Sonnige, frühlingshafte 10°C

Der Tagesspiegel Spendenverein sammelt Geld für die Ukraine-Hilfe Hellersdorfer Kampfhunde trainieren Beißkraft an Schaukeln Die unzähligen freiwilligen Helfer verdienen sich unzählige Goldmedaillen

auch heute beginnen wir den Checkpoint mit einem Blick auf die Ukraine:

+++ Der Flughafen Tschornobajewka bei Cherson im Süden der Ukraine steht nach ukrainischer Darstellung weiterhin im Mittelpunkt erbitterter Kämpfe. Die ukrainischen Streitkräfte hätten das russische Militär an diesem Flughafen bereits das sechste Mal überfallen und dem Gegner dort schwere Verluste zugefügt.

+++ Angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine warnt die EU-Kommission vor einer Hungersnot in dem Land. „Die Menschen in den belagerten Städten sind apokalyptischen Zuständen ausgesetzt – keine Nahrung, kein Wasser, keine medizinische Versorgung und kein Ausweg“, sagte der zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic für humanitäre Hilfe und Krisenschutz.

+++ Die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine sowie ihre staatliche Unabhängigkeit sind und bleiben für Kiew die sogenannten roten Linien bei den aktuellen Friedensverhandlungen mit Russland. Diese seien „unverrückbar“, betonte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk am Freitag.

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog auf tagesspiegel.de. Updates zur angespannten Lage der Geflüchteten in Berlin lesen Sie im Newsblog.

20.000 Geflüchtete hat Berlin seit Beginn des Krieges untergebracht. Angekommen sind jedoch weit mehr: Durchschnittlich 10.000 Menschen steigen jeden Tag aus Zügen, Bussen, Privatautos – Tendenz steigend, sagt Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) dem Tagesspiegel am Freitag.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Ob der Name des Lietzensees nun auf das alte, slawische Wort luccina für Moor / Sumpf, oder das Altberliner Wort Lietze fürs Blässhuhn zurückgeht, der Lietzensee ist, für alle, die ihn schon länger kennen, eines dieser Urgesteine der Stadt, die mit dem ganzen neumodischen Zeugs (also allem, was etwa seit dem Mauerfall geschehen ist) nur peripher zu tun haben. Um den See herum gruppieren sich sowohl vielgeschössige West-Plattenbauten (ja, ja, wer will es damit schon genau nehmen?), als auch manche Gründerzeit-Prunkfassade, die im Verbund Zeitreisen mit geringstem Aufwand ermöglichen – Kopf nach links: Moderne, Kopf nach rechts: Klassizismus. Der Zustand der Anlage hat schon bessere Tage gesehen – aber wer hat das nicht? Wem die Runde zu klein ist, setze den Weg doch in Richtung Weimarer Klassik und Idealismus (Kant-, Goethe-, Schiller-, Herderstraße) fort und erkenne im Vorüberziehen der Stadt sein Blässhuhn.

Samstagmittag – Im Anschluss geht, wessen eigenes Denken in Gegenwart der historischen Denkernamen wild geworden ist, ein Stück die Leibnizstraße hinunter, um es in der Giesebrechtstraße 18 in der Buchhandlung Winter wieder anschlussfähig zu machen. Neben den philosophischen und literarischen Klassikern findet sich hier auch eine vorbildlich kuratierte Auswahl zeitgenössischer Autor:innen, die einen bei Bedarf auch ganz schnell wieder aus Charlottenburg hinausführen – wer etwas bei der eigentümlichen Sortierung nicht auf Anhieb findet, frage! Und folge etwa dem Entwurzler Johannes Laubmeier nach Bayern, oder dem Optimismusbeauftragten Andreas Stichmann nach Pjöngjang.

Samstagabend – Bei einem edlen Tropfen werden derlei Einflüsse schnell zu Weinflüssen. Und wenn man sowieso schon da ist und sich nach all der Bewegung mal setzen mag, gehe man doch nebenan ins Alma Mia (Giesebrechtstraße 19). Die Weinkarte ist ebenso beachtlich wie die Speisen fein. Und das, weil die Idee schlicht gut ist: „Einfache alte Rezepte. Gute regionale und saisonale Produkte. Wöchentlich wechselnde kleine Karte.“ Was braucht man mehr?

Sonntagmorgen – Höchstens mehr Entgrenzung, geistige Expansion bei körperlichem Wohlbefinden und entspanntem Ruhepuls. Es ist schließlich Sonntag, zum Teufel mit dem Unruhetrott – Pferde oder Rad aufsatteln (oder doch gehetzt die Bahn abpassen) und auf ins Nichts des Umlands. Dort kann man klösterlich schweigen, sich mithilfe von Yoga zentrieren oder im Biosphärenreservat in natürliche Kreisläufe auflösen. Laut Bettina Homann von der PNN, geht all das am besten hier.

