misst man den Gemütszustand einer Gesellschaft anhand der Zahl der Ausrufezeichen, die in Leserbriefen und Whatsapp-Familiengruppen verwendet werden, geht es uns im Schnitt gerade eher sehr schlecht. Die Murmeltierhaftigkeit dieser Tage mit rasant eskalierenden Inzidenzen, dem dritten Herbst von Friedrich Merz, der Wiedergeburt von „Wetten, dass..?“ und „TV Total“ kann einen an vielem zweifeln (und verzweifeln) lassen. Manches mehr, das andere weniger, natürlich. Hört das jemals auf? Das fragte sich Murmeltiertagsexperte Bill Murray im Film. Ein Psychologe vertröstete ihn auf den nächsten Tag. Nun ja. Die gute Nachricht: Sowas Beknacktes wie den Murmeltiertag gibt’s gar nicht. Und auch dieses Jahr – es geht voran. Und vorbei. Genau wie diese Pandemie. Wir versuchen, Sie bis dahin bestmöglich informiert, kritisch und so häufig wie möglich – trotz alldem – mit einem Grinsen durch den Tag zu bringen. Schauen Sie mal, drei Murmeltiere (klick)!
Bleiben Sie up to date: In unseren Corona-Blogs halten wir Sie über alle Entwicklungen in Berlin und in Deutschland live auf dem Laufenden – mit exklusiven Nachrichten und allem, was Sie wissen müssen. Wenn sich etwas ändert, sind Sie dabei.
Auffrischung gefällig? Der Berliner Senat hat am Mittwoch die empfohlene Zeit zwischen Zweit- und Boosterimpfung auf fünf Monate verkürzt – das hatte Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag angeregt, in Israel ist es längst Praxis. Die Regel gilt ab heute. Ein Blick in die Berliner Krankenhäuser zeigt die Notwendigkeit: Die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Im Oktober waren schon 28 Prozent der hospitalisierten Patienten geimpft. Nein, liebe Querdenkerinnen und Impf-Skeptiker: Das spricht nicht gegen die Impfung. Es zeigt, dass ihre Wirksamkeit nach einer Zeit nachlässt – bei einigen Impfstoffen schon nach drei, vier Monaten. Wie sehr, das hängt auch vom Patienten ab (die Analyse des Kollegen Jan Kixmüller lesen Abonnenten hier). Das Krankenhaus Havelhöhe impft deshalb sogar noch früher. Wie das geht und warum ihm das wichtig ist, hat der Chef des Impfzentrums meinem Kollegen Henning Onken erklärt (Tplus).
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Die Termine für eine Auffrischungsimpfung werden schon jetzt teilweise knapp. Diese vier Wege führen zum dritten Piks:
+ In einem landeseigenen Impfzentrum können Sie sich fünf Monate nach Erhalt der Zweitimpfung boostern lassen. In Lichtenberg wird ein neues Impfzentrum errichtet, es wird mehr Termine geben. Sie können jetzt für einen späteren Termin buchen. Sie brauchen nicht warten, bis der Stichtag kommt.
+ Fragen Sie bei Ihrem Hausarzt nach einer Auffrischungsimpfung – viele Ärzte impfen schon früher als zurzeit empfohlen, wenn es Gründe dafür gibt.
+ Buchen Sie einen Termin bei einem Arzt über die Plattform Doctolib. Dort bieten sehr viele Praxen Termine an. Die KV Berlin hat einen Übersichtsseite erstellt, welche Ärzte „fremde Patienten“ impfen. Fünf Monate sind eine Empfehlung, kein Gesetz. Ein Anruf oder eine E-Mail klärt, ob Ärzte gegebenenfalls auch früher drittimpfen.
+ Das Krankenhaus Havelhöhe impft schon nach vier Monaten. Die Termine sind zurzeit ausgebucht, es sollen aber rasch neue dazu kommen. Wunderbar: Ab Wannsee kann man die Fähre dorthin nehmen. Spritzentour!
Ausgehen, miteinander essen, voneinander lernen, miteinander umzugehen: Wir haben unsere 2G-Restaurant-Karte aktualisiert. Dort können Sie sehen, welche Restaurant, Cafés und Bars in Berlin die Corona-Regeln auch wirklich kontrollieren. Mittlerweile finden Sie dort mehr als 500 Orte, an denen Sie sicher miteinander umgehen können, während Sie eine Carbonara weghauen, einen heißen Chai schlürfen oder das dritte Hefeweizen kippen. Danke an Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie mithelfen. Jetzt können Sie uns noch einfacher Orte schicken – und zwar mit diesem Formular (klick). Neue Läden erscheinen nach einer Prüfung auf der Karte. Sichere(re) Sache.
