das sind harte Tage für die Kolleginnen und Kollegen der „Berliner Zeitung“: Anstatt über ihre Recherchen und Reportagen wird über die neuen Eigentümer gesprochen. Immerhin wissen sie jetzt, was für Holger Friedrich, der auch die Geschäftsführung übernommen hat, „der eigentliche Schatz unseres Deals“ ist: die Website „berlin.de“, die betrieben wird von der „BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG“. Das Stammkapital von 55.556 Euro teilen sich zu je 25.000 Euro die Landesbank Berlin und die „BV Deutsche Zeitungsholding GmbH“ (Eigentümerin: die Beteiligungsgesellschaft der Friedrichs) sowie zu 5.556 Euro die Berliner Volksbank. Wie sie den Schatz heben wollen, verrieten Silke und Holger Friedrich jetzt der „NZZ“:
Silke Friedrich: „Da können wir prinzipiell jede Dienstleistung ausspielen.“
NZZ: „Weiß die Berliner Verwaltung das schon?“
Holger Friedrich: „Für die sind wir momentan noch genauso eine Überraschung wie für den einen oder anderen Kollegen aus der Medienbranche. Aber es lässt sich gut an.“
NZZ: „Die Bürokratie der Hauptstadt ist berüchtigt. Wie soll ein Behördengang auf ‚berlin.de‘ künftig aussehen? Sagen wir eine Anmeldung.“
Holger Friedrich: „Ganz einfach: Man lädt sich die App der Stadt herunter, scannt seinen Ausweis ein, dann wird in wenigen Sekunden verifiziert, ob das Dokument valide ist oder irgendetwas juristisch vorliegt. Als Nächstes wird die Steueridentifikationsnummer abgeglichen, auch die Rückmeldung erfolgt binnen Sekunden. Fertig. Wir freuen uns, Sie als Bürgerin oder Bürger in Berlin begrüßen zu dürfen.“
Schöne neue Welt: ein privates Medienunternehmen, auf dessen Plattformen zwangsläufig alle Berlinerinnen und Berliner landen müssen und durchgecheckt werden – Meldedaten, Bonität, Vorstrafenregister, Einkäufe… Es kommentieren Silke und Holger Friedrich: „Wir beide wissen aus beruflicher Erfahrung um die Macht von Daten.“ (Q: Ihr Manifest „Was wir wollen“). Das „NZZ“-Interview wurde übrigens kurz vor der Enthüllung der „WamS“ über die IM-Tätigkeit von Holger Friedrich geführt. Und da die Neu-Verleger ihre Beteiligungsgesellschaft in „Commercial Coordination“ umbenannt haben, überlassen wir das letzte Wort in dieser Sache für heute ganz unironisch Ex-„KoKo“-Chef Alexander Schalck-Golodkowski: „Das ist auch ein Punkt, der mich ständig bewegt: Was ist Wahrheit, und was ist nicht Wahrheit?“ (Q: ARD-Interview 1991).
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Französischer Goethe
Am 22. und 23. November können Sie beim DSO Berlin Hector Berlioz‘ packende und visionäre Adaption von Goethes Faust unter der Leitung von Chefdirigent Robin Ticciati erleben. ›La damnation de Faust‹ sprengt die Grenzen zwischen Symphonie und Oper und endet mit einem furiosen Höllenritt. Wir verlosen 3x2 Karten für den 22. November. (Code: FAUST)
Der Eklat im Abgeordnetenhaus bei der Mitgliedernachwahl des Verfassungsgerichts kommt als Bumerang zurück: Anke Müller-Jacobsen legt nach Checkpoint-Informationen ihr Richteramt zum 1.1.2020 nieder – die Rechtsanwältin teilte Parlamentspräsident Ralf Wieland ihren Entschluss schriftlich mit, eine Verlängerung schließt sie aus. Die Wahl einer Nachfolgerin war trotz vorheriger Absprachen der größten Fraktionen gescheitert, eine ordnungsgemäße Besetzung des Gerichts ist nicht mehr sicher. Die Empörung darüber dröhnt in der Elßholzstraße durch jeden Flur: Mitglieder des Gerichts sehen die Institution mutwillig beschädigt und fühlen sich von der Politik missbraucht. Die Aussichten: Es sind weitere beschämende Echos sind zu erwarten.
