Monika Grütters und Burkhard Dregger haben die Arbeit des Senats analysiert, Auszüge: Es regiert das „Versagen“, die Senatorinnen „leisten ihren Job nicht“, der Regierende „strahlt keine Lust aus“, die Wohnungspolitik macht „fassungslos“, das Investitionsklima ist „vergiftet“, die Koalition im „Stellungskrieg“, das Berlinbild „verheerend“ - und die Leute sind „verzweifelt, pappsatt oder kotzen“. Moment, wir rechnen schnell durch (Mathe lernen mit dem Checkpoint ;-)… na, da kommt die CDU doch glatt auf 99,9 %!
Jedenfalls will Dregger die Koalition jetzt vor sich „hertreiben“ – der Fraktionschef muss nur aufpassen, dass die Parteivorsitzende nicht das Halali verpasst, hier ein aktuelles Verspätungsbeispiel: Bereits im Oktober hatten einige Abgeordnete dringend um einen „Austausch“ mit Grütters gebeten, am Dienstag sollte es endlich soweit sein. Und nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrags ließ sie auch direkt vom Rollfeld bei Aachen mitteilen (doch, die haben dort einen Flughafen), dass sie die Fraktion im Laufe der Sitzung „beehren“ werde. Erwartet wurde Grütters um 15 Uhr, um 16.15 schickte sie den auf ihre Beehrung Wartenden eine sms: Stehe immer noch auf dem Rollfeld… Jetzt ist der „Austausch“ auf Ende März terminiert, also ein halbes Jahr später als erwünscht. In Berlin hat eben jeder seinen kleinen BER.
Bei der Parkraumbewirtschaftung wählt Kreuzberg das alte Punk-Motto „Cash from Chaos“: Erst gab’s gar keine Automaten, dann funktionierten sie nicht, dann wurden die falschen Schilder aufgestellt, dann die richtigen Schilder falsch aufgestellt… selbst nach dem dritten Anlauf ist immer noch nicht alles rechtskonform gekennzeichnet, das Bezirksamt bestätigt „mehrere Macken“ bei den Zonen (für Fachleute: Es geht um die Verkehrsschilder mit den Nummern 314.1, 314.2, 314.20, 314.30 und 314.40). Das einzige, was durchweg und von Beginn an zuverlässig funktionierte, war das Verteilen von Knöllchen - auf die Bußgelder irritierter Autofahrer will der Bezirk offenbar nicht verzichten.
Aus der Abteilung „Ironie des Schicksals“ (nicht geschlossen): In einem stillgelegten Gebäude des Klinikums Buch lagen ungesichert alte Patientenakten von 25.000 Menschen herum. Aufgefallen ist das nach einem Einbruch, jetzt bittet die Helios-Geschäftsführung die Betroffenen des Datenmissbrauchs per Anzeige u.a. im „Tagesspiegel“, sich bei „Auffälligkeiten“ zu melden. Auffällig ist jedenfalls das: Die Akten lagen im Krankenhaus der Staatssicherheit – mal sehen, wie viele MfS-Mitarbeiter, Agenten, Spitzel und Sicherheitsleute sich da in eigener Verschlusssache melden.
Ein Geburtstags-Glückwunsch im Checkpoint hat eine erbitterte Fehde zwischen zwei früheren „Bild“-Korrespondenten ausgelöst: Beide nehmen für sich in Anspruch, am 9. November 1989 die Mauer umgeworfen zu haben. Auslöser war folgende Personalie in der Rubrik „Berliner Gesellschaft“ vom 17.1., die uns ein CP-Leser geschickt hatte: „Hennes Schulz (65), Lions Clubs Past District Governor, gebürtiger Spandauer und deutscher Journalist, der vor 30 Jahren in der berühmten Schabowski-Pressekonferenz am 9. November 1989 die Frage zur Maueröffnung stellte, geht in den Ruhestand.“
Als erstes meldete sich Ewald König von der „Austria Presse Agentur“ mit dem richtigen Hinweis, dass es der italienische Korrespondent Ricardo Ehrmann war, der die erste Frage zur neuen Reiseregelung stellte. Aber wer fragte, ab wann die gilt (Antwort Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“), und wer fragte nach der Regelung für Berlin, also: nach der Mauer?
