dieser Blindgänger hat die Stadt am Dienstag kalt erwischt: Stralauer, Spandauer und Grunerstraße gesperrt, Bahnhof Alexanderplatz dicht, Fernsehturm geschlossen, gut 1000 Wohnungen vom Nikolaiviertel bis zur Jannowitzbrücke evakuiert, Rotes Rathaus geräumt. Dort fiel wegen der Entschärfung der 250-Kilo-Weltkriegsbombe ausgerechnet die Präsentation der DVD-Doku „Don’t call it Heimweh“ über das Leben der Berliner Ehrenbürgerin Margot Friedländer aus. Die 98-Jährige, die den Holocaust überlebt hat, wollte an der Präsentation teilnehmen. So dramatisch kann Geschichte plötzlich werden. Glücklicherweise endete der lange Abend gut: Um 0:13 Uhr meldete die Polizei die erfolgreiche Entschärfung – und dankte ebenso wie die Feuerwehr allen Beteiligten für ihre gute (Zusammen-)Arbeit. Wenn’s drauf ankommt, funktioniert Berlin dann doch.
Wie kann es sein, dass eine 35-Jährige sich an einem schönen Januarsonntag aufs Rennrad schwingt und nie wiederkommt, weil ein Bus sie überfährt? Die verbindliche Antwort auf diese Frage wird irgendwann ein Gericht geben. Aber die Brutalität des Unglücks vom Sonntag und die scheinbar unproblematischen Rahmenbedingungen – BVG-Bus biegt bei guten Sichtverhältnissen an überschaubarer Kreuzung rechts ab – machen es schwer, darauf zu warten. Nach CP-Informationen wurde an der Kreuzung in Johannisthal in den vergangenen drei Jahren ein Autofahrer schwer verletzt, vier Mal gab es Sachschaden. Das reicht fürs Prädikat „unauffällig“. Womöglich resultierte der tödliche Crash einfach aus dem tragischen Zusammentreffen einer schnellen Radfahrerin und eines unaufmerksamen Busfahrers mit dem trügerisch wohligen Gefühl, die Straßen am Sonntagmittag fast für sich allein zu haben.
„Dieser Unfall hat ein Beben im Unternehmen ausgelöst“, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken. Weil das Fahrpersonal der BVG täglich mehr als 100.000 Buskilometer unter oft schwierigeren Bedingungen absolviert und seit vielen Jahren keinen derart schweren Unfall verursacht hat. Aber auch, weil der nagelneue Bus einen von Nelken so genannten „Abbiegeassistenten“ an Bord hat: Der rechte Blinker aktiviert eine Kamera über der vorderen Tür, deren Bild dem Fahrer angezeigt wird. Eine Sonderanfertigung für die BVG, sagt Nelken. Keine Hilfe für den Fahrer, sondern ein Beitrag zu seiner Überforderung, kontert der Unfallforscher Siegfried Brockmann. Er hielte ein System mit Warnung – Blinklicht am Türholm und Vibration im Fahrersitz – für sinnvoller. Nelken sagt: „Die Systeme, die es bisher gibt, reagieren für unseren Großstadtverkehr zu empfindlich.“ Aber ist ein Menschenleben nicht tausend Fehlalarme wert?
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Um vom Mietendeckel zu profitieren, sollen Berliner Mieter ihren Vermietern selbst eins auf den Deckel geben: Anders als ursprünglich geplant sollen die Preisgrenzen nicht von Amts wegen durchgesetzt werden, sondern von den jeweils Betroffenen – wenn auch mit Unterstützung durchs Bezirksamt. Es ist eine der Präzisierungen, die die Koalition am Dienstag in ihr Gesetz geschrieben hat, damit es juristisch solider wird. Heute soll der Stadtentwicklungsausschuss darüber beraten – zum Ärger der Opposition, die nur ein paar Stunden Zeit hatte, sich mit dem aktuellsten Stand des Mietendeckels inhaltlich auseinanderzusetzen. Sofern sie das überhaupt vorhatte.
Der Fall Florian Schmidt beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch die CP-Leserschaft. Schmidt soll Akten zur Causa „Diese eG“ manipuliert haben, um zu verhindern, dass Opposition und ein Tagesspiegel-Journalist Informationen bekommen. Doch die Leser beurteilen Schmidts Verhalten ganz unterschiedlich – zwei Beispiele für die inhaltliche Spannbreite: Volker D. schreibt, dass Schmidts Vorgesetzte angesichts der Schwere der Vorwürfe wohl verpflichtet wäre, ein Disziplinarverfahren gegen ihn einzuleiten – was Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) anders sieht.
