Wir beginnen heute mit dem nächsten „Cyber-Angriff“ auf Landeseinrichtungen: Nach dem Kammergericht traf es nach Checkpoint-Informationen jetzt zwei Schulen – als Adhoc-Sicherheitsmaßnahme untersagte das ITDZ die Verwendung von WinZip-Dateien. Checkpoint-Tipp: Im Geschichtsunterricht schnell die Kreidezeit auf den Unterrichtsplan nehmen – könnte nochmal wichtig werden.
Walter Momper zündet zum Jahrestag des Mauerfalls seinen roten Schal an – in einem Gespräch mit der „FAZ“ stellt er staatsmännisch fest: „Was wollen die Ostdeutschen denn noch mehr? Es gibt für die Ostdeutschen keinen Grund zu jammern.“ Das klang vor 30 Jahren noch etwas anders, da sagte der damalige Regierende Bürgermeister: „Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk der Welt.“ Dazu ein Ratschlag von Theodor Fontane: „Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.“ Das gilt übrigens auch andersherum.
Das Koalitionsklima verhält sich diametral zum Weltklima – es kühlt sich weiter ab. Beispielhaft dafür war die Staatssekretärsrunde zur Vorbereitung der Senatssitzung. So forderte Senatskanzleichef Christian Gaebler die Verwaltungsspitzen „aus gegebenen Anlässen“ dazu auf, untereinander „einen kollegialen Umgang“ zu pflegen – er kritisierte, dass Anfragen für Zulieferungen oder Teilnahmen an Sitzungen schlicht ignoriert würden – das sei „äußerst unkollegial“.
Dazu zwei Beispiele:
1) IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) bekam auf eine Bitte um Stellungnahme von vier Senatsressorts überhaupt keine Antwort – dabei ging es um den erhofften Großproblemlöser „Zukunftspakt Verwaltung“ (scheint einigen im Senat dann doch nicht so wichtig zu sein).
2) Zu einer Besprechung über die künftige Organisation der Ordnungsämter (ebenfalls im Zshg. mit dem „Zukunftspakt“) erschien nur eine einzige Senatsverwaltung – die übrigen fünf hielten nicht mal eine Absage für nötig (die Bezirke waren dagegen fast komplett erschienen). Smenteks Kommentar (nur für den internen Gebrauch): „Für den Senat sehr peinlich.“
Datei Unkollegial, unkollegialer, Berlin herunterladen
Anzeige
Die FDX Fluid Dynamix GmbH ist ein Start-up aus Berlin, das smarte Düsen zur Einsparung von Ressourcen, Energie und Kosten vertreibt. Von Anfang an steht die Berliner Volksbank als verlässlicher Partner beratend zur Seite und gibt Rückendeckung für ihren Weg zum erfolgreichen Unternehmen.
Erfahren Sie mehr unter
berliner-volksbank.de/firmenkunde
Auch bei den Vorabsprachen zum Klimaschutzpaket über die Haltung des Senats im Bundesrat war die Stimmung leicht frostig. Die Staatssekretäre Stefan Tidow und Christian Rickerts (beide Grüne) sowie Gerry Woop (Linke) wollten „spezifische Berliner Interessen“ identifizieren, z.B. die Ausweitung der energetischen Gebäudesanierung und die Kritik an der Pendlerpauschale. Doch die Bundesbevollmächtigte Sawsan Chebli und Senatskanzleichef Gaebler (beide SPD) hielten nichts davon, Einzelpunkte erst im Senat und dann in der Länderkammer zu besprechen – sie lehnten „grundsätzliche Kritik an den Gesetzentwürfen“ ab und empfahlen für die Vorgespräche der Länder am Donnerstag „zu den strittigen Ziffern pflichtgemäßes Ermessen mit der Tendenz Enthaltung.“
Anschließend bat dann Finanzsenator Matthias Kollatz seine Kolleginnen und Kollegen wegen der Haushaltsdelle unter „Verschiedenes“ auch noch darüber nachzudenken, welche Projekte geschoben, gestückelt oder gekillt werden könnten. Als erster meldete sich Kultursenator Klaus Lederer und rechnete dramatisch vor, was da in seinem Haus geht, und zwar: Nullkommanix. Er blieb nicht alleine: Fast alle beteten jetzt die Unantastbarkeit ihres Einzelplans vor. Aber jetzt wissen sie im Senat wenigstens, wie sich die armen Milliardäre fühlen, wenn in Berlin mit dem Mietendeckel geklappert wird.