Die größte Herausforderung für Berlin ist nicht die BER-Eröffnung, sondern die nächste Wahl: Wenn alle Koalitionen fein zusammenblieben, sind hier an einem Abend gleich fünf verschiedene Kreuze auszuzählen: zweimal Erst- und Zweitstimme sowie die der Bezirke. Insider warnen: Das ist kaum schaffen. Schon die verhältnismäßig simple Europawahl brachte einige Stimmbezirke an den Rand– in Mitte zum Beispiel sagte jeder fünfte Wahlhelfer kurzfristig ab, andere wollten wegen Überforderung mittendrin gehen, die Fehlerquote war hoch. Bürgermeister Stephan von Dassel beschreibt im Gespräch mit dem Checkpoint ein mögliches Szenario: Um Mitternacht werden die Wahllokale versiegelt, am Montag bleiben die Schulen und Behörden geschlossen – und die Angehörigen des Öffentlichen Dienstes treten zum Weiterzählen an. Also alles so, wie es das neue Leitbild des Senats vorsieht: „Berlin bleibt anders.“
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Zum bevorstehenden 250. Geburtstag des Komponisten präsentieren Daniel Barenboim, Michael Barenboim und Kian Soltani sämtliche Klaviertrios von Ludwig van Beethoven im Pierre Boulez Saal. Erleben Sie diese Meilensteine der Kammermusik zum Auftakt des Beethoven-Jubiläumsjahres.
boulezsaal.de
„Das war ein rein brandenburgisches Projekt“, posaunte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach zum Tesla-Deal – die „FAS“ schreibt dazu: „Als Musk erfuhr, dass der Standort für die neue Tesla-Fabrik nicht etwa in Berlin, sondern in Brandenburg liege, stand die Abmachung kurz vor dem Scheitern. Man einigte sich auf die Formulierung ‚Großraum Berlin‘, um Musk zufriedenzustellen.“ In Grünheide bricht derweil Goldgräberstimmung aus – gerechnet wird aber offensichtlich auch mit dem Zuzug von Radikalen: „Nur einen ‚Steinwurf’ vom neuen Tesla-Strandort entfernt!“, lockt eine Immobilienzeige (Q: „B.Z.“).
Michael Müller bekam aus dem Kreis der SPD-Abgeordneten zur Klausurtagung der Fraktion in Nürnberg (24. bis 26.1. 2020) einen deutlichen Hinweis – laut genug jedenfalls, dass ihn durch die verschlossenen Türen auch der Checkpoint hörte: Die sozialdemokratische Senatsriege inklusive Staatssekretäre möge diesmal bitte nicht mit dem Dienstfahrzeug anreisen – in den vergangenen Jahren hatten sich manche die Wagen von ihren Fahrern sogar leer hinterherfahren lassen, um schneller wieder wegzukommen. Das würde diesmal doppelt unvorteilhaft aussehen: Das Thema der Tagung lautet „Sozialer Klimaschutz“.
Die Zustände am Bahnhof Schönleinstraße erinnern CP-Leser Jefferson Chase „an Hieronymus Boschs Gemälde von der Hölle“ – eine Drogenhölle, um genau zu sein: Junkies stolpern brabbelnd herum und ziehen sich Heroin rein, überall liegen schmutzige Röhrchen und angekokelte Alufolien auf dem Boden, es wird gedealt, gekokst, gekifft, gesoffen und gepinkelt. Auf anderen Bahnhöfen entlang der U8 sieht es ähnlich aus. Auf Anregung von Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke bieten jetzt Sozialarbeiter des Trägers „Fixpunkt“ den Abhängigen Hilfe an – und auf Vermittlung des Checkpoints (Liecke und die BVG hatten da ein wenig aneinander vorbei kommuniziert) bekommen die jetzt auch noch „Betretungsausweise“, damit sie nicht als Schwarzfahrer aufgegriffen werden. Merke: Auch in der Berliner Hölle muss eben alles seine Ordnung haben.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Im Streit um die so genannte „Alternativmedizin“ wollen die Grünen jetzt erstmal den Wissenschaftsbegriff untersuchen – der Checkpoint ist da schon einen Schritt weiter und hat die Forschung abgeschlossen: Globuli helfen hervorragend gegen Homöopathie – aber nur in Kombination mit drei Teelöffelchen Glaubuli.
