Am Wochenende wird's mal sonnig, mal bewölkt bei konstanten 22°C. Samstagmittag wird mit Gewittern gerechnet

Die Hohenzollern wollen Schloss zurückKaiser Wilhelm der II. im InterviewMichael Müller will Bahnbrachen für Wohnungsbau kaufen

das Wochenende beginnt mit Klopfzeichen aus der Gruft der deutschen Kaisergeschichte: Die Hohenzollern mit ihrem Oberhaupt Georg Friedrich Prinz von Preußen erheben Ansprüche auf tausende Kunstwerke aus öffentlichen Museen in Berlin und Brandenburg – und damit nicht genug: Der Ururenkel von Wilhelm II. begehrt ein dauerhaftes unentgeltliches Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof sowie ein ebenfalls dauerhaftes unentgeltliches und im Grundbuch verbrieftes Nutzungsrecht auf einem Schlossgrundstück für private, öffentliche oder gesellschaftliche Anlässe als Veranstaltungsort.

Und falls Sie jetzt denken, das sei alles Kaiserschmarrn: Die Forderungen sind Teil von streng geheimen Verhandlungen der Hohenzollern mit dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg. Mein Kollege Thorsten Metzner hat wochenlang in dieser Sache recherchiert, ihm liegen die entscheidenden Unterlagen vor, seine große Geschichte können Sie heute auf drei Seiten im Tagesspiegel lesen.

Das Bundeskanzleramt hat die Maximalforderungen der Kaiserfamilie zwar zurückgewiesen, dennoch sind die staatlichen Stellen zu bemerkenswerten Kompromissen und Zugeständnissen bereit – in einem unstrittigen Vergleichsentwurf werden rechtliche Unklarheiten konstatiert. Und um den Druck zu erhöhen, kündigten die Hohenzollern Leihverträge mit der Preußischen Schlösserstiftung für Exponate aus dem Familieneigentum.

Telegramm

Humor haben sie ja bei der SPD: Nina Scheer und Karl Lauterbach begründen ihre Kandidatur als Vorsitzenden-Duo u.a. damit, dass ihre Partei die diskussionsfreudigste ist: „Das lieben wir so sehr an ihr!“, heißt es im Bewerbungsschreiben, das sie als PDF auf einer neuen Website hinterlegt haben. Eine Einladung zur Diskussion zeigte gleich Wirkung: Die Parole „Aufbrauch geht nur zusammen“ (sic!) wurde schon wieder geändert.

Wir kommen zur Fortsetzung der Geschichte „Digitalchaos bei der Bundesrechtsanwaltskammer“ (Teil I im CP v. 21.6.) –über das „besondere elektronische Anwaltspostfach“ (beA), auf das alle deutschen Rechtsanwälte für ihre rechtssichere digitale Kommunikation angewiesen sind, gab es unter der Rubrik „Aktuelles“ auf der Website der Juristen auch in den vergangenen Wochen immer wieder Folgendes zu lesen:

- „Einschränkung bei der Nutzung von beA.“
- „Die Anmeldung am beA ist derzeit nicht möglich.“
- „Nachrichten können zum Teil nicht qualifiziert signiert werden.“
- „Anbringen elektronischer Signaturen wieder störungsfrei möglich.“
- „In einigen Fällen leider weiterhin Probleme beim Signieren.“
- „Probleme beim Signieren behoben.“
- „Sporadisch Fehler bei Adressierung aus der Justiz.“
- „Adressierung wieder uneingeschränkt möglich.“
- „Es kann zu einzelnen Session-Abbrüchen kommen.“

