Bedeckt mit stürmischen Böen bei bis zu 7°C

Die stürmischen Zeiten in Berlin halten an Gedenken an die Opfer des rassistischen Terroranschlags von Hanau Nicht nur in Peking hagelt es heute wieder Medaillen, auch die Berliner:innen der Woche können sich freuen

wir hoffen, Sie sind nicht fortgewirbelt! Mit 120 km/h ist das Tief „Zeynep“ in der Nacht über Berlin gefegt und hat in seiner Schneise nicht nur dieses Homeoffice-Fenster erzittern lassen. Noch gibt es keine Entwarnung, bis zum Abend sind weitere Sturmböen vorhergesagt. Zoo, Sportplätze und so manch ziegelschleuderndes Rathaus bleiben daher lieber zu – der Bahnverkehr steht in Norddeutschland schon seit gestern still. Nur ein Gutes hatten die Stürme der letzten Tage: Laut dem Energiekonzern Eon hat „Ylenia“ doch glatt einen neuen Windkraft-Rekord aufgestellt (47,12 Gigawatt am Mittwochabend!). Immerhin.

Was tun, wenn die nächsten Böen durch die Stadtschluchten rauschen? Exklusive Checkpoint-Empfehlung: Tunlichst auf dem Sofa weilen und unsere Sturm-Updates studieren – oder aus sicherer Ferne waghalsige Heathrow-Landungen bestaunen.

Stürmisch geht es auch bei Franziska Giffey zu: Berlins Bürgermeisterin hat Corona. Auf Twitter bestätigte sie am Freitagnachmittag einen positiven PCR-Test, Symptome blieben aber noch aus – Team Checkpoint drückt die Daumen, dass das so bleibt!

Wir kommen zu einer Nachricht, die innehalten lässt: Am heutigen Sonnabend jährt sich der rassistische Terroranschlag von Hanau zum zweiten Mal.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Raus aus dem Pyjama, rein in die Öko-Jeans und veganen Sneakers: Nachhaltige Kleidung ist schon lange nicht mehr öde, fernab von alten Kartoffelsäcken und ein Statement gegen die Schnelllebigkeit in der Modeindustrie. Wie sich Upcycling-Marken und kollaborative Designräume mit Fair Fashion labeln, enthüllt Tourguide Lina um 12 Uhr und sorgt mit ihrer Neuköllner „Green Fashion Tour“ für bewussten Konsum, Wertschätzung der Kleidung und mehr Transparenz unter Verbraucher:innen. Alle Neugierigen kommen im Verlauf des Spaziergangs mit innovativen Designer:innen in ihren Ateliers sowie Store Manager:innen in Concept Stores ins Gespräch und hören Pioniergeschichten direkt aus dem Nähkästchen (28/erm. 22 Euro). Der genaue Treffpunkt wird nach einer Buchung von Lina bekannt gegeben. 

Samstagmittag – Im Freilandlabor am Britzer Garten trifft Fashion auf Fasching: Alle Kinder von 7 bis 11 Jahren dürfen kreativ werden und in die Rolle ihres Lieblingstiers schlüpfen. Von 12 bis 15 Uhr bitten Marie und Max in die Natur und helfen individuelle (Gips)Masken herzustellen. Die vom Gesicht abgedrückten Verkleidungen dürfen farbenfroh gestaltet und mit Federn und Perlen verziert werden – oder liegen aus Bastelpapier zum Ausschneiden bereit (4 Euro). Mit Stil geht’s kinderleicht aus der Fantasiewelt in die fünfte Jahreszeit! Eine telefonische oder schriftliche Anmeldung ist erforderlich. Sangerhauser Weg 1, Bushaltestelle Windröschenweg

Samstagabend – Was wäre ein Samstagabend ohne sich als Nachtschwärmer:in die Abendstunden um die Ohren zu hauen. Fernab von Disco-Inferno und elektronischer Musik lockt die Philharmonie Berlin zum volksmusikalischen Klezmer Festival. Die Familie Ginzburg lässt um 20 Uhr als Jiddish Swing Orchestra einen Mix aus Klarinette, Saxofon, Klavier, Akkordeon und Perkussion erklingen. Die Wurzeln der traditionsreichen Klezmermusik reichen bis ins 15. Jahrhundert. Swing, Jiddisch-Cabaret, Oriental-Pop und Jazz stellen heute gleichermaßen die programmatischen Schwerpunkte der Band und füllen als Klangorgie den Kammermusiksaal. Tickets ergattern Sie ab 22,50 Euro. Herbert-von-Karajan-Straße 1, S/U-Bhf Potsdamer Platz

Sonntagmorgen – Wenn am Wochenende morgens etwas mehr Zeit vorhanden ist, kann das morgendliche Essvergnügen kaiserlich expandiert werden. Die Kochschule Kladow bringt von 9 bis 12.30 Uhr wohltuende Frühstückskreationen auf den Tisch, bei denen bestimmt auch Morgenmuffel gerne aus dem Bett hüpfen. Zur Ayurveda-Morgenroutine gehören Kichererbsenpfannkuchen mit einem Gemüse-Raita sowie „belebende und anregende Getränke“, die Sie gut genährt und mit Energie versorgt in den Tag starten lassen. Obendrein verrät Brigitte Karbe in einem Rezeptdossier verschiedene Muntermacher für die kommenden frühen Morgenstunden – herzhaft wie süß (45 Euro inkl. Essen und Rezeptsammlung). Bitte auch hier vorher anmelden: per Telefon oder Mail. Imchenallee 21d, Bushaltestelle Alt-Kladow

