Mit Blick auf’s Wetter müssen wir gleich mal feststellen: So ein Pech aber auch… Ausgerechnet heute ist der „Tag der Seifenblase“ - bei erwarteten Orkanböen mit 120 km/h lautet die wenig gewagte Checkpoint-Vorhersage: Putzplatzregen. Übrigens: Heute vor 13 Jahren hatte wir in Berlin schönste 27 Grad. Gedanklich derart aufgewärmt, schauen wir schnell mal auf…
Unsere neue Miniserie „Abenteuer in Amerika“ beginnt heute mit einer Schrecksekunde für Michael Müller: Zwei Stunden vor der Landung von LH 0456 in Los Angeles gab’s plötzlich Brandalarm. Stewardessen rannten mit Feuerlöschern in der Hand an der Berliner Delegation vorbei durch die Gänge, der Pilot erwog eine Notlandung in Seattle, fünf Flugbegleiterinnen enterten einen Waschraum… und fanden: nichts. Kein Rauch, kein Feuer. Allenfalls ein Hauch von Haarspray lag in der Luft… Heute früh (MEZ - Zeitunterschied zu L.A.: 9 h) ging die Berliner Delegation zur Erholung erst mal in die Universal Studios zu King Kong und Harry Potter, und… (Fortsetzung folgt).
Die Großkritiker haben ausgeschlafen, nachgedacht und gedichtet - hier unsere kleine Presseschau zum Staatsoper-Präludium: Tagesspiegel-Experte Frederik Hanssen beklagt bitterlich, dass er mit einer Körpergröße von 7 % über dem Durchschnitt trotz Sanierung im dritten Rang „nur in Toter-Hahn-Position“ Platz nehmen kann - „da wird der Sessel zum Folterstuhl“. Jan Brachmann dagegen freut sich in der „FAZ“: „Quietschvergnügt grinst die ferkelfarbene Fassade nun durch Wind und Wetter - der Saal ist fabelhaft! Alles richtig gemacht. Das Geldausgeben hat sich gelohnt.“ So ähnlich sieht das auch Peter Richter in der „SZ“, der sich zwar fragt, was hier eigentlich saniert wurde: „Ein Rokoko-Bau oder die DDR-Ästhetik?“ Aber auch er findet: „Vielleicht das Beste, was man für Geld bekommen konnte.“
Wir kommen zu Manuel Brug von der „Welt“, der sich standesgemäß schon in der Pause gut gelaunt maximal genervt zeigte („langweilig!“) - heute ist von ihm zur Aufführung zu lesen: „Eine Verlegenheitslösung, säuselnd feingeistig und edelöde.“ Und weiter zum Premieren-„Faust“: „Das sowieso schon nicht wirklich gut genießbare, stellenweise nazarenerhaft zahme Romantikgebräu wird noch zusätzlich angedickt durch ausufernde Originalsprechszenen aus eben jenem Nationalepos am Nationalfeiertag, mit einer voll besetzten einstigen Königs-, dann Hitler-, schließlich SED- und nunmehr neutral genannten Mittelloge.“ Dermaßen in Fahrt, mutmaßt Brug noch, dass sich die Bundeskanzlerin „ihr Abendjackett offenbar aus den Resten der neuen Sitzpolsterung“ hat schneidern lassen - Quintessenz: „Eine 1400-Plätze-Butze, klein und piefig.“ Lokalpatrioten wie mir zum Trost: Die Elphilharmonie hat Brug vor ein paar Wochen ebenfalls zur Sau gemacht - nur nicht so schön.
Das Eingeständnis des rot-rot-grünen Senats, sich zum Kapitalismus noch „keine abschließende Meinung gebildet“ zu haben (CP von gestern), hat einen Teil unserer Leserschaft offenbar schwer verunsichert. Als staatsbürgerlicher Informationsdienst sieht sich der Checkpoint in der Pflicht, dabei zu helfen, diesen untragbaren Zustand zu überwinden. Wir haben deshalb für die Senatsmitglieder eine schöne Vorlesung an der HU herausgesucht: „Der Kapitalismus: Geschichte und Theorie“ mit Herfried Münkler, Kurs Nr. 53 092, immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr (zeitlich sehr praktisch zwischen Senatssitzung und Parlament gelegen) - und das Allerbeste: „Die Vorlesung wird auch die Frage nach der Zukunft des Kapitalismus aufnehmen.“ Vielleicht hängt davon ja auch die Zukunft des Senats ab.