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E-Autos oder alternative Fuels? Wir brauchen beides!
Das Erreichen der Klimaziele im Straßenverkehr ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die E-Mobilität ist dabei ein Baustein für mehr Klimaschutz. Doch auch alternative Fuels können einen wichtigen Beitrag leisten.
In meiner Heimatstadt Magdeburg eröffnet am kommenden Montag der Weihnachtsmarkt. Der Veranstalter verkündete gestern Abend via Twitter: „Mit Glühwein. Ohne 3G, ohne 2G (bis auf einige Innenbereiche), ohne Einlasskontrollen. ABER: Mit Maskenpflicht überall dort, wo keine 1,5 Meter Abstand gehalten werden können.“ Kurz zuvor hatte der sonst zurückhaltende Lothar Wieler, Chef des RKI, eine Brandrede bei einer Expertenanhörung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) gehalten. Die wichtigsten Zitate von Wieler (hier im Video):
+ Zur Lage auf den Intensivstationen: „Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.“
+ Weitere Maßnahmen: „Clubs und Bars sind Hotspots, aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden. Großveranstaltungen müssen abgesagt werden.“
+ Dazu, vulnerable Gruppen zu schützen: „Es ist naiv, zu glauben, dass bei hohen Inzidenzen diese Menschen geschützt werden können. Das geht nicht! [...] Ich bitte sie, diese naiven Gedanken zu vergessen, wir müssen die Inzidenzen senken.“
+ Zum Einfluss der Experten auf die Corona-Politik: „Das ist eine klare Sprache, aber ich kann es nach 21 Monaten schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es vielleicht wieder nicht erkannt wird, was ich und viele andere Kolleginnen und Kollegen sagen.“
+ „Deutschland läuft sehenden Auges auf eine Notlage zu. Jetzt ist deshalb eine nationale Kraftanstrengung notwendig.“
Die Vorstellung, wie man sich auf dem Weihnachtsmarkt glühweinbeschwipst die Aerosole in die Knubbelnasen haucht, lässt den Finger nun doch über der Ausrufenzeichentaste zittern. „Mit Glühwein. Ohne 3G, ohne 2G“, aber als Aufforderung, lieber nicht hinzugehen.
Doch warum in die Ferne schweifen? Am kommenden Wochenende spielt Corona-Super-Vorbildclub Union Berlin vor voller Hütte gegen Hertha BSC. Stadtderby. Immerhin: Es gilt 2G. Wird der digitale Impfpass wirklich kontrolliert? Werden Ausweise zum Abgleich gefordert? Von den Club-Ultras? Man darf zweifeln. Bei unserer Umfrage (CP von gestern) waren 84 Prozent der Abstimmenden der Meinung, dass das Risiko dieses Spiels zu hoch ist. Mehr als 3000 Menschen haben mitgemacht. Kollege Claus Vetter kommentiert: „Volles Haus, volles Risiko, voll daneben.“
Ach, eine neue Koalition wird in Berlin auch verhandelt. Wahrscheinlich sitzen die Verhandler noch immer auf dem EUREF-Campus in Schöneberg. Thema: Mobilität. Zwei Beamer strahlen Absatz für Absatz des Textes an die Wand, Komma für Komma wird durchgesprochen. Bei einer Pressekonferenz am Abend konnten die Unterhändler nur so viel sagen: Verkehr wurde noch gar nicht verhandelt, erstmal war der Klimaschutz dran. Vereinbart wurde: Klimaneutralität „so schnell wie möglich“ (aber ohne Datum), mehr Solarpower für Berlin und Kohleausstieg spätestens 2029 (nicht erst 2030). Außerdem soll es eine Art Klimaschutz-Kabinett geben, das Thema Querschnittsaufgabe der gesamten Regierung werden. Franziska Giffey war wichtig: Auch Sauberkeit ist Naturschutz – deshalb soll die BSR künftig noch mehr Parks reinigen, häufiger Sperrmüll abholen. Die Rede dazu war flammend, einzuwenden ist dagegen wenig. Den Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, ist „das Müllthema“ Bettina Jarasch und Klaus Lederer aber eher geht so wichtig. Eigentlich soll sonst aber alles tutti paletti sein: Zeitplan gut, Laune gut, Koalition gut.
