Anstatt wie geplant ihren neuen „Geschwindigkeitsmessanhänger“ zu präsentieren, war die Polizei gestern vor allem damit beschäftigt, die Folgen der „Morgenpost“-Enthüllung zur tödlichen Alkoholfahrt ihres Kollegen Peter G. abzuschätzen – vor einem Jahr war eine junge Frau gestorben, als ein Streifenwagen in ihr Auto raste. „Ich sichere der Familie zu, dass ich mit vollem Nachdruck und rückhaltlos alles zur Aufklärung erforderliche beitragen werde“, erklärte Polizeipräsidentin Barbara Slowik. Da hat sie eine Menge zu tun, auch in eigener Sache.
Zwei Monate nach der Entscheidung, den erkrankten Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen und ihm eine neue, vergleichbare Aufgabe in der Senatskanzlei zu geben, gibt es noch keine Klarheit über die Stelle. Die offizielle Auskunft (Stand 6.2.19): „Mit Herrn Staatssekretär a. D. Kirchner werden derzeit Gespräche zu seiner Einsetzbarkeit unter Beachtung seiner gesundheitlichen Genesung geführt. Die zukünftigen Rahmenbedingungen sind noch nicht festgelegt.“ Eine leitende Funktion müsste diskriminierungsfrei (also ohne Festlegung) ausgeschrieben werden. Die Bitte von Verkehrssenatorin Regine Günther um eine zusätzliche Staatssekretärsstelle wegen der langen Ausfallzeit Kirchners hatte der Regierende Bürgermeister bereits im Herbst abgewiesen.
Sensation: Die Verkehrsverwaltung will „den Gesamtablauf des Bauprogramms für Querungshilfen (Zebrastreifenprogramm) noch effizienter gestalten“. Noch effizienter! Wir erinnern uns: Im Land Berlin ist das Aufpinseln von weißer Farbe vom Anrühren bis zum Trocknen bereits jetzt in nur drei Jahren und 18 Verwaltungsschritten erledigt. (DS 18/17538, Anfrage MdA Kristian Ronneburg).
Am Dienstag hatten wir Ihnen hier die ständig zugeparkten Fahrradstreifen auf der Tamara-Danz-Straße an der Arena am Ostbahnhof präsentiert, gestern fuhr dann die Polizei zum Knöllchenschreiben vor – und parkte ihre zwei Streifenwagen dazu ausgerechnet auf den Fahrradstreifen. Wir haben mal nachgefragt, was das soll - hier die offizielle Erklärung: „Die Beamten sind einem Bürgerhinweis nachgegangen und haben etliche Falschparkende entsprechend der StVO geahndet. Zwei sogenannte nicht eilbedürftige Einsatzfahrzeuge waren vor Ort. Um den Fließverkehr nicht zu behindern, haben die Beamten die beiden Fahrzeuge kurzfristig auf den Fahrradweg gestellt.“ Es gilt weiterhin der Kommentar von Monika Herrmann, Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg: „Für dieses illegale Parken gibt es keine Entschuldigung.“
Wir kommen zum CP-Justiz-Rätsel, Kategorie „anzeigepflichtige Nebentätigkeiten von Amtsrichtern“: Mit 40 Nominierungen liegt das Amtsgericht Tiergarten unangefochten an der Spitze, gefolgt von Tempelhof-Kreuzberg (15) und Charlottenburg (13). Abgeschlagen auf dem letzten Platz: Wedding (0). (Q: Justizverwaltung auf Anfrage MdA Sebastian Schlüsselburg, der übrigens heute Geburtstag hat). Unsere Aufgabe: Erklären Sie bitte das Verhalten der Richter im Wedding - haben diese, was Nebentätigkeiten betrifft, a) keine Zeit, b) keine Lust oder c) genug Geld? Nur ernstgemeinte Antworten an checkpoint@tagesspiegel.de.
Die Germania-Pleite am Beispiel von Zeynab: Die junge Iranerin hat sich als 450-Euro-Jobberin in einem Berliner Kreißsaal hochgearbeitet und kann im April ihre Hebammen-Ausbildung beginnen. Zuvor aber wollte sie noch mit ihrer kleinen Tochter zum ersten Mal nach 11 Jahren ihre Mutter in Teheran treffen, für das Ticket (780 Euro), einen Tag vor der Insolvenz gekauft, hatte sie lange gespart. Dann der Absturz - für manche Germania-Kunden platzte ein Urlaub, für Zeynab platzte ein Traum. In einer Mail an den Checkpoint schreibt ihre Mentorin: „Heute ist sie daran fast zerbrochen. Das Hebammenteam möchte gerne helfen, aber Hebammen sind selbst in der unteren Gehaltsklasse. Es ist so traurig und ich hoffe es gibt noch eine Idee, ihr diese Reise zu ermöglichen!“ Team Checkpoint legt zusammen – wenn Sie mithelfen wollen: checkpoint@tagesspiegel.de.
