„machen Sie’s gut“, sagte Andrea Nahles, als sie gestern das Willy-Brandt-Haus verließ. Sie hinterlässt eine „Leerstelle“ (Tagesspiegel-Titel), die auch „die drei Fragezeichen“ Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel (Berliner Zeitung) nicht ausfüllen wollen: Sie führen die SPD nur kommissarisch. Doch wer soll es machen? Olaf Scholz will nicht, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil auch nicht. Und Michael Müller? Der sagt zumindest nicht nein, als er in der „Abendschau“ gefragt wird, ob er "zur Verfügung“ stehe. Was der Berliner SPD-Chef sonst sagt: „Es hat Jahre gedauert, bis wir an diesem Punkt angekommen sind, wo wir jetzt sind.“ Das Wort „Tiefpunkt“ traut sich in Bezug auf die SPD keiner mehr zu benutzen, die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt: schlimmer geht immer. Also raus aus der Regierung? „Mein Eindruck ist: Viele haben die Nase voll von der Großen Koalition“, sagt Müller und meint damit (nicht nur) die Wähler.
Um die SPD wieder nach vorne zu bringen, schaut Michael Müller auch nach links und rechts und liebäugelt plötzlich mit einer Doppelspitze. „Das ist etwas, womit die anderen offensichtlich ganz gut arbeiten können“, sagte er am Montag am Rande der SPD-Vorstandssitzung. Lustig, denn bisher ist diese Forderung in der von Männern geführten Berliner Partei immer abgebügelt worden, zuletzt durch Fraktionschef Raed Saleh. Dementsprechend ironisch bis bissig reagierten auch einstige Vertraute Müllers wie der frühere Chef der Senatskanzlei Björn Böhning. „Im Bund und in den Ländern?“, fragte er seinen Ex-Chef via Twitter. Auf Checkpoint-Anfrage, wie Müller zu einer Doppelspitze in den Führungsgremien der Berliner SPD steht, kam am Montag keine Antwort. Und das ist auch eine
Gerade sprachen noch alle von Ibiza; wettertechnisch kann die Insel im Berlin-Vergleich jetzt die Badehose einpacken. AmMontag stand es 34 zu 24 Grad für uns, heute liegen wir mit erwarteten 29 zu 26 Grad vorne. Der Hitzesommer ist zurück, und damit auch die Waldbrände. Etwa 130 gab es in diesem Jahr schon in Brandenburg, gestern entflammten auch in Berlin 40.000 Quadratmeter Waldboden und Unterholz an der Havelchaussee in Grunewald. Die Umweltverwaltung warnt vor einem „erheblichen Waldbrandrisiko in Berlin“ und erinnert an das Rauch- und Grillverbot im Wald. Auch mitten in der Stadt hat sich der Boden trotz des Regens der vergangenen Wochen noch immer nicht von der Trockenheit des Rekord-Sommers 2018erholt: Im Monbijoupark dürfen die Tofu-Würstchen deshalb bis auf Widerruf nur von der Sonne gebrutzelt werden. Die amtliche Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes gilt noch bis heute um 19 Uhr. Heiß, heiß, Baby.
Hitzig geht es gerade auch im Senat zu. Der Streit um die Frage, ob Polizisten Flüchtlingsheime betreten dürfen, um Menschen abzuschieben, wird nun öffentlich per Pressemitteilung ausgetragen: „Leider scheiterte eine politische Lösung am Widerstand der für Flüchtlingsunterkünfte verantwortlichen Senatorin Elke Breitenbach“, teilte SPD-Innensenator Andreas Geisel am Montag mit. Was er so deutlich nicht sagt: Anders als vergangene Woche öffentlich behauptet („Die Polizei macht natürlich weiter“, Q: „Morgenpost“), ordnete er schon damals seine Beamten an, Asylheime vorerst nur noch zu betreten, wenn die Betreiber zustimmen, wie mein Kollege Alexander Fröhlich recherchiert hat. Und gab damit Breitenbach nach, die einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss als notwendig für eine Abschiebungsausführung ansieht. Nach Checkpoint-Informationen haben daraufhin in der vergangenen Woche sieben von zwölf Heimbetreibern Polizisten den Zutritt zu den Unterkünften verweigert. Hintergrund war eine Sammelabschiebung in Westbalkan-Staaten. Der Opposition bietet Rot-Rot damit eine Steilvorlage: „Wenn Geisel es nicht hinbekommt, Abschiebungen durchzusetzen, verfehlt er sein Amt“, meint der neue CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner. Geisel wiederum hofft auf den Bundestag: Der soll am Freitag das Geordnete-Rückkehr-Gesetz beschließen, von dem der Innensenator sich Rechtsklarheit verspricht. Die ist auch für die Polizisten wichtig, die den politischen Zwist ausbaden: Fünf von ihnen wurden wegen Hausfriedensbruch angezeigt – weil sie ihren Job machten.