Dagegen wirft Ulrike U. dem Tsp und dem CP vor, einen Ausnahmepolitiker zu kriminalisieren, „der sich mit aller Kraft gegen den Ausverkauf der Berliner Innenstadt wendet und versucht, den Menschen ihre Wohnungen in ihrem vertrauten Umfeld zu retten“. Die lokale FDP hat indessen einen bis 2017 zurückreichenden Fall ausgebuddelt, in dem Schmidt trotz mehrmaliger Erinnerung bis heute keine vollständige Akteneinsicht gewährt habe. Die FDP-Politiker Marlene und Michael Heihsel und der CDU-Politiker Timur Husein haben nach eigenen Angaben inzwischen eine Strafanzeige gegen Florian Schmidt eingereicht – wegen Urkundenfälschung und Urkundenunterdrückung.

Während der Regiermeister an seiner Präsentation für die IAA-Bewerbung feilt, verkündet die Verkehrssenatorin die nächsten Deadlines: 2030 soll die City für Verbrenner gesperrt werden, 2035 die gesamte Stadt (CP-Leser wussten’s ja als Erste schon Montagfrüh). Die Koalitionspartner finden das Vorhaben richtig, aber den Zeitplan angesichts der suboptimalen Alternativen zu ambitioniert, die vom RBB (zweckmäßigerweise an einer Tankstelle befragten) Bürger bekloppt. FDP-Chef Sebastian Czaja war so echauffiert, dass er sich in seinem Statement mehrfach vertippte: Statt der Verbote müssten der ÖPNV ausgebaut und „eine bessere städtebaulichen Durchlüftung vorangerieben werden“. Wenn ich die 90er-Jahre-Mühlen sehe, mit denen das Bezirksamt meines Vertrauens bis heute durch die Gegend dieselt, fürchte ich, dass noch ein paar andere Dinge vorangerieben werden müssten. Verschwörungstheoretisch hat auch die Anmerkung eines CP-Lesers, dass Tesla gerade den Giga-Kaufvertrag unterschrieben hat, ihren Reiz.
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Benefizkonzert mit Daniel Barenboim, Thomas Quasthoff und der Staatskapelle Berlin am 27. Januar um 19 Uhr in der Staatsoper Unter den Linden anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Mit Werken von Ludwig van Beethoven und Arnold Schönberg. Der Erlös kommt der Stiftung Auschwitz-Birkenau zugute.
staatskapelle-berlin.de
Die… die, die … ähm … die Juristinnen und Juristen der 27. Kammer des Landgerichts haben noch mal über ihre Entscheidung vom September zum Gepöbel gegen Renate Künast geschlafen – und sechs von 22 Facebook-Kommentaren nun doch für strafbar befunden. „Stück Scheiße“ ist nun verboten, aber „alte perverse Drecksau“ und „der wurde in den Kopf geschissen“ bleiben als Meinungsäußerungen zulässig. Danke, hohes Gericht, für dieses grandiose Signal in Zeiten, in denen Staatsverächter Todeslisten führen und demokratisch gewählte Volksvertreter zurücktreten, weil sie nicht die nächsten sein wollen, bei denen den auf die rhetorische Vorbereitung via Social Media die reale Attacke folgt.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Mit dem Ehrenzeichen für Polizei und Feuerwehr ehrt der Innensenator regelmäßig besonders engagierte Beamte. Dienstag war es wieder soweit. Unter den rund 240 Ausgezeichneten ist auch der Polizeiangestellte Alexander S., der in den asozialen Medien rassistisch pöbelt und zu Selbstjustiz aufruft. Schwer vorstellbar, dass so einer ein besonders guter Polizist ist – und bitter für die vielen wirklich besonders guten Polizisten.
40 Minuten brauchte die Diesellok der DDR-Reichsbahn, die heute vor 30 Jahren um 5.29 Uhr von Potsdam nach Wannsee startete; die Hälfte der Zeit ging für die Grenzkontrolle in Griebnitzsee drauf. Danach fuhren die Züge im Stundentakt über die wiederbelebte Strecke, die längst die wichtigste zwischen Berlin und Brandenburg geworden ist.
