Grau und bewölkt bei bis zu 4°C

Weiterhin im Zielfeuer der russischen Truppen: die Großstädte der Ukraine Berlin wird zum Zentrum der Flucht: Allein gestern kamen hier mehr als 10.000 Menschen aus der Ukraine an Nur wenige Berliner Lehrkräfte nutzen ihre digitalen Dienstgeräte

zunächst wieder der Blick auf die wichtigsten Ereignisse in den Nachtstunden bis heute früh:

+++ Russische Truppen setzen nach ukrainischen Armeeangaben ihre Offensive gegen die Ukraine mit Luftunterstützung und dem Einsatz von Hochpräzisionswaffen fort. Die Hauptanstrengungen der russischen Seite bestünden darin, die Städte Kiew und Charkiw zu umzingeln, heißt es in einem in der Nacht zu Samstag veröffentlichten Bericht der ukrainischen Armee.

+++ Der Hafen von Mariupol ist laut Bürgermeister Boitschenko unter "Blockade" russischer Streitkräfte. Zahlreiche ukrainische Behörden arbeiteten daran, dass die strategisch wichtige Großstadt mit 440.000 Einwohnern einen humanitären Korridor erhalte und für diese Zeit ein Waffenstillstand erklärt werde, teilte Boitschenko mit.

+++Wie CNN berichtet, warnte die Belegschaft des AKW Saporischschja, das in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von russischen Truppen beschossen und eingenommen wurde, die Angreifer mehrmals

+++ Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), hat die Bundesregierung aufgefordert, die Einfuhr von Kohle und Öl aus Russland zu beschränken. Weber bezeichnete es als "absurd", dass der russische Präsident Wladimir Putin trotz der wegen des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen des Westens weiter "seine Kriegskasse durch eine höhere Nachfrage und höhere Preise füllen" könne.

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Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Antikriegslyrik hat in Deutschland eine traurige Tradition. Wer hätte gedacht, dass dieses Genre noch zu unseren Lebzeiten wiederaufleben würde? Gedichte zur aktuellen Lage sammelt der Berliner Trabanten Verlag über einen eigens dafür eingerichteten Instagram-Account. Wer also nicht nur lesen, sondern der Welt auch selbst mitteilen will, was ihm in Sachen Krieg und Frieden auf den Nägeln brennt, findet hier einen Kanal – und darf hoffen, mit seinem Beitrag am Ende in die Auswahl derer zu gelangen, die in einem Lyrik-Sammelband abgedruckt werden.

Samstagmittag – Wer der Worte überdrüssig ist, begibt sich ins Radialsystem. Die Klanginstallation Myriad II der britischen Komponistin Rebecca Saunders besteht im Wesentlichen aus 2.464 Spieluhren, die allesamt verschiedene Stücke auf ihren Walzen tragen: Kinder- und Volkslieder, Klassisches und Popsongs. Der Clou: In der Installation klingen sie alle zusammen – ihre Töne werden so zu immer neuen Melodien, Harmonien und Clustern rekombiniert, deren Menge möglicher Klänge gegen unendlich läuft. Wer schon mal das Zirpen tausender Grillen, etwa auf Kreta, gehört hat, bekommt eine ungefähre Vorstellung von der möglichen Kraft solchen Zusammenklangs – den Komponisten Yannis Xenakis beflügelte dieser Eindruck seinerzeit zu ganz neuen Kompositionstechniken. Ab 14 Uhr ist die Installation zu hören. Ab 15 Uhr kommen im Stundentakt Musiker:innen hinzu, die bei laufender Installation Partituren der Komponistin aufführen und so endgültig ein Plädoyer für Zusammenklang und das Aushalten von Spannungen liefern.

Samstagabend – Ganz andere Klangwelten eröffnen Mya Dyberg und Matthias Müller mit einer von den beiden kuratierten Reihe bei Au Topsi Pohl (Pohlstraße 64, U-Bhf. Kurfürstenstraße), die heute Abend mit einem Abschlusskonzert endet. Als Säulen der Berliner Free Jazz– und Neuen Impro-Szene, glänzen die Saxophonistin und der Posaunist nicht nur im Duett, sondern können für so eine Reihe natürlich aus einem reichen Pool hervorragender Musiker:innen schöpfen. Heute Abend stehen mit ihnen Tom Arthurs (Trompete), Antti Virtaranta (Bass) und Christian Marien (Schlagwerk) auf der Bühne. Außerdem, apropos andere Klangwelten, laufen die Clubs wieder fast im Normalbetrieb – welche Regeln noch gelten, hat Robert Kiesel hier zusammengefasst.

Sonntagmorgen – Spielen und Krieg, wie geht das denn zusammen? Im FEZ, zum Beispiel, wird es mit einer Hilfsaktion verbunden. Zwischen Samstag und Dienstag von jeweils 11 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr werden vor dem Hauptgebäude (Straße zum FEZ 2) Sach- und Geldspenden gesammelt, die anschließend von FEZ-Mitarbeiter:innen an Bahnhöfen an ankommende Geflüchtete aus der Ukraine weitergegeben werden sollen.

