selten hat ein Staatssekretärswechsel wie der von Mark Rackles zu Beate Stoffers in der Bildungsverwaltung (CP von gestern) ähnlich starke Wellen ausgelöst – zu erklären ist das nur mit der wachsenden politischen Nervosität im Senat. Senatorin Sandra Scheeres hatte für die seit Wochen feststehende Trennung von ihrem langjährigen Mitarbeiter (der auch nicht mehr wollte) eigentlich jemand anderen als Ersatz vorgesehen: Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank, studierter Lehrer und ein Bildungsexperte, wie ihn sich auch der Regierende Bürgermeister und SPD-Chef Michael Müller gewünscht hatte (wenn denn schon gewechselt werden musste – er bat Scheeres beizeiten, sich die Sache genau zu überlegen, überließ ihr aber die Entscheidung). Doch Kleebank erschien u.a. Fraktionschef Raed Saleh auf seinem Posten unabkömmlich, und so fiel die Wahl auf Stoffers.
Die Koalitionspartner nutzten die unruhigen Umstände (in der SPD sind etliche Funktionäre frustriert und aufgebracht) zu einer Retourkutsche für Müllers Parteitagsangriff, als er Linken und Grünen den „gesunden Menschenverstand“ absprach (ohne dass er Konsequenzen zog). Und so süffisantierte Carola Bluhm: „Die Entscheidung von Frau Scheeres kann ich nicht nachvollziehen.“ Und Antje Kapek sekundierte: „Dieser Einschätzung schließe ich mich voll und ganz an.“
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Raketenmäßig!
Die britischen »Zauberflöten«-Macher »1927« sind an die Komische Oper Berlin zurückgekehrt: Mit »Petruschka/L’ Enfant et les Sortilèges« von Igor Strawinsky/Maurice Ravel! Werke, die wie gemacht sind für fantastische Bildzaubereien und eine schier grenzenlose Kombination von Animation und live agierenden Darsteller*innen … Wieder ab 10. April – Jetzt buchen!
Im Senat selbst nickten alle die Personalie schweigend ab, Aussprache: keine. Offenen Zoff gab’s dagegen wegen der S-Bahnausschreibung, hier stehen zur Abwechslung mal wieder die Grünen alleine da – der „DB“-killende Plan von Senatorin Regine Günther, die Lose zu limitieren, kommt für SPD und Linke nicht in Frage. Der Regierende verpasste übrigens den ganzen Kladderadatsch, er war noch auf der Rückreise aus Südamerika (u.a. 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Buenos Aires) – geleitet wurde die Sitzung von Bürgermeister Klaus Lederer.
Zu den anderen Themen des Tages:
„Berlin bleibt anders“, sagt die Senatskanzlei zu ihrem neuen Leitbild der Stadt (CP von gestern), ok. Aber wie einzigartig ist eigentlich „anders“? Mal sehen, was wir da so finden… und los geht‘s:
„Wien ist anders“, Fyn ist „anders“, Oranienburg ist „anders“, Dinslaken ist „anders“, Estland „wunderbar anders“, Südafrika „außergewöhnlich anders“, Darmstadt 98 „aus Tradition anders“, Dresden „umwerfend anders“, Bayern „traditionell anders“, Oberammergau „begeisternd anders“, Hückelhoven „immer anders“, Friedrichshafen ist „einfach anders“, Bottrop und Ludwigshafen sind „überraschend anders“ – und auch „Wuppertal macht was anders“. Jaja, ok.
Und weiter: Volvo ist „typisch anders“, Suzuki „einzigartig anders“, Mazda „leidenschaftlich anders“, BMW „kompromisslos anders“, Opel „auffallend anders“; Impuls Küchen sind „erfrischend anders“, Blackberry ist „deutlich anders“, Samsung „echt anders“, SMS „natürlich anders“, Kombucha „sehr, sehr anders“, Get Fit „angenehm anders“, Fort Fun „tierisch anders“, die Bundeswehr ist „attraktiv anders“, Mornin‘ Glory „gepflegt anders“, Viscor „herzlich anders“, Sevelen „angenehm anders“, Moosmed „unvergleichlich anders“, Hella Tee „prickelnd anders“, Jooti „geschmackvoll anders“, Sander Mallien „etwas anders“, Energiewelt24 „überzeugend anders“, und der Schweizer Alpentylsiter ist „ganz anders“.
