hätten wir die Rubrik „Mathe lernen mit dem Checkpoint“ nicht längst erfunden, müssten wir es heute tun. Die ganze Stadt fragt sich: Wie macht man aus bis zu 26.000 fehlenden Schulplätzen zum Schuljahr 2021/22 nur noch 9500? Denn genau das ist Schulsenatorin Sandra Scheeres scheinbar gelungen. Am Dienstag präsentierte sie im Senat neue Zahlen, die mit denen aus der vergangenen Woche (aus einem 800 Seiten schweren Bericht der Taskforce Schulbau ihrer eigenen Verwaltung von Mai) nichts mehr zu tun hatten. Scheeres‘ Antwort: indem man an der Statistik dreht. Grundlage für die Horrorzahlen (nur eine „Maximalprognose“) war die Datenbank Wofis (Wohnbauflächen-Informationssystem) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, in die stadtweit Wohnungsbaupotenziale und mögliche Wohnungsbelegungen einfließen. Davon würden aber nicht alle Projekte realisiert. Womit wir endlich eine Erklärung gefunden hätten, warum Stadtentwicklungssenatorin Lompscher ständig ihre Wohnungsbauziele verpasst.
Dass Scheeres‘ neue Zahlen kaum aufgehen können, zeigt allerdings ein Blick in die Bezirke. Allein Pankow und Mitte rechnen mit insgesamt 9620 fehlenden Schulplätzen in zwei Jahren. In genauen Zahlen: Pankow: 2635 Plätze an Grundschulen, 1160 an Sekundarschulen und 2125 an Gymnasien (im schlimmsten Fall). Und die aktuelle Schätzung aus Mitte: 2021/22 fehlen an den Grundschulen 2100 Plätze, an den weiterführenden Schulen 1600. Wie heißt es so schön? Was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn das so weitergeht, sind wir in einer Woche bei einem Überschuss von 6000 Plätzen.
Nicht auf sich sitzen lassen will Scheeres‘ Parteifreund Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei, den von Lorenz Maroldt im CP von gestern implizierten Vorwurf, dem Senat sei das Thema Schulplatznot lediglich den letzten Platz auf der Tagesordnung wert. Das liege daran, dass die Senatstagesordnung eine eigene Systematik habe, schreibt Gaebler, aktuelle Themen würden generell erst nach dem „Standardprogramm“ besprochen. „Die Sitzung begann um 10.03 Uhr, der TOP 17 (fehlende Schulplätze) wurde um 10.10 Uhr aufgerufen. Sitzungsende 11.00 h (wegen Gedenkveranstaltungen 13. August). Vortrag und Diskussion zu Schulplätzen nahmen damit den größten Teil der Sitzungszeit ein.“
Von Edinburgh, Barcelona, Paris, Amsterdam und Dublin lernen heißt: Touristen sollen Parks selbst saubermachen. Dafür starten die Bezirksämter Pankow und Mitte ein gemeinsames Projekt. Das Ziel: „eine stärkere Verbindung zwischen Tourist*innen und Anwohner*innen“. Wer kennt das nicht, dass beim gemeinsamen Putzen die Funken sprühen?! Was vor fünf Jahren noch nach einem Berliner Aprilscherz geklungen hätte, ist angesichts sich verschärfender Nutzungskonflikte in den Parks heute zumindest einen Versuch wert: Um das „gemeinsame Interesse an einer attraktiven und sauberen Stadt“ stärker ins Bewusstsein zu bringen, werden „verschönernde Aktivitäten in Parks im Ostteil der Stadt angeboten“. Konkret sind zunächst drei Putz-Happenings geplant: am 26. August im Mauerpark und am 9. und 23. September im Ernst-Thälmann-Park. Und das ist das Programm, durchgeführt von „Sandemans New Europe“, einem Anbieter von Stadtführungen: Die Teilnehmer „werden für eine Stunde lang eine Parkreinigung vornehmen und im Anschluss mit einem Picknick und einem kleinen Geschenk entlohnt“. Falls sie mitmachen wollen: Treffpunkt ist jeweils Nordbahnhof, Ausgang Bernauer Straße um 15.30 Uhr. Und hier kann man sich anmelden.
