sich bei der Eisglätte auf den Bürgersteigen nicht die Knochen zu brechen, ist in diesen Tagen eine Überlebenskunst. Politisch nicht das Genick gebrochen hat sich bisher Kai Wegner (CDU) trotz seines lange geheim gehaltenen, privaten Tennismatches mitten im Strom- und Wärme-Blackout für 100.000 Berlinerinnen und Berliner.
Auch beim Neujahrsempfang des Tagesspiegel am Dienstagabend kam dem Regierenden Bürgermeister dafür keine Entschuldigung über die Lippen. Denn kurz vor Beginn sagte der Hauptgast seine Teilnahme ab, weil er nach der Stromkrise „noch so viel abzuarbeiten“ habe. Eine Besucherin am Askanischen Platz raunte dazu mit Blick auf den Neujahrsempfang der Spandauer CDU am Montag: „Gestern konnte er noch.“
So begrüßte stattdessen Finanzsenator Stefan Evers (CDU) mehrere hundert Gäste – darunter große Teile des Senats sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft. In einer 20-minütigen, staatsmännisch gehaltenen Rede zur Lage der Stadt stimmte Evers die Gäste auf schwierige Zeiten ein: „Die Bedrohungslage in der Hauptstadt ist eine andere als anderswo.“
Evers dankte allen Einsatzkräften für eine vergleichsweise ruhige Silvesternacht sowie die schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung nach dem Terroranschlag. Er lobte die Solidarität in der Stadt und warb für weniger Aufgeregtheit im politischen und medialen Betrieb. Auch die Berlin-Wahl im Herbst werde „eine Schicksalswahl“, dennoch würden die Menschen erwarten, dass sich Politik auf das Wesentliche konzentriere.
Ob Berlin gut auf die nächste Krise vorbereitet sei, wollte Vize-Chefredakteurin Anke Myrrhe in der Fragerunde wissen. Evers betonte, dass künftig überall Videoüberwachung zur Sicherung des Stromnetzes möglich sei. Für Wahlkampf habe man „keine Zeit“ angesichts der nötigen Krisenvorsorge: „Den Menschen kommt es auf das Ergebnis an. Und das Ergebnis kann nur gut sein, wenn der Senat als Team handelt.“ Auch die spontan auf die Bühne gerufene Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) wollte kein Kompetenzgerangel erkennen: „Was zählt ist, was wir hinkriegen. Diese Regierung wird ja auch noch bis Dezember arbeiten.“
Statt Tennis wurde dann am Abend noch Tischtennis gespielt. An der Tagesspiegel-Platte einigten sich Myrrhe und SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach auf ein Unentschieden. Tagesspiegel-Kolumnistin Aline von Drateln beobachtete die Szenerie im weißen Tennis-Faltenrock mit Schirmmütze.
Kai Wegner hat nun am Donnerstag die nächste Gelegenheit zu angemessen nachdenklichen Worten zum Blackout, wenn er im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgibt. Am Freitag dann veranstaltet Wegners Lebens- und Tennispartnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), in ihrem Wahlkreis in Mahlsdorf einen Infoabend zum Thema Stromausfall und „wie man sich im Ernstfall richtig verhält“.
Für viele andere Berlinerinnen und Berliner ist die Woche dagegen viel zu glatt verlaufen. Im Unfallkrankenhaus Berlin wurden auch gestern wegen der Eisglätte auf den Bürgersteigen wieder viele Handgelenksbrüche, Zerrungen und Hüftprellungen behandelt. Für die Klinik in Marzahn ist es nur der jüngste von vielen Kraftakten: „Vor Weihnachten ging es los, seitdem gibt es hier kein Durchatmen mehr“, erzählt UKB-Sprecherin Angela Kijewski am Checkpoint-Telefon. Influenza, Böller und nun Glätte erfordern permanente ärztliche Fürsorge. Die Expertin rät: Das beste Schuhwerk für das aktuelle Wetter seien Spikes mit Gummibändern, die im Handel schon ab zehn Euro zu haben seien. „Und bitte: Nicht Fahrrad fahren bei dieser Glätte!“

Noch lange nicht glatt läuft auch der Betrieb auf der Ringbahn. Nach der silvesterlichen Feuerwerksrandale auf dem Bahnsteig bleibt der S-Bahnhof Wedding noch wochenlang gesperrt – voraussichtlich bis zu den Winterferien. Derzeit werden Dach, Technik, Lautsprecher und Beleuchtung repariert. Dies soll je nach Wetterlage bis Anfang Februar dauern – am Dienstagmittag war allerdings beim Vorbeifahren kein Bauarbeiter auf dem Bahnsteig zu sehen, nur Flatterbänder und ungeräumter Schnee.