Der Linkspartei hatte von der rot-grün-roten Eintracht anscheinend niemand rechtzeitig berichtet. Mist aber auch. 44 Delegierte haben einen Antrag auf einen Sonderparteitag gestellt – weil die Genossen mit den Vereinbarungen im Sondierungspapier hadern. Sie fürchten einen „Roll Back“ in der Stadtentwicklungspolitik: mehr Beton, keine Enteignungen. Womöglich kommt das Manöver Parteichefin Katina Schubert und Spitzenkandidat Klaus Lederer gar nicht so ungelegen: Stärkt es doch die Verhandlungsposition der kleinsten Regierungspartei – schließlich steht auch noch eine Urabstimmung über den Koalitionsvertrag an. Das Problem der Linken: Auch die FDP hält sich bereit – und gegen eine sozialliberale Partnerschaft hätte zumindest Franziska Giffey wenig einzuwenden. Die Linke wird sich entscheiden müssen: Zwischen der Kunst des Möglichen und Siechtum in Schönheit.
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Und noch ein – sehr wichtiges – Bruchstück aus den Verhandlungen: Stand jetzt könnte das Bildungsressort wieder an die SPD gehen. Die Grünen würden das Ressort wohl nur nehmen, wenn sie vier Senatsverwaltungen bekommen – sie zieren sich vor dem „Verlierer-Ressort“. Die bisher einzige grüne Bildungssenatorin Berlins, Sybille Volkholz, hat dafür wenig Verständnis: „Die Verantwortlichen sollten vielleicht weniger auf ihre persönliche Karriere blicken als darauf, was die Berliner Schule braucht, und das ist doch wohl eine neue Bildungspolitik“, sagte Volkholz. Sie verweist auf Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten Kretschmann. Der habe mal sinngemäß gesagt: Erst Land, dann Partei, dann Person. Nur hören Berliner Grüne selten auf Wahlsieger. Wir versuchen es mit Robin Hood: „Im Sherwood Forest gehen Gespenster um, Sir.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Apropos Murmeltiertag: Heute findet wieder eine Ministerpräsidentenkonferenz statt. Kennen wir schon, letzter Herbst, Winter, Frühjahr. Nun ja. Georg Ismar liegt exklusiv die Beschlussvorlage vor. Das Wichtigste in Kürze:
+ 2G soll nach dem Vorbild von Berlin bundesweit verpflichtend eingeführt werden.
+ Regionale Lockdowns sollen nun doch weiterhin möglich bleiben, wenn das öffentliche Gesundheitssystem im jeweiligen Bundesland zu belastet ist.
+ Auch Schulschließungen und Ausgangssperren sollen nun doch möglich bleiben, wenn die Länder das wollen – bis zum 15. Dezember.
+ 2G+ soll verpflichtend eingeführt werden, wenn ein bestimmter Hospitalisierungswert überschritten wird. Der genaue Wert wird wohl heute verhandelt.
Doppel-K.O.: Abgesagt wurde erneut der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt – wenn Sie mich fragen: einer der schönsten Berlins. Neuköllns SPD-Bezirksbürgermeister Martin Hikel untersagte den Markt wegen der Infektionsentwicklung, berichtet die „BZ“.
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Di., 23.11., 18:30 Uhr: Schauspieler und Autor Hardy Krüger Jr. im DRIVE.culinary „Tischgespräch“ mit Saskia Naumann und mit Auszügen aus seinem Buch „Wendepunkte“. Die Kulinarik im DRIVE.salon übernimmt Gastkoch Kristof Mulack, u. a. Sieger bei „The Taste“.
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Die zweite Plenarsitzung dieser Wahlperiode startet heute ohne Anträge der rot-grün-roten Koalition. SPD, Linke und Grüne stecken noch voll in den Koalitionsverhandlungen – so die Sozialdemokraten zur Begründung. Die Grünen hätten es nach Berlins Schlappe zum Vorkaufsrecht gerne anders gehabt: Die Partei wollte den Bund auffordern, den Paragrafen zum Vorkaufsrecht im Baugesetzbuch zu korrigieren, sagte Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger. Der Zeitpunkt scheint günstig: Im Bund wird gerade über das Thema gesprochen. Schmidberger: „Die SPD wollte das nicht.“
In jedem Fall können die künftigen Koalitionspartner mehr Geld ausgeben: 1,25 Milliarden Euro zusätzlich wird Berlin in den kommenden fünf Jahren einnehmen – pro Jahr. Finanzsenator Mathias Kollatz (SPD) warnt schon „vor Übermut“. Der tut ja selten…
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Er hat alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen: Mario Czaja. Im Landesverband ziemlich außen vor, ist der Super-Wahlkämpfer nun erster Anwärter auf den Posten des Generalsekretärs der Bundespartei. In der Berliner Sektion hat das für „Schockwellen“ gesorgt, heißt es aus dem Landesvorstand. Für Kai Wegner – Merz-Unterstützer erster Stunde, mit respektablem Ergebnis in Berlin – sei Czajas Berufung „eine Demütigung“. Die Frage, die in der CDU einige umtreibt: Greift Czaja alsbald auch nach dem Landesverband? Oder ist Erfolg schon die beste Rache?