So, was noch? Citroen ist „bestechend anders“, das wäre in den glorreichen achtziger Jahren in West-Berlin ein super Slogan gewesen. Und es hört überhaupt nicht mehr auf, anders zu sein: 354 „anders“-Werbesprüche finden sich allein in der Datenbank von slogan.de, doppelt, dreifach, ja fünffach und mehr ist allesmögliche „einfach anders“, ganz anders“ oder, wie Langnese bereits 1964 wusste: „Immer wieder anders“. Und nein, ich hab‘s natürlich nicht vergessen: Der 1. FC Köln istauch anders, und zwar „spürbar anders“.
Und das ist eine wirklich perfekte Brücke zum heutigen „Encore“ (ganz unten), wo wir beweisen werden, dass man nicht immer alles neu erfinden muss. Morgen mehr dazu (auch mit Ihren vielen Vorschlägen, vielen Dank schon mal dafür). Aber jetzt erstmal weiter…
… mit der größten Oppositionspartei (siehe dazu auch die Ergebnisse der „Insa“-Lotterie weiter unten), die sich immer genau dann selbst ein Bein stellt, wenn die Regierungsparteien ihre Socken sortieren.
„Würde die CDU diese Forderung umsetzen, wenn das Volksbegehren erfolgreich ist?“, hatte das „Info-Radio“ (rbb) CDU-Fraktionschef Burkard Dregger zur Enteignungsinitiative gefragt (CP von gestern). Seine Antwort: „Wenn es ein entsprechendes Votum gibt, dann wird eine Landesregierung, an der wir beteiligt sind, das nicht ignorieren können, sondern muss diesen Willen ausführen.“ Dass er „zunächst einmal darauf hinweisen“ wolle, „dass das der falsche Weg ist“, sagt Dregger nicht zunächst, sondern danach – und so war er 24 Stunden damit beschäftigt, seine eigenen Worte parteikonform zu interpretieren. In der CDU rollten sie mit den Augen und wackelten mit den Köpfen: Eigentor nach Audiobeweis – ganz egal, nach welchen Regeln der Rabulistik da gespielt wurde.
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Und jetzt ein Rückblick… Wir befinden uns im Jahr 2018. Ganz Berlin ist von Coca-Cola besetzt. Ganz Berlin? Nein, ein von unbeugsamen Kreuzbergern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringlingen Widerstand zu leisten. Zu besonderen Kräften verhilft ihnen ein Zaubertrank, „Fritz Kola“ genannt – ein einsamer Marktführer hier, selbstverständlich. – Berlin, April 2019. Die Zeiten haben sich geändert, die Brause-Macht aus Übersee meldet Vollzug: Fritz ist geschlagen (mehr dazu heute auf unserer Tagesspiegel-Seite „Berliner Wirtschaft“).
Tim und Struppi (im Original Tintin und Milou) sind die neuen Helden am Otto-Suhr-Institut – schauen wir mal kurz in die Ankündigung 15085 von Professor Philipp Lepenies:
„In diesem Proseminar werden wir einige ausgewählte Tintin-Bände jeweils im Lichte von fundamentalen Theorien der Politikwissenschaft analysieren, deren Thesen sich entweder in den Geschichten wiederfinden, oder deren Ideen sich anbieten, um Tintin besser und zeitgemäß kritischer zu verstehen. Lernziele sind (a) das Kennen der behandelten politik- und ideengeschichtlichen „Klassiker“ und (b) deren praktische und analytische Anwendung auf „reale Fälle“ – hier durchgeführt an einem Objekt der Kulturproduktion, einem wirkungsmächtigen Comic. Themen, die im Semester angeschnitten werden sind: Kriege, der Staat und seine Symbole, Machtpolitik und Systemwechsel, Kolonialismus und Postkolonialismus, Orientalismus, Rassismus, Tierethik, politische Rhetorik, Armut, Gender und Feminismus (Stichwort: Bianca Castafiore!).“
Überlassen wir es Kapitän Haddock, das Vorlesungsverzeichnis zu kommentieren (stark gekürzt):
„Galgenvögel! Giftmischer! Halsabschneider! Bierkutscher! Satansbraten! Spitzbuben! Affenpinscher! Schweißfußindianer! Renegaten! Hinkebeine! Hottentotten! Kanaillen! Hanswürste! Blindgänger! Einfaltspinsel! Analphabeten! Hinterwäldler! Waschlappen! Pestbeulen! Trottel! Halunken! Höllendackel! Rüpel! Flegel! Vegetarier! Strolche! Spießbürger! Sonntagsfahrer!“ Hm, fehlt da dringend noch was? Ach ja: „Diplombanditen!“
Berliner Schnuppen
Telegramm
„Neue City-Toilette eingeweiht“, meldet die Umweltverwaltung. Amen.
