zu den vielgelesenen Büchern dieser Tage zählt „Die Pest“ von Albert Camus, 1947 veröffentlicht. Manches darin klingt erschreckend aktuell – hier ein Auszug (Rowohlt Verlag):
„Breitet sich die Epidemie zu schnell aus?“, fragte Rambert.
Rieux sagte, das sei es nicht, die statistische Kurve steige sogar weniger schnell an. Nur seien die Mittel gegen die Pest einfach nicht ausreichend.
„Es fehlt uns an Material“, sagte er. „In allen Armeen der Welt wird der Mangel an Material im Allgemeinen durch Menschen ersetzt. Aber uns fehlt es hier auch an Menschen.“
„Es sind doch Ärzte und Sanitätspersonal von außen gekommen.“
„Ja“, sagte Rieux. „Zehn Ärzte und etwa hundert Mann. Es ist scheinbar viel. Es ist kaum genug für den gegenwärtigen Stand der Krankheit. Es wird unzureichend sein, wenn die Epidemie um sich greift.“
Soviel zu und von Albert Camus. Es gibt tatsächliche viele Gründe zur Besorgnis, aber es wird auch viel dafür getan, dass es nicht zum Schlimmsten kommt – politisch und gesellschaftlich. Alles in allem ist es beeindruckend, wie solidarisch und verständnisvoll die Berlinerinnen und Berliner mit der Situation umgehen – und vor allem miteinander. Trotz alledem.
Gestern erschreckte die IBB die Berliner Unternehmen – wer ein Krisendarlehn beantragen wollte, bekam folgende Nachricht zu lesen: „Wenn alle Anträge, die momentan kundenseitig in Bearbeitung sind, bewilligt würden, beliefe sich das Volumen auf mehr als 300 Mio Euro, vom Land wurden jedoch nur 100 Mio Euro bereitgestellt. Deshalb setzen wir bis auf weiteres die Annahme weiterer Anträge aus.“ Die bereits eingegangenen Anträge, so hieß es, würden zwar noch so weit es geht bearbeitet, aber: „Am Montag werden wir diese Warteschlange deaktivieren.“
Für Solo-Selbstständige und kleine Firmen, die einen Rettungszuschuss beantragen wollten, blieb es beim Hinweis auf die Nummer in der Warteschlange – z.B.: „111.728 – Anzahl der Nutzer vor Ihnen: 46.931“. Die angegebene Wartezeit blieb vage: „mehr als eine Stunde“. Mehr als eine Stunde? Das heißt alles und nichts – und gilt z.B. auch für den 23.7.2021 (neuer Eröffnungstermin der Olympischen Spiele in Tokio).
Anruf bei Ramona Pop: Müssen sich die Unternehmer und Selbstständigen Sorgen machen? Im Gespräch mit dem Checkpoint verspricht die Wirtschaftssenatorin: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Am Geld wird das Programm nicht scheitern.“ Noch in dieser Woche soll mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgezahlt werden, und Finanzsenator Matthias Kollatz kündigt an: Das Hilfsprogramm für die Wirtschaft wird auf eine Milliarde aufgestockt.
Ein Riesenproblem für viele Unternehmen ist das Verhalten der Haus- und Geschäftsbanken, denen für die Ausreichung der Kredite nicht einmal die Haftungsfreistellung der KfW von 90 % Prozent genug ist. Die Banken drücken sich davor, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu übernehmen – dabei wurden sie in der letzten Krise, die sie selbst verschuldet hatten, mit dem Geld eben dieser Gesellschaft gerettet. Ein würdeloses Verhalten gegenüber vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die jetzt ums Überleben kämpfen. Einzige Ausnahme (wie zu hören ist): die Berliner Sparkasse.
