Kurz vor der Abfahrt nach Hamburg zu den G20 erledigte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern noch den Tagesordnungspunkt P2: Sie begrüßte Meng Meng und Jiao Qing im Zoo und vermittelte in Bezug auf die Integration der beiden Zuwanderer aus China den Eindruck: „Wir schaffen das.“ Ob die Bären das auch schaffen? Wir werden es sehen, zu Hunderttausenden, von heute an. Worum es in HH beim Gipfel geht, steht hier.
Das war zu erwarten - es gibt Krach ums Klo: Der Senat verschiebt das Konzept zur Finanzierung der öffentlichen „City Toiletten“ (sollte im Juli fertig sein) auf September. Bisher betreibt die Firma Wall ihre 175 Häuschen kostenlos für das Land und vermarktet im Gegenzug kostenlos Werbeflächen des Landes - ein gutes Geschäft. Da dachte sich der Senat: Das können wir doch selbst! Zumal ja auch die Schulklos im Land Berlin schon seit Jahren so fantastisch in Schuss sind. Also wurde der Wall-Vertrag gekündigt - und schon ging der Ärger los: Wer macht was und was machen die Bezirke, wer kümmert sich - und wer kassiert? Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey fasst den aktuellen Stand der Debatte so zusammen: „Ich möchte nicht, dass wir einen Toiletten-BER bekommen“ (Zitat: „B.Z.“) - das klingt dann auch noch nach zusätzlichen Problemen mit der Entrauchungsanlage.
Sensationelle Einwohnerentwicklung in der Lärmschutzzone Flughafen Tegel: Noch im April sprach die Brandenburger Staatskanzlei von „insgesamt ca. 137.000“ Betroffenen (Drucksache 6/6416) - und bezog sich dabei auf eine Auskunft des Senats. In der gerade vom selben Senat beschlossenen Stellungnahme zum Volksentscheid heißt es dagegen: „Mit Ende des Flugbetriebs werden über 300.000 Menschen vom Lärm entlastet.“ Checkpoint-Analyse: Die jeweils vom Senat bekanntgegebene Zahl steigt parallel zur Zustimmung für die Offenhaltung Tegels - das lässt sich doch sicher auch für die Gegend um den BER hochrechnen.
Pssst, in der Justiz wird schon wieder getuschelt - gleich mal reinhören… nein, echt? Jetzt hat auch noch die Gesamtfrauenvertretung in Sachen Generalstaatsanwältin beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag gestellt? Justizsenator Behrendt soll untersagt werden, dem Senat seine Wunschkandidatin vorzuschlagen, weil er das Gremium beim Verfahren nicht hinreichend beteiligt hat? Na, das wäre ja ein Ding: Dann hätte sich der grüne Senator in dieser Frage ja so dermaßen in die Sackgasse manövriert, dass ihn da nur noch ein CDU-naher kommissarischer Oberankläger wieder rausholen kann - Dirk Feuerberg, der Stellvertreter von Amtsinhaber und Bald-Ruheständler Ralf Rother. Kaum zu glauben.
In Berlin werden immer noch dringend Wahlhelfer gesucht - ein Checkpoint-Leser wollte sich deshalb melden, aber … Sie glauben nicht, was dann geschah (doch Sie ahnen es sicherlich): Online ließ sich die „Bereitschaftserklärung" auf dem beschriebenen Weg an die angegebene Stelle nicht senden, also schickte unser freundlicher Helfer das Papier per Mail an die allgemeine Adresse des Bezirksamts - das war vor zehn Tagen, bis heute keine Antwort. Nächster Versuch: Persönliche Anmeldung im Rathaus Weißensee - doch dort hieß es: Nicht bei uns! Fahren Sie zum Rathaus Pankow … Das Resümee: „Im Bürgeramt Weißensee kann man kein Formular raussuchen und das ausgefüllte Ding dann nach Pankow senden? Statt dessen soll ich noch Fahrgeld bezahlen, um nach Pankow zu kommen? Also lassen wir das.“
Und hier noch eine wichtige Mitteilung - falls Sie eine Vierzimmer-Wohnung im Erdgeschoss mit Garten übrig haben: So eine sucht Altbischof Wolfgang Huber für seine Tochter, und zwar „sehr dringend“ - zur Beschleunigung der Suche hat er der Anzeige in einem Zehlendorfer Gemeindeblatt gleich noch sein Foto beigefügt (Q: „Morgenpost“). Dazu der Kommentar von Johann Wolfgang von Goethe: „O wie glücklich ist die, der Vater und Mutter das Haus schon wohlbestellt übergeben.“
„Wie viele Straßenbaustellen in Berlin gab es im Jahr 2016?", wollte der FDP-Abgeordnete Luthe wissen - die Antwort von Staatssekretär Kirchner: „Dazu liegen keine statistischen Erhebungen vor.“ Ok, und jetzt sind die Berlinkenner dran - wie lautet die Antwort auf die Anschlussfrage zur durchschnittlichen Dauer der Bauzeit? Richtig, das war ja auch leicht: „Dazu liegen keine statistischen Erhebungen vor“ - und schon gar keine erkenntnisreichen Vertiefungen.