Die Grünen wollen die Bannmeile abschaffen – das ist immerhin konsequent: Ohnehin demonstrieren führende Mitglieder der Regierungsparteien in Berlin immer öfter gegen die Folgen ihrer eigenen Politik.
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Der mit 10.000 Euro dotierte VBKI-Preis BERLINER GALERIEN geht in die dritte Runde. Gemeinsam mit dem Landesverband Berliner Galerien (lvbg) fördert der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) damit den Kunststandort Berlin. Bewerbungen von Nachwuchsgalerien sind noch bis 15. Mai möglich – alle Infos hier
„Sie haben offenkundig keine Vorstellung darüber, was die Lichtenberger derzeit an Einkommen generieren“, schreibt Bezirksbürgermeister Michael Gunst an die Wohnungsgesellschaft Akelius (13.700 Einheiten in Berlin) – die hatte eine modernisierte 45-qm-Whg für 920 Euro warm angeboten und freut sich über „Anfragen von Unternehmern und Selbstständigen, teilweise auch von außerhalb Berlins“.
Berlin wächst also – und die Wirtschaft wächst mit: Im Konjunkturbericht (wird heute vorgestellt) stehen plus 2%, das ist doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.
Kaum zu glauben, aber: Berlin hat die Haare schön! Beim Wettbewerb „Top Hair International“ wurde der Friseursalon - pardon, die „Haarwerkstatt Black Label“ (Kabusstraße 42) mit dem Preis „Top Salon 2019“ ausgezeichnet.
Was fehlt? Eine Haltung des Senats zur Enteignungsdebatte. FDP-Fraktionschef Czaja hatte gefragt, wer zur Immobilienmesse Mipim nach Cannes geflogen ist (Antwort: Senatsbaudirektorin, Staatssekretär u.a.) und welchen Eindruck die Gespräche mit Investoren in Bezug auf Enteignungsinitiativen gemacht haben – die Antwort von Sts Schell: „Der Senat hat (…) weder vor noch nach der Messe eine Haltung eingenommen.“
Die SPD-Fraktionsführung verzichtet auf eine Strafanzeige gegen Gunnar Lindemann – die ehrabschneidenden Beleidigungen des AfD-Abgeordneten sollen keine weitere Verbreitung finden. Im Ältestenrat waren die Äußerungen als nur schwer justiziabel eingeschätzt worden.
Unser „Radmesser“-Projekt hat international Aufsehen erregt – und erreicht jetzt auch den Bundestag: Die Grünen fordern einen gesetzlichen Mindestabstand von 1,5 Metern (Drucksache 19/8980). Es kommentiert Bundesverkehrsminister Scheuer: „Looks like shit. But saves my live.“
Mächtig stolz ist die Verwaltung übrigens, dass der so genannten „Verkehrslenkung“ tatsächlich mal eine Baustellenführung geglückt ist (Yorckbrücken, Foto hier). Am Ende der Strecke gibt’s allerdings gleich wieder eine übliche Katastrophenkreuzung: Abbiegende Autofahrer sehen die rote Fußgängerampel, aber nicht die grüne Radfahrerampel. Es kommentiert Rudi Radler: „This shit threatens my live.“
Dazu auch noch das Ergebnis der ADFC-Umfrage: Berlin radelt auf Platz 12 – bei insgesamt untersuchten 14 Städten. Hätte schlimmer kommen können (sagt der Optimist).
Und hier noch eine Durchsage: Ein kleiner Bär mit großen Kuschelaugen möchte von seiner Familie abgeholt werden – er wartet in der Mark-Twain-Bibliothek Marzahn (Foto hier).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„See the best (and wurst) of Berlin“
Plakat von getyourguide.com am Flughafen TXL (via @Klagesspiegel).
Tweet des Tages
Mir ist heute ein Traditionsmedium durch Abriss weggenommen worden: die Litfaßsäule an der Ecke zur Kurfürstenstraße, die mich, seit ich hier wohne, verlässlich über Konzerte informierte, die erst in 15 Monaten stattfinden.
