der Mietendeckel scheppert weiter durch die Stadt – gestern drehte er eine Runde durch den Rat der Bürgermeister, außerdem landeten die aktuellen, bisher unveröffentlichten Stellungnahmen der Justizverwaltung (6 Seiten) und der Innenverwaltung (2 Seiten) zum Gesetzentwurf beim Checkpoint auf dem Tisch. Im Einzelnen:
1) Rat der Bürgermeister: Die Rathauschefs ziehen sich auf die Tribüne der Schaulustigen zurück und packen das Popcorn aus. Ihr unentschlossen wirkender „Ja, aber“-Mehrheitsbeschluss ist ein sozialdemokratischer Volley-Return ins Feld von Linken-Senatorin Katrin Lompscher – grundsätzlich bekennen sie sich zum Gesetz (Ausnahme: die der CDU), zu tun haben wollen die Bürgermeister damit aber nichts: Sie lehnen die Übernahme der ihnen zugewiesenen Aufgaben ab.
2) Justizverwaltung: Staatssekretärin Daniela Brückner hebt an zu einem großen Lob für Stadtentwicklungs-Kollegen Sebastian Scheel („…hat durch Ihre weitere Arbeit noch einmal erheblich an Klarheit und Überzeugungskraft gewonnen“) – erklärt die Mitzeichnung jedoch nur unter Vorbehalt und regt an, „die Begründung noch weiter zu schärfen“. Das kennen wir aus dem Kindergarten: „Super gemacht!“, ruft die Erzieherin dem Jungen zu, der gerade den Ball zum zweiten Mal am Tor vorbeischießt, „versuch’s nochmal“. Brückners Bedenken: a) So scheitert der Gesetzentwurf vor dem Verfassungsgericht. b) Die Belastung der Verwaltungen und Gerichte wird grandios unterschätzt. Ihr Abschiedsgruß: „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die anstehenden Arbeiten…“ - und auf der Tribüne tanzt der Rat der Bürgermeister Lambada.
3) Innenverwaltung: Staatssekretär Torsten Akmann zeichnet ebenfalls nur „unter Vorbehalt“ mit – seine Bedenken: a) Mangels „Entflechtung“ der Vorschriften schlägt die mögliche Verfassungswidrigkeit der einen Maßnahme auch auf die andere durch. b) Auch die Stichtagsregelung ist „aus verfassungsrechtlicher Sicht nach wie vor nicht unerheblich“. Wie Brückner empfiehlt Akmann, die Begründung „nochmals zu schärfen“. Es kommentiert der französische Philosoph Luc de Clapiers Vauvenargues (1715 – 1747): „Die Gesetze, die erlassen werden, sollen scharf und die Menschen die sie handhaben, nachsichtig sein.“
Eher rachsüchtig klingt ein Antrag für den Linken-Parteitag – darin wird ein Austritt der städtischen Gesellschaften und Genossenschaften aus dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen gefordert, die Begründung: Der BBU sei der „politische Arm der profitorientierten Wohnungskonzerne“.
Das ist zwar nicht ganz falsch, der Verband agitiert ja zuweilen tatsächlich wie aus dem Gebetsbuch von Gerhard Löwenthal; aber auch ein bisschen sozialistische Selbstkritik schwingt bei den Linken mit: Erst die rot-rote Privatisierungspolitik der Nullerjahre hat den BBU zu dem gemacht, was er heute ist – ein harter Lobbyverband, der die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik vertritt (so wie ein Mieterverband die Interessen der Mieter). Das sollte auszuhalten sein, auch wenn’s im Topf brodelt.
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Wie viele Entdeckungen passen in ein Wochenende?
Herzlich willkommen in unserem Museum auf Zeit.
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Ein Letztes für heute zum Mietendeckel: Am 9. Dezember wollen mehr als zwanzig Wohnungs- und Bauverbände in Berlin gegen die Koalitionspolitik demonstrieren – auch das gehört dazu. Drei Tage später ist das Gesetz zur ersten Lesung im Parlament.
