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BER braucht „schnell Geld“Wahlpannen nehmen kein Ende Die Coronazahlen steigen weiter

der BER ist oft als „Monster“ beschrieben worden, aber das ist Quatsch - eigentlich ist er so menschlich, wie ein Flughafen nur sein kann: Er wurde mit der Zeit nicht nur „fertiger und fertiger“ (Mehdorn), sondern ist auch älter, als er aussieht (mit den entsprechenden Macken). Und noch etwas haben viele von uns mit dem BER gemein: „Wir brauchen schnell Geld, wir brauchen Cash“ – das sagt jedenfalls die neuen Chefin Aletta von Massenbach im Interview mit unserem Flughafenexperten Thorsten Metzner (hier zu lesen/Abo).

Ein (im Wortsinn) anhaltendes Ärgernis am BER sind die so genannten Laufbänder im Terminal – die stehen nämlich, und wer läuft, sind die Passagiere. Bisher hieß es, die Bänder sind eben in Jahre gekommen, nie benutzt wegen der Nichteröffnung bis 2020, ebenfalls so eine menschliche Sache: Wer zehn Jahr geschlafen hat, springt ja auch nicht gleich auf und rennt los. Aber ganz so ist es nicht - die Geschichte der Laufbänder reiht sich nachträglich ein in die Legende der BER-Pannenklassiker, wie die neue Chefin erklärt:

Die sind ungefähr 2010 eingebaut worden, und zwar nicht ordnungsgemäß, sondern ein bisschen schief, so dass sie sich verhakt haben, immer weiter verhaken, vereinfacht erklärt. Das lässt sich nicht einfach mit Ersatzteilen lösen. Es ist massiv, was gemacht werden muss, mitten im Terminal mit Publikumsverkehr.“

Und drei Probleme gilt es dabei laut Massenbach noch zu lösen:

Erstens, ob sie saniert werden können oder ausgetauscht werden müssen.

Zweitens, was das angesichts der Bauengpässe überall für das Timing bedeutet.

Drittens, wie beim Schweißen sichergestellt werden kann, „dass nicht gleich noch die Brandmeldeanlage verrücktspielt“ – und die hatte ja schon Alarm geschlagen, als zum ersten Mal die Sonne aufging über dem eröffneten BER.

Übrigens: Die Flughafengesellschaft sucht für den BER gerade einen „Leiter (m/w/d) Einkauf Bau- und Planungsleistungen“ –vorsichtshalber Vollzeit und, natürlich: auch unbefristet.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um eine Stunde zurückgedreht, ergo: 49 Stunden Wochenende! Was tun? Natürlich kann man die Extrastunde einfach verschlafen, sich dem Müßiggang hingeben und es gut sein lassen. Wer sich bei der Vorstellung, einfach mal zu entspannen, allerdings plötzlich verloren fühlt, besuche doch ein kleines Buchgeschäft in Prenzlauer Berg und arbeite zum Beispiel schon mal die Weihnachtsgeschenkeliste ab. „Viel Gluck mit die Bücher“ [sic] heißt der Laden des Verlegers Peter Graf, dessen Konzept darin besteht, ausschließlich Titel unabhängiger Verlage zu führen. Etwa 82 Verlage à 10 Titel haben in seinen Regalen Platz und Gelegenheit, sich einmal ohne die Konkurrenz großer Buchmarkt-Platzhirsche zu präsentieren. Der nette Herr hinterm Tresen hilft bei dieser Vorstellung natürlich auch gerne mit kompetent beratenden Worten. Geöffnet ist von 10 bis 19 Uhr in der Heinrich-Roller-Straße 7.

Samstagmittag – Um Töne statt Worte geht es üblicherweise ja bei Ludwig van Beethoven. Dass der Name allerdings nicht nur für das große Tatatataaaa und manches Skandalkonzert steht, sondern eben auch für ein gelebtes Leben, darüber verliert Drehbuchautor Thomas Sutter in „Beethoven – ein Leben“ zurecht einige an Worten – und das Ensemble des Atze Musiktheaters bringt diese mit der Originalmusik des Ludwig van auf die Bühne. Und zwar um 17 Uhr in der Luxemburger Straße 20. Sollten keine Tickets mehr für die Vorstellung zu bekommen sein: Es gibt noch einige weitere, zum Beispiel am Sonntag um 16 Uhr.

