Zwischen Luxussanierung und Mietendeckel, rücksichtsloser Renditegier und Vergesellschaftungslust ist die Stimmung zwischen Eigentümern und Mietern immer mehr eskaliert. Dass es auch harmonische Verhältnisse unter zufriedenen Bewohnern und verantwortungsvollen Vermietern gibt, ging dabei völlig unter. Ein Musterbeispiel dafür ist die „Gartenstadt Atlantic“ am Gesundbrunnen, erbaut vor 100 Jahren vom Verleger Karl Wolffsohn, 1938 von den Nazis enteignet. Vor mehr als zwanzig Jahren hatten Michael und Rita Wolffsohn das heruntergekommene Gebäudeensemble (49 Häuser, 500 Wohnungen, 25 Gewerbeeinheiten, 1 Kino) geerbt und mit Hilfe hoher Kredite saniert. Das Besondere: Mehr als anderthalb Jahrzehnte lang verzichteten die Wolffsohns auf jede Rendite, hielten die Mieten niedrig und achteten auf eine bunt gemischte Gemeinschaft – die Gartenstadt ist ein interkulturelles Integrationsprojekt, Gentrifizierung gehört hier nicht zum Wortschatz.
Klar, dass ein Paket wie die „Atlantic“ heute Großinvestoren anlockt wie eine Riesenportion Frutti di Mare den Hai. „Mit viel Potenzial“ werden solche Leckerbissen im Zentrum der Stadt in Verkaufsunterlagen oft angepriesen, denn viel Potenzial bedeutet: Da lässt sich noch ordentlich was herausquetschen, entweder aus diesen Mietern oder aus neuen, wenn die alten vergrault sind – und ein paar Jahre später wird mit hohem Gewinn weiterverkauft.
Aber nicht mit Michael Wolffsohn: Alle Anfragen ließ der Historiker ins Leere laufen. Als vor kurzem mal wieder ein Makler seine Verkaufsdienste anbot, per freundlichem Brief, schrieben ihm die Wolffsohns zurück:
„Sehr geehrter Herr (anonymisiert),
vielen Dank für Ihr Interesse. Die Gartenstadt Atlantic ist unverkäuflich. Warum sollte sie unserer Familie, abgesehen von starken Gefühlen sowie vom Historischen (vgl. meine ‚Deutschjüdischen Glückskinder‘), weniger wert sein als Anderen? ‚Es gibt Menschen mit Herzen aus Stein und Steine mit Menschenherzen‘, lautet der Text eines schönen israelischen Liedes. Das kennzeichnet unser Verhältnis zur Gartenstadt Atlantic sowie ihren herausragenden, hochengagierten Mitarbeitern. Das ‚Eigentum verpflichtet‘ uns nicht zuletzt unseren Mietern und damit ‚der‘ Gesellschaft gegenüber. Wir wissen, dass unsere Haltung eher ungewöhnlich ist, fühlen uns aber damit wohler.
Mit freundlichen Grüßen
Michael und Rita Wolffsohn
Vorstand der Gartenstadt Atlantic AG“
Der Makler hat übrigens noch mal geantwortet – verständnisvoll und mit viel Empathie.
Hm, wie kamen wir da jetzt drauf … ach ja: Heute startet das „Bündnis für Wohnungsbau und bezahlbare Mieten“, mit dem die Sozialdemokraten (und Teile der Grünen) den erfolgreichen Enteignungsvolksentscheid einbetonieren wollen. Fünf Jahre Mietenmoratorium und schnelleres Baurecht kündigte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel gestern an – zufrieden sind damit weder die Mietervertreter noch die Vermietervertreter.
