Falls Sie gut geschlafen haben, hatten Sie allen Grund dazu. Falls nicht, allerdings auch. „Eine Vielzahl von Kriegs- und weiteren Schusswaffen“ samt Munition, Drogen, Blankodokumenten und Einbruchswerkzeug hat die Polizei bei einer Razzia schon am Freitag beschlagnahmt, wie sie aber erst gestern Nachmittag mitteilte. Es ging wohl um organisierte Kriminalität. Offenbar gut organisierte, denn es wurden auch Schutzwesten gefunden.
Mit einem Geldregen löscht Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Überstundenkonten der Feuerwehrleute. Zum 1. Mai sollen sie ausbezahlt werden – nicht nur zu 80 Prozent gemäß Verordnung, sondern zu 100. Denn abbummeln lassen sich die mehr als 100.000 angesammelten Stunden nicht, weil von früh bis spät die Rettungsdienste – allzu oft wegen Lappalien – pausenlos unterwegs sind und Verrückte Dachpappenstapel in historischen Hallen oder Kellerverschläge in der Gropiusstadt anzünden, um die aktuellsten Beispiele zu nennen. Die Feuerwehrleute erkennen das Entgegenkommen ihres Dienstherrn an. Aber um ihre Mahnwache vor dem Roten Rathaus zu beenden, genügt es ihnen nicht.
Es gab noch kein Urteil, als das Arbeitsgericht gestern die Klage der Lehrerin Pinar T. verhandelte, die wegen ihres Kopftuchs von einer Spandauer Grundschule an ein Oberstufenzentrum versetzt wurde. Aber tendenziell zeichnet sich eine weitere Niederlage für Berlin mit seinem Neutralitätsgesetz ab. Für das gibt es zwar gute Argumente – aber auf der anderen Seite steht die Religionsfreiheit, und das Land hat bei der Anwendung womöglich gestümpert, wie die von der Verwaltung beauftragte Anwältin Seyran Ates eingestand. Die erschien übrigens in Begleitung von vier Personenschützern im Gerichtssaal. Die braucht sie, seit sie ihre Auffassung von Religion publik macht.
600 Mio. Euro „Umweltbonus“ für E-Autos stellt die Bundesregierung auf ihrem Weg in die mobile Zukunft bis 2020 bereit. Jetzt gibt’s auch was für elektrische Lastenfahrräder, die z.B. den Lieferverkehrsirrsinn in Berliner Wohnstraßen lindern könnten: je 2,5 Mio. Euro für drei Jahre (via MdB Stefan Gelbhaar, der gerade die entsprechende Auskunft der Bundesregierung erhalten hat). Wenn mein Solartaschenrechner nicht irrt, entspricht diese E-Bike-Förderung 0,026 Prozent der jährlichen Einnahmen, auf die der Staat dank der Dieselsubvention (22 Cent pro Liter) verzichtet. Immerhin hat der Berliner Senat ein eigenes Förderprogramm aufgelegt.
1777 Straßenbäume haben die zwölf Bezirksämter im vergangenen Jahr gepflanzt. Und 7883 wurden gefällt. Macht rechnerisch einen Schwund von 6106 Bäumen, der nur dank der Stadtbaum-Kampagne real etwas geringer sein dürfte. Genau weiß es die Umweltverwaltung (lt. Anfrage MdA Marion Platta, Linke) nicht. Was ist mit Pflanzungen auf anderen Grundstücken und in Parks? „Daten liegen nicht vor.“ Und mit Fällungen ebenda? „Die Bezirke teilen mit, dass (…) keine statistische Erfassung der Anzahl der gefällten Bäume erfolge.“ Und wie viele Ersatzpflanzungen wurden fällig? Angabe „nicht möglich, da diese Daten statistisch nicht erfasst würden“. Und Ausgleichszahlungen? „Werden statistisch nicht erfasst.“ Mit dieser Datenlage kommt die sog. Smart City Berlin auf keinen grünen Zweig.
