und herzlich willkommen im Checkpoint-Jahr 2020! Im Programm haben wir heute u.a. die Berliner Silvester-Bilanz, eine wiederentdeckte historische Ausnahmegenehmigung, Nazi-Fleischer bei Edeka, die längste Ampelphase Berlins, neue Pläne für die Bürgerämter, einen weihnachtsmilden S-Bahn-Kontrolleur, 50-prozentige Mieterhöhungen bei der Sparkasse, ein neues Karriereziel der Bildungssenatorin – und die Auflösung unseres großen Berlin-Rätsels.
Zunächst zur Silvester-Bilanz: 3065 Notrufe gingen bei der Polizei ein (Vorjahr: 2979), daraus resultierten 2039 Einsätze (300 mehr als im Vorjahr) – für den Lagedienst „der normale Wahnsinn“. Die Feuerwehr rückte zu 1523 Einsätzen aus, an 617 Orten brannte es. Im Unfallkrankenhaus Berlin wurden 15 Schwerverletzte behandelt, darunter 4 Kinder unter 10 Jahren. Die zwei neuen Böllerverbotszonen (Alexanderplatz, Pallasstraße) konnten von der Polizei mit Hilfe von 2000 zusätzlichen Kräften und einem Wasserwerfer erfolgreich verteidigt werden. Die „gute Nachricht“ laut Polizei: Trotz vieler Angriffe mit Knallkörpern, Raketen und Schreckschusspistolen gab es „keine schwerverletzten Polizisten oder Feuerwehrleute“.
Wie sich der „normale Wahnsinn“ dieser Nacht entwickelte, zeichnete das Social-Media-Team der Polizei in 435 Tweets nach – wir haben hier mal ein paar davon herausgesucht:
Los ging’s um 17.11 Uhr mit der Meldung „Mann bewirft Kinder mit Böllern in Kreuzberg“. Und weiter:
„Im Wedding schlägt sich ein Alkoholisierter im Supermarkt mit dem dortigen Personal.“
„Jugendliche in Steglitz werfen vor einer Schule Böller auf Fahrzeuge.“
„In einem Späti in Friedrichshain sollen die Leute durchdrehen.“
„Im Wedding schießt eine Person mit Vogelschreck auf seine Nachbarn.“
„In Bohnsdorf brennt eine Kleidertonne.“
„Vor einem Elektronikmarkt in Mitte tragen mehrere Personen physisch ihre Konflikte aus.
„Brennender Busch in Rudow.“
„Nach einer Explosion auf einem Hof im Märkischen Viertel herrscht dort nun Kraterstimmung.“
„In Pankow sitzt eine hilflose Person ohne Hose am Straßenrand.“
„In Neukölln brennt das begrünte Dach eines Supermarktes.“
„Auf der A100 läuft eine männliche Person in Richtung Süden.“
„In Neu-Hohenschönhausen brennt auf einem Spielplatz ein Turm mit Rutsche dran.“
„In Schöneberg hat ein Mitbewohner eines Wohnheimes fremdes Koks in seinen Sachen gefunden.“
„Böller durchschlägt die geschlossene Fensterscheibe einer Wohnung in Neukölln und explodiert im Zimmer.“
„In Zehlendorf zerlegt jemand seine Wohnung.“
„In Neukölln wird im Treppenhaus gegrillt.“
„Verzweifelter Mann im Wedding ruft schon zum 2. Mal den Notruf. Seine Schwiegermutter soll bitte gehen.“
„In Haselhorst beschießen sich vier Kinder mit Vogelschreck.“
„Silvester zu Zeiten des Klimawandels. Man wirft sich in Lichterfelde unangezündete (!) Böller zu. Wir prüfen, ob wenigstens ‚Peng‘ gerufen wurde.“
„In Neukölln legt sich eine Frau auf die Fahrbahn.“
„Sogar in Dahlem werden Passanten von Jugendlichen mit Raketen beschossen.“
„Der Nachbar einer Frau in Spandau ist angeblich Sprengstoffexperte.“
„In einem Fachgeschäft für Systemgastronomie in Wilmersdorf zerschlägt eine Person das Mobiliar.“
„In Kreuzberg wurde ein BVG-Bus beschossen und hat ein Loch in der Frontscheibe.“
„In Friedenau schießen über 50 Jugendliche Raketen auf umliegende Fenster.“
„Personen werfen mit Fahrrädern in Gesundbrunnen.“
„In Friedrichshain werden aus dem 6. Obergeschoss Flaschen geworfen.“
„In Hellersdorf sollen Briefkästen und eine Telefonzelle durch Böller in die Luft gegangen sein.“
„In Wilmersdorf brennt eine Straßenlaterne.“
„Jugendliche in Kreuzberg haben sich mit Straßenschildern bewaffnet und schlagen auf Autos und Fensterscheiben ein.“
„Ein Mann läuft mit einer Eisenkette durch Prenzlauer Berg und droht Passanten zu schlagen.“
„In Gesundbrunnen wird eine Bushaltestelle von 20-30 Jugendlichen mit Böllern in die Luft gesprengt.“
„Mehrere Jugendliche mit Schreckschusswaffen schießen auf alles in Charlottenburg.“
Soweit also der ganz normale Wahnsinn, zu dem auch gut die Knallköpfe passen, die hier noch von „Tradition und Brauchtumspflege“ sprechen.