Sonntagmittag – Zum Tag der offenen Werkstätten laden die Hedwig Bollhagen-Werkstätten vor den Toren Berlins in die Welt der Keramik. Die Marwitzer Manufaktur formt seit 1934 Alltagsgeschirr und limitierte Kleinstserien – inspiriert von zeitgenössischer Bauhaus-Kunst. Zwischen 10 und 18 Uhr können alle Interessierten Einblicke in den Ursprung der Keramikfertigung erhaschen, Keramikmaler:innen über die Schulter schauen oder selbst zum Pinsel greifen. Wer die eigene Küche aufrüsten möchte ohne einen Finger zu rühren, wird mitunter bei zeitlosen Designklassikern im Werksverkauf fündig. Im Anschluss kann durch die dazugehörige Ausstellung des Bauhauskünstlers Theodor Bogler geschlendert werden. Vorabbuchungen für das Keramikmalen (30 Euro) oder die Werksführungen (10/erm. 5 Euro) werden empfohlen.

Sonntagabend – Das Ende der Berlinale ruft danach, den Abend mit herausragenden Filmen zu Hause zu krönen. Zum 72. Mal wurden die Bären vergeben. Wie immer berichtete Checkpointer Robert Ide in seiner täglichen Kolumne über das größte deutsche Filmfestival – und auch der Kultursender Arte war mit dabei. Eine Auswahl von Werken, die auf der Berlinale Premiere gefeiert haben, zwei Sonderausgaben des Filmmagazins Blow up sowie zahlreiche Berichte über Filme, die in einer der Sektionen des diesjährigen Festivals zu sehen waren, sorgen für entspannte Sofa-Momente und warten auf Ihre Primetime. Füße hoch!

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Bei den milden Temperaturen und Futter im Überfluss wollen wir unser borstiges Fell mal wieder ausführen – Raus aufs Land zum Schloss Paretz! Weitab vom Prunk der preußischen Residenzstadt Berlin genießen Chantal, die emsige Sau von Nebenan und ich bestenfalls mal wieder unsere Zweisamkeit. Wobei der preußische König Friedrich Wilhelm III. neben seiner Gemahlin Königin Luise selbstverständich auch die Kinder mit im Schlepptau hatte, um vor über 200 Jahren die Tage des Spätsommers auf dem Gut nördlich von Potsdam zu verbringen. Das schlicht anmutende Schloss enthüllt im Inneren königliche Wohnräume mit kostbaren Möbeln, Gemälden und den berühmten Paretzer Papiertapeten. Gemeinsam mit einer Kirche, der Schlossremise sowie weiteren Bauwerken bildet es ein märkisches Dorfensemble. Als Landschafts- und Gartenarchitekt interessiert mich der umliegende Park aber selbstverständich am meisten: Neben all den leckeren Trieben, Wurzeln und Früchten der Bäume, Kräuter und Pilze wollen Chantal und ich natürlich auch ein paar neue Verstecke auskundschaften. Wir Wildschweine finden ja eigentlich überall geeigneten Lebensraum. Doch wie sahen die glücklichen Tage der königlichen Familie in Paretz aus? Wie vertrieben sich die Königskinder im Schlossgarten ihre Zeit und allem voran: Was aßen sie wohl am liebsten? Die Schlossführerin freut sich am Sonntag um 14 Uhr auf neugierige Kinder – und ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Für immer Single? Haben Sie sich das mit Erschrecken auch schon mal gefragt? Wenn ja, hat Joana Nietfeld die passende Lektüre (Abo). In ihrem Artikel berichtet sie von Markus Dobler alias Amor und Onlinedating-Ghostwriter  und die Moral von der Geschichte lesen Sie selbst.

„Ich habe mir dort ein zweites Standbein aufgebaut“, erzählt der Basketballer Oscar da Silva mit Leidenschaft für Biochemie im Interview mit Julian Graeber (Abo). An diesem Wochenende spielt der 23-Jährige um seinen ersten Titel bei Alba Berlin, im Interview spricht er über sein Studium in Stanford, Corona und die Bedeutung von Spielintelligenz.

Auf der Suche nach einer Million Fußballfeldern versucht Wirtschaftsminister Robert Habeck große Klimafragen zu lösen. Felix Hackenbruch berichtet über verhedderte Regularien und das Ringen ums Geschichte schreiben (Abo). 

Weder Fußball- noch Basketballplatz: Wohin dann am Wochenende in Berlin? Nicola Kuhn hat sechs Wochenend-Tipps zusammengestellt, die das Beste für die grauen Februartage bereithalten.

Wochen­rätsel

Berlins marode Ecken: Jüngst wurde der Zugang zu den Medienbeständen einer Bibliothek in Friedrichshain-Kreuzberg aus Gründen des Brandschutzes bis auf Weiteres untersagt. Es handelt sich dabei um die Bibliothek:

a) Pablo Neruda
b) Else Ury
c) Uri Geller

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

Jetzt mitmachen

Stets up-to-date hat Lionel Kreglinger (Produktion) diesen Checkpoint in Ihre Postfächer flattern lassen, die Wochenendtipps entstammen der flinken Feder meiner Kollegin Sophie Rosenfeld. Am Montag hat Lorenz Maroldt an dieser Stelle alle hochaktuellen News der Hauptstadt parat. Fliegen Sie uns nicht weg!

Lotte Buschenhagen