Nach der „provisorischen Instandsetzung“, wie die S-Bahn die derzeitige Bauphase nennt, werde noch das ausgebrannte Aufsichtshäuschen abgerissen. Das könne im Frühjahr zu weiteren „zeitlich befristeten Einschränkungen des Betriebs“ führen. Am Fuße des Bahnhofs fahren heute zum letzten Mal Ersatzbusse ab. Diese haben kaum Fahrgäste, weil die Betroffenen längst auf die Buslinien M27 und 247 umgestiegen sind. Mit Provisorien kennt Berlin sich aus.
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Nach frostigen Tagen ist die Stimmung im Rathaus Reinickendorf deutlich unterkühlt: Stadträtin Julia Schrod-Thiel (CDU), zuständig für die großen Abteilungen Ordnung, Umwelt und Verkehr, wirft hin und wird ihr Amt heute niederlegen. Ihr Rücktritt habe „persönliche Gründe“, vermeldete das Bezirksamt schmallippig und ohne Dankesfloskel. Dem Vernehmen nach hatte Schrod-Thiel schon länger einen schweren Stand im Rathaus und in ihrer Partei. Das Verhältnis zu Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) galt als zerrüttet. Trotzdem erwischt ihr Rücktritt viele in der Bezirkspolitik eher kalt. Die CDU sucht noch nach einer Nachfolge.
Zu neuem Leben erwecken bunte Lichter gerade die Schatten des schon seit Jahrzehnten geschlossenen Stadtbads Lichtenberg. Die eindrucksvolle Licht- und Installationsshow „Stadtbad Reloaded“ (Impressionen hier) hat in den vergangenen drei Monaten gut 15.000 Interessierte angelockt und wurde deshalb nun bis Ende März verlängert. Und was passiert dann mit dem vor 100 Jahren erbauten, prachtvoll gestalteten Bad, in dem viele Menschen im früheren Ostteil der Stadt das Schwimmen gelernt haben?
Das Bezirksamt Lichtenberg verweist dafür an die Eigentümerin des denkmalgeschützten Gebäudes, die Berliner Immobilienmanagement GmbH. „Wir können bestätigen, dass wir kontinuierlich neue temporäre Nutzungen in der Pipeline haben“, heißt es von der Gesellschaft, geplant seien weitere Kulturevents und Ausstellungen.
„Insbesondere bei Filmproduktionen“ gelte aber vertragliche Vertraulichkeit. Gefilmt wurde im Bad bisher schon die sehenswerte Schwimm-Doku „Being Franziska van Almsick“ (zu sehen hier) sowie der deutsche Vampir-Streifen „Wir sind die Nacht“. Abseits davon bleibt die Zukunft des Stadtbads im Schatten.
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DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
geht in Richard Wagners Oper alle sieben Jahre an Land, um Erlösung durch eine treue Frau zu suchen.
Ob es ihm in Christian Spucks düsterer Inszenierung, unter Sir Donald Runnicles musikalischer Leitung gelingen wird? Letzte Vorstellungen am 18. und 28. Januar 2026, Karten gibt es hier
Wie viele Kaffee hatten Sie heute schon? Zwischen Berlins Bezirken dürfte diese Frage in den kommenden Wochen öfter aufgetischt werden. Denn ganz Berlin macht bei der Kaffeewette mit! Ganz Berlin? Nein! Friedrichshain-Kreuzberg leistet tapfer Widerstand gegen die koffeinhaltige Spendenaktion für Obdachlose!