„Die Expertise aus sechs Jahren in der Baubranche werde ich jetzt gewinnbringend für die Berliner SPD einsetzen“, schreibt Claudia Kintscher an die Berliner Parteimitglieder – die neue Sprecherin will sich „noch etwas persönlicher vorstellen“. Da helfen wir doch gerne, dann haben alle etwas davon (in Stichpunkten):
„Wurzeln im Rheinland“ (Bonn), Studium der Japanologie, Politik und Volkswirtschaft. Seit 2007 in Berlin (Charlottenburg, „Wohnung mit eigenem, kleinen Garten“). Hobbys und Interessen: Deutschland-Japan-Vergleich im Umwelt- und Klimaschutz, Gärtnern, Radfahren und Yoga. Na, da wünschen wir ihr doch mal, dass sie nicht ganz so schnell auf den Hund kommt wie ihre Vorgängerinnen.
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Alltagsheros – Das Gesundheitsnetzwerk Waldfriede bietet viele Möglichkeiten für eine sinnvolle Tätigkeit in der Gesundheits- und Pflegebranche und die persönliche Weiterentwicklung. Wir möchten unseren Mitarbeitern ein attraktiver Arbeitgeber sein und unser Netzwerk gemeinsam mit Ihnen weiterentwickeln. Sei ein Alltagsheld und komm zu Waldfriede!!!
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Aus der Reihe „Berlins marode Schulen“: 9500 Plätze fehlen in Berlin, doch die Bereitschaft der freien Träger, 3000 Plätze zu schaffen, beantworteten SPD und Linke wochenlang mit Schweigen im virtuellen Klassenraum – im Koalitionsvertrag wird ein solcher „Aufwuchs“ abgelehnt. Doch jetzt machte die Arbeitsgemeinschaft der Freien Schulen das Angebot öffentlich, der Landeselternausschuss begrüßt es – und plötzlich zeigt sich die Linke ebenso „gesprächsbereit“ wie die Schulverwaltung. Und wir haben wieder einmal etwas fürs Leben gelernt.
Aus der Selbstbeschreibung von „berlin.de“, dem „offiziellen Hauptstadtportal“ (Rechtschreib- und Tippfehler wie im Original):
„Die vom Land Berlin eingebrachten Leistungen bestehen im wesentlichen in der kostenlosen Bereitstelung seiner Informationen und Dienste, ihre redaktionelle Aufarbeitung und aktuelle Pflege sowie der exclusicen Bereitstellung von Schnittstellen zum Intranet der Berliner Verwaltung für die Realisierung von eGovernment-Anwendungen.“
Disclaimer: Es handelt dabei angeblich um die überarbeitete Fassung eines 1998 erschienen Artikels. Wann die Überarbeitung erfolgte, steht da nicht. Allerdings haben dem Text zufolge „nur etwa 33 % aller deutschen Haushalte einen PC mit Zugang zum World-Wide-Web.“ Das war zuletzt, Sie ahnen es, 1998 der Fall. Mit der „aktuellen Pflege“ von „berlin.de“ nehmen es die Betreiber offenbar nicht so genau. Kennzeichen: Verwaltete Veraltung.
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Die neue Ausgabe unseres „Berliner“-Newsletters „Kunst“ ist da – mit Ausstellungen, Ateliers und Galerien, Kulturjobs, sowie Tipps und Terminen bis zum 4.12. (zur kostenlosen Anmeldung geht es hier). Wir suchen übrigens dringend einen guten Namen für das „Museum der Moderne“, denn das ist, wie Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann weiß, „einer der schwierigsten Prozesse“. Sowas wie „Grüttoleum“ (frei nach der Bundeskulturministerin), nur in seriös. Any suggestions? Dann bitte gerne an berliner-kunst@tagesspiegel.de.
Nachtrag zur Meldung „Kuddelbuddel“ (CP von gestern): Zum dritten Mal in diesem Jahr wurde die Parchimer Allee aufgerissen - Stephan Natz von den Wasserbetrieben schreibt dazu: „Wir verstehen den Ärger über Baustellen, deren übergeordnete Koordination entweder nicht da ist, nicht klappt oder von Außenstehenden nicht nachvollzogen werden kann. Ihr Abriss zum wiederholten Aufriss in der Parchimer Allee mit dem Verweis auf das Aufgrabeverbot trifft aber haarscharf am Baugraben vorbei - dieses Verbot gilt nur, wenn ein Bezirksamt oder das Land eine Straße komplett erneuert.“ Folgerichtig der Gruß des früheren Kollegen: „Schipp schipp hurra.“
Die wahren Gründe für das Wiederaufgraben der gerade eben erst nach Bauarbeiten geschlossenen Straßendecke enthüllt heute Naomi Fearn weiter unten in den „Berliner Schnuppen“ (nur für Abonnenten) – aber bitte festhalten, sonst fallen Sie vor Lachen noch in die Grube.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Jetzt gilt’s: Mit lediglich mehrmonatiger Verzögerung hat es die Verwaltung geschafft, ein paar Schilder für die Dieselfahrverbote aufzustellen - ab Montag gilt für die Bewohner der Nebenstraßen: Nase zu und durch.