Anzeige
Der MSD Gesundheitspreis wird im Rahmen des MSD Gesundheitsforums verliehen. Dort treffen sich jährlich Entscheider des deutschen Gesundheitssystems, um gemeinsam Lösungen für eine verbesserte Patientenversorgung zu finden. Mehr erfahren? Hier klicken.
Wir bleiben noch im Park. Hier einige Reaktionen auf den Vorschlag von Innenstaatssekretär Torsten Akmann, den Görlitzer Park einzuzäunen und nachts abzuschließen:
„Unbedingt notwendig. (...) Ich mache mir große Sorgen um die Gesundheit meine Tochter, die direkt am Görlitzer Park wohnt und durch den ununterbrochenen Lärm jeden Tag, jede Nacht, auch an jedem Wochenende (!) extrem belastet ist. Es gibt nie, zu keiner Zeit eine Ruhepause, keine Erholungsmöglichkeit.“ (CP-Leserin Elfriede Jäger).
„Eine dumme Idee. Ich durchquere den Park manchmal auch nachts auf dem Heimweg, mit einem mulmigen Gefühl, aber ich möchte dann einfach schnell nach Hause.“ (CP-Leser Götz Waschk).
„Hört sich zunächst in der Theorie ganz gut an, aber die Praxis, insbesondere in Berlin: viele Getöse und es klappt doch sowieso nicht.“ (CP-Leser Ulrich Engelke).
„Von etlichen Besuchen in Paris und New York kenne ich eingezäunte Parks zu Genüge, und ich liebe sie! Keine Müllberge, keine umgestoßenen, mutwillig beschädigten oder weggeschleppten Sitzgelegenheiten, keine Drogenhändler, kein nächtliches Gegröle.“ (CP-Leserin Marianne Lück)
„Ich bin auf jeden Fall dafür. Das Tempelhofer Feld ist nur deshalb noch nicht vermüllt, zugeschmiert und ein sehr angenehmer Aufenthaltsort, weil es tagsüber Kontrollfahrzeuge (die könnten ruhig mal auf E-Basis fahren) gibt und es nachts geschlossen ist. (CP-Leser Christian Schumacher)“
„Mir macht die Hatz auf die schwarzen Grasdealer Sorgen, denn meiner Erfahrung nach (und Gespräche mit anderen Hundebesitzer/innen im Park bestätigen das) sind gerade die Gambianer zu 98% hilfsbereit, freundlich, und deeskalieren, wenn ein besoffener Tourist oder Alki-Penner Stress macht. Ich fühle mich von ihnen beschützt, sie grüßen freundlich, man grüßt zurück (und ich bin bald 60, also nicht „Anmache-Material“) und das war's.“ (CP-Leserin Sandra K.)
Eine Mehrheit der Leserinnen und Leser, die uns geschrieben haben, hat sich für die Schließung ausgesprochen. Akmanns Vorstoß war allerdings mit Innensenator Andreas Geisel nicht abgestimmt, der Parkrat ist auch dagegen. Paris wird wohl Paris bleiben. Und der Görli der Görli.
Einen besseren Vorschlag hat CP-Leser Wolfgang Gross: „Schilder an jeden Park mit den Öffnungszeiten und eine strenge (bürgerliche?) Kontrolle dieser Öffnungszeiten!“ (Den Hinweis „Ironie“ hätte er sich sparen können, dafür sind wir im Team Checkpoint Experten. Zwinkersmiley.)
Vom Park schwingen wir uns aufs Rad. Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier arbeitet sich weiter am Mobilitätsgesetz ab, dessen großer Skeptiker er einst war. Gut für uns, die Antworten des Senats zum Stand der Umsetzung sind meist ganz aufschlussreich. Zum Beispiel diese hier (DS 18/20306): Fast 3,8 Millionen Euro hat die landeseigene Infravelo 2018 ausgegeben. Gebaut hat sie davon nur zwei Radwege an der Pank-und der Kolonnenstraße für 73.000 Euro. Der Rest wurde in grüne Farbe (4,13 Millionen Euro) und Machbarkeitsstudien sowie erste Planungen für die zehn Radschnellverbindungen investiert (Baubeginn des ersten Radschnellwegs nicht vor 2021).
