Eine Woche vor dem Jahrestag des Anschlags am Breitscheidplatz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel unangekündigt den dortigen Weihnachtsmarkt besucht - hier sprach sie unter anderem mit Max Müller, dessen Glühweinstand am 19. Dezember 2016 völlig zerstört worden war. Der Ablauf der Gedenkveranstaltung am nächsten Dienstag steht inzwischen weitgehend fest - aber noch immer ist nicht klar, welche Vertreter der Bundesregierung neben der Kanzlerin dabei sein werden. Ein gutes Zeichen ist das nicht.
Das BER-Krisengespräch wurde gestern kurzfristig vom Abgeordnetenhaus in die Landesvertretung Brandenburgs verlegt. Dort wartete im Foyer geduldig ein Dackel auf das Ende der Beratung (an der auch die gerade aus dem Urlaub retournierte Finanzchefin Heike Fölster teilnahm). Ab und zu zog er an der Leine, die der Fahrer von Engelbert Lütke Daldrup in Händen hielt - nach zwei Stunden waren beide erlöst: Der Regierende Bürgermeister eilte wortlos zur Chanukka am Brandenburger Tor, Dietmar Woidke machte sich mit dem Kommentar „Gutes Gespräch“ auf den Weg nach Potsdam…
… und das Herrchen war mal wieder auf den Hund gekommen - die BER-Kriegskasse (Kampf gegen die Uhr) ist fast leer. Im Hintergrund blinkten vom Ort des Geschehens dazu bedeutungsschwer die willkürlich sortierten Wörter der Kunst am Bau: „Dagegen zu können meine falsch uns Ihnen sagen es deshalb dafür Die Frage wir denke klar wenn ab möchte wahr aber Ich was nicht ist richtig sie dem.“ Damit ist zur Lage (fast) alles gesagt.
Heute geht die Woche der Wahrheit für den BER im Agh-Beteiligungsausschuss weiter. Geladen sind u.a. Vertreter von Siemens - und pünktlich zur Anhörung kommt die Nachricht, dass die Ermittlungen gegen das Unternehmen wegen Abrechnungsbetrugs am Flughafenbau eingestellt wurden. Die Münchner haben ja auch so gut Kasse in Berlin gemacht, Motto: je trödel desto mehr. Die Schuld am Verzug schob Siemens bisher stets auf unvollständige Pläne - mal sehen, ob sie da jetzt alle beisammen haben.
In der kleinen „Stadtklause“ (Bernburger Straße) verabschiedete sich gestern inmitten von zufälligen Kneipengästen Martin Schulz von seinen bisherigen Bodyguards aus Köln: Es sei „ein Privileg, so beschützt zu werden“, sagte der SPD-Parteichef. Die Polizisten schenkten ihm ein selbstgemaltes Porträt mit Europasternen und dem Logo seines Lieblingsvereins am Revers, des Tabellenletzten 1. FC Köln. Der Ort der kleinen privaten Feier passte dazu perfekt: An der Wand hängt hier ein Schwarz-Weiß-Foto von Rainer Werner Fassbinder - im FC-Trikot.
Auf eine gefährliche Impflücke im Infektionsschutzgesetz ist mein Kollege Gerd Appenzeller gestoßen - weil es Ärger um eine Ausschreibung gab: Patrick Larscheid, Leiter des Reinickendorfer Gesundheitsamts, wollte nur Bewerber akzeptieren, deren Immunität nachgewiesen ist. Doch der Personalrat verweigerte seine Zustimmung, aus Datenschutzgründen. Tatsächlich sieht das Gesetz nur vor, dass Bedienstete von Kliniken und Arztpraxen ihren Impfstatus offenlegen müssen - für Mitarbeiter der Gesundheitsämter gilt das nicht, obwohl auch Sie in Kontakt mit Neugeborenen, Schulkindern und Kranken kommen. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (gegenüber den Gesundheitsämter nicht weisungsbefugt) hält die Situation für gefährlich - sie appelliert an die Bundesregierung, die Gesetzeslücke umgehend zu schließen.
Passend zur Senatsentscheidung für das Mobilitätsgesetz (Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek: „Das ist ein historischer Tag für Berlin!“) veröffentlichte das Bundesministerium für Bildung und Forschung gestern seine „Zahl der Woche“: 694.000 Staus gab es deutschlandweit im vergangenen Jahr, davon allein 56.834 in Berlin (Q: ADAC). Hm, so viele? Dabei ist doch Berlin eigentlich ein einziger Stau.
Telegramm
Die Bahn hat auch am fünften Tag die Zahl der ausgefallenen Züge auf der neuen Schneckenstrecke von Berlin nach München noch mal gesteigert - ab morgen fahren sie dann wahrscheinlich rückwärts. Um den Problemen auf die Spur zu kommen, haben Henrik Mortsiefer, Klaus Kurbjuweit und Heike Jahberg das Ohr auf die Schiene gelegt - hier ist ihr Bericht.
Air Berlin lebt als Luft-Zombie weiter, jedenfalls auf der Website von „Travelocity“ - dort hieß es gestern triumphierend: „We found you Air Berlin flights under $200!“ Zusatz: „Check them out before they disappear“.