Telegramm
Heute in der „Zeit“: Ein Interview mit Präsident Erdogan - er sagt: „Deutschland begeht Selbstmord.“ Wie er das meint, und was das mit dem Fall Deniz Yücel zu tun hat (heute seit 143 Tagen in Haft) steht hier.
Wie hat Hamburg eigentlich das Loch gestopft, das die nach Hause geschickte Berliner Einheit PPPP (Pimper-Pinkel-Party-Polizei) hinterlassen hat? Na logo, mit Wiener Polizisten („Kiberer“) - die können sich wenigstens benehmen: „Küss die Hand, gnä’ Frau! Wenn Sie dann bitte mal den Pflasterstein wieder einbuddeln könnten…“ (Mehr zum Kuss-Welttag weiter unten).
Zahl des Tages: 22.882 Ordnungswidrigkeiten mit Diplomatenautofahrern wurden im vergangenen Jahr registriert - Spitzenreiter ist China, gefolgt von Saudi-Arabien und Russland. Zahlen müssen die nichts - gegen Forderungen sind Sie immunisiert (zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Anwalt).
Neuköllns Umweltstadtrat Bernhard Eberenz verlässt die AfD - ihm ist plötzlich aufgefallen, dass es in seiner Partei doch tatsächlich Radikale wie den Bundestagskandidaten Andreas Wild gibt. Schock.
Die aktuelle Wartezeit in den Bürgerämtern: Per Online-Anmeldung derzeit in der Regel vier Wochen (versprochen vom Senat sind zwei). Aber es gibt auch Ausnahmen: Spontanbesuch um 15.45 in Marzahn-Hellersdorf zum Austausch eines Passbilds im Kinderausweis, Termin 16.18, wieder raus um 16.25 (und zwischendurch war sogar noch Zeit für ein Eis). Na dann, herzlichen Glückwunsch und schönen Urlaub. Noch schneller ging’s gestern im Bürgeramt Yorckstraße: Ohne Termin in 11 Minuten bis zur Meldebescheinigung - das ist rekordverdächtig.
Das Tegel-Chaos bringt Helden der Bodenluftfahrt hervor - einer von ihnen ist der Kapitän einer Maschine aus Luxemburg, die gestern um 8.38 landete. Weil weit und breit kein Bodenpersonal zum Ausladen des Gepäcks zu sehen war, zog er sich eine gelbe Weste über und teilt den Passagieren mit: „Ok, dann pack ich das selber aus, sonst kommen wir ja gar nicht voran“. Zehn Minuten später war die Sache erledigt. (via CP-Leser Marco Caliendo)
Der schönste Vorschlag für die Nutzung der denkmalgeschützten Bude an der Potsdamer Straße (die „das Kunstwollen der fünfziger Jahre“ so schön dokumentiert): CP-Leserin Anke Grelik würde einen „Zuhör-Kiosk“ daraus machen. „Für jeden, dem etwas auf dem Herzen liegt oder wer einfach kurz etwas loswerden möchte. Passt zwar eigentlich besser nach Kreuzberg, aber die Zehlendorfer sind ja auch nur Menschen.“
Nachtrag 1 zur Meldung „Autonomes Auto kapituliert vor Känguru“ (CP von gestern) - Ilja Radusch, Managing Director beim „Daimler Center for Automotive IT Innovations“ (das auf der Testrecke zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule das automatisierte Fahren erproben wird) nimmt die Kollegen von Volvo in Schutz und schreibt: „Wir statten die Fahrzeuge mit künstlicher Intelligenz aus, die genau wie die menschliche Intelligenz davon abhängig ist, gut trainiert zu werden. Es gibt leider wenig Trainingsmaterial für herumhüpfende Kängurus, weshalb die Fahrzeuge darüber noch nicht so viel lernen konnten. Damit uns aber nicht dasselbe mit herumhüpfenden Student/-innen passiert, benutzen wir das Testfeld, um ganz, ganz viele Trainingsdaten über alle Verkehrsteilnehmer zu sammeln.“
