Heute vor genau drei Jahren erschien der erste Checkpoint – und zum Geburtstag haben wir uns ein neues Layout spendiert. Sie können uns gern schreiben, wie es Ihnen gefällt.
Die allererste Checkpoint-Meldung am 24. November 2014 begann übrigens so: „Terminchaos am BER: Der neue Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel hat sich auf einen Eröffnungstermin für den BER festgelegt: ‚Eines Tages‘, sagt er, ist es soweit.“ Unser inzwischen berühmter BER-Counter stand da noch auf 895 Tage seit Nichteröffnung (mehr zum BER gibt’s gleich in den Meldungen). Seitdem hat sich viel getan, jedenfalls beim Checkpoint – inzwischen haben wir Leserinnen und Leser in aller Welt. Auf unserer interaktiven Karte haben wird diejenigen verzeichnet, die uns aus nahen und fernen Ländern geschrieben haben (zur Checkpoint-Weltkarte geht’s hier). Oft werden wir gefragt, wie und wann der Checkpoint eigentlich entsteht. Wir haben mal versucht, das in einer kleinen Bildergeschichte zu erzählen, in der wir auch das ganze „Team Checkpoint“ von heute vorstellen – hier ist sie.
Aber jetzt mal los mit den Meldungen des Tages:
Flughafenchef Lütke Daldrup bestätigt den Tagesspiegel-Bericht über „wesentliche Mängel“ am BER (CP von gestern), spricht aber von „bekannten Sachverhalten“. Das ist insofern richtig, als dass er selbst vom niederschmetternden Ergebnis der TÜV-Prüfung seit Mitte November weiß (wäre ja auch noch schöner) – allerdings war die Bedeutung der dramatischen Prüfergebnisse für den aktuellen Zeitplan bis gestern nicht mal dem Aufsichtsrat klar, logo: Er bekam den Bericht ja auch nicht vorgelegt. Offizielle Begründung: „Zu detailliert“. Inoffizielle Begründung: „Zu blöd“ (die Mitglieder). Ach ja, die Politik war natürlich auch nicht im Bild. Von der Öffentlichkeit, die jeden Tag Nichteröffnung mit fast einer Million Euro zahlt, ganz zu schwiegen.
Eine Mail zu den Neuigkeiten von Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa, der 2012 nach der geplatzten Eröffnung eine Entkernung des Terminals vorgeschlagen hatte (dann wäre der BER inzwischen in Betrieb) – er schreibt: „Das wird nichts mehr. Meine Empfehlung an Planer, Baufirmen, Flughafengesellschaft und Aufsichtsrat: Katholisch werden, Heiligenbilder aufstellen und um ein Wunder bitten.“
Das ist im heidnischen Berlin zwar gewagt, aber einen Versuch ist’s allemal wert. Bis Gott das Ding fertig baut, schauen wir aber noch mal nach, was uns Flughafenseelsorger Justus Münster in der letzten Ausgabe von „BER aktuell“ mit auf den Weg gegeben hat: „Die Sekunden verrinnen und dann die Minuten, schließlich die Stunden. Ein Tag vergeht und ein neuer Tag bricht an. Seit 2000 Jahren warten wir als Christinnen und Christen auf die Wiederkehr von Jesus Christus. Inzwischen hat sich bei uns mehr Geduld eingestellt …“ Aha. Kein Wunder, dass es da nicht voran geht.
Die Analysen und Berichte aus dem Tagesspiegel zum neuesten Stand am BER sowie den „Monster“-Plan und die Geschichten zu 2000 Tagen Nichteröffnung haben wir in einem Online-Dossier zusammengestellt – Sie finden es hier.
Ein Letztes zum BER für heute: Manche Kollegen würden ja offenbar eher einen Tag unbezahlten Urlaub nehmen, als eine anderswo publizierte Nachricht als Ausgangspunkt ihrer eigenen Recherchen zu benennen. Ein Beispiel: In der „Berliner Zeitung“ bezieht sich Frederik Bombosch auf der Titelseite heute erst verkniffen auf „einen Bericht“, den die Flughafengesellschaft bestätigt hat, weiter hinten schreibt Peter Neumann davon, dass die neuen Informationen über wesentliche BER-Mängel am Donnerstag „an die Öffentlichkeit gekommen“ sind, als wären sie vom Himmel gefallen; später, in seinem Kommentar, kommen sie genauso verschwiemelt „ans Tageslicht“. Alles wie von selbst. Dabei war Kollege Neumann doch schon auf dem richtigen Wortweg: Thorsten Metzner vom Tagesspiegel hatte sie ans Tageslicht gebracht.