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Mit dem Rad oder zu Fuß – sichtbar auf der Straße
Sicher bei Dämmerung und Dunkelheit zur Schule? Das geht am besten mit heller Kleidung und leuchtenden Reflektoren auf Jacke und Hose. Denn so gekleidet werden Schülerinnen und Schüler von Autofahrern schneller gesehen. Mehr Infos gibt es bei der Unfallkasse Berlin – Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung in der Hauptstadt: www.unfallkasse-berlin.de
Verwundert blickt auch Ex-Senatsbaudirektorin Regula Lüscher von Zürich ausauf das Berliner Geschehen – in einem Interview mit „swiss-architects.com“ sagt sie über ihre Nachfolgerin Petra Kahlfeldt:
+ „Mich hat überrascht, dass mir eine Person nachfolgt, die sogar noch älter ist als ich. Jemand Jüngeres hätte neue Verbindungen mitgebracht. Das wäre eine große Chance gewesen.“
+ „Überrascht bin auch insofern, als ich mit einer verwaltungserfahrenen Persönlichkeit gerechnet hätte. Bevor ich nach Berlin kam, habe ich Erfahrung im Zürcher Amt für Städtebau gesammelt. Doch dann musste ich preußische Verwaltung lernen. Das war sehr schwierig. Von daher weiß ich nicht, ob eine Professur eine ausreichende Vorbereitung ist.“
+ „Mich verwundert, dass sich die Kritik so sehr gegen Petra Kahlfeldt richtet, aber kaum gegen Giffey und die SPD.“
+ „Ich sehe die Qualität der Beteiligungsprozesse gefährdet. Ob dieses Know-how bei meiner Nachfolgerin vorhanden ist, weiß ich nicht. Ich bin mir da unsicher. Was die Politik angeht, glaube ich, dass die SPD die Erwartungen der Bevölkerung ziemlich unterschätzt.“
Das Interview, in dem Regula Lüscher u.a. erzählt, mit welcher Geheimdiplomatie sie damals in Berlin Senatsbaudirektorin wurde, finden Sie hier.
Heute in der Checkpoint-Mappe „Wiedervorlage“: Bis spätestens drei Monate nach der Konstituierung des Bundestags müssen die Abgeordneten ihre Beteiligungen an Kapital- und Personengesellschaften offenlegen (§ 45 Absatz 5 AbgG) – und diese Frist ist jetzt abgelaufen. Na, da schauen wir doch mal nach … und finden … nichts. Einfach gar nichts. Wie kann das sein? Sind die plötzlich alle verarmt? Wird die große Wirtschaftskrise, die unsere Kollegen Timo Brücken, Alfons Freese und Thorsten Mumme gerade erst für die Zeit nach der Pandemie prognostizierten (hier ihr Bericht), im Parlament etwa schon mal getestet?
Na, da fragen wir doch gleich mal nach – hier die Antwort der Bundestagsverwaltung:
„Der Veröffentlichung von Angaben von Mitgliedern des Bundestages gemäß den Verhaltensregeln gehen Bearbeitungsschritte der Bundestagsverwaltung voraus. Auch weil derzeit die Ausführungsbestimmungen zu den im AbgG z.T. neu gefassten Verhaltensregeln noch nicht vorliegen, ist ein Zeitpunkt der Veröffentlichung von Angaben derzeit noch nicht absehbar.“
Tja, so sieht’s aus: Irgendwo gehen Schritte voraus, hinein in den Nebel von Ausführungsbestimmungen, und die Angaben verlaufen sich undurchsichtig verhaltend irgendwo im Unabsehbaren. Oder, mit anderen Worten: Der Bundestag schreibt sich seine eigenen Gesetze, aber ernst nimmt er sie nicht.
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Eine Inzidenz von 1829 meldete heute Nacht das RKI für Berlin (Tempelhof-Schöneberg: 3192) – aber eigentlich sind diese Zahlen wertlos. Laut Gesundheitssenatorin Ulrike Gote ist es nicht mehr möglich, alle Fälle zu melden und in die Datenbank einzupflegen. Für realistisch hält sie es, dass die Meldungen aus den Schulen, wo regelmäßig getestet wird, die Infektionslage besser abbilden – da wären wir dann bei mehr als 4000.
Ohnehin sagt der Inzidenzvergleich nicht mehr viel aus – wegen der Impfungen und des oft leichteren Krankheitsverlaufs der Variante Omikron ist die Situation jedenfalls eine komplett andere als vor zwei Jahren. Sie erinnern sich? Als der Senat verbot, sich auf Parkbänke zu setzen, lag die Inzidenz in Berlin bei 40.
Dazu auch eine Mitteilung des überforderten Bezirksamts Lichtenberg: „Alle unbearbeiteten Corona-Fälle, die bis zum 31. Dezember 2021 beim Gesundheitsamt Lichtenberg eingegangen sind, werden mit sofortiger Wirkung zurückgestellt und die Fallmeldungen für diesen Zeitraum auf null gesetzt.“ So geht’s natürlich auch (nicht).