Weiter im Verkehr: Noch in diesem Jahr sollen für acht weitere Straßen geschützte Radwege (abschnittsweise) kommen: und zwar an Karl-Marx-, Strom-, Fasanen-, Schloss- und Amrumer Straße, Frankfurter und Märkische Allee sowie Alt-Friedrichsfelde.
Wer lieber ein Auto leiht, hat am Stadtrand häufig Pech gehabt (wie hier schon mehrfach berichtet). „Die Angebote von Carsharing-Fahrzeugen in Berlin orientieren sich vorwiegend an den betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen der jeweiligen Anbieter und konzentrieren sich besonders stark innerhalb des S-Bahnrings und in den angrenzenden Gebieten“, teilt die Verkehrsverwaltung mit (ebenfalls auf Anfrage von Kohlmeier, DS 18/20285) und macht dafür den „freien Markt“ verantwortlich. Um das zu ändern, sei ein Konzessionsverfahren, wie von Linken-Politkern gefordert, aber nicht möglich. Und zwar „mangels Genehmigungspflicht“ (Bundesgesetzgebung) für stationsunabhängige Fahrzeuge (ca. 5000 in der Stadt). Das Gleiche gilt übrigens für Leihfahrräder. Aber: „Im Rahmen des laufenden Prozesses zur Erweiterung des Berliner Mobilitätsgesetzes prüft die für Verkehr zuständige Senatsverwaltung aktuell mögliche Steuerungsinstrumente.“ Das ist auch nötig, denn von dem gesetzlich vorgeschriebenen gleichwertigen Mobilitätsangebot in den Innen- und Außenbezirken ist Berlin weit entfernt.
Verkehrswende einfach machen: Im Samariter- und im Wrangelkiez müssen Autos künftig draußen bleiben. Der Bezirk hat Sperren an den Ecken Samariterstraße/Bänschstraße, Pettenkoferstraße/Bänschstraße und als Diagonalsperre im Kreuzungsbereich Voigtstraße/Schreinerstraße errichtet. Außerdem Diagonalsperrungen im Kreuzungsbereich Wrangelstraße/Falckensteinstraße sowie im Kreuzungsbereich Wrangelstraße/Cuvrystraße. Schön sieht das nicht aus, aber ich denke, das ist wie mit der Frauenquote: So lange notwendig, bis es normal geworden ist.
Verkehrswende in Berlin ist aber auch, wenn ein abgeschleppter Radstreifenzuparker auf der Neuköllner Karl-Marx-Straße dem Baustadtrat einen Tweet wert ist.
