Gestern Abend, gegen 21.30 Uhr, musste der Gesundheitsminister etwas essen. „Oh, jetzt habe ich gerade ein Duplo im Mund”, soll er in der Bund-Länder-Schalte auf eine Frage der Kanzlerin geantwortet haben. Ob Jens Spahn da schon ahnte, dass dies die wahrscheinlich längste MPK der Welt werden sollte? Dieser eine Satz und, dass er unmittelbar öffentlich wurde, stehen für das ganze Drama der deutschen Pandemie-Politik: Er steht für einen massiven Verlust an Respekt und Vertrauen für die politisch Verantwortlichen. Für die Dysfunktionalität einer Ministerpräsidentenrunde, die so öffentlich tagt, als würde sie am Sonntagabend bei Anne Will beisammensitzen. Fast sieben Stunden lang wurde die Runde offiziell unterbrochen, zog man sich in kleine Gesprächskreise zurück – um endlich in Ruhe zu sprechen.
Der Spahn-Satz steht auch stellvertretend für die Tapsigkeit und das schlechte Timing, mit denen Deutschland vom Impfdebakel in ein Testdesaster steuert, von der Öffnungsdebatte innerhalb weniger Stunden in den Oster-Lockdown (siehe unten). Das Virus macht keine Kompromisse, Deutschland dafür seit Monaten. Es ist dieser deutsche Mittelweg, der viele Menschen psychisch fertigmacht, die Wirtschaft leiden lässt und trotzdem Tausende Tote in Kauf nimmt. Dieser Weg führt zeitgleich Deutsche nach Mallorca und die Mittelstufen ins monatelange Homeschooling. Dieser maßlos unentschiedene Mittelweg führte kaum geschützt in die dritte Welle hinein. Wir werden uns viel verzeihen müssen, hatte Jens Spahn einmal gesagt. Es wird dafür ganz sicher mehr als ein freundliches Duplo brauchen. Einiges wird nicht zu vergeben sein. Politische Lethargie zum Beispiel.
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MaerzMusik 2021 endet mit einer 27-stündigen lebendigen Zeitansage, aufgeführt von Berliner*innen auf der Großen Bühne des Hauses der Berliner Festspiele und musikalisch begleitet von Kompositionen aus aller Welt.
Live ab Samstag, 27. März, 20:00 Uhr auf Berliner Festspiele on Demand.
Informationen und Festivalpass
Um 2.37 Uhr treten Angela Merkel, Michael Müller und Markus Söder vor die Kameras. 15 Stunden haben sie zusammengesessen, um Heimat- und Mallorcaurlaub gerungen. Dreimal (und mindestens zweimal zu viel) betont Söder, man habe jetzt einen klaren Kurs gefunden (hat man nicht). Michael Müller betont, man habe einen Paradigmenwechsel in der Pandemiebekämpfung vorgenommen (hat man nicht). Und Angela Merkel sagte: „Die Notbremse wird nicht ausreichen, um das exponentielle Wachstum zu beenden.“ Sie sprach von unkonventionellen Maßnahmen, die nötig wären. Im Ergebnispapier finden sich keine. Das sind die Beschlüsse:
Der Lockdown wird grundsätzlich bis zum 18. April verlängert.
Über Ostern soll das Leben in Deutschland noch stärker heruntergefahren werden. Gründonnerstag und Karsamstag werden einmalig als Ruhetage definiert und mit weitgehenden Kontaktbeschränkungen verbunden. Am Karsamstag soll der Lebensmitteleinzelhandel aber geöffnet bleiben. Das Motto: #wirbleibenzuhause.
Über die Osterfeiertage soll es nach Möglichkeit auch keine Präsenzgottesdienste geben. Mit einer Bitte wollen Bund und Länder auf die Religionsgemeinschaften zugehen. Es bleibt eine Bitte.
In Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 sollen die Corona-Beschränkungen verschärft werden. Dazu können Ausgangsbeschränkungen zählen, verschärfte Kontaktbeschränkungen und eine Tragepflicht medizinischer Masken von Mitfahrern im Pkw. Alles wird aber freigestellt.