Und darum geht‘s: Die Bezirke rufen dazu auf, aber nächster Woche Kaffeepäckchen für die Obdachlosenhilfe in den Rathäusern zu spenden. Die Wette dabei: Jeder Bezirk, der mehr als 500 Päckchen sammelt, bekommt 2.500 Euro für seine Kältehilfe von den Unternehmern, die die Wette initiiert haben.
Zum ersten Mal beteiligen sich elf Bezirke an der Aktion. Friedrichshain-Kreuzberg hat stattdessen die Korruptionsstelle eingeschaltet. Das Bezirksamt befürchtet, dass die Aktion illegale Werbung für die spendenden Einzelhändler sein könnte. Die ganze Episode lesen Sie hier. Danach sind Sie auf jeden Fall wach.
Übermüdet wollen Berlins Parteien in diesem Jahr nicht in den Wahlkampf starten. Der geht ja erst so richtig los, wenn überall Plakate hängen. Jedes Mal aufs Neue liefern sich die Parteien ein Wettrennen um die besten Laternenpfähle für ihre Kandidaten-Poster.
Nach dem Straßenverkehrsgesetz dürfen die Plakate frühestens sieben Wochen vor dem Wahltag hängen. Am Stichtag beginnt dann spätestens um null Uhr das Hauen und Stechen um die Pfostenplätze. Diese Strapazen möchten CDU und SPD ihren wahlgestressten Parteimitgliedern offenbar nicht mehr zumuten. Die Koalitionäre planen deshalb eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes, um die Plakate-Frist auf eine angenehmere Uhrzeit vorzuziehen.
Für die ehrenamtlich Wahlkämpfenden sei der nächtliche Sprint um die Plakatplätze eine „erhebliche und überflüssige Belastung“, heißt es in dem Antrag aus dem Verkehrsausschuss. Ohnehin werde die mitternächtliche Frist oft nicht eingehalten, weil das Ordnungsamt zu dieser späten Stunde kaum kontrolliere.
Stattdessen soll künftig erlaubt sein, mit dem Plakatieren schon am Vortag der Sieben-Wochen-Frist um 12 Uhr zu beginnen. Die prominentesten Laternenpfähle werden dann wohl spätestens ab 7 Uhr in der Früh von denjenigen belagert, die erst die besten Plätze für sich einnehmen wollen. Und danach die Menschen.
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Telegramm
Zunächst zum Wichtigsten. Hier folgen alle bisher sichtbaren politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Initiativen der Bundesrepublik Deutschland, die islamistische Diktatur im Iran vom Abschlachten ihrer für Freiheit demonstrierenden Bevölkerung abzuhalten: Das Auswärtige Amt hat den Botschafter einbestellt.
Das Unwort des Jahres 2025 heißt „Sondervermögen“. Die Verwendung des wirtschaftsjuristischen Fachbegriffs diene lediglich der Verschleierung von Rekordschulden, gab die Jury am Dienstag bekannt. Eine Begründung, so klar und einleuchtend, wie politische Sprache immer sein sollte.
Achtung, Warnung! Heute und morgen legt ein Warnstreik im öffentlichen Dienst einige Ämter sowie die Hortbetreuung in öffentlichen Schulen lahm. Komplette Schulschließungen soll es laut der Gewerkschaft GEW aber nicht geben. Auch nahezu alle kommunalen Kitas sollen mit Einschränkungen geöffnet bleiben. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn für 231.000 Beschäftigte des Landes. Unter ihnen sind 68.000 Beamte, die nicht streiken dürfen.
