auch am fünften Tage nach der Wahl kommt Berlin aus dem Staunen nicht raus – die Liste der Pannen und Peinlichkeiten wird immer länger.
In Charlottenburg-Wilmersdorf zum Beispiel, wo schon früh die Stimmzettel ausgegangen waren, hatten alle 22 Wahlbezirke exakt dasselbe vorläufige amtliche Endergebnis gemeldet – gestern dann veröffentlichte das Bezirkswahlamt dazu eine Erklärung, die noch verrückter klingt als der Umstand an sich: Der Ausgang der Wahl wurde geschätzt (nein, kein Witz) – die Verteilung der Prozente auf die Parteien war eine reine Fiktion. Und als wäre das jetzt nicht schon gaga genug, setzte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, der es mit Regeln auch sonst nicht ganz so genau nimmt (CP v. 22.6.), noch einen drauf: Er findet das alles „normal“ – und nennt die Kritik „bodenlos“.
Doch immer mehr Menschen wollen sich nicht mehr damit abfinden, was Berliner Politiker für „normal“ halten. Dass bei Wahlen auch mal etwas schief gehen kann – geschenkt. Und dass ein einzelner Wahlbezirk wegen unerwarteter Umstände in der Wahlnacht auch mal ein unfertiges Ergebnis durchreicht – kommt vor. Aber gleich alle 22? Und das zunächst ohne nachvollziehbaren Hinweis? Bodenlos ist hier nur die organisierte Verantwortungslosigkeit.
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„Vielleicht erklärt diese Überraschung des Tages ein wenig das Wahl-Chaos in Berlin“, schreibt die erfahrene Vorsteherin eines Wahllokals im Norden der Stadt dem Checkpoint – sie bekam drei Tage nach der Wahl per Post folgende Informationen zugeschickt: eine aktualisierte Übersicht ihres Wahlvorstands, eine Checkliste zur Wahlhandlung, Hinweise der Landeswahlleiterin zur Vorbereitung auf die Wahl, Musterbeispiele zur Gültigkeit und Ungültigkeit von Stimmen, Hinweise der Landesabstimmungsleiterin zum Volksentscheid. Der Brief des Bezirkswahlamtes trägt den Poststempel vom 27. September 2021 – er wurde also einen Tag nach der Wahl verschickt.
Der Kommentar der Vorsteherin, die seit bald drei Jahrzehnten dabei ist: „Wenn das der Standard der Information der Wahlvorstände ist, wundert mich die schlechte Organisation der benachbarten Wahlvorstände in der Schule, in der auch mein Wahllokal lag, überhaupt nicht.“
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Und damit wären wir in Reinickendorf, wo es ein Briefwahlbezirk auf die sensationelle Beteiligung von 150 Prozent schaffte (CP von gestern) – selbst die Kandidaten der Nationalen Front kamen nie über 99 Prozent.
Berlinrekord ist das aber nicht – den hält Tempelhof-Schöneberg: Hier wurde mit 159 Prozent die höchste Wahlbeteiligung gemeldet. Der Checkpoint gratuliert herzlich. 16 weitere Wahlbezirke lagen ebenfalls weit über 100 Prozent.
Und weiter geht’s: In Neukölln konnten Minderjährige die Stimmzettel für Bundestag und Abgeordnetenhaus ankreuzen – stundenlang wurden hier zu viele Wahlzettel ausgegeben.
Ebenfalls in Neukölln passte die Zahl der tatsächlichen Wähler nicht zur Zahl der ausgezählten Stimmen – es waren zu wenig, hunderte werden noch vermisst. In anderen Bezirken war es genau umgekehrt – hier hatten offenbar Tarnkappenbürgern gewählt.
Viele EU-Bürger, die nur an den BVV-Wahlen teilnehmen dürfen, hatten in ihren Briefwahlunterlagen ebenfalls Stimmzettel für den Bundestag und das Abgeordnetenhaus – u.a. eine dänische Checkpoint-Leserin in Charlottenburg-Wilmersdorf.
99 Wahllokalen meldeten auffällig viele Stimmen als ungültig – in einem Kreuzberger waren es 40 Prozent, in einem Neuköllner sogar 70 – vermutlich waren auch hier nicht die richtigen Wahlscheine angekommen.