Stadtleben
Essen – Wer ein wenig in der Welt herumgekommen ist, wird wissen, dass das Adjektiv „scharf“ nicht überall das Gleiche bedeutet. Eine hervorragende Adresse, um sich einen Eindruck vom Schärfespektrum zu verschaffen, ist das Tupac in der Hagelberger Straße 9 in Kreuzberg. Küchenchef Ariel Peralta kennt sich mit den Nuancen der Mikroverletzungen im oralen Raum (a.k.a. Schärfe) nicht nur bestens aus, er hält auch zahlreiche hierzulande weniger bekannte Chilisorten vorrätig. Nicht nur für Masochistinnen geeignet, attestiert im Tagesspiegel Kai Röger dem peruanischen Restaurant eine herausragende Produktqualität. Hierlang zum Menü. Di-Sa 18-23 Uhr
Trinken – Rrose Sélavy ist nicht nur das Pseudonym Marcel Duchamps, sondern auch der Name einer seit 2011 (mit Unterbrechungen) laufenden und durchaus kultigen Veranstaltungsreihe mit elektronischer bis elektroakustischer Livemusik und ausgesuchten DJ-Sets. DJ Erik K Skodvin beschallt heute ab 21 Uhr die Keith Bar mit skurrilen Funden prähistorischer bis überübermorgiger Musik. Die klangarchäologische Ekstase wird mit einer Auswahl exotischer Importbiere (Ales, Lagers, Stouts, 0,4 Liter zwischen 2,50 und 4,50 Euro) und handverlesenen Spirituosen wahrnehmungsseitig gesteigert. Schillerpromenade 2, U-Bhf Boddinstraße
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Berlinbesuch – Die Jugend ist gar nicht mehr vom Bildschirm wegzubekommen – haben die denn keine echten Freunde mehr? Was sich hinter dem Kinder schluckenden Monster verbirgt und was die da eigentlich an den Geräten tun, die weder kulturell noch technisch mehr etwas mit einer Bildröhre oder Mattscheibe zu tun haben, davon kann man sich alljährlich auf dem A Maze Festival einen Eindruck verschaffen. Auf den technischen Fortschritt des Spiels fokussiert, bietet das Festival mit einem fulminanten Programm Einblick in gegenwärtige Trends, Entwicklungen und Debatten, berührt dabei alles, was das Spiel berührt von Bildung und Lernen über Medienkompetenz und Social Media, bis Markt und Gewalt. Bis 13. April, Start heute um 18 Uhr im SEZ, Landsberger Allee 77, S-Bhf Landsberger Allee
Geschenk – Wer auf die Schnelle ein Geschenk braucht, das so aussieht, als ob man es selbst liebevoll und mit Bedacht ausgewählt habe, kann bei Merisier fündig werden. Statt schnöder Einzelartikel, die entweder hübsch oder nützlich sind, findet man hier fertige Zusammenstellungen ebenso schnöder (und manch ausgefallener) Einzelhandelswaren, die allerdings im Zusammenhang zu gar nicht mehr so schnöden, sondern hübsch verpackten und anlassbezogenen Geschichten verschmelzen können.