T-Shirts mit der Aufschrift„Hart wie Stahl, zäh wie Leder – das sind die deutschen Fleischzerleger“ gibt’s seit einiger Zeit im (Online-)Handel, auch in der Größe „Kids“. Adolf Hitler hätte das gefallen, denn so stellte er sich ja das ideale Jungvolk vor: „…flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ (Rede in Nürnberg vor der HJ am 14.9.1935). Doch jetzt gefallen die blutrünstigen T(eutonen)-Shirts im Nazi-Style auch den „Edeka“-Angestellten an einer Wursttheke in Kleinmachnow – Anfang der Woche trugen sie hier ihre deutsche Zerlegerlust offen zur Schau. Immerhin reagierte das „Edeka“-Management auf Nachfrage flink wie ein Windhund: Die T-Shirt sollen nicht mehr getragen werden, hieß es, und zwar: „ab sofort“.
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Wilhelm und Alexander von Humboldt
Das Deutsche Historische Museum zeigt die erste große Ausstellung über Wilhelm und Alexander von Humboldt in Deutschland. Sie verortet die Brüder, die heute als deutsche Kosmopoliten gefeiert werden, als Europäer im Kontext ihrer Zeit und blickt auf die damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhandlungs- und Gestaltungsräume.
Die längste Rotphase Berlins geht ins 14. Jahr: Seit 2006 wird an der „Lichtsignalanlage“ an der Rahnsdorfer Straße Ecke Hultschiner Damm gearbeitet – zuletzt war die Fertigstellung für Anfang 2018, Ende 2018, Frühjahr 2019 und Ende 2019 angekündigt worden. Nun, es ist 2020, und die „Lichtsignalanlage“… Sie ahnen es schon, das war wieder nichts. Verkehrt-Staatssekretär Ingmar Streese hat der SPD-Abgeordneten Iris Spranger aufgeschrieben, was schiefging (DS 18/21755), es ist ein Dokument fürs Berlin-Museum geworden (Abteilung Realsatire).
– „Der Bau dieser LSA wurde durch die Unfallkommission Berlin im Jahr 2006 als Maßnahme beschlossen.“
– „Da mit der Realisierung der LSA ein umfangreicher Straßenbau verbunden ist, musste der Bezirk Marzahn-Hellersdorf auch die künftige Straßenentwässerung mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) abstimmen. Problematisch erwies sich hier, dass die Einmündung im Wasserschutzgebiet liegt, so dass hinsichtlich der erforderlichen Entwässerung besondere Anforderungen zu berücksichtigen waren. Eine einvernehmliche Lösung hierzu konnte erst 2017 erzielt werden.“
– „Die im Jahr 2006 angeordnete verkehrstechnische Unterlage für die Lichtsignalanlage (LSA) musste an die zwischenzeitlich veränderten Richtlinien und Vorgaben angepasst werden.“
– „Zudem führte eine kurzfristige Bitte des Straßenbahn-Bereichs der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)-Tram zu einer Änderung im Lageplan sowie den Signalzeitenplänen. Dadurch ist das Projekt nicht mehr vor dem Winter umsetzbar.“
– „Aktuell laufen die finalen Abstimmungen, um die Anordnung seitens der Verkehrslenkung Berlin (VLB) zu ermöglichen.“
– „Anschließend werden vom Generalübernehmer für die LSA-Infrastruktur die Nachunternehmer gebunden und nach Eingang des entsprechenden Antrags eine verkehrsrechtliche Anordnung für die Bauphase erteilt.“
– „Nach derzeitigem Planungsstand wird mit einer Umsetzung bis Ende Juli 2020 gerechnet.“
Wir halten fest: Die Ampel wurde wegen der Gefährlichkeit der Ecke von der Unfallkommission 2006 beschlossen – und ist wegen der ortstypischen organisierten Verantwortungslosigkeit immer noch nicht da. Streese, erst seit 12/18 im Amt, hat bei der Gelegenheit auch gleich zu Protokoll gegeben, wie aus seiner Sicht die Zusammenarbeit zwischen Senats, Verkehrslenkung und Bezirk in den 14 Jahren der Nichterrichtung dieser beschlossenen Ampel zu bewerten ist: „Die Kommunikation verlief konstruktiv.“ Da haben wir also nochmal Glück gehabt. Ach, Apropos „Verkehrslenkung“ (für die seit 2018 keine Führung gefunden werden konnte): Berlins beliebteste Behörde ist seit gestern offiziell aufgelöst – jetzt soll es ein neu gegründetes „Verkehrsmanagement“ schneller leuchten lassen.