Überall in der Stadt stellten die Wahlvorstände fest, dass Stimmzettelkartons falsch beschriftet waren. Die Landeswahlleitung wusste das übrigens seit Anfang August – angeliefert wurden die Kartons aber erst am Wahltag.
Auch in Steglitz-Zehlendorf verteilten Wahlhelfer die falschen Wahlscheine – und in Marzahn-Hellersdorf vergaßen sie, den Wählerinnen und Wählern die Erststimmenzettel fürs Abgeordnetenhaus mitzugeben.
In Pankow werden acht Stimmbezirke neu ausgezählt – auch hier landeten falsche Wahlscheine, diesmal betraf es die Erststimmen zum Bundestag: Sie wurden als ungültig gezählt.
Zwei Wahlhelfer aus Tempelhof-Schöneberg teilten uns unabhängig voneinander mit, dass sie in den Briefwahlumschlägen kopierte Wahlscheine gefunden haben – wie viele davon unentdeckt mitgezählt wurden, lässt sich nicht mal schätzen. Und mehrere Checkpoint-Leser berichteten, dass sie ihre Briefwahlunterlagen doppelt bekommen haben.
Am 14. Oktober wird das endgültige Ergebnis erwartet, aber nur das der Wahlen. Wer verantwortlich ist für das Chaos, bleibt offen: Die Senatskanzlei erklärt, sie sie in der Sache „eher Zuschauer“. Die Innenverwaltung bekennt sich zu Rechtsaufsicht, aber in Bezug auf die Pannen für unzuständig. Die Landeswahlleiterin schob vor ihrem Rücktritt den Bezirkswahlämtern die Schuld zu. Die Bezirke wiederum beklagen sich über eine schlechte personelle Ausstattung durch den Senat. Aber der, siehe oben, schaut ja nur zu. „Das Irgendwie muss endlich ein Ende haben“, schreibt Checkpointer Robert Ide heute in seinem Leitartikel (Abo) – aber wer macht dabei den Anfang?

So ähnlich, wie die Wahl vorbereitet wurde, begann einst auch der Bau des BER. Im Checkpoint zählten wir jeden Morgen die Tage seit der geplatzten Eröffnung von 2012. Vor genau einem Jahr dann stellten wir unseren Counter beim Stand von 3073 für immer ein: Pünktlich zu seinem Geburtstag am 31. Oktober hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, dreieinhalb Jahre zuvor geholt in der Not, den BER endlich ans Netz gebracht.
Gestern nun feierte der „Tatortreiniger“ Abschied – und seine Führungscrew überreichte ihm ein besonderes Geschenk: Die Geschichte des BER als Checkpoint-Buch, bebildert mit den Flughafen-Comicstrips unserer wunderbaren Naomi Fearn. Kurz zuvor hatte er uns zu einem letzten Rundgang durch den Flughafen eingeladen: über den „Marktplatz“, auf dem wieder alle Läden geöffnet haben, vorbei an der „StäV“, wo sein Bild jetzt direkt neben dem von Willy Brandt hängt, entlang an der Laufband-Baustelle im Mainpier, und schließlich hinauf zur noch uneröffneten Tegel-Lounge.
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Die Tanzcompagnie Rubato beobachtet und analysiert seit langem gesellschaftliche Entwicklungen und übersetzt sie in choreografische Kompositionen. Ihre neue Produktion „Die Zeit ist immer jetzt“ ist eine Kooperation mit zeitkratzer, dem europäischen Solisten-Ensemble für aktuelle Musik. Uraufführung: 7. Oktober, weitere Vorstellungen: 8.-10. Oktober, Uferstudios Berlin
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Engelbert Lütke Daldrup hat am BER geschafft, was manche für unmöglich hielten. Ob er vielleicht auch eine Lösung für die anderen Berliner Baustellen hat? Hier ein paar Auszüge aus unserem Gespräch:
+ „Wir haben ein Umsetzungsdefizit.“
+ „Manchmal fehlt es an Verantwortungsbewusstsein für Effizienz.“
+ „Wir wären gut beraten, bei den Auflagen abzurüsten.“
+ „Wenn man will, dass Probleme in einer Stadt zügig gelöst werden, muss sich die Politik selbst beschränken.“
+ „Alle Berliner Parteien wissen, dass sie in der Frage von Regeln und Umsetzungsgeschwindigkeit ein neues Maß finden müssen, in welcher Koalition auch immer.“
+ „Diese sektorale Optimierungstendenz, dass jeder sein Detailinteresse abgebildet haben möchte, ist im Sinne des Allgemeinwohls ein immer größeres Problem.“
+ „Ich würde dafür plädieren, eine starke Steuerungsfunktion im Roten Rathaus und ein stärkeres Projektcontrolling mit klaren, gemeinsamen Zielen zu installieren.“
In seinem letzten großen Interview als Flughafenchef verrät Engelbert Lütke Daldrup, wie er den BER bezwang, welche Spuren das bei ihm hinterlassen hat, was für ihn Führung bedeutet, wie sein Terminkalender jetzt aussieht – und ob ein Comeback in der Politik für ihn denkbar ist. „Freude am Leben ist jetzt eine meiner Maximen“ ist der Text überschrieben – Sie können ihn hier mit einem „Tagesspiegel plus“-Abo lesen.