Samtagabend – „Woanders“, so heißt das aktuelle Album der Sängerin Masha Qrella, bei dem minimale Musik und dahingehauchter Gesang auf Texte von Thomas Brasch treffen und diese in puncto Atmosphäre, nun ja, ganz woanders hinführen, als man vielleicht denken würde. Gerade für alle, die Brasch schon mal aufmerksam gelesen haben, ein interessantes Experiment mit Ohrwurmpotenzial. Um 20 Uhr im Kunstraum Bethanien. Ab 21 Uhr trifft dann die „Nihilistic Prohibition“ auf „Delusive Utopia“ und beide üben sich im „Getting Away With Treason“. Nein, diese Programmpunkte beschreiben keine philosophische Gesprächsrunde, sondern sind allesamt Namen von Bands, deren Musik irgendwo im Spannungsfeld zwischen Punk und dem Sound wirklich großer Maschinen aus der Stahlfabrik oszilliert, und zwar im Tommy Weisbecker Haus.

Sonntagmorgen – Nach dem letztjährigen überwiegend digitalen Rundgang der UdK – so nennt die Kunstuni traditionell ihre Tage der offenen Tür – sollen diesmal die Schrittzähler-Apps wieder einiges zu tun haben. Rundgang kommt schließlich vom Gehen. Seit Freitag schon spähen Sammler:innen und Galerist:innen, Designagenten und Macherinnen aus der Kreativwirtschaft in den Fluren in Hardenberg-, Grunewald-, Lietzenburger Straße und Bundesallee sowie einigen anderen Spielorten nach „upcoming artists“ und dem „next big thing“. Wer ebenfalls eine Vorschau auf die kommende Welt haben möchte, werfe selbst einen Blick in das Programm und gehe einmal rund.

Sonntagmittag – Im Neuköllner Geräuschladen Ohrenhoch (Weichselstraße 49) geht es heute von 14 bis 21 Uhr um „Wörter“. Der Name der Lautsprecherinstallation ist dabei gar nicht schlecht gewählt, denn Wörter, nun, die können eben alles Mögliche bedeuten. Ein leerer Titel also – und jetzt kommen wir der Sache schon näher, denn um Leere geht es auch inhaltlich bei dieser Arbeit. Genauer: Um die Anhäufung verschiedener „Leeren“. Der Klangkünstler Vincent Laju hat nämlich mit verschiedenen Menschen und Sprachen über die Begriffe „Leere“ und „Anhäufung“ gesprochen, Feldaufnahmen angefertigt und mithilfe elektronischer Soundtechnik verfremdet.