Anzeige
Im ehemaligen Postamt von Albert Einstein und Bertolt Brecht wird die letzte Wohnung versteigert. Schweben Sie auf 160 m² Wohnfläche und zwei Balkonen (Ost/West) über den Baumwipfeln Berlins! Auktion am 23. November!
Jetzt anmelden.
Gespräch mit Burkard Dregger über die gescheiterte Nachwahl zur vollständigen Besetzung des Landesverfassungsgerichts – der Fraktionschef sagt: „Es gibt weiterhin die Bereitschaft der CDU, eine Kandidatin oder einen Kandidaten der Linken zu wählen.“ Er verstehe die „Aggression“ der Koalition nicht, die Union stelle das Vorschlagsrecht nicht in Frage: „Der Ball liegt bei der Fraktion der Linken“.
Über die Kandidatin oder die Stimmung in der CDU-Fraktion nach deren Vorstellung mag Dregger nicht sprechen – aus Respekt: „Spekulationen über eine geheime Wahl verbieten sich“, Äußerungen über die Qualifikation nennt er „unwürdig“. Aber eins schließt er aus: „Es gibt von unserer Seite keinen bösen Willen gegenüber der Linkspartei.“
Klar ist, dass der Kandidatin der Linken auch Stimmen aus der Koalition fehlten – nicht nur in der CDU-Fraktion hielten etliche Abgeordnete die vom Blatt vorgelesenen Eigenpräsentation für wenig überzeugend. Einen direkten Aufruf zum Wahlverhalten gab es bei der CDU jedenfalls nicht – Abgeordnete sagen, es sei von einem „Vorschlag“ die Rede gewesen: Jeder müsse selbst wissen, wie er sich entscheidet. Es kommentiert Ludwig Börne: „Das Geheimnis der Macht besteht darin, zu wissen, dass andere noch feiger sind als wir.“
Neues aus der Serie „Hollywood in der Luisenstadt“ – kaum ist „Deutschland 89“ durchgedreht, baut die „Zeitsprung Pictures GmbH“ für den Film „Brasch“ ihren Krempel bei uns vor der Haustür auf, wie immer angekündigt per angeklebtem Zettel: „Wir wissen wir sind nicht die ersten bemühen uns um größtmögliche Rücksichtnahme“. Hoffen wir mal, dass der Film nicht so schlampig produziert wird, wie die Ankündigung für die Dreharbeiten geschrieben ist. Und mal sehen, vielleicht kann ich ja morgen Abend mal wieder durchs Bild laufen.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die „Deutsche Wohnen“ muss ein Rekordbußgeld von 14,5 Millionen Euro zahlen – wegen Verstößen gegen den Datenschutz. Berlins beliebteste Firma hatte Informationen über Mieter gehortet, die sie längt hätte löschen müssen. Übrigens: Ich habe da so eine Vermutung, was heute bei den anderen Wohnungsgesellschaften Prio 1 hat.
Sensationeller Beitrag zum Betriebsstörungsbingo: Der außerplanmäßige 20-Minuten-Stopp der U5 gestern Mittag in Friedrichsfelde wurde begründet mit einer „unmittelbar bevorstehenden Geburt“ – das nehmen wir natürlich auf als Universaljoker.
