Berlin ist im Ausnahmezustand – wobei... eigentlich ist ja gerade die ganze Welt im Ausnahmezustand zwischen Corona-Panik (Stand der Ausbreitung interaktiv) und Brexit-Bedauern (weiter unten, mit Musik!).
Wir begnügen uns vorerst mit den Niederungen der Landespolitik, wo gestern die Klimanotlage parlamentarisch bestätigt und mit Krawall und Konfetti der Deckel auf die Mieten gesetzt wurde.
Doch zunächst ein paar Worte zur Lage der SPD:
Am Tag danach können die meisten immer noch ihr Glück kaum fassen, dass sich Giffey die Große tatsächlich mit Berlin anlegen will. Während einige noch den Schönheitsfehler im Dreier-Deal suchen („Kann doch nicht sein, dass die SPD das so glatt hinkriegt!“), rechnen die anderen mit dem Giffey-Bonus schon mit zehn Prozent mehr – das wäre zufälligerweise genau ein Prozent mehr als die Regierenden Umfragemeister der Grünen derzeit haben. Doch mit Umfragen gewinnt man bekanntlich keine Wahlen (gilt für alle).
Die meisten gehen davon aus, dass Müller mindestens noch den BER eröffnen darf, was auch den Vorteil hätte, dass Giffey nicht schon wieder den Abflug machen müsste, falls in Schönefeld doch noch ein Dübel schiefhängt (womit HIER ausdrücklich NIEMAND rechnet!).
Der stufenweise Machtwechsel wurde jedenfalls in einer klassischen Hinterzimmerrunde eingefädelt, kurzfristig und recht willkürlich eingeladen (und wieder ausgeladen), „mehr old-school geht gar nicht“, schimpften am Tag danach einige. Moderne Interpretation: Chefin wird am Ende die einzige Frau in der Runde.
Eine andere Frau wurde dafür allerdings gar nicht erst eingeladen: Eva Högl, SPD-Listenplatz 1 bei der letzten Bundestagswahl, der nun an Müller gedealt wurde, um ihn loszuwerden. Högl dürfte darüber ebenso wenig begeistert sein wie die anderen, die auch gern auf die diesmal vermutlich noch kürzere Liste für den Bundestag wollen: Cansel Kiziltepe, Klaus Mindrup, Kevin Kühnert und wohl auch Müllers Staatssekretärin Sawsan Chebli, die dem Vernehmen nach gleichzeitig auf der Suche nach einem Wahlkreis ist. Oder wie man in der SPD nun sagt: Doppelt hält besser.
Müller, gestern demonstrativ gut gelaunt, will jedenfalls sicherstellen, dass er Platz 1 der Liste bekommt, bevor Giffey ihn ablöst. Vermutlich hat er kürzlich mit Eberhard Diepgen telefoniert: Dem hatte die CDU nach seiner Abwahl 2001 auch Listenplatz 1 versprochen – und ihn dann fallengelassen.
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Apropos fallengelassen: Im Verhältnis zu dem, was Großbritannien vermutlich in den nächsten Monaten erwartet, ist die Berliner Landespolitik a bloody joke. Heute Abend, 24 Uhr, ist endgültig Time to Say Goodbye, The Final Countdown ist abgelaufen, der Brexit wird vollzogen.
Und falls Sie (wie ich) zu Nostalgie neigen, haben wir für Sie und mit Ihnen (Danke für all the ideas!) die ultimative Brexit-Playlist mit 62 Songs erstellt, in die sie hier reinhören können: All Good Things (Come to an End), nicht wahr? Mach das Licht aus, wenn Du gehst, Great Britain, und vergiss nicht, in The End You’ll Never Walk Alone.
Wenn Ihnen das Geheule unter der Dusche nicht ausreicht: Heute um 23.45 Uhr gibt’s den Brexit-Flashmob am Brandenburger Tor – Mit Europahymne und Andrew Sims.