Im Bundestag eigenartige Dinge sich derzeit ereignen: „Gerade fuhr eine 1 Meter große Yoda-Figur an mir vorbei“, schreibt ein Mitarbeiter eines Abgeordneten. Star-Wars-Fan Peter Tauber verdächtigt wird. Hinweise sachdienliche bitte an checkpoint@tagesspiege.de.
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Guter Zweck: Roger Willemsen, der Große, hält feierlich Einzug in Berlin – zumindest sein Universum. Es zieht in das Literaturarchiv der Akademie der Künste. Anlässlich der Eröffnung lädt die Akademie heute zu einer Benefizveranstaltung zugunsten des Afghanischen Frauenvereins e. V. – der 2016 gestorbene Willemsen engagierte sich besonders für Afghanistan. Reservierung hier: 030/200 57-2000 oder unter ticket@adk.de.
Am Sonntag gibt‘s im GRIPS-Theater erstmals die „Goldene Keule“ für den Ort in Berlin, der sich am meisten Mühe gibt, Obdachlose aus dem Stadtbild zu verdrängen. Dort werden laut Sozialarbeitern etwa Bänke abgebaut, Wohnungen leer stehen gelassen, Obdachlose vom Platz vertrieben. Nominiert sind: Hansaplatz, Ostbahnhof, Habersaathstraße und der Alexanderplatz. Den Preis vergeben Obdachlose.
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In unserem neuen Tagesspiegel-Podcast „Tatort Berlin“ berichten wir aus dem Innenleben der Berliner Mordkommission, verraten Tricks der Ermittler und Taktiken der Täter. In der ersten Folge gibt es nur einen Torso mit einer seltsamen Tätowierung. Reicht das aus, um den Mörder zu finden? Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Nicht ohne Obdach, aber ohne fahrbaren Untersatz ist jetzt Philipp Amthor: Er ist mit 120 durch eine Tempo-70-Zone gerast. Der SPD-Abgeordnete Erik von Malottki, selber Wahlkreis, bietet ihm eine Mitfahrgelegenheit an: Honda Jazz, Baujahr 2002, mintgrün. Dann wahrscheinlich lieber Hubschrauber.
Letzte Meldung: Wir gratulieren Anne-Kathrin Heidrich, 23, aus Rüthnick in Brandenburg, zur Wahl zur besten Fliesenlegerin Deutschlands.
Zitat
„Deutschland läuft sehenden Auges auf eine Notlage zu. Jetzt ist deshalb eine nationale Kraftanstrengung notwendig.“
Wir hatten diesen Satz von RKI-Chef Lothar Wieler oben schon. Doppelt hält aber besser.
Tweet des Tages
Die Schule meiner Tochter musste heute dicht machen, weil 250 Kinder Magen-Darm-Virus haben. Schön, dass bei all dem neumodischen Corona-Zeug die Klassiker nicht vergessen werden.