Ob die staatlichen Hilfen reichen, um die vielen Kiezbüchereien (und die Autoren!) zu retten, ist allerdings fraglich. Dabei gelten sie in Berlin (und zwar nur in Berlin) als unverzichtbar – sie dürfen deshalb offenbleiben, und fast alle liefern auch nach Hause, manche sogar per Fahrradkurier. Also ran an die Bücher (auch wenn „Die Pest“ in der deutschen Fassung gerade fast überall ausverkauft ist).
Apropos Fahrradkurier: Auch Fahrradläden gelten als unverzichtbar, also als systemrelevant – und haben weiter geöffnet. Kleinere Läden versuchen sich jetzt zu vernetzen, um den Kontakt zu ihren Kunden zu halten. Wir klingeln ihnen solidarisch zu und grüßen heute ganz besonders das Team von „Fahrer“ und „i:SY“, das unsere Checkpoint-Radgruppe im vergangenen Jahr so professionell zum BER begleitet hat. Auf hoffentlich bald!
Was machen die Leute eigentlich mit dem ganzen Klopapier? Mumifizieren die sich damit aus Angst vor dem Virus? Setzen sie darauf, dass die einzelnen Blätter demnächst als Zahlungsmittel gelten? (Wechselkurs: mit Blümchen ein Euro, ohne fünfzig Cent)? Tapezieren sie damit ihre Wohnung, legen sie das Zeug in den Drucker, arbeiten sie am längsten Kunstwerk der Welt? Tja, warum eigentlich nicht.
Was für eine kreative Kraft im Klopapier steckt, hat die Grafikerin Juli Gudehus bereits vor zwanzig Jahren entdeckt: Sie sammelt Blätter von der Rolle wie andere Leute Panini-Bildchen – 800 verschiedene Exemplare mit Motiven aus aller Welt hat sie katalogisiert. Und jetzt, in den Tagen der Krise, präsentiert sie ihre Schätze bei Youtube, Titel der Serie (8 Folgen bisher): „Klopapier – Gestaltung für den Arsch“ (hier zu sehen) Nicht nur Freunde der Popolärkultur werden sich daran erfreuen. Doch wer im Laden verzweifelt auf Nachschub wartet, empfindet die Vielfalt und Fülle wie Folter: dem Ziel so nah – und doch so fern.
Wer im Supermarkt mal wieder leer ausgegangen ist und 6,99 Euro für ein Päckchen Zewa vom Rewe-Lieferservice für zu happig hält, muss sich nach Alternativen umschauen – auch an untypischen Orten: Die Bäckerei Lehmann in der Marienfelder Allee z.B. verschenkte am Sonnabend zu jedem verkauften Brot eine Rolle „Wertpapier“ – aber bitte nicht weitersagen! (Gesehen von Checkpoint-Leser Rainar Mielke)
Doch auch heute sind die Nachrichten schrecklich – fast egal, woher sie kommen: aus den USA, wo der führende Immunologe Anthony Fauci bis zu 200.000 Todesfälle für möglich hält; aus Afrika, wo Corona in den Armenvierten angekommen ist und Millionen Opfer erwartet werden; aus Indien, wo hunderte Millionen Menschen nicht wissen, wohin sie vor einer Ansteckung am besten flüchten; und aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, wo sich 25.000 Menschen auf engstem Raum drängen. Hier bahnt sich eine Katastrophe an – und mit jedem Menschen, der hier stirbt, stirbt auch ein Stück Europa.
Andererseits wächst auch die Zahl derjenigen, die Covid-19 überstanden haben – und jeder Gesundete gibt neue Hoffnung. Dieses 42-Sekunden-Video hier aus einem italienischen Krankenhaus sollten sie sich deshalb heute Morgen unbedingt gönnen.
Wir nehmen Zustimmung und Kritik von Ihnen auch heute gerne auf und fragen Sie deshalb:

Berliner Schnuppen
Telegramm
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Was macht das Ordnungsamt in Zeiten von Corona – und was macht es mit Falschparkern? Hier eine Bezirksübersicht, bei den Stadträten abgefragt und zusammengestellt von Nina Dworschak:
Mitte: Die Parkraumüberwachung läuft weiter, Falschparken (z.B. vor Feuerwehreinfahrten) wird kontrolliert. Der Pandemieplan des Bezirks sieht vor, dass aus allen Ämtern Personal zur Unterstützung des Gesundheitsamtes herangezogen werden kann.