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Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute beginnen die Koalitions-Sondierungen in Berlin – die SPD spricht zuerst mit den Grünen, dann mit den Linken, und am Montag sind CDU und FDP dran.
Heinz Buschkowsky, grummelnder Ex-Bürgermeister von Neukölln und dort Vorgänger von Franziska Giffey, hält einen vorzeitigen Abgang der SPD-Spitzenkandidatin für möglich: Giffey und die Berliner SPD seien „zwei verschiedene Paar Schuhe“ – mit den Linken würde sie nie koalieren, die Partei wiederum nicht mit der FDP. „Entweder Giffey knickt ein, oder sie geht als Märtyrerin.“ Wer dann ins Rote Rathaus stürmt, ist für Buschkowsky längst ausgemacht: Raed Saleh. „Ich glaube, er denkt darüber schon nach, wie er sich mit welcher Bewegung die Amtskette umhängt.“ (Q: Berliner Rundfunk 91.4)
Die SPD-Fraktion wählte gestern aber Saleh erst mal wieder zu ihrem Vorsitzenden (32 von 35 Stimmen). Und nebenan bei der CDU bekam Kai Wegner das größte Büro und den Chefwagen zugesprochen (24 von 29). Sein Vorgänger Burkard Dregger verpasste den Einzug ins Abgeordnetenhaus – die Wähler ersparten der CDU somit den ersten Postenärger.
Die Profs und Dozenten der „Berliner Hochschule für Technik“ (Ex-Beuth-Hochschule, seit heute umbenannt) haben hoffentlich die Ferien für eine Zusatzausbildung als Türsteher genutzt – in einem Rundschrieben fordert das Präsidium sie zum Beginn des ersten Präsenzsemesters jedenfalls auf, „im Streitfall“ die Einhaltung der Corona-Regeln (3G) selbst sicherzustellen – „auf Basis der Verantwortung durch die zuständige Lehrkraft“. Hier schon mal ein kleiner Tipp: Kraft ist gleich Masse mal Beschleunigung – mit anderen Worten: Nichts wie weg.
Eine massive IT-Störung legte gestern die Verwaltung lahm – betroffen waren u.a. die Standesämter (aber da fiel es vermutlich wegen der siebenjährigen Wartezeiten nicht weiter auf). Eine weitere Folge: Die Empfänger von Grundsicherung bekamen ihr Monatsgeld nicht rechtzeitig aufs Konto.
Weil Bücherverbrennungen umweltschädlich sind, verlegen sich Rechtsextremisten zunehmend aufs Bücherzerreißen – und das tun sie gerne in der Zentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg (CP v. 12.8.21). Jetzt wurden hier wieder zerstörte Bücher gefunden – allerdings traf es mit Viktor Streck und Joachim Fernau Autoren, die nicht ins rechte Feindbild passen. Betroffen waren auch Bücher von und über Richard David Precht – der hatte sich zuletzt kritisch mit „Querdenkern“ beschäftigt.