Jetzt gilt’s nicht mehr: Sollte Ihnen ein Tempo-Zeichen mit der „10“ im Weg herumstehen – lassen sie es verhaften, es ist illegal! Das OLG konnte es in der Straßenverkehrsordnung nicht finden, und was es da nicht gibt, das gibt es nicht – auch wenn sie jetzt denken: „Das gibt’s doch nicht!“
Zum Abschied von UdK-Präsident Martin Rennert (letzter Tag: 9.1.2020) fährt die Hochschule heute Abend ein großes Programm auf: Es spielt das Symphonieorchester der UdK, das Artemis Quartett und der Staats- und Domchor Berlin, der Regierende Bürgermeister Michael Müller, der Hochschulratsvorsitzende Wolfgang Branoner, Elia-Generalsekretärin Carla Delfos und Ex-Senator Jürgen Zöllner (angekündigt in vollem Ornament: „Prof. Dr. Dr. h.c. mult.“) halten die Reden. Der Eintritt ist frei und ohne Voranmeldung möglich (Beginn: 18.30). 35 Jahre lang gehörte Gitarren-Prof Rennert der UdK an, davon 15 als Präsident – und das ist dann schon eine ganz besondere Kunst.
Der Geheimschutzraum-Zoff zwischen dem Innenausschuss und der Innenverwaltung nimmt bizarre Züge an: Wegen Brandschutzauflagen dürfen zur 48. Sitzung (Montag, Thema: Anschläge von Rechtsextremisten) nur 33 Personen Platz nehmen. Staatssekretär Torsten Akmann will mit sechs Leuten kommen, aber Ausschuss-Chef Peter Trapp teilte ihm jetzt schriftlich mit: Er will nur drei davon zur selben Zeit willkommen heißen, damit es für die Parlamentarier reicht. Die Frage „Wolle mer se rein lasse“ wird im Karneval-aversen Berlin also klar beantwortet – und zwar: mit „Nein“.
Wir kommen zur Rubrik „Dorfnachrichten“: Checkpointerin Laura Hofmann fällt beim Radfahren das Portemonnaie aus der Manteltasche, und wer findet’s? Ausgerechnet Radaktivist Jens Blume, der als Mobi-Gesetz-Kläger hier im Checkpoint auch schon einen Meldungsdauerparkplatz hat. In der Großstadt wär‘ das sicher nicht passiert.
Zahl des Tages: 70.000 Kilometer U-Bahn-Fahrten fallen in diesem Jahr wegen Vandalismus und Graffiti aus – fast viermal so viel wie Vorjahr.
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Nur am 29. und 30.November exklusiv bei Wellendorff in Berlin – einzigartige Goldschmiedekunst hautnah erleben: Wie wird ein hauchdünner Golddraht zum weichsten Collier der Welt? Warum sprechen Schmuckliebhaber von dem perfekten Ring? Ein Goldschmiedemeister lüftet jetzt diese Geheimnisse in den Wellendorff-Boutiquen im KaDeWe und im Adlon. wellendorff.com
Jetzt ist klar, warum das Bezirksamt Mitte erst so spät auf unsere Frage nach der Zahl der Drehgenehmigungen geantwortet hat – die Sache hat Überlänge: Unfassbare 760 Mal nutzen Produktionsfirmen hier die Kulissen der Stadt für ihre Szenen (und die Straßen drum herum für ihre Technik- und Catering-Laster). Irgendwie komplett durchgedreht.
„Berlin ist und bleibt die schönste Stadt“, schreibt CDU-Fraktionschef Burkard Dregger – und schickt mir einen weihnachtlichen Wunschzettel-Abreißkalender, auf dem seine Abgeordneten schreiben, was hier alles unschön ist. Erster Eindruck: Sie haben sich bemüht.