Für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller ist der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, „ein gesellschaftlicher Skandal“ (zum Equal Pay Day am 18. März). Und auch der Rest der rot-rot-grünen Regierung hat sich die Gleichstellung der Geschlechter auf die Fahnen geschrieben. Doch in den eigenen Senatsverwaltungen holpert es noch: „Gesonderte statistische Erhebungen des Senats zum Gender Pay Gap liegen nicht vor“, teilt die Senatsverwaltung für Finanzen auf Anfrage von Maren Jasper-Winter, FDP, mit. Das Tarif- und Beamtenrecht des Landes richte sich bei der Eingruppierung und Besoldung der Dienstkräfte „grundsätzlich geschlechtsneutral“ an den Arbeitsschwierigkeiten der jeweiligen Aufgabengebiete aus. „Eine strukturelle Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen (…) erfolgt daher nach Ansicht des Senats nicht.“
Doch ein Blick auf die angehängte Tabelle zeigt: Lohnunterschiede gibt es sehr wohl. So verdienen Männer in der Senatskanzlei nach Angaben der Senatskanzlei selbst 17 Prozent mehr als Frauen. In der Wirtschaftsverwaltung, also unter Bürgermeisterin Ramona Pop, soll 2018 der bereinigte Gender Pay Gap sogar 4704 Euro betragen haben. Das würde bedeuten, dass Männer 4704 Euro mehr verdienen als Frauen in vergleichbaren Positionen. Wie kann das sein? Auf Anfrage wird die Verwaltung nervös, erklärt, die Antwort werde nochmal korrigiert, es gebe in ihrem Haus überhaupt keinen Gender Pay Gap. Die Zahlen seien auf Basis der absoluten Arbeitgeberausgaben berechnet worden und entsprächen somit nicht der Definition des Gender Pay Gap. Vielmehr sei das monatliche Durchschnittseinkommen nach Vollzeitäquivalent für männliche Beschäftigte 4704 Euro höher ist als für weibliche. Die Erklärung dafür: Viel mehr Frauen arbeiten im einfachen und mittleren Dienst als es dem Gesamtfrauenanteil des Hauses von 64 Prozent entspricht. Im höheren Dienst liegt der Frauenanteil nur noch bei 52,1 Prozent. Auch interessant: Die für Gleichstellung und Antidiskriminierung zuständige Senatsverwaltung macht gar keine Angaben zum Lohnunterschied.
„Unseriös und schlecht gemacht“ findet Jasper-Winter die Antworten. Dazu ein Blick ins Plenarprotokoll vom 4. April 2019, als Rot-Rot-Grün beschlossen hat, Landesunternehmen zu verpflichten, die Stellung und Bezahlung von Männern und Frauen im Detail an den Senat zu berichten: Jörg Ströedter (SPD): „Wir wollen, dass in den Beteiligungsunternehmen des Landes Berlin die Regelungen des Landesgleichstellungsgesetzes nicht nur angewendet werden, sondern darüber vollkommen transparent und nachvollziehbar berichtet wird.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die Deutsche Wohnen will 3000 Wohnungen in Berlin verkaufen – damit sie nicht mehr unters Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ fallen, müssten es allerdings mehr als 113.000 sein (aktuell hat sie 116.000 Wohnungen in der Hauptstadt).
Gestern hat der Senateine Bundesratsinitiative zur Einführung einer Gewerbemietpreisbremse beschlossen, für heute ist die Zwangsräumung des Spätis der Familie Tunc in der Oranienstraße 35 angesetzt. Es kommentiert MdB Cansel Kiziltepe, SPD: „Die berühmte Kreuzberger Mischung ist akut bedroht und die Verdrängung im Bereich Kleingewerbe schreitet weiter voran.“ Neben einer Gewerbemietpreisbremse plädiert sie für einen speziellen Mietspiegel für „angespannte Gebiete“.
Wer sich fragt, warum die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) so häufig außerplanmäßig zusammenkommen muss, dem sei ein Blick auf die Tagesordnung der heutigen Zusatz-BVV empfohlen. Unter Tagesordnungspunkt 5 (Vertagte Drucksachen aus vorangegangenen Sitzungen) stehen Teil 2 bis 27 der Anträge „Schilder da, aber niemand kann sie sehen“ der AfD-Fraktion. Da geht es um Straßenschilder, auf denen Aufkleber kleben oder die mit Graffiti beschmiert sind. Für alle empfiehlt der Ausschuss die Ablehnung.
Noch sexy, (nicht mehr) arm: Finanzsenator Matthias Kollatz rechnet für 2019 mit einem Haushaltsüberschuss von 1,3 Milliarden Euro aus – bei einem Ausgabenvolumen von 28,6 Milliarden Euro. Das Plus würde im Vergleich zum Vorjahr allerdings niedriger ausfallen: 2018 hatte Berlin einen bisherigen Rekordüberschuss von 2,4 Milliarden Euro erzielt.
9 Angriffe auf Frauen mit Kopftuch haben Beratungsstellen in diesem Jahr in Berlin schon gezählt (Q: rbb). Das sind mehr als im gesamten Jahr 2018. Helga Seyb von „Reachout“ fordert mehr Zivilcourage von Zeugen.