Sonntagabend – Musik ist bewegte Luft, und je mehr Luft bewegt wird, desto erhabener das Musikerlebnis. Das ist schon lange bekannt, weshalb es Musik mit richtig viel bewegter Luft nicht erst seit Woodstock gibt. Die Kirche, zum Beispiel, hat die Macht der Musik früh erkannt: Schon im vierten Jahrhundert führte sie den Ambrosianischen Gesang als missionarisches Werkzeug ein. Im 14. Jahrhundert folgte schließlich die Orgel – das erste Instrument, das den Luftmassen der Kathedralen gerecht werden und wie kein anderes Erhabenheit ausstrahlen konnte. 2021 ist in Berlin das Orgeljahr und wer im Erhabenen das Haben betonen will, der hat die Orgel-App samt Orgel-Map des Berlin History e.V. eh längst installiert. Ebenfalls auf der Haben-Seite sind zwei Orgelkonzerte heute Abend: Um 17 Uhr spielt Elisabeth Orphal Klassisches an der Dinse-Orgel in der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Nordend (Schönhauser Straße 32, Reinickendorf) und um 19 Uhr erklingt in der Lukaskirche Steglitz (Friedrichsruher Straße 6a) Bach, Impro-Jazz und Neue Musik.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Wahrscheinlich haben Sie schon davon gehört, das kommende Wochenende soll länger werden als üblich. Man werde eine Stunde geschenkt bekommen, dafür werde es in der nächsten Zeit früher dunkel und ach und oh! Alle Welt spricht von der Zeitumstellung. So ein Quatsch! Wie ich aus verlässlicher Quelle weiß, werden nämlich nur die Uhren umgestellt, nicht die Zeit – alles andere wäre doch auch anmaßend. Chantal, die ordentliche Sau von Nebenan, und mich bringt das zu Einrichtungsfragen. Auch wir haben im Bau nämlich eine Uhr stehen. Und zwar ungünstig im Weg, in unserem Foyer. Wir werden sie also umstellen. Aber wohin damit? Eigentlich ist sie für den Bau nämlich viel zu groß. Gehen tut sie auch nicht mehr: Ich habe sie schon länger beobachtet und sie steht immer noch genau da, wo wir sie zuletzt hingestellt haben. Wir haben beschlossen, sie nach Neuenhagen zu bringen – da gibt es nicht nur einen Meisterbetrieb, der stehengebliebenen Uhren wieder Beine macht, sondern auch eine daran angehängte Uhren-Ausstellung – vielleicht wird man sich dort ja für unser Stück erwärmen. Chantal und ich wiederum erwärmen uns durch etwas Arbeit: Da die Uhr nicht durch die Tür passt, werden wir extra ein Fenster ausbuddeln – und wenn wir sie da hindurch hieven, wird es zum Zeitfenster. Ich empfehle übrigens, den Besuch der Ausstellung mit einem Spaziergang durch Wiesengrund und Mühlenfließ zu verbinden und einmal der flaneuristischen Zeitlosigkeit nachzuspüren. Und mich empfehle ich mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Zweimal im Jahr wird die innere Uhr auf die Probe gestellt: Was bedeutet die Zeitumstellung für den Lebensrhythmus von Kindern? Patrick Volknant (Abo) befragt Kinderarzt Martin Karsten zum Umgang im Familienalltag und trägt Tipps für Eltern zusammen.

Immer sind die anderen Schuld und immer hätte man selbst an anderer statt ganz anders gehandelt. Wie trügerisch die Perspektive aus dem Nachhinein sein kann, erzählt die Geschichte einer ganz normalen deutschen Familie, erforscht von der Enkelin eines Nazi-Großvaters. Boris Buchholz (Abo) sprach mit Bianca Schaalburg.

Und nochmal Geschichte: 94 Jahre Bundesrepublik inklusive einer Begegnung mit Hitler und einer lange währenden Nähe zu den Schriftsteller:innen der Gruppe 47. Moritz Aisslinger und Malte Henk interviewten für Die Zeit (Abo) Inge Jens.

Wochen­rätsel

Welche verpflichtende Maßnahme für alle Berlin-Touristen schlug Bettina Jarasch (Grüne) in dieser Woche vor?

a) Anreise mit Bus oder Bahn
b) BVG-Ticket
c) Kurtaxe beim Besuch von Grün- und Wasserflächen 
 

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Encore

Heute ist übrigens „Candy corn“-Tag – aber keine Angst, Sie müssen sich jetzt nicht mit dem klebrigen Zeug die Zähne ruinieren. Machen Sie einfach einen „Candy storm“-Tag daraus – und sagen Sie so vielen Menschen wie möglich, wie froh Sie sind, dass es sie gibt (aber natürlich nur, wenn Sie wirklich froh sind, dass es sie gibt).

Ich fange gleich mal mit einem großen Dankeschön an Lotte Buschenhagen (Stadtleben) und Lionel Kreglinger (Produktion) an. Wir sehen uns hier Montagfrüh wieder – bis dahin.

Lorenz Maroldt