wir starten in den Samstag mit einem Überblick über die wichtigsten Nachrichten aus Berlin:
+++ Mitten in der Energiekrise verlangen Fridays For Future „Menschen statt Profit“. Diese Forderung unterstützten mehr als 30.000 Demo-Teilnehmer in Berlin. Sie beteiligten sich am Klimaprotest im Regierungsviertel.
+++ Letztes Jahr legte ein Streik der Pflegekräfte die Charité lahm. Nun spitzt sich die Tarifrunde der Ärzte zu. Berlins Uni-Mediziner wollen Anfang Oktober die Arbeit niederlegen.
+++ Drei von vier Prio-Projekten verschoben: Nur 40 von 173 Schulen auf der Dringlichkeitsliste der Bildungsverwaltung erhalten Investitionsmittel. Diese Berliner Bildungsorte schaffen es auf die Förderliste des Senats.
Auf tagesspiegel.de informieren wir Sie fortlaufend über alle Entwicklungen in und rund um Berlin.
Der Berlin Marathon teilt die wiedervereinte Stadt erneut, wenn auch flüchtig, entlang dieser Strecke. In der Gegend um Olympiastadion und Olympiapark kann es wegen des Lollapallooza-Festivals zu lauter Jugend und entsprechender Senkung des Durchschnittsalters kommen. Auch, wenn das Line-Up dieses Jahr nicht gerade reich an internationalen Superacts sein mag. Aber wer braucht die schon, wenn man Wochenende hat? Außerdem spielt doch schon in zehn Tagen, am 3. Oktober, die Checkpoint-Band beim Tagesspiegel Hoffest. Kommen Sie doch auch, wir freuen uns auf Sie.
O'zapft heißt es derweil nicht nur in München, sondern mitunter auch in Berlin (u.a. im Hofbräuhaus und auf dem Alexanderplatz). Die Kolleginnen Ann-Kathrin Hipp und Anke Myrrhe haben das Ganze mal zum Anlass genommen und den ultimativen Städtevergleich gewagt. Wer siegt in Sachen Verkehr und Verwaltung? Welcher Flughafen kann mehr und welches Landesoberhaupt? Wo gibt es mehr Grünflächen, mehr Sonnenstunden und mehr Bierbrauereien? Wo sind die Menschen glücklicher? Wer gewinnt das Battle der Metropolen? Alles, was Sie jemals über München und Berlin (nicht) wissen wollten, erfahren Sie in der neuen Folge „Berliner & Pfannkuchen“ hier. Currywurst- und Weißwursttest inklusive.
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Meisterwerke der Romantik
Brahms & Tschaikowsky in der Philharmonie Berlin
Ein Konzert mit den Leipziger Philharmonikern unter der Leitung von Michael Koehler
Sonntag, 2. Oktober 2022, 20.00 Uhr, Philharmonie Berlin
Programm: Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 1 in g-Moll, WoO1;
Peter I. Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23 (Solist: Haiou Zhang); Johannes Brahms: Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Philharmonie Leipzig: Haiou Zhang, Klavier | Michael Koehler, Dirigent
Samstagmorgen – Das Eigentum! Was wir nicht alles dafür tun, was wir ihm nicht alles unterordnen! Dabei verpflichtet Eigentum doch, das steht schon im Grundgesetz. Und abgesehen von dieser sozialen Verpflichtung: Kümmern muss man sich auch um die kleinen Dinge, sie pflegen, reinigen, reparieren und warten. Wozu das, wenn man durch Verzicht aufs Eigene nicht nur Lebenszeit spart, sondern auch noch Geld, Ressourcen, CO2 und Verantwortung? Der Trick: Was man nicht unbedingt haben muss, kann man auch leihen. Und im Ressourcenladen Resi in der Bouchéstraße 79 B (Alt-Treptow) sogar kostenlos. Die Idee ist eine Art Tauschökonomie auf Zeit: Wer etwas zu verleihen hat, gibt es im Laden ab. Wer etwas leihen will, tut dies gegen ein Pfand. Wieso sollte jeder Haushalt über eine eigene Schlagbohrmaschine verfügen, wenn sie nur alle Jahre mal gebraucht wird? Das ganze Konzept samt aktueller „Ressourcendatenbank“ finden Sie hier.