Stadtleben
Essen – Für all die zugezogenen Süddeutschen, die ihrem Besuch eine kleine Auszeit von Eisbein und Schrippen gönnen wollen und für die Berliner als diplomatisches Kulturangebot: Die Schwarzwaldstuben sind ein rustikales Refugium für die Anhänger ausgedehnter Mahlzeiten. Leichtes für die Linie und Lowcarb gibt's hier nicht. Der einzige Salat auf der Karte ist der Wurstsalat, den man bestenfalls mit Bratkartoffeln (11 Euro) bestellt, kein Weg führt indes an den Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen (14,50 Euro) vorbei, denn: Die hohe Kunst der Küche liegt im Kleinen. Zumindest in puncto Zutaten, nicht Tellergröße. Di-So von 12-21 Uhr, Tucholskystraße 48, U-Bhf Oranienburger Tor
Trinken – Seit Kurzem trägt das skandinavische Kaschk den Zusatz „by Brlo“. Zur Wiedereröffnung liegt der Schwerpunkt der zwölf Zapfhähne entsprechend auf Brlo-Bieren, insbesondere Brlos „Happy Pils“ sei empfohlen: blumig, malzig, herb. Wobei der wirkliche Wind der Veränderung durch die Speisekarte weht: Als Artisten von fermentiertem Gemüse bekannt, setzen die Brlo-Macher:innen nun Gerichte wie vegane Schlachtplatte mit in Salzteig gebackener Rote Bete und in Brandy und vegetarischem Fond abgelöschter Rillette aufs Menü. Mo-Do 8-2 Uhr, Fr 8-3h, Sa 10-3h, So 10-2h in der Linienstraße 40, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Lesen – Groß werden in der Hauptstadt ist nicht immer einfach. Groß sein, immerhin, auch nicht. Die Kleinen schlagen sich mit Auswüchsen des Alltags herum, und die Großen flüchten sich in Verklärungen, wie schön diese Zeit doch gewesen sei. In „Kinder, Kinder – Geschichten aus Berlin“ (Verlag Der Tagesspiegel, 2021, 69,90 Euro) erzählen sechs AutorInnen von Kindern aus der Hauptstadt, quer durch die Geschichte – von der Weimarer Republik über Ost und West bis in die Zeiten der Wende und zur Gegenwart. Es geht um erste Liebe und Enttäuschung, Musik und Szene, Träume und Haltlosigkeit, und immer wieder: Rebellion und Mut. Geeignet für junge LeserInnen zwischen 8 und 13 Jahren, verlosen wir 3 Exemplare: für die Großen und die Kleinen.
Hingehen – Bereit für die Glühwein-verbrannte Zunge und kalte Zehen? Anders als die meisten Berliner Weihnachtsmärkte, die am 22. November beginnen, startet die 5. Historische Weihnacht Friedrichshain bereits heute. Wer hier nach kitschigem Plastikschmuck sucht, ist fehl am Platz, wer allerdings ein Faible für Artisanales, Akrobaten und Armbrustschießen nebst Glühbier und Gauklern hat, ist goldrichtig. Um 15 Uhr geht's los, eine Eintrittskarte im VVK kostet 2 Euro, vor Ort 3 Euro, eine Dauerkarte bis zum 22 Dezember 10 Euro. Auf dem RAW-Gelände in der Revaler Straße 99, U-Bhf Warschauer Straße
Grübelstoff – Wussten Sie, dass Berlin-Cölln im Mittelalter eine Hochburg des Handels war? Welche Händlerkarriere hätten Sie wohl eingeschlagen? KandelgießerIn? FutteralmacherIn? Oder gar GürtlerIn?
Berlin heute
Verkehr – Mitte:Zwischen 11 und 22 Uhr kommt es aufgrund von Demonstrationen zu Verkehrseinschränkungen im Bereich Brandenburger Tor, Straße des 17. Juni und Großer Stern sowie von 8 -12 Uhr und 15-18 Uhr im Bereich Niederkirchnerstraße (AGH), Potsdamer Platz und Stresemannstraße.
Rathenower Straße (Moabit): Am Morgen beginnt in Richtung Alt-Moabit eine neue Baustelle, weshalb die Fahrbahn bis Mitte Dezember vor der Turmstraße auf einen Fahrstreifen verengt ist.
Nahverkehr – S41, S42 und S8: In der Zeit von 22 bis 1.30 Uhr besteht zwischen Frankfurter Allee und Treptower Park Pendelverkehr im 20-Minutentakt.
S8: In der Zeit von 22 bis 1.30 Uhr fahren keine Züge dieser Linie zwischen Frankfurter Allee und Greifswalder Straße (Bornholmer Straße).
