Herzlich willkommen zum ersten Checkpoint 2019. Der Pulverdampf der Silvesternacht hat sich verzogen, und deshalb blicken wir heute u.a. auf den Rest vom Fest – die Knallermeldungen des Tages fasst für Sie weiter unten Stefan Jacobs zusammen. Außerdem lösen wir natürlich das große Checkpoint-Rätsel, das Ihnen Sidney Gennies am vergangenen Sonnabend als etwas anderen Jahresrückblick auf unseren Seiten „Mehr Berlin“ im Tagesspiegel präsentiert hat: 33 Fragen für 33 Buchstaben unseres Lösungssatzes, den uns zu Weihnachten der Regierende Bürgermeister schenkte. Haben Sie ihn ausgepackt? Vielleicht steckt eine Einladung zu unserer Checkpoint-Feier am 11. Januar drin!
Beginnen wollen wir aber mit einem kurzen Ausblick. Das Wichtigste zuerst: Der Checkpoint erscheint weiterhin von Montag bis Freitag an jedem Morgen gegen 6 Uhr früh in Ihrer Mailbox – kostenlos. Aber unser Team Checkpoint ist zum Jahresbeginn noch einmal ordentlich gewachsen, denn wir haben ja einiges vor. Grundlage dafür sind zum einen die Wünsche, die viele von Ihnen bei unseren Befragungen und in Mails an den Checkpoint äußern; zum anderen haben wir in den vergangenen Wochen intensiv an zusätzlichen Checkpoint-Angeboten gearbeitet.
Bevor wir damit an den Start gehen, möchten wir unsere Ideen Ende Januar gerne in mehreren Gruppen mit einigen Leserinnen und Lesern im kleinen Kreis diskutieren. Falls Sie Interesse an einer solchen Vorab-Präsentation hier bei uns in der Redaktion haben, schicken Sie uns bitte eine Mail mit ein paar persönlichen Angaben (Wohnbezirk, Alter, Beruf, Dauer Ihres CP-Abos, Ihr bevorzugtes Lesegerät) an checkpoint@tagesspiegel.de. Wir behandeln alle Ihre Informationen vertraulich, die Auswertung erfolgt anonym.
Wir kommen zur Neujahrsansprache vom Chef – hören wir kurz rein, was uns der Regierende Bürgermeister zu sagen hat:
„Liebe Berlinerinnen und Berliner, 2018 war mal wieder ein ereignisreiches Jahr für uns. Ja, wir leben gerne in Berlin. Millionen Menschen besuchen unsere Stadt. Weil Berlin anders ist. Aber Sie und ich wissen: Vieles muss noch besser werden. Daran arbeiten wir. Und auch ich hatte gehofft, dass vieles schneller geht.“
Können wir alles unterschreiben. Apropos schneller: Unseren Lieblingsflughafen erwähnt Michael Müller vorsichtshalber nicht, aber so hat er immerhin schon mal exklusiven Stoff für seine Rede im nächsten Jahr. Zum regierungsamtlichen Status quo Januar 2019: Ja, die Baustellen nerven, aber sie beweisen, dass kräftig investiert wird; ja, Berlin geht es gut, doch noch profitieren nicht alle vom Aufschwung, weshalb es Entlastung gibt beim Grundschulessen und den Schülertickets. Auch sonst ist einiges auf den Weg gebracht. Ergo: „Die Richtung stimmt“, und das schon länger – auch in früheren Jahren sah Müller seine Stadt jeweils zum neuen Jahr „auf dem richtigen Weg“. Es geht also voran, aber, und auch das ist bei Senatsansprachen in Berlin Neujahrstradition, „nicht von heute auf morgen“ und „nicht über Nacht“, denn: „Nicht alles wird sich von heute auf morgen verbessern.“ Logo.
