Vergessen wir die Geschichte, holt sie uns ein. Das gilt auch für einen Regierenden Bürgermeister. Rund 800.000 Bauernbetriebe wurden in der DDR bis Ende 1960 enteignet. Zwangskollektivierung. Viele Bauern flohen in die BRD, die Suizidrate der Landbevölkerung stieg signifikant. Leid, das die DDR-Propaganda mit dem Slogan „Vom Ich zum Wir“ verharmloste. 60 Jahre später schmückt dieser Spruch die Beschreibung des offiziellen Twitter-Accounts der Stadt Berlin. Auch auf der Seite der Senatskanzlei findet sich die Formel als theoretischer Überbau zum neuen Berlin-Slogan „Wir sind ein Berlin.“ Von einem AfD-Abgeordneten angesprochen, sagte der Regierende Michael Müller (SPD) gestern im Abgeordnetenhaus: „Erstens, es ist mir nicht bekannt und zweitens glaube ich, es ist auch sehr weit hergeholt.“ Jens Schöne, stellvertretender Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beim Land Berlin, der zum Thema promoviert hat, ist „im höchsten Maße“ irritiert: „Mit Blick auf die Opfer und Folgen des Prozesses ist dieses Motto als neue Berliner Markenformel völlig ungeeignet.“
Gegenwart statt Geschichte ist das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, das die Innenverwaltung am Donnerstag für rechtlich zulässig erklärt hat. Eine inhaltliche Bewertung des Volksbegehrens sei damit aber nicht verbunden, teilt die Behörde mit. Inhaltlich gibt’s innerhalb der rot-rot-grünen Koalition Krach. Die Linke befürwortet die Initiative uneingeschränkt, SPD und Grüne sind skeptisch. Die CDU sprach von „ideologischem Wahnsinn“, die FDP von „fatalen Signalen“. Die Organisatoren der Initiative sind optimistisch, im zweiten Schritt Unterschriften von den erforderlichen sieben Prozent der Berliner Wahlberechtigten (etwa 175.000 Personen) zu sammeln. Die Deutsche Wohnen reagierte am Donnerstag nicht, ihr Aktienwert kletterte unbeirrt weiter.
Anzeige
Wir bei Vattenfall sind entschlossen, ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation zu ermöglichen. Ein Schritt auf dem Weg dorthin ist es, Windenergie so effizient zu machen, dass sie günstiger zu produzieren ist als fossile Energie. Schon jetzt können unsere Offshore-Windparks vor Sylt den Strombedarf von mehr als 800.000 Haushalten decken.
Mehr auf vattenfall.de/fossilfrei
Während Eltern an gefährlichen Schulwegen schon mal drei Jahre auf eine Verkehrskontrolle warten müssen, hat es auf der autofreien Friedrichstraße 16 Tage gedauert. Wie von der Berliner CDU gefordert, kontrollierte die Polizei am Montag zwei Stunden mit Lasergeräten den Radverkehr in der 20er-Zone. CP-Kollege Stefan Jacobs hat sich die Bilanz geben lassen. Fazit: „Es wurden keine vorwerfbaren beziehungsweise ahndungsrelevanten Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt.“ Lediglich fünf Radfahrer, die verbotswidrig ihre Handys nutzten, erwischten die Einsatzkräfte. Rasende Radler? Fehlanzeige. Die Polizei bleibt trotzdem dran. Am Donnerstagabend wurde erneut kontrolliert.
„Unverhältnismäßig“ finden Anwohner und Gewerbetreibende in der Neuköllner Weisestraße den Polizeieinsatz rund um die Räumung der Kiezkneipe Syndikat. Man sei „mehrere Tage terrorisiert“ worden, heißt es in einem Brief an den Innenausschuss. Hunderte Polizisten hatten Anfang August die Räumungsvollstreckung gesichert, das Gebiet glich einer Hochsicherheitszone. Und offenbar ist die Polizei weiterhin sehr präsent. Auf CP-Anfrage teilte die Pressestelle mit, es habe zwischen dem 11.8. und dem 14.9. 50 Einsätze in der Weisestraße gegeben. 16 Einsätze dauerten mehr als 22 Stunden, sechs Mal waren Polizeihunde im Einsatz. In der gesamten Straße seien in dem Zeitraum 61 Straftaten registriert worden, darunter drei Fahrraddiebstähle, fünf Beleidigungen, Taschendiebstahl und zwölf Straftaten gegen die öffentliche Ordnung. Zum Vergleich: Im Syndikat hatte es laut Innenverwaltung in den vergangenen zehn Jahren zwei Anzeigen wegen Körperverletzung und drei Lärmbeschwerden gegeben.
