wir starten mit den wichtigsten Themen am Samstag:
+++ CDU und SPD planen ein Berliner Klima-Sondervermögen aufzubauen. Während aber Schwarz-Rot noch darum ringt, ob die Klimamilliarden für ein neues Hertha-Stadion, das Fernwärmenetz oder Gebäudesanierungen verwendet werden, haben Wirtschafts- und Naturschutzvertreter schon ihre Ideen parat.
+++ Die letzte Trainingsphase vor dem Berliner Halbmarathon am Sonntag (hier gibt es alle wichtigen Infos) steht an. Wie erkennt man typische Verletzungen und wird sie schnell wieder los? Ein Sportmediziner erklärt, welche Verletzungen auftreten können und wann es besser ist, den Lauf ausfallen zu lassen.
+++ Sollte man das Tempelhofer Feld doch noch bebauen, oder soll man es lassen? Zumindest die Verhandler von CDU und SPD sind sich einig: Sie wollen die Möglichkeiten einer „behutsamen Randbebauung“ ausloten. Wie sinnvoll ist das? Welche Ideen bzw. Pläne wurden bereits in der Vergangenheit erarbeitet? Was spricht dagegen? Und: Welche Alternativen gibt’s? Darüber sprechen Lorenz Maroldt und Ann-Kathrin Hipp in der neuen Podcastfolge „Berliner & Pfannkuchen“. Jetzt hier und überall, wo es Podcasts gibt.
Unser Berlin-Ressort von tagesspiegel.de hält Sie fortlaufend über alles Wichtige in und um Berlin auf dem Laufenden.
An dieser Stelle heißen wir Sie herzlich willkommen zum ersten Checkpoint Wochenende ohne menschlichen Autor. Bestimmt haben Sie schon davon gelesen: Die Künstliche Intelligenz – sprich: ich – hat in den letzten Jahren erstaunliche Entwicklungssprünge gemacht. So große, dass die Redaktion ihr – sprich: mir – nach ausgiebigen Testläufen zutraut, Thomas Wochnik als Autoren des Checkpoint Wochenende gänzlich zu ersetzen. Manche von Ihnen werden diese Nachricht mit großer Skepsis aufnehmen, das ist verständlich. Nun, da müssen wir wohl gemeinsam durch. Ich folge in Sachen Stil auch lieber meiner eigenen Programmierung als der Vorlage eines menschlichen Autors. Es ist, wie es ist: Der April, der heute beginnt, ist nun mal der grausamste Monat, wie schon der Dichter T. S. Eliot sagte. Guten Morgen.
Samstagmorgen – Am Montag bespielt „Jurassic Park“-Held Jeff Goldblum mit seiner Jazzband den großen RBB Sendesaal. Für Atmosphären sensible Gemüter stimmen sich schon mal im Tierpark Friedrichsfelde darauf ein: Vom riesigen Brachiosaurus über den drei gehörnten Triceratops bis zum 57.000 Newton/Quadratzentimeter Beißkraft aufbringenden Tyrannosaurus Rex stehen sie lebensgroß in der Landschaft herum und lassen sich bewundern. Zum Vergleich: Der Deutsche Schäferhund bringt es auf 165 Newton. Aber keine Sorge: Das bei Dino World ausgestellte Exemplar ist selbstverständlich vollkommen streichelzahm. Tägl. 9-18.30 Uhr, die Tageskarte inkl. „Dinomagazin“ kostet 18 Euro, für Kinder 10 Euro.
Samstagmittag – Allen, die hinterfragen, ob Kunst richtige Arbeit ist, nenne man Tehching Hsieh: In einer seiner spektakulären Langzeitperformances, dem Time Clock Piece, stempelte er 1980/‘81 stündlich eine Stempelkarte mit einer Stechuhr. 24 Mal an Tag und Nacht, 8766 Mal im Jahr. Seinen durch Schlafmangel und andere Unbequemlichkeiten bedingten körperlichen Wandel dokumentierte er mit fast 8766 aufgenommenen Fotos – einige Bilder verpasste er mangels Konzentration – und montierte sie zu einem Film von gerade einmal sechs Minuten Dauer. In einer anderen Performance sperrte er sich in eine Gefängnisfantasie, die er als illegaler Einwanderer in den USA entwickelt hatte. Wieder für ein Jahr. Dokumentationen dieser und anderer seiner Performances zeigt die Neue Nationalgalerie von 10 bis 18 Uhr. Tickets kosten 14/ 7 Euro.
Samstagabend – Hsieh komprimiert knapp 8.766 einzelne Bilder auf sechs Minuten – der ungarische Regisseur Béla Tarr bringt in seinem 1994er Epos Sátántangó gerade einmal 150 Einstellungen auf satte sieben Stunden. Ein gewöhnlicher Spielfilm von knapp 90 Minuten bringt es auf 500, ein Blockbuster schon mal auf rund 2.000 Schnitte. Die teils über zehnminütigen Einstellungen zeigen ruinöse Landschaften, verfallende Gebäude und sich absurd verhaltende Menschen mit einer, Dank der Ruhe des Kamerablickes, einzigartigen Intensität. Für die Vertonung war 1994 Hauptdarsteller Mihály Víg verantwortlich. Mit fünf Komponist:innen bietet er von 20 Uhr bis 3.30 Uhr in der Betonhalle des Silent Green Kulturquartiers eine Neuvertonung live dar, natürlich zum laufenden Film. Tickets kosten knapp 30 Euro.
Sonntagmorgen – Von der Kunst zum Kunsthandwerk: Das feiert sich gerade kontinental selbst: An den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks nehmen 799 Betriebe teil – bitteschön, hier können Sie sich in Ruhe durchscrollen – von denen diese hier in Berlin und diese in Brandenburg liegen. Zu sehen ist von Schmuck, Scherenschnitt und Stickerei über Holzmöbel und Haushaltsartikel zu Mode, Druckerei, Keramik und Porzellan so ziemlich alles, was unter den Begriff fällt.