Für Urlauber im Ausland soll eine generelle Testpflicht vor dem Rückflug eingeführt werden. Sie soll zur Voraussetzung für die Einreise nach Deutschland sein.
Die Wirtschaftsverbände haben eine Selbstverpflichtung abgegeben, ihre Mitarbeiter mindestens einmal die Woche zu testen. Eine Testpflicht gibt es nicht. Homeoffice-Regeln wurden nicht verschärft.
Das ganze Beschlusspapier der Bundes-Länder-Schalte finden Sie auf der Seite der Bundesregierung. Die nächste MPK findet am 12. April statt.
Der Berliner Senat wird heute um 10 Uhr zu einer regulären Sitzung zusammenkommen. Die Spitzen der rot-rot-grünen Koalition hatten Müller schon vor der Bundes-Länder-Schalte mitgegeben, dass man eine Ausgangssperre nicht mittragen würde. Das Parlament müsste in Berlin zustimmen. Aus Koalitionskreisen hieß es übereinstimmend, dass alle drei Regierungsfraktionen eine solche Regel als wenig hilfreich ansehen würden. Die Schulen werden bis zu den Osterferien wohl offenbleiben: In Berlin sind im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern schon Selbsttests für Schüler und Lehrer verfügbar, nach den 14-tägigen Ferien, so die Hoffnung, könnten die meisten Lehrer auch geimpft sein. Es sollen weitere Pilotprojekte in den Bereichen Kultur und Sport ausprobiert werden – allerdings werden keine generellen Öffnungsschritte vorgenommen. Wir halten Sie mit einem Liveblog auf dem Laufenden.
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DETLEV KARSTEN ROHWEDDER
Zur Erinnerung an den ermordeten Präsidenten der Treuhandanstalt
Dienstag, 23.03.2021
19:00 - 20:15 Uhr | virtuell
Es diskutieren:
Prof. Dr. Dr. h. c. Karl-Heinz Paqué,
Linda Teuteberg MdB,
Dr. Johannes Ludewig,
Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder,
Moderation: Dr. Dorothea Siems.
Programm und Anmeldung hier
Lange verhandeln kann ja jeder? Nicht doch! Im Wirtschaftsausschuss im Berliner Abgeordnetenahaus hatten einige Politiker von SPD, CDU und AfD nach dreieinhalb Stunden auch mal genug. Um 18.30 Uhr beantragte die SPD, den letzten Tagesordnungspunkt zu vertagen. In TOP 4 wäre es um „Gesetz zur Neuregelung der Rechtsverhältnisse der Investitionsbank Berlin“ gegangen. Die Bank sollte mit der Neuordnung besser auf die enorme Herausforderung des Corona-Hilfen-Managements eingestellt, Strukturen transparenter gestaltet werden. Nicht ganz unwichtig, in einer schweren Wirtschaftskrise, möchte man meinen. Das sahen auch Linke, Grüne und FDP so, wollten den Tagesordnungspunkt unbedingt besprechen. Die SPD-CDU-AfD-Zählgemeinschaft hob trotzdem die Hände für einen früheren Feierabend. Abbruch. Steckt da nicht doch mehr dahinter? „Nö, die Luft bei denen war einfach raus“, sagte ein Teilnehmer dem Checkpoint. Für 6.532 Euro im Monat macht man halt auch nicht alles mit.
Es ist die da, die da, die da: Berlin goes Luca. Michael Müller hatte den Schritt am Sonntagabend im „Bericht aus Berlin“ freudig angekündigt: „Ich habe die Verträge unterschrieben, ohne dass ich Smudo kennengelernt hätte oder mich mit den technischen Details auskenne.“ Gut, dass klingt nicht super vertrauenswürdig. Zum Glück kennen wir aber die Details, die heute im Senat besprochen werden: Berlin lässt sich die Anwendung zur Kontaktnachverfolgung für ein Jahr 1.168.000 Euro kosten (später soll der Bund die Kosten übernehmen). Der Vertrag mit der Firma „culture4life“ ist schon unterschrieben. Das System soll die Gesundheitsämter, die oft noch faxen, nun digital mit Gastwirten, Kultureinrichtungen oder Universitäten vernetzen. Futuristisch klingt dies: „Allen Berliner Gesundheitsämtern wird ein webbasierter Zugang zur Applikation „luca-Gesundheitsamt“ ermöglicht.“ Das System muss datenschutzkonform sein, heißt es in der Vorlage, entschlüsselte Kontaktdaten sollen ausschließlich die Gesundheitsämter sehen.
