aufträgt – die neue Corona-Bußgeldregelung (CP von gestern) wird hier sehr kritisch gesehen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik rät ihren Leuten zu Augenmaß – im Tagesspiegel-Interview (Ausgabe Sonntag) sagt sie: „Wir werden nicht mit der Stoppuhr neben Menschen stehen, die eine Erholungspause auf einer Bank oder einer Wiese machen.“
Die Soforthilfe für Soloselbstständige und Kleinstunternehmer hat in Berlin gut und schnell funktioniert - aber die 14.000 Berliner Firmen mit 10 bis 50 Beschäftigten haben ein Riesenproblem: Bei der Notkreditvergabe werden sie von den Banken gegängelt und in untragbare private Risiken gedrängt, aber für direkte Finanzhilfen sind sie zu groß – jedenfalls in Berlin. Zehn andere Bundesländer gewähren auch diesen Unternehmen unbürokratische Zuschüsse, der Senat aber tut sich damit schwer und verweist an den Bund. Das Pleitekarussell beginnt sich immer schneller zu drehen – hält es noch jemand an?
Ich habe darüber gestern mit IHK-Präsidentin Beatrice Kramm gesprochen, hier ihre Einschätzung:
„Große Teile der Berliner Wirtschaft befinden sich seit drei Wochen im politisch verordneten künstlichen Koma. Die Folgen für die Unternehmen sind verheerend. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gesundheit geht vor, deshalb unterstützt die Wirtschaft die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Aber mittelständische Unternehmer, die hunderttausende Jobs in Berlin sichern, gehen bei den Zuschüssen bislang leer aus, für sie wird die Lage immer dramatischer: Sie fühlen sich im Stich gelassen. Ihnen muss mit Zuwendungen geholfen werden – und zwar zügig, denn sonst droht einer Reihe von Unternehmen, die vor vier Wochen noch kerngesund und prosperierend waren, die Insolvenz. Mit fatalen Folgen nicht nur für die Beschäftigten, sondern für die ganze Stadt.“
In der Politik ist zu hören: Am Wochenende soll darüber nochmal gesprochen werden. Besser wär’s. Es ist einem Berliner Unternehmer eben schwer zur vermitteln, warum er ein paar Meter weiter in Brandenburg bis zu 60.000 Euro bekommen kann, hier aber nichts.
Bewegung kommt auch in die Kreditvergabe: Nach Tagesspiegel-Informationen ist die Bundesregierung bereit, ein Paket in Höhe von 300 Milliarden Euro bereitzustellen – und das Geld ohne vorherige Prüfung zu vergeben. Eine kaum vorstellbare Summe. Aber der Bund kann dabei kaum mehr verlieren, als ihn eine neue Massenarbeitslosigkeit kosten würde.
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Ich bräuchte übrigens mal einen Elektriker, und auch sonst wäre hier einiges zu tun. Normalerweise sind die Wartezeiten lang, das Handwerk hat gut zu tun – aber was ist heute schon normal. Wäre das vielleicht gerade jetzt die richtige Zeit für einen Auftrag? Und was ist dabei zu bedenken, was ist erlaubt? Das und einiges mehr habe ich gestern Handwerkskammer-Präsidentin Carola Zarth gefragt – hier Ihre Antworten:
Wie sehr trifft Corona das Handwerk?
Ungeschoren bleibt niemand. Aber das Handwerk ist sehr unterschiedlich durch die aktuelle Situation betroffen: Friseure und Kosmetikerinnen können wegen des Kontaktverbots gar nicht arbeiten. Goldschmiedinnen und Fotografen können zwar in ihren Werkstätten arbeiten, aber keine Produkte im Einzelhandel verkaufen. Installateure und Elektriker können ihre Leistungen mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen anbieten, aber die Kunden sind durch das Virus verunsichert und stornieren Aufträge. Gerüstbauer und andere Bauhandwerker können und wollen arbeiten, bekommen aber mitunter durch die ausgedünnte Verwaltung nicht die notwendigen Genehmigungen…
Wie zufrieden ist die Handwerkskammer mit den Berliner Hilfsprogrammen?