Last-Minute-Tickets – Schaubühne und Berlinale, beide haben in letzter Zeit so ihre Erfahrungen mit der Macht chinesischer Zensur gemacht. Immerhin kommen im Rahmen des Find-Festivals aktuell wieder chinesische Gruppen auf die Schaubühne. Bei „Popular Mechanics“ von Li Jianjun (Regie) und Zhang Jiayun (Text) stehen Nicht-Schauspielerinnen im Rampenlicht, die klassische Figuren der Literatur- und Filmgeschichte etwa von Shakespeare oder Tschechow spielen. Collagenhaft und in bachtinschem Sinne polyphon werden die verschiedenen Narrative übereinander geschichtet und unerwartete Wechselwirkungen provoziert – auch mit den Nicht-Rollen der chinesischen Akteure. Für die 21-Uhr-Vorstellung gibt es noch Restkarten ab 20 Euro. Zwei weitere Termine sind morgen 18 und 22 Uhr. Kurfürstendamm 153, U-Bhf Adenauerplatz
Noch hingehen – Avantgarden sind recht basale Projekte: Oft wird behauptet, sie brächen mit Tabus, dabei brechen sie die Welt nur herunter, und zwar auf Rohstoffe und Grundbegriffe, um dann eine Reihe neuer Regeln (sprich: Tabus) für den Umgang mit diesen aufzustellen. Diese basale Ebene wirkt auf Außenstehende oft sonderbar, scheint es vielen doch unverständlich, dass sich die Kunst angesichts dringlicher gesellschaftlicher Fragen mit solchen Dingen wie Form, Bild oder Text auseinandersetzt. Die (historische) Idee ist eigentlich ganz einfach: Manipuliert man die Grundebene, erschafft man bald neue Welten – Dys- und Utopien, die mitunter gesellschaftspolitische Relevanz entwickeln können. „Bild – Text – Form“ heißt eine Gruppenausstellung im Haus Bethanien, die sich mit Wechselwirkungen ihrer namensgebenden Ebenen auseinandersetzt. Die Ausstellung ist noch bis Samstag um 17 Uhr regulär geöffnet, danach beginnt die Finissage mit Künstlergesprächen. Mariannenplatz 2, U-Bhf Kottbusser Tor. Eintritt frei
Verlosung – Der Chor gläubiger Bürger spricht – „kaum fängt einer an zu reden, da fällt ihm der andere schon ins Wort. Der Chor findet keine gemeinsame Sprache, und doch ist es ein Chor, der ein Pendant kennt: die Ungläubigen.“ In diesem Sinne wird gestritten und diskutiert – über Globalisierung, Migration, Religion, Politik und Freiheit. In „Was glaubt ihr denn? Urban Prayers“ von Björn Bicker werden viele große Themen der Zeit aneinander abgearbeitet. Edgar Selge und Jakob Walser (Vater und Sohn) lesen am Sonntag, 14. April um 17 Uhr im großen Saal des Schloss Neuhardenberg. Wir verlosen 3 x 2 Tickets unter allen, die bis 12 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de schreiben.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen guten Tag.
Prominent verraten
Der Lieblingsbuchladen unserer gesuchten Berlinerin am Bayerischen Platz. „Die Chefin kennt alle Bücher und kann immer tolle Tipps geben, weil sie alles gelesen hat“, sagt sie. Ein Buch, das die 56-jährige Trägerin der Goldenen Kamera selbst besonders gut kennen dürfte, ist Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks“.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt? Senden Sie uns bis Donnerstag eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de mit dem richtigen Namen und gewinnen Sie zwei "Checkpott"-Kaffeetassen. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie. Alle bisherigen Fotos und Hinweise finden Sie hier.
Berlin heute
Verkehr – Im Tunnel Innsbrucker Platz (A 100, Stadtring) ist für die Dauer der Osterferien die Zufahrt der AS Wexstraße in Richtung AD Neukölln ab 22 Uhr gesperrt. Die Autobahn A 115 (Avus) ist zwischen 9.45 und 10.15 Uhr kurzzeitig in beide Richtungen zwischen AS Hüttenweg und AS Spanische Allee gesperrt. Der parallel zur Avus führende Kronprinzessinnenweg wird bereits ab 9.30 Uhr gesperrt. Die Sperrung betrifft auch den Fuß- und Radverkehr. Im gesamten Stadtgebiet ist wegen der Sternfahrt der Taxifahrer von 11 bis 14 Uhr mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen. Die Invalidenstraße (Moabit) ist ab 7 Uhr in Richtung Chausseestraße zwischen Clara-Jaschke-Straße und Tiergartentunnel auf einen Fahrstreifen verengt. Ab der Gehrenseestraße/ Pablo-Picasso-Straße (Neu-Hohenschönhausen/ Marzahn) soll ein Fahrradkorso über Rhinstraße, Landsberger Allee und Märkische Allee nach Alt-Biesdorf ziehen. Eine Demonstration zieht zwischen 11 und 13.30 Uhr von der Friedrichstraße (Mitte) Höhe Reinhardtstraße über Unter den Linden zum Platz des 18. März. Auf der Marienfelder Allee (Marienfelde) stehen stadtauswärts in der Kreuzungszufahrt Belßstraße nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung.
Demonstration – 5.000 Teilnehmer hat der Deutsche Taxi- und Mietwagen-Verband e.V. zur Demonstration unter dem Motto „Novelierung des Personenbeförderungsgesetzes – Existenzbedrohung des Taxigewerbes“ zu drei gleichzeitig fahrenden Fahrzeugkorsi angemeldet. Einer beginnt am Charlottenburger Olympischen Platz, ein weiterer am Flughafen Tegel / Saatwinkler Damm und ein weiterer am Ostbahnhof, jeweils um 12 Uhr. Alle drei sollen bis 14 Uhr am Platz des 18. März/ Brandenburger Tor zusammenkommen.