Genau dieser Punkt ist umstritten. Der Thüringer Datenschutzbeauftrage hatte vor möglichen Sicherheitslücken in der App gewarnt. Und was sagt der Senat? „Eine Task Force der Landesdatenschutzbeauftragten (…) prüft derzeit die datenschutzrechtliche Konformität des Luca-Systems.“ Auf Checkpoint-Anfrage schrieb eine Sprecherin der Datenschutzbehörde von einer „laufenden Prüfung der Luca App und einer diesbezüglichen Abstimmung unter den deutschen Datenschutz-Aufsichtsbehörden“. Eine „ausführliche Stellungnahme“ sei in Kürze geplant. „Von uns aus kann es innerhalb weniger Tage losgehen, maximal eine Woche“, sagt uns Patrick Hennig, CEO der App. Gekauft ist schließlich gekauft.
Auf Wiedervorlage für nach der Pandemie („nur noch ein paar Wochen durchhalten“): In Berlin können Restaurant-Kunden jetzt die Herausgabe amtlicher Lebensmittelkontrollberichte verlangen. Hinter den verschlossenen Küchentüren wartet ja leider nicht immer nur totes Fleisch. Restaurantbetreiber können sich nun nicht mehr unter Berufung auf vermeintliche Geschäftsgeheimnisse gegen die Veröffentlichung der Kontrollergebnisse wehren. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin jetzt entschieden. Künftig können Sie sich also informieren, schon bevor ihnen eine Pasta la Cucaracha serviert wird. Die Organisationen Foodwatch und „Frag den Staat“ haben dafür die Internetplattform „Topf Secret“ erstellt. Mit wenigen Klicks kann dort man Kontrollergebnisse abfragen. Schmecken lassen!
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Atheisten auf Sendung: Spätestens seit der 86-Cent-Beitragsdebatte sind Rundfunkstaatsverträge ja zur Glaubensfrage geworden. Ausgerechnet die Gottlosen drängen jetzt in den Rundfunkrat des „Rbb“: Wenn Politik und Sender in diesen Tagen einen neuen Staatsvertrag beraten, will der Humanistische Verband (HVD) mitmischen.Bislang sind nur die Kirchen prominent im Rundfunkrat vertreten (genau wie: Landesmusikrat, Elternausschuss, Handwerkskammer), die Vertretung der Konfessionslosen aber nicht. „Religionsgemeinschaften sind auf ihren Wunsch angemessene Sendezeiten zur Verfügung zu stellen“, steht außerdem im Staatsvertrag. 2020 führte das zu fast 2400 Sendungen mit Kirchenbezug in den RBB-Programmen.
„Wir möchten, dass die Politik versteht, dass Menschen in Berlin-Brandenburg, die ein Leben ohne religiöse Bezüge, aber eben mit humanistischen Werten führen, einen Großteil der Hörer:innen und Zuschauer:innen des RBB ausmachen“, sagte Jan Gabriel, Vorsitzender des HVD in Berlin-Brandenburg. Zwei Drittel der Berliner sind konfessionslos, 77 Prozent schauen „selten oder nie“ religiöse Sendungen im Fernsehen. Inzwischen besuchen mehr Berliner Schüler den Lebenskundeunterricht des HVD, 70.000 nämlich, als das Fach Religion zu wählen. Auch in der Berliner Politik gibt es Unterstützung für das Anliegen (ganze Geschichte hier). Der RBB antwortete eher schroff: „Wichtig ist uns aber der Hinweis, dass der Rundfunkrat kein Gremium von Interessen- und Verbandsvertretern ist, sondern hier wird die Bevölkerung der Länder insgesamt vertreten“, schreibt Intendantin Patricia Schlesinger. Die Themen des humanistischen Verbandes seien ausreichend berücksichtigt. Aber auch das ist wohl: eine Glaubensfrage.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wieder war’s ein Rechtsabbieger: Eine 66-jährige Radfahrerin ist am Montagmorgen in Weißensee von einem Lkw-Fahrer getötet worden. Die Frau verstarb noch am Unfallort. Sie ist die sechste Verkehrstote in diesem Jahr. Erst am Donnerstag starb eine 56-jährige Frau in Neukölln, als ein Lkw-Fahrer sie beim Rechtsabbiegen überfuhr. Wo bleiben die Abbiegeassistenten?