Und noch ein Ausfall: Nur wenige Tage nach dem großen Blackout im Südwesten sind gestern im Senat die Lichter ausgegangen. Ein Stromausfall hat über mehrere Stunden Teile der Gesundheits- und Sozialverwaltung lahmgelegt. Betroffen waren nach Tagesspiegel-Informationen sämtliche Arbeitsplätze im Amtsgebäude in Kreuzberg. Auch Mitarbeitende im Homeoffice hatten keinen Zugriff auf ihre Arbeit.
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Jetzt wird’s ernst: Wegen der Grippewelle und den langen Ferien sind die Blutreserven in Berlin dramatisch niedrig. Das Rote Kreuz befürchtet einen Engpass und ruft zum Blutspenden auf. Die Lagerbestände würden nur noch für ein bis zwei Tage reichen.
Jetzt wird’s schmutzig. Die Verbraucherzentrale Berlin warnt aktuell vor kostenlosen Gutscheinen für eine Matratzenreinigung. Einer „Gewinnerin“ wurde beim Termin an der Bettkante ein angeblicher Milben- und Schimmelbefall ihrer Matratze attestiert, der eigentlich ein Fall fürs Gesundheitsamt sei und damit eiligst einen teuren Matratzen-Neukauf nötig mache. Übers Ohr gehauen statt aufs Ohr gelegt.
Nun schlagen wir uns noch ein paar gute Meldungen um die Ohren:
„Berlin auf Tabellenplatz 1 – das hört man gern“. Was für den 1. FC Union und Hertha BSC in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga unerreichbar erscheint, schafft die Stadt im bundesweiten Wettstreit der Finanzämter und lässt Finanzsenator Stefan Evers (CDU) lauthals jubeln. Laut der Plattform „Lohnsteuer Kompakt“ hat Berlin inzwischen die schnellsten Ämter – vergangenes Jahr ging dieser Titel noch nach Hamburg. Im Schnitt ist ein Einkommenssteuer-Bescheid in Berlin nach 46 Tagen fertig. Arm, aber flott!
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Reich an neuen Eindrücken wird man zur Winterendewende immer auf der Berlinale. Bei der 76. Ausgabe können Sie, liebe Leserinnen und Leser, wieder dabei sein und aktiv mitmachen: als Jurymitglied für die Sektion Forum. Falls Sie also ab dem 12. Februar Zeit und Lust haben, wagemutige Filme aus aller Welt zu sehen und zu bewerten, dann bewerben Sie sich für unsere Tagesspiegel-Jury und schreiben uns bis Ende kommender Woche eine möglichst fantasievolle Mail an berlinale@tagesspiegel.de. Wir freuen und sehen uns – vor und hinter der Leinwand!
Morgen wird’s in Spandau spannend. Dann ziehen die ersten Mieterinnen und Mieter in die neue „Insel Gartenstadt“ ein. Das Wohn- und Arbeitsviertel für 10.000 Menschen bekommt bald auch eine eigene Buslinie. Und irgendwann hält hier wieder die S-Bahn auf der 1980 stillgelegten Strecke der Siemensbahn. So wächst Berlin aus sich selbst heraus. Und irgendwann vielleicht mal wieder über sich selbst hinaus.
„Verkehrsherz, Schlagader des Handels und Touristenmagnet“ – um welchen Ort in Berlin soll es hier gehen? Tja, angeblich um den Alexanderplatz. An der Baustellen- und Betonsteppe im Stadtzentrum wird heute Nachmittag Richtfest gefeiert für „The Berlinian“, den in die Höhe wachsenden und die Sicht auf den Fernsehturm einschränkenden Büroturm am Galeria-Warenhaus.
Einen Ort, an dem sich alle Menschen willkommen fühlen, verspricht die Baubroschüre auch noch. Das hängt vielleicht von den Bäumen ab, die hoffentlich irgendwann am Alex gepflanzt werden. Und von den Büchern, die hier vielleicht einmal mit der Stadtbibliothek einziehen und den ganzen Platz neu beleben könnten.
Berlin, Alexanderplatz. Hier bleibt die Stadt am Werden. Hoffentlich zum Besseren.
Zitat
„Es gibt Momente, da hast du einfach im Hinterkopf: Es könnte etwas passieren.“
Sebit John in einer Tagesspiegel-Umfrage zum Sicherheitsgefühl der Berlinerinnen und Berliner. Der 30-Jährige hat in der Öffentlichkeit schon Erfahrungen mit Homophobie und Rassismus machen müssen. Weitere Stimmen finden Sie hier.
Kiekste
Eine frostige Liebesbotschaft an „Jenny“ hat Checkpoint-Leserin Ines Andre-Schulze auf der Spree am Stralauer Ufer entdeckt. Schicken auch Sie uns Ihre schönsten, kuriosesten und überraschendsten Berlin-Momente an checkpoint@tagesspiegel.de und nehmen an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Ina Deter (79) Liedermacherin ‚Neue Männer braucht das Land‘ – Geburtstagsgrüße von Evi an die Kleene“ / Elif Eralp (45), Politikerin (Die Linke), seit 2021 ist sie MdA, Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September 2026 / Andrea Fischer (66), Politikerin (Grüne), von 1998 bis 2001 Bundesgesundheitsministerin, von 2011 bis 2012 in der BVV Mitte / Barbara Loth (69), Anwältin und Politikerin (SPD), 2011–2016 Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, zuvor Bezirksstadträtin in Steglitz-Zehlendorf
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn oder der Lieblingskollegin zum Geburtstag, den Großeltern zum Hochzeitstag oder einem Sportverein zum Jubiläum im Checkpoint gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. +++
Gestorben – Dr. Karl-Ernst Boeters,* 21. März 1922, verstorben am 24. Dezember 2025 / Gerd Habelitz, * 24. Oktober 1945, verstorben am 25. Dezember 2025 / Detlef Loczenski, verstorben am 20. Dezember 2025 / Renate Thiedig, * 4. Juni 1941, verstorben am 4. Januar 2026
Stolperstein – Ruth Daisy Gutmann (*1924 in Berlin) lebte nach der Scheidung ihrer Eltern bis 1939 mit ihrer Mutter in der Nähe von Danzig. Dann zog sie alleine nach Berlin, wo sie bei ihrer Tante unterkam. Am 19. Januar 1942 wurde sie von den Nazis erst nach Riga, später ins KZ Kaunas und dann ins KZ Stutthof deportiert. Dort starb Daisy Gutmann am 14. Januar 1945 an Typhus. Sie wurde 20 Jahre alt. An sie erinnert ein Stolperstein in der Altonaer Straße 3 im Hansaviertel.
Encore
Sie half mit, die Menschen in der Stromkrise zu informieren und trug jeden Morgen den Tagesspiegel im Berliner Südwesten aus. Nachts startete sie um zwei Uhr ihre Tour und war bis sieben Uhr von Haus zu Haus unterwegs bei stockender Dunkelheit – mit Stirnlampe und Fahrradlicht. „Man trifft ja nachts kaum jemanden, vielleicht nur Wildschweine“, erzählt die fleißige Frau in einem Video aus den Blackout-Tagen (zu sehen hier).
Mit den wilden Tieren am Stadtrand hat sie schon eigene Erfahrungen gemacht: „Einmal habe ich mich vor eine Rotte hingehockt, es war sehr interessant. Das Leittier kam auf mich zu und beschnupperte mich auch. Dann war sie zufrieden und ist langsam weggetrottet mit der ganzen Gruppe.“
Steglitz-Zehlendorf lebt – in vielen Facetten. Und auch die Zeitung lebt inmitten der digitalen Revolution – von den Menschen, die für sie leben.
Ohne Anne Roggensack und Jessica Gummersbach (Recherche) sowie Antje Scherer (Stadtleben) und Jennifer Katona (Produktion) hätte es hier heute Morgen keine Auslieferung gegeben. Morgen geht‘s weiter mit Lorenz Maroldt und Jessica Gummersbach.
Wir grüßen Sie!
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