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Weihnachten steht vor der Tür: Die 15. Tagesspiegel Auktion bietet mehr als 1.400 Ideen, um anderen oder auch sich selbst eine Freude zu machen. Ersteigern Sie einmalige Traumangebote, die sonst nirgendwo zu kaufen sind, exklusive Kunstwerke, einzigartige Reisen und vieles mehr. Bieten Sie mit – schon ab 1 Euro. auktion.tagesspiegel.de
Verdächtiges Päckchen am Savignyplatz! Der Bahnverkehr wird für zwei Stunden unterbrochen, Bombenentschärfer rücken an, Spezialisten öffnen den Deckel – und finden vier Kilo Tintenfisch. Also, falls Sie in der Nähe im Restaurant waren und etwas länger auf Ihr Essen warten mussten – jetzt wissen Sie, warum.
Fast alles ist in Berlin zu spät – nur wenn’s um Weihnachten geht, ist die Stadt gottlos genug, nicht auf den Totensonntag zu warten, wie folgende herrlich vermurkste Pressemitteilung zeigt:
„3… 2… 1… LICHTER AN! – Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller persönlich betätigte unter anderem zusammen mit dem Senator für Inneres und Sport von Berlin Andreas Geisel und Sängerin Ute Freudenberg am heutigen Abend des 21. November den Buzzer und ließ damit den Tierpark Berlin erstmals in weihnachtlichem Glanz erstrahlen.“
Überschrieben ist der Quast mit den Worten „Erfolgreiche Eröffnung von Weihnachten“ – immerhin darauf ist Verlass. Jetzt muss nur noch das Christkind auf dem richtigen Flughafen einfliegen…
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Inga Humpe ist eigentlich die Pippi Langstrumpf von Berlin-Mitte.“
Benjamin von Stuckrad-Barre in der Biografie „Wir trafen uns in einem Garten“ (KiWi 2019).
Tweet des Tages
Wow. Der Typ, der mit MacBook auf den Knien in der U-Bahn-Station sitzt und Crack raucht, war selbst für mich ein neues Bild.
Stadtleben
Essen – Zum Papaleo in der Bänschstraße 67 muss man eigentlich mit dem Fahrrad fahren. Denn: Die Pizzeria im Samariterkiez lebt und liebt den Radsport. Über dem Tresen hängt ein altes Damenrad, an den Wänden handsignierte Giro-Trikots und die Pizzen tragen Namen alter Radsportlegenden. Auf der „Merckx“ landen Artischocken, Prosciutto und Champignons (9 Euro) – auf der „Ullrich“ Salsiccia, Kartoffeln und Rosmarin (8,50 Euro). Knusprig-dünner Teig aus dem Steinofen, lecker belegt – legales Doping für den Gaumen. Wer nach einer „Giro de Friedrichshain“ lieber Kohlehydrate schaufeln möchte: Auf der Wochenkarte stehen auch verführerische Pasta-Gericht mit hausgemachten Nudeln (z.B. Pappardelle mit Hirschgulasch und Waldpilzen; 13,50 Euro). Ein singender Pizza-Bäcker und eine gemütlich-enge Atmosphäre runden das Ganze ab. Di-So 16-22 Uhr
Neu in Prenzlauer Berg ist das Kleinstrestaurant Otto. Neben dem Oderberger Hotel serviert Otto Vardim Ursus, der spätestens seit seiner Pop-up-Zeit im Mrs. Robinson ein Name in der Berliner Gastroszene ist, seit Kurzem Gepickeltes und Fermentiertes: Mal steht Wildschwein auf der Karte, mal Fasan – auf Beilagen verzichtet Ursus meist, stattdessen gibt ein Glas Naturwein den steten Kompagnon zum Fleisch. „Die Wildschweinrippe ist ein Hochgenuss, Rosenkohlblätter werden mit Liebstöckel serviert und Schafsjoghurt zum Überraschungshit“, findet Tagesspiegel-Genuss-Experte Kai Röger und empfiehlt zum Dessert Speck mit Roggenwhisky aus dem Freimeisterkollektiv. Oderberger Straße 56, U-Bhf Eberswalder Straße, Fr-Mo ab 18 Uhr
Berlinbesuch mit Kind will auch bespaßt werden – graues Wetter hin oder her. Also rein in die dicke Jacke, Mütze auf und los geht’s mit einem kleinen Spaziergang durch den Samariterkiez: Eine Runde um den Samariterplatz, auf dem die 125 Jahre alte, backsteinrote Samariterkirche steht, führt an einem Spielzeugladen, Kiezkneipen und Cafés vorbei. Biegt man anschließend südlich in die Samariter- und dann links in Schreinerstraße ein, visiert man schon den Drachenspielplatz an. Spätestens jetzt rennt der Nachwuchs bestimmt geradeaus, schnurstracks auf die aus Kinderperspektive gewaltige Drachenkopf-Rutsche zu. Ausgetobt und ausgelastet lohnt ein Schlenker in die Bänschstraße zur Pizzeria Papaleo (siehe Essen), wo sich Groß und Klein eine wohlverdiente Stärkung gönnen können.