„BER übersteht Blackout“ ist keine Meldung aus der Zukunft, sondern eine von den aktuell laufenden Wirk-Prinzip-Prüfungen. Damit ist der Flughafen, glauben Sie es oder glauben Sie es nicht, der Eröffnung einen Schritt nähergekommen (fliegen geht ja noch nicht).
„Wir schießen“ – damit wirbt ein Schuhladen in der Wörther Straße. Es kommentiert Elisabeth Niejahr: „Leben in Prenzlauer Berg doch gefährlicher als gedacht“ (Beweisfoto auf Twitter).
Jetzt aber wirklich: Heute will der Zoo endlich bekannt geben, ob Panda-Dame Meng Meng trächtig ist.
Berlins größte Wiese auf dem Tempelhofer Feld wird seit gestern Morgen wieder gemääääht – und zwar unter anderem von 25 Schafen.
Ein wichtiges Projekt für den Kreativstandort Berlin feiert heute Richtfest: die Sony-Deutschlandzentrale auf dem ehemaligen Commerzbank-Areal an der Potsdamer Straße. „Berlin bekräftigt damit seinen hervorragenden Ruf, ein Magnet für die europäische Kreativbranche zu sein“, freut sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.
Berliner Lehrer sind jetzt nicht nur Hilfskellner (Stichwort kostenloses Mittagessen), sondern geben auch Klopapier aus. Dahinter steckt eine neue – offensichtlich überforderte – Reinigungsfirma. Kollege André Görke berichtet im Spandau-Newsletter über einen Fall aus Kladow. Er kommentiert: „Bessere Preis-Deals sind richtig, aber nur billig geht halt auch nicht.“ Mitte hat übrigens die Verträge mit mehreren Reinigungsfirmen wieder gekündigt, weil die Leistungen ungenügend waren.
Eigentlich sind Namenswitze beim Tagesspiegel ja verboten. Aber bei Diktatoren machen die Kollegen mal ne Ausnahme: „Bei Kim Jong ruh’n“ heißt die Überschrift des Artikels, der erklärt, warum das Hostel auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in der Glinkastraße wohl so schnell (immer noch) nicht dichtmacht (Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR).
7 Millionen Euro übrig? Auf Immobilienscout wird ein Berliner Altbau „in sehr begehrter Wohnlage“ in Neukölln, zwischen Hermannplatz und Kanal, angeboten.
Volker Kähne, der ehemalige Chef der Berliner Senatskanzlei, ist tot. Er starb bereits am 26. Juli im Alter von 78 Jahren, teilte die Senatskanzlei am Dienstag mit. Kähne führte in den 90er Jahren die Senatskanzlei unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). „Zehn Jahre hat er als Chef der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters im allerbesten Sinne des Wortes gedient – mit Umsicht, Kompetenz und persönlicher Bescheidenheit“, sagte der Regierende Michael Müller. Er würdigte Kähne als herausragenden Juristen und Beamten.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Beim Kopfgeld scheint sich die CDU von Italo-Western aus den 70er Jahren inspiriert haben zu lassen.“
Innensenator Andreas Geisel kommentiert im Interview mit der „Berliner Zeitung“ das von der CDU ausgerufenen Belohnungsgeld von 1000 Euro für jeden ermittelten Auto-Brandstifter. Außerdem bekräftigt er die 2016 von Finanzsenator Kollatz eingebrachte Idee, die Rigaer 94 zu kaufen, „um Recht und Ordnung durchzusetzen“.
Tweet des Tages
Apropos Elternabend: Die Mathe-Lehrerin hat gesagt, dass sich die kritische Situation zum Glück um 360 Grad gedreht hat!