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VERKAUFT MAN MIT FERIENINSELN ’NE EXTRAPORTION POMMES?
Ja, dank Berlins größtem Gastgeber. Denn Veranstaltungen wie die global bedeutende Tourismusmesse ITB sorgen jährlich für insgesamt über 670 Mio. Euro zusätzliche Einnahmen für das Berliner Gastgewerbe. Was die Messe sonst noch für Berlin tut, erfährst du unter hostingtheworld.de
Wir kommen zur beliebten Rubrik „Mathe lernen mit dem Checkpoint“. Frage: Macht Berlin ein gutes Geschäft, wenn das Land am Mittwoch sieben Kultureinrichtungen, darunter die Akademie der Künste, das Haus der Kulturen der Welt, das Jüdische Museum und der Martin-Gropius-Bau, im Wert von 179,6 Millionen Euro an den Bund abtritt, und dafür das Kreuzberger Dragoner-Areal im Wert von 36,8 Millionen Euro bekommt? Antwort: Ja, denn die Kultur geht nicht verloren, bezuschusst werden muss sie aber künftig vom Bund. Und Berlin bekommt perspektivisch mindestens 500 Wohnungen, gebaut von landeseigenen Unternehmen, und ebenfalls dringend benötigten Platz für Gewerbe. Auf einem Filetgrundstück mitten in der Stadt. Wenn der Haushaltsausschuss den Deal nicht vereitelt, endet morgen ein seit viereinhalb Jahren andauernder Streit um ein Geschäft, das so heute kaum noch vorstellbar ist: Im Februar 2015 hatte die Bundesanstalt für Immobilien das 47.000 Quadratmeter große Grundstück hinter dem Rücken der politisch Verantwortlichen an eine Firma mit Sitz in Wien verkauft.
Dass Radfahrer an Baustellen absteigen müssen, scheint in Berlin gerade im Trend zu sein. In der Fahrrad(!)straße Prinzregentenstraße in Wilmersdorf ist die Kreuzung mit der Güntzelstraße wegen Bauarbeiten der Wasserbetriebe seit zwölf Wochen voll gesperrt. Eine Umfahrung für Radfahrer hat der Bezirk in diesen drei Monaten jedoch nicht eingerichtet – wir berichteten im Leute-Newsletter für ChaWi. Dazu ein Blick ins Mobilitätsgesetz, da steht im Paragraph 39: „Müssen Abschnitte von Straßen oder anderen Elementen im Radverkehrsnetz vollständig gesperrt werden, so ist für ausgewiesene Umfahrungsstrecken zu sorgen. Beschränkungen des verfügbaren Straßenraums sollen nicht zu Lasten des Umweltverbundes erfolgen.“ Ein Vor-Ort-Termin mit Polizei und Verkehrsbehörde ergab am Montag: nichts Neues. Radfahrerinnen und Radfahrer müssen 40 bis 50 Meter schieben. Wobei sich auch das schwierig gestaltet.