Christian Göke hat derweil den Text vergessen: „You’ll never trade alone“, singt der Messechef und lässt den Funkturm aufer Messe seit letzter Nacht in Union-Jack-Farben leuchten – quasi als Lockruf für die Single-Briten. Eigentlich sollte der Turm schon seit zwei Tagen blau-rot-weiß leuchten, aber das passt ja irgendwie zum Thema (und Verzögerungen sind wir hier ohnehin gewohnt).
Nachdem das Abgeordnetenhaus nun ein Vollteilzeitparlament ist (Sitzung gestern 9 bis 22 Uhr), ist einigen Parlamentariern offenbar langweilig. Benedikt Lux (Grüne) hat handschriftlich ausgerechnet (Beweis!), wie sich die Redezeit auf Männer und Frauen verteilt.
Ergebnis: AfD und FDP: Frauen 0 Minuten (Männer knapp 80), CDU: Frauen 4 Minuten, SPD und Linke: je ein gutes Drittel, Grüne: Zwei Drittel Frauen. „Wird Zeit für ein Parité-Gesetz“, schrieb Lux auf Twitter. Familienfreundliche Zeiten im Parlament (und für Hinterzimmerrunden) würden allerdings auch helfen.
War sonst noch was? Ach, richtig: Nach monatelangen Verhandlungen ist der Mietendeckel ziemlich schepperfrei im AGH beschlossen worden, Tipps für alle Beteiligten gibt es hier. Ob die runtergekochte Version mit Klagekompetenz beim Mieter wirklich noch den gewünschten Effekt bringt, wird sich zeigen – eine Analyse von Immobilienscout 24 zeigt jedenfalls: Am meisten profitieren wohlhabende Mieter in begehrter Lage. Geklagt wird trotzdem – und zwar wie immer von allen Seiten.
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„Wir haben gerade den Mietendeckel beschlossen und ich freue mich darüber sehr“, sagte SPD-Rechtsexperte Sven Kohlmeier in einem kleinen Video, das er auf Twitter veröffentlicht hat. Wir? Eher nicht. Kohlmeier hat nämlich an der Abstimmung gar nicht teilgenommen. Doch nicht etwa, weil er gerade mit Filmen beschäftigt war, fragten die Grünen stichelnd nach? Nein, private Gründe, sagte Kohlmeier auf Checkpoint-Anfrage. „Ich hätte zugestimmt.“
Nicht zugestimmt hätte der brennende Mietendeckel-Gegner Stefan Förster von der FDP, der die Debatte ebenso verpasst hat (werten wir mal wohlwollend als Patt). Förster allerdings war vermutlich unterwegs, um sich für die große Brexit-Party am Abend mit Devotionalien der Queen einzudecken – er ist nämlich offenbar großer Fan der Monarchie, und zwar nicht nur der britischen: „Wenn es jetzt schon verwerflich ist, Monarchist zu sein, dann setzen Sie sich doch aktiv für die Abschaffung der Königshäuser in zahlreichen europäischen Ländern ein“, schrieb Förster auf Twitter.
Und das kam so: Im Abgeordnetenhaus hatte er in einer Rede (beklatscht von der AfD) die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs verteidigt. Der Linken-Abgeordnete Michael Efler wies ihn anschließend auf Twitter darauf hin, Hindenburg sei „überzeugter Militarist und Monarchist“ gewesen, habe „Hitler zum Reichskanzler ernannt und die Auflösung des Reichstages unterschrieben etc. Eure Geschichtsdefizite sind echt zum Verzweifeln.“
Die Fraktion legte noch einmal nach und schrieb: „Hindenburg war eine Stütze der Weimarer Republik, stabilisierte auch das parlamentarische und demokratisch gewählte System. Auch wenn jemand wie er heute nicht mehr neu auf die Ehrenbürgerliste käme, rechtfertigt das nicht seine Streichung.“ Nach einem schönen Shitstorm hat die Fraktion den Tweet gelöscht und verbreitet: „Die deutsche Geschichte ist ein sensibles Thema. Wir haben uns nicht dementsprechend ausgedrückt. Hindenburgs historische Rolle ist differenziert zu betrachten. Diesem Anspruch ist unser Tweet nicht gerecht geworden. „Wir bitten das zu entschuldigen und haben den Tweet gelöscht.“ Gelöscht wurde im Übrigen auch die Ehrenbürgerschaft. Also Hindenburgs. Und wir merken uns (mal wieder): Erst denken, dann twittern.