Offiziell heißt die Veranstaltung von BVV und Heimatverein am kommenden Samstag auf dem Marzahner Parkfriedhof „stilles Gedenken“ für die Opfer des NS-Terrors, aber es wird wohl mindestens so aggressiv zugehen wie im vergangenen Jahr – weil die „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ gegen die Teilnahme der AfD mit ihren Höcke-Gauland-Fliegenschiss-Parolen protestieren will.
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Meine Kollegin Sigrid Kneist hat ihren Bezirksnewsletter für Tempelhof-Schöneberg in dieser Woche ganz dem Holocaust-Gedenken gewidmet. Nach der Lektüre bleibt die bedrückende Erkenntnis, dass die Verbrechen zwar eine Weile her, aber nicht weit weg sind. Genauer gesagt: Sie geschahen auch hier, mitten in den Berliner Kiezen, in denen unsereins heute ganz komfortabel und ohne Todesangst wohnt.
Neues aus der Pisa-Weltmetropole Berlin: 3+3=5. Steht so auf der Seite der Bildungsverwaltung, auf der die Berechnung der Durchschnittsnote zum Ende der Grundschulzeit erklärt wird (via CP-Leserin Sonja S.). Aber ist ja fast richtig – und gilt auch nur die Sport-Zensur.
„Was wäre diese Stadt ohne Berlin?“, hat Klaus Lederer wohl in seiner Eigenschaft als Kultursenator auf Twitter gefragt.
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Was wäre diese Stadt ohne Berlin?
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Auf diese scheinbar alberne Frage hat er einige interessante Antworten bekommen: Cölln / bedeutend ruhiger / Kreuzberg / Hannover ohne Meth / Charlottenburg / Hä? / Speckgürtel ohne Speck / Groß-Schöneberg / sauber, sicher und besser gebildet / Bielefeld / ein grenzenloses Wir statt ein ausgeufertes Ich / ein steriles Soziallabor ohne Berliner Schnauze. Das lassen wir mal so stehen.
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Diskutieren Sie unter anderem mit Mirjam Mann, ACHSE e. V., und Prof. Dr. Steffen Augsberg, Deutscher Ethikrat, beim Tagesspiegel Fachforum Gesundheit „Seltene Erkrankungen: Empowerment der kleinen Zahlen“ am 13. Februar. Es geht um Patientenpartizipation, Datenspenden und die europäische Perspektive. Jetzt noch anmelden!
Mega!, sagen und twittern heutzutage nicht nur die jungen Leute, wenn sie sich freuen, sondern auch CDU-Fraktionssprecher, wenn eine Rede ihres Vorsitzenden Burkard Dregger (CP von gestern et al) auf Facebook mehr als 170.000 Leute erreicht hat. Wer wissen will, wie viele der „Erreichten“ die Rede auch angeklickt haben, ziehe einfach 110.000 ab.
In der gentrifizierungsbedrohten Landesgeschäftsstelle der CDU war gestern Abend Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek zu Gast, um mit CDU-Landeschef Kai Wegner über „Berlin 2030“ zu sprechen. „Eigentlich hatte ich mir gesagt, ich gehe nicht mehr als Quotenfrau auf ein All-Male-Panel“, lästerte Kapek, „aber dann käme ich mit der CDU gar nicht mehr ins Gespräch“. Nach Schwarz-Grün 2021 sah der Abend nicht aus, aber immerhin haben sie miteinander geredet.
Interessante Neuerscheinung am umkämpften Gendersternenhimmel: Das Fachmagazin „Journalist“ erscheint ab sofort auch als „Journalistin“: Jeweils die Hälfte der Auflage wird mit einer der beiden Titelzeilen gedruckt. Ansonsten sind die Hefte identisch; eine Version der aktuellen Ausgabe ohne Kai Diekmann auf dem Titel ist also nicht erhältlich.
Die Paul-Lincke-Grundschule in Prenzlauer Berg sucht immer noch eine/n Konrektor/in. Es handelt sich um die „Wiederholung der bereits in den Amtsblättern Nr. 37 vom 14.9.2018 und 31 vom 26.7.2019 veröffentlichten Stellenausschreibung“. Hat es mit Problemeltern zu tun, dass die Suche so mühsam ist?