Auffällig viele Kontrollen gab es bei BVG und S-Bahn ausgerechnet an den Weihnachtstagen – so auch an Heiligabend in der S3 Richtung Westen. Am Ostbahnhof war ein Mann eingestiegen, sichtlich mitgenommen vom Leben auf der Straße. Er grüßte freundlich ein ihm vom Bahnhof Zoo bekanntes Gesicht und schlief sofort ein. An der Jannowitzbrücke hieß es dann: „Ihre Fahrausweise bitte.“ Unruhe unter den Mitreisenden, die zu wissen glaubten, was gleich passieren würde. „Mensch muss das denn heute sein“, murrte einer. Als der erste Kontrolleur den Mann vom Ostbahnhof erreicht, rappelte der sich auf und zuckte mit den Schultern. Doch dann erlebten die Fahrgäste eine kleine Weihnachtsgeschichte: „Is jut Meister“, sagte der Kontrolleur – und ging an ihm vorbei. Und im Waggon schien es plötzlich ein paar Grad wärmer geworden zu sein. (Festgehalten von Freya Fremder, via Joachim Lenz).
Post von Mister Marathon – Hort Milde erinnert uns an den „Ersten Gesamt-Berliner Neujahrslauf“ vor 30 Jahren. Die Strecke führte seitlich des Brandenburger Tores durch die aufgebrochene Mauer, die beiden Bürgermeister Walter Momper und Erhard Krack hatten den Startschuss gegeben, die DDR-Grenzer klatschten Beifall. Die Genehmigung für den „grenzüberschreitenden Neujahrslauf“ wurde erst am 28.12. nach einer gemeinsamen Beratung von Magistrat, Grenzkommando Mitte, Turn- und Sportbund und der Volkspolizei im Präsidium Hans-Beimler-Straße erteilt. „Zur Vorlage bei GÜST“bekam Horst Milde schriftlich bestätigt, dass er „mit einem Pkw Berlin (West) mit Funkausrüstung als Spitzenfahrzeug für den Lauf eingesetzt ist“.
Gegründet hatte den Neujahrslauf übrigens 1972 Sportreporterlegende Heinz-Florian Oertel in Ost-Berlin, seit der Wende veranstaltet der SCC den Lauf. Gestern, bei der 49. Auflage, gingen 4484 Läufer an den Start, statt eines Teilnahmebeitrags bittet der SCC um Spenden für die Björn-Schulz-Stiftung zur Unterstützung von Familien unheilbar erkrankter Kinder.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Bis zum kommenden Montag müssen die 12 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Innenverwaltung mitteilen, „ob und ab wann“ sie die vereinbarten Maßnahmen zur Verbesserungen der Terminverfügbarkeit in den Bürgerämtern „umsetzen werden“ – in einem Schreiben an die Bezirke stellt Staatssekretärin Sabine Smentek zudem fest, „dass die organisatorische und personelle Unterschiedlichkeit der Bezirke auch unterschiedliche Lösungsansätze erfordert und daher nicht alle Maßnahmen gleichermaßen bei allen Bezirken die gewünschte Wirkung entfalten werden.“
Bildungssenatorin Sandra Scheeres, vom „tip“ gerade zur „peinlichsten Berlinerin“ gekürt, hat offenbar noch freie Kapazitäten und erwägt eine Karriere als Quereinsteigerin – allerdings nicht im Schuldienst: In der SPD ist zu hören, dass sie Kreisvorsitzende in Pankow werden will. Klingt nach Vorbereitung auf den Absprung.