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Wohlfühloase am See
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Ein Schreiben des Polizeipräsidiums lässt Zweifel daran aufkommen, wie ernst einigen Beamten der Schutz von Radfahrern ist. In einem Brief an einen Aktivisten, der sich über die Weigerung von Polizisten beschwert hatte, trotz offensichtlicher Gefährdung Falschparker abschleppen zu lassen, steht: „Die Aussage, dass widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge Radfahrende oft zu gefährlichen Ausweichmanövern zwingen, ist so nicht korrekt.“ Die StVO verlange, Hindernisse so zu umfahren, dass niemand behindert oder gefährdet werde. Es sei „jedoch häufig zu beobachten“, dass Radfahrende die Hindernisse ohne Rückblick und Richtungsanzeige umfahren. „Erst dadurch kann es zu gefährlichen Situationen (...) kommen.“ Kurz zusammengefasst: Selbst schuld! Damit konterkariert das Präsidium die eigene Aktionswoche gegen Falschparker auf Radwegen und Busspuren, die noch bis Freitag läuft. Und Falschparker gefährden nicht nur Radfahrer: Auf die Gefahr zugeparkter Kreuzungen für Fußgänger machen heute Morgen am Mariannenplatz drei Initiativen aufmerksam. Ich sage nur: Es wird Rot.
Was ist in Berlins kinderreichstem Bezirk Pankow noch rarer als eine bezahlbare Wohnung? Richtig, ein nicht völlig maroder Spielplatz (Stand Januar: 160 von 220 Spielplätzen „sanierungsbedürftig“, 7 komplett gesperrt, 13 teilweise). Nun gibt es neue Zahlen zu den Spielgeräten auf Schulhöfen. Und, wie sieht‘s da aus? „Die Geräte nahezu aller Spielplätze und Schulhof-Spielflächen sind im Bezirk Pankow in einem ähnlich schlechten Allgemeinzustand“, teilt Stadtrat Vollrad Kuhn (ja, ein Grüner) auf Anfrage von Paul Schlüter (Linke) mit. Die „zur Verfügung stehenden Unterhaltsmittel“ seien seit über 10 Jahren „bei weitem nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken und alle Spiel- und Sportangebote auf Schulhöfen in einem guten Zustand zu erhalten“. Die Situation wird seit einiger Zeit noch schlimmer – Grund dafür ist ausgerechnet das Schulsanierungsprogramm. „Durch die Sondermittel werden zwar einzelne Schulgebäude saniert oder erneuert, für die umliegenden Schulhofflächen stehen jedoch keine Mittel bereit“, stellt Kuhn fest. Die Folge: „Nach Abschluss der Bauarbeiten sind die ohnehin schon teilweise in einem schlechten Zustand befindlichen Schulhöfe durch die Bauarbeiten und Lagerflächen so weit beschädigt, dass sie durch die Unfallkasse Berlin in einigen Fällen als unsicher gewertet wurden.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Was Pendler jeden Tag erleben, ist jetzt mal wieder durch Zahlen belegt: Berlin ist die Stadt mit den zweitlängsten Stauzeiten in Deutschland. Für eine Strecke von 30 Minuten brauchen Autofahrer hier zur Hauptverkehrszeit am Morgen vierzehn Minuten länger, abends sind’s sogar 17 (Q: TomTom-Stau-Index). Aufs Jahr gerechnet sind das 103 Stunden. Nur in Hamburg steht man länger.
Dabei weiß die „Berliner Zeitung“: Der Umzug nach Potsdam lohnt sich gar nicht. Zumindest nicht für Berlin-Pendler. Denn Häuser und Wohnungen sind im Speckgürtel zwar günstiger. Doch die hohen Pendel-Kosten machen das in der Regel schon nach wenigen Jahren wieder wett.
Dieselfahrer können aufatmen. Alle anderen allerdings nicht, weil: miese Luft. Die Fahrverbote und neuen Tempo-30-Zonen verzögern sich weiter. „Frühestens ab August“ statt wie geplant zum 1. Juli könnten die Maßnahmen des neuen Luftreinhalteplans umgesetzt werden, sagt die Umweltverwaltung. Die Deutsche Umwelthilfe will dagegen klagen (Q: „Berliner Zeitung“).