Eine Ausschreibung als Befreiung: Die Gesundheitsverwaltung hat den Betrieb der landeseigenen Testzentren (21 sollen es mal werden) nun doch ausgeschrieben. Zuvor hatte die Firma DX21 per Direktvergabe den Zuschlag zum Millionenauftrag bekommen. Daran hatte es massive Kritik gegeben. Ärger droht auch aus anderer Ecke: Die mehr als 100 zertifizierten Test-To-Go-Stationen, die kostenlose Abstriche anbieten,können ihre Kosten erst ab Mai abrechnen, weil eine bundesweite Regelung fehlt. Die Ersten Betreiber denken an Aufgabe.
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Wieder war ein Remmo-Spross beteiligt: Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat am Montagabend ein 30 Jahres altes Mitglied der Großfamilie festgenommen. Er soll an dem bewaffneten Raub-Überfall Ende Februar am Ku’damm auf einen Geldtransporter beteiligt gewesen sein. Die Clans brauchen Geld, weil Prostitution und Schutzgeld in der Pandemie weniger einbringen, sie sich das Protzen aber nicht sparen wollen.
Wir bleiben im Krimi-Genre: Große Aufregung um 300.000 DNA-Proben an der Charité. Die Grünen hatten das Krankenhaus angegriffen, weil es sich angeblich nicht mehr um die Arbeit für die Strafverfolger kümmern wollte. Tatsächlich hatte ein Gericht schon 2020 entschieden, dass der Senat nicht einfach mit der Charité zusammenarbeiten darf, sondern den günstigsten Anbieter wählen muss. Das war den Grünen entgangen. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach: „Ich finde, da ist eine Entschuldigung an die Beschäftigten der Charité fällig.“ Jetzt muss helfen, was immer helfen soll: Rekommunalisierung.
Marzahn hat einen eigenen BER: Unter dem Motto „Wunder gibt es immer wieder“ verkündete der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD) dessen Eröffnung: „Ich freue mich sehr verkünden zu dürfen, dass nach 1595 Tagen der Nicht-Eröffnung die Frauenfitnessfläche der Frauensporthalle im Freizeitforum Marzahn endlich fertig ist!“ Alle Details dazu hat Kollege Ingo Salmen heute in seinem Newsletter. Zum kostenlosen Abo geht’s hier entlang.
Apropos BER: Der scheidende Flughafenchef Engelbert Lüdke Daldrup baut seinen dahinsiechenden Flughafen schonmal zum Museum um. Nach der Skulptur „Der Fall Daidalos und Ikarus“ (Rolf Scholz) soll nun auch noch eine Figurengruppe des Bildhauers Rolf Lieberknecht im Terminal 1 einziehen: „L’albatros“. Der Vogel ist übrigens auch vom Aussterben bedroht.
Bildung I: Der CDU-Abgeordnete Mario Czaja wollte von der Bildungsverwaltung wissen, ob auch Luftreiniger für die Kindertagespflege finanziert werden. Die Antwort: „Eine Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für den Bereich der Kindertagespflege ist nicht vorgesehen, da sich die Pflegestellen in Privaträumen mit grundsätzlich ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten befinden.“ Woher die Senatsverwaltung das wisse, wollten wir wissen. Man gehe einfach „fest davon aus“, schreibt ein Sprecher. Das hilft ganz sicher.
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Bildung II: 51000 Tablets hat der Senat an Familien mit geringen Einkommen ausgegeben. Keine gängige Video-App darf laut der Datenschutzbeauftragten darauf installiert sein, sie sollten alle gelöscht werden. Die Bildungsverwaltung ignoriert das, die Tablets wären sonst unbrauchbar. Anscheinend gilt: Bildungsschutz geht vor Datenschutz.