Die Flughafengesellschaft hat eine Ingenieursstelle für Facility Management ausgeschrieben und in Klammern dahinter: Befeuerungstechnik. Hatten die nicht gerade noch Probleme mit der Entrauchung? Und gibt’s am BER echt keine Zentralheizung?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich bitte um Einreichung per Post, da auf Grund einer Haushaltssperre bezüglich Büromaterial (Druckerpatronen) die per Mail eingereichten Nachweise nicht mehr bzw. nur sehr eingeschränkt ausgedruckt werden können. Ich bitte um Verständnis.“
Die Elterngeldstelle Tempelhof-Schöneberg in einer Mail an CP-Leserin Jenny F., die schreibt: „Ich überlege, nach dem Druckermodell zu fragen und gleich etwas Papier und eine neue Patrone mitzuschicken.“
Tweet des Tages
Neulich im Zug von Zürich nach Stuttgart kurz nach dem Einsteigen. Fahrgast: „Hat es durchgängig Internet?“ Zugbegleiter: „Wir fahren durch Deutschland. Da können Sie froh sein, wenn es überall Gleise hat.
Stadtleben
Essen und Trinken – „Achtung, Elch“, warnt ein Schild vor dem Restaurant. Und alle Achtung gebührt dem Elch auch, der da drin wartet, im Munch’s Hus. Serviert wird der Braten in karamellisierter Ziegenkäse-Wacholdersauce mit Kartoffel, Petersilienwurzelpüree, Maronen und Preiselbeeren. Das norwegische Restaurant in Schöneberg reklamiert für sich, das einzige seiner Art in Deutschland zu sein. Und da die Temperaturen sich gerade nicht allzu weit vom Gefrierpunkt entfernen, kann es sicherlich nicht schaden, zu gucken, was die da im Norden sonst auf den Tellern haben. Etwa ein Filet vom Leng, einem Fisch, der bis zu 1000 Meter tief taucht. Oder Får i Kål – ein traditionelles Gericht aus Lamm, Weißkohl und Kartoffeln. Dazu, danach, dazwischen, darf natürlich der Spiritus nicht fehlen – wärmt ja von Innen. Bis zu 20 verschiedene Sorten Aquavit können die Gäste bei Koch und Inhaber Kenneth Gjerrud probieren. So teuer wie in Norwegen ist der Alkohol hier zum Glück aber nicht. Bülowstraße 66, U-Bhf Bülowstraße, täglich ab 12 geöffnet
Berlinbesuch – Berlin pflegt ja seinen Underground-Status gern. Meistens in Clubs oder bei illegalen Raves. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit, den Berliner Untergrund zu erkunden – zum Beispiel bei einer Führung durch den ersten U-Bahntunnel Deutschlands. Und der ist im Wedding. Gegraben wurde er 1897, weil zwei Standorte der Allgemeinen Elektrischen Gesellschaft – AEG – miteinander verbunden werden sollten. Organisiert wird das Ganze vom Verein Berliner Unterwelten. Neben der Besichtigung des Tunnels, in dem auch schon für die Serie Babylon Berlin gedreht wurde, wird über die Geschichte des Geländes und der Firma informiert. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Freitag, Treffpunkt ist die Voltastraße 5-6, Tickets kosten 16,20 Euro. Kleiner Tipp: Spontan freiwerdende Restkarten werden am Tag der Tour im Ticketshop des Vereins am Bahnhof Gesundbrunnen verkauft.
Geschenk – Sie sind knallgelb, türkisblau oder tiefrot und heißen alle „Steglitz“. Die Firma JT Berlin stellt Handyhüllen und Accessoires her und benennt sie nach Teilen der Stadt – ein Modell in verschiedenen Farbe eben nach dem Südwesten. Da ist aber auch etwa „JT Pankow Soft“ oder „BackCase Kreuzberg“. Außerdem gibt es das „Kartenentui Tegel cognac“ und den glänzenden, persönlichen Favoriten: den „JT Berlin Turnbeutel gold“. Schicker Schimmer schadet selten.