Pankow: Die Kontrollen werden fortgesetzt, laut Bezirksstadtrat Daniel Krüger wurden bisher keine schwerwiegenden Parkverstöße festgestellt.
Friedrichshain-Kreuzberg: Stadtrat Andy Hehmke lässt ausrichten: „Es wird auch weiterhin gegen das Parken in Bereichen mit absolutem Haltverbot und gegen behindernd abgestellte Fahrzeuge vorgegangen. Das Fehlen von Parkscheinen wird derzeit nachrangig verfolgt.“
Charlottenburg-Wilmersdorf: Laut Bezirksstadtrat Arne Herz wurde die Parkraumüberwachung an die aktuelle Situation angepasst. Mitarbeiter*innen des Ordnungsamts unterstützen das Gesundheitsamt und helfen bei der Corona-Kontrolle von Gewerbebetrieben. Verkehrsordnungswidrigkeiten werden geahndet, insbesondere, wenn Rettungsfahrzeuge behindert werden.
Lichtenberg: Stadtrat Martin Schaefer: „Natürlich hat unser Ordnungsamt auch den ruhenden Verkehr auf dem Schirm. Auch in Zeiten von Corona wird es teuer, wenn jemand die Feuerwehrzufahrt zustellt oder auf einem Parkplatz für Menschen mit Behinderung steht. Also: Bitte immer mit Respekt unterwegs sein.“
Treptow-Köpenick: Der Bezirk weist lediglich darauf hin, dass es hier seit dem erfolgreichen Bürgerentscheid von 2014 keine entgeltpflichtige Parkraumbewirtschaftung gibt.
Neukölln: Bürgermeister Martin Hikel lässt ausrichten: „Wie üblich werden Bußgelder verhängt und auch im Fall von entsprechenden Verkehrsgefährdungen Umsetzungen durchgeführt.“
Steglitz-Zehlendorf: Ordnungsamtsleiter Jan Voigt: „Parkscheine werden weiter kontrolliert.“ Falschparker müssen weiterhin mit Anzeigen reichen. „Sofern die Fahrzeuge behindernd oder gefährdend abgestellt werden, müssen sie auch damit rechnen, dass sie umgesetzt werden.“ In der vergangenen Woche wurden hier zwanzig Wagen abgeschleppt.“
Spandau: Hier findet „derzeit eine kontaktfreie Feststellung oder Anbringung der Hinweiszettel statt“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes Klaus Sareika. Die Mitarbeiter*innen sind auf Ihren Kontrollgängen gleichzeitig Beobachter, ob die Regeln der Eindämmungsverordnung bzw. das Kontaktverbot eingehalten werden. Insofern wurde hier kein Personal abgezogen, es ist aber unterstützend tätig.“
Keine Auskunft gab es aus Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf und Tempelhof-Schöneberg.
In allen Bezirken gilt: Wessen Anwohnerparkausweis gerade jetzt abläuft, kann bis auf Weiteres statt einer neuen Vignette den Ausdruck eines neuen, online gestellten Antrags gut sichtbar ins Auto legen.
Und hier noch der ganz normale Wahnsinn: +++ Ein teurer Pkw (Schillingstraße) und ein Lkw (Wilhelmshavener Straße) wurden angezündet. +++ Ein 75-jähriger Radfahrer musste einem Polizeiwagen in Zivil ausweichen und wurde schwer verletzt. +++ Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 1.143.186 Tempoverstöße – am 1. April wird das Bußgeld erhöht. +++ Ein 19-Jähriger verweigerte im ICE die Fahrscheinkontrolle mit dem Hinweis darauf, er sei Adolf Hitler. +++ Konsumenten illegaler Drogen unter den 25- bis 29-Jährigen (Berlin, mindestens 1 x im Jahr): Cannabis 35,1% (2012: 22%), Ecstasy 11.6 (4,6), Amphetamin 11.8 (3,8), Kokain 11.4 (7,5).