Wir kommen zur Rubrik „Wünsch dir was“: Die neue Finanzstaatssekretärin Vera Junker knüpft ihre Zustimmung zum Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie an eine „abschließende Klärung aller offenen Fragen“ – aber die ist wegen der komplizierten Eigentumsverhältnisse in der verbleibenden Zeit so unwahrscheinlich wie die abschließende Klärung der Frage, unter welchem Deckel sich das Kügelchen der ortsansässigen Hütchenspieler befindet.
Mathe lernen mit dem Checkpoint (I): Sie schauen auf Ihr Smartphone und lesen: „iPhone ist deaktiviert. In 26.097.778 Minuten erneut versuchen“ (wie zum Beispiel hier). Frage: Wer unterhält Sie in der Zwischenzeit? Richtig, Steve Jobs: „Deine Zeit ist begrenzt. Verschwende sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben.“
Anzeige
Gesellschaftswandel hautnah
Wie und warum verwandelt sich eine Musterstadt in einen Ort der Gewalt? In Mariano Pensottis Gesamtkunstwerk „Diamante“ bewegen sich die Besucher*innen frei durch eine ins Festspielhaus gebaute Stadt, verknüpfen die parallel ablaufenden Szenen zu ihrem eigenen Stück und erleben in einer Parabel die Entwicklung der argentinischen Gesellschaft.
Infos und Tickets
Mathe lernen mit dem Checkpoint (II): In jedem BVG-„BerlKönig“ sitzen durchschnittlich nur 1,5 Personen (Q: „Mopo“). Frage: Wie heißt der Fahrer? Na klar: Es ist unser Gastautor Johann Wolfgang von Goethe – und die halbe Person ist bei der Ankunft so tot wie bald auch der BerlKönig, wenn Sie nicht auch mal damit fahren.
Zur Reihe „Berlin, aber Schnauze“ – der heutige Beitrag kommt aus dem M48, Station Schlossstraße (Q: Christoph Reuter): „Die BVG braucht Fahrer, keine Türsteher.“
Warnung für die Anwohner der Müllerstraße – einem Haustüraushang entnehmen wir: „Achtung! Schlange auf dem Hof. Vorsicht! Sofort 110 Polizei anrufen, wenn jemand die Schlange sieht.“ Und bitte nicht anstellen.
„Checkpoint im Weltall passiert“ ist ja auch mal eine schöne Meldung – aber ganz so abgehoben sind wir dann doch noch nicht: Gemeint ist ein interstellarer Außenposten, an dem „Voyager 2“ vorbeigeflogen ist. Das Raumschiff ist übrigens noch ein paar Milliarden Jahre unterwegs, kann also gut sein, dass wir nochmal darauf zurückkommen.
Müll in Berlin (I): Mitte-Bürgermeister Stephan von Dassel hat wegen einer Anfrage der Verordneten Laura Neugebauer nachschauen lassen, wo in seinem Bezirk der meiste Dreck herumliegt, das Ergebnis: Turmstraße, Beusselstraße, Pankstraße, Reinickendorfer Straße, Buttmannstraße, Prinzenallee, Badstraße, Koloniestraße, Soldinerstraße…
Müll in Berlin (II):Seit Dienstagmorgen wird wegen eines Fontänenschadens im Volkspark Friedrichshain Wasser aus dem Teich gelassen – aufgetaucht sind dabei bis jetzt Unmengen von Getränkedosen, Pappbechern und Plastiktüten sowie dutzende Gartenstühle, zehn Fahrräder, diverse Mülltonnen, zwei Einkaufswagen…
Müll in Berlin (III): Umweltsenatorin Regine Günther will eine Art „KaDeZu“-Kette gründen, mit „Kaufhäusern der Zukunft“. Da sollen die Berlinerinnen und Berliner ihren Wohnschrott hinbringen und verkaufen können. Ach, und „chic“ soll es da werden. Ist also nur was für Zugezogene.