Wie zum Beweis sah sich auch diesmal die Landespolitik nicht in der Lage, der gesetzlosen Böllerei zu Silvester die Lunte zu ziehen, mit absehbarem Ergebnis (Details weiter unten). Aber der politische Druck wächst, Privatfeuerwerk in Teilen der Innenstadt zu verbieten und Verstöße konsequenter zu ahnden. Die Senatskanzlei kann ihre bisherige Knallfrosch-Haltung jedenfalls knicken – im vergangen Jahr bekam eine Bürgerin, in deren Haus Balkone gezielt beschossen wurden, auf ihre Beschwerde hin vom Roten Rathaus diese stolze Antwort:
„Den Vergleich mit anderen europäischen Metropolen braucht Berlin bezüglich des Silvesterfeuerwerks nicht zu fürchten. Denn auch hier zeigt sich, dass Berlin als tolerante und weltoffene Stadt den Bürgerinnen und Bürgern sowie den feiernden Gästen zutraut, gewissenhaft und gebrauchsgerecht mit Feuerwerk umzugehen.“
Checkpoint-Tipp: Bitte ausschneiden und jeweils am Tag nach Silvester mit ein paar Bildern von Verletzten und Brandstellen sowie der offiziellen Statistikvergleichen – aber bitte dabei tolerant und weltoffen bleiben!
Wir kommen zum Rätselrückblick, bei dem u.a. folgende Frage aus unserem beliebten Betriebsstörungsbingo zu lösen war: Von den folgenden Begründungen für verspätete oder ausgefallene Züge sind alle bis auf eine echt – welche haben wir uns ausgedacht? Kleiner Tipp: In Gesellschaft spielen, laut vorlesen und gemeinsam rätseln – hilft zwar nicht bei der Lösung, ist aber lustiger (selbst gecheckt)!
a) „Aufgrund eines Rechner-hoch-und-runterfahrens bleibt dieser Zug hier noch circa sechs Minuten stehen.“
b) „Unser Zug hat eine Verspätung von zwei Minuten. Grund dafür war eine Blasenschwäche meinerseits. Ich hoffe, Sie können das entschuldigen!“
c) „Wegen vorzeitiger Beendigung der Bauarbeiten verkehrt die Linie S1 zwischen Wannsee und Frohnau nur im 20-Minuten-Takt.“
d) „Leider verzögert sich die Weiterfahrt. Eine Frau möchte im Gleisbett erst eine Taube retten.“
e) „Liebe Fahrgäste, der Zugführer ist wegen Überhitzung der Zugführerkabine vorzeitig in den Feierabend gegangen. Dieser Zug endet hier, bitte alle aussteigen.“
f) „Wegen einer Maßnahme zur Aufrechterhaltung eines gleichmäßigen Linientaktes ist diese Linie zurzeit unterbrochen.“
g) „Der Lokführer hat den Schlüssel zum vorderen Führerhäuschen abgebrochen.“
h) „Liebe Fahrgäste, wir fahren erstmal nicht weiter, weil wir nicht wissen, was los ist.“
i) „Wir haben zurzeit circa 20 Minuten Verspätung. Grund dafür ist unser konsequentes Langsamfahren.“
j) „Wir haben noch keinen Zugführer. Der sitzt in der verspäteten S-Bahn.“
Na, haben Sie’s gewusst? Für aufmerksame Leserinnen und Leser natürlich kein Problem! Die richtige Antwort finden Sie direkt unterm „Zitat des Jahres“ – denn da steht heute auch die Lösung unseres Rückblickrätsels. Und alle 33 Fragen zum Nachspielen mit den Freunden oder der Familie finden Sie hier.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Beginnen wir das neue Jahr am besten mit „Amt, aber glücklich“. CP-Leserin Christine Beyer hatte um 9.16 Uhr per Mail ans Straßen- und Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf auf zwei Gefahrenstellen hingewiesen – nur 71 Minuten später schickte ihr Amtsleiter Martin Müller-Ettler eine ausführliche Antwort, die er auch direkt an die zuständigen Mitarbeiter weiterleitete. Es kommentiert der Regierende Bürgermeister: „Die Richtung stimmt.“
Sie erinnern sich an die Weihnachtsaktion „Berliner Nächte sind kalt“? Fünf Freunde hatten mit Hilfe von Spendern auch diesmal Geschenke für Obdachlose gekauft, verpackt und verteilt – jetzt bedankten sich Meret N., Meret S., Antonia, Patricia und Robin per Mail: Sie konnten 110 Menschen, die auf der Straße leben, zu Heiligabend eine überraschende Bescherung bereiten. Der Checkpoint sagt ebenfalls Danke – super Sache! PS: Für alle Fälle hier nochmal die Nummer des Kältebusses: 0178 523 58 38. Rufen Sie bitte an, wenn Sie jemanden in Not sehen.