Weil das schon lange so geht, hat die Kammer bereits Anfang 2018 wegen Sicherheitsmängeln alle Zahlungen an den Dienstleister „Atos“ eingestelltund den beA-Betrieb neu ausgeschrieben – jetzt einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, über den der Präsident der Berliner Rechtsanwaltskammer Marcus Mollnau die Kolleginnen und Kollegen in einer internen Mail informierte. Demnach habe die Atos „Zahlungsansprüche von insgesamt 3.586.248,04 EUR geltend gemacht. Diese würden nunmehr auf Grund der getroffenen außergerichtlichen Einigung um 1.735.838,44 EUR gekürzt.“ Es kommentiert Gebrauchsphilosoph Klaus Klages: „Rechtsanwälten ist jeder Streitwert einen Streit wert.“

Ich kaufe alles“, hatte Michael Müller nach dem „Wohngipfel“ verkündet – jetzt will er immerhin schon mal alle brachliegenden Bahnflächen kaufen, und zwar „im Paket“. Na hoffentlich ist er im Rathaus, wenn der Bote kommt.

Nachdem in der Krummen Straße eine Radfahrerin in einer verkehrsberuhigten Zone von einem Autofahrer getötet wurde, testete „Tagesspiegel Leute“-Autor Cay Dobberke die Strecke: im Auto mit Tempo 7. Hinter ihm wurde auch dort gedrängelt, wo jetzt ein weißes Geisterrad an das Opfer erinnert. Seine Bilanz: „Trotz des Unfalls hält sich fast niemand an die Schrittgeschwindigkeit. Unter Anwohnern sind die vermeintlich beruhigten Zonen als Raser-Strecken verrufen.“ Cay Dobberkes Bericht finden Sie hier

Aufstand gegen den neuen Antidiskriminierungsbeauftragen von Sandra Scheeres: Das „Netzwerk Diskriminierungskritische Qualifizierung“ unterbricht die Schulung der Leitungs- und Führungskräfte der Bildungsverwaltung so lange, bis die Umstände der Trennung von Saraya Gomis geklärt sind – die bisherige Amtsinhaberin hatte entnervt aufgegeben. (Q: Offener Brief des Migrationsrats an die Senatorin)

Für ganz Eilige: „Jesus heilt heute noch!“, heißt es in einer Kleinanzeige im aktuellen „tip“ (ja, den gibt’s noch): „Jeder, der den Herrn anruft, wird auch gerettet werden.“ Vorausgesetzt, da oben gibt‘s besseres Wlan als in der Bahn.

Einfach göttlich sind auch die Reaktionen der Checkpoint-Gemeinde auf den „Ersatzverkehr mit Busse“, wie ihn die S-Bahn verkündigt. Gestern hatten wir dazu hier die Erklärung unseres Haus-Geistlichen Viktor Weber: „Inzwischen tut nicht nur die BVG, sondern auch die S-Bahn regelmäßig Busse. Das geht auf die Arbeit des Hipsterpfarrers zurück.“ Heute meldet sich hier Hartmut Tschepe zu Wort: „Zum Bussetun gab es ja mal den Feiertag ‚Bus- und Bett-Tag‘, wobei letzterer daran erinnert, dass Ersatzverkehre nicht nur mit Busse möglich sind.“ Tja, hätten wir noch ein „n“ übrig, wir würden es der S-Bahn glatt im Tausch gegen ein „ß“ gerne zur Verfügung stellen.

Zu einer neuen Folge von „Amt, aber glücklich“ schalten wir um in die Kfz-Zulassungsstelle Jüterboger Straße – Checkpoint-Leserin Lena Altman berichtet: „8.00 Uhr: Termin. 8.30 Uhr: Auto ist zugelassen und ich bin auf dem Heimweg mit den neuen Kennzeichen unterm Arm. Die Kundenbetreuung war nicht nur rekordverdächtig schnell, sondern auch sehr freundlich. Ich bin begeistert!“ Und wir sind’s auch – fast, denn den nächsten freien Termin im Bürgeramt gibt‘s per Online-Buchung erst wieder am 19. August: 10.06 Uhr in Neu-Hohenschönhausen.