Mail von Beatrix Althen-Schnippenkoetter: Unsere frühere Kollegin arbeitet seit einiger Zeit ehrenamtlich für die gemeinnützige „Logotherapeutische Lebensberatungsstelle“, die kostenlose Hilfe in persönlichen Krisen anbietet – auch und gerade in Corona-Zeiten. Persönliche Begegnungen sind wegen der Beschränkungen zurzeit zwar nicht möglich, aber die BeraterInnen stehen per Telefon und Video zu Verfügung. Terminabsprachen unter 447 06 889 oder per Mail an anfrage@logotherapie-lebensberatung.de.
Es tut sich was am BER: Die Tüv-Prüfer kommen nach ihrer Corona-Zwangsversetzung ins Homeoffice heute live zurück zum „modernsten Flughafen Europas“. Es kommentiert Richard von Weizsäcker: „Die Berliner Flughafenfrage ist so lange offen, wie der BER geschlossen ist.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir müssen klarstellen, dass man natürlich auch mal 15 Minuten auf einer Parkbank sitzen darf.“
Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen, plädiert dafür, die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus zu überarbeiten.
Tweet des Tages
Konnte zum 1. Mal seit 20 Jahren am Wochenende mit offenem Fenster schlafen, weil mein Berliner Szenebezirk jetzt nur noch Bezirk ist.
Stadtleben
Corona-Küche: Asianudeln. Also richtig gute, nicht solche, die in zu viel Fett schwimmen. So ähnlich, wie der Lieblingsvietnamese im Kiez sie zubereiten würde, hätte er gerade offen. Die Zutaten: Reisbandnudeln natürlich, Lauchzwiebeln, Pak Choi, Shiitake-Pilze, Zuckerschoten, Brokkoli, zwei Tomaten, Knoblauch, Ingwer, Chili, frischer Koriander, Butter, eine Zitrone, zuckerfreie Sojasoße, Black Tiger Garnelen.
Zubereitung: Die Lauchzwiebeln (ohne das Grün) in einer Pfanne mit Öl anbraten. Sobald sie glasig sind, das in mitteldünne Streifen geschnittene Pak Choi hinzugeben. Anschließend die gestückelten Shiitake-Pilze hinzugeben und vor sich hin brutzeln lassen. Nach fünf Minuten kommen die Zuckerschoten dazu. In der Zwischenzeit den Brokkoli in längliche Stücke schneiden und auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech mit etwas Öl, Salz und Pfeffer knusprig backen (Unter- und Oberhitze, 200°C, 20 Minuten). In einer zweiten Pfanne Butter zerlassen und anschließend die Garnelen hineingeben. Knoblauch, Ingwer und Chilistücke hinzufügen. Die Reisbandnudeln in kochendes Wasser geben und sofort vom Herd nehmen, sie müssen nämlich lediglich im warmen Wasser ziehen. Salzen nicht vergessen. Außerdem gestückelte Tomaten, gehackten Koriander und geriebenen Ingwer zum Gemüse geben. Den Brokkoli ebenfalls in die Pfanne geben. Sobald die Garnelen fertig sind, mit dem Saft einer gepressten Zitrone beträufeln und noch etwas in der Pfanne schwenken. Nun auch die Garnelen zum Gemüse geben. Alles mit Sojasoße ablöschen. Die Nudeln kommen auch dazu. Alles gut vermengen. Fertig.