Anzeige
Kulturelle Highlights, so weit das Auge reicht: Willkommen in Spandau.
Nur wenige Minuten von der pittoresken Altstadt entfernt entsteht im Quartier BUWOG SPEICHERBALLETT das Wohnensemble HAVELKIESEL mit attraktiven Eigentumswohnungen direkt am Wasser. Z.B. 2 Zimmer, ca. 67 m², EG mit Garten, 319.000 Euro. Ohne Provision direkt vom Bauträger.
Jetzt informieren!
Wir bleiben in Neukölln. Da wird heute Christina Schwarzer als CDU-Direktkandidatin nominiert – wenn ihr Sabine Töpfer-Kataw keinen Strich durch die Rechnung macht. Wie meine Kollegin Ronja Ringelstein erfuhr, will sich die frühere Justiz-Staatssekretärin ebenfalls bewerben. Ihre Chancen schätzt sie selbst gering ein, aber sie wolle Transparenz. „Es ärgert mich, dass vieles in meiner Partei immer als alternativlos hingestellt wird“, sagte sie. In der Berliner CDU gilt Schwarzers Wahl als abgemacht. „Schauen wir mal“, sagt Töpfer-Kataw, die auf einem Kleinen Parteitag einst im T-Shirt der Deutschrap Band „K.I.Z.“ erschien. Das habe sie auf einem Konzert gekauft. Die Band fände sie gut, K.I.Z. mache sozialkritische Texte ohne erhobenen Zeigefinger. „Ich bin durch und durch konservativ“, aber auch ein bisschen „anders“, sagt Töpfer-Kataw dazu. Wie weit sie das in der CDU Neukölln bringt, wird sich heute zeigen.
Stress unter Stars: Tina Turner stört sich daran, dass ihr Double zu sehr nach Tina Turner aussieht. Die täuschend echte Turner heißt Dorothea „Coco“ Fletscher und tritt seit Jahrzehnten im Hotel Estrel bei der „Stars in Concert“-Show auf, jetzt fordert Turner via Anwalt, die Plakate abzuhängen. Was ist da los auf dem roten Teppich? Kurzer Anruf bei Tina Fletscher, äh Coco Turner.
Frau Fletscher, sind Sie wegen der Abmahnung von Tina Turner beleidigt oder ist sie trotzdem noch simply the best? Oh, sie bleibt die Beste! Es ist doch ein großes Kompliment, dass sie sich beschwert. Das beweist, dass ich so aussehe, so singe, mich so benehme wie Tina. Wir machen also einen super Job.
Das ist sehr höflich von Ihnen, aber what’s love got to do with it? Ich konnte es nicht glauben, dass sich Tina an diesem zehn Jahre alten Foto stört. Es muss mit der Konkurrenz des Tina-Turner-Musicals in Hamburg zu tun haben.
Haben Sie sich überlegt, Ihr Double zu wechseln? Vielleicht Aretha Franklin? Ich liebe es, Tina Turner zu sein. Sie hat so viel Power, so viel Leidenschaft – das reizt mich an der Rolle seit 20 Jahren.
Sie wollen also nicht mal ein Private Dancer werden? Nein, ich werde auch nicht aufhören so auszusehen, mich so zu bewegen und so zu singen wie sie. Der Job Tina Turner zu sein, ist ja Tina Turner zu sein.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Im abgebrannten Flüchtlingslager Moria mangelt es an allem – vor allem Menschlichkeit. Die pro-europäische Partei Volt sammelt in der Choriner Straße 34 in Prenzlauer Berg noch heute bis 18 Uhr Sachspenden (haltbare Nahrung, Kleidung, Zelte, Isomatten, Hygieneartikel etc.) für die obdachlosen Menschen auf der griechischen Insel Lesbos. Ein 7,5-Tonner ist schon voll, ein weiterer soll es noch werden.
SPD und Grüne sind sich ja seit einer Weile nicht ganz grün, beim jüngst gestoppten Klimaschutzpaket sehen die Sozialdemokraten nun rot. Fraktionschef Raed Saleh hat eine „Stellungnahme zum Vorschlag der Grünen“ veröffentlicht und geht auf Konfrontationskurs: Mit der SPD gebe es weder die unsoziale City-Maut, noch Vervielfachung der Parkgebühren, noch die Verbannung von Verbrennungsmotoren in der Innenstadt. Für den Berliner Klimaschutz eine Vollbremsung.