Wir haben großen Respekt vor dem, was insbesondere in der IBB geleistet wird. Die Vergabe der Zuschüsse an die kleinen Betriebe und Soloselbständigen in der ersten Runde lief beeindruckend – wir haben viele Rückmeldungen erhalten, in denen insbesondere gelobt wurde, wie schnell die Gelder tatsächlich auf den Konten eingegangen sind. Dass Berlin gleich zu Beginn Landes- und Bundeshilfe gekoppelt hat, war eine sehr gelungene Maßnahme. Hut ab! Nun startet am Montag die zweite Welle mit der Vergabe der Bundesmittel. Natürlich hoffen und wünschen wir, dass dann auch Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten in den Genuss von Zuschüssen gelangen.
Was kann der Senat noch tun, um den Betrieben jetzt zu helfen?
Jetzt kommt es darauf an, schnell und zielgerichtet zu handeln, denn den Betrieben läuft die Zeit davon! Rechnungen für geleistete Arbeit muss die öffentliche Hand jetzt rasch begleichen. Es kann nicht sein, dass den Betrieben hieraus Liquiditätsengpässe entstehen. Aufträge müssen zügig vergeben werden, und wo bereits gearbeitet werden kann, muss dieses auch möglich sein. Notwendige Genehmigungen müssen jetzt schnell erteilt werden! Natürlich ist in der jetzigen Situation die Abstimmung untereinander herausfordernder, da mitunter dezentral und im Homeoffice gearbeitet wird. Aber jetzt ist auch die Stunde, in der wir – Betriebe und Verwaltung – gemeinsam die Stadt am Laufen halten müssen! Und dafür müssen wir verhindern, dass unsere Wirtschaft auch noch ohne Not Schaden nimmt.
Handwerker zu finden, war oft schwierig. Ist es vielleicht gerade jetzt die richtige Zeit, Aufträge zu vergeben?
Ein klares Ja! Unsere Handwerkerinnen und Handwerker möchten arbeiten – und Sie können dieses auch unter Einhaltung der Sicherheits- und Hygienestandards tun. Daher ist mein Appell an die Berlinerinnen und Berliner: Sprechen Sie die Betriebe an und überlegen Sie gemeinsam, was und wie es getan werden kann. Das gilt sowohl für Privatkunden als natürlich auch für die öffentliche Hand.
Welche Art von Aufträgen dürfen Handwerker jetzt ausführen, zum Beispiel in Privatwohnungen?
Handwerker dürfen arbeiten und ihre Leistungen anbieten. Mit Ausnahme der körpernahen Dienstleistungen, die Friseurinnen und Kosmetiker erbringen, ist alles denkbar. Und möglich, denn zum Beispiel die Einhaltung der Sicherheitsabstände ist in den überwiegenden Fällen kein Problem. Gegenseitige Rücksichtnahme und persönlicher Schutz sollten offen angesprochen und deutlich gemacht werden. Denn, so lautet ja unser Motto: „Wir sind Handwerker – wir können das!“
Ist es eine naive Idee, dass jetzt auch Berlins marode Schulen schneller saniert werden könnten?
Nein! Die Herausforderung besteht darin, keine Zeit mehr zu verlieren. Seit der Schließung der Schulen ist schon einige Zeit ins Land gegangen. Leider wurde sie für die notwendigen Schritte wie Ausschreibung, Vergabe, Beauftragung und so weiter nicht genutzt. Die Zeit drängt, denn die Schulen werden auf Sicht ihren Betrieb wiederaufnehmen. Da müssen Aufträge so vergeben werden, dass unsere Betriebe sie zügig ausführen können.
Soweit das Interview mit Handwerkskammer-Präsidentin Carola Zarth. Also: Wenn Sie in ihrem Haushalt schon immer mal etwas erledigen lassen wollten – dann jetzt.