Der Mietendeckel klappert weiter durch die Stadt:
1) In einem Entwurf für das Treffen der Bezirksbürgermeister am Donnerstag heißt es: „Der Rat der Bürgermeister lehnt eine Aufgabenwahrnehmung durch die Bezirke ab“ – die Rathauschefs fürchten einen Run auf die Ämter.
2) Der „Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen“ lässt das für heute geplante Treffen mit Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher zur „Lage der Berliner Bauwirtschaft“ platzen, weil die Stellungnahme des BFW im Gesetzgebungsprozess nicht berücksichtigt wurde – dazu die Landesvorsitzende Susanne Klabe: „Angesichts dieser Erfahrung sehen wir zurzeit keinen Raum für Gespräche.“
3) Staatssekretär Marco Wanderwitz vom Bundesbauministerium hält den Mietendeckel für verfassungswidrig – in einem Schreiben an den Berliner CDU-Vorsitzenden Kai Wegener (heute zu Besuch im Tagesspiegel) schreibt er: Das Land Berlin ist an so einem Gesetz „kompetenzrechtlich gehindert“.
4) Der Senat hat vergessen, die Miete in Wohnwagen zu regeln – in Karlshorst ist da gerade was im Angebot: „500 Euro warm, möbliert, WG-geeignet“ (und das auch noch ohne Gehaltsnachweis). Macht ca. 50 Euro pro qm und klingt deshalb nach einem prima Geschäftsmodell für die landeseigene „berlinovo“ (die ist ja zur Freude des aufsichtsratenden Finanzsenators auf überteuerte möblierte Apartments spezialisiert).
Unsere Verkehrsmeldungen in der Rubrik „Berlin heute“ (weiter unten) fallen heute etwas rudimentär aus – das liegt aber nicht am Verkehr selbst, sondern an der Verkehrsinfozentrale, denn die meldet einen Stau in eigener Sache: „Wir bitten um Verständnis, dass wegen der Modernisierung unserer Webserver unser Informationsangebot vorübergehend nicht zur Verfügung steht.“
Auch die Modernisierung der Verkehrspolitik steht gerade nicht zur Verfügung – ob nur vorübergehend, muss sich mit Blick auf die Greifswalder Straße und die Joachim-Friedrich-Straße noch zeigen: In Prenzlauer Berg wurde der neue grüne Radweg trotz gegenteiliger Ankündigung gleich an zehn Stellen wegen anderweitiger Bauarbeiten wieder aufgefräst (und anschließend grau verschlossen), in Charlottenburg wurde wie zuvor schon anderswo der neue grüne Radweg gleich wieder weggeschwemmt (weil niemand daran gedacht hat, dass Regen nass ist; Foto hier).
„Berlin total versaut“ ist ja eigentlich keine Meldung – im Aufmacher der „B.Z.“ geht’s allerdings um eine „Wildschwein-Invasion“ in Zehlendorf (dafür reichen offenbar 50 Tiere). „Die Schweine benehmen sich wie Sau“, stellt die Autorin fest – sie sind also bestens integriert.
Mit einfach Holzlatten haben Unbekannte in Spandau ein 4-Sterne-Wellnesshotel gestürmt – das ist 1. stillos (da wäre mindestens Mahagoni angebracht gewesen), und 2. erfahren wir so immerhin, was es in Spandau so alles gibt.