Das Risiko, bei schwierigen Operationen zu sterben, zum Beispiel an der Bauchspeicheldrüse oder der Speiseröhre, ist deutlich geringer in Kliniken, in denen diese Operationen häufiger durchgeführt werden. Deswegen gibt es die Mindestmengenregelung. Doch 18 Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg erreichen laut Recherchen von RBB und dem "Science Media Center", die gesetzlich vorgeschriebene Zahl an Eingriffen nicht.
Suchen Sie eine neue Herausforderung? Da hätten wir hier vielleicht was für Sie: Die Berliner Feuerwehr sucht eine/n Leiter/in des Referates Instandhaltung, zuständig unter anderem für die „Sicherstellung der Einsetzbarkeit und technischen Verfügbarkeit der Einsatzfahrzeuge“. Dazu ein Blick auf die Ausfallquoten im Jahr 2018: Löschfahrzeuge: 17 %, im Spitzenmonaten 21 %. Rettungswagen: 14,5 %, in Spitzenmonaten 17 %. Bei einem Trockenlöschmodell war in zwei Monaten kein einziges Fahrzeug einsatzbereit – macht eine Ausfallquote von 100 Prozent. Allein im Feuerwehr-Fuhrpark beträgt der Investitionsstau etwa 160 Millionen Euro. Komisch: Von Zaubern können steht in der Stellenausschreibung gar nichts.
Zieht Siemens Energiesparte Gas and Power von Texas nach Berlin? Siemens-Chef Joe Kaeser hatte in einem FAZ-Artikel von gestern Andeutungen in diese Richtung gemacht. Der Senat hat verstanden: „Natürlich Berlin“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Die Siemensstadt 2.0 in Spandau mit den Kernthemen Energieerzeugung, dezentrale Energie- und Gebäudetechnik sowie moderne Mobilität sei der „perfekte Standort“ für Siemens Gas and Power. „Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Berlin auch für die Energiesparte unseres Partners das neue Zuhause wird.“
Einen „wunderbaren Abend bei Freunden“ verbrachte Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg-Maaßen am 29. Mai mit Ex-Innensenator Frank Henkel und dem Immer-Noch-Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt im Erdinger am Gendarmenmarkt. „Wir schaffen die Politikwende“, twitterte Maaßen nun am 3. Juni. Sind das womöglich die neuen CDU-Influencer?
Apropos DPolG, da war doch was in der Mailbox. Genau, hier, Betreff: „Einladung Presse-Schiessen“: „Um weiterhin so professionell miteinander arbeiten zu können, laden wir Sie recht herzlich zu unserem diesjährigen Presse-Schießen ein“, schreibt Landesvorsitzender Bodo Pfalzgraf. „Während der Veranstaltung haben Sie die Möglichkeit, mit verschiedenen Waffen auf reservierten Schießbahnen zu schießen und mit unseren Geschäftspartnern, Freunden und Unterstützern sowie den Mitgliedern des Vorstandes ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss möchten wir den Nachmittag gern mit Ihnen bei der ‚Schützenwirtin‘ ausklingen lassen.“ Und noch ein wichtiger Hinweis: „Auf dem Schießstand selbst gilt absolutes Alkoholverbot!“ Na toll, dann komm ich nicht.
Immer wieder der Brandschutz: Der war bei der Kurt-Schumacher-Grundschule in Kreuzberg nicht ausreichend geplant worden. Die Folge: 2,2 Millionen Euro Mehrkosten. Nur eines von 42 vom Rechnungshof untersuchten Bauvorhaben. Fazit: Bei keinem einzigen (in Zahlen: 0) wurden alle vorgeschriebenen Prüfungen vorgenommen.
Bitte weitersagen: Im Polizeiabschnitt 41 in der Gothaer Straße 19 wartet ein kuschliger Stoff-Igel auf seinen Besitzer. Er ist am Mittwoch in Schöneberg vom Fahrrad gefallen. Und in Bochum hat die Feuerwehr ein Entenküken aus einem Gully gerettet – mit einem Staubsauger.
