einen „herzlichen Gruß vom Kurzurlaub aus Venedig“, schickt uns CP-Leserin Marion Uhrig, „mit Blick auf Santa Maria della Salute (Heilige Maria der Gesundheit). Naja, wird gerade restauriert“. Da kann sich Berlin was abgucken: Noch als Baustelle eine gute Figur machen!

Beach, Berge oder Balkonien – nehmen Sie uns mit! An dieser Stelle zeigen wir während der Sommerferien, wo Sie gerade den Checkpoint lesen. Schicken Sie uns ein Foto mit einem Satz zum Urlaubsort an checkpoint@tagesspiegel.de.
In Bayern und BaWü haben die Sommerferien noch gar nicht begonnen, in MeckPomm und S-H sind sie fast vorbei, Berlin und Brandenburg haben noch zehn Tage. Vor allem wegen vieler infizierter Reisender zeichnet sich eine Corona-Testpflicht für alle Auslandsrückkehrer schon ab nächster Woche ab. Und die für Ende August avisierte Bund-Länder-Konferenz wird auf den 10.08. vorgezogen – also in eine Phase, in der CDU-Zukunftshoffnung Armin Laschet gerade so richtig angefangen haben wollte, den Gang der Dinge zu beobachten und zu bedenken, was die Wissenschaftshörigen im Schilde führen. Berlins Regiermeister Michael Müller (SPD) ist beim Erkenntnisgewinn deutlich weiter: „Der Korridor, um der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegen zu wirken, wird enger“, begründete er gestern den vorgezogenen Termin. Die MPK soll „in gewohnter Form“ stattfinden, also als Videoschalte mit der Bundeskanzlerin. Und kläglich grüßt das Murmeltier.
Die nächste Welle ist da: Eine Kündigungswelle ausgebildeter Lehrer. 700 von ihnen gehen Berlin zum neuen Schuljahr verloren, hat meine Kollegin Susanne Vieth-Entus erfahren (mehr dazu im E-Paper). Inzwischen sind rund ein Viertel der gut 33.000 Berliner Lehrkräfte Quereinsteiger, wobei ihre Zahl von der Bildungsverwaltung durch statistische Bereinigungen kleingerechnet wird. Auf die Quer- folgten seit 2018 zunehmend Seiteneinsteiger, also „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“. Inzwischen reichen auch die nicht mehr, um den Mangel auszugleichen. Besonders groß ist die Not an Grundschulen, wo regulär ausgebildete Pädagogen bei den Neueinstellungen längst in der Minderheit sind. Die langfristigen Konsequenzen kann sich jeder selbst ausrechnen, sofern es ihm jemand beigebracht hat.
Mit Sommerhitze soll es nach diesem Mittwoch bis mindestens nächste Woche vorbei sein, mit größerem Regen allerdings auch. Wer also bei den Kiez-Monsunen der vergangenen Tage leer ausgegangen ist, muss wieder selbst gießen. Immerhin gilt bisher keine Warnung fürs Baden in der Unterhavel, obwohl wieder massenhaft Dreck aus der Stadt in die (dorthin mündende) Spree gerauscht ist. Dafür, dass ein Monatssoll an Regen binnen ein-zwei Stunden herunterkommt, ist laut den Berliner Wasserbetrieben „keine Infrastruktur gemacht“. Aber kaputt gehe dabei auch nichts; im Gegenteil: „Das System wird einmal gut durchgespült, auch wenn dabei viel Sand mitkommt.“ Nebenbei würden Lecks in Kanälen – etwa an angeknacksten Steinzeug-Rohren – freigespült. Und abseits versiegelter Flächen kann ein solcher Guss im Flachland auch dem lokalen Wasserhaushalt guttun.
Sollten Sie noch Wasser im Blumenuntersetzer haben: Schütten Sie’s bitte aus. Denn falls die Mücken, die zurzeit an der Ostsee unterwegs sind, sich hier etablieren, kommt der nächste Lockdown freiwillig und mit geschlossenen Fenstern. Die 2021er-Küstenmücke ähnelt der gemeinen Wald- und Wiesenmücke, die man hier kennt, nur teilweise. Sie ist kleiner, was die akustische Vorwarnzeit verringert. Dennoch trotzt ihr Flügelschlag der steifsten Brise, und auch andere Weisheiten gelten für sie nicht: Keine Düne ist zu trocken, kein Parkplatz zu kahl, keine Sonne zu grell, als dass sie nicht in Myriaden über alles herfällt, was blutig riecht. Der „Nordkurier“ („Lesen Sie auch: Riesige Mückenschwärme auf Usedom gesichtet“) berichtet von Urlauberklagen und Apothekennotdienst am Limit. Nur die einschlägige Koryphäe, Dr. Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, erwidert kühl: Nicht alles, was einen plagt, ist eine Plage. Aber ihr Institut ist in Müncheberg bei Berlin und ihr Urlaubsort war offenbar nicht an der Ostsee.