Und damit zum Umweltschutz: Die zuständige Senatsverwaltung will 139 Straßenbäume an der B96 zwischen Adlergestell und Grünbergallee pflanzen. Kein besonders schöner Ort, deshalb müssen die Bäume „industriefest“ sein. Das bedeutet, weitgehend immun gegen Hundeurin, Astbruch und spiegelnde Autoscheiben, teilt die Umweltverwaltung auf Anfrage mit. Als besonders industriefest gelten übrigens Linden. Sie machen 35 Prozent der Berliner Straßenbäume aus. Unnützes Berlin-Wissen zum Einpflanzen.
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Agenda Spezial: Der Fall Wirecard und seine Folgen
Der Skandal rund um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat das Thema Wirtschaftsprüfung in die Medien katapultiert. Im Agenda Podcast spricht Journalist Philipp Eins mit Christoph Regierer (Mazars) und Patrick Velte (Uni Lüneburg) über den Fall und den Gesetzesentwurf zur Stärkung der Finanzmarktintegrität. Jetzt reinhören!
Krawalltage voraus: Am Donnerstag ab 8 Uhr soll die linke Kneipe Meuterei in der Reichenberger Straße geräumt werden. Das Besetzer-Kollektiv verweigert die Schlüsselabgabe an den Vermieter: „Wir wollten zeigen: Nur weil ein Gericht entscheidet, dass der Eigentümer Recht bekommt, heißt das aus unserer Sicht nicht, dass das richtig ist“, heißt es. Um für ihr Verständnis von Freiheit und linke Hausprojekte zu werben, haben Autonome am Wochenende 15 Autos angezündet. Die Flammen verschmorten eine Hauswand und Rollläden.
Zitat
„So können wir vor der Öffentlichkeit nicht bestehen.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt eine Unterbrechung der Bund-Länder-Schalte an. Sie wird fast sieben Stunden dauern.
Tweet des Tages
Berliner Sommerurlaubs-Planung 2020: Usedom, Rügen oder Darß? Berliner Sommerurlaubs-Planung 2021: Ostseestraße, Ribnitzer Straße oder Greifswalder Straße?
Stadtleben
Essen to go – Nach langer Pause ist er zurück – der Revolution Burger. Für die „Revolutionen im Mund“ lässt der Imbiss auf Rollen zwischen Veggie-Varianten mit gegrilltem Gemüse und traditionellen Burger-Formaten mit großem Erfindergeist wählen: Neben dem Fantasyburger mit Blue-Cheese-Vulkan an Aioli sind noch weitere 80 Prozent der Burger Eigenkreationen. Falls immer noch nicht das richtige dabei sein sollte, können Sie sich Ihren Burger auch einfach selbst zusammenstellen. Die Imbissbude wechselt täglich ihren Standort: Mo: Hermannplatz (10-18 Uhr), Di: Rathaus Schöneberg (10-13.30 Uhr), Mi: Alice-Salomon-Platz (10-17 Uhr), Do: Waldsassener Straße (10-17 Uhr), Sa: Südstern (10-16 Uhr).
Anhören – Der Frauenmärz klingt langsam aus. Spitzen Sie noch einmal die Ohren und gehen dem Stand der Emanzipation in der EU auf den Grund – gemeinsam mit Maria Noichl (SPD), die im EU-Parlament Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung ist. Die zweistündige digitale Diskussion „Europa, wie steht es um deine Gleichstellung?“ beginnt um 19.30 Uhr. Zur Anmeldung per Mail geht es hier.