Feuchter Baugrund, Denkmalschutz und dann auch noch Museumsgäste! Alles Gründe, die niemand kommen sehen konnte, folglich trifft diese Nachricht Berlin vollkommen überraschend: Die Kosten für die Sanierung des Pergamonmuseums haben sich nahezu verdreifacht. Das Bundesamt für Bauen und Raumordnung (BBR) stellte in diesem Zusammenhang auch endlich mal klar: „Die in Ausschreibungen benannten Zahlen vermitteln lediglich eine grobe Vorstellung zur Größenordnung eines Projekts und sind keineswegs mit den erst zu ermittelnden Kosten zu verwechseln.“ Geschätzte Größenordnung der Gesamtkosten, neuester Stand: 800 Millionen Euro.
Die Bundestagsverwaltung versteigert alte Rechner im 50-er Pack, Höchstgebot momentan 4.507 Euro (Stand 9:31 Uhr). Moment: Warum zahlt jemand so viel Geld für sieben Jahre alte Computer? Möglicherweise, weil man die Festplatten dazu bekommt. Für Rückfragen gern die Kollegen im Kammergericht kontaktieren.
Und falls Ihnen das alles zu schnell geht: Bis 14:00 Uhr verkloppt die Bundestags-Verwaltung insgesamt 600 PCs. Für einen Rechner, auf dem sich vielleicht noch Daten aus der Politik finden, zahlen Sie also nur knapp 77 Euro.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Berlin brennt wieder: Eineinhalb Jahre, nachdem die brennende Tonne vorm Roten Rathaus gelöscht wurde, hat sich nichts getan, sagen viele Feuerwehrleute. Deswegen haben sie nun erneut ein Video aufgenommen. Vorwarnung: Sie müssen das nicht gut finden – aber unterstützen sollten Sie es.
Zumindest der Zoo bleibt bisher von der Pandamie verschont, Zoodirektor Knieriem schob es erstmal aufs Wetter, an mangelnder Niedlichkeit des neuen Spitzenduos kann es jedenfalls nicht liegen.
Apropos Wetter. Das AGH hat die Klimanotlage offiziell anerkannt, verbunden mit einem Forderungskatalog, der aus 13 Punkten besteht (Details gibt es hier). Beschlossen wurde auch: „Mitglieder des Senats, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltungen und nachgeordneten Behörden, der landeseigenen Betriebe und von Mehrheitsbeteiligungen sowie Abgeordnete werden innerdeutsche Dienstreisen grundsätzlich mit der Bahn zurücklegen.“ (Drucksache 18/2236-1). Vielleicht will Müller auch deswegen aus Berlin fliehen – mit seinem Dienstwagen.
Darauf kann Sören Benn, Linker Bezirksbürgermeister in Pankow, nach eigener Aussage nicht verzichten. Seinem Bezirksamtsmitglieder sollen alle Dienstfahrräder bekommen, er selbst sei allerdings aufs Auto angewiesen, schreibt mein Kollege Christian Hönicke im Pankow-Newsletter. Zwar fahre er „wo immer möglich auch dienstlich“ mit seinem eigenen Rad. „Ein Fahrrad ersetzt bei meinem Aktionsradius, dem Arbeitspensum und der Terminlage aber keinen Dienstwagen. Es ergänzt ihn.“
Der Prozess um das Wohnprojekt Liebig 34 ist erneut verschoben worden: Der Anwalt der Besetzerinnen warf dem Richter Befangenheit vor, weil die Sprache im Prozess zu männlich sei. In der Nacht zuvor war das Auto des Hausbesitzer-Anwalts angegriffen und ein Kindersitz mit Buttersäure bespritzt worden. Einer der Richter wurde online für tot erklärt. Wie wohl die vielen prominenten Unterstützer der Aktion „Kein Haus weniger“ das finden?