Katalin Gennburg (Linke) wollte vom Senat wissen, ob er mehr Wagenburgen wagen würde. 17 sind (laut Polizei!) bekannt, heißt es in der Antwort der befreundeten Bauverwaltung; eine in Pankow dürfe erweitert werden. Und „welche Maßnahmen trifft der Senat zum Schutz dieser Wohnformen?“ – „Keine.“ Und welche „Maßnahmen zum Erhalt der Wohnwagenkultur sind dem Senat aus anderen Städten bekannt?“ – „Keine.“ Legales Wagenburgwohnen in der City sei laut Oberverwaltungsgericht unmöglich, eine Duldung lasse sich höchstens sozialpolitisch rechtfertigen. Auch in den neuen Stadtquartieren gebe es „keine Erwägungen des Senats, Flächen zur temporären Nutzung als Wagenplätze zur Verfügung zu stellen“. Es gibt ja auch die neuen Stadtquartiere bisher nicht.
Telegramm
Die Zeiten, in denen man jemanden totfahren konnte und dann auf Bewährung nach Hause geschickt wurde, scheinen endgültig vorbei: Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den 25-jährigen Opelfahrer, der betrunken mit Tempo 80 an der Landsberger Allee eine auf die Tram wartende Krankenschwester umgebracht und eine weitere schwer verletzt hatte, zu dreieinhalb Jahren Haft.
Heiße News aus Welzow-Süd: Der Kohlekonzern Leag bejubelt die milliardste Tonne geförderte Kohle. Herzlichen Glückwunsch zu mehr als zweieinhalb Milliarden Tonnen CO2 (zum Vergleich: damit kann das heutige Berlin ca. 125 Jahre vor sich hin dampfen, dieseln und düsen)! Den Beitrag des Braunkohleabbaus zum Naturschutz illustriert die erste Sichtung eines Luchses im Tagebaugelände (ein Harzer, der die >220 km gewandert sein muss, via RBB). Jetzt haben die Lausitzer Wölfe ein Luchsusproblem.
Letzte Runde: Laut aktuellem Amtsblatt, nichtamtlicher Teil, hat sich der Wanderkreis Berlin e.V. aufgelöst. – weil sich kein Nachfolger fand, wie der letzte Vorsitzende (79) am Telefon sagt, der jetzt vereinslos wandert. Die Abhilfsmaschine aus dem Silicon Valley (Google) schlägt fitten Fußgängern auf der Suche nach einer neuen Umlaufbahn die „Weltraumjogger“ vor, einen Zehlendorfer Triathlon-Verein. Der nimmt allerdings mangels Schwimmkapazitäten kaum Neumitglieder auf. Läuft eben nicht rund mit den Sportangeboten in Berlin.
Was läuft eigentlich bei der Reinickendorfer AfD? Sie fragt das Bezirksamt, ob es „Schwierigkeiten bei der Findung von Handwerkern für die Instandsetzung der technischen Anlagen des Rathauses“ habe. „Zum Beispiel ist das linke (typisch!, Anm. d. Red.) Urinalbecken im Herren-WC gegenüber dem Raum 324 seit über einem Monat abgedeckt und nicht zu benutzen.“ Laut Bezirksamt „bestand im vorliegenden Fall keine besondere Eilbedürftigkeit, da in dem Herren-WC neben einem vollwertigen WC auch ein weiteres Urinal vorhanden ist.“
Subobtimal läuft es auch bei den Einbürgerungsanträgen. Deren Bearbeitungsdauer beträgt laut Bezirksamt „durchschnittlich im Moment grob geschätzt 9 bis 15 Monate“, teilweise länger. Immerhin steigt auch die durchschnittliche Lebenserwartung.
Schneller war das Bürgeramt Pankow, das CP-Leser Ralf K. gestern von jetzt auf gleich eine „Passgenehmigung“ an sein hessisches Etappenziel auf dem Weg nach Italien durchkabelte. Nur mit der konnte sein kleiner Sohn vor der Weiterreise den nötigen Kinderreisepass ausgestellt bekommen. Und das, obwohl der eigentlich zuständige Pankower Bürgeramtler gerade krank war. Herr K. und der CP wünschen gute Besserung!
Nach langer Kaltstartphase ebenso schnell war laut CP-Leser Arno S. das Bezirksamt Mitte, das mehrfache Hinweise auf einen illegal und verkehrsgefährdend abgestellten Container am Invalidenfriedhof seit Jahresbeginn tapfer ignorierte, aber laut Herrn S. nach mündlicher Androhung einer Verwaltungsklage binnen einer Stunde entfernen ließ.