Sonntagmittag – Wer noch weiter weg will, sich dafür aber nicht so viel bewegen mag, begibt sich in die Invalidenstraße. Dort tönt ab 14 Uhr die Klanginstallation Rainforest IV des Klaviervirtuosen, John-Cage-Hauspianisten und Installationskunst-Pioniers David Tudor. Dieser Regenwald (geht es noch janzer, weiter, draußener) besteht aus allerhand zum Klingen gebrachten Alltagsobjekten wie Schlafzimmerlampe, Abzugsschacht, Kühlergrill, Blechgerippe und Gestänge. Dem Zirpen der Kühlergrillen lauscht man bis 27. März jeden Mi-So von 14 bis 20 Uhr in der Invalidenstraße 3. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

Sonntagabend – Zum Wochenende-Ende dann noch ein mindestens ebenso zentrierendes Konzert, wie Yoga: US-Komponistin Catherine Lamb ging zunächst auf dasselbe College, wie Grunge-Grande-Dame Courtney Love, holte sich aber im Laufe ihrer Ausbildung auch in Indien Inspiration und verwarf im Anschluss das klassisch tonale Komponieren. Und zwar zugunsten eines mikrotonalen Ansatzes. Einfach ausgedrückt, liegen in ihrer Musik zwischen zwei benachbarten Klaviertasten unendlich viele Tonhöhen – und die, ohne das Geschenk der guten alten Tonleiter, zu sortieren, ist nicht mal eben am Sonntagnachmittag erledigt. Lamb forscht nun schon seit 20 Jahren daran. Die zwei Kompositionen „Inter-Spatia“ und „wave/forming“ sind um 21 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu hören. Hier gibt es Tickets zu 20/15 Euro.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Der Frühling, der Frühling! Kaum zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, wimmelt es draußen vor kurzhosigen Wanderzweibeinern. Zum Glück haben Chantal, die wetterfühlige Sau von Nebenan und ich seit kurzem Hochgeschwindigkeitsinternet im Bau – damit können wir Filme viel schneller gucken als je zuvor. Und zum Glück ist das Programm in den üblichen Mediatheken voller Schweinereien, ganz nach unserem Geschmack. Wir machten es uns also mit Explosionsmais und Lochbrötchen gemütlich – und schauten eine Sendung übers Wandern in der Mark. Ohne einen Schritt zu tun, umrundeten wir so den Großen Stechlinsee auf Fontanes Fersen (und Versen), der Stechlinseestraße in Neuglobsow folgend, am Glasmuseum vorbei und weiter am Ufer entlang. Der Abstecher in den Wald zum Polzowkanal geht sich in doppeltem Sinne von selbst, denn so verläuft der Weg. Und mit High-Speed-Netz geht es sich eh von selbst. Oder langsam schlendernd, mit Fontanes Buch. Das empfehle ich. Und mich selbst, mit gemütlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Rita und Heinz haben gerade in Pankow ihre Gnadenhochzeit gefeiert, seit 70 Jahren sind sie verheiratet. Wie schafft man es, jung zu heiraten, sich in all den Jahrzehnten auch mal zu verzeihen, in der Nachkriegs-Zeit in Berlin viele Kinder groß zu ziehen, nach dem Mauerbau sein Leben neu zu erfinden? Das haben die beiden Robert Ide (Abo) ganz genau erzählt. Schöne Bilder gibt es auch.

Jörn Hasselmann befasst sich mit Brandenburgs Radwegen und attestiert: Überwiegend Mittelmaß. 

Glockenturmstraße, Berlin Westend: Ein Rohbau, der verdächtig nach einer Schule aussieht, steht seit Jahren still. Ist er Ihnen schon mal aufgefallen? Was das soll, hat sich auch Cay Dobberke gefragt – und nachgehakt.

Moderne Kriegsführung, so lautet die Losung der Stunde, läuft über die Banken. In Moskau hat sich unlängst ein Promi an eine McDonalds-Filiale gekettet, um darauf hinzuweisen, wie hart die Sanktionen, die auch die Schließung der Filiale bedeuten, auch „die ganz normalen Menschen treffen“. Ein Leben ohne McDonald‘s, ja, wie soll das nur gehen? Statt US-Gelder in Russland, hat Ralf Schönball (Abo) Russische Gelder in Berlin nachverfolgt.

Wochen­rätsel

Wochenrätsel – Gewonnen! Im Jahr 2019 waren es noch ganze 19, 2021 nur noch 9 registrierte Einbrüche…
a) …bei den Heinzelmännchen.
b) …bei der Berliner Polizei.
c) …in der JVA Tegel.

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Zum Abschluss eine Runde Bullshit-, äh, Betriebsbingo: Wer bis zum November einen Bachelor in der Tasche hat, möge sich doch bitte bei der Senatsverwaltung für Inneres melden, sagt das gestrige Amtsblatt (S. 702). Für zwei Jahre sucht die Behörde Trainees (Einstiegsgehalt: 3051,16 Euro) und hat dafür wohlklingende Anforderungen, deren Definitionen uns brennend interessieren würden – wir deklamieren:
Was du bist
 
+ Teamplayer
+ konzeptionell
+ Familienmensch
+ karrierebewusst
+ Organizer
+ uvm.“

Da kann nix mehr schiefgehen! Also, konzeptionelle Familienmenschen (uvm.) Berlins: Hier geklickt.

Jung, dynamisch und belastbar hat heute Morgen Lionel Kreglinger (Produktion) diesen Checkpoint verschickt. Garantiert keinen Bullshit schreibt am Montag meine Kollegin Nina Breher. Kommen Sie gut durch das Wochenende!

Lotte Buschenhagen