Reiseführer sichern – Die Willkommensklassen 3 bis 6 der Schule am Teltowkanal gewähren anhand von acht Objekten und Kunstwerken Einblicke in ihre ganz persönliche „Reise durchs Museum für Islamische Kunst“. Der Ausstellungsbegleiter für 6 bis 10-jährige Kinder bietet anhand von versteckten Gesichtern in Stuck-Verzierungen, einem Interview zwischen Fell- und Federtier und glückbringenden Fabelwesen eine Odyssee von Spanien bis nach Indien, vom neunten bis ins siebzehnten Jahrhundert. Den 30-seitgen Guide gibt‘s ab heute an der Kasse vom Pergamonmuseum oder online. Zeitfenster-Tickets für die Ausstellung erhalten Sie hier. Bodestraße 1-3, Mitte, S-Bhf Hackescher Markt
Durchstöbern – In der Friedrichshainer Sonntagstraße 26 befindet sich auf 20 Quadratmetern Deutschlands erste Buchhandlung mit Fokus auf afrikanische und afro-diasporische Literatur. In der Bücherstube namens InterKontinental lassen sich Nelson Mandelas „Briefe aus dem Gefängnis" finden, aber auch die Memoiren von Michelle Obama. Di-Fr 13 bis 18 Uhr, Sa 13 bis 18 Uhr, Friedrichshain, S-Bahnhof Ostkreuz
Grübelstoff – Am vergangenen Freitag wurden die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Für welche Leistung würden Sie in Ihrem Bekanntenkreis einen Preis verleihen?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Norbert R. und die Handkaffeemühle.
„Schon während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr habe ich mir eine Handkaffeemühle für unsere Siebträgermaschine zugelegt. Die Vorteile liegen auf (und in) der Hand: Sie nimmt nicht so viel Platz ein wie eine elektrische Mühle und ist vor allem viel leiser – in einem Homeoffice-Haushalt besonders praktisch. Der Mahlvorgang für einen Espresso und einen Cappuccino dauert dann ungefähr so lange wie die Lektüre des Checkpoints.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Dahlemer Weg (Zehlendorf): Ab 6 Uhr ist die Straße bis Donnerstag, ca. 18 Uhr in beiden Richtungen zwischen Sundgauer Straße und Finckensteinallee/Mühlenstraße gesperrt.
Berlin-West: Von 11.30 bis 14.30 Uhr finden mehrere Fahrzeugkorsos statt.
Prenzlauer Allee (Prenzlauer Berg): An der Kreuzung Ostseestraße/Wisbyer Straße ist das Linksabbiegen in die Wisbyer Straße für etwa einen Monat nicht möglich.
Berliner Allee (Weißensee): Die Straße ist in Höhe Feldtmannstraße von 17.30 bis 18 Uhr unbefahrbar.
A111 (Reinickendorf-Zubringer): Nächtliche Sperrung von 21 bis 5 Uhr zwischen Am Festplatz und Waidmannsluster Damm.
Regionalverkehr: Umleitung bei einzelnen Zügen des RE2 in den beiden folgenden Nächten. Die Halte Berlin Alexanderplatz, Berlin Ostbahnhof, Berlin Friedrichstraße, Berlin Hbf und Berlin Zoologischer Garten entfallen.
Demonstration – Ein „Warnstreik im Rahmen der Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie“, angemeldet durch die IG Metall mit etwa 70 Teilnehmenden führt von der Oberlandstraße/Germaniastraße über Tempelhof bis zur Straße des 17. Juni (11.30-14.30 Uhr). Zum gleichen Thema starten drei durch die IG Metall angemeldete Autokorsos um 12 Uhr: am Rathenaupark in Hennigsdorf mit ca. 50 Demonstrierenden, am Juliusturm mit ca. 500 Protestierenden und auf der Straße des 17. Juni mit etwa 60 Personen, mit dem Ziel um 14 Uhr den Olympischen Platz zu erreichen. Von 17 bis 19 Uhr findet eine vom Aktiven Tierschutz e.V. angemeldete Demonstration unter dem Motto „Hatte dein Essen ein Gesicht?“ auf dem Hermann-Ehlers-Platz statt (ca. 5 Teilnehmende). Ein Aufzug mit dem Thema „Meuterei und Rigaer 94 verteidigen“ beginnt um 18 Uhr mit ca. 300 Aktivist:innen in der Reichenberger Straße 85 und endet in den späteren Abendstunden in der Revaler Straße/Warschauer Straße.