Beim Angeln kommt’s aufs richtige Timing an – und so startet der rbb pünktlich zur Enthüllung des Missbrauchsskandals in einem Spandauer Verein den Podcast „Angebissen“, angekündigt mit den Worten: „Angelfreunde aufgepasst: Der rbb geht unter die Rutenwerfer!“
Die Meldung, dass jemand „eine rote Ampel überfahren“ hat, erweist sich meistens als stark übertrieben – in der Regel bleibt die „Lichtsignalanlage“ stehen und schaltet unbeeindruckt auf Grün. In der Thielallee zielte ein 31-Jähriger jetzt aber trotz einiger Promille sehr genau – die Bilanz: 1 schwer verletzter Autofahrer, 1 am Bein verletzter Fußgänger und 2 umgelegte Ampelmasten.
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„Was empfindest du, wenn du den Grandland X siehst?“, fragt Opel in einer Werbung und zeigt dazu den Grandland X, wie er gerade einen Radweg blockiert. Das Unternehmen bittet: „Sag es uns mit den Reactions!“ Na dann mal los: kontakt@opel-infoservice.de.
Berlin ist… wenn die Bedienung an der Fleischtheke in einem Charlottenburger Supermarkt die Bestellung von 150 Gramm „Kinderwurst“ mit der Frage kontert: „Mädchen, Junge oder halb und halb?“ (Q: „Berliner Liste“)
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich finde, da ist noch verdammt viel Luft nach oben.“
Monika Herrmann, Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, ist als Grüne nicht ganz zufrieden mit der Performance des Senats – sie vermisst das „Gemeinsame“ von Rot-Rot-Grün: „Das funktioniert überhaupt nicht. Das Reflexartige, Ritualisierte in der Politik scheint deutlich stärker zu sein.“ (Q: Interview in der „taz“)
Tweet des Tages
Die 3 großen Lügen über Moabit: 1. Ist wenigstens ehrlich. 2. Moabit ist Mitte. 3. Moabeat.
Stadtleben
Essen – Laksa gehört zu den hier noch unbekannten Spezialitäten der südostasiatischen Küche. Schade eigentlich, hätte das malaysische Gericht durchaus Potenzial, die Berliner Gastroszene zu erobern: Die Suppe ist auf Kokosmilchbasis, Reisnudeln dienen als Sattmacher und alle möglichen Gemüsesorten geben Farbe in die Schüssel. Wichtiges Plus: Laksa funktioniert für Fleischesser, Pescetarier und Veganer gleichermaßen. Das beweist mal wieder das Laksa Pop-up in der Santa Cantina in Friedrichshain (Simon-Dach-Straße 22, S/U-Bhf Warschauer Straße). Eigentlich wollten die Betreiber ihr Suppen-Event in Zukunft sein lassen, der Wintereinbruch hat sie laut eigener Aussage aber zu einer Fortsetzung veranlasst. 17–22 Uhr, Reservierung empfohlen
Trinken – Die Whiskysorten der Scotch Malt Whisky Society findet man nicht im Ladenregal. Die Distillerie ist zugleich ein Club, die Edelspirituosen somit ausschließlich Mitgliedern vorbehalten. Rar und exklusiv ist hier das Motto. Ein bisschen weniger hermetisch soll das Old & Rare Whisky Tasting morgen Abend (19.30 Uhr) im The Grand (Hirtenstraße 4, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz) zugehen. Hier darf jede*r rein, der 99 Euro übrig hat und sich hier anmeldet. In die Gläser kommen dafür sechs hochwertige Whiskysorten, die stellvertretend für die Whiskyregionen Schottlands stehen und die Gäste auf eine spirituose Reise von den Low- über die Highlands mitnehmen sollen. Unter trinkfesten Reisewilligen verlosen wir 2x2 Freikarten für das Tasting (bis 12 Uhr).