Nicht verfügbar in der Zentralbibliothek ist die neue Badeordnung der Saarow-Therme – aber zum Glück gibt‘s die ja online. Und so wissen wir jetzt u.a., dass dort „der Austausch von Zärtlichkeiten auf ein angemessenes Maß zu beschränken“ ist, und: „Die Amtssprache in Deutschland und somit in der Saarow-Therme ist deutsch.“ Aber da wollten wir ja sowieso nicht hin. (via Matthias Meisner)
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GEORGETTE DEE & DIE DREAMBOYS – TRAUM-ZEIT-GESÄNGE
Georgette Dee singt viele neue Lieder, Balladen und Chansons – musikalisch, sinnlich, philosophisch, verspielt - und fragt nach dem Sinn des Lebens! „Leben?!?: was ist der Sinn, was war der Sinn, muss alles immer einen Sinn haben oder ist es nicht einfach genug, sich des Lebens und der Lebendigkeit zu erfreuen?“ Vom 12.10. – 17.10. in der BAR JEDER VERNUNFT
Ist es ein Glückfall, wenn man sein geklautes Rad bei Ebay wiederentdeckt? Nicht unbedingt, wie ein Checkpoint-Leser jetzt feststellen musste. Die Polizei teilte mit: „Keine Ermittlungen möglich.“ Größe des Ärgers: 28 Zoll.
Youtube hat RT Deutschland verbannt, aber in Berlin baut der russischen Propagandasender seine Präsenz mächtig aus: Ein großes Studio in der „Fernsehwerft“ am Osthafen wurde gerade technisch aufwendig eingerichtet, gewerkelt wird auch in Adlershof – hier könnte die Zentrale hinkommen. Und einen neuen Namen soll‘s wohl geben: Wir tippen mal auf „Sascha TV“.
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Manchmal ballt sich Geschichte – gestern war wieder so ein Fall:
Vor genau 75 Jahren begann die Urteilsverkündigung bei den Nürnberger Prozessen – den Leitartikel dazu von Tagesspiegel-Gründer Erik Reger haben wir hier für Sie extra aus dem Archiv geholt.
Dann kam die noch Meldung „95-Jährige auf der Flucht gefasst“ – die frühere KZ-Sekretärin wollte sich ihrem Prozess entziehen.
Und schließlich spielte am Abend zum ersten Mal eine israelische Mannschaft im von den Nazis erbauten Olympiastadion – Union gewann das Conference-League-Spiel gegen Maccabi Haifa mit 3:0. Am Rand des Spiels kam es zu mehreren antisemitischen Übergriffen durch Berliner Fans. Dabei soll nach Tagesspiegel-Informationen auch versucht worden sein, eine Flagge Israels anzuzünden.
Vor 25 Jahren knüppelte ein Skinhead in Trebin den Bauarbeiter Orazio Giamblanco mit einem Baseballschläger nieder – der Bauarbeiter leidet bis heute an seinen schweren Verletzung. Gestern wurde zu seinen Ehren jetzt an der alten Feuerwache ein Platz nach ihm benannt.
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Noch immer wird der kleine Hund Oskar gesucht (Sie kennen ihn inzwischen aus dem Checkpoint, oder?) – ein Update mit allen Infos zum Mitsuchen gibt’s hier.
Zitat
„Bitte nutzen Sie unsere sehr freundliche Selbstbedienung.“
Hinweis im Museumscafé der Sammlung Scharf-Gerstenberg in Charlottenburg.
Tweet des Tages
Wenn wir in Berlin die Wahlen wiederholen, sollten wir allerdings darauf bestehen, dass auch der Marathon noch einmal stattfindet.
Stadtleben
Essen – Weinen, weil das Essen so gut schmeckt (und so scharf ist!): Zu dieser Erfahrung verhilft das Friedrichshainer Thai-Restaurant Larb Koi. In Berlin immer noch eine Seltenheit: Die überwiegende Mehrheit der Hauptstadt-Thais kocht für deutsche Gaumen. Wer in dem neu eröffneten Restaurant unweit des Boxhagener Platzes einkehrt, kommt hingegen in den Genuss authentischer Küche mit ordentlich Wumms. Das „Larb“ im Namen ist dabei eine Zubereitungsart, die in Thailand verbreitet ist: Fleisch wird gehackt und mit Kräutern und Chilis zu einer Art Salat verarbeitet. Die Speisekarte ist klein gehalten, neben dem Larb Kai mit Hühnchen, Chili und Koriander (11,90 Euro) gibt es z.B. einen Papaya Salat (9,90 Euro) oder ein Curry mit geschmortem Rind (13,50 Euro). Di-Do 12-15 und 17-22 Uhr, Fr/Sa 12-15 und 17-23 Uhr, So 13-21 Uhr, Krossener Straße 15, U-Bhf Warschauer Straße
Verlosung – Wir verlosen 5x2 Tickets für die Internationale Ballettgala, die am 3. Oktober im Admiralspalast stattfindet. Mit dabei sind Stars bekannter Kompanien aus aller Welt, darunter Kristina Kretova und Igor Tsvirko vom Bolschoi Ballett in Moskau sowie Lucia Lacarra und Matthew Golding vom Ballett Dortmund. Sie zeigen einen Querschnitt aus klassischen Werken der vergangenen 100 Jahre und Highlights zeitgenössischer Tanzkunst.