Noch mehr Tipps fürs Homeoffice – Die Basics kennen wir mittlerweile: morgens duschen, Zähneputzen, die Jeans und nicht die Jogginghose anziehen. Feste Zeiten, feste Pausen. Mittlerweile haben wir Routinen und Strategien erprobt, für die einen funktioniert der Workflow im Wohnzimmer bestens, die anderen kommen allmählich ans Limit. Also neue Ideen für mehr Struktur: Jeden Morgen für 20 Minuten Laufen- oder Spazierengehen, dabei eine To-Do-Liste im Kopf erstellen. Wichtig dabei: Realistisch bleiben und nicht zu weit voraus- bzw. ins Ungewisse hineinplanen. Und sich mindestens eine schöne Sache vornehmen (Smoothie mixen, Freundin anrufen...). Was auch hilft: Beim Arbeiten die Schuhe anlassen. Pausen nicht am Schreibtisch machen, am besten so weit weg davon wie möglich. Das Ziel: Eine Pausenecke etablieren, die arbeitsfreie Zone ist. Während der (festen) Pausen das Handy ausmachen. Und ein kleiner Trick, um das Wochenende schon morgens von den Werktagen abzugrenzen: Eine „Arbeitstasse“ und eine „Freizeittasse“ etablieren, so bringt der morgendliche Kaffee einen schon in die richtige Stimmung.
Weitere Tipps, u.a. zum Thema mentale Gesundheit und Selfcare gibt’s auf diesem Instagram-Account. Und auch die Queerspiegel-Kollegen geben in ihren Insta-Stories jetzt täglich Tipps gegen den Lagerkoller.
Privatführung durchs KW Institute of Contemporary Art: Der Direktor Krist Gruijthuijsen führt online durch die aktuelle Ausstellung des arabischen Künstlers Hassan Sharif. Sharif, ein Fluxus- und Konzeptkunstpionier aus Dubai, gilt für Gruijthuijsen als „Artist’s artist“, ein Influencer sozusagen, der von vielen Jüngeren bewundert wird. Die Führung ist gut, wie die Autorin unseres „Berliner Kunst“-Newsletters Birgit Rieger findet: „Gruijthuijsen pickt sich ein paar der Comics, Zeichnungen und Konzeptarbeiten heraus, erklärt die Hintergründe, liefert Biografisches zum Künstler, ordnet ein.“ Der Rundgang dauert 30 Minuten und ist auf Englisch. Mittlerweile gibt's auch Führungen durch alle anderen Ausstellungen im Haus.
Biertrinken gegen das Clubsterben: Dieser Lösungsansatz passt zu Berlin! Wer darin eine Win-Win-Situation erkennt (mehr Bier, mehr Clubs), hält sich an die Neuköllner Brauerei Berliner Berg. Sie spendet die Einnahmen aus ihrem Onlineshop an die Berliner Clubcommission, wie Tagesspiegel-Kollegin Madlen Haarbach im Neuköllner Leute-Newsletter berichtet. In einem Statement erklärt die Brauerei, dass sie den Umsatz von bis zu 500 Kisten Berliner Berg Lager (entspricht rund 11.000 Euro) an die Kulturlandschaft spenden wolle. Also Prost!
Maria Kotsev wünscht Ihnen einen gelungenen Start in die Woche!