Im Abgeordnetenhaus hängten Demonstrantinnen ein Plakat auf und warfen Konfetti in den Saal, weshalb die Sitzung mehr als eine halbe Stunde unterbrochen wurde – Es wurde gesaugt.
Letzte Meldung aus dem AGH: Der Abgeordnete Gunnar Lindemann (der am Wochenende beschädigte Gräber erfand) beschimpfte offenbar Innensenator Andreas Geisel als „Arschloch“ und „Lügensenator“, weshalb nach der Marathonsitzung um 22 Uhr noch der Ältestenrat zu dem Thema tagte. Es kommentiert Konfuzius: „Niveau ist keine Gesichtscreme“.
Die restliche niveaulose Tageszusammenfassung aus dem Lager der AfD erspare ich Ihnen an dieser Stelle.
„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, schrieb taz-Chefredakteur Georg Löwisch gestern an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ende April übernimmt er die „Christ & Welt“ in der „Zeit“ – viel Erfolg!
Die Polizei kocht, äh, fährt auch nur mit Wasser: Als erste Behörde Deutschlands testet die Direktion 2 zwei emissionsfreie Funkwagen, Modell Toyota Mirai, die mit Wasserstoff angetrieben werden. (Q: Berliner Zeitung)
Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Wenn Sie denken, die Verkehrswende zieht sich in dieser Stadt ein bisschen – Unsinn! In San Francisco haben die Leute 124 Jahre lang demonstriert. Und es hat sich gelohnt: Die Market Street ist nun endlich autofrei. In nur 122 Jahren könnte es also auf der Friedrichstraße auch so weit sein.
Wenn wir in Berlin eins können, dann warten...
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wenn auch das Ergebnis nicht befriedigend ist, man bekommt als Bürger immerhin prompte Antwort und Auskunft.“
Checkpoint-Leser Holger Schmale beschreibt die maximale Ausbeute beim Amtskontakt (in diesem Fall Ordnungsamt Steglitz-Zehlendorf). Innerhalb eines Tages erhielt er die Antwort, dass Tauben füttern in Berlin nicht verboten ist.
Tweet des Tages
Fahrgast: 'Sind Sie frei?' Taxifahrer: 'Nein, auch ich bin nur ein Sklave des Systems.'
Stadtleben
Neu in Mitte ist das Oukan Tea, das das Konzept des mittlerweile geschlossenen Macha-Macha aus Kreuzberg weiterführen will. Die japanische Teekultur wird in der Ackerstraße 144 zwischen Bonsaibäumen und Bambusverkleidung also gebührend zelebriert. Das hellgrüne Matcha-Pulver wird aber nicht nur aufgebrüht, sondern auch in Keksen und Kuchen verarbeitet (ja, grüne Kekse!). Wer mit einem größeren Loch im Bauch in das fernöstlich eingerichtete Teehaus kommt, hat die Wahl zwischen veganem Curry, Miso-Suppe, Umami Wraps mit Tempeh, Buchweizen und Gemüse sowie verschiedenen Onigiri-Reisrollen. Tägl. 12-18 Uhr, U-Bhf Rosenthaler Platz
Trinken – Am Brexit-Day muss niemand allein sein: Im The Castle in Friedrichshain, wo ansonsten unpolitisch Craft Beer und Gin serviert wird, lädt der Verein „British in Germany“ zum „Stammtisch für Europa“. Wer möchte, kann ein traditionelles Gericht aus einem der übrigen 27 EU-Staaten mitbringen – denn: Die europäische Vielfalt soll gefeiert werden! Frankfurter Tor 7, U-Bhf Frankfurter Tor, ab 20.15 Uhr
Last-Minute-Tickets – Kochen vorm Kollaps, so sieht die Trauerbewältigung des deutsch-britischen Kollektivs „Gob Squad“ im HAU Hebbel am Ufer aus. Die Performance „I Love you, Goodbye (The Brexit and Beyond Edition)“ dauert sechs Stunden (ab 19 Uhr), dabei wird auf der Bühne gekocht und über die Bedeutung von Heimat philosophiert. Wie verändert der Brexit den europäischen Traum? Schwere Kost, leicht dargereicht. Der Ein- und Auslass in der Stresemannstraße 29 ist übrigens jederzeit möglich – ein Gegenentwurf zur EU? Restkarten gibt’s an der Abendkasse.
