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Hochprozentige Fraktionsvorstandsklausur Wie die Berliner Politik sich vor 50 Jahren betrank Warum bekam CDU-Großspender Vorzugsbehandlung?

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bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus kamen CDU und SPD zwar zusammen nur auf 46,8 %, die gemeinsam Fraktionsvorstandsklausur verlief dagegen am Freitagabend hochprozentig: Nach übereinstimmenden Angaben wurde „ordentlich gesoffen“, und zwar bis tief in die Nacht. Das Ergebnis: Die Sozialdemokraten hatten offenbar den größeren Kater – als die CDU-Leute am nächsten Morgen um 9 Uhr wie verabredet an den Tischen saßen, war von ihren SPD-Kollegen nichts zu sehen. Getrunken wurde übrigens in der „Wunderbar“ – ein passender Ort für eine Koalition, die nicht weniger will als „das Beste für Berlin“ (mehr zu den Beschlüssen im „Telegramm“). Na, dann Prost.

Vor 50 Jahren war in der (West-)Berliner Politik die alkoholische Erfrischung auch tagsüber üblich, wie sich Raimund Karbowiak,damals Küchenchef im Ratskeller Schöneberg, in einem Brief an den Checkpoint erinnert. Für das parlamentarische Frühlingsfest z. B. (Schirmherr: der Personalrat des Abgeordnetenhauses und der Rechnungshof von Berlin) wurde den Teilnehmern (Frauen waren kaum dabei) zur Einstimmung laut Einladung ein „Intervalltraining“ empfohlen („Marsch durch die Institutionen“):

2 Cointreau, 1 Mocca, 3 Remy Martin, 30 Sekunden Ruhepause auf der Massagebank. 3 Remy Martin, 1 Mocca, 4 Williamsbirne, 30 Minuten Ruhepause auf der Massagebank“.

Im Anschluss daran war der Besuch des „Doping-Centers“ obligatorisch – hier gab es Wodka („für Einzelkämpfer“), Doornkaat („für Teilnehmer an Mannschaftswettbewerben“), Weinbrand „für interfraktionelle Sportgemeinschaften“), Gin Tonic („für die Zuschauer“), Whisky („für das Erste-Hilfe-Personal“) sowie Mineralwasser ohne Kohlensäure, lauwarm („für Hertha-Fans“).

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