Und dann auch noch das: Der Senat hat keinen Überblick darüber, wie viele Patienten tatsächlich wegen einer Corona-Infektion in einem Krankenhaus liegen – oder wegen etwas ganz anderem dort sind und nur symptomlos positiv getestet wurden. Dabei ist die Krankenhaus-Inzidenz der Berliner Corona-Ampel entscheidend für die politischen Maßnahmen. In Berlin ist also derzeit nicht nur das Wetter trübe. Julius Betschka und Ingo Bach sind der Sache nachgegangen, ihren Bericht finden Sie hier.
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Zuhause//Vonovia Award für Fotografie
Berliner Schnuppen
Telegramm
Franziska Giffey hat noch „Redebedarf“ – und zwar über die Zukunft der Friedrichstraße. Die bisherigen Versuche, die Betonwüste zur autofreien „Flaniermeile“ umzufunktionieren, haben sie nicht überzeugt. Beim Tagesspiegel-Neujahrsempfang sagte sie …
… zur Sperrung für Autos: „Das ist wie ein Blaseneffekt: Sie drücken an einer Stelle drauf, und dann geht der Verkehr woanders hin – er ist ja deswegen nicht weg.“
… zur Flaniermeile: „Das kann ja sein, dass man am Ende eines Diskussionsprozesses zu dieser Entscheidung kommt. Dann finde ich es extrem wichtig, dass diese Ausgestaltung auch den Namen Flaniermeile verdient. Das muss dann eine gewisse Schönheit haben, eine städtebauliche Qualität, die der Weltstadt Berlin auch gerecht wird. Das ist im Moment nicht der Fall.“
… zu dem, was fehlt: „Ein Konzept.“
Manche Fragen erledigen sich eigentlich mit einem Blick auf die Straße von selbst – z.B. die von Oliver Friederici (CDU) an den Senat: Wie der „aktuelle Stand von E-Rollern in Berlin“ ist, wollte er wissen. Wir haben mal kurz selbst nachgeschaut, und die Antwort lautet natürlich: liegend.
Der Senat hat dazu aber auch noch mal in der Schublade der Erkenntnis gekramt, hier die Ergebnisse:
+ E-Tretroller insgesamt: „Hierzu gibt es keine amtliche Statistik“ (laut Anbieter waren im Juni 2021 etwa 23.000 in Berlin unterwegs).
+ Unfälle mit Scootern: 775 im vergangenen Jahr (2020 waren es 325).
+ Bei Scooter-Unfällen verletzte Personen: 572 im vergangenen Jahr (2020 waren es 235).
+ Von den Bezirksämtern entfernte E-Tretroller (Beispiel Mitte): „Vom Ordnungsamt Mitte von Berlin
wurden in den Jahren 2020 und 2021 keine elektrischen Tretroller entfernt. Bei Behinderung werden diese lediglich umgestellt. Eine statistische Erfassung erfolgt nicht.“
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Neues aus der Spambox: Oft ist ja nicht auf Anhieb klar, ob eine Meldung eine gute ist oder eine schlechte. Nehmen wir z.B. diese hier: „Deutsche Wohnen hält Qualität“, heißt es da. Wir erinnern uns: Winter für Winter waren die Heizungsausfälle in den Wohnungen des Großvermieters ein heißes Thema – so gesehen wurde die Qualität durchaus gehalten. Das gilt allerdings auch für das Ergebnis der DW-Mieterbefragung (31.000 per Post, 3700 digital, Rücklaufquote 34 bzw. 42%): Demnach sind im Vergleich zum Vorjahr stabil mehr als 85% zufrieden mit ihrer Wohnung und mehr als 80% mit der DW insgesamt. Bei uns melden sich offenbar immer die anderen (Bestand in Berlin insgesamt: 114.200 Whg).
„Mali zieht Spezialeinheiten aus Dänemark ab“, meldet AFP (27.1., 17:24 Uhr) – tja, da haben wir offenbar gerade das Ende des modernen Kolonialismus erlebt.
Die SPD teilt zur Regierungserklärung von Franziska Giffey mit: „Wir haben in Berlin die größte Startup-Szene Europas. Hipp ist, wer sich faire Arbeit schafft und Mitbestimmung im Betrieb ermöglicht.“ Der Checkpoint teilt zur Mitteilung der SPD mit: „Hip ist, wer Hipp heißt“ (und wir kennen da sogar wen).