Unsere Checkpoint-Laufgruppe hat jetzt auch eine eigene Facebookseite – hier können Sie sich über alle Termine informieren, mit uns kommunizieren und sich miteinander vernetzen. Nächsten Sonnabend um 11 Uhr geht’s schon weiter, diesmal am Treptower Park. Treffpunkt ist der Parkplatz an der Puschkinallee neben dem Figurentheater Grashüpfer (Puschkinallee 16 A), 5 min vom S-Bahnhof Treptower Park Richtung Osten. Diesmal haben wir übrigens Fassbrause dabei! Wer mitlaufen will und noch nicht dabei war: Bitte kurz anmelden unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Gleich zu Beginn der Berlinale (heute Abend ist Eröffnung) feiert einer seinen Abschied: Harald Martenstein war seit 1990 dabei und hat (fast) alles gesehen. Welche Filme ihn noch jahrelang verfolgten, beschreibt er heute im Tagesspiegel auf Seite 3 (auch im E-Paper), der Titel (na klar): „Happy End“. Auch seine Berlinale-tägliche Seite-1-Kolumne „Harald Tribune“ gibt Martenstein ab, und zwar – trara! - an Robert Ide von Team Checkpoint. Der musste als Berlinchef sonst immer Berlinale-Urlaub nehmen und sich nach Karten anstellen, jetzt ist er dienstlich da – und liefert jeden Morgen auch frisch für den Checkpoint ab.
Auch der Senat beteiligt sich an der Berlinale, und zwar im Wettbewerb „Videoüberwachung“. Die Handlung: Thomas und Heinz wollen ganz viele Kameras in der Stadt aufstellen, Andreas und Michael ein paar weniger, Ramona fast keine und Klaus gar keine. Ort: Multiplex im Roten Rathaus, FSK 6, Farbe s/g/r/gr, 3D (ohne Brille), Deutsch mit hugenottischen Untertiteln.
Und pünktlich zur Berlinale gibt‘s jetzt auch gleich noch Bewegtbilder vom neuen Chef-Gorilla im Zoo, dem angeblich lendenstarken Sango. Wenn Sie mal schauen mögen ...
Eigentlich wollte die Koalition bis zur nächsten Wahl 30.000 landeseigene Wohnungen bauen lassen, vergangene Woche reduzierte Senatorin Lompscher auf 25.000 – und jetzt sagen die öffentlichen Unternehmen: Zu schaffen sind nur 24.032. Wenn das so weitergeht, werden am Ende noch welche abgerissen.
Und hier eine neue Folge der „Tribute von Stahnsdorf“ (CP von gestern): Mit dem Schlachtruf „Schwein, raus mit Dir!“ vertrieb Hannelore Heinrich ein randalierendes Wildschwein aus ihrem Friseursalon – ohne Pfeil und Bogen, nur mit einem Tischchen bewaffnet. Unseren Kollegen von den PNN hat sie erzählt, wie der Überfall ablief.
Bei den einen stapeln sich die Pfandflaschen im Flur, die anderen wühlen auf der Suche nach Leergut im Müll – die App „pfandgeben.de“ bringt beide zusammen. Gute Idee eines ehrenamtlichen studentischen Projekts - alles Weitere hier.
„Die Sanierung des Strandbads Müggelsee lässt auf sich warten“, meldet berlin.de, das „offizielle Hauptstadtportal“ des Senats. Tja, das ist ja mal echt fies von der Sanierung. Aber da kann man wohl nichts machen (wir sind ja hier in Berlin).
Seltsame Sache in Mitte: Hier werden jetzt Parkscheinautomaten mit externen Druckern ausgestattet. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal hier.
Zur Rubrik „Berlin, aber Schnauze!“, die heute aus der U8 kommt – wir lauschen der freundlichen Ansage einer original Berliner Fahrerin: „Nimm deinen Zuckerarsch aus meiner Tür!“ Und weiter geht’s … (Gehört von Checkpoint-Leserin Maja Brünau).
Hier kommt noch was Leckeres für Feinschmecker mit Humor: Im Rahmen des Gourmet-Festivals „eat! Berlin“ servieren wir am 2. März in der Axica am Brandenburger Tor zum exquisiten Sterne-Menü unser neues Programm „Checkpoint live“ – mit einem liebevoll-bissigen Blick auf Berlin, interessanten Gästen, Live-Musik, dem Betriebstörungsbingo, der BER-Eröffnung und Anekdoten aus dem alltäglichen Wahnsinn der besten Stadt der Welt. Die Veranstaltung mit 6-Gang-Menü und Weinbegleitung ist eigentlich ausverkauft, aber heute sind für die Frühaufsteher unter den Checkpoint-Fans noch ein paar zusätzliche Karten zum regulären „eat! Berlin“-Preis von jeweils 139 Euro zu haben. Alle Infos gibt’s hier.