König ist sich sicher: Beide Fragen stellte der damalige „Bild“-Reporter Peter Brinkmann (heute Moderator bei TV Berlin), Schulz sei „schon in vielen anderen Fällen der Lüge überführt“. Brinkmann selbst schreibt: „Herr Schulz hat weder diese noch eine andere Frage gestellt.“ Aber wer dann? „Der Fragesteller war ich“, sagt Brinkmann - er beruft sich auf „jede Tonaufnahme und TV“ sowie das Standardwerk über den Mauerfall von Hans-Hermann Hertle (12. Auflage, Seite 279).
Und was sagt Hennes Schulz, damals Leiter der „Bild“-Bundesredaktion? Er schreibt: Die Frage, wann das Gesetz in Kraft tritt, habe Erdmann gestellt, dann habe er, Schulz, selbst nachgefragt: „Gilt das auch für Berlin-West?“ Antwort Schabowski: „Ja, ja, für die BRD und Berlin-West“. Und was war mit Peter Brinkmann? „Der saß nur dabei.“ Später habe Brinkmann das Erlebte „zu seiner Geschichte“ gemacht, schon zuvor hätten sich Berichte von ihm als „zum Teil frei erfunden“ herausgestellt. Schulz beruft sich auf „Bild- und Tondokumente im Archiv des rbb“ sowie den damaligen SFB-Reporter Erhard Thomas(späterer Brandenburger Regierungssprecher)
Fest steht jedenfalls eins: Die Mauer ist weg – ich habe gerade eben nochmal nachgesehen.
So, in zwei Tagen startet unser Checkpoint-Lauftreff, und das gleich mit einem echten Goodie: Als Medienpartner des SCC können wir unter den ersten Teilnehmern zehn Startplätze für den ausverkauften Halbmarathon am 7. April verlosen. Und das ist erst der Anfang: Unter dem Motto „Läuft in Berlin“ erkundet der Tagesspiegel-Checkpoint fortan jede Woche die schönsten Laufstrecken der Stadt, geleitet von meinen lauffreudigen Kollegen um Felix Hackenbruch, begleitet von professionellen Trainern – und sehr gerne mit Ihnen. Egal, ob Sie erst auf dem Ballen vom schweren Gang zum leichten Trab stehen, dem Stress davonlaufen wollen oder einem Ziel entgegen (Airfield Run? Frauenlauf? Cross Lauf? Silvesterlauf?), ob Sie U17 sind oder Ü70, spaßige Gelegenheitsjoggerin oder innerer Schweinehundüberwinder, ambitionierte Hobbyläuferin oder der nächste Eliud Kipchoge (Weltrekord beim Berlin-Marathon 2018: 42,195 km in 2:01:39 h): Nichts muss, alles geht (und läuft) - Sie sind uns herzlich willkommen.
Dazu bieten wir regelmäßig Checkpoint-Veranstaltungen mit Experten an: Wir sprechen mit Ernährungsfachleuten über Pastapartys und Powergels, mit Orthopäden über gesunde Gelenke, mit Profiläufern über Lust und Leiden. Aber jetzt treffen wir uns erstmal am kommenden Sonnabend (26.1.) um 11 Uhr auf dem Tempelhofer Feld (Eingang Tempelhofer Damm, Nähe U- und S-Bahnhof Tempelhof), für eine Runde (ca. 6 km) oder zwei – oder eine halbe. Am Ziel serviert Team Checkpoint Getränke, Obst und Snacks. Kommen Sie vorbei? Dann schicken Sie uns doch bitte eine kurze Mail an checkpoint@tagesspiegel.de – gerne mit ein paar Angaben zu Ihren Lauferfahrungen und Ambitionen. Läuft bei uns!
Berliner Schnuppen
Telegramm
Ein Wunder ist geschehen! Im 14. Jahr ihrer Kanzlerschaft gibt es das erstes Merkel-Interview, das sich nicht so liest wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Paypal (1000 Sätze, der längste hat 111 Wörter). Gelungen ist diese Sensation Jana Hensel, und erschienen ist das Gespräch in der „Zeit“.