Gericht – Fortsetzung im Prozess um Datenklau im Bundesgesundheitsministerium. Angeklagt sind ein damaliger externer IT-Experte des Ministeriums und ein Lobbyist. Dem Interessenvertreter der Apothekerschaft seien von 2009 bis 2012 vertrauliche Daten zugespielt worden (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 306).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Karl Ulrich Mayer (74) Soziologe und ehem. Präsident der Leibniz-Gemeinschaft / Rosemarie Menke (83), „Sie ist unsere wertvollste Freundin. Sybille und Monika“ / Carmen Mesch, „Herzliche Glückwünsche an die fleißige Checkpoint-Leserin, 1000 Küsse aus Berlin, Lisi“ / Jochen Nickel (60), Schauspieler / Ulrich Nußbaum (62), ehem. Senator für Finanzen in Berlin / Ursula Ringwald (66), Glückwünsche nach „irgendwo mitten im Arabischen Meer“ / Rolando Urios Gonzalez (20), Handballspieler bei den Füchsen Berlin / Richard Wagner (67), rumänisch-deutscher Schriftsteller und Journalist
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dieter Baumeister, * 14. Juni 1934 / Holde „Holly“ Barthelmes, * 23. Juni 1941 / Christa Krüger / Klaus Günter Lothar Müller, * 18. Januar 1934
Stolperstein – Jenny Loewenheim (Jhg 1864) wohnte in der Westfälischen Straße 85 in Wilmersdorf. Da Juden jedwede Erwerbstätigkeit verboten war, war sie auf die finanzielle Hilfe ihres Neffen angewiesen, der ihr monatlich 200 Reichsmark zukommen ließ. Anfang März 1943 wurde sie angewiesen, eine Vermögensaufstellung zu machen. Sie besaß 340 Reichsmark. Die Nazis konfiszierten das Geld und deportierten Jenny Loewenheim nach Theresienstadt, wo sie keinen Monat überlebte. Sie starb heute vor 76 Jahren.
Im Tagesspiegel
Als die erste Medaille mit der Post kommt, findet sie das noch lustig. Seitdem ist Nadine Kleinert oft geehrt worden – nachträglich, weil andere gedopt haben. Wie eine Siegerin fühlt sich die ehemalige Kugelstoßerin nicht. Denn sie wurde um das Größte gebracht. Lesen Sie das Porträt von Sven Goldmann heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper. im E-Paper.
Encore
So, wir kommen zum Schluss wie angekündigt noch mal zurück auf die Suche nach einem neuen Berlin-Slogan – Checkpoint-Leser Peter Schlass schlägt vor, einfach das Rheinischen Grundgesetz zu adaptieren: „Berliner, Zugezogene und Touristen können aus diesem Quell der Weisheit schöpfen. Und Kölsch gibt es ja (zum Glück!) inzwischen an jedem Büdchen äh... Späti!“
Na dann Prost:
Artikel 1: Et es wie et es. („Es ist, wie es ist.“)
Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.
Artikel 2: Et kütt wie et kütt. („Es kommt, wie es kommt.“)
Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.
Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange. („Es ist bisher noch immer gut gegangen.“)
Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren.
Artikel 4: Wat fott es, es fott. („Was fort ist, ist fort.“)
Jammer den Dingen nicht nach und trauer nicht um längst vergessene Dinge.
Artikel 5: Et bliev nix wie et wor. („Es bleibt nichts, wie es war.“)
Sei offen für Neuerungen.
Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. („Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.“)
Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen.
Artikel 7: Wat wells de maache? („Was willst du machen?“)
Füg dich in dein Schicksal.
Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off. („Mach es gut, aber nicht zu oft.“)
Qualität über Quantität.
Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch? („Was soll das sinnlose Gerede?“)
Stell immer die Universalfrage.
Artikel 10: Drinks de ejne met? („Trinkst du einen mit?“)
Komm dem Gebot der Gastfreundschaft nach.
Sie sehen – passt! Und es bleibt trotzdem alles anders. Morgen früh geht’s hier weiter mit Ann-Kathrin Hipp, bis dahin und alles Gute,