Berlinbesuch – Wenn Sie Fußball hören, denken Sie dann an Männer? Das ist nicht verwunderlich. Oft sind es nämlich noch Männer, die auf und neben dem Rasen, im Fernsehen und den Fußballkneipen des Landes „Fußballgeschichten“ erzählen, sexistische Klischees inklusive. Aber die Fußballwelt ist auch erstaunlich weiblich. Das will das Projekt „Fan Tastic Females – Football Her Story“ mit der gleichnamigen Ausstellung in der Beuth-Halle (Lütticher Straße 38, U-Bhf Amrumer Straße), die um 16 Uhr eröffnet, sichtbar machen. Darin erzählen Frauen aus 21 europäischen Ländern – von der 14-jährigen Ultra bis zur 94-jährigen Dauerkartenbesitzerin – in 80 Kurzvideos ihre persönlichen Fußballgeschichten. Einen Live-Beitrag aus der Fußballerinnen-Perspektive leistet dazu die ehemalige Nationaltorhüterin Kathrin Längert. Der Eintritt ist frei. Handy und Kopfhörer müssen zum Abspielen der Videos mitgebracht werden. Bis zum 22. November, Di-Do 9-15 Uhr, Fr 9-12 Uhr
Geschenk – Der Klimawandel politisiert gerade junge Menschen, denen stets nachgesagt wurde, sie seien „Generation Politikverdrossen“. Gleichzeitig sind Rechtsruck, Arbeitsplatzabbau durch Digitalisierung und globale Konflikte große politische Themen, die Besorgnis hervorrufen und Handlungen bedürfen. Einen wirklichen Plan für die Zukunft schient die Politik jedoch nicht zu haben – so die Kritik der acht Autor*innen, die heute um 19.30 Uhr im Silent Green Kulturquartier ihr Buch vorstellen: „Ihr habt keinen Plan – darum machen wir einen“ (Blessing Verlag, 12 Euro). Begleitet wird die Buchpremiere von „Brandreden“ des Astrophysikers und Moderators Harald Lesch und Hans Joachim Schellnhubers vom Institut für Klimafolgenforschung Potsdam. Tickets kosten 8 Euro. Gerichtstraße 35, S-Bhf Wedding
Last-Minute-Diskussion – Am Kulturforum soll in den nächsten Jahren (Berliner Zeitangabe) das Museum des 20. Jahrhunderts entstehen. Zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Berliner Philharmonie soll durch einen Neubau Platz für Sammlungen der Nationalgalerie entstehen, die sich ausschließlich mit Kunstschaffenden des letzten Jahrhunderts beschäftigen. Seit Februar 2018 tüftelt das Architekturbüro Herzog de Meuron an einem Entwurf. Dieser soll heute um 19 Uhr im Foyer des Kammermusiksaals der Philharmonie, also in direkter Nachbarschaft zum künftigen Museum, vorgestellt werden. Gemeinsam mit dem Direktor der Neuen Nationalgalerie, Udo Kittelmann, der Journalistin Swantje Karich, dem Künsthistoriker Wolfgang Herzogenrath und Pfarrer Hannes Langbein folgt eine Diskussion zu den Entwicklungen am Kulturforum. Der Eintritt ist frei. Herbert-von-Karajan-Straße 1, S/U-Bhf Potsdamer Platz
Last-Minute-Diskussion II – Tesla zieht vor die Tore Berlins, und ist damit nicht allein: 400.000 neue Anwohner zählt die Hauptstadt pro Jahr, dabei legt auch der Speckgürtel zu. Berlin boomt also nicht nur als Stadt, sondern als Region. Das verlangt politische Antworten. Wie kann Berlin in den nächsten zehn Jahren über sich hinauswachsen? Diesen Fragen stellt sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ab 19.30 Uhr in der Urania (An der Urania 17, U-Bhf Wittenbergplatz) bei der Diskussion „Groß-Berlin und seine Zukunft". Im Gespräch mit Architektenkammer-Präsidentin Christine Edmaier und Robert Ide, Checkpointer und Geschäftsführender Redakteur beim Tagesspiegel, soll es um berlin-brandenburgische Visionen, aber auch um schleppenden Wohnungsbau, Bürgerproteste und umstrittene Stadtquartiere am Stadtrand gehen. Und weil das Thema alle etwas angeht, sind Einwürfe und Fragen aus dem Publikum ausdrücklich erwünscht. Der Eintritt ist frei.
