Vorab folgender Hinweis: Diese Checkpoint-Ausgabe wurde unter dem Einfluss der Tagesspiegel-Weihnachtsfeier erstellt. Eventuell auftretende Fehler sammeln Sie bitte ein und liefern sie bei der Geschäftsführung ab. Für einen Eindruck vom Ende der diesjährigen Rede der Chefredaktion klicken Sie bitte hier…
… aber jetzt schnell weiter zum Höhepunkt der Woche der Wahrheit am BER: Irgendwann gegen Ende des Tages, nach der Aufsichtsratssitzung, wird ein neuer Eröffnungstermin bekannt gegeben. Dieser trägt dann die Nr. 7, Sie sollten also nicht zu viele Bitcoins darauf wetten, dass er diesmal wirklich stimmt. Wie es noch vor wenigen Tagen auf der Baustelle des „modernsten Flughafens Europas“ (wenn nicht des Universums) aussah, hat der Brandenburger CDU-Abgeordnete Rainer Genilke dokumentiert (hier zu sehen). Sein Kommentar: „Das sieht ja mächtig nach Ordnung aus“.
Unterdessen hat Flughafenchef Lütke Daldrup die Belegschaft gestern per interner Mail für Dienstag zu einer Betriebsversammlung eingeladen – es geht natürlich um den neuen Eröffnungstermin: „Darüber, was dieser Termin für das Unternehmen und unsere weitere Arbeit bedeutet, möchte ich Sie persönlich informieren“, schreibt der Chef. Am Ende der wichtige Hinweis: „Ich freue mich auf Ihre Teilnahme, die als Arbeitszeit gilt - auch bei freiwilliger Teilnahme in der Freizeit.“ Na hoffentlich führt das nicht gleich wieder zu einer neuen Verzögerung.
Während im Tagesspiegel die Weihnachtsfeier tobte, quälte sich ein paar hundert Meter weiter im Preußischen Landtag das Parlament durch den Doppelhaushalt 18/19. Kurz nach Mitternacht schreckte die SPD-Abgeordnete Bruni Wildenhein-Lauterbach das ermüdete Plenum mit einem fröhlichen „Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen“ auf – bald darauf war dann, nach 16 Stunden Beratung, alles durch. Das letzte Wort dazu hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller: „Nach einem Jahrzehnt des Sparens kommt jetzt das Jahrzehnt der Investitionen.“
„Mielke, Merkel, Lederer – 70 Jahre SED reichen“, stand auf einem Schild vor dem „Babylon“ am Rosa-Luxemburg-Platz, drinnen versammelte sich die Querfront der antisemitischen Verschwörungsfreunde, Dresscode: Aluhut (hilft gegen böse Chemtrails). Die Hauptperson fehlte allerdings: Ken Jebsen, dem der „Alternative Karlspreis“ überreicht werden sollte. Als Laudator vorgesehen war übrigens Mathias Bröckers, was zu erhöhtem Blutdruck bei einigen seiner „taz“-Kollegen führt: Der 9/11-Conspiracy-Experte und Interessent an Versammlungen mit Reichsbürger-Appeal arbeitet gerade an einem Buch zum 40. Geburtstag seiner Zeitung – in deren Auftrag.
Für 7,16 Millionen Euro ist das Haus Eisenbahnstraße 2-3 (F’hain-Xberg) versteigert worden – ein Drittel teurer als der Verkehrswert (und der hat’s auch schon in sich). Als normales Investment wäre das eine Katastrophe: Nach frühestens 50 Jahren (eher später) hätte sich der Kauf amortisiert – doppelt so lange wie bei seriös finanzierten Immobilien. Eine Katastrophe ist das aber vor allem für die Mieter: Der neue Eigentümer wird sie loswerden wollen. Baustadtrat Florian Schmidt prüft, ob der Bezirk ein Vorkaufsrecht hat.
Die Berliner Digital-Expertin Anne Roth (u.a. Referentin im NSA-Untersuchungsausschuss des 18. BT) dokumentierte gestern auf Twitter einen typischen Dialog, hier am Rande von Digital Society: „Wer ist im R2G-Senat in Berlin eigentlich für Digitales zuständig?“ „Keine Ahnung.“ Die Frage ist inzwischen Kult auf Digitalkonferenzen. Ich habe sie vor kurzem selbst gestellt als Moderator bei einer Veranstaltung von „Berlin Partner“ und Tagesspiegel bei „SAP Data Space“ in der Rosenthaler Straße. Keiner der Anwesenden kannte den Namen der Berliner IT-Staatssekretärin, ganz wenige wussten, dass es sie überhaupt gibt. Ihr Name ist übrigens Sabine Smentek. Bei der SAP-Eröffnung Anfang des Jahres hatte sie hier in Vertretung des angekündigten Michael Müller eine kurze Rede vom Blatt abgelesen, in meinen Notizen vom 12.12.2016 stehen folgende Sätze: „Wie Sie merken, bin ich nicht der Regierende Bürgermeister“ und „Wir haben innovative Ideen“. Wie schade, dass der Senat sie für sich behält.