Stadtleben
Essen & Trinken in Marienfelde – Die Brauerei Brewdog versucht sich dort, wo die kalifornische „Stone Brewing“ beispielhaft scheiterte. Nach ausgiebiger Standortentwicklung und 25 Millionen Euro gaben die Craftbeer-Brauer nach drei Jahren auf. Jetzt ist das Innere des denkmalgeschützten Backsteingebäudes kaum wiederzuerkennen. Die einst weiße Stirnwand ist einem bunten Streetart-Wandbild gewichen und auf der Empore thront jetzt ein eigener Museumsteil über Bier und seine Produktion, wie Leute-Autorin Sigrid Kneist berichtet. Transparent ist der Brauprozess im DogTap nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis: Eine Glaswand bietet freie Sicht auf die Bierkessel, wo das Punk IPA und die anderen rund 60 Biersorten gebraut werden. Und da irgendwann der bierbedingte Hunger kommt, werden in dem 2500 Quadratmeter großen Gastraum auch Burger, Pizzen und Chicken Wings (alles auch vegan und vegetarisch) serviert. Im Marienpark 23, U-Bhf Alt-Mariendorf, Mo-Do 10-23 Uhr, Fr 10-24 Uhr, Sa 9-24 Uhr, So 9-22 Uhr
Neu in Friedrichshain ist das japanische Taiyaki. Die Leckereien, die in der Gabriel-Max-Straße 2 über den Tresen gehen, dürften Kindern allemal ein Lächeln ins Gesicht zaubern – doch auch junggebliebene Erwachsene werden sicher ihre Freude an den fischförmigen Waffeln voller kunterbuntem Eis haben. Man muss sich lediglich mit den runden Fischäuglein abfinden, die einen anglubschen, während man sein Matcha-Eis schleckt. Früchte, Marshmallows, Brezeln, Popcorn und Schokolade machen die schrägen Süßwaren perfekt. Mo-Fr 13.30-21 Uhr, Sa-So 11-21 Uhr, S/U-Bhf Warschauer Straße
Berlinbesuch – Ganze 36 Inseln in den Berliner Gewässern sind namentlich im Stadtplan verzeichnet, mit den namenlosen kommt die Hauptstadt auf circa 50. Da hat der Berlinbesuch in Sachen unnützes Berlinwissen wieder was gelernt. Nachhaltig wird Lernen aber bekanntlich durch die Praxis, also warum nicht einen Ausflug auf die Insel der Jugend in der Spree vor dem Treptower Park planen und dabei Natur- mit Kulturkunde verbinden. Denn dort steigt monatlich die Insel Session mit vier Live-Acts aus der hiesigen Musikszene. Denen kann man sich ausschließlich hingeben, oder man lässt sie zu angenehmer Begleitmusik beim Stand-up-Paddling oder Kanufahren werden. Der Eintritt kostet zwischen 3 und 5 Euro. 17.30-22 Uhr, Alt-Treptow 6, S-Bhf Treptower Park
Geschenk – Radfahren ist in unserer sonst so schönen Stadt alltäglich und waghalsig zugleich. Sichere Infrastruktur fürs Rad ist an vielen Stellen schlicht und ergreifend nicht da. Und solange die Verkehrsverwaltung das Zweirad nicht schützt, müssen die, die drauf sitzen, das eben selber machen. Das geht unter anderem mit einem Airbag für Radfahrer, entwickelt von der schwedischen Firma Hövding. Getragen wird der Airbag um den Hals und ist auch noch schick designt – man könnte ihn für einen dicken Schal halten (also besonders gut für die, die aus Stylegründen keinen Helm tragen wollen). Bei einem Sturz löst sich der Airbag binnen 0,1 Sekunden und stabilisiert den Nacken, auch der Kopf wird durch die Vorrichtung geschützt. Zu kaufen gibt’s die Schutzschals unter anderem bei Conrad II Fahrräder & Extras in der Schlüterstraße 16 in Charlottenburg, eine Karte mit Verkaufsorten gibt’s hier. Die Innovation hat ihren Preis: 299 Euro kostet ein Hövding.