Berlinbesuch den steten Wandel der Stadt näherbringen: Das Projekt des Schinkel Pavillons, „Disappearing Berlin“, holt Performances, Screenings und Live-Konzerte an Orte in Berlin, in denen Veränderungen bevorstehen. Sei es der Club, der schließt, oder das Café, das in den Nachbarkiez zieht. Nächste Station: Clärchens Ballhaus. Kurz vor der geplanten Sanierung darf Mohammed Bourouissa noch mal den Spiegelsaal mit Leben füllen. Zusammen mit befreundeten Künstlerinnen will er heute ab 20 Uhr einen Pfad von Berlin nach Beirut ziehen, gesponnen aus Filmstoff, Fotomaterial und Live-Musik. Das Ergebnis soll eine Collage aus den Sprachen und Identitäten der Künstler*innen werden. Der Eintritt ist frei. Auguststraße 24, U-Bhf Rosenthaler Platz
Geschenk – Für Kübra Gümüşay beginnt Rassismus mit „sprachlichem Handeln“. Sie selbst musste schon als 10-jähriges Mädchen Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung machen. Davon berichtet sie in ihrem am Montag erschienenen Langessay „Sprache und Sein“ (Hanser Berlin, 18 Euro) – doch nicht, ohne über diese reinen Erfahrungsberichte hinauszugehen. Gümüşay ist nicht nur Autorin, sondern auch Aktivistin. In ihrem Essay zeichnet sie die Utopie einer Sprache, die Minderheiten nicht diskriminiert. Ob das gelingt? Ein Geschenk, das für diskussionsreiche Gespräche sorgen könnte.
Ferientickets sichern – Auch wer zum Schulbeginn keinen Brief aus Hogwarts bekommen hat, darf in den Winterferien auf die Zauberschule gehen! Im FEZ-Zauberschloss wird ab Samstag der „Muggelschutzzauber“ aufgehoben, das heißt auf die ZauberschülerInnen warten Quidditch-Duelle, Professor O´Neill unterrichtet im Raum 350 die Dunklen Künste, Kräuterkunde steht natürlich auch auf dem Stundenplan und den Zaubertrankkurs sollte auch niemand schwänzen. Bis zum 9. Februar können Kinder und Jugendliche in der Straße zum FEZ 2 ihren „Harry Potter“-Traum leben – Tickets zu den leuchtenden Kinderaugen kosten 6 Euro.
Last-Minute-Verlosung – Er wird als der neue Josef Hader gehandelt. Dabei macht er doch Musik! Aber eben nicht nur: Jason Bartsch schreibt humorige Pop-Songs, macht aus seinen Konzerten groteske Slapstick-Shows und versucht sich an der Gratwanderung zwischen Klamauk und Emotion. Erfahrung hat der Lyriker und Moderator bereits auf etlichen Poetry-Slam-Bühnen gesammelt, geübt in Selbstironie muss er also sein, das will er um 20 Uhr im Bi Nuu im Schlesischen Tor ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Für dieses etwas andere Konzert verlosen wir 2x2 Karten (bis 12 Uhr) – wer will?
Noch hingehen ins Große Tropenhaus des Botanischen Gartens (Königin-Luise-Straße 6-8, U-Bhf Podbielskiallee), wo Sie bis Sonntag bei der 360°-Sound-Installation „Natur. Nach Humboldt“ erleben können. Der Eintritt kostet 6 Euro. Tägl. 9-19 Uhr
Maria Kotsev wünscht Ihnen einen entspannten Freitag!
