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New York schaut auf BerlinFranziska Giffey ist nur mit sich selbst auf AugenhöheDiese Berlinerinnen und Berliner haben wir mit Blick auf diese Woche ausgezeichnet

Start spreading the news“ lautet die erste Zeile des berühmten Sinatra-Songs „New York, New York“ – ein schöner Beginn auch für diesen Checkpoint. Denn was in New York passiert, dass wissen wir als Berlinerinnen und Berliner, kommt früher oder später auch zu uns, im Guten wie im Schlechten. Und wir machen was draus, wie zum Beispiel Harald Juhnke, der mit „Berlin, Berlin“ das große Vorbild imitierte. Doch offenbar haben wir die Stadt, die niemals schläft, heimlich überholt: „Look to Berlin“, empfiehlt heute die „New York Times“, und: „Berlin, eine geschäftige, ehrgeizige Stadt, die oft mit New York verglichen wird, bietet einen Einblick, was hier passieren kann.“

Oha, worum geht’s? Bürgeramtstermine? Behördenpingpong? Betriebsstörungsbingo? Nein, es geht um Lebensmitteldienste wie „Gorillas“, die mit fast zwei Jahren Verspätung jetzt auch in New York gestartet sind. Und welche Auswirkungen das auf die Infrastruktur einer Stadt hat, lässt sich eben in Berlin sehen: „The spätkauf is under threat.“ Und das wäre ja schon schade, wenn die Gorillas dieser Welt die Spätis verdrängen. Entgehen würden uns dann u.a. so schöne original Berliner Straßenwerbesprüche wie dieser: „Bier jetzt billiger als Benzin, fahr nicht fort, sauf im Ort“ (obwohl es ja eigentlich „als wie“ heißen müsste).

Umfrage: Ist Giffey zu forsch?

Weitere Themen des Tages:

Nur ganz wenige Schülerinnen und Schüler würden von der aufgehobenen Präsenzpflicht Gebrauch machen und zu Hause bleiben (oder die Skiferien verlängern), verteidigte Franziska Giffey vor gut zwei Wochen die Entscheidung – jetzt stellt sich heraus: Immer mehr Schulleiter berichten über hohe Fehlzeiten, manche Schulen sind nur zu zwei Dritteln besucht, insgesamt könnten 16.000 Schülerinnen und Schüler fehlen.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Wäre das Wetter nicht so, wie es ist, und die Jahreszeit eine andere, wer wollte nicht schnell das Nötigste einpacken und sich in seine Kleingartenidylle verziehen, sich im blütengesäumten Garten von der Sonne den Bauch umschmeicheln lassen und dazu einen frisch gepressten Apfelsaft von Früchten des eigenen Baums schlürfen? Na gut, es mag noch andere, wildere, größere Fantasien darüber geben, was man nun alles tun würde, wenn man könnte – die Kleingartensache aber ist immerhin halbwegs erreichbar. Das Buchkunstkabinett des islamischen Museums (im Pergamonmuseum) zeigt nämlich eine Ausstellung mit dem Titel Sehnsuchtsort Garten, die eine Symbiose aus persischer Buchmalerei und, eben, Berliner Kleingartenidylle verspricht. Kostbare, antike Bilder von Gartenszenen werden aktuellen, auf Instagram zusammengesuchten Fotos von hiesiger Kleingartenkultur gegenübergestellt. Heute beginnt die letzte Woche der Schau.

Samstagmittag – Der Künstler Timm Ulrichs stellte sich 1966 selbst aus: Mit entsprechender Titel-Plakette, Spot-Scheinwerfer und allem, was dazugehört. Das war eine Ansage. Der Künstler Tal Adler stellt jemand anderen aus, genauer: den leblosen Schädel eines Fremden, Identifikationsnummer 8470. Und zwar ohne dessen Wissen und Zustimmung. Was das für eine Ansage ist, was daran kontrovers und was zeitkritisch ist, das erörtert er beim Vortrag im Humboldtforum um 16 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro.‌