Last-Minute-Tickets – Plakativ könnte man die Supermarktkette SirPlus auch „Weltverbesserer-Supermärkte“ nennen. Sie verkaufen nämlich gerettete Lebensmittel, also solche, die in anderen Verkaufshäusern im Müll gelandet wären, aber noch bedenkenlos konsumierbar sind. Und da die Mission „Welt verbessern“ nie zu Ende geht und ohne Dialog und Austausch ohnehin nicht zu machen ist, hat SirPlus auch sein eigenes Diskussionsformat. Heute um 20.30 Uhr ist Inklusionsaktivist Raul Krauthausen zu Gast. Sein Engagement wurde schon mehrfach ausgezeichnet, 2014 veröffentlichte er seine Biografie „Dachdecker wollte ich eh nicht werden – Das Leben aus der Rollstuhlperspektive“. Zusammen mit Raphael Fellmer von SirPlus spricht er in der Schloßstraße 94 in Steglitz über seinen Alltag, sein Engagement und seine Visionen. Der Eintritt kostet 5 Euro.
Noch hingehen zu Summer in the City auf dem Breitscheidplatz. Bis zum 25. August wird in der City West am Kurfürstendamm rund um den sogenannten „Wasserklops“, eine verwinkelte Fontane-Skulptur aus Kupfer, die 25-jährige Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking gefeiert. Auf den thematisch gestalteten Flaniermeilen rund um den Klops (z.B. „Wiener Viertel“ oder „Fifth Avenue“) stehen täglich (So-Do 10-22 Uhr, Fr-Sa 10-24 Uhr) Konzerte und Straßenkunst auf dem Programm. An den umliegenden Straßenständen gibt’s Handwerkskunst und natürlich Street Food. Der Eintritt ist frei.
Das Stadtleben heute von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – In Mitte steht ab 22 Uhr ein Kraneinsatz auf der Leipziger Straße an, deshalb gibt’s dort Richtung Potsdamer Platz zwischen Wilhelmstraße und Leipziger Platz nur eine Spur. In Köpenick wird der Winzersommer gefeiert, deshalb kommt es bis Montagabend zu Sperrungen im Bereich der Altstadt Köpenick – wer sich dort durchtesten will, sollte das Auto aber sowieso zuhause lassen. An der Kreuzung Krugstege / Heinersdorfer Straße (Blankenburg) ist aufgrund einer Baustellenampel mit Staus zu rechnen – bis Ende November. Der rechte Fahrstreifen auf der Michael-Brückner-Straße (Niederschöneweide) ist stadteinwärts von Montag bis Freitag jeweils zwischen 9 und 15 Uhr gesperrt. Und die A111 ist von 21 bis 5 Uhr Richtung Dreieck Charlottenburg zwischen den AS Waidmannsluster Damm / Hermsdorfer Damm und AS Am Festplatz gesperrt, ab 24 Uhr ist dann auch die AS Schulzendorfer Straße von der Sperrung betroffen.
Demonstration – Die M99 Gemischtwaren mit Revolutionsbedarf stehen von 11.30 bis 13.30 Uhr mit 15 Personen in der Littenstraße in Mitte, ihr Anliegen: „Keine Räumung von Beamtenwohnungsvereinsmitglied Cora durch dessen Vorstand“. Zuvor protestiert der gleiche Veranstalter (7.10-10.30 Uhr) für „Differenzierte Solidarität bei ‚Zwangsräumung verhindern‘ am Beispiel des Spätis in der Oranienstraße“ mit 25 Teilnehmenden in der Oranienstraße 35. Ebenfalls dort versammeln sich rund 100 Menschen von 7.30 bis 13 Uhr und fordern „Mietvertrag für Zekiye – Oranienspäti bleibt – wir bleiben alle! #Ora35“. Die „Scientists for Future“ treffen sich mit 20 Personen am Platz vor der Esswirtschaft in der Rudower Chaussee 24 in Treptow-Köpenick (12.30-13.30 Uhr). Und am Pariser Platz wollen 60 Menschen von 16.30-19 Uhr „Den Opfer des Comfort Women Systems gedenken und sich mit der Aktion in Asien solidarisieren“.