Die größte Herausforderung in diesen Tagen: trotz Abstandsregeln, Homeoffice und Besuchsverbot einander nah zu bleiben, Gedanken, Sorgen, Sehnsüchte und Wünsche zu teilen. Wir haben uns deshalb vier einfache Fragen überlegt, die Sie allen Menschen, die Ihnen lieb und wichtig sind, per Brief, per Mail, per Anruf oder Videochat stellen können. Und deshalb würden wir auch von Ihnen gerne wissen:
1) Mit welchen Gedanken wachen Sie morgens auf?
2) Was macht Ihnen die größte Sorge?
3) Wen oder was vermissen Sie?
4) Worauf freuen Sie sich?
Ihre Antworten möchten wir gerne in der kommenden Woche im Checkpoint dokumentieren – an jedem Tag bis zur Osterpause jeweils zu einer Frage. Und dann teilen auch wir mit Ihnen unsere Gedanken, Sorgen, Sehnsüchte und Wünsche. Wir freuen uns auf Ihre Mails an checkpoint@tagesspiegel.de.
Fast unbemerkt haben gestern die Osterferien begonnen - und wie viele von Ihnen hatten auch wir uns darauf gefreut: Pläne gemacht, mit Freunden und Familie verabredet, Reisen gebucht. Und jetzt hängen wir alle in der Luft, ohne fliegen zu können. Auch die Reisebüros, Urlaubsveranstalter und Ferienhausvermieter wissen nicht, wie es weitergeht. Sie hoffen auf unseren Mut, uns jetzt schon für die Zeit danach festzulegen. Aber wann ist „danach“? Also: Wer traut sich, an die nächsten Ferien zu denken und welche wären das dann? Na dann mal los – Sie sind dran:

Telegramm
Auch das Telegramm beginnt heute mit Corona-Meldungen aus Berlin:
400.000 Atemschutzmasken sind am Flughafen Bangkok nicht nach Berlin verfrachtet worden, sondern in die USA gelandet. Innensenator Andras Geisel nannte das einen „Akt moderner Piraterie“, ein Sprecher der Maskenfirma widersprach: „Wir wissen nichts von einer Bestellung der Berliner Polizei.“
Und nochmal Andreas Geisel – der Innensenator schreckte die Leute gestern mit einer Prognose von der Parkbank auf: „Ich fürchte, das wird uns das ganze Jahr über begleiten.“ Sein Sprecher korrigierte kurz danach: Alles nicht so gemeint. Und doch…
Die Zahl der Parkbesucher ist in Berlin übrigens laut Google im Vor-Corona-Vergleich um 63 Prozent gesunken (falls alle ihr Handys mit dabeihatten).
Auch das Ansegeln fällt ins Wasser (Vereinsgelände dürfen laut Verordnung nicht benutzt werden) – es sei denn, Sie haben einen eigenen Bootssteg (aber das sollten Sie derzeit lieber nicht zur Schau stellen).
Nachdem gestern Mittag auch die letzte Schulleiterin ihre Geisterschule Richtung Wohnungsferien verlassen hatte, verschickte endlich auch die Berliner Bildungsverwaltung eine Dienstmail mit Sicherheitshinweisen und Anweisungen fürs Abitur (Prüfungsbeginn 20.4.) – sie sollen Klinken putzen (u.a.). Falls Schülerinnen und Schüler unter den hier beschriebenen Voraussetzungen überhaupt antreten, haben sie unabhängig von der Note eine Wildcard für den Studiengang Verwaltungswissenschaften verdient.
Einen kleinen Trampolineffekt haben die Auftritte von Angela Merkel für die Berliner CDU: Die Anerkennung fürs Krisenmanagement aus dem Kanzleramt befördert die größte Oppositionspartei von 16,1% auf 20% - und damit auf Platz 2 hinter den Grünen, die in die andere Richtung unterwegs sind (-1 auf 24%) Auf den weiteren Plätzen: SPD 16,4 (+0,3), Linke 16,2 (-1,3), AfD 11,4 (-0,5), FDP 5,1 (-0,4). (Q: Civey / Alle Zahlen vom 1. April im Vormonatsvergleich).