Verpisst Euch ihr zugezogenen Viecher!!!“, hat jemand mit Filzstift auf einen Aushang der „Gärtnerinitiative Arnswalder Platz“ geschrieben. Jetzt hängt ein weiterer Zettel direkt darunter: „Wenn Sie Probleme damit haben, dass wir die Parkanlagen pflegen und den Dreck anderer wegmachen, sprechen Sie uns doch an einem unserer Gärtner-Samstage an. Die Termine finden Sie auf obiger Übersicht.“ Für diese Art des Konfliktumgangs gibt’s heute den Titel „Grüner Daumen“. Übrigens: Der nächste Einsatz ist am 20. Juli.  (Q: Carina Kaiser per Twitter)

Nach 80 Jahren denke ich, dass unsere Familie wieder lange in Berlin sein wird“ – das sagte gestern bei der Eröffnung der James-Simon-Galerie an der Museumsinsel Timothy Simon, ein Nachfahr des Unternehmers und Kunstmäzens. James Simon, Mitbegründer des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“, hatte vor 99 Jahre den Schenkungsvertrag unterzeichnet, mit dem er den Museen seine Ägypten-Sammlung mit der Nofretete-Büste übereignete. Timothy Simon ist mit seiner Frau Ann und den drei Kindern von San Francisco in die Heimatstadt seines berühmten Vorfahren gezogen.

Heute ist übrigens „Tag der fröhlichen Arbeitnehmer“ – also falls Sie noch nichts Anderes vorhaben…

Durch­gecheckt

Durchgecheckt

Kaiser Wilhelm II. zu den jüngsten Machenschaften seines Ururenkels Georg Friedrich Prinz von Preußen. Foto: Bernd Settnik/ dpa

Herr Kaiser, Ihr Ururenkel Georg Friedrich erhebt den Anspruch auf tausende Kunstwerke aus Museen in Berlin und Brandenburg. Was sagen Sie als Familienoberhaupt und Reichsbürger dazu?

Ich bin vollkommen entsetzt über die jüngsten Ereignisse. Es ist ja eine Schande was da jetzt zu Hause vor sich geht!

Sie halten nichts von Kunst?

Eine Kunst, die sich über die von mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Kunst mehr, sie ist Fabrikarbeit, ist Gewerbe, und das darf die Kunst nie werden.

Sie selbst haben im Berliner Schloss gelebt, Ihre Wohnung im 1. Stock erstreckte sich von Raum 666 und Sternsaal über Portal I bis kurz vor der Ecke zur Schlossfreiheit. Ihr Ururenkel fordert jetzt ein dauerhaftes, unentgeltliches Wohnrecht im Schloss Cecilienhof. Geht’s der Familie so schlecht, dass sie sich die Miete nicht mehr leisten kann?

Ethik ist prima, aber wie schaut’s aus mit den Dividenden? Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unsern Platz an der Sonne.

Sie zitieren Bernhard von Bülow?

Wenn ich die Feldwebelfresse nicht mehr sehen müsste…

Angesichts der Debatte über die Verrohung der Sprache möchte ich Sie bitten, sich doch ein wenig zu mäßigen.

Ich gehöre zu den Naturen, die Lob brauchen, um angefeuert zu werden und Gutes zu leisten. Tadel lähmt mich. 

Ok, dann lassen Sie uns über das zweite große Thema unserer Tage sprechen. Was halten Sie von der Mobilitätswende?

Mit Schlagwörtern allein ist es nicht getan. Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.

Das sagen Sie ja nun auch schon seit 100 Jahren…

Die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, kommt bei Kaisern öfter vor, bei Staatsmännern selten, bei Diplomaten nie.

Na schön, dann schauen Sie doch bitte zum Schluss schnell noch mal nach, was auf uns zukommt.

Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser.

Aha, die Klimakrise, der steigende Meeresspiegel… Und Ihre Zukunft?