Anlässlich der laufenden Schwerpunktwoche, während der die Polizei Radfahrer/innen vor sich und anderen zu schützen versucht, zitiert der RBB online Berlins obersten Verkehrspolizisten mit der Aussage, die meisten der 17 im vergangenen Jahr hier getöteten Radfahrer seien durch eigenes Verschulden gestorben. Das ist zugespitzt; wörtlich sagte der Polizeidirektor, dass „zu einem großen Teil auch das Eigenverschulden unfallursächlich“ sei. CP-Faktencheck: Neun der 17 Opfer wurden von Rechtsabbiegern getötet, einer von einem Raser, ein weiterer von einem aufgefahrenen SUV. Zwei starben bei Alleinunfällen. Und drei der vier Toten, die nach landläufigen Kriterien selbst schuld waren, waren mindestens 78 Jahre alt, was eher für Überforderung mit der heutigen Art des Straßenverkehrs spricht als für besonderen Leichtsinn.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Was Stettin, Portland (Oregon) und andere Städte seit Jahren haben, gibt’s jetzt auch in Berlin: Verkehrssenatorin Regine Günther nahm gestern an der Straße des 17. Juni die erste Fahrradzählstelle mit digitalem Display in Betrieb. Sie zeigt die Zahl der Radpassagen am aktuellen Tag und im laufenden Jahr. Zwei weitere sollen folgen – in der Schönhauser und der Karl-Marx-Allee. Das Besondere in Berlin ist, dass das Genehmigungsverfahren für die Säule zwei Jahre gedauert hat und die Verwaltung den Zähler „Fahrradbarometer“ nennt. Dazu Wikipedia: „Ein Barometer ist ein Messgerät zur Bestimmung des statischen Absolut-Luftdrucks und damit eine Sonderform des Manometers.“ Mannometer, das klingt kompliziert.
Sollten Ihnen in Berliner Parks Menschen mit Astronautenrucksäcken begegnen, sehen Sie lächelnd drüber hinweg bzw. woanders hin: Es handelt sich nicht um notgelandete US-Milliardäre, sondern um arbeitende Bevölkerung, die für den Kartendienst von Apple die per Auto unerreichbaren Stellen der Stadt fotografiert. Laut der Landesdatenschutzbeauftragten geht es dabei nicht mit rechten Dingen zu. Einzelheiten zu Orten und Widerspruchsmöglichkeiten gibt’s hier (T+).
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Seit über 20 Jahren erzählt die Nachrufe-Kolumne jeden Sonntag im Tagesspiegel die Lebensgeschichten verstorbener Berlinerinnen und Berliner. Sie gehen ans Herz, erheitern aber auch mit Anekdoten und geben spannende Einblicke in viele bewegte Leben. „46 Berliner Leben“ vereint Nachrufe aus den Jahren 2010 bis 2021. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich!
„Das Bohren dicker Bretter lohnt sich“, teilte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) gestern mit. Anlass für die Neuauflage dieser Erkenntnis: 76 Jahre, 2 Monate und 19 Tage nach Kriegsende hat der Verlag C.H. Beck angekündigt, nach Nazis benannte juristische Standardwerke wie den „Palandt“ umzubenennen.
Wie plötzlich und vor allem wie dämlich Antisemitismus daherkommen kann, bekam nach eigenen Angaben die Lichtenberger FDP-Bundestagskandidatin Noreen Thiel zu spüren: An einer Bushaltestelle sei sie – 18 Jahre alt, Atheistin, eine von ihrem Freund geschenkte Kette mit einem fünfzackigen Stern um den Hals – als „Scheiß Jüdin“ beschimpft und angespuckt worden, schrieb sie auf Twitter.
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Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“, Folge 28: Blasenentzündung, Pilz und Co: Wenn die Vagina aus dem Gleichgewicht gerät. Kommt die Zystitis vom kalten Steinboden und der Pilz von mangelnder Hygiene? Helfen Cranberries wirklich, kann zu viel Trinken schaden und warum kriegen Männer diese lästigen Krankheiten nicht? Dr. Mandy Manglers unzensierte Sprechstunde klärt auf. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Wenn in Berlin die Schneckenbrücke saniert werden soll, dann … ist die Pointe zumindest für die kostenpflichtige Vollversion dieses Checkpoints zu billig. Beschränken wir uns also auf die Fakten: Die für 2017 geplante und seitdem mehrfach verschobene Instandsetzung der offiziell „Ernststraßensteg“ genannten Brücke zwischen Tegel und Borsigwalde „konnte aufgrund anderer Projekte mit einer höheren Priorität“ noch nicht angegangen werden, teilt die Verkehrsverwaltung auf Anfrage von Tim-Christopher Zeelen (CDU) mit. 2022 soll es soweit sein.