Müll in Berlin (IV): Einmal in Schwung, verkündete Günther gestern gleich noch ein „Pilotprojekt“ – in den Büdchen an den U- und S-Bahnhöfen will sie ein Pfandsystem für Kaffeebecher etablieren. Kleiner Schönheitsfehler: Da gibt’s kein Wasser zum Spülen. Deshalb wird gleich auch noch ein „Hol- und Bringdienst“ aufgezogen. Frage an Berlinkenner: Beruf mit Zukunft, Anfangsbuchstabe „L“? Richtig: Logistiker.
Wir kommen zur Ziehung der Forsa-Zahlen: Manfred Güllner holt für Michael Müller einen Beliebtheitswert von 0,5 aus der Glaskugel (auf einer Skala von -5 bis +5) – das reicht für Platz drei hinter Andreas Geisel (0,6) und Klaus Lederer (1,1) (Q: Berliner Zeitung).
Apropos Klaus Lederer: Der Kultursenator berichtete gestern im Senat von seiner Parisreise – er hat dort Brahms von Barenboims Staatskappelle gehört und fand’s soweit ganz gut.
„Im Görli wird jetzt unter Polizeischutz gedealt“, meldet die „B.Z.“ – so langsam sollten wir mal über einen Antrag bei der Unesco zur Aufnahme ins Weltkulturerbe-Register nachdenken (oder zumindest über die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“).
Berlins Polizei wird übrigens entmilitarisiert: Statt „Dienstgrad“ wie bei der Bundeswehr heißt es künftig „Amtsbezeichnung“ – alle Vordrucke werden entsprechend geändert. Es kommentiert Gerhard Seyfried: „Pop! Stolizei! Äh! Stei! Polizop! Nein, öh… Stop! Poliz… Weg isser…!“
Anrührende und begeisternde Atmosphäre gestern Abend im Liebermann-Haus am Pariser Platz: Der Roman-Herzog-Preis für bürgerschaftliches Engagement (dotiert mit 20.000 Euro) geht in diesem Jahr an das Bildungsprojekt „Quinoa“ – die mit jeweils 5000 Euro dotierten zweiten Preise wurden den Vereinen „Silbernetz“ und „Straßenkinder“ zuerkannt.
Wenn Sie FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja wegen seiner Haltung zum Mietendeckel mal so richtig die Meinung geigen wollen, und zwar von Angesicht zu Angesicht, nicht anonym im Netz, dann sind Sie bei uns richtig: Am morgigen Donnerstag können sie von 17.30 Uhr an mit ihm bei uns im Tagesspiegel-Verlagshaus am Askanischen Platz 3 über die Definition von „reich“ und „Ruin“ diskutieren – allerdings nur nach Anmeldung unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Hurra, der BER hat eine „Philosophie“ – und deswegen ist er auch uneröffnet reif für die Uni: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Airport Campus“ stellt Peter Herrmann, Projektleiter des Hauptterminals, Studierenden den „Weg zur Fertigstellung des BER“ vor und verspricht einen „Einblick in aktuelle Herausforderungen, Lösungsansätze sowie die Philosophie des Projektes T1 aus Sicht der Projektleitung“. Anmeldung per E-Mail an airportcampus@berlin-airport.de.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Du bist ein Idiot!“
Union-Torwart Rafal Gikiewicz erzählt, was seine Frau zu ihm sagte, nachdem er beim Derby gegen Hertha Fans an einem Platzsturm hinderte – sie hat Angst, dass er bei so einer Aktion niedergestochen werden könnte.
Tweet des Tages
Mein Sohn nennt das Haus der Kulturen der Welt immer magische Miesmuschel statt Schwangere Auster, weil ihm Sponge Bob einfach näherliegt.