Falls Sie sich gefragt haben, warum die Ost-West-Linien der S-Bahn gestern so unpünktlich waren: Es kann an der Weichenstörung am Westkreuz gelegen haben. Oder an der Signalstörung am Zoo. Oder an der am Ostbahnhof.
Wenn der Flughafen doch nicht mehr eröffnet, ließe sich mit dem Souvenirfundus der CP-Leserschaft zumindest ein BER-Museum bestücken: Marion H. hat einen Gutschein für die Besucherterrasse, einlösbar ab 1.8.2012. Grünen-MdA Andreas Otto verwahrt ein Honigglas vom Flughafen, das er zur Eröffnung verfrühstücken will, und bemerkt zu dessen aufgedruckter Mindesthaltbarkeit bis Ende 2014: „Diese Angabe ist nach vorne offen und schließt vermutlich auch 2020 mit ein.“
Peter S. hat sogar noch zwei Bordkarten vom Komparsentag am 20.3.2012, wobei es sich bei den Flügen (Air France nach Paris und Tui nach Rhodos) in Wahrheit um Busfahrten von SXF zum BER handelte. Damals als Neuberliner habe er gedacht, bei so einer Aktion macht man nur einmal im Leben mit. Jetzt, als Rentner, hoffe er, die Eröffnung noch zu erleben.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Das war der Fund meines Lebens."
Der Hobbyarchäologe René Schön, der gemeinsam mit dem 13-jährigen Luca Malaschnitschenko auf Rügen einen Silberschatz von König Blauzahn gefunden hat. Nach dem Dänen Blauzahn (910-987), der als großer Kommunikator galt, ist die von Ericsson und Nokia mitentwickelte Funktechnik Bluetooth benannt.
Tweet des Tages
"Warum kauft Ihr Euch keine Wohnung?“ ist das „Soll das Volk doch Kuchen essen“ des 21. Jahrhunderts."
Stadtleben
Essen Sushi-Restaurants gibt es im Prenzlauer Berg wie Köftebuden in Kreuzberg oder Co-Working-Spaces in Mitte. Doch mit dem Ha-an in der Kastanienallee 18 sei Liebhabern des kulinarischen Evergreens aus Japan ein besonders charmanter Laden ans Herz gelegt. Das leicht dämmrige Kellergewölbe bietet einen ruhigen Rahmen für ein bewusstes Mahl, mit dem Außenbereich mit Blick auf die frühlingshafte Kastanienallee macht man auch nichts falsch. Etwas fürs Auge und den Gaumen sind die tütenförmigen Temaki oder die variationsreichen Special Rolls (z.B. mit Lachs, Gurke, Avocado, Cream Cheese, umwickelt mit Avocado, 8 Stück 7,50 Euro). Für mehr als ein paar Happen ist der Sake Steam zu empfehlen. Tägl. 12-0 Uhr
Trinken zum Semesterstart Nicht aus Frust, sondern zum Kennenlernen: Das studentisch verwaltete Café Flora Soft ist im Februar von der Invalidenstraße 42 auf den Campus Nord gegenüber gezogen. Das frisch renovierte, historische Backsteingebäude „Haus 19“ in der Phillipstraße 13 in Mitte beherbergt nun den ersten studentischen Treffpunkt auf dem Campus. Er steht allen Studierenden offen, um zwischen Vorlesungen und in der Mittagspause bei Fairtrade-Kaffee, Tee aus dem „Zaubergarten“ und Mate (alles auf Spendenbasis) etwas Energie zu tanken, oder Kommilitonen zum Kickern herauszufordern. Mo-Fr 9-20 Uhr
Wer das Kirschblütenfest in den Gärten der Welt am Sonntag verpasst hat, muss nicht verzagen, am 29. April wird das Blumenfest am Berliner Mauerweg noch mal zelebriert. Wer sich bis dahin in die Geschichte des Fests und die symbolische Bedeutung der Kirschblüte einlesen will, findet dafür bei Dussmann ein breites Sortiment an Lese- und Filmstoff.