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Auf einem „Oberstufenzentrum Sicherheit“ will Polizeipräsidentin Barbara Slowik künftig potenzielle Nachwuchskräfte schulen. Zwei Fächer sind ihr dabei besonders wichtig: Deutsch und Schwimmen – denn daran scheitern die meisten Bewerberinnen und Bewerber.
Hier noch ein Hinweis in eigener Sache: Beim heutigen Tagesspiegelartikel mit der Überschrift „Meisterin im Verkuppeln“ handelt es sich nicht etwa um die neueste Episode unserer sensationell erfolgreichen Liebeskolumne (alle Folgen unter den meistgelesenen Texten, hier nachzulesen), sondern um einen Bericht unseres „Tagesspiegel Background“-Kollegen Caspar Schwietering (Ex-Checkpoint-Redakteur) über Sigrid Nikutta in ihrem Job als Chefin der Bahn-Tochter „DB Cargo“. Wie die Ex-BVG-Chefin das „Automatische Kuppeln“ in den Koalitionsvertrag manövrierte und was Kolleginnen und Konkurrenten von ihrer Arbeit halten (Spoiler: zwischen „Exzellent“ und „Nichts als Werbung“ ist alles dabei) können Sie heute in unserem E-Paper lesen (Probemonat gratis, inklusive „Tagesspiegel Plus“ und Checkpoint-Vollversion – zur Anmeldung geht’s hier).
Zitat
„Wenn anderswo mal der Tower für zwei Stunden ausfällt, ist das eine Randnotiz in der Lokalzeitung.“
Easyjet-Deutschlandchef Stephan Erler findet, dass der BER zu sehr unter Beobachtung steht: „Prozessprobleme erleben wir auch an anderen Flughäfen in Deutschland und Europa.“
Apropos BER: Das Flugsuchportal „Skyscanner“ hat ein Ranking für die meistgesuchten, aber nicht bedienten Flugrouten Deutschlands für 2021 erstellt – Kevin Hoffmann hat sich darin mal die Liste der unerfüllten Direktflugwünsche aus Berlin angeschaut – hier ist sie.
Tweet des Tages
Am Ende der Pandemie werden wir zumindest sagen können, dass wir nichts unverseucht gelassen haben.
Stadtleben
Essen – Nicht weit vom Borsighafen gelegen ist die kleine „Trattoria da Silvana & Renato“, perfekt also, um nach einem Spaziergang an der Uferpromenade des Tegeler Sees einzukehren. Die Inhaber kochen mit viel Liebe und Leidenschaft, und das schmeckt man. Auf der Karte stehen Klassiker wie Vitello Tonnato, Spaghetti Carbonara und diverse Pizzen. Dazu die typisch rot-weiß-karierten Tischdecken, ein halber Liter Wein und Olivenöl mit Brot, und man fühlt sich gleich an den letzten Italienurlaub erinnert. Di-Fr 16-23 Uhr, Sa/So 12-23 Uhr, Brunowstraße 50, U-Bhf Alt-Tegel
Berlinbesuch – Und wo wir schon einmal in Tegel sind: Die „Greenwichpromenade“ ist auch für Besuch von außerhalb ein schönes Ziel, sogar jetzt im Winter. Entlang des mit Linden und Platanen bepflanzten Fußwegs am Wasser lässt es sich wunderbar zum Schlosspark Tegel spazieren, für Kinder bietet der „Spielplatz Robinson Crusoe“ einen kleinen Tobestopp. Und nach der Winterpause ist der Hafen natürlich auch ein toller Ausgangspunkt für diverse Schiffstouren. U-Bhf Alt-Tegel, von dort ca. 500 Meter Richtung Wasser laufen, ab da ca. 4 Kilometer Richtung Norden zum Schloßpark oder nach Belieben eine kürzere Strecke an der Promenade entlang.
Last-Minute – Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit: Das von langer Hand geplante Release-Konzert von Tocotronic (heute ist ihr neues Album „Nie wieder Krieg“ erschienen) zieht von der Volksbühne ins SO36 und findet ohne Publikum statt. Für die Zuschauer bedeutet das: Ein digitales statt analoges Konzerterlebnis via Live-Stream auf Radio Eins und YouTube. Das ist zwar nicht besser, aber immerhin allen zugänglich. Fr 19 Uhr.