Und hier drei Corona-Meldung aus den Hochschulen:
1) Das Studierendenwerk teilt mit: „Achtung! Der Notfonds wurde zwar aufgestockt, aber auch diese Mittel sind bereits erschöpft. Wir haben die Notfonds-Seite jetzt abgeschaltet und nehmen bis auf weiteres keine Anträge mehr an.“
2) In der Hochschulmedizin haben die Studierenden jetzt doch die Wahl (CP von gestern): Sie können entweder ihr Staatsexamen wie geplant im April ablegen und dann wie geplant ins „Praktische Jahr“ gehen – oder es genau umgekehrt machen. Wissenschaftsverwaltung und Charité hatten diese Lösung befürwortet, die Entscheidung traf die Gesundheitsverwaltung.
3) Für soziales Corona-Engagement könnte es nach Tagesspiegel-Informationen in Berlin bald „Credit-Points“ geben – in mehreren Hochschulen wird das erwogen, und Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach sagt dazu: „Ehrenamtliches Engagement ist uns in Berlin sehr wichtig und wird vom Senat ausdrücklich unterstützt. Ich finde es gut, wenn Hochschulen Möglichkeiten nutzen, um das Engagement von Studierenden zu honorieren.“
Ein wichtiger Hinweis für Checkpoint-LeserInnen außerhalb Deutschlands: Sie dürfen trotz Einreisesperre zu uns kommen – aber nur dann, wenn Sie Spargel stechen können (Entscheidung der Bundesregierung).
Wort des Tages: „Popup-Radweg“– drei weitere breite Instantspuren klebt das BA F’hain-Xberg auf folgende Straßen: Petersburger, Lichtenberger, Gitschiner. Am Halleschen Ufer können Radler einander bereits breit markiert mit Corona-Sicherheitsabstand überholen.
Mitte hat nicht nur „den coolsten Amtsarzt“ und „das coolste Logo“ gegen Corona (hier zu sehen – also das Logo, nicht der Amtsarzt), sondern auch den hottesten Bürgermeister (jedenfalls auf der Covid-19-Fiberkurve): Nach seinem Infektionsbekenntnis („Ich habe mich ja freiwillig angesteckt, weil ich meine Freundin nicht in der Quarantäne allein lassen wollte“) ist Stephan von Dassel jetzt sogar in Indien weltberühmt. Falls Sie Telugu lesen können – hier ist der Original-Bericht aus der „Sakshi Post“ (Auflage: 3,1 Millionen).
Aus dem Datenschutz-Bericht:„Als höchstproblematisch im Umgang mit Daten von Besucherinnen und Besuchern erwies sich das Stadtportal Berlin.de“ - hier erfolgte „ein intensives Tracking durch Drittanbieter.“
Zum heutigen „Weltschlagzeugertag“ (was es nicht alles gibt…) wird dazu aufgerufen, Corona „mit Trommeln in die Knie zu zwingen“. Könnte aber auch sein, dass hier und dort einige Nachbarn darnieder sinken und um Erbarmen flehen.
Und auch das gibt’s heute: den Kissenschlachttag. Das Beste daran in diesem Jahr: Sie müssen nicht mal nach Hause kommen, um daran teilzunehmen (Sie sind ja hoffentlich noch da, oder?).
Zur heutigen Lektion „Mathe mit dem Checkpoint“: In nur 5,5 Stunden registrierte die Polizei auf den Berliner Autobahnen 1460 Tempoverstöße. Frage: Wie hoch geht bei dieser Meldung der Puls der Verkehrssenatorin: Richtig: auf 180.
„+++Eil+++Hansi Flick bleibt länger Bayern-Trainer“ wirkt wie eine Meldung aus einer anderen Welt. Für heute war übrigens das Spiel BVB gegen FCB angesetzt, auch in einer anderen Welt. Jetzt wurde es in die Playstation verlegt, es bleibt beim Anpfiff um 18.30 Uhr. Ergebnisse nehmen wir entgegen unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Mit der Checkpoint-Laufgruppe waren wir gerade in die neue Saison gestartet, da mussten wir auch schon wieder aufhören. Und morgen hätte der Berliner Halbmarathon stattgefunden - auch den hat Corona lahmgelegt. Stephan Bischoff gehört zu denen, die auf den Halbmarathon trainierten und im Frust über die Absage produktiv wurden: Unter dem Motto „individuell - virtuell – dezentral“ ruft er zum „Socialrunning“ auf. Und so geht’s: Vom 6. bis 16. April läuft jede*r eine selbstgewählte Distanz, mit einem persönlichen Kilometer-Sponsor wird ein Spendenlauf zugunsten verschiedener Corona-Hilfsprojekte daraus (alle Infos dazu hier). Team Checkpoint ist natürlich dabei – wir freuen uns über Verbreitung unter #socialrunning auf Facebook, Instagram und Twitter.