Von Beelitz lernen: Beim Spargelfest mit mehr als 40.000 Besuchern (Rekord!) blieb es nicht nur durchgängig friedlich, auch die 20.000 Mehrwegbecher, die an die Getränkehändler verteilt wurden, wurden gut angenommen. Die Folge: sichtbar weniger Müll als früher.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir überprüfen regelmäßig den Progesteron-Wert im Urin.“
Sagte eine Sprecherin des Berliner Zoos am Montag. Trotzdem ist immer noch unklar, ob Panda-Dame Meng Meng zwei Monate nach dem Befruchtungsversuch nun trächtig ist oder nicht.
Tweet des Tages
Woher wissen Gänseblümchen eigentlich, wer wen liebt?!
Stadtleben
Essen & Trinken – Nicht so angestrengt cool wie viele der hippen Läden, dafür angenehm gemütlich: Das Café Nadia & Kosta in der Türrschmidtstraße 31 hat sich über die Jahre den Ruf erarbeitet, eines der nettesten Lokale rund um Rummelsburg zu sein. Es gibt Bagels und diverse Kuchen um 3,50 Euro (z.B. der großartige Käsekuchen oder Schmand-Preiselbeere), Kaffeevariationen um 3 Euro und eine Menge Gelassenheit von Mo-Fr 8-18, Sa/ So 11-19 Uhr, S-Bhf Nöldnerplatz
Berlinbesuch I – Die europäischen Lyrikerinnen Iryna Tsylik und Efe Duyan diskutieren mit ebenfalls Lyriker und Schriftsteller Max Czollek Europa „Nach der Wahl“. Wieder eine Veranstaltung, bei der sich Kulturschaffende politisch äußern – wissen die was, was andere nicht wissen? Aber ja, das tun sie, das ist ihr Job. Im Literaturhaus ab 19.30 Uhr gegen 7/ 4 Euro Eintritt. Fasanenstraße 23, U-Bhf Uhlandstraße
Berlinbesuch II – Wer sich Notting Hill, das Quartier Latin oder Manhatten nicht mehr leisten kann, soll halt woanders hinziehen. Allzu schnell denkt man hier beim Begriff Gentrifizierung ausschließlich an bestimmte Gegenden Berlins – dabei ist derartige Denke natürlich längst nicht neu und längst global. Die Immobilie als Spekulationsobjekt versus Lebensraum sowie die Forderung nach einem Grundrecht auf Wohnen – aus dem globalen Diskurs, den Fehlern und Lösungen anderer Städte lässt sich lernen. Das Freiluftkino Insel gibt heute um 21.30 Uhr mit „Push“ von Fredrik Gertten Einblick in die lebenswirklichen Konsequenzen eines entfesselten Wohnungsmarktes. Revaler Straße 99, S-Bhf Warschauer Straße, 7,50 Euro
Geschenk – Manchmal gelingt beim Beschenken von Kindern das Kunststück, die Eltern gleich mit zu beschenken – in China gäbe es dafür Bonuspunkte. Beispiel: Im Machmit!-Museum und Indoor-Spielplatz lernen Kinder nützliches Handwerk und entwickeln eine Beziehung zum Werkstoff Holz – von 10 bis 18 Uhr beim „Tischlerschuppen“ und von 14 bis 17.30 Uhr beim Anfertigen von Holzmandalas, alles im Rahmen der Ausstellung Auf dem Holzweg. Was die Eltern davon haben: Erstens glückliche Kinder, zweitens Holzmandalas und drittens einen freien Nachmittag. 7/ 3,50 Euro Eintritt (zzgl. 3 Euro für Teilnahme beim Holzmandala-Workshop). Senefelderstraße 5, S-Bhf Prenzlauer Allee
Last-Minute-Tickets – Ende der Achtziger wandten sich zunehmend Künstler und Bands von der vorherrschenden Ästhetik der Dekade ab, von den maskulinen Posen, dem solistischen Virtuosentum oder dem glatten, sauberen Soundideal. Bands wie Sonic Youth, die Pixies, Pavement oder Soundgarden und nicht zuletzt Nirvana streuten reichlich Sand ins Getriebe des Showbiz, wurden bald selbst groß und sich teils auch selbst zum Verhängnis. Kurt Vile, Jahrgang 1980, hat mit alledem eigentlich nichts zu tun. Er tut aber sehr überzeugend so als ob. Im Astra Kulturhaus spielt er heute um 20 Uhr mit seinen Violators, Tickets kosten 27,50 Euro.