Noch hingehen in die Neue Synagoge Berlin, wo noch bis zum 8. Dezember „Charterflug in die Vergangenheit“ gezeigt wird. Die Ausstellung arbeitet die Schicksale von Berliner Jüdinnen und Juden auf, die auf der Flucht vor dem NS-Regime ins Exil gegangen sind. Im Jahr 1969 startete der West-Berliner Senat ein Programm, das die Vertriebenen für eine Woche nach Berlin einlud. Erstaunlich viele folgten der Einladung in ihre alte Heimat. Der Eintritt kostet 7 Euro. Oranienburger Straße 28-30, S-Bhf Oranienburger Straße, So-Do 10-18 Uhr, Fr 10-15 Uhr
Das Stadtleben zum Wochenstart von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – Wegen des Neubaus der Rudolf-Wissel-Brücke ist die A100 zwischen 22 und 5 Uhr zwischen der AS Kaiserdamm und dem AD Funkturm in Richtung Neukölln gesperrt. Weil eine Störung am Bahnübergang in Eichwalde nicht behoben werden konnte, fallen die Züge der Linie S8 von 5-9 Uhr zwischen Zeuthen und Grünau aus – zwischen Grünau und Birkenwerder verkehrt die Linie regulär. Und die S1 fährt in den kommenden Nächten bis Mittwoch (je 22.15-1.30 Uhr) zwischen den Haltestellen Zehlendorf und Botanischer Garten nur im 20-Minuten-Takt.
Demonstration – Am Platz der Republik malen 16 Künstler*innen von 11–15 Uhr als „Protest gegen die türkische Militärinvasion in Nordsyrien“ Bilder auf Leinwand. Etwa 60 Personen laufen von 11.30 – 13.30 Uhr unter dem Motto „…Klobalisierte Welt“ von den Ministergärten vor der Niedersächsischen Landesvertretung zum Potsdamer Platz. Rund 300 Beschäftigte gehen vor den Osramwerken in der Nonnendammallee 44 gegen den „Angekündigten Stellenabbau bei Osram" auf die Straße (12.05–13.05 Uhr). Zum „Protest gegen den Empfang von Diktator Sisi beim Bundespräsidenten“ versammeln sich auf dem Spreeweg vor dem Schloss Bellevue rund 50 Menschen (15.30–18.30 Uhr). Und unter dem Motto „Gentrifizierung / Meinungsfreiheit“ treffen sich von 18–20 Uhr etwa 15 Personen in der Friedelstraße.
Zu Gast in Bellevue ist Abdel Fattah Al-Sisi, Präsident der Arabischen Republik Ägypten.
Gericht –Weil er im sogenannten Darknet über Monate hinweg mit Rauschgift gehandelt und mehr als 30.000 Euro erlangt haben soll, wird einem 29-Jährigen der Prozess gemacht (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 220). Und eine Ärztin kommt wegen fahrlässiger Tötung einer 80-jährigen Patientin auf die Anklagebank. Die 43-Jährige habe beim Legen eines Katheters das Rippenfell durchstoßen und innere Blutungen verursacht, an denen die Frau gestorben sei (12.30 Uhr, Saal 370).
