Haben Sie es auch bemerkt? Die Verkehrsverwaltung hat seit Anfang 2017 eine „Task Force Beschleunigung“ im Einsatz – und was macht die im Jahr 2018 so? Sie hat sich „die weitere Abarbeitung der Taskforceprojekte aus 2017 vorgenommen“ schreibt Staatssekretär Kirchner (Anfrage: MdA Moritz), mit anderen Worten: Die Beschleunigung wurde verschoben. Das Durchschnittstempo der Busse hat sich übrigens auch ohne Task Force in den vergangenen fünf Jahren um sensationelle 0,1 km/h von 19,4 auf 19,5 erhöht – hatte mich schon gewundert, warum ich in der letzten Zeit überall zu früh bin (von den 895 Vorrangschaltungen für Busse sind übrigens z.Zt. 70 außer Betrieb).
In der Berliner CDU haben sie beim sich Drehen und Winden erstaunliche Fähigkeiten entwickelt: Während andere zuweilen neben sich stehen, kann Monika Grütters sogar hinter sich stehen – und damit zugleich vor sich. Wie das geht? Die Landesvorsitzende hat gestern folgende Erklärung unterschrieben: „Die Landesgruppe der CDU steht geschlossen hinter ihrer Landesvorsitzenden.“ Übersetzt heißt das: Wie im CP angekündigt, wurde sie gestern früh während einer Telefonkonferenz als Vorsitzende der Landesgruppe der Berliner CDU von Jan-Marco Luczak abgelöst – allerdings ohne geschlossene Zustimmung.
Neues aus der beliebten Reihe „Mathe lernen mit dem Checkpoint“: Als Klaus Wowereit 2003 verkündete, „Berlin ist arm, aber sexy“, sollte der BER 2,5 Milliarden Euro kosten und der Schuldenstand Berlins betrug 50 Milliarden. Im Mai 2018, wenn Klaus Wowereits neues Buch „Sexy, aber nicht mehr so arm“ erscheint, kostet der BER 6,6 Milliarden Euro und der Schuldenstand Berlins beträgt 59 Milliarden. Frage: Was ist schwerer – ein Kilo Sex, ein Kilo Schulden oder ein Kilo Luft?
Auch Daniel Barenboim gibt jetzt aus Protest gegen die Ehrung von Rappern, die mit antisemitischen Texten provozieren, seine Auszeichnungen des Bundesverbands Musikindustrie zurück (nach Christian Thielemann, Mariss Janson, Igor Levit, Marius Müller Westernhagen…) - tja, wer einen Musikpreis „Echo“ nennt, muss eben damit rechnen, dass er zurückkommt.
Wo ist es denn nun, das „Räuberrad“ von der Volksbühne: im Atelier des Designers Rainer Haußmann (Schöneweide), wie Staatssekretär Torsten Wöhlert am 13.3. der Abgeordneten Sabine Bangert schreibt – oder in Avignon, wie Ex-Intendant Frank Castorf am 21.4. unwidersprochen im „Spiegel“ behauptet? Die Leitung der Kulturverwaltung stellt klar: „Es steht in Berlin und wird wieder hübsch gemacht.“ Wobei „wieder hübsch“ offenbar Ansichtssache ist – dazu nochmal Castorf: „Ein hässlicher Schrotthaufen. Deshalb stand es gut für das Theater.“
Aus dem „Berliner“ (Nr. 5 des Magazins erscheint am Sonnabend im Tagesspiegel): „Meine Raumgestaltungen werden oft als überladen bezeichnet. Aber ich glaube, dass dieses Nervöse, Detailreiche, Überbordende genau der aktuellen Emotionalität in den Städten entspricht, in Berlin und anderswo. Es wird enger, die Menschen strömen her, die Alarmglocken klingeln.“ Der Künstler Franz Ackermann über seine Ausstellung in der Galerie Meyer Riegger. Sie eröffnet zum anstehenden Gallery Weekend - und wird seine letzte Schau in der Friedrichstraße sein. Die Miete wurde so drastisch erhöht, dass die Galerie Ende September in die Schaperstraße zieht.
Apropos Friedrichstraße – hier wird gerade eine Gastronomiefläche angeboten, 600 qm, 36.000 Euro kalt p/m. Vielleicht haben Sie ja eine Geschäftsidee, die das wieder einspielt, Geldwäsche oder so.
Telegramm
Der Regierende Bundesratspräsident Michael Müller ist Sonntagabend zu einer Konferenz mit seinen europäischen Kollegen nach Tallinn geflogen (Rückkehr: heute) – außerdem auf dem Programm: „Müller informiert sich über die digitale Erfolgsstrategie Estlands.“ Die Wlan-Abdeckung in dem baltischen Land liegt übrigens bei 99 Prozent.