Meine Untertanen sollten einfach tun, was ich ihnen sage, aber meine Untertanen wollen alle selber denken, und daraus entstehen dann alle Schwierigkeiten. Mein Kurs ist der richtige und er wird weiter gesteuert. Ich denke gar nicht daran abzudanken!

(Alle Antworten sind Original-Zitate von Kaiser Wilhelm II

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Erinnern Sie sich an Zeiten, in denen das Gespräch übers Wetter als Paradebeispiel unverfänglichen Small Talks galt? Die sind natürlich längst vorbei. Das zeigt sich nicht nur im großen Maßstab der Klimakrise. Auch wer Gilberto Gil sehen will, aber den Kartenvorverkauf verpasst hat, steht möglicherweise im kalten Juliregen. Das HKW hält ein Kontingent Schönwetter-Tickets an der Abendkasse bereit – die Wettervorhersage lässt aber wenig Hoffnung auf deren Herausgabe. So ist das mit den großen Namen. Der Top Act des Wassermusik-Festivals bleibt voraussichtlich unerreichbar, man beobachte bei Interesse die Homepage. Und lasse sich beim Stöbern vielleicht doch versöhnlich stimmen, denn da ist noch einiges mehr los – auch so ist das mit den großen Namen: Manches Gute verschwindet in ihrem Schatten. Thema des Festivals: „Black Atlantic Revisited“.

Samstagmittag – Erst letzte Woche war ein Rundgang in Weißensee – dieses Wochenende an der UdK. Zwei zeitlich getrennte Programme, kein Entweder-Oder, „Perfekte Zustände“, könnte man meinen und läge damit falsch, denn genau so lautet der Titel der Abschlussausstellung der Weißenseer Kunsthochschule. Und die öffnet ebenso heute, wie der UdK-Rundgang. Es ist durchaus üblich, dass sich bei der Gelegenheit Kuratorinnen, Galeristen und Sammler nach Berlin begeben, um ins eigene Programm passende Perlen zu sondieren. Was aber machen die geschätzt 99 anderen Prozent, die das Berliner Kulturleben ausmachen, aber nie so erfolgreich werden wie die Gilberto Gils, JRsAdrian Pipers oder Ray Johnsons dieser Welt? Zum Beispiel Führungen durch deren Ausstellungen geben, wie im Museum Frieder Burda (16 Uhr, Auguststraße 11-13).

Samstagabend – Oder Sie machen auf geheimnisvoll. Was heute Abend auf dem Galerieschiff Hošek Contemporary konkret geschieht, ist nämlich Verschlusssache. Unkonkret handelt es sich um „Performance Art“, bei der man zuschauen oder teilnehmen kann, soweit die PR. Wem das Unwissen zu ungemütlich ist, kann sich ab 19 Uhr mitAustern und Vodka auf dem House of Weekend etwas pseudo-sibirische Herzenswärme anschlürfen, da steigt nämlich ein kleines „Rooftop-Fest“. Und das dürfte wiederum anschlussfähigen Gesprächsstoff für die Aftershow-Party des Feldkunst-Festivals liefern, das ebenfalls open air, also auf dem Tempelhofer Feld, stattfindet. Vom Rooftop geht's zur Aftershow runter ins „Theater im Keller“ in der Karl-Marx-Straße 58.

Sonntagmorgen – Auch am Sonntag trotzen wir der Wetterprognose mit Frischluft. Um 11 Uhr öffnet auf dem Campus der FH Potsdam das vom AStA organisierte und über Crowdfunding finanzierte Konterfei Festival, das schon seit Freitag mit seinen drei Bühnen plus Drumherum ein Zeichen für Toleranz, Inklusion und Demokratie setzt. Zeitgleich öffnet auch das KW die aktuelle Ausstellung für Besucherinnen, um ab 13 Uhr zusammen mit den Nachbarn Pauly SaalBON BOCK und Salon Berlin das Hoffest Auguststraße auszurichten.