Berlins heimliche HeldInnen
Der Wohnzimmertisch von Familie Follert ist während des Corona-Lockdowns wandelbar wie ein Chamäleon. Mal ist er Arbeitstisch, mal Schulbank oder Esstisch. Wann er welche Gestalt annimmt, folgt einem klaren Plan: Für die zwei Grundschulkinder hat Katrin Follert einen Doppelstunden-Rhythmus aufgestellt. Nach jeder Lerneinheit klingelt der Wecker, kurze Pause. Sie selbst möchte ein gutes Vorbild für ihre Kinder sein und motiviert bleiben: „Der Alltag im Homeoffice funktioniert nur so gut, weil wir uns an die Zeitpläne halten.“ Am Wochenende vor der Schulschließung hatte sich die Familie zum „Krisenrat“ zusammengesetzt und den Ablauf beschlossen, u.a. auch diese Regel: Jedes Familienmitglied kontaktiert jeden Tag einen anderen Freund, Bekannten oder Verwandten. Ob über Postkarte, Whatsapp oder Videocall. Als stellvertretende Schulleiterin der Integrierten Sekundarschule Ernst-Schering in Wedding beschreibt sie, wie sich an jenem Wochenende auch das gesamte Kollegium zusammengerauft hat: „Es hat sich in Windeseile ein IT-Team gebildet und vernetzt, das jetzt rund um die Uhr arbeitet.“ Seitdem steht eine Online-Lehrplattform und ein Instagram-Account für die Kommunikation mit den SchülerInnen. „Die Kollegen und meine Schulleiterin, die gerade vor Ort einen Telefondienst für Fragen und technische Probleme übernimmt, sind die wahren Helden.“ Aus dem Homeoffice plant Follert das Unplanbare – z.B. wie die Abschlussjahrgänge am besten durch die Prüfungen gebracht werden können. Dass die Bildungsverwaltung die Präsentationsprüfungen auf die Zeit nach Ostern verschoben hat, verschafft Follert und ihren Kollegen immerhin etwas Luft. (Text: Maria Kotsev; Foto: privat)
In den kommenden Tagen wollen wir an dieser Stelle Menschen vorstellen, die Berlin aktuell am Laufen halten. Wem wollen Sie danke sagen? Schreiben Sie uns gerne: checkpoint@tagesspiegel.de
Berlin heute
Verkehr – A115: Bis zum 1. April (tägl. 9-16 Uhr) steht in Richtung Dreieck Nuthetal zwischen Spanischer Allee und Kreuz Zehlendorf nur eine Spur zur Verfügung.
Veitstraße (Tegel): Zwischen 6 und 20 Uhr in beiden Richtungen zwischen Medebacher Weg und Eisenhammerweg gesperrt, der Fuß- und Radverkehr sind nicht betroffen.
Beusselstraße (Moabit): In Höhe Westhafen steht in beiden Richtungen je nur eine Spur zur Verfügung (10-17 Uhr).
Föhrer Straße / Amrumer Straße / Luxemburger Straße (Wedding): Im gesamten Kreuzungsbereich kommt es bis vsl. Mittwoch zu Fahrstreifensperrungen und Abbiegebeschränkungen.
Suermondtstraße (Alt-Hohenschönhausen): Ab 6 Uhr in beiden Richtungen zwischen Sabinensteig und Degnerstraße gesperrt, der Fuß- und Radverkehr sind nicht betroffen.
Dorfstraße (Kaulsdorf): Die Anbindung Alt-Kaulsdorf ist in beiden Richtungen gesperrt – bis vsl. Freitag.
Hönower Straße (Mahlsdorf): Zwischen Alt-Mahlsdorf und Wilhelmsmühlenweg gibt’s nur eine gemeinsame Spur für beide Richtungen. Das Rechtsabbiegen von Alt-Mahlsdorf in die Hönower Straße ist nicht möglich (bis Ende April).
A100 (Stadtring): In den Nächten bis Mittwoch (je 22-5 Uhr) in Richtung Wedding vor der AS Schmargendorf bis AS Heckerdamm bzw. AS Jakob-Kaiser-Damm gesperrt.
A114 (Pankow-Zubringer): Zwischen 22-5 Uhr in Richtung Dreieck Pankow zwischen AS Pasewalker Straße und AS Schönerlinder Straße gesperrt. Auch die Abfahrt Bucher Straße bleibt im Anschluss bis vsl. 17. April gesperrt. Währenddessen wird der Verkehr über die AS Schönerlinder Straße umgeleitet.
U-Bahn: Die Züge der U7 halten bis zum 10. Mai in Richtung Rathaus Spandau nicht am Bahnhof Halemweg.