Wer den Sargdeckel über der Ausländermaut längst geschlossen wähnte, wurde am Neujahrstag von einem Spätzünderknaller erschreckt: Autominister Andreas Scheuer hat die Maut für Oktober 2020 in Aussicht gestellt. Der Vertrag sei am 30. Dezember unterschrieben worden. Die Vignetten soll der Konzertkartenanbieter CTS Eventim verkaufen. Stehplätze sind nicht im Angebot. Jedenfalls nicht für die Insassen der Autos.
Forsa hat für die „Berliner Zeitung“ wieder die Sonntagsfrage gestellt – und im Wesentlichen das Gleiche ermittelt wie einen Monat zuvor: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus kämen die Grünen auf 23 Prozent, die Linken auf 18 und die SPD auf 15. Aus R2G würde also G2R. Die CDU belegt mit 17 Prozent den vordersten Zuschauerplatz.
In Brandenburg, wo im September tatsächlich gewählt wird, sieht Forsa (laut „MAZ“) SPD und AfD gleichauf bei 20 Prozent, dicht gefolgt von CDU und Linken.
Wer sieht aus wie ein Polizist, obwohl er keiner ist? Burkard Dregger. Der CDU-Fraktionschef war am Wochenende mit einer Streife vom Polizeiabschnitt 44 (und einem Reporter der „B.Z.“) unterwegs – dummerweise in Schutzweste mit Hoheitsabzeichen, was ihm eine Strafanzeige samt Ermittlungsverfahren eingebracht hat. Dreggers SPD-Kollege Tom Schreiber, der schon mehrere ähnliche Touren absolviert hat, trug dabei nach eigenem Bekunden stets eine Weste ohne Polizeibär.
Die Silvesternacht hat die Erwartungen erfüllt: 432 Brände und 894 Rettungsfahrten zählte die Berliner Feuerwehr. 49 Mal wurden Retter angegriffen, in 33 Fällen mit Pyrotechnik, einmal mit einem Brandsatz. Die Polizei kam auf 1721 Einsätze – viele davon, um Sanitäter zu beschützen. Und im Unfallkrankenhaus hatten die Chirurgen alle Hände voll zu tun. Berlin hat sich also als gewohnt tolerant erwiesen, nur eben wieder bei unpassender Gelegenheit.
Feinstaub-Grenzwert (Tagesmittel) lt. EU-Richtlinie: 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Feinstaub-Mittelwert in der Frankfurter Allee in der ersten Stunde des neuen Jahres: 853 µg/m3. Könnte Berliner (oder auch bundesweiter) Rekord sein, aber sicher ist das nicht, denn der Messcontainer in der Karl-Marx-Straße hatte offenbar schon am 30.12. die Nase so voll, dass er seitdem keine Daten mehr sendet.
Weil es gerade so schön laut war, hat ein Untersuchungshäftling in Moabit sein vergittertes Zellenfenster samt Rahmen aus der Wand gedrückt und übers Dach die Flucht ergriffen. Allerdings erkannten Justizbedienstete, dass der ausgelöste Alarm (im Unterschied zu den ständigen von Böllern verursachten Fehlmeldungen) echt war. Nach sechs Minuten war die Polizei da, nach weiteren vier hatten die Beamten den Mann – der wegen Verdachts auf versuchten Totschlag sitzt – vom JVA-Dach geholt.