Die Sparkasse sucht in Niedrigzinszeiten neue Erlösmodelle – und erhöht die Miete für Schließfächer um rund 50 %. Unzufriedene Kunden dürfen zwar „kostenlos widersprechen“, heißt es in einem Schreiben, aber das ist im doppelten Wortsinn umsonst: „Ein Widerspruch führt zur Beendigung des Mietverhältnisses.“
Die Wasserbetriebe lassen sechs ihrer künftigen Großbaustellen von 7 bis 22 Uhr und auch sonnabends laufen, damit die Löcher schneller wieder dicht sind – mit lautem Beifall für diese (für Berliner Verhältnisse) geradezu geniale Idee können Sie die abendlichen Maschinengeräusche locker übertönen. (Q: „B.Z.“)
Zur Feier von „100 Jahre Groß-Berlin“ verkündet Staatssekretär Frank Nägele ebenfalls revolutionäres: Es soll „Servicebüros“ in den Kiezen geben, in denen fast alles zu erledigen ist – WBS-Antrag, Familienangelegenheiten, Kfz-Anmeldung… mit einer Ausnahme: „Wenn Sie einen Traktor zulassen wollen, organisieren die Beschäftigten einen Termin in der Zulassungsstelle.“ Tja, für eine Ehrung im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ reicht das also leider noch nicht. (Q: Mopo)
Die Ziehung der Berliner Umfragezahlen wird Ihnen heute präsentiert von INSA (für „Bild“/„B.Z.“): 5 (Sonstige), 7 (FDP), 13 (AfD), 15 (SPD), 18 (CDU), 19 (Linke), Zusatzzahl: 23 (Grüne).
37 Menschen starben 2019 im Berliner Straßenverkehr, die meisten von ihnen waren zu Fuß unterwegs. Und am ersten Tag des Jahres wurde gleich wieder ein Fußgänger schwer verletzt: An der Einfahrt zum Grunertunnel rammte der Fahrer eines Carsharing-Smarts den 33-Jährigen.
In seiner ersten Regierungserklärung am 6.12.1990 sagte Manfred Stolpe: „Wir sind nicht schlechtere Deutsche, weil wir hier die Kriegsfolgen härter getragen haben, weil wir der Heimat treu geblieben sind, und weil wir unter schlechteren Voraussetzungen weniger schaffen konnten. Wir brauchen kein Mitleid und keine Almosen, aber wir brauchen echte Chancen.“ Wie kein anderer Regierungschef repräsentierte Stolpe nach der Wende das Wir-Gefühl eines ganzen Bundeslandes. Nach langer Krankheit ist der frühere Ministerpräsident Brandenburgs kurz vor Neujahr gestorben.
Die Tagesspiegel-Redaktion hat oft mit Stolpe gesprochen, am 6. Juni 1995 ging es auch um die Pläne für den BER. Stolpe sagte: „Da im näheren Umfeld von Schönefeld 70.000 bis 100.000 Einwohner leben, wäre ein Großflughafen dort unmenschlich.“ Ein Jahr später stimmte Stolpe dennoch im „Konsensbeschluss“ dem Standort zu.
Tage bis zum Geburtstag von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (an dem zufällig auch der BER eröffnet werden soll): 303.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Liebe Berlinerinnen und Berliner, wir gehen in ein neues Jahrzehnt mit vielen Chancen. Lassen Sie uns diese Chancen nutzen, um gemeinsam Berlin zur lebenswertesten Stadt Europas zu machen.“
Michael Müller in seiner Neujahrsansprache.
Tweet des Tages
Ich muss das jetzt fragen: Das neue Jahrzehnt beginnt doch erst nächstes Jahr, oder?
Antwort d. Red.: Anmerkung der Checkpoint-Redaktion: Streng genommen ja, aber wer jetzt schon anfängt, hat mehr davon.