Anzeige
Musik von Wolfgang Rihm beim Musikfest Berlin in der Philharmonie!
Am 23. September präsentieren Tabea Zimmermann und Christian Gerhaher die Uraufführung von „Stabat Mater“ für Bratsche und Bariton. Außerdem spielen Tamara Stefanovich und Jörg Widmann mit Musiker*innen der Berliner Philharmoniker eine Auswahl seiner Kammermusikwerke.
Nicht verpassen!
Erst zum Jahresbeginn wurden die Preise der BVG erhöht, nun könnten sie erneut steigen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg diskutiert 10 bis 20 Cent teurere Tickets. Ob so die Verkehrswende gelingt? Benzin- und Diesel-Preise sanken seit Januar um rund 15 Cent.
In Großstädten fahren Menschen häufiger Rad – und tun es wegen Corona nun noch häufiger. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für das Verbraucherportal sparwelt.de hervor. Rund 40 Prozent der Befragten gab an, seit der Pandemie häufiger aufs Rad zu steigen. Insgesamt radeln 80 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 60 Jahren zumindest manchmal. 27 Prozent der Radfahrer in Großstädten gaben an, gar kein Auto zu besitzen.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres, ihre Staatssekretärin Beate Stoffers (beide SPD), sowie große Teile des Bildungs- und Wissenschaftsausschusses müssen nach der Covid-19-Infektion eines Fraktionsmitarbeiters vorsichtshalber in Quarantäne. Wir hoffen auf negative Ergebnisse und, dass die Tablett-Ausstattung im Home-Office besser ist als an Berlins Schulen.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Eine Stadt, zwei Kita-Welten. Während an 20 HVD-Kitas am kommenden Mittwoch gestreikt werden könnte, sind die Kita Brittendorfer Weg aus Zehlendorf sowie die zwei Pankower Kitas „Villa Universum“ und „Kita Berlin Kids International“ für den Deutschen-Kita-Preis 2021 nominiert. Bundesweit hatten sich 1200 Kitas beworben, 25 sind in der Endauswahl. Die Entscheidung fällt im Frühjahr 2021, es winken bis zu 25.000 Euro Preisgeld.
84 Berliner Kitas fehlen mindestens 31.442,10 Euro wegen ausgefallener Kitafahrten. Anders als bei Klassenfahrten können die Stornierungskosten nicht von der Bildungsverwaltung übernommen werden. (Q. Parlamentarische Anfrage Katrin Seidel; MdA Linke)
Wieder nur ein Einzelfall? Hessens Justizministerin teilt mit, dass Ende Juli unbefugt persönliche Daten von Moderator Jan Böhmermann von einem Berliner Polizeicomputer abgerufen wurden. Wenige Tage später tauchte Böhmermanns Privatadresse in einem Drohschreiben auf, das mit „NSU-2.0“ gezeichnet ist.
Anzeige
Wir schenken Ihnen das neue iPhone!
Lesen Sie den Tagesspiegel als digitale Zeitung inklusive Tagesspiegel Plus und Checkpoint.
Als Geschenk erhalten Sie das neue iPhone und sparen über 400 €.
Jetzt Angebot sichern.
Tom Schreiber (MdA SPD) wollte vom Senat wissen, ob die Bäckerei 2000 (im Bild der Besitzer Murat Erdogan) am „Dorfplatz“ in der Rigaer Verbindungen zum Linksextremismus hat. Antwort: „Aufgrund der unmittelbaren räumlichen Nähe zur Liebigstraße 34 und Rigaer Straße 94, die in enger Beziehung zu den vom Verfassungsschutz Berlin beobachteten Personenzusammenschlüssen „Liebig34“ und „Rigaer94“ stehen, ist anzunehmen, dass Protagonisten dieser Bestrebungen die Bäckerei mitunter zum Einkauf nutzen." CP-Parole: Allerta, allerta, Apfeltasche!
Huch, ist SPD-Hoffnung Franziska Giffey schon wieder auf dem Weg nach unten? Entwarnung, offenbar nur schlechte PR.
Anzeige
Kennen Sie schon unsere Tagesspiegel Editionen und Verlagsprodukte? Entdecken Sie jetzt das exklusive Sortiment des Tagesspiegel-Shops online oder vor Ort im Ladengeschäft.