Samstagmittag – Von geteiltem Zeug zu geteiltem Raum: Keine programmatische Klammer, kein kuratorisches Konzept, sondern einfach den Einblick in den Stand der Dinge und hinter die Kulissen künstlerischen Schaffens geben die Tage publikumsoffener Ateliers – von 13 bis 21 Uhr sind heute die im Atelierhaus Ackerstraße 81 zugänglich. „Sprezzatura“ nannte Schriftsteller Baldassare Castiglione übrigens die Fähigkeit mancher Menschen, anstrengende Arbeit im Werk ganz leicht erscheinen zu lassen. Kunst etwa, die in Ausstellungen ganz einfach daherkommt, zeigt die Arbeit, die in ihr steckt, in der Regel nicht. Der Blick ins Atelier stellt das auf den Kopf.
Samstagabend – Sprezzatura gilt natürlich auch in puncto Musik. Je eingängiger, einfacher und stimmiger sie wirkt, desto mehr hat wahrscheinlich jemand daran gefeilt. Eigenständige Einfachheit erreicht ohne Frage auch der finnische Singer-Songwriter Martti Mäkkelä mit seinem als „Folk-Noir“ betitelten Stil. Musikerin und Autorin Claudia Nentwich Singer lädt ihn zum „Song Talk“ nach Charlottenburg ins Terzo Mondo (Grolmanstraße 28) – die seit 1972 bestehende Bastion der Erzählkunst, Atmosphäre, Musik, griechischen Essens und Weins, aber „ohne griechische Säulen und Götter“, wie der Chef sagt.
Sonntagmorgen – Mit griechischen Göttern vermittelt Bilderbuchautor Marko Simsa Kindern die Astronomie, die normalerweise ja auch eher ohne Götter auskommt. Simsa selbst wird in seinem neuesten Werk zum Götterboten Merkur, der am Firmament umherturnt und seine Planetenkolleg:innen vorstellt. Nebenbei lernen die Kinder etwas über Instrumente und Klänge eines Orchesters. Die Illustrationen von Doris Eisenburger werden um 10.30 Uhr bei der feierlichen Buchpremiere von „Die Planeten“ firmamentgroß an die kuppelförmige Decke des Zeiss-Großplanetariums (Prenzlauer Berg, Prenzlauer Allee 80) geworfen und die Geschichte vom Autor erzählt. Geeignet für Kinder ab fünf Jahren.
Sonntagmittag – Worauf das Weltall, abgesehen von Göttern, eigentlich auch verzichtet, ist Schall – allen Falschdarstellungen in Hollywoodfilmen zum Trotz. Zum Glück gibt es den aber in irdischer Atmosphäte, weshalb es in der Gruppenausstellung im Projektraum des VdBK 1867 in Mitte (Heidestraße 54, Zugang über die Toreinfahrt, dann in das 3. OG im Hinterhaus) eben um Kunst mit Schall gehen kann. Die von Daniela Fromberg kuratierte Schau „Gegensprechanlage“ zeigt Arbeiten von 26 laut (und auch ziemlich leise) werdenden Frauen aus verschiedenen Kunstsparten, die sich dem hörbaren Phänomen annähern, es skulptural, kompositorisch, bildlich oder performativ verarbeiten. Von 15 bis 19 Uhr.