Berlin heute
Verkehr – A100 / A111: Bevor die Rudolf-Wissell-Brücke neu- und das AD Funkturm umgebaut werden kann, müssen Baugrunduntersuchungen durchgeführt werden. Dafür wird in der Nacht zu Samstag von 22 bis 5 Uhr die A100 in Richtung Wedding zwischen Hohenzollerndamm und Jakob-Kaiser-Platz gesperrt. Im Anschluss (bis zum 10. Februar) wird die Autobahneinfahrt Kurfürstendamm, die Zu- und Abfahrt Spandauer Damm, ab dem 4. Februar der linke Fahrstreifen zwischen Ku’damm und dem AD Charlottenburg sowie auf der A 111 ein Fahrstreifen zwischen AD Charlottenburg und der AS Heckerdamm gesperrt.
Gesamte Innenstadt: Wegen eines Fahrradkorsos, der am Heinrichplatz in Kreuzberg beginnt, kommt es ab 20 Uhr bis Mitternacht zu kurzzeitigen Sperrungen.
Mercedes-Benz-Arena (Friedrichshain): Da die Eisbären gegen die Straubing Tigers spielen, kann es ab 18 Uhr zu Staus im Bereich Mühlenstraße, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke und Stralauer Allee kommen.
Wismarplatz (Friedrichshain): Wegen einer Demonstration (19-22 Uhr) kommt es zu Sperrungen auf der Route über die Grünberger Straße, Rüdersdorfer Straße, Warschauer, Boxhagener Straße und Sonntagstraße zum Annemirl-Bauer-Platz.
Max-Schmeling-Halle (Prenzlauer Berg): Weil Carolin Kebekus mit ihrem Programm „Pussy Nation“ auftritt, kommt es ab ca. 19 Uhr zu Staus es im BereichSchönhauser Allee, Gleimstraße und Eberswalder Straße.
Olympiastadion (Westend): Hertha gegen Schalke lässt ab ca. 19 Uhr den Verkehr rund um die Heer- und Reichsstraße stocken.
Alt-Biesdorf (Biesdorf): Nach der Sperrung eines Fahrstreifens stadtauswärts hinter der Kreuzung Blumberger Damm / Köpenicker Straße gibt’s dort ein paar Schlaglöcher weniger.
Demonstration – Fridays For Future protestieren von 12-14 Uhr mit 300 Teilnehmenden am Invalidenpark. „Gegen Autonome Waffensysteme“ heißt die Kundgebung, die der Facing Finance e.V. mit 30 Aktivisten vor der Russischen Botschaft Unter den Linden 63 abhält (11-11.20 Uhr). Am Platz der Republik fordern rund 30 Personen von 16-18 Uhr „Solidarität mit Israel“. Am Samstag protestieren etwa 75 Menschen ebenfalls vor der Russischen Botschaft von 13-15 Uhr unter dem Motto „Idlib under Fire“. Am Frankfurter Tor startet um 15 Uhr die Demo „in Gedenken an Maria – Solidarität mit Opfern von Polizeigewalt“ mit 50 Personen und verläuft über die Frankfurter Alle und Mainzer Straße zur Wedekindstraße 10 vor die dortige Polizeiwache. Und am Sonntag spricht sich das Pashtun Protection Movement mit 50 AnhängerInnen am Pariser Platz für „Menschenrechte in Pakistan“ aus (11.30-14 Uhr).
Gericht – Der als Clan-Chef geltende Arafat Abou-Chaker wehrt sich gegen eine vor einem Jahr ergangene Verurteilung. Damals waren zehn Monate Haft auf Bewährung wegen Bedrohung und Köperverletzung gegen den 43-Jährigen verhängt worden. Er soll einen Hausmeister attackiert haben. Gegen das Urteil legte der Clan-Chef Berufung ein (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 731).