S-Bahn: Die S8, S9 und S46 halten zwischen 22 und 1.30 Uhr nicht zwischen Treptower Park und Schöneweide. Es fahren Ersatzbusse.
Die S9 hält zwischen 22 und 1.30 Uhr nicht zwischen Treptower Park und Spandau. Alternativ können die Linien S41, S42 und S3 genutzt werden.
Gericht – Ein 35-Jähriger, dem bewaffneter Drogenhandel vorgeworfen wird, kommt auf die Anklagebank. Als er vor vier Monaten wegen eines Parkverstoßes von Polizisten angesprochen wurde, sei Kokain in seinem Auto entdeckt worden. Zudem soll der mutmaßliche Dealer griffbereit im Wagen einen Schlagstock und eine Machete gelagert haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 618).
Heimuniversität – Die Sachbuchreihe „Big Ideas“ hat für nahezu jedes Fachgebiet der Geisteswissenschaften eine Edition zu bieten: „Das Philosophie-Buch“, „Das Soziologie-Buch“, das „Geschichts-Buch“ – aber auch z.B. „Das Management-Buch“. Die Lexika geben eine solide und übersichtliche Einführung in das jeweilige Themengebiet und sind obendrein noch höchst ansprechend gestaltet. Da freuen sich Geist und Auge.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Elke Breitenbach (59), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales (Linke) / Joachim Franke (80), ehem. Eishockeyspieler und Eisschnelllauf-Trainer / Janos Frecot (83), Kulturhistoriker und Kurator / Achim Freyer (86), Bühnenbildner, Regisseur und Maler / Laura Louisa Garde (32), „Schauspielerin (u.a. ‚Rampensau‘ / ‚Sissi ohne Franz‘), dicker Geburtstagskuss via Checkpoint schon mal quer durch die Stadt von deiner Mama“ / Thomas Heinze (56), Schauspieler / Maren Jasper-Winter (43), für die FDP im AGH / Jan Müller-Wieland (54), Komponist / Christoph Marius Ohrt (60), Schauspieler / Heidemarie Retzlaff (67) / Ernst-Georg Schwill (81), Schauspieler / Uwe Timm (80), Schriftsteller / Nachträglich: Günter Umlauft (76), „OStDi.R., Nur das Beste - vor allem Gesundheit - Dein ehemaliger Schulfreund und Schulleitungskollege Götz Schuffelhauer“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Karl-Heinrich Charly König, * 8. Dezember 1936 / Arnulf Kraft, * 2. Oktober 1936, Pfarrer i.R. und Mitbegründer der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen / Jörn Kubicki, * 1965, Neurologe / Karl-Heinz Schubert, * 28. März 1931
Stolperstein – Fritz Fraenkel (Jhg. 1875) lebte in der Bleibtreustraße 33 in Charlottenburg, bevor er am 22. September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Die Nazis ermordeten ihn dort am 30. März 1944, heute vor 76 Jahren.
Encore
Dass Berlin ein Problem mit Mathe hat, ist bekannt. Aber in der Krise zeigt sich jetzt, wie vielen Leuten es tatsächlich schwerfällt, auch nur bis drei zu zählen – jedenfalls dann, wenn die Sonne scheint (das ist dann in den Parks zu sehen) oder der Mond aufgeht (also eigentlich immer). Hier ein schönes Beispiel aus dem Märkischen Viertel, aufgezeichnet von der Polizei:
Nächtlicher Einbruch in einen Supermarkt, um kontaktfrei einkaufen zu können? Keine gute Idee.Nächtlicher Einbruch in einen Supermarktzu dritt, um kontaktfrei einkaufen zu können? Eine saublöde Idee. Und da im Laden immer eine Quittung ausgedruckt werden muss, kommt der Verstoß gegen die Abstandregeln wohl mit drauf.
Ich wünsche Ihnen einen abständigen Tag, bleiben Sie gesund – morgen früh bezieht hier Ann-Kathrin Hipp für Sie den Checkpoint. Bis dahin,