Sonntagmittag – Es war einmal, vor langer Zeit, als alle Lautsprecher mono waren: Aufnahmen selbst ganzer Orchester wurden von einer einzigen, punktuellen Schallquelle wiedergegeben. Die Zeit brachte Stereo, Quadrophonie und Mehrkanal-Systeme, die mit der sogenannten Wellenfeldsynthese einen Höhepunkt erreichten – ein vom Frauenhofer Institut entwickeltes System mit 2700 einzelnen Lautsprechern im Raum ist etwa an der TU Berlin zu hören; ab und an werden dafür spezielle Kompositionsaufträge vergeben. Bestens vertraut mit all diesen Techniken ist auch Martin Supper, ehemaliger Leiter des UNI.K Studios für Klangkunst und Klangforschung der UdK Berlin. Seine Antwort auf die Geschichte der Klangerzeuger ist ein mit acht in verschiedene Richtungen abstrahlenden Lautsprechern ausgestatteter Oktaeder, der eine besonders enge Beziehung zu seinem umliegenden Raum entwickeln soll. Um 16 Uhr eröffnet seine Ausstellung im CLB am Moritzplatz mit einer Performance der Klarinettisten Jürgen Kupke und Thorsten Müller, die mit den Klängen vom Oktaeder interagieren sollen. Eine anschließende Gesprächsrunde rundet das sechseckige, zwölfkantige und achtflächige Programm ab.

Sonntagabend – Man kennt es: Wer gerne öffentliche Gerichtsverfahren mitverfolgt (wer nicht?), ist Sonntags natürlich arm dran. Die Amtsgerichte haben allesamt zu und das Fernseh- oder Streamingprogramm bietet keinen echten Ersatz. Wie gut, dass die Macher vom Theater Verlängertes Wohnzimmer (Frankfurter Allee 91) an uns denken und ein Stück zur Uraufführung auf die Bühne bringen, das zum hierzulande üblichen Gerichtsgedöns etwas Abwechslung schafft. Und zwar mit Geschworenen. Jawohl, ein Geschworenengericht in Berlin 2022. Es geht um ein Kapitaldelikt, Migrationshintergrund, Vorurteil und Vorverurteilung. Tickets kosten 13 / 9 Euro.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Neulich trafen Chantal, die charmante Sau von Nebenan, und ich beim Spaziergang auf eine interessante skulpturale Arbeit: Eine offensichtlich mit eher grobem Werkzeug ins Holz geschnitzte Form, die das Innere des Baums offenlegte – und zugleich auch den künstlerischen Eingriff in denselben. Sich selbst dekonstruierend, hätten wir früher im Studium gesagt. Sehr interessant, formschön, ausdrucksstark und künstlerisch schon dadurch wertvoll, da absolut sinnlos. Dachten wir zumindest. Wie sich herausstellte, handelte es sich lediglich um das Werk eines sogenannten Preppers – denselben trafen wir nämlich später im Wald bei der Arbeit und er erklärte uns stolz, dass ihm die Gegenwart Recht gebe: Die Vorbereitung auf den Weltuntergang sei schon immer eine gute Idee gewesen. Als Biber habe er dafür einen Instinkt gehabt. Seine Erzählweise war so mitreißend, dass Chantal und ich kurz überlegten, ebenfalls einen Baum anzunagen, um etwas Holz auf die hohe Kante zu legen. Ließen aber nach den ersten Nageversuchen wieder davon ab. Wenn auch Sie einmal Spuren der Biber bestaunen möchten: Im Naturpark Märkische Schweiz sind sie zahlreich vorhanden. Statt uns ebenfalls bodennah zu verschanzen, erklommen wir aber lieber den Wasserturm Waldsieversdorf. Von da oben aus kann man nämlich sehr weit schauen, zum Beispiel, ob wirklich etwas kommt. Es kam nichts, da sind wir wieder runtergestiegen. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Während wir uns allerorten zu Recht der ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine annehmen, will ein Berliner so lange dort bleiben, wie möglich. Christoph Kluge (Abo) sprach den Ostukraine-Forscher Tim Bohse.

Fabian Leonhard, Gründer des Berliner Trabanten Verlags, lässt mit Antikriegslyrik gegen die Sprachlosigkeit anschreiben. Lisa Rakowitsch (Abo) hat ihn gesprochen.

Und zum Schluss etwas Gelbes, denn gelb ist die Sonne, die Kerzenflamme, das Yellow Submarine und natürlich auch das berühmte und allem Anschein nach immer berühmter werdende Segelboot, das seit 2019 langsam aber sicher kontinuierlich im Behördensumpf versinkt. André Görke (Abo) vollzieht den Amtsweg nach.

Wochen­rätsel

Im Wert von etwa 20 Millionen Euro liegen sie in Berliner Schulen ungenutzt rum (und: Was sagt das eigentlich über Berliner Schulen aus?):
a) Laptops
b) Skateboards 
c) Zahnbürsten

Encore

Zum Schluss suchen wir noch etwas Ablenkung… und finden sie auf den Galapagos-Inseln. Mit der Website „Iguanas from above“ können Sie Leguane auf Drohnenfotos suchen, um dabei zu helfen, mit den Zahlen einen Schutzplan zu entwickeln. Wenn Sie damit irgendwann fertig sind, ist dann hoffentlich auch der Krieg zu Ende.

Berlin-Nachrichten gesucht hat bei uns heute Lotte Buschenhagen, Lionel Kreglinger hat die Produktion gewuppt. Am Montag pirscht sich hier für Sie Stefan Jacobs durch das Dickicht der Großstadt. Bis dahin,

Lorenz Maroldt