Zu Gast ist der Präsident der Republik Litauen Gitanas Nausėda.
Gericht – Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der vor fast 13 Jahren verschwundenen Georgine Krüger geht weiter. Der 44-jährige Ali K. soll die damals 14-Jährige in seinen Keller gelockt, niedergeschlagen, vergewaltigt und aus Angst vor einer Anzeige erwürgt haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Eva Frey (35), „Lieblingsnachbarin, Herzlichste Glückwünsche von L&M“ / Bass Sultan Hengzt (38), Rapper / Volkher Häusler (61), Dirigent und Kirchenmusiker, Leiter des Mendelssohn-Kammer-Chors Berlin / Marlis Leptihn-Dürkop (76), Soziologin, ehem. Präsidentin der HU und die erste Frau in diesem Amt / Ulla Meinecke (66), Rocksängerin und Liedermacherin / Walid M. Nakschbandi (51), Journalist, Film- und Fernsehproduzent und Manager in der Holtzbrinck-Verlagsgruppe / Helmut Reihlen (86), Ingenieur und früherer Direktor des Deutschen Instituts für Normung e.V. / Julia Richter (49), Schauspielerin / „Lieber Simon, s’is wunderbar, dass wir deinen 29. Geburtstag zusammen mit dir in Berlin feiern können – Hauptstadtfeiern! Herzlichst Conny & Heinz Pfau“ / Wim Wenders (74), Regisseur, Drehbuchautor und Produzent
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – René Gurka / Jürgen Theodor Koll, * 6. September 1944 / Dorothea Mänz, * 12. März 1922 / Klaus W. Meibohm, * 4. April 1955
Stolperstein – Walter Strohmann (Jhg. 1891) wirkte im Uhrig-Kreis, einer oppositionellen Zelle bei den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Borsigwalde. Sie versuchte, die Kriegsproduktion mit unbrauchbar gemachten Patronenhülsen zu sabotieren. Im Februar 1942 sprengte die Gestapo die Gruppe, am 14. Mai 1942 wurde Strohmann verhaftet und im Polizeigefängnis am Alexanderplatz inhaftiert. Im Juli 1942 wurde er nach Sachsenhausen deportiert, einen Monat später kam er ins Polizeigefängnis Moabit, noch einen Monat darauf ins Gefängnis Landsberg / Warthe. Heute vor 75 Jahren wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Er lebte zuvor in der Grüntaler Straße 30 in Gesundbrunnen.
Encore
Vor dem Ostbahnhof stehen Betonwürfel, die vor einiger Zeit mit spitzen Metallaufsätzen statt mit Holzbänken versehen wurden. Doch nicht mehr lange. Die Straßensozialarbeiter*innen von Gangway haben die fehlenden Bänke einfach selbst gemacht. Sie sagen: „Da wir uns nicht vorstellen konnten, dass Menschen so bösartig sind so etwas zu installieren, um andere Menschen davon abzuhalten, die Betonwürfel als Sitzgelegenheit zu benutzen, gingen wir davon aus, dass es sich hierbei um Kunst handelt. So ganz sicher waren wir uns dabei jedoch nicht, da die merkwürdigen Pyramiden hierfür doch etwas arg schlicht waren.“
Nach langem Nachdenken sind sie nun endlich auf die Lösung des Rätsels gekommen. „Die Pyramiden wurden nicht installiert, um Sitzgelegenheiten zu vernichten und somit Menschen zu verdrängen, sondern es handelt sich im Gegenteil um Halterungen für Sitzgelegenheiten, sprich für Bänke. Scheinbar ist den Bauherren nur das Geld ausgegangen und das Projekt wurde nicht fertig gestellt. Aus diesem Grund sind wir nun aktiv geworden.“ Die Übergabe und feierliche Einweihung findet heute um 16 Uhr vor dem Ostbahnhof statt.
Ebenso kreative wie menschenfreundliche Begegnungen wünsche ich Ihnen für den heutigen Mittwoch. Morgen erhellt Sie hier Robert Ide.
Alles Gute,