Last-Minute-Ticket – Zum Plot: Lea ist nicht überzeugt von der neuen Wohnung, in die sie mit ihren Kindern gezogen ist. Adlershof gegen Prenzlauer Berg getauscht, einen schönen Neubau, gegen eine Altbauwohnung mit Ungeheuern. Und dann, ja dann fällt auch noch die Mauer. In ihrem neuen Buch „Hufeland Ecke Bötzow“ erzählt Lea Streisand von ihrer Kindheit im Kiez, von einer kleinen Welt und der großen Geschichte drum herum. Die Autorin liest am heutigen Mittwoch daraus vor – und zwar ab 20 Uhr in der Bezirkszentralbibliothek in Tempelhof-Schöneberg im Eva-Maria-Buch-Haus. Der Eintritt ist frei, es gibt aber was zu gewinnen. Wir verlosen eine signierte Ausgabe von „Hufeland Ecke Bötzow“, die direkt bei der Lesung abgeholt werden kann. Götzstraße 8-12, U-Bhf Alt-Tempelhof
Noch Hingehen – Der Iran beherrscht das Jetzt. Nachrichten von Bomben, Abstürzen, Krisen. Und während all dem Trubel, ist im Pergamonmuseum eine Schale zu sehen, die auch etwas mit dem Iran zu tun hat. In ihr liegen Weintrauben, dunkelrot, grüne Äpfel, eine Orange und eine Handgranate. Es ist ein Foto von Shadi Ghadirian. Auf einem anderen Bild ist eine Frau zu sehen. Weißes Kopftuch, Boom-Box auf der Schulter, herausfordernder Blick. Die Bilder sind Teil der Ausstellung „Capturing Iran’s Past“. Vier Fotokünstler setzen sich hier mit der Frage auseinander, wie die Vergangenheit die Moderne bedingt – was hat das damals mit dem heute zu tun? Noch bis zum 26. Januar sind ihre Werke zu sehen. Am Kupfergraben 5, S-Bhf Hackescher Markt, Mo-Mi 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr. Eintritt 19/9,50 Euro
Mit diesem Stadtleben wünscht Melanie Berger Ihnen einen wunderbaren Mittwoch!
Berlin heute
Verkehr – Bartningallee (Moabit): Von 6-18 Uhr ist die Straße in beiden Richtungen zwischen Flensburger Straße und Altonaer Straße für Autos gesperrt.
Prenzlauer Promenade (Heinersdorf): Zwischen 11.30 und 14 Uhr ist die Fahrbahn in Höhe Heinersdorfer Brücke jeweils auf zwei Fahrstreifen verengt.
Demonstration – In der Karl-Marx-Straße 83 findet die Kundgebung „#SOS Safe our Spaces“ statt ( 15.30-19.30 Uhr, ca. 500 Teilnehmer). In Pankow, an der Ecke Arkona Straße/ Borkumstraße findet eine Versammlung zum „International Day of Trans Prisoner Solidarity“ statt. Angemeldet sind 50 Teilnehmer, die Kundgebung dauert von 17 bis 19 Uhr. Die Aktivisten von Anonymous for the Voiceless protestieren von 17.45 bis 20 Uhr vor die Wilmersdorfer Arcaden mit einer „Videoaktion zur Aufklärung über die Tierindustrie“. 15 Teilnehmer werden erwartet.
Gericht – Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der vor mehr als 13 Jahren verschwundenen Georgine Krüger geht weiter. Ali K. (44) soll die damals 14-Jährige vergewaltigt und umgebracht haben. Die Leiche wurde nie gefunden (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537). Und weil er sich laut Anklage im „Darknet“ eine scharfe Schusswaffe besorgen wollte, muss sich ein 28-Jähriger verantworten. Der Account wurde jedoch von verdeckten Ermittlern der australischen Polizei betrieben (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 501).
Universität – Wer nicht denken will, fliegt raus. Guter Satz. Außerdem der Titel einer Ringvorlesung, die mehrere Berliner Unis gemeinsam organisiert haben. Ziel ist es, sich selbst zu hinterfragen, interdisziplinär zu denken und Wege zu finden, die das kritische Denken fördern. Heute steht der Vortrag von Shabnam Mousavi auf dem Programm. Titel: Lost and Found Emotions in Economics. 18-20 Uhr, freier Eintritt, UdK Berlin, Hardenbergstraße 23, S/U-Bhf Zoologischer Garten, Hauptgebäude, Raum HAR 10