Last-Minute – Immer am ersten Freitag des Monats zeigt die Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kino Delphi Lux einen Film, der sich mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen beschäftigt. Am heutigen Freitag wird Kathrin Pitterlings „Aufschrei der Jugend – Generation Fridays for Future“ gezeigt. Ihr Werk beleuchtet die Ängste, Träume und Niederlangen junger Protestierender und zeichnet so das Porträt einer engagierten Generation. Anwesend sind neben der Regisseurin auch Aktivist*innen der Berliner „Fridays for Future“-Bewegung. Eintritt: 9/erm.8 Euro. Delphi Lux, Kantstraße 10, S-/U-Bhf Zoologischer Garten
Schenken – Im Großstadtpony wünschen sich selbst die größten Muffel, wieder Kind zu sein, so kreativ und liebevoll ist die Auswahl. Neben allerlei Spielzeugen für Kinder jeder Altersgruppe findet man dort auch bunte Brotdosen, Brettspiele und Badetiere. Vor dem Laden können die Kleinen auf die namensgebenden Holzponys klettern. Jeden Freitag und Samstag, wenn die Popcornmaschine angeschmissen wird, duftet es, umgeben von Heliumsballons für Geburtstagskinder, wie auf dem Rummel. Mo-Fr 12-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr, Simplonstaße 27, S-Bhf Ostkreuz
Grübelstoff – „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben“ – so lautet die letzte Strophe des berühmten Gedichts „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke. Was würden Sie in einen langen Brief schreiben, hätten Sie Zeit und Muße dafür?
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Klimastreik, jetzt erst recht: „Ohne Druck auf der Straße gibt es auch mit neuer Regierung keine 1,5-Grad-Politik“, sagt Pauline Brünger. Im Podcast kündigt die Sprecherin von Fridays for Future an, was FFF nach der Bundestagswahl plant, warum das Dorf Lützerath Maßstab für die Klimapolitik sein wird, und wie es ist, zum ersten Mal wählen zu dürfen. Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Berlin heute
Verkehr – A10 (Nördlicher Berliner Ring): Sperrung ab 20 Uhr bis Samstagabend, 23 Uhr, in beiden Richtungen zwischen Mühlenbeck und Birkenwerder.
B2 im Bereich Lindenberg: Sperrung in Fahrtrichtung Berlin ab Abzweig Schwanebeck bis zur Stadtgrenze Berlin ab 8 Uhr bis Ende Oktober.
Luisenplatz (Charlottenburg): Verengung auf einen Streifen in beiden Richtungen zwischen Charlottenburger Ufer und Bonhoefferufer (Schloßbrücke).
Buckower Chaussee (Marienfelde): Verengung der Fahrbahn bis Ende Oktober zwischen S-Bhf Buckower Chaussee und Richard-Tauber-Damm auf jeweils einen Fahrstreifen.
Schnellerstraße/Fennstraße (Niederschöneweide): Sperrung der Kreuzung von 7 bis 17 Uhr.
Seegefelder Weg (Staaken): Beeinträchtigung des Verkehrs durch Baustellenampel bis Anfang November.
Weißensee: Verengung auf einen Fahrstreifen stadteinwärts zwischen Liebermannstraße und Giersstraße bis Mitte 2022.