Die Kapitalismus-Anfrage hatte übrigens der Abgeordnete Marcel Luthe gestellt, nicht (wie gestern versehentlich geschrieben) Stefan Förster - letzterer äußerte sich statt dessen gerade „zur Wohnungslage für Studenten“, die er für „angespannt“ hält, aber: „Allerdings kann man von Erstsemestern auch erwarten, dass sie in eine WG in Marzahn ziehen und nicht unbedingt ein Apartment am Potsdamer Platz bewohnen möchten.“ Tja, liebe Erstsemester, aus der Traum von einer Bleibe im Beisheim-Center (obwohl… hier wäre noch eine WG-taugliche 4-Zimmer-Whg für 7275 Euro p/m frei) - wir haben uns deshalb für euch mal im fernen Osten umgeschaut: Wie wäre es mit diesem „freundlichen Durchgangszimmer“ für 250 Euro warm? Oder lieber 16 qm für 305 Euro in der 5er-WG in „Zentral Mahlsdorf“ (Hummelstr)? Also mir gefällt ja die 12-qm-Bude in Biesdorf am Besten, aber die hat leider „keine Waschmaschine - deshalb vermiete ich auch bevorzugt an Frauen, die zum größten Teil am Wochenende nach Hause fahren.“ Also vielleicht doch lieber mit Concierge-Service am Potsdamer Platz?
In Berlin gibt’s nichts, was es nicht gibt - deshalb haben wir hier auch weltexklusiv eine „logische Stadtgrenze“: Immer mal wieder erscheint sie auf Busfahrscheinen und Stationsanzeigen. Aber wo verläuft sie? Und was unterscheidet sie von einer unlogischen Stadtgrenze? Hm, also wenn das jemand weiß, dann die unvergleichliche Petra Reetz von der BVG - also fragen wir sie doch mal…
… und hier ihre Antwort: „Das Ticket in BVG-Bussen wird immer für den Fall einer Kontrolle mit Einstiegshaltestelle ausgestellt. Die Kasse im Bus wird über einen PC mit GPS und eingespeistem Stadtplan gesteuert, sodass der genaue Standort bei der Ausstellung des Tickets immer registriert wird. Ganz selten verläuft eine Busroute zwischen zwei Haltestellen in Berlin über Brandenburger Land. Meistens, weil die Straße einfach so verläuft. Drückt der Busfahrer während der Fahrt in Brandenburg (also nicht mehr an der Haltestelle in Berlin) buchstäblich an der Stadtgrenze entlangfahrend auf den Kassenknopf, wird als Einstiegshaltestelle „logische Stadtgrenze" angegeben. Das wurde irgendwann mal logische Stadtgrenze genannt, warum das genau so heißt, das weiß bei uns keiner mehr. Eine unlogische Stadtgrenze gibt es aber nicht.“ Na logo - ist das also endlich auch mal geklärt.
Telegramm
„Die Koalition will den Bestand der Sozialwohnungen erhalten“, heißt es im Regierungsvertrag von R2G (S. 20) - doch daraus wird nichts, wie eine bittere Prognose der Stadtentwicklungsverwaltung zeigt: Berlin verliert tausende Sozialwohnungen in den kommenden Jahren, weil vielerorts die Mietpreisbindung endet - selbst dann, wenn alle Neubauprojekte verwirklicht werden (woran niemand mehr glaubt), macht das -5,9 %.
Berlins Verkehrsverwaltung pumpt ihre Fantasie durchs Fahrradventil: Die vom Parlament bereitgestellten Ausstellungs-Mittel „für eine Präsentation der Themen Umwelt, Verkehr und Klimaschutz“ fließen in die Fahrradmesse Velo, die Berliner Fahrradschau, dasStadtradeln vom Klimabündnis und das Umweltfestival als Ziel der Fahrradsternfahrt. Einzige Ausnahme: Ein Stand der Berliner Forsten bei der Grünen Woche. (Q: Bericht SenUVK ans Agh, Titel 53105).
Eine Pressemitteilung des Linken-MdB Christian Posselt zur Geheimdienstkontrolle endete gestern geheimnisvoll: „Nulla porta, tellus in pretium semper, justo libero tincidunt pede, in ornare est mauis ut turpis“ stand da, und darüber „Hier ist optional Platz für politische Botschaften, Kampagne oder sonstigen Verweise“. Hm, schnell mal durch die Enigma gejagt… Aha: Da hat wohl jemand die Gebrauchsanweisung für Blanko-Formulare mit Blindtextgenerator übersehen - dort heißt es: „Bei Nichtbedarf einfach löschen.“ (via Florian Neuhann).