Geschenk – Ende Januar haben viele den Neujahrsvorsatz, endlich mal ein paar Pandemie-Pfunde abzunehmen, schon wieder vergessen. Richtig so, Süßes tröstet in bitteren Zeiten eben doch sehr verlässlich. Für alle Süßschnäbel ist das Bahlsen Outlet (mit gleich zwei Standorten in Berlin: in Tempelhof und Wittenau) ein Paradies: Es riecht himmlisch, es gibt Klassiker wie Butterkekse und zudem reduzierte Köstlichkeiten z.B. Saisonware (Spekulatius!) oder Bruchware. Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 9-16 Uhr, Oranienburger Straße 173, S-Bhf Wittenau
Grübelstoff – Mit „Fat is a feminist issue“ schrieb die Britin Susie Orbach schon 1978 (!) die Blaupause für die heutige „Anti-Diet-Bewegung“ und beleuchtet in dem Klassiker politische Aspekte der Tatsache, dass Frauen früh lernen, ihren Körper unerreichbaren Idealbildern zu unterwerfen. Vielleicht ist es also gar keine mangelnde Disziplin, sondern ein Akt der Emanzipation, nicht abzunehmen?
„Wir sind die Neuen“
60 der insgesamt 147 Parlamentarier sind in dieser Legislaturperiode neu im Berliner Abgeordnetenhaus. Im Checkpoint stellen wir sie vor.
Name: Tuba Bozkurt (Grüne)
Beruf: Unternehmensberaterin
Alter: 38 Jahre
Wahlkreis: Mitte (WK 6)
Berliner Lieblingsort: „Mein Wahlkreis-Büro befindet sich im Soldiner Kiez im Gesundbrunnen, unweit der Panke. Wenn ich den Kopf frei kriegen will, spaziere ich gerne mit einem Becher Kaffee entlang der Panke, laufe Richtung Franzosenbecken und beobachte umgeben von wunderschöner Natur den Sonnenuntergang. Danach läuft eigentlich alles immer viel besser.“
Eine Sache, auf die ich mich 2022 in Berlin freue: „In der Grünen-Fraktion bin ich für die Bereiche Wirtschaft und Antidiskriminierung zuständig und wenn ich in die Koalitionsvereinbarung schaue, freue ich mich nicht nur auf das Jahr 2022, sondern auf die nächsten 5 Jahre. Ein ganz besonderes Highlight wird in 2022 die Errichtung einer Enquete-Kommission gegen Rassismus und Diskriminierung sein, mit der wir Diskriminierungen in Gesellschaft und vor allem staatlichen Einrichtungen aufdecken und Gegenstrategien dafür entwickeln wollen.“
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Berlin heute
Verkehr – Zum Beginn der Winterferien ist an diesem Freitag sowie am Wochenende mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf den Hauptstraßen und Autobahnen zu rechnen. Entsprechend sollten besonders in den Nachmittagsstunden längere Fahrzeiten eingeplant werden.
Demonstration – Ab 9 Uhr gehen an der Wilsnacker Straße 4 rund 150 Personen auf die Straße, Motto: „Freiheit für Enno! Solidarität ist eine Waffe! Syndikat Lebt!“. An der Schlesischen Straße 10 fordern um 12 Uhr 50 Menschen „Solidarität mit den Lieferdienstfahrern von Lieferando!“, angemeldet durch die „Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten“. Und „Freiheit für die Gefangenen in Griechenland“ ist das Motto einer Demonstration mit 20 Personen am Kurfürstendamm 185 ab 13 Uhr.
Sonnabend – Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn Hellersdorf“ gedenkt mit 15 Personen der Opfer des Nationalsozialismus an der Poelchaustele (Märkische Allee 172), ab 11 Uhr. Zur gleichen Zeit beginnt am Platz der Republik ein mit 300 Personen durch den Verein „staatenlos.info e.V.“ angemeldeter Protest, „gemäß der geistigen Auffassung unserer Minderheit für Freiheit und Volksherrschaft“. Um 13 Uhr sind zwei Autokorsos angemeldet, die „Freien Geister“ starten mit 70 Personen am Olympischem Platz, von dort u.a. über Kantstraße, Bülowstraße, Potsdamer Straße, Oranienburger Straße zur Alexanderstraße. Der „Autokorso Berlin“ beginnt vor dem Kino International an der Karl-Marx-Allee, von da geht es mit 150 Personen u.a. über Friedrichstraße, Kurfürstendamm, Budapester Straße zum Wittenbergplatz. Um 16 Uhr wird an der Grunerstraße 5 mit 70 Personen eine „Mahnwache zum 4. Jahrestag des tödlichen Unfalls von Fabien Martini“ gehalten. Mit 200 Personen ist die Demonstration „Beweg dein Arsch für ein besseres Morgen“ um 16 Uhr angemeldet (durch „Slust“ ), es geht vom Hermannplatz u.a. über Kottbusser Damm, Pflügerstraße, Karl-Marx-Straße zum Richardplatz.