Stadtleben
Trinken – „Follow the White Rabbit“ steht in geheimnisvollen Lettern auf einem Gehweg unweit des Friedrichshainer Märchenbrunnens. Klingeln Mutige an der versteckten Tür der Fairytale Bar, werden sie von dunklen Märchengestalten empfangen: Besucher tauchen ein in eine psychedelische Welt irgendwo zwischen Wunderland, Berliner Hipster-Schick und kindlicher Fantasie. Wer einen der preislich gehobenen Cocktails (9-18 Euro) bestellen möchte, erhält ein leise wisperndes, Düfte versprühendes Märchenbuch, aus dem Drinks mit Namen wie „Schneeweißchen und Rosenrot“ oder „Mogli“ gewählt werden können. Ein gehütetes Geheimnis ist die schaurige Bar jedoch schon lange nicht mehr, eine Reservierung daher empfohlen. Di-Sa 20-2:30 Uhr, Am Friedrichshain 24, Tram-Station Am Friedrichshain
Essen – Märchenhafte Törtchen gibt’s gleich um die Ecke bei Jubel Berlin: Bei Minze-Melonen-Eclairs, Lemon-Meringue-Tarte oder Windbeuteln mit Frischkäse und Estragon wäre sicherlich auch Alice schwach geworden (siehe Trinken). Die kleine Dessert-Manufaktur im Winsviertel hat sich auf gewagte Kombinationen spezialisiert (Stichwort: Rhabarber-Milchreis-Radieschen-Törtchen), filigrane Optik und Neuinterpretationen klassischer Cupcakes und Petit-Fours. Diese werden von den Gästen entweder gleich vor Ort zwischen blauen Kacheln und Retro-Lampen verspeist, oder in kleinen Geschenkboxen mit nach Hause genommen. Viele der Törtchen sind vegan – Pralinen und hausgemachte Snickers gibt’s sogar glutenfrei. Di-Fr 11-19, Sa + So bis 18 Uhr, Hufelandstraße 10, Tram-Station Hufelandstraße
Berlinbesuch – Punk in Ost und West: Auf der Open-Air-Bühne auf dem Alexanderplatz spielt ab 19:30 Uhr die Band „Zerfall“, die 1983 mit ihrer Musik gegen die staatlich vorgegebene Jugendkultur der DDR protestierte – und dafür unter Stasi-Beobachtung stand. Im Anschluss hören die Besucher dann Sounds der Neuen Deutschen Welle aus Düsseldorf, genauer: die Punkband „Fehlfarben“. Wer das Mauerfalljubiläum lieber zu Hause zelebrieren möchte, dem sei ein neuer Podcast des rbb empfohlen: Das Hörspiel „Die Jahre aus Gold und Eis“ erzählt die Geschichte zweier Ost-Berliner Familien in den ersten Jahren nach der Wende.
Verlosung – Kein Punk, dafür Klassik: Der japanische Pianist Kotaro Fukuma bespielt am Freitagabend den Kleinen Saal im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Im Rahmen des C. Bechstein-Klavierabends dürfen sich Zuhörer unter anderem auf impressionistische Werke von Fauré, Debussy und Ravel freuen. Los geht’s um 20 Uhr, Tickets gibt’s ab 20 Euro an der Abendkasse – oder hier: Bis 12 Uhr verlosen wir 1x2 Freikarten.
Geschenk – Noch mehr Süßes: Erdbeeren überzogen mit belgischer Bitterschokolade, verziert mit Kokosflocken, Blattgold und Blütenblättern… Wer nach einem luxurösen, essbaren Geschenk sucht, wird bei frailice fündig. Der Onlineshop für Schoko-Erdbeeren verschickt frische, gekühlte Beeren, die in Handarbeit gedippt und verziert werden – Schokolade und Erdbeeren kommen dabei aus nachhaltigem Anbau. Pünktlich zum Winter werden die Beeren mit weihnachtlichen Toppings wie Vanillekipferl, Zimt und getrockneten Äpfeln verziert. Teurer Spaß: Fünf Beeren aus der Reihe „Classic“ gibt’s für 14 Euro.