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Marianne Birthler (72), ehem. Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen / Gabi Bodin (69), „beste Mama, Schwiema und Oma ever“ / „Alles Gute zum Geburtstag liebe Claudia, A&A vom Lietzensee“ / Manfred Dinzel-Graef (68), „Alles Liebe zum Geburtstag von Robin und Anne“ / Stephan Erfurt, Gründer von C/O Berlin. „Alles Liebe von dem gesamten Team!“ / Anja Freese-Binder (55), Schauspielerin / Manfred Gentz (78), Präsident der Internationalen Handelskammer (ICC), ehem. Vizepräsident der Berliner IHK / Katharina Löwel, aka Kitty Kat (38), Rapperin / Philipp „Phil“ Magalski (46), ehem. Mitglied des AGH für die Grünen / Irene Prytula (61), „die gute Seele der Sybelstrasse“ / Fenja Rühl (57), Schauspielerin / Hermine Schuster (70), „Allet Jute zum Jeburtstag, viel Jesundheit wünschen Dir Reinhilde und Hans-Jürgen“ / Werner Gustav Schulz (70), ehem. Mitglied des Bundestages und des Europäischen Parlaments für die Grünen / Angela Winkler (76), Schauspielerin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Gisbert Eckmiller, * 9. Mai 1939 / Roswitha Gehrmann, * 9. Januar 1939 / Sylvia Hanft, * 21. Juni 1955 / Ralf-Peter Lietzau / In memoriam: Konrad Bussemer, * 20. Januar 1940
Stolperstein – Am Kurfürstendamm 22 erinnert ein Stolperstein an Marry Hanna Veit (Jg. 1929). Sie war die jüngste Tochter von Adolf (Jg. 1890) und Selma Veit (Jg. 1889), die an dieser Stelle das koschere „Speisehaus Veit“ betrieben. Am 6. März 1943 wurde die Familie aus ihrer Wohnung im ersten Stock gezerrt und zusammen mit 665 anderen Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. „Vor 72 Jahren hat mein Vater mich hier vor unserem Haus verabschiedet. Wir wussten beide, wir würden uns nie mehr wiedersehen. Mein Vater sagte zu mir: ‚Junge, bleib gesund und bleib ein guter Jude!‘“, berichtete Siegbert Veit, der als einziger den Holocaust überlebte, bei der Stolperstein-Verlegung 2011.
Gedenken – Nur wenige Schritten entfernt, am Kurfürstendamm 26, erinnert eine Gedenktafel an der imposanten Hausfassade, das sich unter dieser Adresse einst ein hochfrequentierter Ort für kulturellen Austausch befand: Karl Kutschera betrieb hier von 1919 an das Haus Wien, ein Kaffeehaus, das Kulturschaffenden jedweder couleur, unter ihnen Prominente wei Josephine Baker, Max Reinhardt, Albert Einstein und Max Schmeling, zentraler Anlaufpunkt auf dem Ku´Damm war. 1937 wurde Karl Kutschera zur Aufgabe seines Cafés gezwungen und 1943 mit seiner Familie nach Theresienstadt deportiert. Seine beiden Kinder Klaus Gerhard und Karin Gertrud wurden in Auschwitz ermordet. Karl Kutschera und seine Frau Josephine überlebten den Holocaust.

(Foto: Cornelia Dildei)
Am kommenden Montag, den 27. Januar, finden anlässlich des Holocaust Gedenktages berlinweit Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Eine vom Jugendamt organisierte Gedenkveranstaltung in Charlottenburg-Wilmersdorf steht in diesem Jahr unter dem Motto „Solidarität" und findet von 12 bis 12.30 Uhr auf dem Theodor-Heuss-Platz statt. Ganzjährig mahnen Stahlgussplatten am stillgelegten Gleis 17 am Bahnhof Grunewald an die Massendeportationen in die Vernichtungslager des NS-Regimes. Eine Übersicht über die Mahn– und Gedenkstätten des Bezirks finden Sie hier. Über weitere Gedenkveranstaltungen informieren wir diese Woche an dieser Stelle im Checkpoint und in den Tagesspiegel Bezirksnewslettern.
Encore
Die „Berliner Zeitung“ beschreibt heute groß das neue Konzept fürs Naturkundemuseum, das mit 660 Mio. Euro Förderung zum Forschungscampus mit Besucherverkehr und Bürgerwissenschaft werden soll. An dieser Stelle nur so viel: Die Dinosaurier waren schon mal trauriger. Wer lieber gleich losforschen will, kann sich am Institut für Zoo- und Wildtierforschung um Teilnahme an der vorerst letzten Runde als Wildtierforscher bewerben. Dank geliehener Wildkamera kann man herausfinden, wer einem die Tulpenzwiebeln aus dem Garten klaut oder im Sandkasten schläft. Als Teilnehmer der Vorrunde weiß ich, dass das spannend ist, muss allerdings vor dem Fragebogen der ebenfalls involvierten Soziologen warnen. Wenn Sie das Gefühl haben, dort zehnmal dieselbe Frage in anderen Worten zu finden: Sie sind nicht allein. Aber die Aussicht auf nächtliche Fotos von Waschbär & Co. im eigenen Garten ist die Mühe wert.
Morgen nimmt Lorenz Maroldt hier das Wesentliche in den Fokus. Machen Sie’s gut,