Telegramm
Kurz vor dem Jahrestag des Anschlags vom Breitscheidplatz veröffentlicht die „Berliner Zeitung“ eine Dokumentation der Ermittlungsakten – es bestätigt und vertieft sich die Erkenntnis: „Der Staat sah zu“. An einer Razzia in der Berliner Islamistenszene waren gestern 130 Polizisten beteiligt.
Eine Warnung für Insassen der JVA Tegel: Sie könnten beim Hofgang von fliegenden Haschischplatten getroffen werden – gerade landete ein solches Paket (Gewicht: 982,07 Gramm) hinter den Gefängnismauern.
Ist ja eigentlich die klassische „Hermes“-Liefermethode (CP von gestern)…
… aber die neueste Folge der „Nachrichten vom DHL-Boten“ ist auch nicht schlecht: „Alle Pakete für Straßmannstr. 10 sind beim Kiosk“, stand auf einem Zettel an der Haustür. Alle. Beim Kiosk. Aha. Schatz, bitte schau doch mal nach, ob beim Späti ein Päckchen für uns liegt – und bring mir gleich ein Sixpack und Kippen mit.
Und damit zu unserer neuen Serie „Rechnen lernen mit dem Checkpoint“. Zum Auftakt eine leichte Aufgabe: 70 % des Mathe-Unterrichts und 55 % des Deutschunterrichts wird von Lehrern erteilt, die das Fach nicht studiert haben. Wie lautet die Wurzel des Übels? (Tipp: 125 % ist falsch).
Wenn Sie den tollen neuen Radstreifen in der Gitschiner Straße sehen wollen, auf den die Politik so stolz ist, können sie ihn hier ja mal suchen. Pssst, kleiner Tipp: Schauen Sie unter den geparkten Autos nach…
… und falls es Sie interessiert, wie findige Städter in der Uhlandstraße einen öffentlichen Trinkbrunnen zur Raucherkneipe umfunktionieren, werden Sie hier fündig.
Aus der Reihe „Bus, aber glücklich“: Im M29er zum Anhalter Bahnhof, der Fahrer winkt einen Fahrgast mit Geldschein in der Hand durch: „Genießen Sie den Advent“…
… was natürlich prima Futter ist für die BVG-Kampagne „Weil wir Dich lieben“. Aber ob es den Verkehrsbetrieben gefällt, wie die „Graffiti-Crew ZGM“ diese Liebe erwidert? Einen ihrer U-Bahn-Wagen fand BVG jetzt mit dem netten Schriftzug „Weil wir Euch lieben“ dekoriert vor – mit gelbem Herz, aber auf geschwärztem Untergrund (Q: „MitVergnügen", Bilder und ein Video dazu gibt’s hier).
Zum letzten Mal vor der BERscherung eines neuen Eröffnungstermins ein Zitat aus der Geschichte „Der ewige Advent“, heute von Dietmar Woidke (22.1.17): „Wir planen doch keine Mondlandung!“ (Anmerkung der Redaktion: Der Ministerpräsident hat recht. Es geht nur um ein Shoppingcenter mit angeschlossenem Flugbetrieb). Ganz im Gegensatz übrigens zu Donald Trump – der plant eine Mondlandung, um eine Marsstation genau dort errichten, wo ihn viele hinschießen möchten, Eröffnungstermin: Irgendwann Anfang der zwanziger Jahre.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir waren auf dem Schiff viel schneller, als es der Zeitplan vorgesehen hat.“
Ingmar Pering, Präsidiumsmitglied von Hertha, zu den letzten Meilen der Rückkehr des gleichnamigen Gründungsbootes in die Stadt (nach mehrmonatiger Verspätung selbstverständlich).
Tweet des Tages
Gestern habe ich um 10 Uhr die Termine in den Bürgerämtern geprüft. Am selben Tag waren noch 210 Termine frei. Wer sich in der Stadt anmelden möchte, kann das tun. Es twittert die Finanzverwaltung und zitiert aus der Rede von Senator Kollatz-Ahnen bei der Haushaltsdebatte.
Stadtleben
Essen & Trinken in der Gärtnerei verspricht Genuss auf ganzer Linie. Das fängt schön beim Ambiente an, das von dezenten Farben und großen Blumenarrangements geprägt ist. Der flotte Service bringt die raffinierten Speisen herbei, die, wenn auch hier und da etwas überambitioniert arrangiert, durchweg munden: Der Coq au Vin kommt als gezupftes Fleisch und superzartes Stück Hähnchen, dazu Schwarzwurzeln als Salat und bissfeste Stäbchen, Petersilienpüree, geschmolzene Zwiebeln, halbe Weintrauben und Pilzragout (18 Euro). Auch die Weinkarte hat den Trend zum Originellen: Unserer Restaurantkritikerin wurde ein 2015er Pfälzer Blanc de Noir von Arnold (ein Weißwein aus roten Trauben) empfohlen, und der passte ausgesprochen gut. Torstraße 179, Mitte (U-Bhf Rosenthaler Platz), Di-Sa 18-13 Uhr