Auf dem Weg zu neuen Höchstleistungen befindet sich unsere Laufgruppe. Am Samstag drehen wir eine Runde (6 bzw. 12 Kilometer) durch den Grunewald, dazu bietet Tagesspiegel-Kolumnistin Jeannette Hagen eine Walkinggruppe an. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Mommsenstadion. Und gleich mal vormerken: Am Sonntag, 27. September, starten wir um 10 Uhr beim Weltrekordlauf von SCC-Events und laufen 2:01:39 Stunden (weniger ist auch okay) durch den Volkspark Friedrichshain. Immer mit dabei: Ein Auto für Wechselklamotten, Getränke und Kontaktlisten.
Déjà-vu-Meldung: IT-Probleme in Berliner Gerichten. Immer noch? Ne, schon wieder. Nach Problemen am vorletzten Donnerstag und am Montag, flackerten gestern wieder die Bildschirme. Es kommentiert die Band Blumentopf: „Wir stürzen ständig ab, zu wenig Speicherplatz, alles fehlerhaft, mein Betriebssystem ist fucked up!“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ob das Biberweibchen einem Biberhasser oder schlicht einem perversen Tierquäler zum Opfer gefallen ist, bleibt bislang unklar.“
Ansgar Poloczek, Artenschutzreferent beim Nabu Berlin. Die Tötung eines Biberweibchens in Marzahn bewegt Umweltschützer.
Tweet des Tages
Der 8-Jährige: ‚Wenn ich was mit Fußball am Hut hätte, wäre ich, glaube ich, Hertha-Fan. Hertha ist für mich einfach viel mehr Berlin. Der Eisbär heißt zum Beispiel Hertha und nicht Union.‘
Stadtleben
Essen – Dass die Crêpes und Galettes gut sein müssen, wird schon klar, wenn der Cidre im Suzette in der typisch bretonischen Keramiktasse serviert wird. Im kleinen Bistro in Prenzlauer Berg (Pappelallee 15) wird französische Küche mit wahrer Liebe zu Berlin verbunden: Die beiden Besitzer, Jean-Philippe und Vincent, gaben ihre festen Stellen in Paris sofort auf, als sie die Chance hatten, nach Berlin zu gehen (Liebe auf den ersten Blick!). Glück für uns, dass sie ihre Leidenschaft für Crêpes und Galettes gleich mitgebracht haben. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 22 Uhr, wobei unter der Woche von 15.30 bis 18 Uhr Mittagspause – auch typisch französisch – angesagt ist. Am Wochenende fällt diese weg. U-Bhf Eberswalder Straße
Anzeige
Sie möchten sich sinnvoll engagieren, aber wissen nicht wo? Unser Newsletter „Ehrensache“ informiert Sie jeden Monat über die vielfältigen Möglichkeiten des Engagements, Charity und Ehrenamt in der Hauptstadt. Außerdem: Nachrichten rund um alles, was Ehrenamtler in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Anmeldung unter: ehrensache.tagesspiegel.de
Trinken – Cocktailliebhaber haben das Geist im Glas in Neukölln (Lenaustraße 27) längst für sich entdeckt, lässt es sich doch in gemütlich-romantischer Atmosphäre hier mehr als aushalten. Aber es wird noch besser: Am Wochenende gibt’s üppigen Brunch, sogar der Ahornsirup ist mit Bourbon verfeinert. Nach einer kurzen Schlafpause also am Besten einfach wiederkommen. Mo-Do 19-2 Uhr, Do-Sa bis 4 Uhr, Sa-So ab 10 Uhr, U-Bhf Hermannplatz
Berlinbesuch – Berlin hat viele Facetten, da kann man manchmal gar nicht mehr mithalten. Gut also, dass die Komische Oper ihren Kostümverkauf laufen hat (heute, morgen, sowie Mo & Di, mit Anmeldung!). Ob schillernde Abendkleider, Tierkostüme oder Rokoko-Stiefel: Hier finden Sie alles, für jeden Anlass – für Parade, Gala oder zum Ringbahnfahren. Der Eintritt kostet eigentlich 10 Euro, aber wir haben für morgen, 10-11 Uhr, zwei kostenlose Timeslots für Checkpoint-Leser*innen organisiert. Wer möchte?