Demonstration – Mit ca. 30 Demonstrierenden findet von 8 bis 11 Uhr in der Willy-Brandt-Straße 1 die „Versammlung von Vertreter*innen des Kampagnenbündnisses GleichBeHandeln“ statt. Der „Warnstreik Tarifgemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt Berlin“ zieht zwischen 8 und 12 Uhr mit rund 300 Teilnehmenden durch Mitte (s. Verkehr). „Kriminalisierung humanitärer Hilfe – Solidarität während des Prozesses gegen Flüchtlingshelfer auf der griechischen Insel Lesbos“ fordern 30 angemeldete Personen von 9 bis 14 Uhr am Pariser Platz. Zwischen 9.30 und 11 Uhr finden zwei Demonstrationen mit dem Motto „Warnstreik Tarifrunde Länder“ in der Kirchstraße und am Blücherplatz 1 statt, beide sind mit 150 Anwesenden angemeldet. In der Wilhelmstraße versammeln sich von 9.30 bis 11.30 Uhr ca. 30 Demonstrierende und fordern „EU-Taxonomie retten – kein Öko-Label für Gas und Atomkraft“. Mit ebenfalls 30 Demonstrierenden findet in der Linkstraße 10 zwischen 10 und 12.30 Uhr die Kundgebung „Für weltweiten Zugang zu Corona-Impfstoffen! Impfstoff-Patente jetzt in den WHO C-TAP Patent Pool“ statt. „UNGELOGEN – gegen Diskriminierung von Menschen im IfSg“ heißt der Aufzug, der sich zwischen 11 und 22 Uhr mit rund 1000 Partizipierenden vom Platz des 18. März bis Großer Stern bewegt. Etwa 100 Personen versammeln sich zwischen 15 und 18 Uhr in der Niederkirchnerstraße 5 mit dem Anliegen „Senats-Bauvorhaben Neues Stadtquartier-Buch Am Sandhaus: Übergabe der Listen mit 4333 gesammelten Unterschriften für die Anpassung der Bebauungsplanung zum Erhalt und Schutz von ‚Moorwiese‘, Moorlinsen und Bucher Wald sowie für eine echte Bürgerbeteiligung gemäß den Leitlinien“.
Gericht – Ein 38-Jähriger muss sich wegen Kindesmissbrauchs verantworten. Ihm werden Übergriffe auf zwei drei- und elfjährige Jungen zur Last gelegt (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 817).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Ilka Bessin (50), Komikerin, bekannt als „Cindy aus Marzahn“ (2000-16) / Max Dudler (72), Architekt / Sven Felski (47), ehem. Eishockeyspieler bei den Eisbären (1992-2012) / Helmut Kleebank (56), MdB und ehem. Bezirksbürgermeister in Spandau (SPD) / „Der AIDA-Veteran wünscht Sonja Krumrick alles Gute zum Jubeltag!“ / Anna Loos (51), Schauspielerin und Sängerin / Marusha (55), DJane / Ulrich Noethen (62), Schauspieler / Conny Restle (61), Musikwissenschaftlerin / Karl-Georg Ernst Gottlob Wellmann (69), ehem. für die CDU im BT (2005-17)
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Herbert Liman, * 19. Juni 1926 / Hans-Joachim Müller, * 24. März 1930, ehem. Geschäftsführer des Verbandes kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung e.V. (VKS) / Agneta Thimme, * 13. August 1935 / Helgard Ulshoefer, * 20. Juli 1940
Stolperstein – Ida Meyerhardt (geb. Cohn, 1866 in Konitz) wurde Anfang Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie heute vor 79 Jahren laut ärztlichem Attest aufgrund von Altersschwäche und einem Herzleiden verstarb. Da das Haus, in dem sie wohnte, heute öffentliches Straßengelände ist, wurde der Stolperstein in Erinnerung an Ida Meyerhardt symbolisch an der Ecke Unter den Eichen/ Hableschwerdter Allee in Lichterfelde verlegt.
Encore
Oh, no! Pit und Paule verlassen den Berliner Zoo. Die beiden Jungpandas sollen schon im kommenden Jahr zurückkehren nach China. Sie waren schließlich – wie ihre Eltern – nur geliehen. Aber, es gibt gute Nachrichten! Bald werden die beiden wieder mit ihren richtigen Namen angesprochen: Meng Xiang und Meng Yuan. Und wo die beiden gebürtigen Berliner „eigentlich herkommen“, fragt sie in China hoffentlich auch niemand mehr. Besucher können Meng Xiang und Meng Yuan noch bis Frühjahr sehen, vielleicht sogar bis in den Sommer. Und dann? Will Zoodirektor Andreas Knierim die beiden Eltern wieder aufeinander loslassen. Geschwister machen. Wir wünschen: gute Fahrt!
Noch lange hier bleiben hoffentlich Thomas Lippold und Susanne Vieth-Entus. Sie haben heute mitrecherchiert. Das Stadtleben hat Juliane Reichert getextet. Produziert wurde dieser Newsletter von Kathrin Maurer. Und morgen begrüßt Sie hier „ein Bewohner dieser Stadt“. In diesem Fall nochmal: ich. Bis dahin,