Universität – Prof. Dr. Bernd Belina von der Goethe-Universität Frankfurt hält um 18 Uhr am Sozialwissenschaftlichen Institut der HU einen Vortrag darüber, „Where AfD ist (not) strong“. Der Eintritt ist frei. Universitätsstraße 3b, S/U-Bhf Friedrichstraße
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Dr. Tim Behme (55), „Segler und Augenarzt mit Durchblick“ / Ilka Bessin (48), Komikerin, bekannt als „Cindy aus Marzahn“ (2000-16) / „Dem fußballverrückten Mauerfallsohn Niko Konstantin Dschingis alles Liebe von Ange und David“ / Max Dudler (70), Architekt / Sven Felski (45), ehem. Eishockeyspieler bei den Eisbären (1992-2012), Geschäftsführer der Eisbären Juniors / Katrin Framke (59), Stadträtin in Lichtenberg / Horst K. (60), „Von den Ländern der Welt hast du jedes Jahr mindestens ein Neues bereist ... demnach hast du noch 134 Jahre vor dir - Alles Gute!“ / Wolfgang Joop (75), Designer / Helmut Kleebank (55), Bezirksbürgermeister von Spandau (SPD) / Anna Loos (49), Schauspielerin und Sängerin / Marusha (53), DJane / Ulrich Noethen (60), Schauspieler / Daniel Rademacher (40), „dpa-Nachrichtenchef, aber auch außerhalb des Newsrooms ganz gut brauchbar - das Allerbeste wünschen Stefan, Alice, Robert und Fabian." / Conny Restle (59), Musikwissenschaftlerin / Steven Skrzybski (27), Fußballer bei Schalke, bis 2018 bei Union Berlin / Christa R.-B., „beste Freundin und ‚Hütehund‘ im Netzwerk! Alle guten Wünsche von der ‚Petragogin‘!“ / Dr. Ralf-Torsten Speler (73), „ehem. Kustos der Martin-Luther-Universität Halle, Präsident des Fördervereins der MLU Halle. Die allerbesten Glückwünsche zum Geburtstag sendet Dir Hannelore Wentzel“ / Karl-Georg Ernst Gottlob Wellmann (67), ehem. für die CDU im BT (2005-17)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Bernard Better / Hinrich Gieseler, * 16. September 1942 / Inka Graeve Ingelmann, * 14. November 1960 / Prof. Dr. med. Walter Thimme, * 4. November 1936, Begründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Berliner Herzinfarktregisters e.V.
Stolperstein – Selma Herrmann (Jhg. 1876) wurde heute vor 77 Jahren in Theresienstadt ermordet. Vor ihrer Deportation dorthin am 17. August 1942 lebte sie zusammen mit ihrem Ehemann Max Herrmann (Jhg.1868) in der Treskowallee 103 in Karlshorst.
Encore
„Ich mache mir Sorgen um unser Miteinander hier in Berlin“, sagt Checkpoint-Leserin Doreen Friedrichs – ihre Geschichte zeigt, warum:
„Im fettesten Stau der Stadt“ bleibt ihr Auto liegen, Friedrichstraße Ecke Unter den Linden. Die anderen hupen, niemand hilft – bis eine Radfahrerin die Lage erkennt und beginnt, den Wagen zur Seite zu schieben. Ein Polizist schaut tatenlos zu und kommentiert: „Lange können sie hier aber nicht stehenbleiben.“ Der Abschleppdienst wird informiert, das Warndreieck steht – „und dann geht’s los. Busfahrer brüllen mich an ‚Hau ab! Hau ab! Du Idiot‘. Andere Verkehrsteilnehmer zeigen Finger in eindeutigen Gesten, scheinen zu platzen vor Wut über meine Panne, einer ruft: ‚Verpiss Dich, Du Drecksau‘.“
Am Abend, mit etwas Abstand, schrieb sie uns: „In Berlin hängen Plakate mit der Aufschrift ‚Die Welt braucht mehr Menschen, die keine Mauern wollen‘. Heute dachte ich, die Mauern, die uns das Leben schwermachen, verlaufen nicht nur zwischen oben und unten oder zwischen links und rechts. Sie verlaufen zwischen Dir und mir.
Ich nehme mir das zu Herzen, denn nur da bewegt man etwas, und heute bewegt mich die Freundlichkeit. Denn auch das ist der Kitt, der uns Menschen hier im Alltag zusammenhält. Kurt Krömer sagt: ,Wir Berliner sind ja quasi die Erfindung der Freundlichkeit‘ und ich sage: Zum Glück kann diese Erfindung von jedem ohne Lizenzgebühren genutzt werden. Also nur Mut, liebe Berlinerinnen und Berliner, zeigt Euer riesiges Herz hinter der spröden Berliner Schnauze und seid nett zueinander. Kostet nichts und macht das Leben einfach schöner.“
Der Checkpoint wünscht Ihnen allen eine herzliche Woche. Morgen früh begrüßt Sie hier Laura Hofmann bis dahin,