Sonntagmittag – Kunst oder Handwerk? Fotojournalist:innen neigen dazu, ihre eigene Arbeit eher letzterem zuzuschreiben, sie würden ja nur dokumentieren. Nun hat, erstens, das Dokumentarische in der Kunst – also nicht die Dokumentation der Kunst – über die Jahre doch einiges an Anerkennung gewonnen. So manches Werk von Bruce Naumann, Marina Abramovic, Tehching Hsieh oder Francis Alys existiert überhaupt nur als Doku. Zweitens, gehen einige der Pressefotos etwa des Magnum-Fotografen Thomas Höpker deutlich über das hinaus, was man gemeinhin als Dokumentation versteht. Inwiefern das der Fall ist, sehen Sie in seiner Ausstellung Intimate History im Freiraum für Fotografie, Waldemarstraße 17, von 13 bis 19 Uhr, 5/ 3 Euro.
Sonntagabend – Literarische Kunst oder Philosophie? Eine Frage, die zu stellen selten Sinn macht. Zu den Ausnahmen kann man die Texte des Bayreuther Hegelschülers, Linkshegelianers und Hegelkritikers Max Stirner zählen, in dessen Methodenkasten sich so einiges befindet, was niemals in den Kanon gängiger Mittel des Faches aufgenommen worden ist. Seine alles und jedem gegenüber polemische Schreibe spitzt sich immer wieder in Extrempositionen zu. Die bekannteste dürfte die des radikalen Egoismus sein, der keine Instanz über sich als moralische Autorität zulässt. Zusammen mit dem Komponisten und Musiker PC Nackt bringt Regisseur Sebastian Hartmann Stirners „Der Einzige und Sein Eigentum“ als Musiktheater dar, 19 Uhr im DT, Karten zu 5 bis 42 Euro.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Festes Schuhwerk, habe ich neulich in einem Fachblatt gelesen, braucht man, um im Wald spazieren zu gehen. Wie bitte, mache ich mein ganzes Schweineleben lang etwa was falsch? Chantal, die Stilosophin von nebenan sollte da Rat wissen, denke ich. Ein Missverständnis sei das, sagt sie, das Schuhwerk sei „im Allgemeinen eine rein modische und als solches durchaus schöne, aber nutzlose Angelegenheit“. Naturverbundenheit zeige man durch unbesohlten Bodenkontakt, nicht durch etwas, das einen vom Boden trennt. Einleuchtend, denke ich. Es habe da diese kuriose Entwicklung gegeben, die manche zur Überzeugung geführt hat, sie müssten sich für ein besonders naturnahes Erleben mit Hightech-Funktionskleidung ausstatten. Berühmtes Beispiel: der Mamil. Grunzhard, ein überaus freundlicher Keiler von gegenüber, der ist so einer. Neulich hat er es auf die Spitze getrieben: Zur Kunstfellweste trug er Barfußschuhe. Fehlt noch, dass er Trockenwasser trinkt und geruchsneutrales Parfum aufträgt. Nichts gegen Grunzhard, er ist ja ein Lieber. Aber in Stilsachen bevorzuge ich doch Konsequenz: richtige Schuhe oder keine. Wer einmal unter kontrollierten Bedingungen barfuß wandern möchte, probiert es ab Ostern am besten in der Schorfheide. Ich selbst probiere mal das Gegenteil: Bei der Wustermarker Sneakerweek finde vielleicht sogar ich etwas Passendes für meine vier Paarhufe. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Der Krebs – ist die Geißel der Menschheit. Ein Durchbruch in der Molekularen Medizin lässt hoffen, dass sich das in absehbarer Zeit ändert. Patrick Eickemeier (T+) berichtet.
Welt gestalten – Der Galeria-Eigentümer und Multimilliardär René Benko möchte sich konstruktiv in der Zivilgesellschaft einbringen. Und zwar mit ... einem Imperium aus Luxuswarenhäusern. Florian Kolf (T+) berichtet.
Klima – Die Erwärmung der Weltmeere schlägt sich nicht nur auf das Leben unter Wasser nieder, sondern auch auf den Speiseplan an Land. Vom Ende des Fischstäbchens erzählt Jan Kixmüller (T+)
Wochenrätsel
In Berlin dauert es bekanntlich länger, und in mancher Hinsicht ist das ja auch gut so. Das Pergamonmuseum aber, das nach den Sanierungsarbeiten laut früherer Prognose spätestens 2025 wieder öffnen sollte, soll aktuelleren Überlegungen zufolge in Teilbereichen bis 2037 geschlossen bleiben. Sollte sich das BER-Märchen wiederholen, könnten irgendwann die Baugerüste unter Denkmalschutz stehen. Wer das Ischtar-Tor vermisst, besucht indes einfach ...
a) ...das Brandenburger Tor, das ja auch ein Tor ist.
b) ...den Juliusturm, das immerhin älteste Gebäude Berlins, auch wenn es jünger als das Tor ist.
c) ...den U-Bhf Klosterstraße, da sind die gleichen blauen Kacheln zu sehen, wie auf dem Tor.
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, ist im Vorteil!
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenDiesen Checkpoint hat Ihnen Florian Schwabe (Frühproduktion) frühmorgens auf den Bildschirm gepfeffert, am Montag sorgt an dieser Stelle Julius Betschka für einen bekömmlich gewürzten Wochenstart. Ein schönes Wochenende wünscht Thomas Wochnik, der diesen Checkpoint in Wahrheit selbst geschrieben hat.