Noch hingehen – Picassos Spätwerk, entstanden in zunehmender Abschottung vom öffentlichen Leben, galt eine Zeitlang als Ausdruck von Vergreisung und damit einhergehendem Verlust von Fertigkeit. Mittlerweile ist eher das Gegenteil Konsens: Da arbeitet ein dem Publikumsgeschmack, den Sammlerinteressen und der Welt vielleicht weniger verpflichteter Künstler, radikal und entfesselt. Das Potsdamer Museum Barberini zeigt Bilder aus der Sammlung Jacqueline Picassos, der zweiten Frau des Malers und Begleiterin in seinen letzten 20 Lebensjahren. Und das noch bis 16. Juni gegen 14/ 10 Euro (unter 18 Jahren frei). Mi-Mo 10-19 Uhr, Humboldtstraße 5–6, S-Bhf Potsdam Hauptbahnhof
Verlosung – Morgen Abend ist in der näheren Umgebung der Mercedes-Benz-Arena mit Parkplatzknappheit und Verkehrsbeeinträchtigugen zu rechnen, denn ebenda steigt ab 20.30 Uhr das Basketball Playoff-Halbfinale. Alba Berlin und der EWE Baskets Oldenburg haben sich mit je drei Siegen in den Vorausscheidungen in dieses Spiel gedribbelt und wer bis 12 Uhr eine Email an checkpoint@tagesspiegel.de schreibt, hat Chancen auf seinen Slam Dunk des Tages – wir verlosen nämlich 10 x 2 Tickets.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen schönen Tag
Prominent verraten
Beruflich und privat: „Das Amt im Allgemeinen spielt in meinem Leben eine Rolle“, sagt der gesuchte Kabarettist. Na, in diesem Sinne ist er ja ein richtiger Berliner!
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
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Berlin heute
Verkehr – Auf der A10 (Nördlicher Berliner Ring) kommt es von 22 bis 5 Uhr zwischen den Anschlussstellen Birkenwerder und Mühlenbeck in beiden Fahrtrichtungen zu mehreren Verkehrshalten von jeweils 30 Minuten. Auf der Roedernallee (Reinickendorf) ist wegen einer Baustelle mit Staugefahr zu rechnen, bis Ende Juli wird sie stadteinwärts hinter der Flottenstraße auf eine Spur verengt. Aufgrund eines Konzerts in der Mercedes-Benz-Arena (Beginn 20 Uhr) gibt es im Bereich der Mühlenstraße, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke und Stralauer Allee erhöhte Staugefahr. Der Tunnel Tiergarten Spreebogen ist zwischen 21 und 5 Uhr in beiden Richtungen gesperrt. Aufgrund einer Gashavarie auf der Alexanderstraße (Mitte) ist sie in Richtung Heinrich-Heine-Straße zwischen Stralauer Straße und Märkisches Ufer bis auf Weiteres gesperrt. Auch die Veteranenstraße (Mitte) ist ab dem Morgen in Richtung Invalidenstraße zwischen Fehrbelliner Straße und Brunnenstraße bis voraussichtlich Freitag gesperrt. Ab ca. 16.30 Uhr wird aufgrund eines Konzerts in der Waldbühne (Westend) ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Bereich der Heerstraße erwartet. In den beiden Nächten 3./4. und 4./5. Juni verkehren die S2 und S25 von 22 bis 1.30 Uhr nicht zwischen Nordbahnhof und Bornholmer Straße.