Korrektur zur Meldung „Alte Försterei“ – vom beheizten Logenplatz aus habe ich selbstverständlich ein 2:0 für Union gesehen, der Anschlusstreffer für den Effzeh fiel nur im Checkpoint (und auch dort zu spät). Es kommentiert unser Fußballexperte Andy Möller: „Köln oder Neukölln, Hauptsache Italien.“
Wir schalten noch kurz um nach Schönefeld, wo Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup gerade eine Ansprache zum 100. Jahrestag der zivilen Luftfahrt hält: „… hat der BER die Chance, sich zu einem digitalen Drehkreuz zu entwickeln …“ – Moooment! Das muss ja wohl ein Fehler sein. Digitales Drehkreuz? Haben da die Redenschreiber gepennt? Hat die Kommunikationsabteilung nicht aufgepasst? Ist doch klar: Es muss „virtuelles Drehkreuz“ heißen!
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich glaube nicht mehr an den Fußball-Gott.“
Nein, das hat natürlich nicht Hertha-Trainer Pál Dárdai gestern Abend nach der unnötigen 2:3-Pokalniederlage gegen Bayern München gesagt. Der Satz stammt von Rudi Assauer, der sich im Mai 2001 für Minuten als Deutscher Fußballmeister wähnte – aber dann doch nur Meister der Herzen wurde, weil in Hamburg die Bayern während der Nachspielzeit den Ausgleich ... aber das ist eine andere Geschichte. Gestern ist der langjährige Schalke-Manager gestorben, und auch wenn die Sympathie für Gelsenkirchen in Berlin nicht ganz so ausgeprägt ist: Dieser Mann verdient Respekt – für seine Arbeit, große Leidenschaft, viele Widersprüche, die Selbstironie und den Umgang mit seiner Krankheit. Tschüss Rudi, war eine schöne Zeit.
Tweet des Tages
„Die neue Freundin von Matthias Schweighöfer heißt Ruby Moonstone Camilla Willow Fee. Klingt ein bisschen wie ein neues Trend-Getränk in Berlin-Mitte.“
Antwort d. Red.: Hoppla – no name jokes, please! Aber das hier ist immerhin eine gute Gelegenheit, Ruby zum Geburtstag zu gratulieren: Sie wird heute 23.
Stadtleben
Man schließe die Augen und denke an ein türkisfarbenes Meer, an antike weiße Ruinen und den salzig-warmen Urlaubsduft in der Nase. Derlei Urlaubsgefühle überkommen einen im griechischen Restaurant Medusa, das in einem Eckhaus in Friedenau beheimatet ist und seit knapp 40 Jahren in Händen eines Familienbetriebs liegt. An kühleren Tagen lädt die sorgsam mit Keramikfliesen und Ofenkacheln geschmückte Inneneinrichtung ein, im Sommer diniert man unter Weinranken auf der Gartenterrasse. Neben original griechischen Spezialitäten wird der Wein traditionell aus Kupferkelchen gereicht. Mit vollem griechischen Geschmack wird belohnt, wer z.B. die große Grillplatte für zwei Personen (32 Euro) bestellt, auf der Fleischspieße, Gyros, Bifteki, Lammkoteletts und Tsatsiki Platz finden. Wer sich dazu Beilagen wünscht, wird von den überordentlich gastfreundlichen Kellnern mit Reisnudeln oder Backkartoffeln umsorgt. Perelsplatz 10, U-Bhf Bundesplatz, Mo-Sa 17-24 Uhr, So 16-24 Uhr
Galeristin Philomene Magers verriet in der New York Times neulich ihren Berliner Kaffee-Hotspot. Die Kaffeerösterei „The Barn“ in der Schönhauser Allee 8, die auch für ihre Tees, Säfte und Sandwiches bekannt sei, habe es der in Berlin lebenden Mitbegründerin der „Sprüth Magers“-Galerien mit Niederlassungen in Berlin, London und Los Angeles laut Artikel sehr angetan. Nicht nur, weil der Besitzer „der ultimative Kaffeespezialist ist“, wie sie sagt. Sie kann vor allem von den Croissants nicht genug kriegen, weshalb sie sich immer gleich zwei kauft. Mo-Do 8.30-17 Uhr, Fr. 8.30-18, Sa/ So 10-18 Uhr, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Geschenk Nach Yoga und Schwitzen den Abend in den eigenen vier Wänden ruhig ausklingen lassen. Mit der etwas mystisch klingenden Philosophie „Man nehme die Gaben der Natur und mische sie zum Zwecke“ kann die Met und Räucherwerkmanufaktur Amarandel – die einen besonderen Wert auf die Natürlichkeit ihrer Produkte legt – Wohlwollen zum Feierabend beitragen. Aller Art ätherischer Öle, Räucherstäbchen und Duftkerzen findet man in dem efeuberankten und hölzern eingerichteten Geschäft in der Mainzer Straße 12. Besonders stolz ist man außerdem auf die 14 naturbelassenen Metsorten (Honigwein) aus eigener Produktion sowie kleine in Duft getränkte Holzschnitzereien (6,90 Euro). Di-Fr 12-20 Uhr, Sa 12-18 Uhr, U-Bhf Samariterstraße