Die Jusos aus Steglitz-Zehlendorf blasen zum Sturm auf die letzte Bastion der deutschen Feudalherrschaft - im Antrag D1_2/17 zur Landesdelegiertenkonferenz („Bereich Demokratie, Partizipation und Kampf gegen menschenfeindliche Einstellungen“) fordern sie: „Zukünftig muss es untersagt sein, als Namensbestandteile geführte Adelstitulierungen und -prädikate an die nächste Generation weiterzugeben.“ Begründung: Diese zur Schau gestellte „Form des sozialen und kulturellen Kapitals“ wird „zum eigenen Vorteil eingesetzt“ - und zwar von und zu.
Weil die Pfannkuchen-Kampagne zur Lehreranwerbung im Frühjahr nicht funktionierte, versucht es der Senat jetzt nochmal - selbstverständlich wieder mit Pfannkuchen (hier zu sehen). Die perfide Taktik: Irgendwann werden sich diese widerspenstigen Pädagogen aus anderen Bundesländern doch wohl schon noch überg… - pardon: ergeben.
In unserer Rubrik „Amt, aber glücklich“ liegt das BA Tempelhof-Schöneberg meistens in der Spitzengruppe - heute reicht‘s aber nur für die Blechmedaille (Gravur: „Amt, aber ärgerlich“): Vor zwei Monaten hatte eine alleinstehende Mutter einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss gestellt (ist zuweilen existenziell wichtig). Eine Mail-Nachfrage zum Stand der Dinge Wochen später blieb unbeantwortet, eine abermalige Bitte um Auskunft wurde jetzt so beschieden: „Ihre Anträge sind eingegangen. Derzeit kann über die Bearbeitungsdauer keine Aussage getroffen werden. Bitte sehen Sie von weiteren Anfragen ab.“ Tja, so werden lästige Bittsteller abgekanzelt, aber nicht Behördenkunden mit Rechtsanspruch behandelt.
Die Polizei hat eine aktuelle „Heat Map Taschendiebstahl“ veröffentlicht und gleich auch noch die neuesten Tricks zusammengestellt - kleiner Tipp vorab: Senf ist nicht nur scharf, sondern auch gefährlich.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
Wir werden uns künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potenziellen Kunden im Osten abgrenzen und von Hohlköpfen mit Migrationshintergrund selbstverständlich auch. Ich will all deren Geld nicht.“
Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes, in einem Brief an seine Mitarbeiter - AfD-Wähler möchte er nicht mehr willkommen heißen, diese bekämen den Preis für bereits gekaufte Eintrittskarten zurückerstattet. Im Gegenzug rät die AfD jetzt ihren Wählern, das Revuetheater künftig zu meiden. (Q: „Morgenpost“)
Zitat
„Es riecht schon ein bisschen nach Anarchie in unserem Berlin.“
Heinz Buschkowsky, Ex-Bürgermeister von Neukölln, über das Verhalten von Politikern der Linken und der Grünen bei der Besetzung der Volksbühne und der Gerhard-Hauptmann-Schule. (Q: „Bild“)
Stadtleben
Essen brutzelt, zischt und duftet auf den runden Grillplatten im geräumigen SSAM am Kottbusser Damm 96. Hobby-Griller können hier in modern-asiatischer Atmosphäre die Zange schwingen und ihr eigenes koreanisches Barbeque zaubern. Versuchen Sie sich am Meeresfrüchte-Menü (19,90 Euro), dem Daeji Galbi (17,90 Euro), also in Sojasoße mariniertes Schweinefleisch (mit Qualitätssiegel), oder der veganen Variante mit Tofu und eingelegtem Gemüse (13,90 Euro). Für konsequente Kochmuffel ist der koreanische Klassiker Bibimbap (ab 8,90 Euro) zu empfehlen. Besonders gut geeignet für größere Gruppen, die an den langen Tischen perfekt Platz finden. U-Bhf Schönleinstraße, Mo-Do und So, 12-23 Uhr, Fr und Sa, 12-24 Uhr.
Trinken nur ein paar Straßen down under in Kreuzkölln: Nach dem fernöstlichen Kulinarerlebnis können Sie in der Friedelstraße 25 einen Kaffee samt süßer Sünde in australischer Manier genießen. Betreiberin Jutta hat nämlich das beliebte Bananenbrotvom anderen Ende der Welt nach Berlin ins Tischendorf geholt. Der fluffige Kastenkuchen passt perfekt zum Flat White oder Long Black, der sich im entspannten Wohnzimmer-Flair zwischen zusammengewürftelten Möbeln und Bildern von Kiez-Künstlern an der Wand genießen lässt. U-Bhf Schönleinstraße, Mo-Sa, 9–19 Uhr, So 10–19 Uhr.