beginnen wir diesen „heiter bis wolkigen“ Samstag mit einem kurzen Überblick über die nicht immer heiteren, aber wichtigen Berlin-Nachrichten:
+++ Auswirkungen der Energiekrise: Berlin zieht Schließung von Hallenbädern in Betracht. Wenn Energie noch knapper wird, könnten in Berlin Schwimmhallen geschlossen werden. Zunächst soll anderweitig gespart werden – der Spielraum dafür ist gering.
+++ Nach dem Tod eines schwarzen Obdachlosen sieht sich die Berliner Polizei Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Ein psychisch kranker Mann ist rund drei Wochen nach einem Polizeieinsatz gestorben. Die Berliner Opferberatungsstelle Reachout wirft der Polizei „massive brutale Gewalt“ und Rassismus vor. Ein Todesermittlungsverfahren wurde eingeleitet.
+++ Von der Gaslaterne zum Wasserstoff in Berlin: Explosionen, Kriege und Revolutionen – die Gasag feiert 175. Geburtstag. Kriege und Revolutionen, Energieknappheit und Eigentümerwechsel, Teilung und Einheit: Die Geschichte des Gasversorgers ist so vielfältig wie Berlin.
Auf tagesspiegel.de informieren wir Sie gewohnt zuverlässig über alle Entwicklungen in und rund um Berlin.
Während schon am Heizen gespart und darüber debattiert wird, wie dunkel die Stadt im Winter werden darf, lassen wir es mit dem Festival of Lights nochmal richtig krachen. Zwei Wochenenden umfasst das Lichtspektakel, bei dem 35 Sehenswürdigkeiten bei Nacht spektakulär inszeniert werden. Das diesjährige Motto: „Visions of our Future“. Klingt zynisch? Nun, der Veranstalter verspricht einen um 75 Prozent reduzierten Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr. Wir erinnern uns: Damals war das Energiesparen ja noch nicht nötig. (Hä, war da nicht was mit Klima?) Jedenfalls sind 75 Prozent schon eine Hausnummer, auch wenn absolute Werte noch aussagekräftiger wären. Wie auch immer die aussehen, eines garantiert der Veranstalter: Alle für das Festival aufgebrachte Energie stammt aus erneuerbaren Quellen und nicht aus russischem Gas.
Wie ist eigentlich die Situation der ukrainischen Geflüchteten in Berlin? Wie geht's denen, die bereits seit Monaten hier sind? Wie viele kommen tagtäglich noch an? Wie geht's im Winter weiter? Und was plant Sozialsenatorin Katja Kipping? Darüber sprechen Lorenz Maroldt und Ann-Kathrin Hipp ausführlich in der neuen Folge „Berliner & Pfannkuchen“. Außerdem Thema: Berlins Neuwahlen, Bausenator Andreas Geisel und Ha-Ho-Hertha. Jetzt auf Apple Podcasts, Spotify, Tagesspiegel.de und überall, wo es Podcasts gibt.
Noch mehr „Checkpoint auf die Ohren“ gibt's in der neuen Folge „Eine Runde Berlin“. Dieses Mal in der Ringbahn zu Gast: Schauspielerin und Regisseurin Karoline Herfurth. Im Podcast spricht sie unter anderem über ihren neuen Film „Einfach mal was Schönes“, der im November in die Kinos kommt, über die Bedeutung von Familie und darüber, was einen guten Film ausmacht. Jetzt überall und hier zu hören.
Samstagmorgen – Und es ist ja auch schön, wenn es draußen schön ist, dann geht man auch gerne raus. Ebendies tut auch die Jugend, die geht nämlich hacken. Allerdings nicht im Garten, sondern im Netz – rausgegangen wird entsprechend auch nicht an die frische Luft, sondern an die vom PC-Lüfter aufgewirbelte: Bei Jugend hackt geht es darum, mit Computercode „die Welt zu verbessern“. Stichworte ethisches Hacking und Medienkompetenz: In einer digitalen Welt ist der eigentliche Blick hinter die Kulissen, wie schon Medianphilosoph Friedrich Kittler konstatierte, der Blick in den Code, in dem sich Absichten, Ethik und Kommunikationsmechanismen chiffriert verbergen.