Sonntagmittag – Zarte Gemüter meinen, es sei letzte Woche bereits kalt genug gewesen, um adäquat Tolstoi zu lesen. Das Verhältnis von Literatur und ihrem Entstehungskontext beleuchten Carla Reimert und Carsten Schneider bei einem Workshop im Haus für Poesie, Titel: „Collagen, Texte und Schablonen". Es wird gedichtet, geklebt, gezeichnet und geschrieben – anschließend werden die Erzeugnisse zu Leporellos zusammengefasst, die manche künstlerische Laufbahn anstoßen könnten. Wer es hingegen der Wetterprognose, der Verkehrssenatorin und allen Sonntagsfahrern einmal richtig zeigen will, fährt beim Bikini Badehose Bike Ride (15 Uhr ab Frankfurter Tor) mit. Die aus anderen Ländern bekannte Nackt-Demo ist für Berlin in Sachen Anziehsachen etwas entschärft.

Sonntagabend – Welcher Soundtrack könnte zum wetterfühligen Tenor dieses Wochenendes wohl am besten passen? Wie wäre es mit früher elektronischer Musik von unter anderem Francis Poulenc und Karlheinz Stockhausen, sowie zeitgenössischer von Timo Kreuser und Philippe Manoury? Einfallslos als „kalt“ kann sie heute allerdings auch von elektrophoben Hörern nicht bezeichnet werden. Vorgetragen wird sie nämlich in mehrstimmigen Arrangements vom Sängerkollektiv Phønix16. Diese außergewöhnliche Idee dürfte die (mit Abstand) interessanteste Musikveranstaltung des Wochenendes werden – wie könnte man sich nicht für sie erwärmen? 20 Uhr in der Kuppelhalle, Silent Green, Gerichtstraße 35, Wedding.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Teena Lange,Kuratorin für Performance-Kunst, künstlerische Forscherin und Autorin. Foto: Vincent Dolanbay

Samstagmorgen gehe ich auf den Markt. Der am Kollwitzplatz ist sicher etwas „posh“, aber ein Argument gibt es: frisch gepresstes Leinöl, der Hammer. Anschließend werde ich Kuchen backen für die Veranstaltung „Hidden Treasures“, die im Rahmen von„Interiors To Being“ stattfindet. Zusammen mit den Künstlerinnen Kerstin Honeit und Surya Gied stellen wir um 17 Uhr im Neuköllner Horse and Pony Perspektiven auf die Karl-Marx Straße vor. Es gibt Schulkinder, die die Straße noch nie ohne Baustelle erlebt haben und 1972 hat Joseph Beuys sie mal gefegt. Wir laden alle im Kiez ein, manch überraschendes Detail ihrer Nachbarschaft neu kennenzulernen. Am Sonntag bin ich, wie jedes Wochenende, verhältnismäßig früh unterwegs. Mit dem Team vom Sonntagsbureau gestalte ich das Programm in der Amerika Gedenkbibliothek. Diesmal haben wir unter anderem den Verein Gladt e.V. zu Besuch, den Juxirkus, Shared Reading, Lachyoga und Tischtennis. Natürlich darf auch einfach gelesen werden. Bibliotheken dürfen an Sonntagen normalerweise gar nicht öffnen, das hat mit dem durchaus ehrbaren Arbeitsschutz von Bibliotheksangestellten zu tun. So bleibt allerdings einer der letzten öffentlichen Räume, die frei von Eintrittspreisen und anderen Konsumzwängen sind, ausgerechnet sonntags unzugänglich. Eine Ausnahmeregelung gibt es aber für Veranstaltungen und die machen wir, das Team Sonntagsbureau. Zum Tagesausklang genehmige ich mir schließlich ein Weinchen bei der 50-Jahre-Feier des n.b.k.

