Falls Sie vorhatten, quadratische Schokolade auf den Markt zu bringen - vergessen Sie’s: Der Bundesgerichtshof hat gerade das Markenrecht von „Ritter Sport“ bestätigt. Vielleicht versuchen Sie’s einfach mal mit neunzehneckigen Keksen, die sind noch frei (und wenn Sie fertig sind, schicken Sie gerne ein paar Probierexemplare vorbei.)
Einen super Service bieten die Standesämter Pankow, Mitte und Steglitz-Zehlendorf - Verlobte bekommen jetzt eine satte Probezeit spendiert. Im O-Ton liest sich das Angebot ohne Aufgebot so: „Aufgrund eines akuten Personalmangels sowie eines weiterhin hohen Krankenstandes kommt es zu erheblichen Wartezeiten bei der Terminvergabe für die Anmeldung einer Eheschließung oder Begründung einer Lebenspartnerschaft. Derzeit beträgt die Wartezeit für die Terminvergabe 3 bis 4 Monate. Wir empfehlen daher dringend, die Hochzeitsplanung erst dann vorzunehmen, wenn die Anmeldung erfolgt ist.“
Pssst!… wir präsentieren hier jetzt mal die Original-Liste der „momentanen Produktpalette von Werbemitteln“, die der Verfassungsschutz neben seinen V-Leuten so führt (mit Echtheitszertifikat des Bundestags), schön aufgeschlüsselt nach den Abteilungen:
1) Bereich „Personalgewinnung“: Kugelschreiber, Turnbeutel aus Baumwolle,Schraubendreher-Stift mit Licht, Schlüsselanhänger, Collegeblöcke, Hardcoverbox mit Klebezetteln, Textmarker und Gesetzestext-Taschen.
2) Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“: Kaffeebecher, Schreibsets, Ausweis-Jojos und Basecaps.
3) Bereich „Geheim- und Sabotageabwehr“: Kugelschreiber Reise, Kugelschreiber VS, Lentikular (3D-Effekt-Bild), Mappe „Social Engineering", Pfefferminzdose „Social Engineering", Pfefferminzdose „Abgehört“, 3-Monats-Jahreskalender 2018 „VS“ und Notizwürfel.
4) Bereich „Wirtschaftsschutz“: Pfefferminzdosen, Cashewnüsse, Swiss Card, Kugelschreiber Lamy „Prävention durch Dialog und Information“ und Schlüsselwiederfinder.
Die Kosten sind übrigens „im geheimen Wirtschaftsplan veranschlagt“, und nein: Die Einführung eines Schlapphutes ist nicht geplant - aber vielleicht genehmigt die Jamaika-Koalition ja ein schwarz-grün-gelbes Rastafa-Mützchen. (Q: Anfrage der „Linken“).
Das Toilettenkonzept des Senats spült immer neue Kuriositäten zu Tage - so hat die Verwaltung eine „Lebenszykluskostenanalyse über 45 Jahre“ angestellt, das Ergebnis: „Kaum ökonomische Vorteile von Trockentoiletten gegenüber vollautomatischen City-Toiletten“, weil diese „mit 10 Jahren eine deutlich kürzere Lebensdauer haben“ (V-Toiletten „mindestens 20 Jahre“). Ok, und jetzt wird’s kompliziert: T-Toiletten kosten nur „ein Sechstel bis ein Zehntel“ von V-Toiletten, aber die Höhe der jährlichen Betriebskosten „unterscheidet sich kaum“. So, und jetzt sind Sie dran (falls Sie gerade keine anderen Probleme haben): Bekommen Sie raus, wie sich das rechnet, bevor Gras über die Sache gewachsen ist? (Q: Anfrage MdA Georg Kössler).
Die „FAZ“ meint: „Um zu begreifen, dass Berlin viele ziemlich komische Vögel beheimatet, braucht der öffentlich-rechtliche Fernsehzuschauer nicht auf die Ausstrahlung einer von seinen Zwangsgebühren finanzierten, aber zunächst nur medialen Privatpatienten zugänglichen Fernsehserie über die röhrenden Zwanziger zu warten. Ein Gang durch den babylonisch versifften Tiergarten oder die Lektüre der Seite 3 („Wut im Park“ von Mona Jaeger) reichen aus.“ Tja, liebe Kollegen, niedlicher (aber natürlich vergeblicher) Versuch, vom Frankfurter Bahnhofsviertel abzulenken - „Babylon Berlin“ sollten Sie sich dennoch mal ansehen. Gedreht wurden einige Szenen der Serie übrigens im Stummfilm-Lichtspielhaus „Delphi“ (Weißensee), einem der schönsten und ältesten Kinos der Stadt. Nach einem Einbruch ist es allerdings in seiner Existenz bedroht - und deshalb gibt es jetzt eine Kampagne auf Startnext zur Rettung. Ein Portrait der Delphi-Betreiber finden Sie hier.
