Vorweg noch einmal die wichtigsten vier Worte zum Tage für alle, die zuletzt von der Außenwelt abgeschnitten waren (weil sie zum Beispiel in der Inneren Mongolei oder in der Uckermark waren): Heute streikt die BVG. Busse und Bahnen rollen erst nach 12 Uhr aus den Depots. Es dürfte danach noch eine Weile dauern, bis alle wieder so pünktlich sind wie früher die Eisenbahn. Und, nein, liebe Zugereiste: Die S-Bahn gehört nicht zur BVG. Sie fährt nach Plan. Voraussichtlich. Wobei die Chancen wirklich nicht schlecht stehen. Am Donnerstag verkündete die S-Bahn stolz, dass sie sich eisern an den Fahrplan hält wie schon lange nicht mehr.
Auf dem, nun ja, Laufenden am Streiktag, hält Sie natürlich tagesspiegel.de. Dort machen die Kolleginnen und Kolleginnen Betrieb mit einem Liveblog, kaum, dass dieser Checkpoint in Ihrer Mailbox gelandet ist. Spoiler: Die erste Streik-Meldung kommt vom Berlkönig aus Kreuzberg. Wer übrigens von Tegel abhebt, muss beachten, dass der Flughafen nur per Auto oder Taxi zu erreichen ist. Wer keines von beiden erwischt, sollte gut zu Fuß sein. In der „B.Z.“ ist ein Flyer der Flughafengesellschaft mit der Wegskizze zum nächstgelegenen S- und U-Bahnhof Jungfernheide abgedruckt: Sind nur 3,8 Kilometer. Und immer schön an der Autobahn lang.
Dieser Tag wird kein leichter sein, ganz klar. Aber auch dieser Freitag, der 15., geht vorüber. Was hilft am besten gegen die Untergangsstimmung? Musik. Der Checkpoint hat fünf Spotify-Playlists zusammengestellt, die Ihnen, liebe CP-Fans, ein wenig über den Tag helfen sollen. Klassiker vom laufenden Meter gehören dazu wie „I’m walking“ von Fats Domino oder „Walk like an Egyptian“ von den Bangels. Wer BVG-Phantomschmerzen hat, dem sei die Liste mit Öffi-Songs empfohlen („Fahr mal wieder U-Bahn“, „Love Train“). Für Leute, die sich heute mitgenommen fühlen dürfen, gibt’s Songs zum Autofahren, Zuspätkommer können sich mit Chers „If I could turn back time“ wünschen oder sich mit Elton Johns „Sorry seems to be the hardest word“ beim Chef entschuldigen. Und natürlich ist auch die streikenden BVGer gedacht: Bei „Money, money, money“ oder „Hey Boss, Ich brauch mehr Geld“ brennt garantiert die Mülltonne.
Im Streik-, pardon Streitmodus befindet sich seit einiger Zeit ja auch die rot-rot-grüne Regierungskoalition. Erst kürzlich beklagte sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), dass sich die Grünen zu wenig für die Verlängerung von U-Bahnlinien interessierten. Und der frühere Bausenator Andreas Geisel, dito SPD, gab seiner Nachfolgerin Katrin Lompscher (Linke) eins mit, weil zu wenige Wohnungen entstehen (fun fact: Müller und Geisel waren beide mal für Bauen und Verkehr zuständig). Dafür keulen Linke und Grüne zurück, zuletzt bei der Frage, wohin die 650 Millionen Euro fließen, mit denen die Wachstumsschmerzen Berlins behandelt werden sollen. Der Senat ist am Donnerstag nun erst mal in Klausur gegangen, zwar nicht bei Wasser und Brot, aber bei den Berliner Wasserbetrieben. Noch bis Freitag tagt er in der Zentrale des Unternehmens mit hübschen Spreeblick. Zum Auftakt war so viel demonstrative Einigkeit, dass es beinahe weh tat: Ramona Pop (Grüne), Klaus Lederer (Linke) und Michael Müller ließen über ihre Twitter-Accounts wortgleiche Erklärungen verbreiten, dass alles tippitoppi sei. Nur die Fotos sahen ein bisschen anders aus. Soviel Individualität muss schon sein.
Der Berliner CDU-Fraktionschef Burkard Dregger war eine Woche zu Besuch in Senegal und Mali, um sich über Fluchtursachen zu informieren. Wieder jenseits von Afrika, teilt er im Tagesspiegel-Interview mächtig gegen die „Asylwirtschaft“ in Deutschland aus. Diese helfe am wenigsten den afrikanischen Migranten. „90 Prozent der afrikanischen Staaten sind sicher“, zeigte er sich nach dem Besuch von 3,7 Prozent dieser Länder überzeugt. Es gebe dort keine politische Verfolgung und keinen Bürgerkrieg.“ Das Grundrecht auf Asyl wolle er aber nicht antasten, doch es müssten die Ursachen der Migration bekämpft werden. Er kritisierte den Senat, dass der bei jeder Gelegenheit „hier“ rufe, wenn es darum geht, Menschen von den Booten im Mittelmeer aufzunehmen. Im Bundesrat steht heute die Beratung an, ob Marokko, Tunesien und Algerien sowie Georgien zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt werden. Bislang gibt es in der Länderkammer keine Mehrheit dafür.