Der heutige Beitrag zum Betriebsstörungsbingo kommt von Jana Sorge und Alexander Fröhlich - die S-Bahn entschuldigte den 20-Minuten-Takt der S1 zw. Zehlendorf und Friedenau mit „Vegetationsarbeiten“. Wer da vor sich hin vegetierte, blieb allerdings offen.
Und hier eine weitere Folge der Endlos-Serie „Wo bleibt denn der Unterhaltsvorschuss“: Die Androhung einer Untätigkeitsklage wirkt Wunder - nach monatelangem Stillstand gibt’s plötzlich noch am selben Tag die erste substanzielle Auskunft. Aber bitte nicht weitersagen - wenn das alle hingehaltenen Alleinerziehenden auf einmal täten…
Aus der Reihe „Berlin, aber Schnauze“: Beim Hornbach-Baumarkt in Berlin-Bohnsdorf kauft ein Polizist in voller Montur ein Kissen. Die Kassiererin grinst: „Ick sach jetzt nüscht…“
Die einen bekommen die Tür nicht zu (BER), die anderen das Licht nicht aus: Der große Kronleuchter in der Staatsoper verweigert sich den Schaltbefehlen - er strahlt wie und wann er will. Es kommentiert Cavaradossi: „E lucevan le stelle“ (Und es leuchteten die Sterne).
Und auch heute wieder „Nachrichten vom DHL-Boten“: Auf der Karte steht diesmal „Paket hinter der Garage“ - leider war es die falsche, zum Glück hat’s der Nachbar gefunden.
Zum neuen Jahr wollen wir eine Checkpoint-Prioritätenliste zusammenstellen - gestaltet von unseren Leserinnen und Lesern. Also: Was ist Ihnen wichtig, was soll die Politik 2018 auf Landes -und Bezirksebene unbedingt angehen? Gesammelt werden große Anliegen und auch kleine. Na dann mal los - bitte per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de
Nachtrag zur Meldung „Kontrolleurin wirft 13-jährigen in Fürstenwalde aus dem Zug“ (CP v. 11.12.) - die Bahn teilt mit: „Die Mitarbeiterin räumt Fehlverhalten ein und entschuldigt sich dafür. Ihr tut es sehr leid. Der Fall wird zum Anlass genommen, die Kollegen in der Region noch einmal zu schulen. DB Regio setzt sich mit der Familie in Verbindung.“ Danke, gute Reaktion.
Korrektur - „Eine Polizeiakademie ist kein Ponyhof“, hatte Torsten Akmann gesagt - und der ist Staatssekretär, kein Hippologe (oder gar Abgeordneter, wie gestern hier aus Versehen geschrieben).
Wir warten auf die BERscherung eines neuen Eröffnungstermins mit einem täglichen Zitat aus der Geschichte „Der ewige Advent“, heute von Klaus Wowereit: „Wir stehen kurz vor der Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens. Das war ein hartes Stück Arbeit, es gab manche Irrungen und Wirrungen, aber in den letzten Jahren haben wir gezeigt, dass wir dieses riesige Infrastrukturprojekt erfolgreich umgesetzt haben. Immerhin sind wir bei einem Bauvorhaben der öffentlichen Hand bis heute sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen.“ (10.5.2010)
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„In der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses fällt manchen Müttern und Vätern die Wahl schwer, zumal sie vielfach technisch überfordert sind.“
Aus dem Tagesspiegel, Dezember 1967.
Tweet des Tages
„Dit is allet Nordmanntanne. Größe seh'n Se ja selbst. Preis steht dran.“ Mehr Beratung kann man beim Weihnachtsbaumkauf kaum erwarten.
Stadtleben
Essen Für die Schweizer unter Ihnen: Im Chuchichäschtli in Wilmersdorf gibt es die wohl größte Auswahl an Käsefondue-Mischungen für zu Hause (zum großen Teil lactosefrei, da lang gereifter Käse verwendet wird). Neu dabei: Das Fondue „Formidable“ (mit in Williams eingelegten getrockneten Birnen) und ein Chili-Fondue. Oder doch lieber Raclette? Auch hier ist die Auswahl beachtlich - von Natur bis verfeinert mit Sommertrüffel oder Portwein-Pfeffer. Muss man mögen, aber irgendwie macht das gemeinsame Brutzeln und Stippen doch immer wieder Spaß. Holsteinische Straße 19 (U-Bhf Hohenzollernplatz), Mo 12-19 Uhr, Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr
Trinken & Schenken Teeliebhaber können sich bei Mamecha in der Mulackstraße 33 (Mitte) bei einem Glas Sencha, Matcha oder Sobocha in Ruhe inspirieren lassen, welche der Keramikkannen denn gefallen könnten. Im Weihnachtssortiment sind außerdem Tenuguis (japanische Tücher) mit Obst- und Gemüsemotiven. Wer eine ausgefallene Torte sucht, ist hier ebenfalls richtig: Die Mille Crepe mit Fruchtfüllung ist einfach zum Niederknien (unbedingt vorbestellen!).