Karten sichern – »Warum es so heißt, ist unbekannt, die Insel heißt einfach: Lummerland!« Mit erfolgreicher Uraufführung sind am Sonntag Jim Knopf, Lukas, der Lokomotivführer und ihre treue Lok Emma dem Ensemble der Komischen Oper beigetreten. Die Kinderoper folgt den dreien auf ihrer mutigen Reise durchs Tal der Dämmerung hin zu Vulkanen, Halbdrachen und der berüchtigten Drachendame Frau Mahlzahn. Mit eindrucksvoller Kulisse, viel Nebel und ein wenig Klischee inszeniert Christian von Götz eine Abenteuerwelt für kleine und große Operngänger – Karten ab 10 Euro gibt’s hier.
Last Minute – Den mehr und den weniger begnadeten Sängern unter Ihnen möchten wir den mittlerweile 34. „Sing dela Sing“ ans Herz legen. Im Neuköllner Heimathafen treffen sich Musikbegeisterte heute Abend zum monatlichen Singalong – ganz egal, ob Chormitglied, Berufsmusiker oder leidenschaftlicher Stadionsänger. Hier singen alle Leadstimme: Weil Singen glücklich macht. Los geht’s um 19:30 Uhr, Tickets gibt’s hier.
Einen märchenhaften Mittwoch wünscht: Lotte Buschenhagen.
30 Jahre, 30 Tage
6. November 1989, 3 bis zum Mauerfall – Die SED-Führung feiert den 72. Jahrestag der Oktoberrevolution, „als wäre nichts geschehen“. An den Grenzübergängen gibt es derweil einen neuen Rekord: Von Sonnabend bis Montag sind 23.200 Menschen aus dem Osten in die Bundesrepublik ausgereist. Die Aufnahmelager sind überfüllt. Auf dem Sendeplatz des abgesetzten „Schwarzen Kanals“ wird zum ersten Mal eine neue Sendung namens „Klartext“ ausgestrahlt. „Ist Leipzig noch zu retten?“ – die erste Dokumentation über den Häuserverfall in Leipzig, die im DDR-Fernsehen zu sehen war. In der 25-minütigen Produktion werden die für den Verfall Verantwortlichen gestellt und Anwohnerinitiativen interviewt.
Nackt in den Ruinen des Sozialismus - eine Studentin in Leipzig 1987 (Foto: Thomas Steinert)
Berlin heute
An der Avus wird wieder gesprengt, daher wird die A115 in beiden Richtungen zwischen AS Hüttenweg und AS Spanische Allee in der Zeit von 9.45 bis 10.15 Uhr gesperrt, der Kronprinzessinnenweg bereits ab 9:30 Uhr. Bis Ende Januar haben Autofahrer*innen Spaß auf der Axel-Springer-Straße in Mitte, wo in Richtung Lindenstraße auf Höhe Zimmerstraße nur eine Spur frei ist. Das Gleiche gilt „ab sofort, unverzüglich“ in Charlottenburg auf der Kantstraße in Richtung Budapester Straße zwischen Leibnizstraße und Wielandstraße (bis ca. 20 Uhr). Die Sperrung der Straße des 17. Juni wird heute ausgeweitet auf den Bereich zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor (bis 12. November). Gesperrt sind außerdem die Kreuzung Berliner Straße/Barstraße (Wilmersdorf) in beiden Richtungen (bis Ende November 2020) sowie die Schönerlinder Straße (Französisch Buchholz) ist in beiden Richtungen zwischen der südlichen AS Schönerlinder Straße/A114 (Pankow-Zubringer) und der Straße nach Arkenberge (ab 10 Uhr) – hier beginnt ein neuer Bauabschnitt, die bisherigen Teilsperrungen der AS Schönerlinder Straße werden aufgehoben, die AS ist wieder voll befahrbar. Konzerte in der Max-Schmeling-Halle (Seed) und in der Columbiahalle (Fettes Brot) sorgen für entschleunigte Heimfahrten ab ca. 18 Uhr. Spannend wird es nochmal am Abend auf dem östlichen Berliner Ring (A10), der nach einem Brand der „Fahrbahnübergangskonstruktion“ in Richtung AS Spreeau zwischen den AS Rüdersdorf und Erkner in der Zeit von 19.45 bis 24 Uhr gesperrt werden muss. Konsequenter ist die Sperrung auf dem Stadtring (A100) im Tunnel Britz Richtung: Hier geht von 21 bis 5 Uhr Wedding zwischen den AS Buschkrugallee und Gradestraße nix mehr. Außerdem ist der Regionalbahnanschluss ab 20 Uhr nach Teltow unterbrochen (betr. RE3 zwischen Ludwigsfelde und Südkreuz/ Hbf und RE5 zwischen Rangsdorf und Südkreuz) – die S-Bahn fährt aber. Ab 8 Uhr sollte alles wieder ok sein.