Geschenk – Eigentlich sollte das schon längst klar sein, aber oft wird Schwarz-Sein und Europäer-Sein, als nicht miteinander einhergehend angesehen. Es ist ein sensibles Thema und für die Mehrheit der (weißen) Europäer schwer nachvollziehbar und einfach nicht Teil des Alltags. Eine Reise durch die Kultur, mit vielen Gesprächen, des Schwarzen Europas erlebt man mit dem Buch „Afropäisch“ von Johnny Pitts. Ein Porträt eines Kontinents, seiner postkolonialen Identität und letztendlich ein veränderter Blick auf Europa. Erschienen im Suhrkamp Verlag (26 Euro) – wir verlosen ein Exemplar.

Karten sichern – Mit subtilem Humor und phantasievollen Metaphern lockt das FELD Theater für junges Publikum ebensolches in seine Spielstätte in Schöneberg (Gleditschstraße 5). Sie mögen Obstsalat? Dann ist die Premiere „Death is certain“ morgen um 19 Uhr genau das Richtige für Sie: Auf der Bühne werden Früchte durchlöchert. Am Wochenende darauf wird die Frage geklärt, worüber sich Bienen unterhalten, wenn sie unter sich sind. Tickets gibt es hier. U-Bhf Nollendorfplatz (Foto: FELD Theater)
Noch hingehen – Eigentlich haben Schausteller auf Volksfesten und Jahrmärkten im Frühling den meisten Umsatz. Aufgrund der aktuellen Situation standen Riesenräder und Karusselle allerdings still. 5.000 Familienunternehmen sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Doch es gibt Hoffnung: So lockt derzeit der Herbstrummel (Kurt-Schumacher-Damm 207) zum Besuch – unter strikten Coronaregeln. Der Eingang wird streng kontrolliert, um die maximale Zahl der Besucher*innen nicht zu überschreiten. Zwischen den Fahrgeschäften ist ausreichend Abstand, jeder Bude stellt Desinfektionsmittel zur Verfügung. Maske nicht vergessen! Eintritt frei, Mi-Do 15-21 Uhr, Fr-Sa 15-22 Uhr, So 13-21 Uhr
Last-Minute-Tickets – (ein Tipp von Ingolf Patz) Henrietta Lacks starb 1951 an Krebs, doch ein Teil von ihr lebte in Forschungslaboren fort. Heimlich hatte man der afroamerikanischen Frau Zellen entnommen und entdeckt, dass diese sich unendlich weiter teilten: Dank dieser ersten gezüchteten menschlichen Zelllinie konnten die Entdeckungen der Krebs-Forschung vorangetrieben werden. Choreograf Christoph Winkler, selbst an Krebs erkrankt, entwickelte aus Lacks‘ Geschichte das Tanzstück „On HeLa – The Colour of Cells“ über Ethik und Rassismus zu Musiken aus der Blütezeit des Jazz. Los geht’s um 20 Uhr im Ballhaus Ost (15/10 €).
Berlin heute
Verkehr – Sachsendamm (Schöneberg): Aufgrund einer Veranstaltung ist zwischen der A103 und Dominicusstraße/Hauptstraße mit temporären Sperrungen zu rechnen (10 Uhr-13 Uhr).
Wannsee bis Tiergarten: Vom S-Bhf Wannsee bis zum Pariser Platz kommt es zu Sperrungen, betroffen ist auch die A115 in beiden Richtungen zwischen dem Kreuz Zehlendorf und dem Dreieck Funkturm. Grund dafür ist eine Fahrraddemo (ab 14.30 Uhr).
Kurfürstendamm (Wilmersdorf): Aufgrund einer Kundgebung im Bereich Lehniner Platz kommt es zu Verkehrsstörungen und Sperrungen (17-22 Uhr) .
A10 (Nördlicher Berliner Ring): Wegen Ausbaus der A10 ist auch hier mit umfangreichen Sperrungen in beiden Fahrtrichtungen zu rechnen (Freitag, 20 Uhr bis Montagmorgen, ca. 10 Uhr).
Demonstrationen – In der Leipziger Straße demonstrieren die Students for Future mit der Kundgebung „Mehr Klimaschutz braucht mehr ÖPNV“, es werden 50 Teilnehmer*innen erwartet (17-18.30 Uhr). Als „Aktion gegen Raserei am Kurfürstendamm“ bilden 1000 Personen eine Menschenkette am Ku'damm 90 (17-20 Uhr). Für „Queere Menschen und reproduktive Rechte / Queere Menschen im deutschen Gesundheitssystem“ versammeln sich 100 Bürger*innen am Reichtagsufer (13-19 Uhr). Am Sonnabend ruft Greenpeace Berlin zur Kundgebung „Human Protected Bike-Lane – für sicheren Radverkehr“ auf. Hier werden 100 Teilnehmer*innen in der Chausseestraße erwartet (11-14 Uhr). 1500 Menschen setzen sich am Pariser Platz für „Sexuelle Selbstbestimmung – ein Menschenrecht“ ein, angemeldet vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung (10.30-16 Uhr).