Stadtleben
Essen & Trinken – One Night in Bangkok in Berlin: Das Li.ke bringt thailändische Tapas an den Boxhagener Platz. Gäste wählen aus über 20 veganen Bowls ihre Favoriten, dann wird fröhlich geteilt: Wir empfehlen ca. drei Schälchen pro Person, je nach Appetit können daraus aber auch vier oder fünf werden. Tofuwürfel, Teigtaschen oder blaue Reisnudeln genießen die BesucherInnen zwischen Thai-Fähnchen und Wellblech-Theke, dazu gibt’s Ananasshake und Bombay Tonic. Checkpoint-Tipp: Die Reisbällchen mit Curry, Chili und Kokos. Mo-So 12-24 Uhr, Grünberger Straße 69, U-Bhf Samariterstraße
Berlinbesuch – Ein Kindersoldat, ein Kriegsfotograf, ein Menschenrechtsanwalt: Das immersive Video-Theaterstück „Situation Rooms“ konfrontiert seine Zuschauer mit 20 Menschen, 20 Szenen, 20 Facetten von Waffen, von Krieg. In verschiedenen Räumen des HAU2 tauchen die Besucher über Augmented-Reality-Videos ein in Biografien aus mehreren Kontinenten, aus Kriegsgebiet und Parlament: Mal folgen die Zuschauer einem flüchtenden Menschen, später sitzen sie am Schreibtisch eines Waffenfabrikanten oder beobachten einen Chirurgen. Das Theaterkollektiv Rimini Protokoll gibt einen eindringlichen Einblick in Schicksale, die durch den Waffenhandel verbunden werden – und lässt Besucher selbst zu Akteuren werden. Karten erhalten Sie für 22/10 Euro hier, die Inszenierung ist noch bis zum 11. Januar mehrmals täglich zu sehen.
Geschenk – Berlin zum Anbeißen: Mit den Tafeln von Zuckrpapi knabbern sich Naschende durch die Straßen Neuköllns, genauer: den Schillerkiez. Das Viertel am Tempelhofer Feld ist die erste Berliner Nachbarschaft, die die Manufaktur per 3D-Druck in Schokolade gegossen hat. Bald sollen weitere „Schokokieze“ folgen – Rixdorf, der Nollendorfplatz oder der Bergmannkiez zum Beispiel. Das geht mit gutem Gewissen: Die Schokoladen sind fair gehandelt und abfallfrei. Demnächst soll ein erstes Geschäft in Neukölln eröffnet werden, bis dahin findet man Zuckrpapi auf Berliner Märkten und online – Den Schillerkiez gibt’s dort für knapp 5 Euro.
Last-Minute – Panflöte lernen, frühmorgendliches Yoga oder radikales Ausmisten der eigenen vier Wände: Welche Vorsätze sich Berlin für die neuen Zwanziger ausgedacht hat, erfahren Sie nachher im Neuköllner Du Beast. Mutige präsentieren ihre „Resolutions“ in Lyrik, Rap oder Lied – ganz egal in welcher Sprache. Ob Pantomime oder Prosa: Das Mikrofon steht jedem offen. Los geht’s um 19.30 Uhr, Spenden von zwei Euro werden erbeten. Unser Lieblingsvorsatz: Jeden Morgen Checkpoint lesen! Innstraße 4, U-Bhf Rathaus Neukölln
Verlosung – Die Gäste des Ella im Hotel Steigenberger dinieren mit der Kanzlerin. Zumindest fast: Carpaccio, Buletten und Halloumi serviert das Restaurant mit direktem Blick aufs Bundeskanzleramt, den Reichstag und die Spree. Zwischen schwarz-goldenen Art-Déco-Tapeten und hohen Spiegeln lassen Berlinbesucher und -bewohner den Abend ausklingen – oder verlegen die Nacht weiter in die angrenzende Bar No. 5. Feinschmecker aufgepasst: Der Checkpoint verlost ein winterliches Menü für vier Personen – Und wer weiß, vielleicht erhaschen Sie ja einen Blick hinter die Gardinen des merkelschen Bankettsaals. Mo 12-14, Di-Fr 12-14 & 18-23, Sa 18-23 Uhr, Ella-Trebe-Straße 5, S+U-Bhf Hauptbahnhof
Noch hingehen – Die Plätzchen verputzt, die Geschenke verstaut, der Baum schon auf der Straße? Wer sich nach dem letzten Weihnachtsglitzern sehnt, fährt noch fix nach Dahlem: Im Botanischen Garten leuchten bis Sonntag Wege, Bäume und Tropenhaus in allen Farben des Weihnachtskitsch – und das sogar mit Ökostrom. Wer fröstelt, wärmt sich in der Almhütte wieder auf oder schlittert eine Runde über die Eisbahn. Der „Christmas Garden“ ist täglich von 16.30 bis 22 Uhr geöffnet, Tickets erhalten Sie für 17/14,50 Euro hier. Wer’s nicht mehr schafft, der sei getröstet: Nur noch 357 Tage bis zum nächsten Heiligabend.