Samstagmittag – Apropos Medienkompetenz: Filme prägen, das kann man wohl so stehen lassen. Welche Filme man im Allgemeinen zu sehen bekommt, welche nicht, welche einen weltweiten Vertrieb finden und welche nur kurz und lokal aufleuchten, hängt nicht nur an den Filmen selbst, sondern auch vom Betrieb ab. Den kann man zurzeit bei der Provinziale in Eberswalde näher kennenlernen. Heute beginnt das einwöchige Filmfestival, das nicht nur Filme zeigt, sondern auch Podiumsdiskussionen ausrichtet, einen Filmwettbewerb mit Preisen in vier Kategorien auslost und mit reichlich Rahmenprogramm auch die Stadt mit inszeniert.
Samstagabend – Wer, statt sich ahnungslos in Eberswalde zu verlieren, lieber von wehmütig gefühligem Indie-Folk-Art-Pop an die Hand genommen werden möchte, geht heute ins Konzert von Angel Olsen. Das ungebrochene Kritikerlob, das der Mittdreißigerin aus North-Carolina seit Jahren entgegenschwappt, klingt stellenweise fast, als hätte es vor ihr gar keine Gefühlsmusik gegeben. Um 19 Uhr (Einlass) beginnt die Geborgenheit spendende Tränendrüsen-Reanimation im Huxley‘s Neue Welt, Tickets zu 29,70 Euro gibt es noch hier und an der Abendkasse.
Sonntagmorgen – Wie viel Erkenntnis über die Antike ohne alte, ausgegrabene Töpferware der Archäologie doch entgangen wäre. In Rheinsberg (Kirchplatz, Schlossstraße und Triangelplatz) finden Sie an beiden Wochenendtagen von 10.30 Uhr bis 17 Uhr die Stände von etwa 100 professionellen Töpferinnen und Keramikern vor, mit deren feilgebotenen Waren Sie auch Ihren Haushalt für die Archäologie von morgen wappnen können.
Sonntagmittag – Denn: Was nicht in die Geschichte eingeht, geht im lauten Rauschen der Gegenwart verloren. Allerdings nicht ohne Konsequenzen: Chaostheoretiker bescheinigen selbst den kleinsten Nebensächlichkeiten zumindest das Potenzial, die Weltgeschichte maßgeblich zu beeinflussen. Somit ist das Rauschen nicht nur nervig lärmender, aus allem Treiben willkürlich zusammengesetzter Hintergrund der Großstadt, sondern ein wahres Meer möglicher Zukünfte. Im Meinblau Projektraum (Senefelderplatz) setzen sich sieben Malerinnen aus sieben Perspektiven mit Begriff und Phänomen des Rauschens auseinander und lassen es so selbst Geschichte werden.
Sonntagabend – 1935, wie sich manche vielleicht erinnern, waren die Sommer noch „normalwarm“, heutige Klimaprobleme unsichtbar. Und statt nach Deutschland, flohen Millionen Menschen aus Deutschland vor dem zunehmenden Naziterror. Zuflucht fanden viele zunächst in Paris, wo sich nicht alle gleichermaßen sicher wähnten: Lion Feuchtwanger, Sohn eines jüdischen Fabrikanten, verarbeitete seine Ahnung von der tatsächlichen, später von den Fakten bestätigten Gefahr, die von Hitlerdeutschland ausging, in seiner „Wartesaal“-Trilogie. „Exil“ heißt der letzte Teil, spielt kurz vor Ausbruch des Krieges und behandelt die Gewissensfragen, denen sich Menschen, die ebenfalls ahnten oder sogar wussten, was geschah, stellen mussten. Für heute Abend 19 Uhr gibt es beim Tippen dieser Zeilen noch Karten. Sollten Sie beim Lesen keine mehr bekommen: Bis Ende November gibt es noch sechs weitere Aufführungen am Berliner Ensemble (Bertold-Brecht-Platz 1).