Geschenk – „Fast Fashion“ steht für die Wegwerfgesellschaft, neukaufen statt reparieren. Das Museum Europäischer Kulturen in Dahlem (Arnimallee 25, U-Bhf Dahlem-Dorf) nennt diesen Trend „Die Schattenseiten der Mode“ und eröffnet am Sonntag die gleichnamige Ausstellung mit einem Thementag: „Reduce Reuse Recycle“ ist das Motto, unter dem eine Kleidertauschparty (13-16 Uhr) steigt. Auch eine Werkstatt für faire Weihnachtsgeschenke öffnet von 13-18 Uhr ihre Türen – da hat man sein selbstgemachtes Geschenk, passend zum Zeitgeist. Durch die Ausstellung führen um 14 Uhr die KuratorInnen mit Vorträgen.
Karten sichern – Die Shakespeare Company startet am Samstag mit neuem Spielplan in die Wintersaison und wird bis März im Delphi-Theater, dem Glashaus in der Arena und dem Schloss Britz – wo morgen „Das Wintermärchen“ den Auftakt gibt – auf der Bühne stehen. In dieser Spielzeit hat das Ensemble auch Shakespeares „Der Sturm“ im Repertoire: ein Auf und Ab der Gefühle (Liebe spielt eine große Rolle, ist schließlich Shakespeare), das der Schiffsbrüchige Prospero in einer 2-stündigen Vorstellung durchlebt. Die „Romanze mit Musik“ wird passenderweise im ehemaligen Stummfilmtheater Delphi aufgeführt, erstmals am 19. Dezember (19 Uhr) – und wir haben 2x2 Freikarten dafür organisiert (Verlosung bis 12 Uhr).
Last-Minute-Tickets für den Tagesspiegel-Salon: Der Palast der Republik ist nicht mehr, das Schloss am Humboldt-Forum ist noch nicht. Diese Zwischenphase begleitet Tagesspiegel-Fotografin Kitty Kleist-Heinrich seit sechs Jahren in einer Langzeitdoku. Eine Menge Stoff, so viel, dass er glatt ein Buch füllen könnte. Deshalb erscheint auch eines: „Das neue Berliner Schloss“ (ab 25. November, bebra-Verlag, 26 Euro) umfasst die schönsten Aufnahmen, von Panoramablicken über Detailaufnahmen und lustige Szenen. Um 19 Uhr präsentiert Kleist-Heinrich die Ausgabe mit Berliner Schnauze und Anekdoten in petto. Mit auf dem Podium steht Journalist Moritz Holfelder, der sich kritisch mit dem Umgang des Humboldt-Forums mit der Kolonialzeit auseinandersetzt. Der Eintritt kostet 16 Euro, Sekt und Snacks inklusive. Askanischer Platz 3, S-Bhf Anhalter Bahnhof
Noch hingehen – Diesen Sonntag, Totensonntag, führt Ehrenamtler Dr. Ronald B. Smith um 14 Uhr mit Geschichten über Greta Garbo, McCarthy und Hitchcock zum letzten Mal in diesem Jahr über den Dorotheenstädtischen Friedhof (Chausseestraße 126, U-Bhf Naturkundemuseum).
Das Stadtleben heute von Maria Kotsev und Leon Ginzel.