Demonstration – Unter dem Motto „Schülerdemo Ökostadt – Schülerinnen und Schüler der Fichtelgebirge-Grundschule für eine ökologische Stadt“ erwartet die Initiative „Kiezanker 36“ am Görlitzer Ufer um 9.15 Uhr etwa 250 Teilnehmer, die bis 11.30 Uhr über Taborstraße und Wrangelstraße wieder zurück zum Görlitzer Ufer ziehen wollen. Etwa 30 Teilnehmer wollen unter dem Motto „Denkmal für 30 Jahre Tian’anmen-Massaker“ zwischen 17.30 und 23.30 Uhr ab Jannowitzbrücke über den Alexanderplatz und Unter den Linden zurück zur Jannowitzbrücke ziehen.
Gericht – Weil sie vermeintliche Verletzungen ihrer Familienehre durch beleidigende Äußerungen „abstrafen“ wollten, sollen ein Vater, drei seiner Söhne und weitere Verwandte etwa 130 Mal auf einen Mann eingeschlagen und ihn schwer verletzt haben. Dabei habe einer der mutmaßlichen Angreifer eine Schusswaffe in der Hand gehalten. Als sich aus Versehen ein Schuss löste, sei seine eigene Schwester tödlich verletzt worden (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Yaak Karsunke (85), Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker / Marie NDiaye (52), Schriftstellerin / Sonsee Neu (46) Schauspielerin / Kathrin Passig (49) Journalistin und Schriftstellerin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Andrea Blanc, * 28. August 1955 / Brigitte Böhlmann, * 24. März 1939 / Jörg Markwart Dudzik, * 19. September 1939 / Jochim Schrader, * 3. Dezember 1945, Rechtsanwalt
Stolperstein – Lise Adele Wolffenstein (Jhg. 1889) lebte in der Westfälischen Straße 82 in Wilmersdorf. 1939 war ihr zunächst die Flucht vor den Nazis nach Amsterdam gelungen. Während der Besetzung Hollands aber wurde sie aufgegriffen und in das Lager Westerbork, dann in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt, wo sie heute vor 76 Jahren ermordet wurde.
Im Tagesspiegel
Sie will sich um Vertrauen bemühen - und nichts ist nötiger als das. Brigitte Bierlein ist nun offiziell Österreichs Kanzlerin. In den kommenden Monaten soll sie das aufgeregte Land besänftigen. Der Bundespräsident sagt: "Das schaff ma schon"
Lesen Sie das Portrait von Christian Bartlau heute auf Seite 4 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Sonntagabend in Neukölln, das erste richtige Sommerwochenende geht zu Ende. Ich fahre mit dem Rad vom Körnerpark zurück nach Kreuzberg. An der Kreuzung Thomasstraße/Hermannstraße bleibe ich stehen und warte. Ein weißer Transporter biegt von der Hermannstraße erst rechts ab, will aber dann doch geradeaus weiterfahren. Weil ich den beiden Männern bei ihrem ungelenken Schlenker „im Weg“ stehe, brüllt der Beifahrer mich an: „Du blöde Fotze, verpiss dich!“ Er wiederholt das mehrfach, ich bin erst perplex, dann wütend. Ob er sie noch alle hat, schreie ich zurück, nicht ohne die leise Angst, dass der Fahrer Gas geben und mich einfach überfahren könnte.
Ich habe keine Kamera am Rad, das Kennzeichen habe ich mir auch nicht gemerkt, nächstes Mal. Denn das wird es sicherlich geben, ich und viele meiner Freundinnen und Bekannten haben ähnliche Situationen schon häufig erlebt. Das zeigen auch die vielen Reaktionen auf Twitter. Viele Männer (und einige Frauen) sagen: Das ist einfach der Hass auf Radfahrer. Für mich fühlt es sich anders an, wenn Beleidigungen wie Fotze, Hure, Schlampe oder Nutte fallen: wie Frauenhass.
Es tut mir leid, Sie heute mit solch einer Geschichte in den Tag zu entlassen. Morgen endet der Checkpoint sicherlich wieder vergnüglicher. Dafür sorgt dann Kollege Björn Seeling.
Bis bald,