Die 2135 Berliner Ampeln bringen es auf mehr als 3000 Totalausfälle pro Jahr, wobei 2020 mit 3160 Ausfällen das zuverlässigste Jahr seit langem war. Dafür dauerte es im Corona-Jahr bis zur Reparatur mit durchschnittlich 8 Stunden und 19 Minuten besonders lange. Der längste Fall zog sich laut Verkehrsverwaltung 608 Stunden hin. Das ist aber a) kaum der Rede wert im Vergleich zum Rekord von 2553 Stunden aus dem Jahr 2010 und b) relativ, weil eine Ampel erst dann als repariert gilt, wenn beispielsweise ein umgefahrener Mast nicht mehr nur durch ein Provisorium ersetzt worden ist. Zu verdanken sind diese Erkenntnisse dem Anfragekönig Marcel Luthe.
Zitat
„Typen, die vor 20 Jahren im Milieu die Hosenscheißer waren, verwalten heute nur noch die Kohle. Alle wissen, wir sind ein Geldwäscheparadies.“
Ein Finanzermittler vom Berliner LKA erklärt, wie dreist kriminelle Banden in Deutschland agieren können und warum es hier so deprimierend einfach ist, Millionensummen aus Verbrechen ungestraft in den allgemeinen Geldfluss einzuspeisen. (Abo)
Tweet des Tages
Habe nur noch eine halbe Rolle Klopapier, aber jetzt warte ich erstmal ab, und wenn ich dann im Herbst sehe, es ist immer noch zu wenig, dann denke ich nochmal nach.
Stadtleben
Stadt – „J“ wie „Ja“ zum Wochenende! Gerade im Juli ist es nicht allzu schlimm, wenn der Rythmus zwischen Wochentag und Wochenende hier und da etwas durcheinander gerät, und trotzdem darf gerade zu seinem Ende hin auch dem Abschluss einer jeden Woche dennoch mit jauchzendem Jubel begegenet werden: und, janz jenau, mit sommerlichem BBQ, Drinks und obendrein Old School Hip Hop. „Platten und Pegel“ heißt die Sause im Hinterhof bei The Student Hotel am Samstag, um 14 Uhr geht es los und jedermann ist eingeladen – ob in Jumpsuit oder Jogginghose, ob mit Juwelen behängt oder einem Jutebeutel. Zwar ist der Einlass umsonst, mit ein wenig Glück gewinnen Sie aber ein Freigetränk vor Ort! John Collins gefällig?
Land – Nun ist es zwar schon einige Zeit her, dass wir uns auf das Jagen und Sammeln von Flora und Fauna verlassen mussten, aber beides kommt wieder. So stehen Jagdaufenthalte in der Region wieder hoch im Kurs, beispielsweise in der Schorfheide rund um Joachimsthal. Bei einem Kurztrip zum Gut Sarnow kommen Jagdfreunde voll auf ihre Kosten. Zwei Übernachtungen, fünf Jagdsitze plus Einweisung in das Jagdgebiet für 349 Euro machen erlebbar, wie das Jungwildgulasch im Restaurant vor Ort vorher ausgehen haben mag. Jedes Jahr beliebt übrigens auch für das österliche Lamm und das Wildschwein to go.
See – Jux und Tollerei am Jungfernsee bieten sich für Jung und Alt an. Sein Name kommt von dem Spandauer Benediktinerinnenkloster, dem der See viele Jahre gehörte. Wer in diesem Jahr allerdings noch die Jungfräulichkeit im Baden besitzt, kann sich an zwei Stellen zwischen Heiligem See und Jungfernsee austoben, sowohl erprobte Schwimmer:innen als auch Erstlinge im Wasser. Ebenso haben Jünger:innen des Rad- und Wassersports sowie von Kultur in Form des Schlosses Cecilienhof im englischen Landhausstil hier wenig zu Jammern; möglicherweise auch jene von Jodeln und Ju Jutsu nicht. Diese Information jedoch bleibt unbestätigt.