Samstagabend – Wie gespenstisch muss die Erfindung Leon Theremins auf das Publikum der Zwanzigerjahre gewirkt haben! Das nach ihm benannte Musikinstrument tönt ganz ohne Berührung: Hände werden zum Spiel durch unsichtbare elektromagnetische Felder bewegt. Man kennt den Sound aus frühen Gruselfilmen. Leider, so monierten schon viele, wurde die sonderbare Anmutung des Theremin oft nur als Effekt benutzt, beim Spiel vollkommen beliebiger Musik. Kompositionen, die das Instrument ausloten, sind dagegen selten. Gleich sechs solcher Werke sind um 19.30 Uhr in der Villa Elisabeth live zu hören – Grégoire Blanc am Theremin, wird vom Adumá Saxophonquartett begleitet. Der Eintritt beträgt 15/12 Euro. An der Abendkasse, geöffnet eine Stunde vor Konzertbeginn, sollen Restkarten verfügbar sein.‌

Sonntagmorgen – Ausgeschlafen? Wer sich weigert, aus seinen Traumbildern zu erwachen, spaziert einfach hinüber zur AdK am Hanseatenweg in die Ausstellung von Erich Wonders Bühnenbildern und geht auf Reisen durch die politischen Systeme und gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts. Seinerzeit für Heiner Müllers Inszenierungen auf verschiedenen Theaterbühnen gebaut, sollen die Arbeiten nämlich genau das widerspiegeln: Den Wandel der Zeit. Heute, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, ist der Eintritt übrigens frei.

Sonntagmittag – Wer Kino denkt, denkt auch Jean-Luc Godard. Was viele nicht wissen: Der Altmeister (Jahrgang 1930) dreht noch heute Filme, die allerdings meist jenseits von Mainstream-Veranstaltungen laufen. So auch der Film Le Livre d'image (Bildbuch) von 2018. Zwei Jahre lang hat Godard dafür Bildmaterial in verschiedenen arabischen Ländern gesammelt. Vorgesehen hatte er den Streifen eigentlich für die Wiedergabe auf einem kleinen Fernsehbildschirm. Die Ausstellung Sentiments, Signes, Passions zerlegt ihn allerdings auf gleich 40 Bildschirme, die unterschiedliche Teile des Films nebeneinander zeigen – der Film wird begehbar, Laufrichtung und Tempo bestimmen die Wiedergabegeschwindigkeit. Zur Berlinale täglich von 12 bis 22 Uhr im HKW, John-Foster-Dulles-Allee 10. Eintritt frei.

Sonntagabend – Morgen ist übrigens Valentinstag. Das wussten Sie natürlich längst. Wer den aber nicht auf dem Schirm hat und sich schon in anderweitigen Plänen verzettelt hat, aber last minute noch guten Willen zeigen will, bestellt natürlich Blumen – zum Beispiel über Marsano, wo die Bestellungen angeblich noch kurz vor knapp möglich sind. Neben klassischen Sträußen, kann man hier auch gleich ganze Valentinstags- (oder Geburtstags-, Hochzeits, Einfachsotags-) Pakete mit PflanzenPralinen und Wein, floraler Kunst (aus der hauseigenen Galerie) oder ganze Wohnzimmereinrichtungen bestellen.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Kennen Sie das? Man hat sich aufgerafft, sich mit den schweren Utensilien beladen – zwei Paar Gummistiefel, Regenponcho, Heckenschere und Präzisionsschaufel für landschaftsarchitektonische Arbeiten. Und, weil wir ja in Brandenburg sind, Ausweisdokumente, Befugnisse, das kennen Sie doch. Und kaum verlässt man den Bau, wird man vom kräftigen Wind direkt wieder zurück hineingeblasen. Wer soll denn so arbeiten? 'Wozu überhaupt rausgehen, wenn man sowieso wieder drin landet', sagte ich zu Chantal, der geduldigen Sau von Nebenan. Dann fiel mir ein Muster auf, plötzlich wurde mir klar, dass eine größere Verschwörung dahinter stecken musste. Also flugs den Rasenmäher aufgesattelt und auf zum Ursprung des Windes gemacht, nach Saalow im Fläming zur Schubertschen Scheunenwindmühle. Ein tolles Stück, hübsch anzuschauen, außergewöhnlich und mit langer Geschichte – aber Wind gemacht hat sie nicht. Ich habe es dann noch bei der Straupitzer Holländerwindmühle versucht, der letzten und einzig verbliebenen „Dreifachmühle“ in Europa – die musste es sein. Aber nein. Auch die war nicht der Grund des üblen Windes. Chantal hat das Ganze übrigens sehr imponiert. Den Rasenmäher taufte sie Sancho Pansa und schlug mich zum Trüffelritter, weil meine feine Nase auch subtile Zusammenhänge erschnüffelt. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Mit der Berlinale wird Berlin bekanntlich zur Schauspielstadt numero uno, dabei beginnt doch „die Schönheit des Films […] dort, wo das Schauspielen aufhört.“ Dieses Motto von Jean-Luc Godard ziert die Webseite der aufs Dokumentarische spezialisierten Produktionsfirmavon Constantin WulffChristiane Peitz (Abo) hat den Produzenten gesprochen.
Wie Berlin selbst in den Berlinalefilmen abschneidet, hat sich Andreas Conrad (Abo) einmal angeschaut
Und wie das Ganze Spektakel aus Sicht einer Schauspielerin, nämlich Luna Wendler, wirkt, und wie es sich anfühlt, auf der Straße erkannt zu werden, fragt Joana Nietfeld (Abo)