Gericht – Der Prozess wegen Doppelmordes gegen einen 32-Jährigen geht weiter. Er soll seine 38-jährige Nachbarin und ihre neun Jahre alte Tochter erstochen haben. Es sei ihm darum gegangen, die Wohnung der Getöteten nach Wertgegenständen zu durchsuchen (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Melanie Berger, „Berlin-Redakteurin, Stadtleben-Expertin und Sommelieuse – Team Checkpoint gratuliert herzlich“ / Ulrich Gregor (88), Filmkritiker, Mitgründer des Kinos „Arsenal“-Kinos, ehem. Leiter der Berlinale (1981-2000) / Hans Kollhoff (74), Architekt, verantwortlich u.a. für Kollhoff Tower am Potsdamer Platz und Umbau des Auswärtigen Amtes / Geert Müller-Gerbes (83), Journalist und Fernsehtalkmaster / Anke Myrrhe, „Checkpointerin, Berlin-Chefin und Slampion der Herzen – Ankeschön für alles! Deine Checkies“ / Bahman Nirumand (84), Schriftsteller / Stephan Sarek (63), Schriftsteller und Feuerwehrmann / Wolfgang Schäuble (78), Präsident des Bundestages (CDU) / Lukas Stankowski, „Herzlichen Glückwunsch von den Alpha Angels“ / Hans-Jörg Tischer (52)
Sonnabend – Karin Baal (80), Schauspielerin / Brigitte Eisenfeld (75), Kammersängerin, „herzliche Wünsche vom Ehemann!“ / Markus Imhoof (78), Filmautor und -regisseur / Tobias Kluckert (48), Schauspieler und Synchronsprecher / Heiko Maas (54), seit 2018 Bundesminister des Auswärtigen (SPD) / Michael Müller (36), Handballspieler bei den Füchsen Berlin / Lisa Paus (52), für die Grünen im BT / Johanna Schall (62), Schauspielerin / Iris Spranger (59), für die SPD im AGH / Juliane Witt (58), Bezirksstadträtin in Marzahn-Hellersdorf (Die Linke)
Sonntag – Sabine Christiansen (63), Journalistin, Fernsehmoderatorin und Produzentin / Ayşe Demir, „Vorstandssprecherin des TBB (Türkischer Bund Berlin-Brandenburg)“ / Kirsten Dreher, „Direktorin des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten“ / Antje Kapek (44), Fraktionsvorsitzende der Grünen im AGH
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Jürgen Cotta, * 30. November 1933, Dipl.-Volkswirt / Klaus Hertrampf, * 17. November 1954, Spektrum GmbH / Gertraude Reck, verstorben am 3. September 2020 / Werner Wieczorrek, * 12. Januar 1935
Stolperstein – Heute vor 77 Jahren wurde Bruno Wegener nach Buchenwald deportiert. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich bereits acht Jahre in Haft. Ein Jahr nach einer weiteren Deportation nach Mittelbau-Dora wurde Bruno Wegener ermordet – im Alter von 53 Jahren. In der Auguststraße 73 in Mitte liegt zu seinem Gedenken ein Stolperstein.
Encore
Dass Berliner gern auf dicke Hose machen, ist bekannt. Dass sie auch auf großem Fuß leben, eher nicht. Doch via Pressemailing haben die Hauptstadt-Werber von Visit Berlin nun ein paar „wissenswerte Fakten“ veröffentlicht. Punkt 1: Die Füße der „Goldelse“ (wer nennt die so??) auf der Siegessäule sind 92 Zentimeter lang. „Umgerechnet entspräche das Schuhgröße 138!“ Da kiekst, wa?
Große Schritte zur Entstehung dieses Newsletters hat die Recherche von Vivien Krüger beigetragen, das Stadtleben hat für Sie Lotte Buschenhagen zusammengestiefelt. Den Endspurt bis in ihr Postfach hat unser Produzent Caspar Schwietering hingelegt.
Kommen Sie gut durch den Freitag und freuen Sie sich aufs Wochenende.