Lese­empfehlungen

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die eine der Hauptvertreterinnen der "Fridays for Future"-Demos in Deutschland ist, sprach im Deutschlandfunk mit Georg Ehring über die Bewegung, ihre Ziele, das Klima und den Verbraucher. Politikwissenschaftler Alexander Straßner sieht in Neubauers kompromissloser Haltung eine Vorstufe extremistischen Denkens, man müsse das Streitgespräch als „Lebenselixier“ der offenen Gesellschaft pflegen statt anderslautende Meinungen diskussionsunwillig unter Generalanklage zu stellen. Hm, beispielsweise bei der Frage nach dem Mietendeckel könnte man durchaus so argumentieren. Aber beim Klima? Ist die Bedrohung überhaupt eine „Meinung“, die sich mit guten Gegenargumenten einfach aufheben ließe oder vielmehr eine wissenschaftlich gestützte Tatsache? Das Klima lässt nicht mit sich handeln, sagt Neubauer. 

Hier vom „Hatelauer Berg“ zu schreiben wäre eine völlig übertriebene Darstellung der Position, die Schriftstellerin Anke Stelling ihrem Bezirk gegenüber einnimmt. Ein bisschen stimmt die Richtung trotzdem. Und weil wir schon dabei sind: Ihr letzter Roman, der eine wesentlich genauere Positionsbestimmung zwischen geplatzten Träumen vom alternativen Leben, High-Tech-Kinderwägen und den Entrepreneuren von heute vornimmt: „Schäfchen im Trockenen“, ein original Prenzlberger Prenzlbergportrait für Nostalgiker wie für Verständnislose gleichermaßen geeignet. Zum Vergleich eine Position aus dem Nachbarbezirk: Die friedrichshainer Autorin Chrizzi Heinen präsentiert ihren Roman „Am Schwarzen Loch“ am Samstagabend, 20.30 Uhr, in der Z-Bar. Die Überspitzung so manches Berliner Klischees wird hier finden, wer nur ausreichend spitzfindig liest. Dazu mehr im aktuellen Tagesspiegel.

Und zum Schluss: Das bisschen Sprache hier ist zwar Englisch, aber die ist nebensächlich. Es geht nämlich um das Lesen in den Bildern der Bilderstrecke, und die sprechen für sich selbst: Drunk Art History auf artnet.

Wochen­rätsel

Die Parkplatzsuche kann in Berlin schnell zur Odyssee werden. Die Heimreise des Königs von Ithaka aus dem Trojanischen Krieg dauerte etwa 10 Jahre. Und wie viel Lebenszeit verlieren Berliner Autofahrer durchschnittlich pro Jahr bei der Suche nach einem Stellplatz?

a) 113 Stunden
b) 62 Stunden
c) 99 Stunden

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Encore

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, seit ich begonnen habe, für den Tagesspiegel zu schreiben und erstmals ein Checkpoint-Stadtleben verfasst habe. Nach meinem ersten Artikel in der Zeitung gab mir ein Kollege den Rat: „Kauf dir einen Tagesspiegel, schau dir an, wie wir das machen, und dann mach es auch so." Ein Jahr später bin ich ganz froh, dass hier kaum jemand etwas so macht, wie man irgendwas vermeintlich macht. Natürlich gibt es Routinen, wo sie nötig sind. Es gibt aber auch eine ganze Menge, nennen wir sie freie Radikale, Störpotenziale und gleichermaßen begeisternde wie begeisterungsfähige Menschen. Beste Voraussetzungen für alles außer Gemütlichkeit. Landläufig heißt es, kreative Menschen seien gut im Lösen von Problemen. Manchmal stimmt das sogar, ist aber irreführend. Richtig gut sind sie nämlich im Schaffen von Problemen. Es kommt nur darauf an, sich die richtigen Probleme zu schaffen.

Auch Ihnen wünschen wir daher nur die besten, interessantesten und wünschenswertesten Probleme. Und ein schönes Wochenende dazu, machen Sie's gut.

Lorenz Maroldt