Und noch eine heikle Frage hat der Bundesrat zu klären: wie die 43 Millionen deutschen Führerscheine umgetauscht werden, die noch nicht der EU-Norm entsprechen. Bis Januar 2023 müssen die „Lappen“ durch Plastikkarten ersetzt werden. Für Berlins Bürgerämter bis dahin hoffentlich eine Lappalie.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Der Tagesspiegel ist nicht nur Berliner, sondern er hat auch einen: Die Sonnabend-Printausgabe erscheint wieder mit dem Magazin „Berliner“. Im Heft: Eine brisante Geschichte von Daniel Erk. Er hat recherchiert, wie sich Interpol und das Bundeskriminalamt von autoritären Regimes instrumentalisieren lassen. Den Kampf dagegen aufgenommen hat ein Berliner Anwalt.
Am Sonnabend wird der Goldene Bär auf der Berlinale verliehen. Favorit ist der chinesische Beitrag „So Long My Son“. Erinnern Sie sich noch an den besten Film aus dem vergangenen Jahr? Nein? Dann mal dranbleiben. Auflösung folgt weiter unten.
Aus dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ soll eine Serie für den Streamingdienst von Amazon entstehen. Mit an Bord ist Produzent Oliver Berben. Kaum zu glauben: Das Schicksal von Christiane F. wurde 1981 letztmalig verfilmt. Regie führte Uli Edel.
Amazon dürfte auch am Start sein, wenn im kommenden Jahr im neuen Mega-Paketzentrum bei Ludwigsfelde die Post abgeht. Schließlich sollen dort bis zu 50.000 Sendungen pro Stunde bearbeitet werden. Spatenstich: Ende Februar. Dazu passt die Geschichte einer Odyssee wegen eines Pakets, die Boris Buchholz in seinem „Leute“-Newsletter aus Steglitz-Zehlendorf erzählt. Er lernte dabei viele Nachbarn kennen, nur die Sendung, die hat er bis heute nicht.
Für den dicken Airbus A380 ist ja nun das dicke Ende gekommen. Die Produktion wird eingestellt. Hoffentlich ärgern sie sich am BER nicht allzu sehr. Damit das Riesenflugzeug dort landen kann, gab es vor mehr als zehn Jahren Umplanungen am Hauptterminal – eine Frage des Prestiges. Und das Verhängnis nahm seinen Lauf...
Aber es kann ja durchaus noch sein, dass so ein Ding eines Tages mal auf dem BER landet. Schließlich besitzt ja unter anderem die Lufthansa solche Flugzeuge. Tagesspiegel-Kollege André Görke war 2010 dabei, als der erste A380 von Deutschland nach Südafrika düste. Sein Urteil: tolle Technik, aber in der Holzklasse so eng wie in anderen Fliegern.
Von Riesenvögeln zu Berlins Piepmätzen. Die machen nämlich derzeit schon mächtig Radau, weil die Tage merklich länger geworden sind. Genauer: der Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Bei fast vorfrühlingshaften Temperaturen fällt das Tirilieren und Trällern derzeit besonders auf. Eine Meise haben die Vögel jedenfalls nicht. Sagt zumindest der Tierexperte.
Der frühe Vogel fängt den Wurm? I wo! Für das vierte Treffen der Checkpoint-Laufgruppe muss auch niemand mit den Hühnern aufstehen. Erst um 11 Uhr geht’s am Sonnabend auf dem Tempelhofer Feld los auf der Sechs- und der Zwölf-Kilometer-Strecke. Treffpunkt ist der Eingang Tempelhofer Damm, nahe dem S- und U-Bahnhof Tempelhof. Wer zum ersten Mal dabei sein möchte, der meldet sich bitte unter checkpoint@tagesspiegel.de an.
„Hier war ein Kerl aus dem russischen Kuskovo“. Beim Umbau des Reichstags Ende der 1990er Jahre sind Hunderte Schriftzüge von russischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein gekommen. Die kyrillischen Buchstaben wurden nicht entfernt, sondern restauriert. Doch was steht dort genau? Wo sind die Verfasser geblieben? Das fragen sich seither nicht nur Besucher des Parlamentsgebäudes. Karin Felix, Expertin für die Inschriften und langjährige Besucherführerin hat das Geheimnis in ihrem Buch „Ich war hier“ gelüftet. Der Band über die Graffiti im Reichstagsgebäude ist gerade im Berliner Wissenschafts-Verlag erschienen.
Prenzlauer Berg verliert mal wieder eine Institution. Wirtin Doris Burneleit schließt ihre „Trattoria Paparazzi, um sich zu verkleinern (laut „Berliner Zeitung“). 1987 hatte Burneleit mit dem „Fioretto“ das erste italienische Restaurant der DDR eröffnet.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Jugend hat Zukunft – wir feilen dran“
Aufschrift auf einem Transparent an der Fassade der Jugendstrafanstalt Berlin
Tweet des Tages
Einmal Aufguss S-Bahn Berlin, bitte!
Tweet des Tages
Kennt ihr den Geruch, den ein neues Auto oder eine neue Wohnung verströmen? Genauso so roch es heute in der neuen U-Bahn.
Stadtleben
Trinken in Charlottenburg - ohne Chichi, dafür urig und mit bodenständigem Alt-Berliner Flair: Wenn man in der Dicken Wirtin ein Kindl oder Andechs vom Fass bestellt, sind Sprachkenntnisse in „Berliner Schnauze“ sicherlich von Vorteil. Auch vor Holzvertäfelung und einer überladenden Antiquitätensammlung als Hauptelement der Inneneinrichtung sollte man sich nicht scheuen. Dann kann man sich eine deftige Mahlzeit – im Angebot z.B. Zwiebelrostbraten oder die „Dicke Wirtin“-Brotzeit mit Mett – getrost schmecken lassen. Carmerstraße 9, S-Bhf Savignyplatz, tägl. ab 11 Uhr