Demonstration – Von 17 bis 22 Uhr will Autokorso Berlin mit 40 Fahrzeugen ab P&R Pankow-Heinersdorf über Wollankstraße, Prenzlauer Promenade, Osloer Straße, Kameruner Straße, Amrumer Straße zum Gesundbrunnen-Center fahren und „die Bevölkerung über Daten und Fakten sowie Entwicklungen und Auswirkungen der Corona-Maßnahmen und Hintergründe“ informieren. Am Platz der Republik erwarten Parents for Future etwa 200 Teilnehmende zur Kundgebung „Lichter für die Erde“ zwischen 18.30 und 19.45 Uhr. Samstag: In der Uhlandstraße 14 werden von 12 bis 19 Uhr etwa 500 Teilnehmende zur Kundgebung „Trauerstunde für die vier ermordeten gehörlosen Frauen in Haiti – für Menschenrechte für Menschen mit Behinderung“ erwartet. 250 Teilnehmende werden von 15 bis 20 Uhr zur Kundgebung „Die Deutsche Einheit in Ost und West“ auf dem Platz des 18. März erwartet. Etwa 1000 Teilnehmende versammeln sich zum Aufzug „Defend KöpiPlatz“ von 20 bis 23 Uhr, der ab Köpenicker Straße 133-136 über Simon-Dach-Straße und Boxhagener Platz zum Forckenbeckplatz zieht. Sonntag: 40 Fahrzeuge erwartet Autokorso Berlin zu „Autokorso-Berlin, das Original“ von 10 bis 13 Uhr ab Masurenallee über Kaiserdamm zum Olympischen Platz. Circa 50 Teilnehmende halten von 10 bis 17 Uhr eine Mahnwache anlässlich von „31 Jahren Anschluss der DDR“ Unter den Linden. Von 11 bis 16 Uhr wollen 250 Teilnehmende am Platz des 18. März zum „Frühtalk: Die Deutsche Einheit nach der Bundestagswahl und Pandemie“ miteinander reden. 300 Teilnehmende werden zu „Runder Tisch – Gesprächsrunde und Kundgabe: #Frieden #Freiheit #Volksherrschaft“ am Platz der Republik von 11 bis 22 Uhr erwartet. 200 Teilnehmende finden sich mit der Evangelischen Luther-Kirchengemeinde am Winterfeldtplatz von 15 bis 17 Uhr zur „Danke-Demo: 3. Oktober – Deutschland singt“ ein.
Gericht – Zwei mutmaßlichen Erpressern wird der Prozess gemacht. Die 33- und 31-Jährigen sollen einen Bekannten unter Pseudonym über einen Messengerdienst zu Zahlungen aufgefordert und mit Repressalien gegen seine Familie gedroht haben. Sie hätten 15000 Euro erpresst (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 504).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Liebe Alexandra, zwar momentan getrennt, aber gemeinsam senden dir deine SE die herzlichsten Geburtstagsglückwünsche.“ / Michael Behn (77), Galerist und Künstler / Lutz Buschkow (64), ehem. Trainer beim Berliner TSC, Cheftrainer der deutschen Wasserspringer / Henriette von Dobschütz (18) / Uwe Doering (68), ehem. für Linke im AGH, heute Bezirksverordneter in Treptow-Köpenick / „Die herzlichsten Glückwünsche zu Deinem Geburtstag, liebstes Dorle, von Evi und Uwe! Viel Vergnügen in Dresden, haut ordentlich auf die Pauke und feiert schön. Auch viel Freude beim Innehalten bei Vermeer (vielleicht gibt´s ja diesmal Perlenohrringe für Dich zwinker)“ / Christoph Fischer, „Christoph macht sich und wird achtzig. Ich möchte gerne dem Schul- und Studienfreund gratulieren, Manfred mit Inga Baum.“ / Lea Rosh (85), Journalistin und Autorin / „Lieber Lutz, schwer zu glauben: tatsächlich ab heute 50! Wir wünschen alles Gute und eine wilde Feier. Helle und Jutta“ / Thorsten Schäfer-Gümbel (52), ehem. Politiker (SPD) / Devid Striesow (48), Schauspieler / Angela Winkler (72), „Liebe Mama, wir wünschen dir das Beste zu deinem Wiegenfeste! Genieße den Tag in deiner alten Heimat Berlin. Lass dir heute Abend von deinen Philharmonikern ordentlich die Ohren durchpusten! Theresa und Peter“ / Klaus Wowereit (68), ehem. Regierender Bürgermeister von Berlin für die SPD / Nachträglich: Karl-Heinz Böhm, Musiker, Komponist & Verleger