Sonntag – Die „Vierte Mahnwache gegen Obdachlosigkeit“ startet an der Rathausstraße 15 um Mitternacht (ganztägig) mit 30 Personen, angemeldet durch das „Bündnis gegen Obdachlosigkeit“. „#StopPutinNow“ fordern 50 Personen ab 14 Uhr (organisiert vom „Zentralverband der Ukraine“), vom Pariser Platz u.a. über Glinkastraße zur Bayerischen Landesvertretung an der Behrenstraße 21/22.
Gericht – Der Prozess gegen einen 21-Jährigen nach einer Messerstecherei geht weiter. Der Angeklagte, der damals Polizeianwärter gewesen sei, soll in einem Park in einer nächtlichen Auseinandersetzung einen Mann schwer verletzt haben (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 129).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Jo Fabian (62), Dramatiker und Theaterregisseur / Julia Jäger (52), Schauspielerin / „Es ist mir ein besonderes Bedürfnis Silvia Karasch zum Geburtstag zu gratulieren. Sie hält sich im Hintergrund und ist effizient im Handeln und fast fehlerfrei – alle Achtung“ / Heinrich Andrej Kempel (39): „Dem jugendlichsten Ex-Fußballer Berlins unsere herzlichen Glückwünsche - für uns bleibst Du immer Deutscher A-Jugendmeister! Die Moabiter“ / Maik Lippert (56), Schriftsteller / „Eilidh C. Patterson wird heute 4 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!“/ Hermann Peter Piwitt (87), Schriftsteller und Publizist / Felix Recke (30),Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf„Alles Gute aus dem Rathaus Charlottenburg“ / Oliver K. Wnuk (46), Schauspieler, Autor und Hörspielsprecher
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Gestorben – Berthold Butscher, * 24. Februar 1947, ehem. Leiter des Instituts „Fokus“ / Gerhard Laabs, * 4. November 1950 / Hans Nisblé, * 28. März 1945, ehemaliger Bezirksbürgermeister Wedding / Jürgen Zürcher, * 14. Juli 1939
Stolperstein – Egmont Schultz (Jhg. 1903) lebte mit seiner Frau in der Soldiner Straße 8 im Wedding. Schultz war im Berliner Arbeiterwiderstand und in der Saefkow-Jacob-Bästlein-Widerstandsorganisation tätig. Am 17. Juli 1944 wurde er festgenommen, am 18. Dezember wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Im letzten Brief an seine Mutter schrieb er: „Ich möchte Dir nur immer sagen, wie lieb ich Dich habe, na, Du weißt es ja! Ich habe keine Angst vor dem Tod! Ich hätte so gern noch den Aufbau miterlebt! Schade! Behalte mich in gutem Andenken.“
Encore
Sie erinnern sich an 1996? Oder sie haben zumindest davon gehört? Da war „How Bizarre“ von OMC in den Charts, und die ersten DVD-Brenner kamen in den Handel – sie kosteten allerdings 10.000 Mark. Heute braucht die eigentlich kein Mensch mehr. Aber aus gegebenem Anlass schieben wir zum Abschluss nochmal die „How Bizarre“-CD ins Laufwerk (für die Jüngeren: So haben wir damals Musik gehört, wenn auch nicht gerade OMC) und schauen uns eine Ausschreibung der Finanzverwaltung an. Die sucht nämlich, Sie ahnen es sicher schon, DVD-Brenner, und zwar gleich 1080 Stück. Die gute Nachricht daran: Die Dinger kosten heute einzeln nur noch 34,99 Euro (das waren mal 70 Mark!). Ein guter Deal – fürs Technikmuseum. Und damit zurück in die Zukunft.
Für den Checkpoint gebrannt haben heute Thomas Lippold (Recherche), Sarah Borufka (Stadtleben) und Cristina Marina (Produktion). Morgen früh vergibt hier wieder Lotte Buschenhagen unsere Medaillen in Bronze, Silber, Gold und Blech an die Berlinerinnen und Berliner der Woche. Bis dahin,