Sonntagabend – Die Freitagsaufführung war lange im Vorfeld ausverkauft, die am Sonntagabend könnte es, wenn Sie diese Zeilen lesen, sein – beim Tippen kurz gecheckt, gibt es jedenfalls noch Karten für Luigi Nonos epochale Oper Intolleranza 1960 am Sonntagabend (Komische Oper, 19 Uhr). Für die vier Folgetermine in der kommenden Woche sind auf alle Fälle noch Tickets verfügbar. Man könnte meinen, dass das titelgebende Datum den Inhalt einem bestimmten historischen Ereignis zuordnet – tut es aber nicht. Es markiert schlicht die Entstehungszeit der Oper über das historische Leid von politisch Verfolgten, Unterdrückten und Ausgebeuteten. 62 Jahre später aufgeführt wirkt es umso mehr wie eine Provokation. Denn man kommt kaum umhin, den Stoff als hochaktuell und, angesichts seines Alters, sogar zeitlos zu erkennen.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Kennen Sie das? Sie gehen einer vergnügichen Freizeitaktivität nach, vielleicht Pediküre oder Stoßzahnpflege, als plötzlich irgendwo ein Rascheln aus dem Gebüsch kommt und Sie schlagartig aus der wohligen Schwebe befördert. Natürlich sitzt da wieder einer, in Tarnkleidung, womöglich mit Feldstecher ausgestattet, und „be-o-bach-tet nur“. „Naturfreund“ nennt er sich. Als wäre ich die Natur. Oder ausgerechnet meine Pediküre an der Natur das Interessanteste. Ich bitte Sie! Ich kann natürlich verstehen, dass man sich für meine Person interessiert, aber dann schreiben Sie mir einfach Fanpost. Wollen Sie dagegen Natur beobachten, fahren Sie doch lieber in die Uckermark, da wird es nämlich wirklich wild. Das WWF-Naturschutzgebiet Zerweliner Heide am Rande des Großen Petznicksees soll eine der artenreichsten Gegenden Deutschlands sein – und unter fachkundiger Anleitung unterbrechen Sie auch keine Fischotter, Seeadler oder Eremiten bei der Pediküre. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Berliner Bauernweg: Die Wege der Stadt meinen Sie längst ergründet zu haben? Von wegen! In Gatow gibt es einen neuen, den „Gatower Bauernweg“, von Bauer Bathe über Bauer Feldbinder zu Bauer Ernst. Was es damit auf sich hat, erzählt André Görke (T+).
Interview: Er hat die Mitsprache eines Kängurus bei gesellschaftspolitischen Debatten gesellschaftsfähig gemacht, jetzt redet er selbst mit. Marc-Uwe Kling über Klima, Fridays For Future und die Bundesregierung. Alexander Kloß führte das Interview (T+).
Apropos Klima: An der (hypothetischen) Zukunft von fünf Berliner Orten spielt Armin Lehmann (T+) die Auswirkungen der Klimakrise auf die Stadt durch.
Wochenrätsel
Gewonnen! Wer unter fachkundiger Anleitung schwimmen lernen will, muss erstmal die Luft anhalten: Die Wartezeit auf einen freien Platz im Schwimmkurs bei den Berliner Bäderbetrieben dauerte letzte Woche…
a) …ungefähr 3½ Wochen
b) …ungefähr 47 Tage
c) …ungefähr 866 Stunden
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, ist klar im Vorteil!
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenEncore
Berliner Hausnummern (XXX): Wer knackt die vier Stunden? Fast 55.000 Läufer- und Skater:innen kämpfen sich an diesem Marathon-Wochenende durch die Stadt. Der Strecken- und Weltrekord liegt derzeit bei 2:01:39 Stunden (Eliud Kipchoge, 2018). Entlang der Strecke feuern eine Million Berliner:innen die Rennenden an – und 7500 Freiwillige sammeln ringsherum die Plastikbecher auf (Q: Bmw Berlin-Marathon/SCC Events).
Heute früh hat Ihnen Kathrin Maurer (Produktion) die Wochenend-Ausgabe auf den Bildschirm gezaubert, am Montag lesen Sie an dieser Stelle von Nina Breher. Haben Sie ein schönes Wochenende!