Demonstration – Unter dem Motto „Alte Mauern, neue Mauern“ demonstrieren heute ca. 150 Teilnehmende auf der Friedrichstraße nördlich der Zimmerstraße (17-20 Uhr). Angemeldet von „Anonymous for the Voiceless“ findet vor den Arkaden in der Schönhauser Allee eine Videoaktion zur Aufklärung über die Tierindustrie statt (17:15- 20 Uhr, ca. 15 Personen).
Gericht – Drei Männer, die an U-Bahnhöfen Fahrgäste beim Einsteigen in die Bahnen bestohlen haben sollen, kommen auf die Anklagebank. Die 31- bis 46-Jährigen sollen als Mitglieder einer rumänischen Bande agiert haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 129).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Richard Clemens (78), „unermüdlicher Organisator, freundlicher Macher, Reisefex und Goethe-Oldie“ – Mit besten Wünschen von Ullrich Thiers / Eveline Mützelburg (70), regelmäßige Checkpointleserin – „Es gratuliert ihr von Herzen, ihre " Herde" / Peter „Pepi“ Pietsch (69) – „Wir wünschen beste Gesundheit und Freude am Leben. Die Schippers“ / Detlef Untermann (67), Blogger und Initiator von "Kinder-Kochen" / Volker Weidermann (50), Journalist, Autor und Literaturkritiker / Thomas Wochnik, Multi-Intrumentalist, Tourenradfahrer, Checkpoint-Wochenend-Philosoph – Wir gratulieren herzlich!
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Henry Laurent, * 16. Januar 1934 / Rolf Preuschmann, * 2. Juli 1942 / Heinz-Viktor Simon, * 17. Juli 1943, Unternehmensführer des BBU Verbands / Waltraud Wraske, * 11. Oktober 1923
Stolperstein – Heute für 77 Jahren wurde Lutz Grünstein nach Theresienstadt deportiert. Nur wenig ist bekannt über den damals Neunjährigen, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Umso wichtiger, dass in der Graefestraße 69 in Kreuzberg ein Stolperstein an ihn erinnert.
Encore
Das vorletzte Wort hat heute Jens Bisky – in seinem neuen Buch „Berlin. Biographie einer großen Stadt“ schreibt er über die Bauverwaltung zur Zeit von Karl Friedrich Schinkel:
„Diese war eine Modernisierungsagentur. Und das in mehrfacher Hinsicht: Sie kümmerte sich um Rationalisierung des Mitteleinsatzes, um Vereinheitlichung der Abläufe, um die Einhaltung von Standards. Die Verwaltung war zugleich ein Forum des Informationsaustauschs, des Studierens und wechselseitigen Lernens.“
Wo und wann haben wir das verloren?
Ich wünsche Ihnen einen wachen Start in den Tag – morgen sehen wir uns hier wieder. Bis dahin,