S-Bahn-Linien, auf denen es auch gestern wieder zu Verspätungen und Ausfällen wegen Signalstörungen und defekten Wagen kam: S41, S42, S45, S46, S47 S8, S85, S9. Frage: Dürfen die Mitarbeiter der S-Bahn eigentlich mit dem Zug zur Arbeit fahren, oder müssen sie pünktlich sein?
„Internationales Congress Centrum soll Kongresszentrum werden“ ist auch eine dieser Schlagzeilen, die dem zupackenden Charakter der Berliner Seele entspricht: Seit vier Jahren ist das ICC geschlossen, obwohl Berlin dringend Kongressflächen braucht (international seit 10 Jahren unter den Top 5).
Sie erinnern sich an den Spielplatz „Teutoburger“? Ja genau der: seit Sanierung und Neuausstattung wegen Sicherheitsmängeln mit einem dicken Zaun drumherum gesperrt. Gekostet hat das übrigens 282.000 Euro – das Bezirksamt Pankow teilt dazu mit: „Ist als angemessen zu bewerten“. Glück gehabt – was wäre wohl erst für einen benutzbaren Spielplatz als angemessen zu bewerten?
Im Fischereiamt ist offenbar Land unter: „Die Position des Leiters ist seit 1. Dezember 2017 unbesetzt. Bisher konnte aus organisatorischen Gründen noch keine Stellenausschreibung erfolgen“, teilt die Umweltverwaltung mit (Anfrage: MdA Freymark). Vielleicht hilft ja die Schwarmintelligenz der Checkpoint-Gemeinde bei der Suche – irgendwer wird schon ins Netz gehen.
Nachtrag zur Meldung „Feiertagssau“ (CP von gestern) – Checkpoint-Leser Werner Ruediger schlägt einen „Tag des Meckerns“ vor: „Da können wir dann alle mal solidarisch rumnöhlen, um an den anderen Tagen die Berlinbesucher mit guter Laune zu erschrecken!“ Ok, wie wär’s mit dem 29. Februar?
Das heutige Exponat aus der Sammlung unserer BER-Devotionalien ist für alle, die unseren Lieblingsflughafen schon abschreiben wollen: der Kuli (weiß, rote Schrift, zu sehen hier).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Das Flugwesen. Es entwickelt sich, Genossen.“
Manfred Krug liest „Die Kuh im Propeller“ (1965) – herrlich lustige 4.45 Minuten.
Tweet des Tages
„Al be ns fun nier das WL prob los.“
Antwort d. Red.: (Als Antwort auf die Frage eines BVG-Kunden, warum das WLAN in der U-Bahn…)
Stadtleben
Essen & Trinken in Charlottenburg Wo früher Ute Glinow und Gerti Hoffmann im „Florian" die Film- und Fernsehszene bewirteten, versuchen sich seit einem halben Jahr die Betreiber vom „Mädchenitaliener“ (Mitte) mit einer Neubelebung des beliebten Lokals in der Grolmanstraße 52 (S-Bhf Savignyplatz). Das „Le Bar“ lässt sich gut an, wie Restaurantkritikerin Elisabeth Binder feststellt, überrascht mit eigenwilligen Kreationen, während das nüchterne Bistro-Ambiente erhalten blieb: Der „Ofenkäse für 2" kommt als goldgelb gebackener „Vacherin Mont d’Or" mit Feigen vermischt, darüber großzügige Scheiben vom schwarzen Trüffel, flankiert von hauchdünn geschnittenen Salamischeiben (26 Euro). Interessant auch die „Tagliatelle con Fico": Bandnudeln mit einer süßlichen, stark reduzierten Sauce, Fenchelsalami, Honig, Mohn, Rosmarin und Pinienkernen (15 Euro). Die Weinkarte schließlich macht dem Namen des Lokals alle Ehre, denn es gibt eine sehr ansehnliche Auswahl guter offener Weine, die in Achtelliter-Portionen verkauft werden (geöffnet Mo-Sa ab 18 Uhr).
Berlinbesuch die kommunalen Galerien in Mitte ans Herz legen. Sie sind nicht so glamourös wie die Museen, nicht so cool wie die privaten Galerien, aber dafür anspruchsvoll umgesetzt an wenig verwöhnten Stellen der Stadt, wie meine Kollegin Simone Reber berichtet. Welche Kunst es in Mitte - kostenlos - zu entdecken gibt, steht hier.