Oha, Post von Gegenbauers „Velo-Max“-GmbH: „Sehr geehrter Herr Maroldt, die zerplatzten Berliner Olympiaträume wurden zum Glücksfall für die Stadt und ihre Bewohner…“ - fängt ja schon mal gut an. Für die Jüngeren unter uns: Es geht nicht um die Bewerbung für die Spiele 2024, sondern um die für 2000, zerplatzt 1993. Damals wurden, in sicherer Erwartung des Zuschlags (der Senat dachte da noch, das IOC ließe sich mehr von der Mauerfallsymbolik beeindrucken als von Schmiergeld), die Seelenbinder- und die Max-Schmeling-Halle gebaut. Seit mehr als 20 Jahren sind sie jetzt am Start, und zur Feier hat die „Velo-Max“ eine schöne Chronik herausgegeben, u.a. mit einem „Bier-Ranking“: Bei welchen Konzerten wurde am meisten getrunken? Hier die Top Five: 1. Paul Kalkbrenner, 2. Die Toten Hosen, 3. Broilers, 4. Beatsteaks, 5. Motörhead.
Neues aus der Abteilung „Menschen helfen“: Die gleichnamige Tagesspiegel-Spendenaktion ist beim Unternehmenswettbewerb „Engagiert in Berlin“ vom Regierenden Bürgermeister mit dem zweiten Preis ausgezeichnet worden. Auch mit der erstplatzierten Initiative „Nachtschicht“ verbindet uns eine gemeinsame Geschichte: Wir unterstützen das Projekt von Beginn an als Medienpartner. PS: Für unsere diesjährige Aktion nehmen wir noch bis morgen Bewerbungen sozialer Initiativen entgegen (mehr Infos dazu hier). Und auch die „Bürgerstiftung Berlin“ hat einen Anlass, sich zu freuen: Beim diesjährigen „Art Dinner“ in den Bolle-Festsälen kamen bei der Auktion 118.000 Euro für die 11 Projekte zur Unterstützung benachteiligter Kinder zusammen. Kleiner Höhepunkt zum Schluss: Die Versteigerung einer privaten Dichterlesung mit Wolfgang Thierse brachte alleine 6500 Euro ein.
Telegramm
Alle Branchen in der Stadt klagen über Fachkräftemangel, und auch professionelle Geldeintreiber sind knapp: „Berlin verzichtet auf Milliarden“, titelt heute die „Berliner Zeitung - das Problem ist seit Jahren bekannt, aber es gibt bis heute weder ein einheitliches Verfahren, noch eine einheitliche Software und selbstverständlich erst recht keinen Überblick. Die Finanzverwaltung weiß nicht einmal, wie viele Mitarbeiter mit dem Eintreiben von Forderungen beschäftigt sind.
Neuer Plan des Senats gegen die Wohnungsnot: Das Zweckentfremdungsverbot wird verschärft, die private Ferienvermietung der eigenen Wohnung aber erleichtert - bis zu 60 Tage im Jahr könnten demnächst drin sein. Allerdings ist auch dafür eine Registrierung beim Amt erforderlich - geschätzte Wartezeit (CP-Hochrechnung): Ebenfalls 60 Tage.
„Berliner Polizisten könnten künftig kleiner werden“ klingt ja auch mal wieder nach einer schönen Überschrift - gemeint ist: Der Europäische Gerichtshof bezweifelt, dass Beamtinnen und Beamte eine Mindestgröße brauchen, um ihren Dienst zu versehen. Tatsächlich dürften es Polizisten unter 165 (m) bzw. 162 (w) sogar leichter haben, in ihre berlintypischen Kleinststreifenwagen zu krabbeln.
Auf die Eltern des Mädchens (14), das im Schloss-Straßen-Center (Steglitz) als Mutprobe einen Bombenalarm ausgelöst hatte (CP von gestern), könnte jetzt eine Kostenexplosion zukommen: Die Polizei prüft gerade, ob sie für den Einsatz zahlen müssen.