Nachtrag zur Meldung „Abgeordnetenhaus streamt Ausschusssitzung, aber nur ins Abgeordnetenhaus“ (CP von gestern) – das Abgeordnetenhaus teilt mit: „Es freut Sie sicher zu erfahren, dass die gestrige Info auf einem hausinternen Missverständnis beruht. Die Sitzung wird öffentlich in Bild und Ton gestreamt. Wir bitten das Versehen von gestern zu entschuldigen.“
Die 99 wichtigsten Fragen und Antworten zu Corona mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen haben wir hier für Sie aufbereitet und komplett aktualisiert. Wenn Sie das gelesen haben, wissen Sie, was die Experten wissen (und auch, was nicht) – Sie brauchen dafür nur ungefähr 9,9 Minuten.
Und am Sonntag veröffentlichenwir im Tagesspiegel unseren vierseitigen Corona-Lebenshilferatgeber zum Herausnehmen (oder auch zum Abspeichern) – damit Sie die wichtigsten Servicehinweise immer mal wieder nachlesen können, ohne lange suchen zu müssen (und gut und gesund durch die Krise kommen).
Durchgecheckt
Lukas Klünter, 23, spielt seit 2018 in der Abwehr für Hertha BSC. Foto: dpa
Herr Klünter, Sie mussten zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen, weil einer Ihrer Teamkollegen positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Was haben Sie als Erstes gemacht, als es vorbei war?
Ich bin erst mal einkaufen gegangen, weil der Kühlschrank relativ leer war. Wir waren zwar ganz gut ausgestattet, aber am letzten Tag ist es ein bisschen eng geworden. Sonst haben meine Freundin und ich die häusliche Quarantäne eigentlich ganz gut über die Bühne gebracht. Wir haben, wie das gerade viele tun, versucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Auch mit Dingen, die sonst zu kurz kommen. Wir haben angefangen zu malen, sind ein bisschen kreativ geworden.
Was vermissen Sie ganz besonders am fehlenden Fußball?
Die Kommunikation mit den Kollegen. Aber ich glaube, das ist bei jedem Fußballer so, egal ob in der Ersten Liga, der Zweiten, der Dritten oder ganz unten. Dass du mit deiner Mannschaft zusammen bist, ein paar Witze machst, das fehlt. Und das ist wirklich ein großer Einschnitt.
Besteht derzeit überhaupt Kontakt zu Ihren Mitspielern?
Wir schreiben. Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger. Wir haben auch Videokonferenzen mit den Trainingsgruppen. Da sieht man sich zumindest mal wieder und kann ein bisschen quatschen. Aber die kleinen Spielereien untereinander, die bleiben natürlich auf der Strecke.
Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?
In den beiden Wochen, in denen wir zu Hause bleiben mussten, haben wir viel auf dem Spinning-Bike gemacht. Jetzt dürfen wir wenigstens zum Laufen wieder raus. Die Umstellung ist schon groß, die Umfänge sind intensiv. Da hat sich der Athletiktrainer einiges einfallen lassen. Die Beine haben am Anfang schon sehr stark gebrannt. Aber das legt sich nach zwei, drei Tagen auch wieder.
Wie fit fühlen Sie sich?