P.S.: Sollte die „Berliner Zeitung“ demnächst mal eine exklusive Meldung von Relevanz haben: Sie erfahren es hier, im Checkpoint - mit Quellenangabe. Den Tagesspiegel-Bericht ordentlich erwähnt haben übrigens die „B.Z.“, „Bild“, „Morgenpost“, „Spiegel“, „Welt“…
Und damit zur Regierungskrise, die (noch) keine Staatskrise ist: Koalitionsverweigerer Martin Schulz trat gestern erst an zur Einsegnung beim Bundespräsidenten, dann rupfte ihn die eigene Parteiführung. Quintessenz: Die SPD rückt ab vom Nein – und von Schulz.
Dazu auch die heutige Sondierungsplaylist für die Merkel-Music-Box:
You Can't Hurry Love (Phil Collins)
Über Sieben Brücken Musst Du Gehn (Karat)
Don’t Fucking Tell Me What To Do (Robyn)
These Colours Don't Run (Architects)
Pokerface (Lady Gaga)
Bigmouth Strikes Again (The Smiths)
Und Checkpoint-Leserin Ann Cathrin Riedl schreibt: „Sexy Boy von Air ist ja nun leider raus.“ Tja, die Freiheit nahm er sich.
Die mehrfach um Jahre verschobene Staatsoper-Wiedereröffnung wurde am 3. Oktober als „Präludium“ mit „Faust“-Szenen gefeiert – zu hören war deshalb u.a. auch das inoffizielle Stadtmotto von Berlin: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis; das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis.“ Bald danach war das Haus wieder dicht – Restarbeiten an der Brandschutzanlage (u.a.). Nächster Eröffnungstermin: 7. Dezember, das sind noch, Moment … 13 Tage. Auf dem Programm steht Felix Mendelssohn Bartholdy, „Scherzo, ein Sommernachtstraum“. Kein Scherzo: Beethovens „Unvollendete“ passte besser – wetten?
Schlechte Erfahrungen mit der Verwaltung hat offenbar Claudia Schlaak von den Grünen gemacht – vom BA Treptow-Köpenick wollte sie 1. wissen, wie viele An- und Ungelernte dort arbeiten („Entgeltgruppe 1“), ob 2. einige davon teilzeitbeschäftigt sind und 3. was die so machen. Die Antwort: „zu 1: null, zu 2: entfällt, zu 3: entfällt.“ An der ausführlichen Ausarbeitung der Anfragenreplik wirkte laut offiziellen Angaben mit: ein Beamter des Mittleren Dienstes (15 min), ein Beamter des Gehobenen Dienstes (10 min), ein Beamter des Höheren Dienstes (10 min), außerdem das Büro des Bezirksbürgermeisters, der Bezirksbürgermeister und das Büro der Bezirksverordnetenversammlung. Da ist für An- und Ungelernte natürlich kein Platz mehr.
Telegramm
Zack – und schon hat der Senat das neue Toilettenkonzept umgesetzt: kostengünstig, unisex, transparent, dezentral und werbefrei. Glauben Sie nicht? Na, dann schauen Sie mal hier.
Worüber in Berlin seit langem zäh gestritten wird, ist in Brandenburg schnell vom Tisch: Grundschullehrer bekommen mehr Geld, und Polizisten auch. Es kommentiert Dirk von Lowtzow (Tocotronic): „Aber hier leben, nein Danke.“ Bitte.
Vor ein paar Monaten warnte Neuköllns Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer beim einem Präventionsworkshop an der Helmholtz-Schule vor Alkohol im Straßenverkehr – jetzt wurde er um 4.10 Uhr morgens in der Leinestraße mit 1,44 Promille bei laufendem Motor und lauter Musik schlafend am Steuer seines Autos entdeckt. Irgendwas vergessen … ach ja: … parkend in der zweiten Reihe. Das geht natürlich gar nicht. (Aufmacher in „B.Z.“ und „Kurier“).
Wilhelmstraße Ecke Leipziger Straße, gestern 15.55 Uhr: Ein Bus der BVG rammt den Eckpfeiler eines Hauses, ein tonnenschweres Fassadenstück kracht auf die Kreuzung und demoliert einen Renault. Verletzte: 0. Wenn Gott so viel in der City zu tun hat, wie soll er da in Schönefeld auch noch den BER retten (siehe oben, „Wunder“)?
Damit die Grauflächenämter immer wieder was Neues zum Sägen haben, betreibt der Senat seit ein paar Jahren die Stadtbaumkampagne – mit wachsendem Erfolg: 800.000 Euro Spenden gingen ein, das reicht für 7.500 Stück Nachschub.