Den heutigen Beitrag aus der Rubrik „Berlin, aber Schnauze“ präsentiert Ihnen die Schlemmerabteilung des KaDeWe: Checkpoint-Leser S. möchte ein teures italienisches Salami-Gebinde mit Walnuss als Geschenk erwerben und erbittet eine kleine Kostprobe, als Antwort kommt über die Theke: „Wieso, Sie woll’n dit doch eh verschenken.“ Wir lernen: Trotz aller Eigentümerwechsel (z.Zt. regiert hier die Central Group, Thailand) hat sich im 6. Stock unseres Luxustempels erfolgreich eine gewisse Wurstigkeit verschanzt.
Jeden Morgen die gleiche Frage: „Ist die Straße des 17. Juni gesperrt?“ Berlin-Kenner und Checkpoint-Leser wissen: Die Chancen stehen 50:50. Aber jetzt gibt es eine sehr praktische Website, die auf einen Klick eine schnelle Antwort gibt - zur Zeit lautet sie „Nein“.
Der heutige Service-Tipp: Es ist keine gute Idee, eine 500-Kilo-Rüttelplatte mit Motor zu klauen, ohne zuvor den Chip zu entfernen. Und wie kommen wir drauf? Ein solches Monstergerät war gerade in der Semmelweisstraße (Treptow) von einer Baustelle verschwunden und wurde am nächsten Tag über den Umweg Weltall von den Ermittlern per Satellit am Hohenzollerndamm geortet. Da waren die drei Täter weder gerührt, noch geschüttelt, sondern einfach nur platt (und kurz darauf verhaftet).
Der „Stern“ versucht, Social-Media-Redakteure nach Hamburg zu lotsen und zieht alle Register - bestes Argument der Stellenausschreibung: „Vermeide lange Schlangen in der Postfiliale - bestelle Deine Pakete einfach ins Büro.“ Hm, deswegen an die Elbe ziehen? Es kommentiert Dirk von Lowtzow von der Hamburger Band Tocotronic: „Aber hier leben, nein danke!“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ein funktionierendes Rechtssystem ist in Berlin nicht mehr vorhanden.“
Oberstaatsanwalt Ralph Knispel, Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Staatsanwälte, beklagt einen eklatanten Personalmangel in der Justiz. Die Folge: Tausende Verfahren müssten eingestellt werden. Der Senat bestreitet das: In Berlin gebe es 626 Eingänge pro Staatsanwalt, im Bundesdurchschnitt 842. (Q: „Abendschau“).
Tweet des Tages
„Tempo-30-Zone Winterfeldtstraße ist auch eher so eine Art Serviervorschlag.“
Stadtleben
Neu in Mitte ist Dominic Bruckmann (ehem. Bar Tausend) in der Bonbon Bar auf der Torstraße 133 (U-Bhf Rosenthaler Platz). Der Barchef mit Hut und Pfeife will nichts weniger, als die Zukunft der Berliner Barkultur retten, denn der fehle es, so verriet er dem Barmagazin Mixology, an Gastfreundlichkeit: „Was soll ich mit einer Bar, in der ich zwar einen hervorragenden Drink bekommen, auf den ich allerdings zwanzig Minuten warten muss, während ich dem Barchef beim Champagnertrinken zusehe“. Interessant, dass er sein Konzept ausgerechnet in Mitte ausprobiert, aber das fragen Sie ihn am besten selbst bei einem Gin Tonic mit Slipsmith (9 Euro). Di-Sa 19-3 Uhr.
In Zeiten, wo jeder geplante Mastbetrieb eine Diskussion über die Verwerflichkeit von Massentierhaltung provoziert, mutet es seltsam an, dass ein Zentralviehhof in der Stadt einst als Verbesserung der Fleischversorgung begrüßt wurde. Rudolf Virchow persönlich setzte sich im 19. Jahrhundert dafür ein, dass zwischen Strokower Straße und Landsberger Allee ein Vieh- und Schlachthof errichtet wurde, um der wachsenden Bevölkerung eine stabile Ernährungsgrundlage zu schaffen. Das Areal lag lange brach, nachdem 1991 das letzte (Ost-)Schwein geschlachtet wurde - was blieb, sind die Szenen aus Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, wo das tägliche Schlachten als Metapher für die industrialisierte Großstadt beschrieben wird. Wer mehr über das Gelände erfahren möchte: Das Museum Pankow bietet auf Anfrage Fahrradführungen und Spaziergänge für Gruppen an (ca. 2 Stunden, Kosten ca. 10 Euro p.P.). Infos und Buchung unter 0178-8384038 oder zentralviehhof@gmail.com.