Gericht – Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder (42) einer 15-Jährigen geht weiter. Er soll die Schülerin auf einem Brachgelände an der Rummelsburger Bucht nach einer versuchten Vergewaltigung erwürgt haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 501).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Für meinen Mann Mohammad Barfi zum 80. Geburtstag: Ein persischer Spandauer und Ingenieur im Unruhezustand“ / Nicolas Brieger (76), Schauspieler und Theaterregisseur / Lotte Buschenhagen, die Berliner Kulturszene immer im Blick, die Stadtleben-Feder stets gespitzt – alles Liebe zum Geburtstag! Team Checkpoint gratuliert von Herzen! / Claudia Danzer-Zimmermann (56), „Herzliche Geburtstagsgrüße gehen raus an die beste Mama der Welt von Deinen Zimmermännern.“ / Lilia Florentine Schöck-Bochenski (1) und Edgar Rohloff (70), „Lieber Didi, wir gratulieren dir zu dieser runden Zahl und stimmen mit Lilia ein Geburtstagslied für dich an. Alles Liebe von Anastasia, Filip und Lilia“ / Detlef Dzembritzki (78), ehem. SPD-Landesvorsitzender in Berlin (1994-99) / Pola Kinski (69), Schauspielerin / Herbert Knaup (65), Schauspieler / Susanne Jaschke (76), „Beste Mutti der Welt, Dein Mäuschen“ / Maria Koschny (40), „Alles Gute zum Geburtstag“/ Hans Lenk (86), ehem. deutscher Ruderer, emerit. Philosoph und Sportwissenschaftler / Pavel Mayer (56), Podcaster und ehem. Piraten-Politiker / Verena Saure (56), „Liebes Schneggi, ein Hoch auf die Widder und ihre Besonderheiten! Lass Dich feiern und fühl Dich geknuddelt, Deine Geburtstagsschwester“ / Philipp von Schulthess (48), Schauspieler / Peter Schwenkow (67), Vorstandsvorsitzender der DEAG und Hochschullehrer / „Unserer lieben Freundin Susanne alles Liebe zum Geburtstag von Karsten, Simone und Karla“ / Yoko Tawada (61), Schriftstellerin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Ulla Abendroth-Zinke, * 5. Mai 1951 / Elior Halili, verstorben am 4. März 2021, tätig im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Karin Nelkowski, * 27. April 1930 / Ingo Pflüger, * 10. August 1967 / Dr. Michal Wiecko, verstorben am 3. März 2021, Bundesinstitut für Risikobewertung
Stolperstein – Siegmar Freund (Jg. 1867) lebte in der Charlottenburger Niebuhrstraße 70. Nach seiner Internierung im Sammellager Große Hamburger Straße 26 deportierten die Nationalsozialisten ihn ins Ghetto Theresienstadt. Heute brachten sie ihn heute vor 78 Jahren um.
Encore
Also doch kein Mallorca-Urlaub in den Osterferien und lieber Ostseestraße statt Usedom. Besser so. Und auch Berlin hat ja versteckte Ecken zum Entdecken (CP von gestern): Kaspar von Erffa etwa empfiehlt eine Kurzreise in den Ortsteil Albrechts Teerofen im südwestlichsten Zipfel von Wannsee und einen Spaziergang zur Raststätte Dreilinden. Sylvia Petzold möchte zu Ostern den Wanderweg in den Ahrensfelder Bergen erkunden. Ebenfalls hoch hinaus will Manfred Füger: Er empfiehlt den Ehrenpfortenberg in Reinickendorf. Auf 69 Metern Höhe steht ein Gipfelkreuz, an dem angeblich schon der alte Fritz lehnte. Renate Weiße empfiehlt Tierisches: Im Innenhof vom Kranzler-Eck die Sittiche bestaunen („Sie antworten, wenn man redet“), dann zum Aquarium, eine Runde rings um den Zoo, durch die Fenster des Bikini Berlin die Affen bestaunen und schließlich bunte Fische im Restaurant „Sy“ angucken.
Für diesen Checkpoint hat Teresa Roelcke recherchiert. Sophie Rosenfeld hat das Stadtleben geschrieben und Cristina Marina diesen Newsletter ins Ziel gebracht. Morgen erzählt Ihnen Ann-Kathrin Hipp: alles, was wichtig wird. Bis bald,