Weil wir jeden Quatsch aus Amerika mitmachen (siehe Halloween), gibt’s heute auch bei uns den „Black Friday“. Worum es geht? Wenn ich‘s richtig verstanden habe, erlauben die Läden den Leuten, bei sich einzukaufen. Sensationelle Idee.
Neues vom Betriebsstörungsbingo – CP-Leserin Bettina Rusche meldet „Adhäsionsprobleme wegen Laub auf dem Gleis“.
So, was machen denn nun Neu-Berliner heutzutage so? Schauen wir doch mal in die Kommunikation der gleichnamigen Facebook-Gruppe: „Spieleabend! Für unseren lustigen Spieleabend mit Tabu, Activity und Co in Lankwitz am 24.11.2017, 20:30 Uhr in Lankwitz suchen wir noch 1-2 männliche Mitspieler, da wir derzeit Frauenüberschuss haben und sonst die Männer gegen Frauen Activity-Runde zu unfair wird. (Wen es interessiert: die meisten Mitspieler/innen sind zwischen 30-40).“ Scheint so eine Art Tinder für Erwachsene zu sein.
Die Koalition spart – und zwar ausgerechnet am Rechnungshof: Vier Stellen wollen die Abgeordneten dort streichen, beschwert sich Präsidentin Marion Claßen-Beblo. Auch die Forderung nach einer besseren Bezahlung ihrer Führungskräfte kam im Parlament in die Ablage P (wie Papierkorb).
Das Tagesspiegel-Queer-Team um Björn Seeling (auch als Checkpoint-Autor bekannt), Anja Kühne, Tilmann Warnecke und Nadine Lange ist mit dem „Respektpreis 2017“ ausgezeichnet worden – in seiner Laudatio bezeichnete Jury-Mitglied Bernd Wegner (BVG) die 50-Teile-Serie „Heteros fragen, Homos antworten“ als „absolutes Highlight im queeren Journalismus.“ Der Checkpoint schließt sich an und gratuliert.
Was fehlt? Dem Polizeinachwuchs die Mütze - auf so viele Bewerber war die Behörde nicht vorbereitet. Vorteil: Dann gibt‘s auch keinen drauf.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Nur eine tote Volksbühne ist eine gute Volksbühne fürs BE.“
Frank Castorf ist zurück – vor seiner ersten Inszenierung am Schiffbauerdamm nach mehr als 20 Jahren („Les Misérables“) stichelt er bei einer Pressekonferenz gegen seinen Nachfolger Chris Dercon am Rosa-Luxemburg-Platz.
Tweet des Tages
„Schluss. Aus. Vorbei. Wir verlieren mit 2:3 und sind aus der Europa League ausgeschieden.“
Antwort d. Red.: Hertha konzentriert sich nach der unglücklichen Niederlage in Bilbao jetzt ganz auf den Abstiegskampf in der Bundesliga und trifft am Sonntag gleich auf den Tabellenletzten, den 1. FC Köln (der gestern gegen Arsenal mit 1:0 gewann und noch Chancen aufs Achtelfinale hat).
Stadtleben
Essen Im Sommer lädt die Terrasse vor dem Café Fleury dazu ein, bei Aperitif oder Eiskaffee das Treiben von Englisch sprechenden Expats und Spanisch sprechenden Touristen auf dem Weinbergsweg zu beobachten. Im Winter, wenn die Touristendichte etwas schwindet, lockt das französische Café am Rosenthaler Platz mit heißer Schokolade, gut gefüllten Frühstückstellern und Quiche Lorraine als Trost gegen Novembergrau und Eiseskälte. Praktisch: die kleine Lese-Ecke und zwei Regale voller Feinkost to go. Weinbergsweg 20, Mo-Fr 8-22 Uhr, Sa-So 9.30-22 Uhr.
Ganz in der Nähe befindet sich das Nauta, das sich der Nikkei-Küche verschrieben hat, die japanische Einwanderer im 19. Jahrhundert in Peru etablierten. Durchaus ambitioniert, aber nicht immer formvollendet, urteilt Gastro-Kritiker Bernd Matthies heute im Tagesspiegel. Dennoch: Der glasierte Schweinebauch mit Süßkartoffelpüree und Kumquats wird zu Recht gelobt. Kastanienallee 49 (am Zionskirchplatz), Di-Sa 18.30-23 Uhr, So 10-16 Uhr (am Wochenende mit peruanisch-japanischem Frühstück).