Wenn man jeden Tag Sport macht, jeden Tag auf dem Fußballplatz steht, jeden Tag Zweikämpfe führt und dann zwei Wochen lang nur auf dem Fahrrad sitzt, dann ist es natürlich ein anderes Gefühl. Aber das Programm ist nicht unbedingt weniger anstrengend, und die Fitness nicht unbedingt schlechter. Im Gegenteil. Ich habe auch noch viel zusätzlich für meinen Körper gemacht. Gerade in dieser Zeit kann man noch mal das eine oder andere auflegen. Man muss aus dieser Situation auch das Positive mitnehmen. Wann hat man schon mal so viel Zeit, an sich zu arbeiten, und so viel Anleitung vom Trainerteam?
Aber mit dem Ball können Sie derzeit nicht trainieren.
Ich habe das Glück, dass zu meiner Wohnung ein kleiner Garten gehört. Da habe ich ein Rebound-Netz, so dass man ein bisschen mit sich alleine spielen kann. Es ist nicht ganz wie draußen auf dem Platz, aber in den nächsten Tagen werde ich da noch ein bisschen vorstehen.
Ist es nicht absurd, dass die Bundesliga schon Anfang Mai ihren Betrieb wieder aufnehmen will?
Das ist eine verrückte Situation. Aber den Plan zu haben, dass es mit dem Fußball weitergeht und sich dafür ein Datum zu setzen – das finde ich jetzt erst einmal gar keine falsche Idee. Und ich stelle mich lieber darauf ein, dass es losgeht, und bereite mich dafür vor. Das mache ich jeden Tag hier zu Hause, mit dem Training, mit der Ernährung, mit dem Verhalten.
Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Den vielleicht perfekten Quarantäne-Soundtrack liefert Alvin Lucier mit dem Hörstück „I am sitting in a Room“ (1969). Lucier spricht seinen Text zunächst über ein Mikrofon auf ein Tonband. Dann ersetzt er sich selbst durch einen Lautsprecher, über den die eben gemachte Aufnahme wiedergegeben wird – und nimmt auch das wieder auf. Er wiederholt den Vorgang bis seine Stimme nach zig Durchgängen völlig aus der Aufnahme verschwunden ist und nur die Raumakustik hörbar bleibt. Mensch löst sich in der Wiederholung des Immergleichen auf. Hätte sich auch Samuel Beckett als Beschäftigung für die Qurantäne ausdenken können. Die Urfassung dauert etwa 45 Minuten und sei allen ans Herz gelegt, die dieser Tage öfter gedankenverloren an die Wand starren – sowie auch denen, die nicht dazu kommen. Im Anschluss noch William Basinskis „Disintegration Loops“. Hier hört man Tonbändern dabei zu, wie sie durch Abnutzung immer mehr verschleißen. Ob man es nun Prozesskunst oder Musik nennt, in beiden Fällen geht es darum, seine Zeit möglichst sinnlos zu nutzen und genau das ist echte Freizeit.
Samstagmittag – Nichts anderes tun im Grunde auch Pflanzen und vermutlich haben sie genau deswegen einen beruhigenden Effekt auf uns. Wer keinen Park vor der Tür hat und das Grün vermisst, das nur mit Bus und Bahn erreichbar ist, hole sich die Natur doch nach Hause. Bei Boomki zum Beispiel sind Bonzais samt allem erforderlichen Drumherum wie Literatur und Ikebana-Werkzeug bestellbar. Und, wer hätte es gedacht, eine Klangkunst-Abteilung gibt es auf der Website auch. Außerdem ist seit heute, 9 Uhr der Staudenmarkt des Botanischen Gartens online geöffnet, wo Sie Stauden, Pflanzen, Sträucher, Bäume, Blumenzwiebeln, Saatgut und Gartenzubehör bestellen können, um in der kommenden Zeit auch drinnen ein bisschen draußen zu sein. Dass Pflanzen übrigens auch gerne Musik hören ist längst pseudowissenschaftlich erwiesen. Eine Inspiration zur floralen Unterhaltung gibt es hier.
Samstagabend – Im Ballhaus Ost hätte heute die Premiere des Stückes „Family of the Year“ des politischen Dokumentartheaterkollektivs cmd+c stattgefunden. Aber weil wir es nicht gerne bei Konjunktiven belassen, sprechen die Mitglieder des Kollektivs Marina Prados, Paula Knüpling und Ronald Berger um 20 Uhr im Livestream über das Thema queere Kinderwünsche und die Herausforderung, die diese an Herkunfts- und Wahlfamilien stellen.