Nachtrag 2 zur Meldung „Keine Einigung mit Siemens und Bosch am BER“: Die Fraktionen der Linken und der SPD im Brandenburger Landtag haben nach der CP-Lektüre von gestern einen Vorort-Termin beantragt - es soll ein Fachgespräch mit den am Brandschutz beteiligten Firmen geben. Die herausfordernde Erwartung: „Ziel des Fachgesprächs ist es, ein vertieftes Verständnis über einen Themenkomplex zu erlangen, der für die Fertigstellung des BER erfolgskritisch ist.“ Wir wünschen viel Vergnügen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Spandau ist anders als Friedrichshain-Kreuzberg.“
Diese Erkenntnis wird Ihnen präsentiert von der CDU-Fraktion (aus dem Verkehrskonzept, S. 5). Wenn Sie es etwas genauer wissen wollen, empfehle ich Ihnen unser Magazin „Neu in Berlin“ – die Jahresausgabe 2017/2018 ist fast fertig (demnächst mehr dazu).
Zitat
„Wir bitten um Entschuldigungen.“
Durchsage im Bahnhof Zoo - dem Mitarbeiter war wohl klar, dass es mit einer singulären Entschuldigung bei den massiven „Unregelmäßigkeiten wegen einer Signalstörung“ nicht getan war.
Tweet des Tages
„BVG - da können unsere Kunden ein Lied von singen…“
Antwort d. Red.: … und das tun sie dann auch, als „Chor der Nörgler“ zum klassischen Sound der „Zauberflöte“ - hier ein Textauszug: „Wenn du stets pünktlich wärst, nicht dreckig wärst und nicht so unersetzlich wärst, dann hätte man ja nichts mehr zu beschweren. Und das tun wir nun mal so gern.“ Zum Anschauen und Anhören geht’s hier.
Stadtleben
Neu in Mitte ist das Maloa in der Oranienburger Straße 7 (S-Bhf Hackescher Markt). Die Brüder Daniel und Ilan haben sich in ihrem kleinen Restaurant dem Lebensgefühl Hawaiis verschrieben: Von der Decke hängen Pflanzen, die Speisekarte wurde auf zwei Surfboards gedruckt und aus der offenen Küche kommt das hawaiianische Nationalgericht Poké. Traditionell wird es mit Thunfisch, Reis und einer Mischung aus Frühlingszwiebeln, Sojasauce, Sesamöl und Sesamkörnern serviert. Unter dem Motto „Poké your Style“ kann man sich seine Poké-Bowl aber auch mit Zucchini-Nudeln, Salat, Shrimps oder Tofu selbst zusammenstellen (ab 7,50 Euro). Mo-Do 11-22 Uhr, Fr-Sa 11-23 Uhr.
In Friedrichshain hat derweil das Timber Doodle seine Pforten geöffnet. Inhaberin Susanne Baró Fernández ist keine Unbekannte: Nach einem Barjob im Kontrast, einer ehem. Diskothek in Hoppegarten, lernte sie ihr Handwerk in der Bar im Meliá Hotel und im Curtain Club des Ritz-Carlton. Das Know-how hat sie mitgenommen, die Hotelatmosphäre zurückgelassen: Die Kronleuchter und Chesterfield-Sofas kommen vom Flohmarkt und aus Antiquariaten, auf der Karte stehen Eigenkreationen mit Sirups und Essenzen aus Kräutern und Blüten - zum Warmwerden empfehlen wir einen Timber Doodle aus streng geheimen Zutaten (Drinks 9-12 Euro). Zu finden in der Wühlischstraße 37 (S-Bhf Warschauer Straße), Di-Sa ab 19 Uhr.
Geschenk für Hobbydetektive: Im Mai hat am Checkpoint Charlie das House of Tales eröffnet. In dem Escape-Room-Spiel werden die Teilnehmer in einen Raum gesperrt und haben eine Stunde Zeit, sich zu befreien. Zur Auswahl stehen eine Kapelle, ein alter ägyptischer Tempel oder ein unterirdisches Verließ - nur klaustrophobisch sollte man nicht sein (ab 35 Euro/Person).