Sonnabend – Brigitte Hartmann, „Liebe Brigitte, alles Liebe und Schöne für Dich in Deinem neuen Lebensjahr. Bleib gesund und munter, damit wir unsere Entdeckungsreisen in und um Berlin herum fortsetzen können. Ulla“ und „Unserer lieben Ex-Kollegin und Freundin Brigitte Hartmann gratulieren wir herzlich und senden lauter gute Wünsche aus dem hohen Norden.“ / „Liebe Brigitte, Reni und Achim wünschen Dir im neuen Lebensjahr nur das Beste!!!“ / Jan-Marco Luczak (46), Mitglied des Bundestags, Vorsitzender der Berliner CDU-Landesgruppe / Jan-Hendrik Olbertz (67), ehem. Präsident der Humboldt-Universität / Helga Schütz (84), Schriftstellerin, Drehbuchautorin / Manfred Zapatka (79), Schauspieler
Sonntag – Susanna Bonaséwicz (66), Schauspielerin, Synchron- und Hörspielsprecherin / Uwe Bossert (47), Gitarrist und Produzent / Lothar Hinze (84), ehemaliger SFB-Sportmoderator, Schauspieler und Synchronsprecher / Adam Jaskolka (42), Schauspieler, Sänger und Regisseur / Florian Keller (40), Hockeyspieler / Christoph Markschies (59), Theologe und ehem. Präsident der Humboldt-Uni / „Michael Neumann wird am 3.10. schon 37, leider weit weg: Shanghai! Alles Liebe und Gute wünscht dir deine Ma“ / Georg Nolte (62), Rechtswissenschaftler / Alexei Pawlowitsch Schipenko (60), Schriftsteller und Schauspieler
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Gestorben – Joachim Bliese, * 7. Oktober 1935, Schauspieler / Ann-Christine Jansson, verstorben am 31. August 2021 / Klaus Lehnert, ehem. Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums, Staatliche Europa-Schule Berlin / Hans Schwarz, * 3. Juli 1937
Stolperstein – Gitla Hachnochi (Jhg. 1904), wohnte mit ihrem Mann, dem Kaufmann und Musiker Michael Hachnochi, in der Wohnung seiner Eltern am Kurfürstendamm 99, wo ein Stolperstein an sie erinnert. Bereits 1933 floh das Paar vor den Nazis nach Paris. Dort kamen ihre Kinder Liliane (*1935) und Colette Hachnochi (*1937) zur Welt. Wahrscheinlich nach einer Razzia Mitte Juli 1942 wurde die Familie in das Internierungslager Pitiviers gebracht und am 21. oder 24. August nach Auschwitz deportiert, wo Gitta Hachnochi heute vor 79 Jahren ermordet wurde. Weder ihr Mann Michael noch die beiden Töchter, Liliane und Colette, überlebten Auschwitz.
Encore
Wir haben mit der Wahl begonnen, wir hören auch damit auf – zum Ausgleich für Pannen und Peinlichkeiten hier noch zwei Lobeshymnen auf engagierte Helfer:
Checkpoint-Leser Michael Harr schreibt: „Zum zweiten Mal war ich als Wahlhelfer in Berlin tätig, nachdem ich Jahrzehnte lang so etwas in Baden-Württemberg gemacht hatte. Unser Team war zum größten Teil jung, unerfahren, engagiert und intelligent. Es hat Spaß gemacht, mit diesem Team zu arbeiten. Es hat fast reibungslos geklappt. Das Wahlamt hatte sehr gut alles vorbereitet. Schade, dass das nicht überall so war.“
Und Christoph Thiele meint: „Dass es Pannen und unentschuldbare Probleme bei der Wahl für Wähler/innen und Wahlhelfer/innen gegeben hat, muss ohne Zweifel benannt, beschrieben und aufgeklärt werden. Ich bitte Sie aber auch im Verhältnis die Vielzahl an engagierten und unter teils sehr hohem Zeitaufwand korrekt zählenden und arbeitenden Wahlhelfer/innen nicht zu vergessen. Sowohl auf ehrenamtlicher wie auf bezirklicher Seite. In dem Briefwahllokal, in dem ich eingesetzt war, wurde von allen Beteiligten viel Zeit investiert, am Ende war alles korrekt und plausibel.“
Und das muss ja schließlich auch mal gesagt werden.
Engagiert und intelligent waren heute im Einsatz auch Thomas Lippold (Recherche), Sarah Borufka und Thomas Wochnik (Stadtleben) sowie Cristina Marina (Produktion). Morgen küren wir hier dann wieder die Berlinerinnen und Berliner der Woche in den Kategorien Bronze, Silber, Gold und Blech. Falls Sie noch jemanden nominieren wollen: Nur zu! Unsere Adresse ist checkpoint@tagesspiegel.de. Bis dahin,