Karten sichern – Lois Alexander tanzt mit Wasser, zwischen Eisblöcken, hinterfragt die eigene Geschichte. Mit ihrer Performance „Neptune“ eröffnet die Tänzerin am nächsten Mittwoch die 29. Berliner Tanztage: In zehn Premieren und Gastspielen stellt das Festival queer-feministische und postkoloniale Perspektiven in den Mittelpunkt. Die Tanzenden brechen mit Klischees, ziehen ihre Inspiration aus Drag, türkischem Kampfsport und barockem Gesellschaftstanz. Neben Tastführungen und Live-Beschreibungen werden in diesem Jahr erstmals auch sensorisch entspannte Performances angeboten. Was das bedeutet? Finden Sie's heraus: Tickets gibt’s für 15/10 Euro hier – getanzt wird bis zum 18. Januar. Sophiensäle, Sophienstraße 18, U-Bhf Weinmeisterstraße
Ein erlebnisreiches neues Jahr wünscht: Lotte Buschenhagen.
Berlin heute
Verkehr – Tiergarten: Der Rückbau nach der Silvesterparty am Brandenburger Tor wird in der Nacht zum Freitag abgeschlossen, ab 24 Uhr sind alle Straßen wieder offen.
Demonstration – Mit einer „Videoaktion zur Aufklärung über die Tierindustrie" protestieren „Anonymous for the Voiceless" zwischen 17.45 und 20 Uhr an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Erwartet werden ca. 15 Personen.
Gericht – Der Prozess gegen den 55-Jährigen, der die minderjährige Tochter seiner Partnerin sexuell missbraucht haben soll, geht weiter. Die Mutter soll den Angeklagten über Jahre gedeckt haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstr. 91, Saal 806).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Knut Andreas (41), Dirigent und Musikwissenschaftler / Florian Busch (35), Eishockeyspieler bei den Eisbären / Gisela von Wysocki, Schriftstellerin und Hörspielautorin / Nachträglich: Mareike Hybsier (50), „Der Urberlinerin und besten Freundin allet Jute zum Jeburtstach!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Monika Brennecke, * 22. Oktober 1966 / Jan Fedder, * 14. Januar 1955, Schauspieler, bekannt aus „Das Boot“ und dem „Großstadtrevier“ / Harry Kupfer, * 12. August 1935, langjähriger Chefregisseur der Komischen Oper Berlin / Brigitte Schwerk, * 12. Juni 1927 / Manfred Stolpe, * 16. Mai 1936, erster Brandenburger Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung
Stolperstein – Henriette Huth lebte mit ihrem Ehemann am Kaiserdamm 84 in Westend. Die ausgebildete Sopranistin erhielt 1912 ein festes Engagement an der Städtischen Oper Charlottenburg (heute: Deutsche Oper), wo sie bis zu ihrer Entlassung 1933 tätig war. Nach der Machtergreifung konnte sie aufgrund ihrer jüdischen Religion jedoch kein Engagement mehr erhalten. Im Oktober 1941 wurde Huth in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert, wo sie heute vor 78 Jahren ermordet wurde. Die Stimme der Sängerin ist auf mehreren Aufnahmen bewahrt.
Encore
Zum Schluss das Beste: die Auflösung unseres großen Berlin-Rätsels. Manche Aufgaben waren ja schon ein bisschen knifflig, aber wer regelmäßig den Checkpoint liest, ist klar im Vorteil – auf alle Fragen hatten wir im Laufe des Jahres eine Antwort gegeben. Und auch das gesuchte Zitat kam wieder vor, obwohl es ja schon ein bisschen älter ist. 2015 sagte der damalige BER-Chef Hartmut Mehdorn: „Der Flughafen wird fertiger und fertiger.“
Und so machen wir uns so langsam fertig für unsere große BER-Party im Jahr 2020. Unter allen richtigen Einsendungen (und das waren unfassbar viele!) losen wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus (wer gewonnen hat, bekommt von uns eine Mail). Mal sehen, vielleicht kommt ja auch BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup vorbei, obwohl der ja sagt: „Ein Flughafen ist nie fertig.“
Team Checkpoint wünscht Ihnen einen wunderbaren Start ins neue Jahr, das mit einer schön kurzen Woche beginnt. Morgen früh begrüßt Sie hier Laura Hofmann, und ich bin am Sonnabend wieder für Sie da. Bis dahin,