Berlin heute
Verkehr – Good news first: Der westliche Teil der Salvador-Allende-Brücke (Köpenick) ist ab 16 Uhr wieder frei – zumindest ein Fahrstreifen pro Richtung. Von 7 bis 17 Uhr ist die Fahrbahn auf der Kantstraße (Charlottenburg) in Richtung Hardenbergstraße zwischen Leibnizstraße und Wielandstraße auf eine Spur verengt. Weil „The World Of Hans Zimmer - A Symphonic Celebration“ in der Mercedes-Benz-Arena aufgeführt wird, kann es zu Staus im Bereich Mühlenstraße, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke und Stralauer Allee in Friedrichshain kommen. Von 22 bis 1.30 Uhr ist die Linie S5 zwischen Mahlsdorf und Westkreuz unterbrochen, zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg fahren Ersatzbusse. Ebenso die S7 zwischen Springpfuhl und Lichtenberg, hier fährt auf der ganzen Strecke Ersatzverkehr mit Bussen. Auf dem südöstlichen Ast des Berliner S-Bahnnetzes wird gebaut, also kommt es zu zahlreichen Einschränkungen: Die S45 ist zwischen Flughafen Schönefeld und Baumschulenweg unterbrochen, es fahren Ersatz- und zusätzlich Expressbusse. Letztere fahren die Haltestellen Adlershof, Schöneweide und Baumschulenweg an und verbinden sie mit dem Terminal Flughafen Schönefeld. Die S46 fährt nicht zwischen Grünau und Baumschulenweg, auch hier gibt’s Ersatzverkehr. Die S47 ist zwischen Baumschulenweg und Hermannstraße eingestellt, der Ersatzverkehr ist zwischen Spindlersfeld, Baumschulenweg und Plänterwald eingerichtet. Die Linien S8 und S85 fahren zwischen Baumschulenweg und Treptower Park im Pendelverkehr (10-Minutentakt) mit Umstieg in Plänterwald – zwischen Baumschulenweg und Grünau steht ein Ersatzverkehr mit Bussen zur Verfügung. Die S9 fällt zwischen Treptower Park und Spandau aus, Fahrgäste sollten zwischen Treptower Park und Ostkreuz auf die S41, S42 und S8 ausweichen, zwischen Ostkreuz und Spandau auf die S3. Die Sperrungen dauern auf allen genannten Linien an bis zum frühen Montagmorgen, den 25.11.2019. Etwa ab 1:30 Uhr fahren die Züge wieder regulär. Und die Tram-Linien M17 und 27 sind zwischen Hegemeisterweg und Falkenberg unterbrochen, es fahren Ersatzbusse.
Demonstration – Verdi organisiert den „Streik der Berliner Versicherungsunternehmen“ von 9-13 Uhr mit 300 Teilnehmenden, die vom Gendarmenmarkt über die Markgrafenstraße zurück zum Gendarmenmarkt laufen. Ihre „Unterstützung für die Demokratiebewegung im Iran“ zeigt die Initiative Menschenrechte und Demokratie im Iran rund 200 Personen von 15-18 Uhr am Pariser Platz. Ebenfalls dort, von 19-21 Uhr, zeigen etwa 40 Menschen ihre „Solidarität mit den Demonstranten des Volkes in Libanon“. Am Samstag fordert die Initiative Gib - Gemeingut in BürgerInnenhand mit 10 Personen in der Volmerstraße: „Keine Privatisierung und Zerschlagung der S-Bahn Berlin“. Die Grünen machen „Mobil ohne Fossil“ und ziehen von 10-14 Uhr mit 12 Personen von der Brunostraße zur Kurt-Schumacher-Straße. 300 Aktivisten rufen mit der Iranischen Gesellschaft Berlin am Platz des 18. März (12-18 Uhr) „Stoppt Hinrichtungen im Iran“. Zusätzlich demonstrieren 400 Menschen von 13.30-16 Uhr für „Solidarität mit dem iranischen Volk“ – von der Joachimsthaler Straße bis zum Adenauerplatz. Zu „Solidarität in Ägypten“ rufen 20 Teilnehmer in der Stauffenbergstraße (13-14.30 Uhr) auf. Zum „Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November“ gehen schon Samstag 200 Menschen auf die Straße und ziehen von 14-16 Uhr vom Hermannplatz zum Kottbusser Tor. „Gegen die Nutzung der Zitadelle durch alte und neue Rechte“ steht das Spandauer Bündnis gegen Rechts mit 300 Engagierten am Juliusturm ein (15-21 Uhr). Anlässlich des 27. Todestags von Silvio Meier, der im U-Bahnhof Samariterstraße von Rechtsextremen ermordet wurde, laufen 1500 Personen von 16-23 Uhr von der Silvio-Meier-Straße zum besagten U-Bahnhof – das Motto: „Antifaschismus mit Liebe“. Und am Sonntag organisiert die Berliner Feuerwehr am Mariannenplatz von 9-11 Uhr eine „Gedenkkundgebung mit Kranzniederlegung am Totensonntag“ mit 200 Teilnehmenden.