Mit der Berlinale kommen auch Heldentaten in die Stadt – zumindest auf die Leinwände. Echte Heldentaten bleiben dagegen oft abseits aller Öffentlichkeit – es sei denn, Henning Onken (Abo) ist zur Stelle und schreibt mit.

Nach dem schnelllebigen Showbiz noch ein kleiner Abstecher in die Gründerzeit: Das Uhrmacherhandwerk braucht Nachwuchs. Wie der tickt, weiß Cay Dobberke (Abo)

Wochen­rätsel

Gewonnen! Sie wissen doch, zu Risiken, Nebenwirkungen und anderen Fragen, die Ihnen auf den Nägeln brennen, fragen Sie die Bürgerberatung der Senatskanzlei. Der Checkpoint nutzte das Angebot und fragte dort nach bezahlbarem Wohnraum. Die Beratungsstelle empfahl…

a) …bauen, bauen, bauen. 
b) …andere Beratungsstellen. 
c) …Stadtflucht.

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Wir können diesmal leider nicht unbeschwert ins Wochenende starten: Die USA rechnen kurzfristig mit einem Angriff Russlands auf die Ukraine. Die USA forderten in der Nacht zum Sonnabend ihre dort verweilenden Landsleute auf, das Land zu verlassen, und zwar „as soon as possible“. Frankreich und Großbritannien schlossen sich der dringenden Warnung an. Um einen Krieg noch abzuwenden, erwägt die Nato nach Tagespiegel-Informationen, Russland ein Neuaufnahmemoratorium anzubieten – die Ukraine könnte dann zunächst einmal nicht Mitglied im westlichen Verteidigungsbündnis werden. Alle aktuellen Entwicklungen und Analysen können Sie rund um die Uhr auf tagesspiegel.de verfolgen.

Ein bisschen Hoffnung für die fernere Zukunft tat sich gestern aber auch auf: „Astronomen entdecken womöglich lebensfreundlichen Planeten“, lautete eine Schlagzeile, die im Strudel der Ereignisse beinahe unterging. Wir hätten da auch schon einen Namen: Berlin (wenn das nicht ohnehin gemeint war).

Lebensfreundlich mitgewirkt an diesem Checkpoint haben Lotte Buschenhagen, Anke Myrrhe, Thomas Wochnik und Cristina Marina. Wir sehen uns hier am Montag wieder – u.a. mit wilden neuen Nachrichten von der chaotischsten Wahl der deutschen Nachkriegsgeschichte (Made in Berlin), einem bizarren Urteil zu einem Kleingartenstreit und einem Versprechen der Innensenatorin, das so nicht zu halten ist. Ich wünsche Ihnen trotz des Panzerkettenknirschens an der russisch-ukrainischen Grenze ein schönes Wochenende – bis dahin,

Lorenz Maroldt