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Wer dem Sommer bereits nachweint, erinnere sich: unerträgliche Hitze, Schweißgeruch, klebrige Hufe. Dazu Körper, die jedwede Tätigkeit verweigern und eine in beigebraunen Tönen welkende Natur, ausgetrocknete Wiesen und Bäume, die schon bei mittleren Böen umknicken. Nee, nee, wenn Sie mich fragen: Ein Glück, dass das vorbei ist. Schon immer war mir diese Eigenheit haarloser Zweibeiner schleierhaft, sich bei den erstbesten Sonnenstrahlen ungeniert ins Licht zu setzen, bis sie rot glühen. Jetzt, das ist meine bescheidene Meinung, ist die richtige Zeit, um mehr von der Natur zu haben als Signalfarben. Neulich erst bin ich bei Meseberg (Altmark) bei nahezu jedem Hufschritt vor aufgeschreckten Rehen erschrocken – so zufrieden, wie jetzt, habe ich sie selten gesehen. In Dutzenden liegen sie dort auf Feldern und sinnieren über die Geschichte des auf das 14. Jahrhundert zurückgehenden Orts, der altmärkischen Wischen und Höhen und der historischen Bockwindmühle am Kattwinkel. An den Toren der kleinen Höfe bellen den Flaneur Hunde an, grüßen Hühner und Gänse und hier und da findet man Fallobst im Überfluss, denn genau jetzt rasselt es überreife Äpfel, Birnen, Zwetschgen und mehr von den Bäumen. Ich gehe mal den Herbst genießen und empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Nicht nur „ein Stück Stoff“: Die Berliner Solidarität mit den Protesten im Iran ist groß. Weshalb sie nicht nach einmaliger Bekundung abebben, sondern die Proteste selbst überdauern erklärt Grünen-Politikerin Gollaleh Ahmadi, Anna Thewalt (T+) hat sie gesprochen
Vater-Sohn-Geschichten bewegen bekanntlich Herzen, weshalb sie nicht nur allerlei hervorragenden Romanstoff abgeben – die Beispiele sind zahlreich. Die besten Romane schreibt allerdings immer noch das Leben selbst – vor allem, wenn der Vater Willy Brandt heißt, sein Sohn Lars Brandt die Geschichte erzählt und Susanne Kippenberger (T+) die aufschreibt.
Apropos Lesen: Sieben Millionen Menschen in Deutschland, 320 000 in Berlin können es nicht. Weshalb es sich bei ihnen um Alltagshelden handelt, erklärt Autor Sebastian Fitzek Boris Buchholz (T+)
Klassismus ist in Berlin kein Fremdwort, und nicht erst seit der aktuellen Inflation. Trotzdem gibt es noch immer einige Rechtschreibprogramme, die es für falsch geschriebenen Klassizismus halten. Das könnte sich mit der Verleihung des Literaturnobelpreises an die französische Autorin Annie Erneaux ändern. Gerrit Bartels (T+) über die vielleicht zurzeit relevanteste „Ethnologin ihrer selbst“.
Wochenrätsel
Gewonnen! Die Taxi-App Apcoa, zuständig für die interne Kommunikation der Betreiber, schickte in letzter Zeit desöfteren „alle verfügbaren Fahrzeuge mit einer gültigen Ladeberechtigung“ zum Flughafen BER. Dabei dürfen von den 5600 Berliner Taxis nur 500 mit einer Lizenz am BER Fahrgäste aufnehmen – alle anderen fahren ohne Kunden zurück nach Berlin. So kommen pro Jahr…
a) …10.000 unnötige Leerfahrten zustande.
b) …50.000 unnötige Leerfahrten zustande.
c) …100.000 unnötige Leerfahrten zustande.
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, ist im Vorteil!
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Berliner Hausnummern (XLI): 104 Mails – Spam exklusive – flattern an einem ruhigen Tag ins Checkpoint-Postfach, davon 21 PR-Mails, vier Themenhinweise, vier Geburtstagswünsche, ein Lob und zwei Beschwerden. Waren besonders kontroverse Beiträge, Tippfehler oder falsche Straßenangaben in der aktuellen Ausgabe, verdoppelt sich die Zahl der Mails – das Weihnachtsrätsel sprengt jegliche Zählung.
Übrigens: Nicht alles, was im Checkpoint steht, stimmt. Im gestrigen Checkpoint stand, Bausenator Andreas Geisel habe die Missbilligungsanträge von CDU und FDP überstanden. Das stimmt so nicht: Es waren Missbilligungsanträge von CDU und AfD. Wir missbilligen die Fehlzuschreibung von Missbilligungsanträgen entschieden.
Diesen Wochenend-Checkpoint hat Ihnen Lionel Kreglinger (Frühproduktion) auf den Bildschirm gezaubert, am Montag lesen Sie an dieser Stelle von Lorenz Maroldt. Haben Sie ein schönes Wochenende!