Der Brandenburger AfD-Bundestagsabgeordnete Norbert Kleinwächter hat Silvester mit zwei Dutzend Gästen ganz mondän am Arbeitsplatz gefeiert: Im verglasten Dachgeschoss des Jakob-Kaiser-Hauses – mit Sekt und Premiumblick auf den Reichstag. Darf der das? Ja, hat Kleinwächter meinem Kollegen Alexander Fröhlich mitgeteilt: Als Abgeordneter sei er „ausdrücklich berechtigt“, Gäste in den Bundestag einzuladen. Die Kosten trage er persönlich. „Diskussionsveranstaltungen (…) sind bei mir häufig in angenehme gesellschaftliche Kontexte eingebettet.“ Wie schön, wenn wenigstens der Kontext angenehm ist.
Bei unseren Bezirksnewslettern enden heute die Weihnachtsferien: Es gibt Neues aus Mitte, Neukölln und Reinickendorf – und es geht dabei um Mieten, Müll, Verkehr und mehr. Spoiler: Gerümpel kann auch von Entrümplern kommen.
Zugvögel heißen Zugvögel, weil sie im Zug fahren. Sogar in der S-Bahn (nach Spandau!); Beweisfoto hier.
Hier noch ein Weihnachtswunder, per Twitter verkündet in der Heiligen Nacht: „Gute Nachrichten: Keine Baumaßnahmen im gesamten S-Bahn-Netz bis 2. Januar 2019.“ Damit ist also nun auch Schluss.
Was 2019 sonst noch alles passiert, stand ja schon exklusiv in der Silvester-Ausgabe des Tagesspiegels – damit Sie mitreden können.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Berlin ist eine funktionierende Stadt"
Diesen schönen Satz hat uns der Regierende Bürgermeister in seinem Jahresabschluss-Interview mit dem Tagesspiegel geschenkt. Auch hier gilt: Bitte ausschneiden und bei Bedarf vorlegen.
Die richtige Lösung beim Betriebsstörungsbingo war die Verspätungsbegründung „e“ – nur die haben wir uns ausgedacht, alle anderen Sprüche sind echt (Wirklich! Ehrlich! Original!).
Und die Gewinner der Gästelistenplätze für unsere Checkpoint-Feier werden am kommenden Sonnabend im Tagesspiegel auf den Seiten „Mehr Berlin“ veröffentlicht.
Tweet des Tages
„Das Schönste an Berlin ist, immer wieder, auch nach mehr als 30 Jahren als Berlinerin, Neues zu entdecken. Kann niemand verstehen, der nie in Berlin angekommen ist, so wie ein Herr Söder.“
Antwort d. Red.: Eine Reaktion auf den bayerischen Ministerpräsidenten – der hatte gesagt: „Das Schönste an Berlin ist, es wieder zu verlassen.“
Stadtleben
Statt beim Kochen Migrationsgeschichten auszutauschen, möchte die kürzlich in der Kyffhäuserstraße 21 eröffnete Fabelei mit Cocktails Geschichten aus aller Welt erzählen. Heute Abend wird offiziell die Eröffnung gefeiert und die runden Geburtstage der beiden Betreiber gleich mit, von denen einer, nämlich Filip Bochenski, aus der Warschauer Bar Pies Czy und der Berliner Salut! Bar reichlich Erfahrung und glänzende Referenzen mitbringt. Seine Partnerin und Geschäftsführerin Anastasia Katarina steuert zudem Musik- und einen nach eigener Aussage feinen Cocktailgeschmack bei - die Kritikerin im eigenen Hause. Geöffnet ist Di-Do 17- 24 Uhr, Fr- Sa 17- 1 Uhr, U-Bhf Viktoria-Luise-Platz