Sonntagmorgen – Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts fragen sich viele, was die ganze Happening- und Fluxuskultur eigentlich sollte. Nun, vielleicht kommt uns einiges davon heute zugute. Der „Water Walk“ von John Cage verbindet die Musik mit Theater, körperlicher Ertüchtigung und Haushalt und beweist, dass man kein Instrumentalvirtuose sein muss, um Musik zu machen. In diesem Fall genügt es, seinen Haushalt zu kennen. Das Stück schreit nicht nur danach, nachgemacht zu werden, sondern auch die eigene Einrichtung auf Potenziale zu erforschen. Übrigens nicht nur was für vereinsamende Eremiten – man trage mal mit Kindern die interessantesten Geräuschmacher des Haushalts zusammen und überlege sich gemeinsam musikalische Abläufe, die man mit selbst ausgedachten Symbolen auf eine Zeitachse zeichnet. Auskomponiertes Aufräumen oder Blumengießen zum Beispiel. Wer den Sportanteil erhöhen möchte, orientiere sich an Parcours-Athleten wie diesem hier.
Sonntagmittag – Die Schaubühne streamt um 18 Uhr einen Mitschnitt von Falk Richters monumantalem „For the Disconnected Child“. Das Stück handelt von den Hürden des Singledaseins in einer zunehmend digitalisierten Welt, wie man das 2013 ausgedrückt hat, als es hierzulande noch keine Quarantänesingles gab. Was würde Adorno davon halten? Sein Nachfolger als Chef des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, Axel Honneth, ist der Frage empirisch nachgegangen und soll sich beim Versuch, an einer interkontinentalen Videokonferenz teilzunehmen, in einem sich plötzlich bis zur Unendlichkeit vervielfältigenden Rückkopplungstunnel wiedergefunden haben – was für ein Bild für die Untiefen der Kritischen Theorie. Oder ihre Entrückung.
Sonntagabend ist Wochenendeende und wer Kinder oder Partner hat, die zurzeit nicht so gut einschlafen, kann sich ebenfalls darüber freuen, dass die Kunst ihrer Zeit stets voraus ist. Eine Textpartitur von Alvin Lucier, Titel „Lullaby“ von 1980, beginnt so: „Blasen Sie sacht weißes Rauschen (geflüsterter Klang) um den Kopf des Kinds herum, dessen Tonhöhe und Geschwindigkeit sowie Richtung und Form die Bewegung von Wind, Wasser, Wetter, Vögeln, Fisch, Pflanzen, Bäumen, Sternen, Meteoren, Raketen, Düsenflugzeugen, Geistern, Rauch, fliegenden Tassen und Untertassen und anderen realen und eingebildeten Phänomenen assoziieren läßt“. Ja, die Raketen und Düsenflugzeuge muss man ihm schon nachsehen – Kinderträume anno 1980 eben. Man träume sie sich einfach mit grünem Antrieb und biologisch abbaubarer Hanfhülle. Ein schönes Wochenendeende und gute Nacht.