Gericht – Weil er seine Lebensgefährtin über Tage hinweg in einem Hotelzimmer gefangen gehalten und misshandelt haben soll, wird einem 26-Jährigen der Prozess gemacht. Er habe eine Trennung verhindern wollen (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 305).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Nello Di Martino (68), Teamkoordinator bei Hertha / Bettina Jarasch (51), ehem. Landesvorsitzende der Grünen (2011-16) und Mitglied im Abgeordnetenhaus / Katharina Saalfrank (48), TV-Pädagogin / Jochen Schropp (41), Schauspieler und Moderator / Sebastian Streu (20), Eishockeyspieler bei den Eisbären / Hero Warrings (50), „Sprecher der CDU Deutschlands, Alles Liebe - Du bist unser Held! Deine Fanta3“
Sonnabend – Admir Hamzagic (34), bis Juni 2019 Co-Trainer der Hertha / Jochen Hauser (78), Schriftsteller und Drehbuchautor / Knut Lambertin (49), Pankower SPD-Vorsitzender / Nicole-Colla-Nikki (28T), „grattis på din födelsedag von Christiane und Pépé“ / Oskar Schumacher, „29 und immer noch viel zu jung - herzlichen Glückwunsch, auch, deine Th." / Michael Strauven (79), „mein Lebensglück. Ich wünsche mir mehr viele schöne Jahre mit ihm.“ / Manfred G. Valtu (73), „Schriftsteller, alles Liebe und viel Erfolg mit deinem neuen Roman.“
Sonntag – Klaus Bugdahl (85), ehem. Radsportler / „Jörg Jeshel, Kameramann" / Bettina König (41), für die SPD im AGH / Franziska Konitz (33), Judoka / Ilja Richter (67), Schauspieler und Synchronsprecher / Anja Tuckermann (58), Autorin und Journalistin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hans-Joachim Gleich, * 2. März 1933, Fleischermeister / Bernd Köhler, * 14. Juli 1946 / Lothar Olschewski, * 13. Mai 1944 / Alheidis Gertrud Elisabeth Prelinger, * 9. Oktober 1936
Stolperstein – Heute vor 78 Jahren wurde Hermann Holzheim (Jhg. 1891) im KZ Dachau ermordet. Vor seiner Deportation (am 1. August 1941) war er aufgrund seiner Homosexualität in Berlin-Spandau interniert. In der Wolliner Straße 3 in Mitte wurde ein Stolperstein für Hermann Holzheim verlegt.
Encore
Zum Schluss noch Neues aus der Welthauptstadt der Digitalisierung, heute: Warum die „Online-KfZ-Zulassung“ nicht funktioniert. Checkpoint-Leser Hans Caemmerer berichtet:
„Ich wollte mein Auto online ummelden: Lesegerät für den Personalausweis besorgt, Ausweis App 2 runtergeladen, Online-Zulassungsseite aufgerufen, mit Personalausweis identifiziert,
Fahrzeugdaten etc. eingetragen, am Fahrzeug vom vorderen und hinteren Kennzeichen die Plaketten abgekratzt (um die darunterliegenden Codes ablesen zu können), von der Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 die Codes freigerubbelt, Codes in das Online-Formular eingetragen, Bankverbindung angegeben und die EVB-Nummer eingetragen. Dann die Meldung: EVB-Nummer kann keinem Fahrzeug zugeordnet werden. Also doch selbst zur Zulassungsstelle (allerdings ohne Auto, die Plaketten waren ja abgekratzt) – dort dann der Hinweis: Das Verfahren funktioniert noch nicht – und das bleibt auch erstmal so.“
Fazit der Zeitverschwendung: „Der ganz normale Berliner Alltag – manchmal zum Verzweifeln. Der Eintrittspreis für diese Stadt ist hoch. Trotz alledem: Berlin, ick liebe dir!“
Da schließen wir uns gerne an. Morgen früh gibt es hier ein Checkpoint-Geburtstags-Spezial zu unserem 5., lassen Sie sich überraschen kommen Sie gut durch den Tag, bis dahin,