Familie – Aber einmal ganz im Ernst – unser Bild vom Jodeln ist ziemlich daneben. Was im Kindergarten noch mit einem belustigten „Joladahitti“ gleichgesetzt wurde, konnte den Ruf durch das Loriotsche Jodeldiplom kaum verbessern. Dabei ist das Jodeln eine hochkomplexe, von Geschichte und Kultur enorm aufgeladene Angelegenheit. Im Einzelunterricht, auf Wanderexkursion oder in Form von Workshops bringt die österreichische Wahlberinerin Ingrid Hammer das Jodeln in die Stadt und mit ihm eine Tätigkeit, die manche Verwandschaft schon seit Jahrhunderten verbindet. An den nächsten Jodeltrip mit der Familie wird man sich vor Ort gut an Sie erinnern – versprochen.
Tier – Während „J“-Tiere auf der ganzen Welt nach ihrer Herkunft bezeichnet werden – siehe Java-Nashorn, Japan-Makak oder Jemen-Chamäleon – scheinen wir hierzulande einen pragmatischeren Umgang mit der Namensgebung zu haben: Junikäfer, Julikäfer und Juchtenkäfer. Letzterer ist nach Rindsleder benannt, also Juchten, weil er sehr stark nach Leder riecht. Dieser hat jüngst die Staatsanwaltschaft Potsam beschäftigt, weil für ein Straßenausbau im naturgeschützten Havelland etliche Bäume gefällt werden mussten. Da diese aber Habitat des schüchternen Totholzfressers sind, wurde Anzeige erstattet. Die Berliner Initiative GoNature hat für genau solche Belange eine Initiative gegründet, in der gemeinsame Projekte zum Thema Natur- und Artenschutz angepackt werden können. Für den Juchtenkäfer!
Essen – Weder Johannisbeerjoghurt noch Jagdwurst sind Gerichte, für die es nicht auch ein Supermarktbesuch täte. Und Jägerschnitzel sind so gar nicht julihaft. Jakobsmuscheln allerdings sind es und so werden heute diese serviert: nämlich über offenem Feuer gegrillt und nebst Rosensabayon. Im Anschluss gibt es Calamaretti mit Tahini und einem gegrillten Mashawiya – einem levantinischen Salat (89 Euro im Menü mit 7 weiteren Gängen). So zumindest bei Gal Ben Moshe in seinem Charlottenburger Restaurant „Prism“, bereits gründlich inspiziert von unserem Genuss-Kollegen Felix Denk. Nicht jedermanns und -fraus Geldbeutel juckt es aber nach Sterneküche; in diesem Falle sei zur bodenständigeren Variante à la Selberkochen gegriffen. Jakobsmuscheln auf Erbsenpüree: eine Jause mit jodhaltigem Juchz-Faktor und jenseits von Junkfood.
Musikempfehlung des Tages – Julitage sind Festivaltage und oft kommt bei denen ein Gefühl von Freiheit, vom ewigen Sommer und von Tagen auf, die eigentlich verfilmt gehören. Wie etwa damals, in Woodstock im Jahr 1969. Mit Titeln wie „Summertime“ von Janis Joplin können wir uns das musikalische Seelenleben jener Tage für ein paar Minuten zurückholen. Oder für Stunden. Ist ja auch egal.
Berlins Spitzenkandidat:innen-Check
5 x 1: Bis zur Abgeordnetenhauswahl stellen wir den Spitzenkandidat:innen von CDU, FDP, Grüne, Linke und SPD jede Woche eine Frage, die sie mit nur einem Foto beantworten dürfen. Diese Woche: Welches Berliner Denkmal bedeutet Ihnen am meisten? Heute: Franziska Giffey (SPD).
Foto: Stefan Schäfer
Berlin heute
Verkehr – Karl-Ziegler-Straße (Adlershof): Die Straße wird ab 8 Uhr bis Ende Oktober zwischen Ernst-Lau-Straße und Wilhelm-Hoff-Straße für den Kfz-Verkehr gesperrt.
Buschkrugallee (Britz): Ab dem Morgen steht in beiden Richtungen zwischen Havermannstraße und Blaschkoallee jeweils nur ein verschwenkter Fahrstreifen zur Verfügung. Die Gesamtmaßnahme ist bis Anfang November geplant.
Bereich Mariannenplatz (Kreuzberg):
In der Zeit zwischen 17 bis ca. 23 Uhr kann es hier zu Verkehrseinschränkungen aufgrund einer Kundgebung kommen.