Mein Wochenende mit
Ohne Ran Huber würde der Berliner Indie-Musikwelt was fehlen. Mit seiner Plattform AmSTARt hat er bereits knapp 1000 Konzerte veranstaltet und so manchen unbekannten Namen groß gemacht. Jetzt sammelt er für seine Künstler. Foto: Robert Geismar
„Unter der Woche arbeite ich zurzeit normal durch, was überwiegend Krisenmanagement bedeutet. Konzerte müssen verlegt oder aufs Internet umgelegt werden. Ich buche momentan Bühnen ab August, wir werden sehen, ob das realistisch ist. Für jedes einzelne Konzert prüfe ich, inwieweit es als Livestream noch finanzierbar ist, muss dabei die sich täglich ändernden Neuregelungen auf dem Schirm behalten. Für Künstler, die gerade ein neues Release hatten, das sie normalerweise über Konzerttourneen bewerben würden, müssen wir uns alternative Vermarktungsstrategien überlegen. Dann mache ich Öffentlichkeitsarbeit und betreibe eine Spendenkampagne, die, wenn sie gut läuft, es mir ermöglichen kann, Ausfallhonorare an Künstler auszuschütten. Sehr dankbar bin ich für die unkomplizierte IBB-Förderung, die tatsächlich viel auffängt – durch die Kampagne und die IBB sind die nächsten drei Monate vorerst sicher. Dann bin ich als Promoter an dem Projekt „Ghosttown“ beteiligt, das mit Open-Air-Konzerten auf das Clubsterben Berlins aufmerksam macht. Das ist eigentich Wochenplanung, aber all das kann schon mal ins Wochenende reichen, auch wenn ich versuche, es mir so weit wie möglich freizuhalten. Zum Beispiel um den mittlerweile mehreren Hundert Leuten persönlich zu danken, die bislang gespendet haben. Ich bin wahnsinnig gerührt von der Wertschätzung, die uns damit entgegenkommt. Ansonsten treffe ich meine Freundin und wir machen Spaziergänge möglichst abseits eingetretener Pfade in der Neuköllner Gegend. Essen werden wir wahrscheinlich beim sehr guten „Sippi“ in der Sanderstraße 10a holen, die bieten gerade einen Takeaway-Service an. Ich schaue außerdem auch sehr gerne einfach in den Himmel.“
Leseempfehlungen
Textpartituren sind Handlungsanweisungen im weitesten Sinne, von denen die meisten zumindest einen klanglichen Bezug haben – John Cage meinte mal, man müsse sie nicht als Musik begreifen, wenn einem der Begriff Angst einflöße. Daneben gibt es grafische Partituren, dreidimensionale Notationsformen und das ganze Spektrum des Symbolischen, mit dem man Bewegungen beschreiben kann – man mache sich nur einmal bewusst, das Klang immer das Artefakt einer Bewegung ist, schon rücken Musik und Choreographie-Notation recht nahe zusammen. Ein wunderbarer Ideengeber ist der leider schon seit Jahren vergriffene Katalog zur Ausstellung „Notation“ der AdK von 2008. Noch zu haben ist dagegen der Band „Reflexionen“ mit Inteviews, Notationen und Texten Alvin Luciers, der auch die oben genannte „Lullaby“-Partitur (siehe Sonntagabend) enthält.
Keine Ressourcen für inspirierte Freizeit, aber dafür Angst vor sexuellen Übergriffen und dem Stigma haben queere Geflüchtete in Zeiten der Coronakrise. Nina Held, Mengia Tschalaer und Danijel Ćubelić haben ein bewegendes Stück über die Situation und ihre psychischen Folgen für die Betroffenen geschrieben, ohne einen besonders bewegenden Ton anzustimmen. Die Fakten tun es von selbst.
Wochenrätsel
Das Gericht hat entschieden: Wofür darf es in Berliner Uniprüfungen offiziell keinen Punktabzug geben?
1) Das Tragen von Jeans und gepunkteten Oberteilen
2) Das Tragen von Pandamasken
3) Das Tragen eines Pyjamas
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Und wir verabschieden uns mit einem schlechten Witz: Peter Handke war ab ersten April kurzzeitig Twitterer. Wen das Datum skeptisch stimmt, der hat ganz Recht. Es handelte sich natürlich um einen mittlerweile wieder gelöschten Fake-Account, der aber für einiges Aufsehen in der Bubble gesorgt hat. Einer, der in einer Linie mit Homer und Tolstoi steht, auf Twitter? Er darf doch wohl bitten. Am zweiten April hat der Fake-Handke ziemlich pietätlos den Tod von Regisseur Wim Wenders verkündet und wie man es auch dreht, es ist und bleibt nicht witzig. Was lernen wir daraus? Es gibt einfach keine guten Lacher im Falschen. War das nicht auch Adorno?
Ihnen wünschen wir eine ganze Menge zu Lachen und ein beschwingtes Wochenende trotz aller Einschränkungen,