Das Grauflächenamt Mitte macht kurzen Prozess - und seinem vom Checkpoint verliehenen Namen alle Ehre: Weil sonst gerade nichts zu tun ist, werden wieder liebevoll bepflanzte und gepflegte Baumscheibengärtchen abgeholzt.
CP-Leser haben’s schon gewusst, jetzt ist es auch offiziell: Tempo 30 taugt nicht zur Luftreinhaltung. Der Senat teilt mit: „Für die hochbelasteten Strecken sind nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine anderen Maßnahmen als Dieselfahrverbote ersichtlich, die zu einer Einhaltung der Grenzwerte führen werden.“ (Q: Anfrage MdA Friederici)
Besuch von Sigmar Gabriel. Da haben wir ihn doch gleich mal für unseren Podcast „Fünf Minuten Berlin“ gefragt, was er an unserer kleinen Stadt besonders mag, wo er unbedingt noch hinwill - und was für ihn typisch an Berlin ist: „Die charmante Höflichkeit“. Ähm… Hallo, wir sind’s!
Good news aus der CP-Redaktion „Tierleben“: „Die große Hufeisennase vermehrt sich wieder dank Rindvieh und Dungkäfer“ – dagegen kann heute keine andere Nachricht anstinken. (Q: Tagesspiegel, S. 19)
Ein Brief an Staatssekretärin Sawsan Chebli kann 3600 Euro kosten – jedenfalls wenn folgendes drinsteht: „Seit Muslime hier nach Deutschland gekommen sind, ist Mord - Totschlag - Vergewaltigung an der Tagesordnung. Da, wo Muslime leben, ist nur Zerstörung, Kopf abschneiden.“ Das Amtsgericht Hannover verurteilte einen 67jährigen Reichsbürger dafür jetzt zu einer Geldstrafe.
Nach dem GAU für DAU in Berlin eröffnet die Totalitarismus-Show heute in Paris – ohne Mauer, aber mit Handyverbot und Verhör am Ausgang. Harry Nutt hat sich’s angetan, sein Bericht steht heute auf Seite 1 der „Berliner Zeitung“.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres startet eine „Qualitätsoffensive“ – der Clou: An Berliner Schulen soll jetzt auch Deutsch und Mathe unterrichtet werden.
Beim Jahresempfang lud Hertha per Flyer schon mal frech zum Eröffnungsspiel im neuen Stadion ein, Anstoß: 25. Juli 2025, 18.30 Uhr. Fehlt nur noch das Stadion. Allerdings hat‘s der Verein nicht mal geschafft, dem Parlament die im September 2018 angeforderten Unterlagen einzureichen. Bisher gibt’s nur eine Simulation - vielleicht sollten sich die Fans besser mal mit dem Thema E-Sport vertraut machen.
Neues aus Neukölln I: Ein Antrag auf kostenloses W-Lan im Rathaus wurde zurückgezogen - die Verwaltung hat glaubwürdig dargelegt, dass sowas wie W-Lan für sie nicht umsetzbar ist.
Neues aus Neukölln II: Stadtrat Jochen Biedermann wagt sich an Ironie: „Vielleicht sollte Neukölln einen Scharia-Day in den Kantinen einrichten“, schreibt er auf Twitter – zuvor hatte die AfD wissen wollen, ob die Scharia in Grundschul-Kantinen schon gilt.
Wir kommen zum Betriebsstörungsbingo, das heute CP-Leser Stefan Koch bereichert. Die Begründung eines Lokführers, warum die Passagiere des RE 5 nach Elsterwerda am Bahnhof Südkreuz auf ihn warten mussten: „Ich habe mich auf den vielen Bahnsteigen verlaufen.“ Vielleicht wollte er aber auch nur der Gesichtserkennung ausweichen.