Demonstration – Von 11 bis 14 Uhr findet mit ca. 10 Personen in der Weißenhöher Straße eine Kundgebung mit Blick auf die „Aktuelle Lage der Nation in der Pandemie, Aufklärung Hygiene-Konzepte, alternative Behandlungskonzepte, gesunde Ernährung, Sport usw.“ statt. Eine „Kundgebung / Mahnwache Gegen Türkische Staat Gegen Besetzung in Kurdistan Gegen Isolation Haft Gegen Krieg für Frieden und Freiheit in Kurdistan“ mit rund 400 Teilnehmenden ist zwischen 11 und 16 Uhr am Platz des 18. März angemeldet. Von 11 bis 17 Uhr versammelt die „Kunstaktion Verantwortung der Betroffenen des Blutskandals verjährt nicht“ am Pariser Platz ca. 30 Protestierende. Zur „Situation der Menschenrechte, nationalen Streik und Ungerechtigkeit in Kolumbien“ kommen von 17 bis 23 Uhr etwa 500 Personen am Mariannenplatz zusammen. „Gegen das kalte Parteienverbot“ treffen sich um 18 Uhr für eineinhalb Stunden etwa 200 angemeldete Personen vor dem Roten Rathaus in der Rathausstraße 15.
Gericht – Ein Polizeikommissaranwärter muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der 21-Jährige soll in einem Streit einen jungen Mann mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Zudem wird ihm der Besitz eines verbotenen Messers mit zweiseitig geschliffener Klinge zur Last gelegt (9.15 Uhr Kriminalgericht Moabit, Saal 736).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Jakob Augstein (54), Journalist und Verleger, Chefredakteur „Der Freitag“ / Santiago Calatrava (70), spanisch-schweizerischer Architekt, Bauingenieur und Künstler / Veronika Fischer (70), Sängerin / „Hjertelig tillycke till födelsedagen an eine Thüringerin in BaWü, liebe Ilka, aus Berlin von Jens med puss & kram“ / Hellmut Georg Richard Königshaus (71), ehem. Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft / Miriam Pede (46), Fernseh- und Radiomoderatorin / Inka Rehahn, Marketing-Managerin bei Visit Berlin / „Herzliche Glückwünsche an Juliane Reichert (36), Kulinarik-Journalistin, Wortissimo-Spielerin und Tagesspiegel Checkpoint Stadtleben-Schreiberin. Ich hoffe, dass du unseren Tag im Freien genießen wirst! Dein Audun" / „Nele Schüller (13), unser Minimäuschen ist jetzt ein Teen! Dickes Küsschen von Mama und Papa.“ / Cornelia Yzer (60), Managerin, Rechtsanwältin und Politikerin (CDU) /
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Gertrud Frank, u.a. Erzieherin und Yoga-Lehrerin / Rudolf Mau, * 13. März 1927 / Karl Rekittke, * 21. März 1947
Stolperstein – Die gebürtige Berlinerin Else Ernestine Aufrichtig (geb. Löwy, 1873) war Mutter dreier Kinder und wurde im Jahr 1933 Witwe. Nach Jahren der Entrechtung, von Berufsverbot, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not wurde sie im August 1942 vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert, wo sie heute vor 78 Jahren ermordet wurde. In der Marburger Straße 8 in Charlottenburg liegt in Erinnerung an sie ein Stolperstein.
Encore
Unsere sommerliche Reise durch die Berlins dieser Welt führt uns heute nach Massachusetts. Das dortige, rund 50 km westlich von Boston gelegene Berlin wird laut städtischer Homepage auf der ersten Silbe betont (BÖRlin) und gehört mit seiner bis 1665 zurückreichenden Geschichte zu den ältesten Berlins in den USA, wobei es erst seit 1812 als Stadt Berlin firmiert. Die Gegend ist hügelig und ländlich mit weit auseinander liegenden Höfen, Obstplantagen und Pferdekoppeln hinter weißen Holzzäunen und steinernen Mäuerlein. Der letzte Zensus ergab 2866 Einwohner; die Stadtverwaltung befindet sich in der Linden Street, Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Oben in den lokalen News findet sich ein Link zur „Mosquito Season 2021“, demzufolge der erste West-Nil-Virus-Fall in Massachusetts am 1. Juli bestätigt wurde. Die Verwaltung rät den Berlinern, sich möglichst nicht stechen zu lassen, indem sie Mückenschutz benutzen, lange Kleidung tragen, die Dämmerung meiden, Gazenetze an Fenstern und Türen reparieren sowie Pfützen im Umfeld ihrer Häuser beseitigen sollen.
Das Stadtleben für diesen Checkpoint hat Juliane Reichert geschrieben, die Frühproduktion Kathrin Maurer verantwortet. Morgen besticht Sie hier Ann-Kathrin Hipp mit spitzer Feder. Machen Sie’s gut und kommen Sie unblutig durch den Tag!