Universität – Im Senatssaal der HU beginnt um 14 Uhr die dreitägige Konferenz „Marxism(s) in Art Historiography“. Der Eintritt ist frei. Unter den Linden 6, S/U-Bhf Friedrichstraße
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Helmut Baumann (81), Tänzer, Choreograf, Schauspieler und Musicalregisseur / Sebastian Baumgarten (51), Theaterregisseur und Intendant, u.a. Maxim Gorki und Komische Oper / Dr. Ulrich Brömmling (51), „Alles Liebe aus Mainz“ / Alfred Christmann, „(ehrenamtlicher) Vorsitzender der Berliner Symphoniker: Herzliche Glückwünsche und Dank für das über Jahre bewährte Engagement für dieses tradierte Berliner Orchester“ / Michael Degen (88), Schauspieler, Regisseur und Autor / Klaus-Jürgen Hintz (85), „Sprecher für Sport und Jugendhilfe der FDP-Fraktion in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf“ / Ulrich Khuon (69), Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters / Ramona Kühne (40), Profiboxerin / Jill Marowski (46), „ganz tolle Tochter“ / Helke Sander (83), Filmregisseurin, Schauspielerin und Autorin / Thomas Schadt (63), Dokumentarfilmregisseur, Kameramann und Fotograf / Vanessa Sommer (40), „Beste Tochter der Welt, alles Gute dein Papa!“ / Jenny Wolf (41), ehem. Eisschnellläuferin / Dr. Stephan Zapfe (64), „Leiter Carl-Zeiss-Oberschule und liebster Mann der Welt" / „Unserem Schwiegersohn in spee, Simon, jetzt endlich wieder an der Spree, allet Jute aus Mahlsdorf.“
Sonnabend – Paula Beer (25), Schauspielerin / „Zum 62.Geburtstag gute Sterne für Ingrid Fanta“ / Norbert Kesten (68) / Jakob Mattner (74), Maler und Bildhauer / Hans Werner Olm (65), Kabarettist, Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher / Christine Schorn (76), Schauspielerin / Birger Sellin (47), Schriftsteller / Michael Theis, „großer Segler und früherer Finanzchef der BSR Geburtstag.“ / „Meiner Lieblingstochter nur das Allerbeste zum 27., dein Hasenfuß!“
Sonntag – Monika Büning (45), „Kollegin und Freundin“ / Bürger Lars Dietrich (47), Entertainer / Catherine H. Flemming (53), Filmschauspielerin / Gisela d’Heureuse (75), „mit lieben Grüßen Desiree und Isabelle“ / Cynthia Micas (30), Schauspielerin / Daishawn Redan (19), Fußballer bei Hertha / Uwe Wesel (87), emerit. Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker an der FU
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Manfred Fiene, * 19. November 1949 / Ulrik Förster, * 21. Januar 1965 / Lore Kleiber, * 12. Juli 1951 / Christa Nippe
Stolperstein – Charlotte Kroner (Jhg. 1882) übernahm 1906 mit ihrem Ehemann Arthur Kroner (Jhg. 1874) den „Zauberkönig Berlin“ von ihrem Vater Josef Leichtmann. Er hatte das Zauberartikelgeschäft in der Friedrichstraße 55 in Mitte Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und führte damit eines der ältesten Spezialhäuser der Branche. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde das Geschäft jedoch „in arische Hände gelegt“, 1942 wurde Charlotte Kroner durch eine öffentliche Bekanntmachung im „Reichsanzeiger“ offiziell enteignet. Trotz der Isolierung und Entrechtung blieb sie mit ihrem Mann und ihrer ältesten Tochter Meta (Jhg. 1905) in Berlin. Jene wurde 1941 oder 1942 am Alexanderplatz verhaftet und ins Polizeigefängnis Lehrter Straße gebracht. Am 26. Februar 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Charlotte Kroner nahm sich heute vor 77 Jahren das Leben. Zwei Monate später tat Arthur Kroner es ihr gleich. Das Ehepaar liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin Weißensee begraben.
Encore
DHL-Botschaften für Fortgeschrittene: Meine Kollegin Madlen Haarbach hat ein Paket bekommen, beziehungsweise sie hat es noch nicht. Einer ihrer Nachbarn hat es angenommen, vielsagender Name: Briefkasten.
Kleiner Gruß an meine Nachbarn: Falls einer von euch ein Paket für mich angenommen hat, ich bin ab circa 19 Uhr zu Hause.
Morgen früh klingelt Sie hier Laura Hofmann aus dem Bett, ich wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!