In unseren „Leute“-Newslettern aus Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Steglitz-Zehlendorf geht es heute um einen Spitzenbezirk, um Meuterei und eine Geistervilla. Wenn Sie sich trauen, hereinzuschauen – bitte hier entlang:
Hinweis: Die letzten beiden Meldungen liefern wir mit Interpretationshilfe für Neuberliner aus:
1) „Eltern müssen sich am kommenden Dienstag auf Einschränkungen bei der Betreuung ihrer Kinder einstellen.“ Erklärung: Das bedeutet nicht, dass Sie sich nur am Dienstag auf Einschränkungen einstellen müssen, sondern auch. CP-Tipp: Planen Sie Ihren Warnstreik überall, aber nicht in Berlin – er fällt hier nicht weiter auf.
2) „Jetzt darf nichts mehr schiefgehen.“ Erklärung: Das bedeutet nicht, dass am BER nichts mehr schiefgeht, sondern dass am BER schon etwas schiefgegangen ist, in diesem Fall: Dass der Kabelsalat den Puffer aufgefressen hat (und ja, das ist ein schiefes Bild, aber – siehe oben und unten – ein passendes).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Das Gemecker geht mir durchaus auf den Keks.“
Checkpoint-Leser Christian Gaebler – hier bezieht sich der Chef der Senatskanzlei allerdings mal nicht auf seine tägliche Morgenlektüre, sondern auf die Stimmung bei den Regionalligaspielen, die er als lizensierter Amateur-Schiedsrichter leitet. Sein Rat an sich selbst: „Nur kontrolliert aufregen.“ Dieser Empfehlung schließt sich der Checkpoint so vollumfänglich an, wie ein Ball fürs Tor die Linie überschreiten muss.
Tweet des Tages
„Dass im Kino vor dem Rathaus Mitte jetzt ein Film mit dem Untertitel ‚Intrigen und Irrsinn‘ läuft, gibt mir irgendwie zu denken…“
Antwort d. Red.: Ein Tweet von Stefan Kuschel, vor vielen Jahren geschätzter und geachteter Tagesspiegel-Kollege, seit einiger Zeit geschätzter und geachteter Büroleiter von Bürgermeister Stephan von Dassel und zuständig für die Kommunikation im Bezirksamt Mitte.
Stadtleben
Das Kokio in der Hagenauer Straße 9 erschien erst Ende letzten Jahres auf der Bildfläche und wurde von unseren „Mehr Genuss“-Expertinnen in die Liste der zehn spannendsten Neueröffnungen der Stadt aufgenommen: „Wer das ‚Angry Chicken‘ in Kreuzberg mag, wird das kleine, versteckt in einer Nebenstraße liegende Kokio lieben“. Spezialisiert haben sich die Betreiber des koreanischen Lokals auf „Chi-Maek“, was so viel bedeutet wie Hühnchen und Bier. Und so steht's auch auf der Karte: Geschmacksintensiv schmeckt das Hühnchen schon so, aber mit koreanischer Sweet-Chili-Sauce wird’s zur Aromen-Bombe. Ein kühles Bier hilft beim Neutralisieren. U-Bhf Eberswalder Straße. Di-Sa 17.30-24 Uhr, So 16-22 Uhr
Wer den Süßkramdealer in Friedenau betritt, den umkommt der süß-herbe Duft von Schokolade, gemischt mit frisch gebrühtem Kaffee. Das Schokoladengeschäft erinnert mit seiner hölzern-historischen Einrichtung an die ehemalige Zigarettenfabrik, die hier lange Zeit beheimatet war. Zwischen Genussprodukten wie Pralinés, Schokoladen und Karamell finden sich allerlei Exklusivitäten und Präsentideen wie die Berlin-Box (22 Euro), bestehend aus kleinen Feinkosten der Stadt: Kaiserhonig aus Berlin, einem Lolli in der Form des Fernsehturms, Mokkabohnen und Salzstäbchen in dunkler Schokolade von den Berliner Chocolatiers Wohlfahrt und Hamann. Abgerundet wird die Box mit einer historischen Berlin-Postkarte, auf denen man ein paar Zeilen lassen kann. Wer nach dem Bummel noch ein bisschen verharren möchte, kann das in den kleinen Sitznischen bei einem Kaffee und feiner Patisserie tun. Varziner Str. 4, S-Bhf Bundesplatz, Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr