bevor Sie sich gleich den ersten Kaffee des Tages zubereiten, hier erstmal kurz die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Koffeinologie: Ein internationales Expertenteam aus Mathematikern, Physikern und Materialforschern hat die Formel für den perfekten Espresso entdeckt. Nach tausenden Versuchen sind sich die Team-Mitglieder aus England, Irland, den USA und der Schweiz sicher: Gröber mahlen, länger ziehen – besser geht’s nicht. Und klingt das nicht irgendwie auch total nach Berlin?
20.000 Komparsen sucht die Flughafengesellschaft für den Probetrieb des BER, das sind doppelt so viele wie vor der geplatzten Eröffnung 2012. Damals war die Nachfrage riesig – noch am 13. April postete die FBB auf Facebook gute Nachrichten für diejenigen, die „keinen Platz mehr ergattern“ konnten: „Nun eine neue Chance für euch: Im Mai sind wieder einige Termine buchbar. Seid schnell, seid dabei!“ Drei Wochen später war das Ding geplatzt, auf die nächste „neue Chance“ mussten die Hobby-Tester fast acht Jahre warten. Doch diesmal könnte es tatsächlich klappen, die guten Nachrichten vom Berliner Luftverkehr reißen ja gar nicht mehr ab, auch der Direktflug nach Saarbrücken ist gesichert –die Strecke wird neuerdings von „Danish Air Transport“ bedient und ist insbesondere „für Reisende aus der Hauptstadtregion“ interessant, teilt die Flughafengesellschaft mit. Also falls Annegret Kramp-Karrenbauer, Heiko Maas oder Peter Altmaier schnell mal nach Hause wollen. Oder müssen.
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Deportiert nach Auschwitz
Als deutsche Truppen 1944 Ungarn besetzten, begann für die jüdische Bevölkerung der Holocaust. Die damals 14-jährige Sheindi Ehrenwald schrieb auf, wie sie Ghettoisierung und Deportation nach Auschwitz erlebte. Das Deutsche Historische Museum präsentiert dieses einzigartige und persönliche Zeugnis von Verfolgung und Vernichtung in seiner Dauerausstellung.
Kurz vor dem 75 Jahrestag der Befreiung von Auschwitz entscheidet heute die Akademische Versammlung der Beuth-Hochschule darüber, ob sie ihren antisemitischen Namensgeber loswerden will – und bekommt als Vorlage vom Ersten Vizepräsidenten Kai Kummert eine bizarre Kostenschätzung präsentiert, die finanzielle Gründe für eine Beibehaltung des Namens nahe legt. Dem Checkpoint liegt das interne Papier inklusive detailliertem Anhang vor. Demnach soll eine einfache Namensänderung exakt 1.866.864,52 Euro kosten, inklusive „Logo und Farbe“ sogar 2,508.783,08 Euro. Alleine für „interne zusätzliche Aufwände in der Verwaltung“ der Hochschule sind rund eine halbe Million Euro veranschlagt. Auch die Pressestelle kommt auf Kosten von rund einer halben Millionen Euro, davon 466.808,13 Euro für externe „Grafiker-Kompetenzen“.
Im bis auf den Cent genau geschätzten Aufwand der einzelnen Bereiche sind zudem vermeintliche Risiken festgehalten. So ist die Rede von angeblich möglichen „Absolventenklagen“ während des Umstellungsprozesses. Gefährdet sei bei einem Namenswechsel auch das „kontinuierliche Image“ der Hochschule, zudem drohe der „Verlust der Rankings in Suchmaschinen“ sowie „von Netzwerken und Bekanntheitsgrad“. Das Hochschulrechenzentrum befürchtet, wegen einer möglichen „temporären Unterbrechung des Zugriffs auf Informationen und Systeme“ einen Verlust von „Vertrauensstellungen bei Partnern“.
Mit einem Schreckensszenario schließt der Erste Vizepräsident seine Ausführungen: Die Kosten für die Namensänderungen würden „nicht erstattet oder extern z.B. von der Senatskanzlei bereitgestellt“, sie müssten „in vollem Umfang“ von der Hochschule aus dem bereits verplanten Haushalt erbracht werden. Das könne „ausschließlich durch folgende beispielhaft dargestellten Maßnahmen gedeckt werden: Einstellungsstopp/ - reduzierung für Personalnachbestzungen und -neueinstellungen und/oder Reduzierung/Streichung der Lehr- und Lernmittel für einen Zeitraum und/oder Einstellung/Reduzierung der (Brandschutz-)Sanierung des Campus.“
So schwer ist es also, in Deutschland im Jahr 2020 einen Antisemiten loszuwerden – leider zu teuer. Christian Peter Wilhelm Beuth, „Vater der preußischen Gewerbeförderung“, war ein Vorbote der Vernichtung, das Verbluten eines Juden bei der Beschneidung war ihm „wünschenswert“. Eine Hochschule, die das von Buchhaltern aufwiegen lässt, hat ihre Entscheidung getroffen – ganz egal, wie sie ausfällt.
Die Senatskanzlei, von Kummert zitiert, kannte die Kostenschätzung bis gestern noch nicht. Ob es in der Wissenschaftsverwaltung eine Anfrage der Hochschule zur Übernahme eines Teils der Kosten gab, war nicht zu klären. Staatssekretär Steffen Krach sagte dem Checkpoint am Abend dazu: „Der Prozess, den die Hochschule durchgeführt hat, war bislang wirklich vorbildlich. Dass Äußerungen von Beuth antisemitisch waren, bestätigen die Experten. Die Lage ist für mich persönlich eindeutig, ich würde für eine Umbenennung stimmen. Das muss aber die Hochschule entscheiden. Und eine so grundsätzliche Entscheidung muss doch unabhängig von möglichen finanziellen Belastungen, die mit einer Umbenennung verbunden sind, getroffen werden.“ Auch der neue Präsident der Hochschule, Werner Ullmann, hatte sich eindeutig geäußert – in seinem ersten Interview nach seiner Ernennung vor einem halben Jahr sagt er dem Tagesspiegel: „Ich selber sehe einem neuen Namen positiv entgegen, das will ich nicht verhehlen.“
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Leipzig statt London
Das Tagesspiegel Reisemagazin 48 Stunden präsentiert 16 kleinere und größere Städte, die von Berlin aus in drei Stunden mit dem Zug zu erreichen sind.
Mit exklusiven Empfehlungen, Geheimtipps und vielem mehr.
Berlin buhlt um die IAA – heute Mittag steigt die große Bewerbungsshow der Klima-Hauptstadt für die Austragung der Automobilmesse. Alfons Frese beschreibt im Tagesspiegel das Setting: Michael Müller, Messechef Christian Göke, TU-Vizepräsidentin Christine Ahrend… und: „IHK-Chefin Kramm fliegt aus Kapstadt ein, wo sie sich als Produzentin des ‚Traumschiffs‘ derzeit zu Dreharbeiten aufhält. Ein fünfter, prominenter Teilnehmer der Berliner Bewerbungsmannschaft soll als Überraschungsgast die VDA-Jury beeindrucken. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop scheut die Teilnahme, weil sie Nachteile in ihrer Partei befürchtet.“ Hm, liest sich ein bisschen wie das Drehbuch zu einer weiteren Folge von „The Fast and the Furios“: Vin Diesel beeindruckt die Jury schwitzend mit seinen Muckis, Michael Müller streichelt verzückt seinen Mercedes S 600 Guard und Ramona Pop schwört: „I didn’t inhale!“
Apropos Auto und Klima: Welche komplementären Begriffe fallen Ihnen dazu ein? Richtig, das war einfach: „SPD“ und „Nürnberg“ – die Fraktion der Berliner Sozialdemokraten macht sich mit ihren Senatsmitgliedern auf zum Klassenausflug nach Bayern und berät dort von morgen an über wirksamen Klimaschutz. Und jetzt sind Sie wieder dran: Wie viele Dienstwagen sind auf den 1000 Kilometern Autobahn hin und zurück im Einsatz? Kleiner Tipp: Unter 4 ist kalt…
Berliner Schnuppen
Telegramm
„Neuer Airport entsteht im Süden von Berlin“ lautete vor genau 30 Jahren der Aufmacher in den „Brandenburgischen Neuesten Nachrichten“. 2012 sollte es nach einigen Verschiebungen endlich soweit sein, seit Ende 2014 zählen wir hier im Checkpoint in unserem „Count up“ die Tage seit Nichteröffnung. Aber jetzt fragen wir uns: Ist es nicht langsam an der Zeit, umzuschalten? Countdown statt Count up? 282 Tage sind es von heute an noch bis zum Geburtstag von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der an diesem Tag auch die BER-Eröffnung feiern will. Vor ein paar Tagen haben wir Sie hier gefragt: Wird’s diesmal wirklich was? Und tatsächlich, erstmals seit 2012 sagte eine Mehrheit: Ja, diesmal klappt’s! Selbst Lütke Daldrup sagt, er habe sich die Augen reiben müssen, als er im „für Lob völlig unverdächtigen Checkpoint“ das Ergebnis las. Also fragen wir Sie heute: Ist es an der Zeit, den BER Count Up in einen BER Countdown umzuwandeln? Wir freuen uns über rege Beteiligung!

Der Mietendeckel scheppert kurz vor der Verabschiedung im Parlament (30.1.) jetzt auch den Fans etwas unangenehm in den Ohren - im letzten Moment wälzte gestern im Ausschuss die Koalition die Verantwortung auf die Mieter ab: Die Ämter sind raus, und Mietrechtsanwalt wird in Berlin zum Trendberuf – der Justizsenator kann schon mal für den Nachtragshaushalt neue Richterstellen planen.
Baustadtrat Florian Schmidt sollte gestern im Hauptausschuss klären, was noch nicht zu klären ist: Die Akten sind zu, und alle Fragen offen. In der Checkpoint-Abstimmung ergab sich ein etwas klareres Bild: Von den 2148 Teilnehmern sind 58 Prozent der Meinung, dass Schmidt den Haustürbogen überspannt hat, 38 Prozent halten seine Aktionen für wichtiger als die Vorwürfe.
Michael Müller schreibt im „Handelsblatt zu einerneuen Bodensteuer: „Schwarzen Schafen sollten wir gemeinsam die Rote Karte zeigen.“ Na, wenn da mal nicht wieder gleich gemeckert wird…
Sasha Waltz und Johannes Öhmann tanzen aus der Reihe – nach nur fünf Monaten Amtszeit geben sie bekannt: Ende des Jahres geben sie die Intendanz des Staatsballetts auf. Da gab‘s wohl Dirty Dancing hinter der Bühne.
Berlin sieht schwarz-weiß – und zwar im Zoo: Am 30. Januar wird der Panda-Nachwuchs von Meng Meng präsentiert. Den Pressetermin verraten wir diesmal vorsichtshalber nicht. Beim letzten Mal war der Zoodirektor so sauer, dass er am liebsten ein paar Stinktiere auf uns losgelassen hätte. Deshalb nur so viel: Wir dürfen früher rein ;-)
Auch im Tierpark ist was los – da wird das Elefantenhaus luxussaniert, mit Doppelwaschbecken. Offenbar hat Rot-Rot-Grün hier vergessen, ein Milieuschutzgebiet auszurufen. Die Dickhäuter werden sich das merken!
Falls Sie Ihren Hahn vermissen: Der hat gestern früh um 9 auf dem Hof der Spreewald-Grundschule in Schöneberg die Lehrer geweckt. Die Polizei nahm den Ruhestörer vorübergehend fest (so gut es ging).
Berlins gesündester Bezirk ist Friedrichshain-Kreuzberg: Der durchschnittliche Krankenstand beträgt 3,7 Prozent – muss wohl am guten Gras liegen. Zum Vergleich: Den letzten Platz hält Marzahn-Hellersdorf mit 6,3 Prozent.
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„Seltene Erkrankungen: Empowerment der kleinen Zahlen“ ist das Thema des Tagesspiegel Fachforum Gesundheit am 13. Februar. Es diskutieren Lars Roemheld, health innovation hub, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, MdB, Bündnis 90/Die Grünen und Mirjam Mann, Achse e. V., über Partizipation, Datenspenden und die europäische Perspektive. Jetzt anmelden!
Der Schwarzmarktpreis für den Gästebereich beim Spiel Hertha vs. Union im Olympiastadion ist bis heute früh auf 951 Euro gestiegen – knapp zwei Monate vor dem Anpfiff (21.3.). Dabei hat Union mit dem Verkauf der Gästekarten noch gar nicht begonnen. Der Verein will erst Anfang nächster Woche verkünden, mit welchem Modus die Tickets veräußert werden. Wenn Schwarzmarkthändler jetzt bereits den Eintritt in den Gästeblock verkaufen, handelt es sich also um Spekulation. Die Händler setzen darauf, dass sie, wenn der Verkauf startet, schon an Tickets kommen werden.
Offiziell werden Tickets seit Dienstag an Mitglieder von Hertha BSC verkauft und ein Blick ins interne Buchungsportal zeigt, es sind nur noch wenige tausend Tickets verfügbar. Noch nicht vergriffen sind vor allem die ganz teuren Plätze und jene mit Sichtbehinderung. Einen freien Verkauf wird es wohl kaum geben. Doch beim umstrittenen Tickethändler Trivago finden sich bereits einige Karten. Einstiegspreis: 198 Euro. Bei Hertha beobachtet man genau, was bei externen Online-Ticketportale auftaucht. An Unioner soll kein Platz zu viel abgegeben werden.
Für die Pyro-Show beim Hinspiel am 2. November müssen beide Vereine blechen. Hertha zahlt 190.000 Euro und Union soll nach dem Willen des DFB-Kontrolauschusses 158.000 Euro überweisen. Das Verfahren von Union Berlin landet nun aber vor dem DFB-Sportgericht, weil der Verein der Strafe nicht zugestimmt hat. Außerhalb des Gästebereichs ist das Tragen von Union-Utensilien beim Rückspiel in Charlottenburg untersagt.
Sensation: Schon 425 Jahre nach Erfindung des Rollstuhls wurde gestern Berlins erste echt barrierefreie BVG-Bushaltstelle in Betrieb genommen. Obwohl – eigentlich gar nicht in Berlin, sondern bei Berlin, also in Spandau. Mehr darüber weiß André Görke, in seinem „Leute“-Newsletter hat er’s erzählt.
Social-Media-Influencer Burkard Dregger eilt von Erfolg zu Erfolg – das Facebook-Video seiner Rede zur Gewalt gegen Einsatzkräfte hat jetzt 171.000 Leute erreicht. Da sollte bald doch ein Werbevertrag für Uniformen drin sein, oder?
Ein großer Berlin-Streit ist endlich gelöst! Oder muss es heißen: Ein großer „Berliner“-Streit? Oder hat uns da jemand gar in die Pfanne gehauen? Ach, entscheiden Sie selbst, schauen Sie nach, was sich unter diesen Link verbirgt (kleiner Tipp: lieber mit Senf gefüllt als mit Marmelade).
Jugendstadtrat Oliver Schworck aus Tempelhof-Schöneberg versucht, sich einen Reim auf den Büromaterialnotstand im Bezirksamt zu machen – dort hatte eine Mitarbeiterin eine Checkpoint-Leserin aufgefordert, Elterngeldunterlagen per Post zu schicken. „Ich bitte um Einreichung per Post, da auf Grund einer Haushaltssperre bezüglich Büromaterial (Druckerpatronen) die per Mail eingereichten Nachweise nicht mehr bzw. nur sehr eingeschränkt ausgedruckt werden können. Ich bitte um Verständnis", schrieb die Mitarbeiterin. Schworck bestätigt, dass die Druckerpatronen für direkt am Arbeitsplatz befindliche Drucker aufgebraucht sind. In einem Schreiben seien die Mitarbeiter aber gebeten worden, deshalb die zentralen Drucker zu benutzen. Möglicherweise war da einfach jemand etwas zu bequem – der Stadtrat geht jetzt auf die Suche. Checkpoint-Tipp an die Mitarbeiterin: Hinter dem zentralen Drucker verstecken, aber pssst!
Nachtrag II: Kaum hatte die Bildungsverwaltung die gestrige Lektion „Mathe mit dem Checkpoint“ gelesen, korrigierte sie ihre Webseite. Jetzt ist 3+2 tatsächlich 5. Allerdings haben sie dort jetzt die Durchschnittsnote falsch gerundet: 67:(13+13) ist nicht 2,5, sondern 2,5769, also: 2,6. Aber das ist ja auch schon höhere Mathematik, das machen wir erst nach den Sommerferien.
Korrektur – Philipp Evenburg hatte zwar gestern Geburtstag, er heißt aber nicht mehr Magalski – und im Abgeordnetenhaus saß er für die Piraten, nicht für die Grünen, deren Mitglied er heute ist. Im vergangenen Jahr hatten wir das schon mal richtig, und im nächsten hoffentlich auch wieder.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Scheiß Kanake!“ „Hund!“ „Fetter Sack!“ „Lutscher!“
Auszug aus den Beschimpfungen, die sich Berliner Polizisten gestern im Einsatz anhören mussten (veröffentlicht von der Polizei).
Tweet des Tages
Wer sich bei unserem Jobangebot dieselben Fragen stellt wie der Checkpoint, sollte sich lieber nicht bewerben. Aber wenn man ‚Befeuerung‘ und ‚Flughafen‘ zusammen googelt, geht einem ein Licht auf.
Stadtleben
Essen –Zu den spannendsten Neueröffnungen der letzten Monate zählt unsere Genuss-Redaktion das Irma la Douce in der Potsdamer Straße 102 (Tiergarten). Der Nachfolger der Brasserie Lummières durchweht ein französischer Gedanke, ohne ein klassisches französisches Restaurant zu sein. Die Gerichte aus der Küche von Michael Schulz (ehem. Golvet und Rutz) sind moderner und eigenständiger, wie Bernd Matthies berichtet, was sich nicht zuletzt in den gehobenen Preisen ausdrückt: Das Reh mit Kürbis, Churros und Raz-el-Hanout schlägt mit 34 Euro zu Buche. Die überwiegend deutsch-französische Weinkarte hat Restaurantleiter und Sommelier Sascha Hammer (ehem. Volt) mit viel Traditions- und Trendbewusstsein komponiert, darunter viel Begehrtes und unzählige Champagner – passt ja auch zum Namen. U-Bhf Kurfürstenstraße, Di-Sa ab 18 Uhr
Trinken – Es muss ja nicht immer Rum sein: Das Princess Cheesecake in der Knesebeckstraße 32 setzt zur Tea Time am Freitag (17 Uhr) einen High Coffee an. Barista Björn Wnuck von Lebensbaum, der ältesten Bio-Rösterei Deutschlands, hat sich einiges ausgedacht, um die süßen und salzigen Kuchenköstlichkeiten des Cafés ähnlich anspruchsvoll zu begleiten. Ausgeschenkt werden „Cold Brew Gin Tonic“ oder ein „Speedy-Bee-Speedy-Boo“-Espresso. Wer vorher noch eine ordentliche Grundlage braucht, wähle aus einer (oder zwei) der mächtigen Käsekuchenkreationen aus, mit denen hier täglich in beeindruckend wohltuender Shabby-Chic-Atmosphäre gehandelt wird. Tickets für das Kaffee-Event am Freitag können für 35 Euro (inkl. Essen) unter info@princess-cheesecake.de reserviert werden (S-Bhf Savignyplatz, Mo-So 10-20 Uhr). Eine weitere Filiale befindet sich übrigens in Mitte in der Tucholskystraße 37 (S-Bhf Oranienburger Straße).
Berlinbesuch eine feministische Perspektive auf die Wendezeit geben: Im Friedrichshain-Kreuzberg Museum eröffnet heute um 19 Uhr die Ausstellung „Labor89“ den Blick auf Leerstellen in den bekannten Erzählungen über Mauerfall und Wiedervereinigung. Zu sehen bis 22. März, Adalbertstraße 95A (U-Bhf Kottbusser Tor), Di-Fr 12-18 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, Eintritt frei.
Vormerken Im Haus Bastian in Mitte (Am Kupfergraben 10), das unter der Woche Schülern und Schülerinnen kulturelle Bildung vermittelt, findet am Sonntag ein öffentlicher Familienworkshop statt (wie an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat). In der Zeit von 12 bis 16 Uhr wird mit Objekten und Materialien des „Verstärkers“ experimentiert, Körperteile mit unterschiedlichen Farben und Stoffen abgedruckt, mit Kopierern vervielfältigt und zeichnerisch abgebildet. Der Workshop knüpft an die Ausstellung „Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“ in der James-Simon-Galerie an. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich, geeignet für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ab 6 Jahren.
Geschenk – Neben den Clubs sterben Berlin auch die Kiezkneipen weg. Als Hommage an die „kleinen und großen Kneipen unten an der Ecke, die ihre Besucher, ob jung, ob alt, grau oder bunt, von früh bis spät am Tresen willkommen heißen“ hat die Zitty 32 dieser Budiken, die noch die Fahnen hochhalten, in einem Kartenquartett verewigt (kostet 9,90 Euro).
Last-Minute-Premiere – Bevor der Film am 30. Januar in die Kinos kommt, trifft sich Cast und Crew heute Abend um 19 Uhr im Kino International, um „Ein verborgenes Leben“ einem exklusiven Publikum zu präsentieren. Der Film von Regisseur Terrence Malick erzählt die Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der 1943 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, weil er sich weigerte, für die Wehrmacht zu kämpfen. Ein historisches Drama mit prominenter Besetzung (August Diehl, Jürgen Prochnow, Ulrich Matthes, Franz Rogowski u. a.), auch Bruno Ganz spielt noch mit, in seiner letzten Rolle. Wer dabei sein möchte: Wir verlosen 3x2 Freikarten (bis 12 Uhr).
Verlosung – Anderes Kino, anderes Thema: Am Samstag findet im Kino Babylon Mitte um 19.30 Uhr ein Fellini-Geburtstagskonzert „Nino Rota live“ statt – mit der Musik aus allen wichtigen Fellini-Filmen. Es ist Höhepunkt der Fellini-Retrospektive, die noch bis zum 22. Februar die wichtigsten Filme des italienischen Kultregisseurs im Original mit englischen Untertiteln zeigt. Tickets für das Konzert kosten 30 Euro – wir verlosen 2x2 Freikarten.
Noch hingehen – Im Naturkundemuseum zeigt Tristan seine Zähne – allerdings nur noch bis Sonntag, dann dampft der Tyrannosaurus rex für ein Jahr nach Kopenhagen ab. Die große Abschiedssause beginnt morgen mit „Beats&Bones“ bis 24 Uhr.
Das Stadtleben heute von: Stefanie Golla.
Berlin heute
Verkehr – Grunerstraße (Mitte): Von 6 Uhr an finden Richtung Potsdamer Platz Reparaturarbeiten statt, auch im Bereich Alexanderplatz ist mit Einschränkungen zu rechnen.
Falkenberger Chaussee (Neu-Hohenschönhausen): Bis Mitte März ist stadtauswärts zwischen Rüdickenstraße und Falkenberger Brücke nur eine Spur frei.
Velodrom (Prenzlauer Berg): Aufgrund des 109. Berliner Sechstagerennens kann es sich im Bereich Landsberger Allee, Storkower Straße und Conrad-Blenkle-Straße stauen (Beginn 17 Uhr).
Max-Schmeling-Halle (Prenzlauer Berg): Um 19.30 Uhr spielen die Recycling Volleys auf – im Umkreis von Schönhauser Allee, Gleimstraße und Eberswalder Straße kann es zu Verkehrseinschränkungen kommen.
Demonstration – Der Saarländische Städte- und Gemeindetag fordert „Altschuldenerlass für das Saarland“ und zieht mit ca. 55 Personen vom Platz der Republik in die Ministergärten 4 zur Saarländischen Landesvertretung (14-17 Uhr). Changing Cities e.V. zeigt die „Rote Karte für Scheuer #9“, angemeldet sind 20 Demonstrierende am BMVI an der Invalidenstraße 44 (17.30-18.30 Uhr). Am Kottbusser Tor versammeln sich zwischen 18 und 19 Uhr etwa 20 Personen zur Kundgebung „Freiheit für Mustafa Kocak/ Solidarität mit Grup Yorum“.
Gericht – Einem mutmaßlichen Trickbetrüger wird der Prozess gemacht. Der 26-Jährige soll mit Komplizen ältere Menschen dazu gebracht haben, ihre Wertsachen an ihn oder seine Mittäter auszuhändigen. Sie hätten sich zuvor am Telefon als Polizisten ausgegeben (13.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 672).
Universität – Die FU launcht heute ein Online-Angebot für Lehrerinnen und Lehrer, das kostenfrei Unterrichtsmodelle zur Kinder- und Jugendliteratur bereitstellt, die im Rahmen von Lehrveranstaltungen oder Abschlussarbeiten von Studierenden der Uni Leipzig, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie der Freien Universität Berlin erarbeitet worden sind. Eine Informationsveranstaltung in der Rost- und Silberlaube (Raum J 27/14, Habelschwerdter Allee 45) beginnt um 15 Uhr, ist öffentlich und der Eintritt frei.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Julia Bardarsky (22), „Schauspielerin und Synchronsprecherin, Dicker Kuss vom größten Fan!“ / Georg Baselitz (82), Maler, Grafiker und Bildhauer / Gottfried Böhm (100), Architekt und Bildhauer / Jonathan Meese (50), Künstler / Harald Metzkes (91), Maler / Joachim Pukaß (84), Synchronsprecher und Schauspieler / Stefanie Reichelt (51), „rbb - liebe Grüße von nebenan“ / Niko Stoessl – „Alles Liebe von deiner Anna“ / Nachträglich: Thomas Wiegold (60), „Journalist und Ein-Mann-Kompetenz-Blogger zu deutschen Sicherheitspolitik“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Volker Buschick, * 13. Juli 1950 / Jenny Kajet, * 11. Juli 1924 / Wolfgang Maywald, * 8. Februar 1929 / Volker Sommer, * 1944, „Der Nachruf auf einen, der nicht mit seinem Tod gerechnet hat“ von Julia Prosinger
Stolperstein – Die Schwestern Therese und Else Landsberg (Jhg. 1883 und 1881) lebten in der Heilbronner Straße 22 in Schöneberg. Nach Jahren der gesellschaftlichen Isolation, Drangsalierung und Entrechtung durch die Nazis nahmen sie sich am 23. Januar 1942, heute vor 78 Jahren, gemeinsam in ihrer Wohnung mit Hilfe eines Schlafmittels das Leben, um der drohenden Deportation zu entkommen. Ihre Urnen wurden im Familiengrab der Familie Landsberg auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt.

(Foto: Götz Troschke )
In Tempelhof-Schöneberg erinnern viele große und kleine Hinweise an Nachbarn, die Opfer des NS-Terrors wurde, wie diese Gedenkplatte an der Hauswand in der Apostel-Paulus-Straße 26. „Wir waren Nachbarn“ ist auch der Titel der zentralen Gedenkveranstaltung in der Apostel-Paulus-Kirche am Sonntag, die diesen Opfern gedenkt und mahnt. Welche weiteren Veranstaltungen und Ausstellungen anlässlich des Holocaust Gedenktages am kommenden Montag im Bezirk geplant sind, hat meine Kollegin Sigrid Kneist für Sie zusammengefasst.
Encore
Zum Schluss noch kurz der Blick in die Spam-Box… Oha! Post vom Anwalt eines gewissen „Prinz von Preußen“ – muss sich wohl um so eine Art Reichsbürger handeln. Ich kenne nur eine Prinzessin, aber die wohnt bei mir zuhause. Hm, wir sollen irgendwas unterlassen zu behaupten, irgendwas mit „Hohenzollern“ und „Adelsgeschlecht“, das scheint mir nicht ganz jugendfrei zu sein. Vielleicht irgendwas mit einem Kostümfilm oder so, soll sich mal die Kultur drum kümmern. Oder die Rechtsabteilung. Oder der Kaiser von China.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls einen königlichen Tag – morgenfrüh begrüßt Sie hier Laura Hofmann, bis dahin,